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	<title>African Paper &#187; Ruptured</title>
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		<title>Taamir (Bahriyyeh): Digitale Single von Mayssa Jallad</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 05:13:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit „Taamir (Bahriyyeh)“ veröffentlicht die libanesische Sängerin, Gitarristin, Architektin und Wissenschaftlerin Mayssa Jallad eine digitale Single, die musikalische Intimität mit historischer Tiefenschärfe verbindet. Der rund fünfminütige Track lebt von ihrem ausdrucksstarken arabischen Gesang, getragen von rhythmischem Gitarrenstrumming, perkussiven Elementen und &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/04/17/taamir-bahriyyeh-digitale-single-von-mayssa-jallad/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit „Taamir (Bahriyyeh)“ veröffentlicht die libanesische Sängerin, Gitarristin, Architektin und Wissenschaftlerin Mayssa Jallad eine digitale Single, die musikalische Intimität mit historischer Tiefenschärfe verbindet. Der rund fünfminütige Track lebt von ihrem ausdrucksstarken arabischen Gesang, getragen von rhythmischem Gitarrenstrumming, perkussiven Elementen und durchzogen von maritim anmutenden Field Recordings, die eine kraftvolle und zugleich melancholische Atmosphäre erzeugen. <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/taamir.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-50871" title="taamir" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/taamir.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-50870"></span></p>
<p>Inhaltlich zeichnet das Stück die Geschichte eines Wohnprojekts nahe Sidon nach, das nach einem Erdbeben entstand und sich über Jahrzehnte zu einem vielschichtigen sozialen Raum entwickelte, eng verwoben mit den Lebensrealitäten von Fischern, politischen Bewegungen und einem benachbarten Flüchtlingslager. So entsteht ein vielschichtiges Klangbild, das Alltagsleben, Erinnerung und regionale Konfliktgeschichte differenziert und nuanciert miteinander verschränkt, ohne je ins rein Dokumentarische zu kippen. Im Sinne einer musikalischen wie wissenschaftlichen Erkundung eines historischen Ortes knüpft die Künstlerin hier also auch an ihr groß angelegtes <a title="MAYSSA JALLAD: Marjaa" href="https://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">Album &#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels&#8221; </a>an, mit dem sie den Spuren historischer Ereignisse im bürgerkriegsgeplagten Beirut mit Mitteln der Musik und der Poesie nachging. Kompositorisch unterstützt von Fadi Tabbal und rhythmisch akzentuiert durch Pascal Semerdjian, entfaltet der Song eine dichte, bewegende Sogwirkung zwischen persönlicher Erzählung und kollektiver Geschichte. Eine ganze Reihe an Fischern wwerden auf Bandcamp namentlich genannt. Die Single erscheint mit Design von Josette Khalil (die zusammen mit Omar Bsat  auch an der historischen Aufarbeitung beteiligt war) über Ruptured.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/track=1115070953/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>DAOU: Blue Ghost</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Dec 2025 21:56:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Daou]]></category>
		<category><![CDATA[Georges Daou]]></category>
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		<description><![CDATA[Erinnerung und Gegenwart liegen in &#8220;Blue Ghost&#8221; so dicht beieinander, dass sie kaum noch zu unterscheiden sind. Das Album beginnt wie das Fragment einer Erinnerung: Geräusche tauchen auf, verwehen, schichten sich übereinander, als lausche man einem Ort, den man nie &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/12/19/daou-blue-ghost/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/blueghost.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-48608" title="blueghost" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/blueghost-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Erinnerung und Gegenwart liegen in &#8220;Blue Ghost&#8221; so dicht beieinander, dass sie kaum noch zu unterscheiden sind. Das Album beginnt wie das Fragment einer Erinnerung: Geräusche tauchen auf, verwehen, schichten sich übereinander, als lausche man einem Ort, den man nie wirklich verlassen hat. Der Text, der dem Werk von Georges Daou vorangestellt ist, evoziert diese Stimmung bereits in Worten: das Meer als <span id="more-48607"></span>Schwelle zwischen dem, was war, und dem, was nie war, das Loslassen der Vorstellung vom &#8220;endlosen Sommer&#8221;, ohne sie zu verlieren. Aus dieser Haltung heraus entsteht eine Musik, die weniger erzählt als erinnert, weniger sucht als festhält, was bleibt, wenn das Flüchtige schon verflogen ist.</p>
<p>Daou, Architekt und Musiker aus Paris, verwandelt in &#8220;Blue Ghost&#8221; dieses Gefühl in Klang. Seine dröhnenden, warmen Schichten, das Knacken, Pfeifen und Rauschen im Hintergrund, schaffen eine Atmosphäre, die sich kaum greifen lässt und gerade deshalb so vertraut wirkt. In &#8220;Memory Like Dreams&#8221; schimmert die maritime Melancholie erstmals deutlicher auf – das ferne Rufen von Seevögeln, der Rhythmus der Wellen, vielleicht bloß imaginiert, aber mit der Eindringlichkeit echter Erinnerung. Später, in &#8220;Bitter Truth&#8221;, werden alte Gesangsschnipsel zu geisterhaften Echos, halb verborgen wie Stimmen aus einem Radiogerät am Strand einer vergangenen Zeit. Auch in den raueren, leicht verkratzten Momenten bleibt die Musik warm, nie abweisend. Die Melancholie, die sie durchzieht, hat nichts Bitteres – sie ist abgeklärt, beinahe zärtlich.</p>
<p>&#8220;Waiting by the Sea&#8221; wirkt wie ein leiser Wendepunkt: ein Stück, das mit entrückter Schönheit aufhorchen lässt, hypnotisch, heimlich elektrisierend und klar zugleich. Danach ziehen stillere, mal verträumte, mal fast liedhafte Passagen vorbei, deren Klaviermotive von einem feinen Rauschen umhüllt sind. Dann lässt &#8220;The Storm&#8221; mit seinem rauen Wind und den halbversteckten Melodietupfern noch einen heimlichen emotionalen Höhepunkt entstehen, bevor sich das Album mit hellen, versöhnlichen Melodien schließt, als läge in der Sehnsucht selbst schon die Ruhe ihrer Erfüllung.</p>
<p>&#8220;Blue Ghost&#8221; ist ein stilles, trotz seiner subtilen Eingängigkeit vielschichtiges Werk, das die Grenze zwischen Vergangenheit nd Gegenwart, zwischen Erinnerung und Präsenz verschwimmen lässt. Es bleibt – wie der Schatten eines Sommers auf dem Meer – flüchtig, aber von seltener Wärme.</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
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		<title>MAUD ZEINOUN: For The Waves I Rode / And The Ones That Broke Inside Me</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Nov 2025 02:14:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Maud Zeinoun]]></category>
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		<description><![CDATA[Manchmal ist es nicht das laute Bekenntnis, sondern eher das leise neue Durchleben von Erinnerungen, das von Stärke zeugt. In der Wiederholung von Schmerz und Trost, im Kreisen um das, was entsteht und wieder vergeht, kann Musik zu einem Medium &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/11/22/maud-zeinoun-for-the-waves-i-rode-and-the-ones-that-broke-inside-me/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/forthewaves.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-48489" title="forthewaves" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/forthewaves-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Manchmal ist es nicht das laute Bekenntnis, sondern eher das leise neue Durchleben von Erinnerungen, das von Stärke zeugt. In der Wiederholung von Schmerz und Trost, im Kreisen um das, was entsteht und wieder vergeht, kann Musik zu einem Medium werden, in welchem Sensibilität und Verletzlichkeit ihre ganz eigene Form erhalten.<span id="more-48488"></span></p>
<p>Maud Zeinouns Debütalbum &#8220;For The Waves I Rode / And The Ones That Broke Inside Me&#8221; ist, wie man vom Label erfährt, über Jahre hinweg zwischen Erinnerungsfetzen, Rückzügen und plötzlichen Anläufen gereift – eine Sammlung innerer Zustände, festgehalten in sechs Stücken, die zwischen Pop, Elektronik und einem vielschichtigen Ambientrahmen oszillieren. Die in Beirut lebende Sängerin, Songwriterin und Producerin, die ursprünglich aus der Welt des Films kommt, arbeitet hier mit einer spürbar bildhaften Sensibilität: jede Klangschicht, jedes Ein- und Ausblenden wirkt bewusst gesetzt, fast wie eine Einstellung oder eine Schnittmontage.</p>
<p>&#8220;Oublie&#8221; eröffnet das Album mit hellen, fast orchestralen Schwebungen, die von Stimmen, Säufzern, Vogelrufen und französischer Rezitation durchzogen werden – ein geheimnisvolles Geflecht aus Intimität und Überforderung, das den Hörer unmittelbar in Zeinouns Welt zieht. Doch statt sich in sphärischen Ambientflächen zu verlieren, schlägt das darauffolgende &#8220;Constructivism&#8221; eine völlig andere Richtung ein: ein federnder Beat, Fingerschnippen, eine energische Snare – alles erinnert an eine Parade aus einer anderen Zeit. Ihre Stimme, digital angehoben und von Hust- und Kichersalven umgeben, kippt zwischen Ironie und Aufbruch. Das folgende &#8220;Pleasure Land&#8221; greift diesen Rhythmus auf, tanzbar, verspielt, getragen von Vocoderstimme und einer Melodie, die sich langsam entfaltet, als würde Zeinoun prüfen, wie viel Raum sie ihrer Stimme diesmal geben will. &#8220;Fighting Wars&#8221; verwebt Handclaps, Orgeln und Synthesizer zu einem pulsierenden Gefüge, das an Italo-Disco erinnert, während darin einfache, fast lakonische Worte über Verlust und Bitterkeit mitschwingen. Kurz flackern deutsche Flüche auf – unerwartet, rotzig, komisch, befreiend – bevor alles wieder in die Ordnung des Taktes zurückkehrt.</p>
<p>Mit &#8220;We Were Never Forever, After All&#8221; nähert sich das Album seinem Höhepunkt: stampfende Rhythmen, Handclaps, schwebende Synthies – die 80er sind hier nicht bloß Referenz, sondern Resonanzraum. Zeinouns Gesang bleibt hier unverfremdet, direkt, getragen von einer Melodie, die zugleich trotzig und verletzlich wirkt. Zeinoun hätte  einen guten Opener für Soft Cell abgegeben. Schließlich bricht &#8220;For The Waves I Rode / And The Ones That Broke Inside Me&#8221; selbst – der Titeltrack – alles wieder auf: Kinderstimmen, ferne Echos, eine langsam anschwellende, gezeitenartige Synthiefläche, die wie ein Nachhall all dessen wirkt, was zuvor gesagt wurde. Nach dem Tanz bleibt eine Weite zurück, traurig und schön zugleich.</p>
<p>Zeinoun rahmt ihr Werk in einen ambienten Schluss, der die vorausgehende Körperlichkeit neu kontextualisiert: Nicht als Flucht, sondern vielleicht als Erinnerung daran, dass Heilung selten linear verläuft. Zwischen Melancholie und Entschlossenheit, Verletzlichkeit und Kraft formt sie ein Klangbild, das beides zulässt – das Brechen und das Wiederauftauchen. &#8220;For The Waves I Rode / And The Ones That Broke Inside Me&#8221; ist ein intimes, in sich ruhendes Werk, das zugleich offen und einladend bleibt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
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		<title>SNAKESKIN: We Live In Sand</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Oct 2025 05:04:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Julia Sabra]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie kann man lieben, wenn ringsum Gewalt herrscht? Die Frage wirkt einfach und vordergründig betrachtet fast etwas trivial, und doch entpuppt sie sich in den Texten von Snakeskins neuem Album wie ein kaum auflösbarer Widerspruch. Auf der einen Seite stehen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/10/11/snakeskin-we-live-in-sand/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/weliveinsand.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47833" title="weliveinsand" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/weliveinsand-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wie kann man lieben, wenn ringsum Gewalt herrscht? Die Frage wirkt einfach und vordergründig betrachtet fast etwas trivial, und doch entpuppt sie sich in den Texten von Snakeskins neuem Album wie ein kaum auflösbarer Widerspruch. Auf der einen Seite stehen Zerstörung, Niedergang, Flucht und Ohnmacht, auf der anderen eine beharrliche, durchaus Kraftreserven benötigende Zärtlichkeit, die sich weigert, dasjenige verschwinden zu lassen, was die Einzelnen zusammenhält.<span id="more-47830"></span></p>
<p>Das libanesische Duo Snakeskin – Julia Sabra und Fadi Tabbal – widmet sich auf &#8220;We live in sand&#8221;, das größtenteils während einer Residenz in Bern produziert wurde, genau diesem Spannungsfeld. Entstanden im Oktober 2024, als die Eskalation des aktuellen Kriegens in der Region auch Beirut erreichte, markiert das Album den vielleicht radikalsten Punkt in ihrer bisherigen Arbeit. Schon der Auftakt &#8220;Ready&#8221; konfrontiert mit aufgewühltem, elektrifiziertem Rattern, das metallen vibriert und wie im Kontrapunkt zu der Genügsamkeit von Sabras entspannt-melancholischem Gesang steht. Bald mischen sich weitere Schichten darunter, flächige Sounds, die fast wie ein vorbeifliegendes Flugzeug wirken, ehe sich die Musik noch einmal überraschend melodisch öffnet.</p>
<p>&#8220;October sun&#8221; knüpft mit elektrifiziertem Hauchen und Summen daran an, getragen von einer monochromen Kulisse, die warm im Hintergrund liegt. Hier entfaltet sich eine Stimmung des Ausharrens, in der Sabras Stimme von verlorenen Orten und einem Himmel voller Drohnen singt. &#8220;This time there’s no escape&#8221;, heißt es und verweist auf die Unausweichlichkeit der Gegenwart, in der das Private untrennbar mit der politischen Situation verschränkt ist. Rhythmischer und beschwingter setzt &#8220;Blindsided&#8221; ein, doch unter den luftigen Takten liegt eine ambient geerdete Grundierung. Hier wird auch der zentrale Gedanke des Albums zwischen Verzweiflung und Beharren besonders eindringlich formuliert: &#8220;How to love in the face of this death&#8221;.</p>
<p>Mit &#8220;Olive groves&#8221; verändert sich die Stimmung spürbar. Feierliche Orgelklänge begleiten eine andächtige, fast schwebende Stimme, die in wenigen Worten jahrzehntelange Konflikte anruft. Auch &#8220;Black water&#8221; bleibt im Gestus reduziert, getragen von dumpfen Schlägen, folkig eingefärbten Saitenklängen und Bläsern, was der Komposition wie Musik für einen abgedunkelten Kurzfilm anmuten lässt. &#8220;The fear&#8221; dagegen klingt im Ansatz poppiger, mit klopfenden, rauschenden Texturen, hochtönendem Gesang und einem melodischen Brummen im Hintergrund &#8211; eine Eingängigkeit, die den bitteren Text umso deutlicher akzentuiert, in dem persönliche Erinnerungen an Kindheitsängste mit gegenwärtiger Bedrohung verschränkt. Ein wiederholtes Traume ist bekanntlich umso stärker in seiner Wirkung.</p>
<p>Im Titelstück schiebt sich ein metallisches Rasseln, Brummen und Bläserartiges in den Vordergrund, ehe Feedback und Kratzen die Klangfläche zerreißen. Der Gesang ist stark verfremdet, mal kaum verständlich, mal glasklar, und entwirft Bilder von Flammen, Steinen und einer &#8220;bloodied sun&#8221;. Der Abschluss &#8220;In the pines&#8221;, als einziges Stück außerhalb der Residency entstanden, führt schließlich in tiefe Melancholie. Bedächtige Pianolinien und verfremdete Stimmen verweben sich zu einem düsteren Duett. Zwischen Erinnerungsverlust, brennender Stadt und dem Ruf der Grillen entsteht eine Schwere, die keinen Ausweg mehr anbietet.</p>
<p>Von Anfang bis Ende ist &#8220;We live in sand&#8221;, trotz seiner voerdergründigen Zugänglichkeit, ein Album ohne beschönigende Zwischentöne. Während das selbstbetitelte Debüt noch von den Nachwirkungen der Beiruter Hafenexplosion geprägt war und &#8220;They Kept Our Photographs&#8221; im Schatten des beginnenden Kriegs entstand, ist die Gewalt hier endgültig im Alltag angekommen. Karl Matar, als Interbellum selbst Musiker, erfasst dies in den Liner Notes als Zeugnis ohne Fluchtpunkt: Wo frühere Werke Hoffnungsräume offenhielten, bleibt diesmal nur der entschlossene Realismus.</p>
<p>Am Ende bleibt ein Werk, das so bedrückend wie notwendig wirkt, eine fragile, aber klare Stimme aus der Mitte der Zerstörung. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured Records / Beacon Sound</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3334254828/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3334254828/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" seamless><a href="https://snakeskinband.bandcamp.com/album/we-live-in-sand-2">We live in sand von Snakeskin</a></iframe></p>
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		<title>PREFACES: Acqua Marina</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 05:32:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verlassene Pools, verblasste Fliesen, verwitterte Strandclubs – Orte, die gleichzeitig Vergangenheit und Gegenwart tragen, bilden das ästhetische Fundament von &#8220;Acqua Marina&#8221;. Das Album kreist um die vergilbten Spuren eines Lebensstils, der längst der Vergangenheit gehört oder vielleicht auch nie ganz &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/09/20/prefaces-acqua-marina/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/07/FRONT-Cover1200px.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47135" title="FRONT Cover1200px" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/07/FRONT-Cover1200px-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Verlassene Pools, verblasste Fliesen, verwitterte Strandclubs – Orte, die gleichzeitig Vergangenheit und Gegenwart tragen, bilden das ästhetische Fundament von &#8220;Acqua Marina&#8221;. Das Album kreist um die vergilbten Spuren eines Lebensstils, der längst der Vergangenheit gehört oder vielleicht auch nie ganz da war, und bringt die unterschiedlichsten Erinnerungen hervor: persönliche, kollektive und höchstwahrscheinlich auch <span id="more-47134"></span>imaginäre, die ihre Existenz einem Simulakrum verdanken, dessen Ursprung in zahlreichen Bildern, Filmen und Liedern einer seit einem halben Jahrhundert vergangenen Ära liegt.</p>
<p>Mit diesem zweiten Album lotet das libanesische Trio Preface – bestehend aus Charif Megarbane, Salim Naffah und dem wohl niemals ruhenden Drummer Pascal Semerdjian – weiter aus, wie sich mediterrane Gitarrenmusik, Surfrock, nostalgisch aufgeladene Soundästhetik und lokale Erinnerung ineinander verschränken lassen. Herausgekommen ist ein Werk, das sich hörbar weiterentwickelt hat und im Vergleich zum Debüt &#8220;Hippodrome&#8221; weniger spontan, aber strukturierter, detailreicher, vielschichtiger anmutet. Die elf Stücke des Albums kreisen thematisch um eine bestimmte Vorstellung maritimer Szenarien: es geht um verlassene Strandclubs, gekachelte Flure, leerstehende Pools – Orte, an denen sich nicht nur persönliche Erinnerungen ablagern, die vielmehr auch etwas Allgemeineres transportieren: eine Ära, einen Lebensstil, ein gesellschaftliches Versprechen, das verblasst ist. Es ist Musik, die vom 20. Jahrhundert erzählt, von einem Glanz, an den heute niemand mehr so recht glaubt.</p>
<p>Bereits der Opener &#8220;Abu Sinn&#8221; spielt mit dieser Atmosphäre. Glockenähnliches Gitarrenpicking, gefolgt von Klängen, die an ein Psalterium erinnern, trifft auf weitere Melodiefragmente, die sich nach und nach dazuschalten. Trotz seiner grundsätzlich ambienten Anmutung wirkt der Track leicht aufgewühlt, ein wenig wie die Oberfläche eines Pools, auf dem sich etwas Spiegelndes mit etwas Tieferem überlagert. Die Musik könnte gut in einen David Lynch-Film passen, der vom Verfall hinter einer blendenden Oberfläche erzählt. Im folgenden Stück &#8220;Bezreh&#8221; nimmt das Tempo zu. Die Musik evoziert Bilder von klassischem Jetset: Cabriolets, ausladende Hüte und seidene Schals im Wind, ein Hauch von Bossa Nova – wohlwissend, dass sie mit Klischees spielt, aber nicht um sie zu entlarven, sondern um zu zeigen, wie viel Zuneigung nach wie vor mit ihnen ausgedrückt werden kann. Leicht gehauchte Vokalspuren rufen Erinnerungen an Morricone-Soundtracks wach, an eine zuckersüß gestylte und doch doppelbödige Musik, die zum Träumen lädt, kurz bevor das unfassbare passiert. Auch der italienische Albumtitel scheint an diese Ära der Filmgeschichte zu erinnern, welche die arabischen Songtitel wiederum an einen anderen Schauplatz verlegen.</p>
<p>&#8220;Firan&#8221; ist einer der eingängigsten Titel des Albums – Surfgitarren à la Link Wray, mitreißend, tänzelnd, voller Schwung. Gleichzeitig ist da wieder diese Wehmut, besonders spürbar in den hellen, orgelartigen Klängen, die an alte Rummelplätze erinnern. Preface machen keine Hits, sie liefern perfekte musikalische Skizzen, ihrem Bandnamen alle Ehre machende Vorgriffe, die im Kopf der Hörerinnen und Hörer ihre eigene Popform a la The Last Shadow Puppets annehmen dürfen, aber nicht müssen. &#8220;Balamida&#8221; bleibt tanzbar, aber mit einem deutlich romantischen Einschlag. Ein cembaloartiger Klang wird eingefasst von barockem Groove im Gewand der 70er, als würde man durch eine Filmszene von Jess Franco spazieren, nicht ganz ernst, aber voller Stil. Die Musik zitiert, aber ironisiert nicht.</p>
<p>Mit &#8220;Lekkos Ramle&#8221; kommt ein stillerer, fast zärtlicher Moment: eine Art liebevolle Melancholie, die sich über zarte Glockenklänge und beschwingte Rhythmen ausbreitet. Auch wenn alles retrospektiv erscheint, ist es kein Rückzug in die Vergangenheit. Vielmehr scheint das Album einen Ort zu beschreiben, an dem Erinnerungen ihren Raum finden dürfen, selbst wenn man nie genau weiß, wem sie eigentlich gehören. Der nächste Track, &#8220;Lekkos Sakhre&#8221;, übernimmt diesen Ton, wechselt aber in einen 3/4-Takt. Mandolinen, Streicher, ein leicht taumelnder Walzerrhythmus: Man vernimmt eine gewisse Verspieltheit, eine Art schlenderndes Liebeslied ohne Worte. &#8220;Mallifa&#8221; wirkt wieder luftiger, beschwingter – mit einer Melodie, die etwas Halbverlorenes, fast Vergessenes aufruft. Vielleicht eine entfernte Folklore-Anmutung, die sich nahtlos in den Rest der Instrumentierung einfügt. Eventuell ist das leicht arabisch eingefärbte Flair hier auch nur Projektion, aber gerade dieser Schwebezustand macht das Stück so reizvoll.</p>
<p>&#8220;Sultan Brahim&#8221; bringt dann einen rustikaleren Beat ins Spiel, mitsamt feurigen Handclaps. Gitarrenpickings mit spanischem Einschlag erzeugen eine dramatische Atmosphäre irgendwo zwischen Wehmut und Euphorie. &#8220;Marmoura&#8221;, vorab als Single veröffentlicht, beginnt mit verfremdeten Stimmen, die zunächst in experimentellere Gefilde weisen, sich dann aber zu einer Art Bossa Nova-Miniatur mit Chor-Elementen entwickeln. Dem Trio gehen die Ideen wohl niemals auch. &#8220;Braa&#8221; arbeitet mit einem unaufdringlich komplexen Rhythmus, der sich so organisch in das Gesamtbild einfügt, dass man ihn fast übersieht. Die Instrumentierung bleibt wie bei vielen Stücken schwer zu greifen.</p>
<p>Den Abschluss bildet &#8220;Jaro&#8221;, ein noch einmal betont melancholisches Stück mit schöner Surfgitarre, das alle Elemente des Albums noch einmal zusammenführt. Preface ziehen hier ein letztes Mal alle Register und lassen den Hörer mit einem Gefühl zurück, das zwischen Sehnsucht, Zufriedenheit und einem leichten, stilvollen Schwung liegt. &#8220;Acqua Marina&#8221; ist ein Album, das sich &#8211; in all seiner kosmopolitischen Aura zwischen Adria, West Coast, Cannes, Corniche und Copa Cabana &#8211; auch einem bestimmten Bild des Libanon widmet, aber eben nicht im Sinne einer verklärenden Rückschau oder eines eskapistischen Idylls. Vielmehr ist es eine subtile, cinematische Umkreisung der Frage, was von bestimmten Zeiten, Orten und Stimmungen bleibt, wenn sie längst vergangen sind. Und was ihre Spuren in der Musik uns heute noch erzählen können. Großartig! (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured / Hisstology </strong></p>
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		<title>V.A.: The Dome Sessions</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Sep 2025 05:43:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In Tripoli, im Norden des Libanon, liegt ein Ort, der zugleich Symbol für Fortschrittsutopien und für das Verharren in einem Zustand des Nichterfüllten geworden ist: der unweit des Meeres und der historischen Altstadt gelegene unvollendete Kuppelbau des Rachid Karami International &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/09/13/v-a-the-dome-sessions/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/thedomesessions.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46534" title="thedomesessions" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/thedomesessions-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In Tripoli, im Norden des Libanon, liegt ein Ort, der zugleich Symbol für Fortschrittsutopien und für das Verharren in einem Zustand des Nichterfüllten geworden ist: der unweit des Meeres und der historischen Altstadt gelegene unvollendete Kuppelbau des Rachid Karami International Fair. Entworfen 1962 von dem hierzulande durch das Berliner Hansaviertel, v.a. aber durch die repräsentativen Bauten der brasilianischen Hauptstand bekannten Oscar Niemeyer als Teil eines <span id="more-46533"></span>weitreichenden Plans zur wirtschaftlichen Dezentralisierung des Landes, blieb die imposante Halbkugel nach Beginn des Bürgerkriegs ein Torso: baulich nie vollendet, akustisch unbehandelt, funktional ungenutzt. Gerade diese Unabgeschlossenheit aber macht den &#8220;Dome&#8221; zu einem Raum, in dem das Potenzial des Ungesagten, des Zwischenraums, erfahrbar werden kann. Seine Architektur erzeugt eine unverwechselbare Akustik, in der sich Schall nicht nur ausbreitet, sondern verflüchtigt, bricht, zurückkommt.</p>
<p>&#8220;The Dome Sessions&#8221;, die neue Compilation des libanesischen Labels Ruptured Records, reagiert nicht nur auf diesen Raum, sondern setzt sich, wie auch in den Liner Notes von Wassila Abboud erörtert, mit ihm in Beziehung. Die elf Sessions, die im April 2023 vor Ort aufgenommen und später in den Tunefork Studios in Beirut abgemischt wurden, lassen sich als akustisches Protokoll einer künstlerischen Aneignung verstehen. Das kollektive Moment ist dabei zentral: Musikerinnen und Musiker aus unterschiedlichen Kontexten und Generationen begegnen sich in diesen Aufnahmen auf Augenhöhe, reagieren aufeinander, auf die Architektur, auf das Vergangene, das Gegenwärtige, das geisterhaft Verborgene. Auch auf das, was in Worten unbeschrieben bleiben muss.</p>
<p>Die erste Session – ein Stück des Trios Sandy Chamoun, Abed Kobeissy und Pascal Semerdjian – beginnt mit Vogelstimmen, wie sie immer wieder leitmotivisch durch das Album ziehen. Eine Art perkussiver Donner kündigt sich an, rätselhafte akustische Miniaturen – Rasseln, Hupen, Triller –, dann setzt Chamouns unverwechselbarer Gesang auf Arabisch ein. Die Instrumentierung ist minimalistisch, doch der Ausdruck ist enorm. Die Dramaturgie des Stücks lebt von ihrer inneren Bewegung: mit wenigen Mitteln entstehen immer neue Motive, zum Ende hin steigert sich das Stück kraftvoll, beinahe eruptiv, ohne dabei die unaufgeregte, klare Stimme Chamouns auch nur ansatzweise zu tangieren. Makram Aboul Hosn präsentiert zwei solistische Kontrabass-Stücke. Der erste Teil ist geprägt von einer durchlässigen, atmenden Dynamik, das Tempo verändert sich scheinbar mühelos, der warme, holzige Klang des Instruments bleibt stets präsent. Im zweiten Teil dann ein energischeres, beinahe rabiates Spiel mit dem Bogen, ein starker Kontrast zum ersten Teil, der schließlich wieder zurückgeführt wird: ein kreisförmiger Aufbau, ein hörbarer Kraftakt.</p>
<p>Abdo Sawma und Anthony Tawil schaffen in ihrer Session eine verdichtete Atmosphäre, die sich von leiser Perkussion zu einer hallgeladenen, beinahe monumentalen Klangfülle steigert. Es ist ein Stück, das sich Zeit nimmt und zugleich große Intensität entwickelt. Ghassan Sahhab nutzt die Qanun – eine arabische Zither – für ein Stück, das archaische Melodik mit flirrender Leichtigkeit verbindet. Die Komposition wirkt nicht wie ein statisches Gebilde, sondern wie ein Gespräch: suchend, fragend, dabei aber stets getragen von innerer Kraft. Der Wechsel zwischen tastender Offenheit und kraftvoller Harmonie verleiht dem Stück eine besondere Tiefe.</p>
<p>Wassim Tanios – möglicherweise identisch mit dem gleichnamigen Regisseur – kombiniert eine dröhnende Grundstimmung mit subtilen Holzbläser- und Elektronikklängen. Die hier wohl verwendete Nej, ein traditionelles Doppelblattinstrument, verleiht dem Stück eine melancholisch-transparente Qualität. Es ist eines der emotional eindringlichsten Stücke der Compilation. Julia Sabras Beitrag ist eines der wenigen textbasierten Stücke. Ihre klare, folkige Stimme steht zunächst allein im Raum, bevor sie vom Strumming einer schlichten, aber feierlichen Akustikgitarre begleitet wird. Die Lyrics sprechen von der Unsicherheit der Zeitlichkeit und von einer drohenden Verlorenheit – und tun dies mit einer Sanftheit, die umso eindrucksvoller ist. &#8220;Girls and boys dancing around a corpse&#8221;, heißt es an einer Stelle – eine Zeile, die hängen bleibt.</p>
<p>Farah Kaddour greift mit ihrer Buzuq auf Mittel zurück, die schon ihr vor kurzem erschienenes Album &#8220;Ghazel&#8221; mit Marwan Tohme prägten. Doch hier wirken die Sounds noch entschiedener auf den Raum bezogen: Windgeräusche, das gelegentliche Aufbrausen des Instruments, das irrlichternde Spiel mit Tonhöhen und Rhythmen erzeugen ein Stück, das nie berechenbar ist, dabei aber stets kohärent bleibt. Der klangliche Zugriff erinnert an Roland Barthes’ Idee einer Schrift ohne festes Alphabet – ein auditives Reich der Zeichen. Marc Ernest beginnt mit vertrauten Vogelstimmen, bevor eine tubaartige Klangfigur einsetzt. Die Musik changiert zwischen Struktur und Offenheit, die Melodik ist ornamentiert, ohne überladen zu wirken. Das Stück bleibt schwer zu fassen, was Teil seiner Qualität ist. Der Fayha Choir, dessen Beitrag über zwölf Minuten geht, bringt mit &#8220;Zahrat al-Mada’en&#8221; ein ursprünglich für Fairuz geschriebenes Stück in den Kuppelraum. Die liturgisch anmutende Wucht dieses Chors, verbunden mit den akustischen Eigenheiten des Ortes, macht dieses Stück zu einem der ergreifendsten des Albums.</p>
<p>Den Abschluss bilden Charbel Haber, Anthony Sahyoun, Fadi Tabbal und Marwan Tohme. Ihr Stück wirkt wie ein epilogartiges Resümee: Geräusche, Stimmen, Saitenklänge, Dröhnen und Rasseln überlagern sich, ohne je in bloße Klangfläche zu kippen. Der Sound bleibt greifbar, vielschichtig, melancholisch – bis am Ende eine versteckte Sirene erklingt, fast unmerklich, wie ein Echo auf die vielen unvollendeten Kapitel dieses Ortes.</p>
<p>&#8220;The Dome Sessions&#8221; ist ein gemeinschaftliches Projekt, das klanglich z.T. weit auseinanderliegende Positionen miteinander in Beziehung setzt, ohne sie zu glätten. Jedes der Stücke würde auch isoliert bestehen, doch im Kontext des Niemeyer-Domes, dessen sinnlicher Erfahrung sie hier einige neue Perspektiven gegeben haben, gewinnen sie zusätzliche Dimensionen. Die Compilation ist kein museales Dokument, sondern ein lebendiger Kommentar zu einem Ort, dessen Bedeutung sich weniger aus dem ergibt, was er ist, als aus dem, was aus ihm gemacht wird.</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
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		<title>Postcards: Europatour im September und Oktober</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Aug 2025 03:43:24 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die libanesische Combo Postcards, bestehend aus Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, bringen ihren experimentierfreudigen (Post-)Rock in den kommenden Wochen im Rahmen einer Tour nach Europa. Viele der Konzerte finden im deutschsprachigen Raum statt, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/08/16/postcards-europatour-im-september-und-oktober/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die libanesische Combo Postcards, bestehend aus Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, bringen ihren experimentierfreudigen (Post-)Rock in den kommenden Wochen im Rahmen einer Tour nach Europa. Viele der Konzerte finden im deutschsprachigen Raum statt, im Gepäck haben die drei Musiker ihr vor einigen Monaten bei Ruptured und T3 erschienenes <a title="Ripe: Neue LP der Postcards" href="http://africanpaper.com/2025/03/08/ripe-neue-lp-der-postcards/">Album &#8220;Ripe&#8221;</a>. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/ripetourbypostcards.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-47453" title="ripetourbypostcards" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/ripetourbypostcards.jpg" alt="" width="1215" height="1519" /></a><span id="more-47452"></span>Eröffnet werden die meisten der Shows von dem Pianisten und Komponisten <a title="Our House Is Very Beautiful at Night: Neues von Interbellum" href="http://africanpaper.com/2023/04/11/our-house-is-very-beautiful-at-night-neues-von-interbellum/">Karl Mattar alias Interbellum</a>, der ebenfalls zu den Künstlern auf Ruptured zählt. Die Mitglieder der Postcards sind seit längerem in unterschiedlichen Konstellationen aktiv, so erschien von Julia Sabra jüngst das <a title="JULIA SABRA: Natural History Museum" href="http://africanpaper.com/2024/11/02/julia-sabra-natural-history-museum/">Solialbum &#8220;Natural Histiry Museum&#8221;</a>. Semerdjan ist derzeit einer der profiliertesten Drummer überhaupt, während Tohme gerade ein <a title="FARAH KADDOUR / MARWAN TOHME: Ghazel" href="http://africanpaper.com/2025/07/05/farah-kaddour-marwan-tohme-ghazel/">Album mit Farah Kaddir</a> veröffentlicht hat und eines mit der größeren<a title="Sametou Sawtan: Album und Tour von Sanam" href="http://africanpaper.com/2025/06/02/sametou-sawtan-album-und-tour-von-sanam/"> Gruppe Sanam</a> herausbringen wird.</p>
<p><a href="https://www.bandsintown.com/a/244023-postcards"><strong>Tourdaten und Tickets </strong></a></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=513149923/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>CHARBEL HABER / NICOLÁS JAAR / SARY MOUSSA: Crashing waves dance to the rhythm set by the broadcast journalist revealing the tragedies of the day</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 05:06:37 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Luft ist schwer, mit Drama aufgeladen – so beschreibt es ein Gedicht von Charbel Haber, dessen Verse dem neuen Album von Haber, Nicolás Jaar und Sary Moussa als Titel und atmosphärische Grundlage dienen. Es zeichnet das Bild einer Welt &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/07/26/charbel-haber-nicolas-jaar-sary-moussa-crashing-waves-dance-to-the-rhythm-set-by-the-broadcast-journalist-revealing-the-tragedies-of-the-day/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/crashingwaves.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46514" title="crashingwaves" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/crashingwaves-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Luft ist schwer, mit Drama aufgeladen – so beschreibt es ein Gedicht von Charbel Haber, dessen Verse dem neuen Album von Haber, Nicolás Jaar und Sary Moussa als Titel und atmosphärische Grundlage dienen. Es zeichnet das Bild einer Welt im Umbruch, in der Realität und Fiktion verschwimmen, Nachrichten zur Groteske werden, und das Alltägliche von einer latenten Gewalt durchdrungen ist. Die in ein an William Turner erinnerndes Licht getauchte <span id="more-46512"></span>Stadt – gemeint ist Beirut, die Heimatstadt von zweien der drei Musiker –  erscheint darin wie eine Kulisse für eine Abfolge letzter Kriege, in der Möwen über den verlassenen Küstenmüllplätzen regieren und der Sommer von Blei und Konfusion durchtränkt ist.</p>
<p>In diesen Zeilen spiegelt sich ein Gefühl von Überreizung und Zersetzung, das sich auch in der Musik niederschlägt: eine Erschöpfung, die dennoch nicht zur Ruhe kommt, ein Schwebezustand zwischen Überwältigung und klarem Blick. &#8220;Crashing waves dance to the rhythm set by the broadcast journalist revealing the tragedies of the day&#8221;, dessen langer Titel definitiv die Handschrift Habers trägt, ist ein Album, das nichts erklären will. Es beginnt mit vorsichtigem Zupfen auf Habers E-Gitarre, ein fast tastendes Erkunden, das von rauschenden und kratzenden Klängen durchzogen ist. Nichts drängt, nichts zieht in eine bestimmte Richtung, doch unter der Oberfläche scheint sich etwas zusammenzubrauen. Dieser erste Eindruck bleibt nicht konstant, das Eröffnungsstück verändert sich spürbar, gleitet schließlich in eine fast orchestrale Breite über, durchzogen von hellen, pfeifenden Tönen, die nostalgisch und futuristisch zugleich wirken. Es sind Klänge, die an eine Panflöte erinnern, wohl aber von Nicolás Jaars Bassklarinette stammen.</p>
<p>Auch im zweiten Stück bleibt dieses Element präsent, jetzt getragen von entrückten, schwebenden Flächen, deren Klangkörper sich zunehmend verdichten: Hier scheint Sary Moussas Live-Sound-Processing besonders deutlich seine Wirkung zu entfalten. Das Pfeifen wird lauter, fast dringlich, bringt ein dramatisches Moment in die ansonsten sanfte Bewegung. Es sind keine abrupten Brüche, sondern subtile Verschiebungen, die das Hören bestimmen. Tremolierende Elektronik, deren Ursprung schwer zu bestimmen ist, vielleicht digital verfremdet – in jedem Fall rauer, dunkler, unruhiger. Der dritte Track beginnt gleich mit dunkleren Tönen. Helle, nervöse Frequenzen setzen einen Kontrapunkt. Es bimmelt, es brodelt, bis sich die Klänge schließlich zu einem Lärm bündeln, der etwas filmisch Aufgeladenes hat: Suspense, aber ohne aufgelöst zu werden. Gegen Ende kippt die Stimmung ins Surreale, die Klarinette schnattert und übernimmt gleich zu Beginn des abschließenden Stücks erneut die Führung. Ein verlangsamter, pulsierender Takt, fast wie ein Herzschlag in Zeitlupe, trägt das Finale. Langsame, fast schleppende Gitarrenfiguren erinnern an Dark Jazz, während im Hintergrund Geräusche knacken, brodeln und sich zu einem dicht gewebten Geflecht auftürmen. Hohe, arienhafte Töne durchqueren das Stück wie Lichtstrahlen, die durch trübe Luft schneiden, begleitet von kratzender Dröhnung und Rückkopplung.</p>
<p>Dieses Zusammenwirken dreier sehr aktiver Musiker (über Moussas Soloalbum bald mehr auf diesen Seiten) wirkt nie wie das Produkt bloßer Improvisation. Vielmehr entsteht hier eine dichte Struktur aus Klang, Erinnerung und Geste, die sich nicht analytisch aufdrängt, sondern atmosphärisch entfaltet. Das Ergebnis ist ein filmisch anmutendes Hörbild, das ebenso politisch wie poetisch lesbar ist. Ein Album, das sich Zeit nimmt, um seine eigenen Bedingungen zu setzen, und das einen Moment lang die Vorstellung erlaubt, dass sich das Meer vielleicht doch durchsetzt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
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		<title>FARAH KADDOUR / MARWAN TOHME: Ghazel</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Jul 2025 05:22:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manchmal entsteht musikalische Nähe nicht durch das Verfolgen eines Konzepts, sondern durch Zuhören – ein vorsichtiges Sich-Antasten verschiedener Instrumente, die einander Raum geben. So beginnt auch das erste als Duo aufgenommene Album &#8220;Ghazel&#8221; von Farah Kaddour (Buzuq) und Marwan Tohme &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/07/05/farah-kaddour-marwan-tohme-ghazel/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/ghazel.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46477" title="ghazel" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/ghazel-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Manchmal entsteht musikalische Nähe nicht durch das Verfolgen eines Konzepts, sondern durch Zuhören – ein vorsichtiges Sich-Antasten verschiedener Instrumente, die einander Raum geben. So beginnt auch das erste als Duo aufgenommene Album &#8220;Ghazel&#8221; von Farah Kaddour (Buzuq) und Marwan Tohme (Gitarre, Elektronik), beide neben anderen Aktivitäten auch Mitglieder der experimentellen <span id="more-46476"></span>Psych Rock-Formation Sanam, das aus improvisierten Begegnungen in der libanesischen Hauptstadt Beirut und einem Dorf in den Bergen des Landes hervorging und sich dabei ein unverwechselbares Eigenleben bewahrt hat.</p>
<p>Der Auftakt &#8220;Kayfa Taltaqi al-Qulub&#8221; (&#8220;Wie sich Herzen begegnen&#8221;) gibt eine Art Grundstimmung vor. Die melodischen Motive auf der Buzuq entfalten sich zurückhaltend, aber bestimmt, begleitet von elektronisch erzeugten Klangschleiern, die im Hintergrund aufscheinen und für eine elektrisierend dichte Atmosphäre sorgen. Hier wird bereits spürbar, wie sich das Album auf das Zusammenspiel zwischen Intuition und Form in fein austarierten Verhältnissen konzentriert. &#8220;Tajmid Ejbari&#8221; entwickelt mehr Bewegung, eine fast tanzhafte Dynamik. Doch auch hier bleibt der Aufbau offen für Brüche: Aus dem Hintergrund drängen raue Geräusche nach vorn – Grollen, Poltern, etwas wie herabfallender Schutt –, die kurzzeitig alles dominieren. Das Saitenspiel aber bleibt unbeirrt, verliert nicht die Orientierung. In &#8220;Naghmat Al-Ra&#8217;i&#8221; wird der Rhythmus wieder ruhiger. Ein feines Rauschen legt sich über das Stück, das in seiner harmonischen Ambivalenz fast cinematisch wirkt, ein Spannungsmoment, das in einem entrückten Nachspiel leise abgleitet.</p>
<p>Zwei Stücke greifen explizit auf bestehende musikalische Formen zurück. Der bereits genannte Opener interpretiert eine traditionelle Doulab Nahawand-Melodie neu, während &#8220;Nawal&#8221; auf der Komposition &#8220;Longa Jaharkah&#8221; von Mohamad Abdelkarim basiert. Doch beide Stücke werden durch die Interpretation von Kaddour und Tohme so stark transformiert, dass sie eher als Bezugspunkte denn als Wiederholungen erscheinen. In &#8220;Nawal&#8221; etwa, das von einer deutlich melancholischeren Grundstimmung getragen wird, schwingt ihre Stimme wie ein liturgischer Gesang über das Motiv, während die Buzuq teils ekstatische Figuren entfaltet.</p>
<p>Der Titeltrack – benannt nach dem arabischen Wort für Garn oder Faden – bringt beide Instrumente in besonders enger Verzahnung zusammen. Buzuq und Gitarre scheinen ein gemeinsames Gewebe zu knüpfen, wobei die Herkunft der Melodie kaum zu bestimmen ist: mediterran, vielleicht levantinisch, möglicherweise sogar mit entfernten Bezügen zum Balkan, aber vielleicht laufen diese Überlegungen eines viel nördlicher sozialisierten rezensenten auch insw Leere. &#8220;Bissi&#8221; dagegen flirtet stärker mit monotonen, fast psychedelisch wirkenden Strukturen, über denen sich hochtönende Elemente entfalten, die an Filmscores aus den 70ern erinnern. Auch hier bleibt das Spiel auf der Buzuq klar im Zentrum, aber das Geräuschhafte im Hintergrund entwickelt eine eigene Kraft. Den Abschluss bildet &#8220;Wulidna Fil-Barzakh&#8221; (&#8220;Wir wurden im Fegefeuer geboren&#8221;), das das Instrumentarium fast ins Abstrakte kippt: Die Buzuq klingt wie ein flimmerndes orchestrales Echo, lose verbunden mit dramatischen Spannungen, die an klassische Filmszenen erinnern könnten. Der Sound bleibt dabei in der Lautstärke zurückhaltend, in der Wirkung aber umso eindringlicher, wie ein Schluss, der nicht alles abschließt.</p>
<p>&#8220;Es liegt etwas zutiefst Lebendiges in diesen Aufnahmen&#8221;, heißt es in den Linernotes von Karl Mattar, &#8220;vielleicht wenig überraschend bei einem Projekt, das aus Live-Performances hervorgegangen ist und sich seinen improvisierten Impuls bewahrt hat. Es ist spontan und lebendig – ein eingefangener Atemzug&#8221;. Dem kann man nur zustimmen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1879590471/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>Marjaa: Rework des Albums von Mayssa Jallad durch Civilistjävel!</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 04:24:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ankündigung: In den kommenden Tagen erscheint bei Ruptured Records und Six of Swords Records eine besondere Veröffentlichung: Civilistjävel! legt mit &#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels (Versions)&#8221; eine radikale Neuinterpretation des gleichnamigen Albums von Mayssa Jallad vor. Das Album erscheint &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/06/02/marjaa-rework-des-albums-von-mayssa-jallad-durch-civilistjavel/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ankündigung: In den kommenden Tagen erscheint bei Ruptured Records und Six of Swords Records eine besondere Veröffentlichung: Civilistjävel! legt mit &#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels (Versions)&#8221; eine radikale Neuinterpretation des gleichnamigen Albums von Mayssa Jallad vor. Das Album erscheint als limitierte LP sowie digital. Das 2023 erschienene Originalalbum war eine vielschichtige Reflexion über einen zentralen Abschnitt der libanesischen Geschichte, den sogenannten Hotelkrieg in Beirut zu Beginn des Bürgerkriegs. Es verband Mayssa Jallads musikalisches Schaffen mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit über die urbane Archäologie dieses umkämpften Terrains. Nun transformiert Civilistjävel! – der schwedische Produzent Tomas Bodén – dieses Material in ein neues, düsteres und entrücktes elektronisches Gefüge.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/05/marjaa.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-46428" title="marjaa" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/05/marjaa.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-46427"></span></p>
<p>Die Herangehensweise ist klar: Keine klassische Remixarbeit mit Fokus auf Rhythmus, sondern ein tiefes Eindringen in Ton, Textur und Atmosphäre. Die Stimme Jallads, oftmals vom Bedeutungsgehalt der Sprache gelöst, wird zum zentralen Instrument einer Konstruktion, die sich oft nur noch bruchstückhaft auf das Ursprungsmaterial bezieht. In der Tiefe ihrer klanglichen Reduktion und durchzogen von Momenten fast kindlicher Verspieltheit, entfalten die Stücke eine ganz eigene ernsthafte Qualität, fast wie ein geisterhaftes Echo der Vorlage. Formal erinnert das Album, wie es von den Labels heißt, an frühe minimalistische Dub-Techno-Arbeiten aus der Berliner Szene, jedoch ohne deren strenge Raster. Vieles wurde live eingespielt, ohne nachträgliche Bearbeitungen, ein Arbeitsprozess, der dem Material eine Unmittelbarkeit verleiht, die bei Civilistjävel! sonst selten so offen zu Tage tritt. Die Liedtexte stammen alle von Mayssa Jallad, die Originalmusik wurde von ihr gemeinsam mit Fadi Tabbal komponiert, mit zusätzlichen Beiträgen von Sary Moussa, Youmna Saba und Marwan Tohme. Die Versionen auf dem neuen Album wurden von Civilistjävel! produziert. Das Cover stammt von Dave Howell, die Kalligrafie von Ali Assi, das ursprüngliche Siegel wurde von Josette Khalil, Leen Charafeddine und Maya Chams entworfen. Weitere Informationen finden sich auf Bandcamp.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=600608579/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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