<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>African Paper &#187; Ruptured</title>
	<atom:link href="http://africanpaper.com/tag/ruptured/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://africanpaper.com</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Tue, 09 Jun 2026 06:03:48 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2</generator>
		<item>
		<title>SANDY CHAMOUN: Sawt El Doumouh</title>
		<link>https://africanpaper.com/2026/05/23/sandy-chamoun-sawt-el-doumouh/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2026/05/23/sandy-chamoun-sawt-el-doumouh/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 23 May 2026 04:27:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured Records]]></category>
		<category><![CDATA[Sanam]]></category>
		<category><![CDATA[Sandy Chamoun]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=50924</guid>
		<description><![CDATA[Die libanesische Sängerin und Schauspielerin Sandy Chamoun gehört seit einigen Jahren zu den markantesten Stimmen einer Szene, in der eine hybride, experimentierfreudige Musikalität, politische Erfahrung und performative Ausdrucksformen miteinander verschmelzen. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Konzert, Leinwand, Psych Rock und &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/05/23/sandy-chamoun-sawt-el-doumouh/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/sandychamounsed.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-50925" title="sandychamounsed" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/sandychamounsed-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die libanesische Sängerin und Schauspielerin Sandy Chamoun gehört seit einigen Jahren zu den markantesten Stimmen einer Szene, in der eine hybride, experimentierfreudige Musikalität, politische Erfahrung und performative Ausdrucksformen miteinander verschmelzen. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Konzert, Leinwand, Psych Rock und Klangkunst, wobei die Stimme stets als zentrales Medium fungiert – als Trägermedium von Erinnerungen, als Werkzeug der <span id="more-50924"></span>Aneignung vielfältiger Stile und nicht zuletzt als Sprachrohr und Resonanzraum für verschiedene kritische Positionen.</p>
<p>Bereits <a title="SANDY CHAMOUN: Fata17" href="https://africanpaper.com/2023/01/14/sandy-chamoun-fata17/">ihr Solodebüt &#8220;Fata17</a>&#8221; griff diese Dimension in zugespitzter Form auf. Die Veröffentlichung stand im Kontext der Proteste im Libanon ab Oktober 2019 und verband Field Recordings, drastische Geräuschkulissen und Gesang zu dichten, teils harschen Klangbildern, die zwischen dokumentarischer Unmittelbarkeit und lärmender Poesie mit dem Gesang als verbindendes Element oszillierten. Parallel dazu hat Chamoun in verschiedenen Konstellationen ihre musikalische Sprache erweitert. Mit ihrer Band <a title="SANAM: Sametou Sawtan" href="https://africanpaper.com/2025/09/27/sanam-sametou-sawtan/">SANAM </a>entwickelte sie einen hybriden Sound zwischen Psychedelic, Improvisation und regionalen Traditionen, der Verlusterfahrungen, das Gefühl von Entfremdung und die Suche nach Orientierung thematisiert. Auch <a title="SANDY CHAMOUN / ANTHONY SAHYOUN / JAD ATOUI: Ghadr" href="https://africanpaper.com/2024/12/07/sandy-chamoun-anthony-sahyoun-jad-atoui-ghadr/">das Trio mit Anthony Sahyoun und Jad Atoui </a>bewegte sich in einem Spannungsfeld aus Fragment, Improvisation, überlieferten Formen und stilistischer Offenheit.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund erscheint &#8220;Sawt El Doumouh&#8221; (dt. &#8220;Der Klang der Tränen&#8221;) als konsequente Weiterentwicklung und zugleich als Einschnitt. Das Album greift Einflüsse aus der arabischen Tarab-Tradition ebenso auf wie mehrstimmige Gesangsformen und verbindet sie mit elektronischen Texturen, Synthies und zurückhaltender, oft präzise gesetzter Perkussion. Ursprünglich als eine Art klangliche Kartografie des Libanon geplant, wurde das Projekt jedoch von den politischen und militärischen Entwicklungen der letzten Jahre grundlegend verändert. Die Texte entstanden unter dem Eindruck von Krieg und Gewalt, der Titel verweist auf eine Erfahrung des lautlosen Weinens, die Chamoun als symptomatisch für eine Situation beschreibt, in der Leiden oft ohne Stimme bleibt.</p>
<p>Musikalisch entfaltet sich das Album in einer Reihe sorgfältig ausgearbeiteter Szenen. Bereits der Auftakt &#8220;Khafiy&#8221; zieht mit seiner ruhigen, sich langsam öffnenden Szenerie in einen von dröhnenden Flächen, weit gesetzten stoischen Taktschlägen und einer zunächst wie aus der Ferne hervortretenden Stimme geprägten Klangraum hinein, dessen Eindringlichkeit man sich kaum entziehen kann. Die vokale Linie wirkt dabei zugleich präsent und entrückt, als würde sie sich aus dem Material selbst herauslösen und es gleichsam ordnen. Im folgenden &#8220;Wa&#8221; verdichten sich Stimme und Perkussion zu einem stetig anwachsenden Spannungsbogen: Metallisch anmutende Schläge und langgezogene, ornamental geführte Gesangslinien greifen ineinander, während eine leichte elektronische Verfremdung der Stimme, wie man sie auch von Momenten bei SANAM kennt, deren Ausdruck zuspitzt. Auch wenn sich die instrumentale Umgebung zunehmend verdichtet und in eine windartige Dröhnung übergeht, bleibt der Gesang bemerkenswert unbeirrt und behauptet seine eigene Bewegung.</p>
<p>&#8220;Shahed&#8221;, inspiriert von der Vorstellung eines Kindes in Gaza zwischen Bedrohung und imaginierter Zuflucht arbeitet mit schärfer konturierten, teils gegeneinander gesetzten rhythmischen Ebenen, die sich aus perkussiven Mustern und hölzern wirkenden Klangkörpern zusammensetzen. Darüber legt sich die Stimme wie eine bewegte, aber stabile Schicht, die sich den rhythmischen Verschiebungen nicht unterordnet, sondern ihnen eine eigene Richtung entgegensetzt. Gegen Ende scheint sich das Geschehen in ein kollektives Klatschen aufzulösen, während andere klangliche Spuren verwehen oder in ferne, beinahe filmische Assoziationen übergehen. Wie man aus den Liner Notes erfährt, ist diese Dualität von Wüste und Wasser, Bedrohung und Imagination bewusst angelegt. Der Titeltrack reduziert das Geschehen zunächst auf verfremdeten A-cappella-Gesang, der in seiner getragenen Wiederholung eine fast rituelle Qualität annimmt, bevor sich nach und nach eine vielschichtige, zurückhaltende Perkussion darunter legt und dem Stück ein loses zeitliches Gerüst verleiht. In &#8220;Ward W Shok&#8221; verschieben sich die Gewichte zugunsten eines deutlicher konturierten Zusammenspiels von Rhythmus und Melodie: Ein gleichmäßig schreitender Puls trägt eine dunkle, beinahe hymnische Linie, während sich im Hintergrund bassnahe Schichten und klare, teils scharf gezeichnete Instrumentalfiguren aufbauen. Der Gesang bewegt sich darin mit einer eindringlichen Ruhe und verleiht dem Stück eine besondere Sogkraft.</p>
<p>&#8220;Ataba&#8221; dagegen beginnt mit tastenden, schwer einzuordnenden Klanggesten, die an eine filmische Spannung erinnern, bevor sich nach und nach eine dichtere, stärker an vorderasiatische Klangtraditionen erinnernde Textur herausbildet. Saitenklänge und perkussive Impulse geraten in Bewegung, steigern sich stellenweise, ohne jedoch je in offene Dramatik umzuschlagen – auch hier bleibt die Stimme ein stabiler Bezugspunkt, der sich von den Verschiebungen der Umgebung kaum aus der Bahn bringen lässt. Den Abschluss bildet &#8220;Latife&#8221;, dessen brüchiger, nahezu dokumentarischer Gesang – hier von einer anderen Frauenstimme getragen – den emotionalen Kern des Albums noch einmal freilegt. Die Reduktion auf diese fragile, unmittelbare Ausdrucksform wirkt wie ein Nachhall des zuvor Gehörten und führt die verschiedenen Spannungen des Albums in eine leise, aber nwirkungsvolle Schlussgeste über.</p>
<p>Die Liner Notes beschreiben Chamouns Musik als ebenso schön wie widerständig. Die Entscheidung, inmitten von Gewalt und Zerstörung Lieder zu schreiben, erscheint hier nicht als Eskapismus, sondern als Versuch, an Möglichkeiten festzuhalten, die über das Gegebene hinausweisen. Indem Chamoun ihre Texte singt, öffnet sie Räume, in denen sich Trauer und Hoffnung nicht ausschließen, sondern gegenseitig durchdringen und Kraft geben. Selbst im Ausdruck von Schmerz bleibt eine leise Zuversicht hörbar, dass etwas jenseits davon existiert. &#8220;Sawt El Doumouh&#8221; ist damit kein leicht zugängliches Album, aber ein umso eindringlicheres. Es verzichtet auf plakative Gesten und entfaltet seine Wirkung vielmehr über Zeit, Wiederholung und Nuancierung.</p>
<p>Chamouns Stimme steht dabei im Zentrum – nicht als dominierende Instanz, sondern als empfindsames Instrument, das Brüche ebenso zulässt wie Momente der Klarheit. So wird das Album zu einem vielschichtigen Dokument seiner Entstehungsbedingungen und zugleich zu einer eigenständigen künstlerischen Aussage, die weit über diese hinausweist. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=502374409/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2026/05/23/sandy-chamoun-sawt-el-doumouh/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>CHARBEL HABER: May a soft sun bless your sky while you wait for the inevitable</title>
		<link>https://africanpaper.com/2026/05/02/charbel-haber-may-a-soft-sun-bless-your-sky-while-you-wait-for-the-inevitable/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2026/05/02/charbel-haber-may-a-soft-sun-bless-your-sky-while-you-wait-for-the-inevitable/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 02 May 2026 04:23:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Charbel Haber]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>
		<category><![CDATA[Vanessa Ague]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=50877</guid>
		<description><![CDATA[Mit &#8220;May a soft sun bless your sky while you wait for the inevitable&#8221; entwirft der libanesische Komponist und Ambientkünstler Charbel Haber ein Werk, das aus einem Moment des Innehaltens heraus geboren scheint: dem Ankommen in Paris, fern der unmittelbaren &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/05/02/charbel-haber-may-a-soft-sun-bless-your-sky-while-you-wait-for-the-inevitable/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/charbelhabersoftsun.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-50878" title="charbelhabersoftsun" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/charbelhabersoftsun-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mit &#8220;May a soft sun bless your sky while you wait for the inevitable&#8221; entwirft der libanesische Komponist und Ambientkünstler Charbel Haber ein Werk, das aus einem Moment des Innehaltens heraus geboren scheint: dem Ankommen in Paris, fern der unmittelbaren Bedrohung in seiner zur Zeit kriegsgebeutelten Heimatstadt Beirut, aber nicht losgelöst von ihr. Die Musik wirkt wie ein Versuch, sich eine Zone der Sanftheit zu schaffen, in der sich <span id="more-50877"></span>Schönheit und Schrecken nicht ausschließen, sondern gleichzeitig bestehen dürfen, getragen von einer leisen, aber ahnbaren Entschlossenheit.</p>
<p>Haber, für alle die ihn nicht kennen, ist ein tief in der ausgesprochen kreativen libanensichen Undergroundszene verwurzelter Musiker und seit den 90er Jahren aktiv. Atmosphärische, tendenziell flächig ausgerichtete Kompositionen sind dabei ein Schwerpunkt, der sich erst im Laufe seiner künstlerischen Entwicklung herausgebildet hat &#8211; zu beginn seiner Laufbahn stand der Post Punk der von ihm mirgegründeten Band Scrambled Eggs, mit Bao und dem XEFM Collective ging die Reise zunächst in Richtung improvisierter Musik. Gleichwohl er in den vergangenen Jahren primär unter seinem eigenen Namen aktiv war, sind Kollaborationen eine Säule seines Schaffens, und so entstanden in den vergangenen Jahren gemeinsame Aufnahmen u.a. <a href="https://africanpaper.com/2023/06/03/enfin-la-nuit-charbel-haber-und-fadi-tabbal-mit-neuer-lp-auf-nahal-recordings/">mit Fadi Tabbal</a> sowie<a href="https://africanpaper.com/2025/07/26/charbel-haber-nicolas-jaar-sary-moussa-crashing-waves-dance-to-the-rhythm-set-by-the-broadcast-journalist-revealing-the-tragedies-of-the-day/"> mit Nocholas Jaar und Sary Moussa</a>. Rein solo erschien von ihm jünst auch das leider hierzulande etwas untergegangene Album <a href="https://charbelhaber.bandcamp.com/album/lazarus-wont-rise-if-rome-doesnt-fall">&#8220;Lazarus won&#8217;t rise if Rome doesn&#8217;t fall&#8221;</a>.</p>
<p>Noch bevor der erste Ton des neuen Albums erklingt, entfalten die poetischen Titel, die einmal mehr Habers unverkennbare Handschrift tragen, eine eigentümliche Sogwirkung: Zwischen futuristischer Verheißung, morbider Surrealität und zärtlicher Wehmut entsteht eine Atmosphäre, die gleichermaßen entrückt wie fragil wirkt. Stücke wie &#8220;This show starts in the future&#8221;, &#8220;One last stroll in the garden of light&#8221;, &#8220;I stutter when I speak of love and death&#8221; oder &#8220;The unfortunate meeting of an accident and the goddess of time on a dissecting table&#8221; – letzteres eine Referenz an Louis Aragon und zugleich an das legendäre Debüt von Nurse With Wound – evozieren ein schwebendes Theater der Bilder, in dem Zeit, Formen und Erinnerungen ineinander übergehen. Dass Anfang und Ende des Albums mit &#8220;This show starts in the future&#8221; und &#8220;This show ends in the past&#8221; gerahmt sind, legt zudem eine zirkuläre, leicht paradox anmutende Zeitlogik nahe.</p>
<p>Musikalisch eröffnet sich dieses imaginäre Bühnenstück mit einem sanften, atmenden Drone, umhüllt von feinem Rauschen, das wie ein Schleier über allem liegt. Die Klangflächen bewegen sich in einem ruhigen Gezeitenrhythmus, changieren zwischen helleren und dunkleren Färbungen und erzeugen eine sonnige und doch leicht melancholische Grundstimmung, die nie ins Nokturnale kippt. Manchmal treten flirrende Obertöne hervor, setzen kleine helle Impulse, lassen das Geschehen für Momente an Intensität gewinnen, bevor es sich erneut in träumerischer Schwerelosigkeit verliert. Unter diesen minimalistischen Gitarrenschichten, die nicht immer klar zu erkennen sind, scheint das von Rainer Maria Rilke stammende Motto durch: &#8220;Lass dir alles geschehen: Schönheit und Schrecken. Man muss nur gehen: Kein Gefühl ist das fernste&#8221;.</p>
<p>In längeren Passagen verdichtet sich das Material zu hypnotischen Dröhnwelten, aus denen sich hochfrequente Lichtstrahlen lösen und den Hörer förmlich anheben, bis sich die Klanggestalt in der Höhe aufzulösen scheint. Dann wieder treten rauere, kratzige Texturen hervor – besonders eindrücklich bezeichnenderweise im adäquat betitelten &#8220;I stutter when I speak of love and death&#8221;, wo der an einen im Wind schebenden Chorgesang erinenrnde Sound etwas versteckt Schreiendes zu transportieren scheint, falls dies keine Illusion ist. Häufig bildet ein tiefer, stabiler Grund die Basis, über dem sich diese lichteren, beinahe himmlischen Schichten entfalten. Gelegentlich durchbrechen (am gemächlichen Tempo der Musik gemessen) abruptere Bewegungen die Ruhe und verleihen dem Ganzen eine unterschwellige Dramatik.</p>
<p>Haber arbeitet dabei mit vergleichsweise reduzierten Mitteln – Gitarre, Looper, ein kleines modulares Setup –, doch die Musik wirkt, wie Vanessa Ague in ihren Liner Notes sagt, durch ihre Vielschichtigkeit beinahe orchestral. Das Finale schließlich gleicht einem flackernden, leicht entrückten Abspann – feierlich, fast pathetisch im besten Sinne, als würde ein Film enden, der sich nie ganz festhalten ließ. Kennt man <a href="https://africanpaper.com/2020/09/12/charbel-haber-the-delightful-sights-and-sounds-of-a-decaying-nation/">Habers vor rund sechs Jahren erschienenes One Track-Werk &#8220;The Delightful Sights And Sounds Of A</a><a href="https://africanpaper.com/2020/09/12/charbel-haber-the-delightful-sights-and-sounds-of-a-decaying-nation/"> Decaying Nation&#8221;</a>, kann man kaum umhin, die beiden Platten miteinander in Bezug zu setzen. Im Vergleich zum früheren, stark von Zerfall, Instabilität und der unmittelbaren Erfahrung von Beirut geprägten Werk wirkt das neue Album wie eine Weiterführung dieser Ästhetik unter veränderten Vorzeichen: Die fragile Balance aus Schönheit und Verstörung bleibt, wird jedoch in eine sanftere, kontemplativere Klangsprache überführt.</p>
<p>Während das ältere Album den inneren Ausnahmezustand einer „decaying nation“ nahezu ungefiltert in fließende, oft disharmonische Strukturen übersetzt, erscheint das neue wie ein distanzierteres Echo darauf – ein Versuch, im Exil einen Raum zu schaffen, in dem Erinnerung, Verlust und Hoffnung gleichzeitig existieren können. So verschiebt sich auch konzeptuell der Fokus vom unmittelbaren Erleben des Verfalls hin zu einer poetischen Reflexion über Zeit, Ort und das Leben zwischen zwei Welten. Was nach dem Hören beider Alben bleibt ist letztlich ein berührender Erfahrungsraum, warm und durchlässig, melancholisch und tröstend zugleich. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1028088298/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2026/05/02/charbel-haber-may-a-soft-sun-bless-your-sky-while-you-wait-for-the-inevitable/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Taamir (Bahriyyeh): Digitale Single von Mayssa Jallad</title>
		<link>https://africanpaper.com/2026/04/17/taamir-bahriyyeh-digitale-single-von-mayssa-jallad/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2026/04/17/taamir-bahriyyeh-digitale-single-von-mayssa-jallad/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 05:13:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Fadi Tabbal]]></category>
		<category><![CDATA[Josette Khalil]]></category>
		<category><![CDATA[Mayssa Jallad]]></category>
		<category><![CDATA[Omar Bsat]]></category>
		<category><![CDATA[Pascal Semerdjian]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=50870</guid>
		<description><![CDATA[Mit „Taamir (Bahriyyeh)“ veröffentlicht die libanesische Sängerin, Gitarristin, Architektin und Wissenschaftlerin Mayssa Jallad eine digitale Single, die musikalische Intimität mit historischer Tiefenschärfe verbindet. Der rund fünfminütige Track lebt von ihrem ausdrucksstarken arabischen Gesang, getragen von rhythmischem Gitarrenstrumming, perkussiven Elementen und &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/04/17/taamir-bahriyyeh-digitale-single-von-mayssa-jallad/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit „Taamir (Bahriyyeh)“ veröffentlicht die libanesische Sängerin, Gitarristin, Architektin und Wissenschaftlerin Mayssa Jallad eine digitale Single, die musikalische Intimität mit historischer Tiefenschärfe verbindet. Der rund fünfminütige Track lebt von ihrem ausdrucksstarken arabischen Gesang, getragen von rhythmischem Gitarrenstrumming, perkussiven Elementen und durchzogen von maritim anmutenden Field Recordings, die eine kraftvolle und zugleich melancholische Atmosphäre erzeugen. <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/taamir.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-50871" title="taamir" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/taamir.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-50870"></span></p>
<p>Inhaltlich zeichnet das Stück die Geschichte eines Wohnprojekts nahe Sidon nach, das nach einem Erdbeben entstand und sich über Jahrzehnte zu einem vielschichtigen sozialen Raum entwickelte, eng verwoben mit den Lebensrealitäten von Fischern, politischen Bewegungen und einem benachbarten Flüchtlingslager. So entsteht ein vielschichtiges Klangbild, das Alltagsleben, Erinnerung und regionale Konfliktgeschichte differenziert und nuanciert miteinander verschränkt, ohne je ins rein Dokumentarische zu kippen. Im Sinne einer musikalischen wie wissenschaftlichen Erkundung eines historischen Ortes knüpft die Künstlerin hier also auch an ihr groß angelegtes <a title="MAYSSA JALLAD: Marjaa" href="https://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">Album &#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels&#8221; </a>an, mit dem sie den Spuren historischer Ereignisse im bürgerkriegsgeplagten Beirut mit Mitteln der Musik und der Poesie nachging. Kompositorisch unterstützt von Fadi Tabbal und rhythmisch akzentuiert durch Pascal Semerdjian, entfaltet der Song eine dichte, bewegende Sogwirkung zwischen persönlicher Erzählung und kollektiver Geschichte. Eine ganze Reihe an Fischern wwerden auf Bandcamp namentlich genannt. Die Single erscheint mit Design von Josette Khalil (die zusammen mit Omar Bsat  auch an der historischen Aufarbeitung beteiligt war) über Ruptured.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/track=1115070953/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2026/04/17/taamir-bahriyyeh-digitale-single-von-mayssa-jallad/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>DAOU: Blue Ghost</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/12/19/daou-blue-ghost/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/12/19/daou-blue-ghost/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 19 Dec 2025 21:56:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Daou]]></category>
		<category><![CDATA[Georges Daou]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=48607</guid>
		<description><![CDATA[Erinnerung und Gegenwart liegen in &#8220;Blue Ghost&#8221; so dicht beieinander, dass sie kaum noch zu unterscheiden sind. Das Album beginnt wie das Fragment einer Erinnerung: Geräusche tauchen auf, verwehen, schichten sich übereinander, als lausche man einem Ort, den man nie &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/12/19/daou-blue-ghost/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/blueghost.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-48608" title="blueghost" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/blueghost-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Erinnerung und Gegenwart liegen in &#8220;Blue Ghost&#8221; so dicht beieinander, dass sie kaum noch zu unterscheiden sind. Das Album beginnt wie das Fragment einer Erinnerung: Geräusche tauchen auf, verwehen, schichten sich übereinander, als lausche man einem Ort, den man nie wirklich verlassen hat. Der Text, der dem Werk von Georges Daou vorangestellt ist, evoziert diese Stimmung bereits in Worten: das Meer als <span id="more-48607"></span>Schwelle zwischen dem, was war, und dem, was nie war, das Loslassen der Vorstellung vom &#8220;endlosen Sommer&#8221;, ohne sie zu verlieren. Aus dieser Haltung heraus entsteht eine Musik, die weniger erzählt als erinnert, weniger sucht als festhält, was bleibt, wenn das Flüchtige schon verflogen ist.</p>
<p>Daou, Architekt und Musiker aus Paris, verwandelt in &#8220;Blue Ghost&#8221; dieses Gefühl in Klang. Seine dröhnenden, warmen Schichten, das Knacken, Pfeifen und Rauschen im Hintergrund, schaffen eine Atmosphäre, die sich kaum greifen lässt und gerade deshalb so vertraut wirkt. In &#8220;Memory Like Dreams&#8221; schimmert die maritime Melancholie erstmals deutlicher auf – das ferne Rufen von Seevögeln, der Rhythmus der Wellen, vielleicht bloß imaginiert, aber mit der Eindringlichkeit echter Erinnerung. Später, in &#8220;Bitter Truth&#8221;, werden alte Gesangsschnipsel zu geisterhaften Echos, halb verborgen wie Stimmen aus einem Radiogerät am Strand einer vergangenen Zeit. Auch in den raueren, leicht verkratzten Momenten bleibt die Musik warm, nie abweisend. Die Melancholie, die sie durchzieht, hat nichts Bitteres – sie ist abgeklärt, beinahe zärtlich.</p>
<p>&#8220;Waiting by the Sea&#8221; wirkt wie ein leiser Wendepunkt: ein Stück, das mit entrückter Schönheit aufhorchen lässt, hypnotisch, heimlich elektrisierend und klar zugleich. Danach ziehen stillere, mal verträumte, mal fast liedhafte Passagen vorbei, deren Klaviermotive von einem feinen Rauschen umhüllt sind. Dann lässt &#8220;The Storm&#8221; mit seinem rauen Wind und den halbversteckten Melodietupfern noch einen heimlichen emotionalen Höhepunkt entstehen, bevor sich das Album mit hellen, versöhnlichen Melodien schließt, als läge in der Sehnsucht selbst schon die Ruhe ihrer Erfüllung.</p>
<p>&#8220;Blue Ghost&#8221; ist ein stilles, trotz seiner subtilen Eingängigkeit vielschichtiges Werk, das die Grenze zwischen Vergangenheit nd Gegenwart, zwischen Erinnerung und Präsenz verschwimmen lässt. Es bleibt – wie der Schatten eines Sommers auf dem Meer – flüchtig, aber von seltener Wärme.</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/12/19/daou-blue-ghost/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>MAUD ZEINOUN: For The Waves I Rode / And The Ones That Broke Inside Me</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/11/22/maud-zeinoun-for-the-waves-i-rode-and-the-ones-that-broke-inside-me/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/11/22/maud-zeinoun-for-the-waves-i-rode-and-the-ones-that-broke-inside-me/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 22 Nov 2025 02:14:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Maud Zeinoun]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=48488</guid>
		<description><![CDATA[Manchmal ist es nicht das laute Bekenntnis, sondern eher das leise neue Durchleben von Erinnerungen, das von Stärke zeugt. In der Wiederholung von Schmerz und Trost, im Kreisen um das, was entsteht und wieder vergeht, kann Musik zu einem Medium &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/11/22/maud-zeinoun-for-the-waves-i-rode-and-the-ones-that-broke-inside-me/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/forthewaves.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-48489" title="forthewaves" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/forthewaves-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Manchmal ist es nicht das laute Bekenntnis, sondern eher das leise neue Durchleben von Erinnerungen, das von Stärke zeugt. In der Wiederholung von Schmerz und Trost, im Kreisen um das, was entsteht und wieder vergeht, kann Musik zu einem Medium werden, in welchem Sensibilität und Verletzlichkeit ihre ganz eigene Form erhalten.<span id="more-48488"></span></p>
<p>Maud Zeinouns Debütalbum &#8220;For The Waves I Rode / And The Ones That Broke Inside Me&#8221; ist, wie man vom Label erfährt, über Jahre hinweg zwischen Erinnerungsfetzen, Rückzügen und plötzlichen Anläufen gereift – eine Sammlung innerer Zustände, festgehalten in sechs Stücken, die zwischen Pop, Elektronik und einem vielschichtigen Ambientrahmen oszillieren. Die in Beirut lebende Sängerin, Songwriterin und Producerin, die ursprünglich aus der Welt des Films kommt, arbeitet hier mit einer spürbar bildhaften Sensibilität: jede Klangschicht, jedes Ein- und Ausblenden wirkt bewusst gesetzt, fast wie eine Einstellung oder eine Schnittmontage.</p>
<p>&#8220;Oublie&#8221; eröffnet das Album mit hellen, fast orchestralen Schwebungen, die von Stimmen, Säufzern, Vogelrufen und französischer Rezitation durchzogen werden – ein geheimnisvolles Geflecht aus Intimität und Überforderung, das den Hörer unmittelbar in Zeinouns Welt zieht. Doch statt sich in sphärischen Ambientflächen zu verlieren, schlägt das darauffolgende &#8220;Constructivism&#8221; eine völlig andere Richtung ein: ein federnder Beat, Fingerschnippen, eine energische Snare – alles erinnert an eine Parade aus einer anderen Zeit. Ihre Stimme, digital angehoben und von Hust- und Kichersalven umgeben, kippt zwischen Ironie und Aufbruch. Das folgende &#8220;Pleasure Land&#8221; greift diesen Rhythmus auf, tanzbar, verspielt, getragen von Vocoderstimme und einer Melodie, die sich langsam entfaltet, als würde Zeinoun prüfen, wie viel Raum sie ihrer Stimme diesmal geben will. &#8220;Fighting Wars&#8221; verwebt Handclaps, Orgeln und Synthesizer zu einem pulsierenden Gefüge, das an Italo-Disco erinnert, während darin einfache, fast lakonische Worte über Verlust und Bitterkeit mitschwingen. Kurz flackern deutsche Flüche auf – unerwartet, rotzig, komisch, befreiend – bevor alles wieder in die Ordnung des Taktes zurückkehrt.</p>
<p>Mit &#8220;We Were Never Forever, After All&#8221; nähert sich das Album seinem Höhepunkt: stampfende Rhythmen, Handclaps, schwebende Synthies – die 80er sind hier nicht bloß Referenz, sondern Resonanzraum. Zeinouns Gesang bleibt hier unverfremdet, direkt, getragen von einer Melodie, die zugleich trotzig und verletzlich wirkt. Zeinoun hätte  einen guten Opener für Soft Cell abgegeben. Schließlich bricht &#8220;For The Waves I Rode / And The Ones That Broke Inside Me&#8221; selbst – der Titeltrack – alles wieder auf: Kinderstimmen, ferne Echos, eine langsam anschwellende, gezeitenartige Synthiefläche, die wie ein Nachhall all dessen wirkt, was zuvor gesagt wurde. Nach dem Tanz bleibt eine Weite zurück, traurig und schön zugleich.</p>
<p>Zeinoun rahmt ihr Werk in einen ambienten Schluss, der die vorausgehende Körperlichkeit neu kontextualisiert: Nicht als Flucht, sondern vielleicht als Erinnerung daran, dass Heilung selten linear verläuft. Zwischen Melancholie und Entschlossenheit, Verletzlichkeit und Kraft formt sie ein Klangbild, das beides zulässt – das Brechen und das Wiederauftauchen. &#8220;For The Waves I Rode / And The Ones That Broke Inside Me&#8221; ist ein intimes, in sich ruhendes Werk, das zugleich offen und einladend bleibt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/11/22/maud-zeinoun-for-the-waves-i-rode-and-the-ones-that-broke-inside-me/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>SNAKESKIN: We Live In Sand</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/10/11/snakeskin-we-live-in-sand/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/10/11/snakeskin-we-live-in-sand/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 11 Oct 2025 05:04:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Beacon Sound]]></category>
		<category><![CDATA[Fadi Tabbal]]></category>
		<category><![CDATA[Julia Sabra]]></category>
		<category><![CDATA[Pascal Semerdjian]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured Records]]></category>
		<category><![CDATA[Snakeskin]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=47830</guid>
		<description><![CDATA[Wie kann man lieben, wenn ringsum Gewalt herrscht? Die Frage wirkt einfach und vordergründig betrachtet fast etwas trivial, und doch entpuppt sie sich in den Texten von Snakeskins neuem Album wie ein kaum auflösbarer Widerspruch. Auf der einen Seite stehen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/10/11/snakeskin-we-live-in-sand/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/weliveinsand.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47833" title="weliveinsand" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/weliveinsand-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wie kann man lieben, wenn ringsum Gewalt herrscht? Die Frage wirkt einfach und vordergründig betrachtet fast etwas trivial, und doch entpuppt sie sich in den Texten von Snakeskins neuem Album wie ein kaum auflösbarer Widerspruch. Auf der einen Seite stehen Zerstörung, Niedergang, Flucht und Ohnmacht, auf der anderen eine beharrliche, durchaus Kraftreserven benötigende Zärtlichkeit, die sich weigert, dasjenige verschwinden zu lassen, was die Einzelnen zusammenhält.<span id="more-47830"></span></p>
<p>Das libanesische Duo Snakeskin – Julia Sabra und Fadi Tabbal – widmet sich auf &#8220;We live in sand&#8221;, das größtenteils während einer Residenz in Bern produziert wurde, genau diesem Spannungsfeld. Entstanden im Oktober 2024, als die Eskalation des aktuellen Kriegens in der Region auch Beirut erreichte, markiert das Album den vielleicht radikalsten Punkt in ihrer bisherigen Arbeit. Schon der Auftakt &#8220;Ready&#8221; konfrontiert mit aufgewühltem, elektrifiziertem Rattern, das metallen vibriert und wie im Kontrapunkt zu der Genügsamkeit von Sabras entspannt-melancholischem Gesang steht. Bald mischen sich weitere Schichten darunter, flächige Sounds, die fast wie ein vorbeifliegendes Flugzeug wirken, ehe sich die Musik noch einmal überraschend melodisch öffnet.</p>
<p>&#8220;October sun&#8221; knüpft mit elektrifiziertem Hauchen und Summen daran an, getragen von einer monochromen Kulisse, die warm im Hintergrund liegt. Hier entfaltet sich eine Stimmung des Ausharrens, in der Sabras Stimme von verlorenen Orten und einem Himmel voller Drohnen singt. &#8220;This time there’s no escape&#8221;, heißt es und verweist auf die Unausweichlichkeit der Gegenwart, in der das Private untrennbar mit der politischen Situation verschränkt ist. Rhythmischer und beschwingter setzt &#8220;Blindsided&#8221; ein, doch unter den luftigen Takten liegt eine ambient geerdete Grundierung. Hier wird auch der zentrale Gedanke des Albums zwischen Verzweiflung und Beharren besonders eindringlich formuliert: &#8220;How to love in the face of this death&#8221;.</p>
<p>Mit &#8220;Olive groves&#8221; verändert sich die Stimmung spürbar. Feierliche Orgelklänge begleiten eine andächtige, fast schwebende Stimme, die in wenigen Worten jahrzehntelange Konflikte anruft. Auch &#8220;Black water&#8221; bleibt im Gestus reduziert, getragen von dumpfen Schlägen, folkig eingefärbten Saitenklängen und Bläsern, was der Komposition wie Musik für einen abgedunkelten Kurzfilm anmuten lässt. &#8220;The fear&#8221; dagegen klingt im Ansatz poppiger, mit klopfenden, rauschenden Texturen, hochtönendem Gesang und einem melodischen Brummen im Hintergrund &#8211; eine Eingängigkeit, die den bitteren Text umso deutlicher akzentuiert, in dem persönliche Erinnerungen an Kindheitsängste mit gegenwärtiger Bedrohung verschränkt. Ein wiederholtes Traume ist bekanntlich umso stärker in seiner Wirkung.</p>
<p>Im Titelstück schiebt sich ein metallisches Rasseln, Brummen und Bläserartiges in den Vordergrund, ehe Feedback und Kratzen die Klangfläche zerreißen. Der Gesang ist stark verfremdet, mal kaum verständlich, mal glasklar, und entwirft Bilder von Flammen, Steinen und einer &#8220;bloodied sun&#8221;. Der Abschluss &#8220;In the pines&#8221;, als einziges Stück außerhalb der Residency entstanden, führt schließlich in tiefe Melancholie. Bedächtige Pianolinien und verfremdete Stimmen verweben sich zu einem düsteren Duett. Zwischen Erinnerungsverlust, brennender Stadt und dem Ruf der Grillen entsteht eine Schwere, die keinen Ausweg mehr anbietet.</p>
<p>Von Anfang bis Ende ist &#8220;We live in sand&#8221;, trotz seiner voerdergründigen Zugänglichkeit, ein Album ohne beschönigende Zwischentöne. Während das selbstbetitelte Debüt noch von den Nachwirkungen der Beiruter Hafenexplosion geprägt war und &#8220;They Kept Our Photographs&#8221; im Schatten des beginnenden Kriegs entstand, ist die Gewalt hier endgültig im Alltag angekommen. Karl Matar, als Interbellum selbst Musiker, erfasst dies in den Liner Notes als Zeugnis ohne Fluchtpunkt: Wo frühere Werke Hoffnungsräume offenhielten, bleibt diesmal nur der entschlossene Realismus.</p>
<p>Am Ende bleibt ein Werk, das so bedrückend wie notwendig wirkt, eine fragile, aber klare Stimme aus der Mitte der Zerstörung. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured Records / Beacon Sound</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3334254828/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3334254828/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" seamless><a href="https://snakeskinband.bandcamp.com/album/we-live-in-sand-2">We live in sand von Snakeskin</a></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/10/11/snakeskin-we-live-in-sand/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>PREFACES: Acqua Marina</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/09/20/prefaces-acqua-marina/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/09/20/prefaces-acqua-marina/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 20 Sep 2025 05:32:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Charif Megarbane]]></category>
		<category><![CDATA[Hisstology]]></category>
		<category><![CDATA[Pascal Semerdjian]]></category>
		<category><![CDATA[Preface]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured Records]]></category>
		<category><![CDATA[Salim Naffah]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=47134</guid>
		<description><![CDATA[Verlassene Pools, verblasste Fliesen, verwitterte Strandclubs – Orte, die gleichzeitig Vergangenheit und Gegenwart tragen, bilden das ästhetische Fundament von &#8220;Acqua Marina&#8221;. Das Album kreist um die vergilbten Spuren eines Lebensstils, der längst der Vergangenheit gehört oder vielleicht auch nie ganz &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/09/20/prefaces-acqua-marina/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/07/FRONT-Cover1200px.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47135" title="FRONT Cover1200px" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/07/FRONT-Cover1200px-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Verlassene Pools, verblasste Fliesen, verwitterte Strandclubs – Orte, die gleichzeitig Vergangenheit und Gegenwart tragen, bilden das ästhetische Fundament von &#8220;Acqua Marina&#8221;. Das Album kreist um die vergilbten Spuren eines Lebensstils, der längst der Vergangenheit gehört oder vielleicht auch nie ganz da war, und bringt die unterschiedlichsten Erinnerungen hervor: persönliche, kollektive und höchstwahrscheinlich auch <span id="more-47134"></span>imaginäre, die ihre Existenz einem Simulakrum verdanken, dessen Ursprung in zahlreichen Bildern, Filmen und Liedern einer seit einem halben Jahrhundert vergangenen Ära liegt.</p>
<p>Mit diesem zweiten Album lotet das libanesische Trio Preface – bestehend aus Charif Megarbane, Salim Naffah und dem wohl niemals ruhenden Drummer Pascal Semerdjian – weiter aus, wie sich mediterrane Gitarrenmusik, Surfrock, nostalgisch aufgeladene Soundästhetik und lokale Erinnerung ineinander verschränken lassen. Herausgekommen ist ein Werk, das sich hörbar weiterentwickelt hat und im Vergleich zum Debüt &#8220;Hippodrome&#8221; weniger spontan, aber strukturierter, detailreicher, vielschichtiger anmutet. Die elf Stücke des Albums kreisen thematisch um eine bestimmte Vorstellung maritimer Szenarien: es geht um verlassene Strandclubs, gekachelte Flure, leerstehende Pools – Orte, an denen sich nicht nur persönliche Erinnerungen ablagern, die vielmehr auch etwas Allgemeineres transportieren: eine Ära, einen Lebensstil, ein gesellschaftliches Versprechen, das verblasst ist. Es ist Musik, die vom 20. Jahrhundert erzählt, von einem Glanz, an den heute niemand mehr so recht glaubt.</p>
<p>Bereits der Opener &#8220;Abu Sinn&#8221; spielt mit dieser Atmosphäre. Glockenähnliches Gitarrenpicking, gefolgt von Klängen, die an ein Psalterium erinnern, trifft auf weitere Melodiefragmente, die sich nach und nach dazuschalten. Trotz seiner grundsätzlich ambienten Anmutung wirkt der Track leicht aufgewühlt, ein wenig wie die Oberfläche eines Pools, auf dem sich etwas Spiegelndes mit etwas Tieferem überlagert. Die Musik könnte gut in einen David Lynch-Film passen, der vom Verfall hinter einer blendenden Oberfläche erzählt. Im folgenden Stück &#8220;Bezreh&#8221; nimmt das Tempo zu. Die Musik evoziert Bilder von klassischem Jetset: Cabriolets, ausladende Hüte und seidene Schals im Wind, ein Hauch von Bossa Nova – wohlwissend, dass sie mit Klischees spielt, aber nicht um sie zu entlarven, sondern um zu zeigen, wie viel Zuneigung nach wie vor mit ihnen ausgedrückt werden kann. Leicht gehauchte Vokalspuren rufen Erinnerungen an Morricone-Soundtracks wach, an eine zuckersüß gestylte und doch doppelbödige Musik, die zum Träumen lädt, kurz bevor das unfassbare passiert. Auch der italienische Albumtitel scheint an diese Ära der Filmgeschichte zu erinnern, welche die arabischen Songtitel wiederum an einen anderen Schauplatz verlegen.</p>
<p>&#8220;Firan&#8221; ist einer der eingängigsten Titel des Albums – Surfgitarren à la Link Wray, mitreißend, tänzelnd, voller Schwung. Gleichzeitig ist da wieder diese Wehmut, besonders spürbar in den hellen, orgelartigen Klängen, die an alte Rummelplätze erinnern. Preface machen keine Hits, sie liefern perfekte musikalische Skizzen, ihrem Bandnamen alle Ehre machende Vorgriffe, die im Kopf der Hörerinnen und Hörer ihre eigene Popform a la The Last Shadow Puppets annehmen dürfen, aber nicht müssen. &#8220;Balamida&#8221; bleibt tanzbar, aber mit einem deutlich romantischen Einschlag. Ein cembaloartiger Klang wird eingefasst von barockem Groove im Gewand der 70er, als würde man durch eine Filmszene von Jess Franco spazieren, nicht ganz ernst, aber voller Stil. Die Musik zitiert, aber ironisiert nicht.</p>
<p>Mit &#8220;Lekkos Ramle&#8221; kommt ein stillerer, fast zärtlicher Moment: eine Art liebevolle Melancholie, die sich über zarte Glockenklänge und beschwingte Rhythmen ausbreitet. Auch wenn alles retrospektiv erscheint, ist es kein Rückzug in die Vergangenheit. Vielmehr scheint das Album einen Ort zu beschreiben, an dem Erinnerungen ihren Raum finden dürfen, selbst wenn man nie genau weiß, wem sie eigentlich gehören. Der nächste Track, &#8220;Lekkos Sakhre&#8221;, übernimmt diesen Ton, wechselt aber in einen 3/4-Takt. Mandolinen, Streicher, ein leicht taumelnder Walzerrhythmus: Man vernimmt eine gewisse Verspieltheit, eine Art schlenderndes Liebeslied ohne Worte. &#8220;Mallifa&#8221; wirkt wieder luftiger, beschwingter – mit einer Melodie, die etwas Halbverlorenes, fast Vergessenes aufruft. Vielleicht eine entfernte Folklore-Anmutung, die sich nahtlos in den Rest der Instrumentierung einfügt. Eventuell ist das leicht arabisch eingefärbte Flair hier auch nur Projektion, aber gerade dieser Schwebezustand macht das Stück so reizvoll.</p>
<p>&#8220;Sultan Brahim&#8221; bringt dann einen rustikaleren Beat ins Spiel, mitsamt feurigen Handclaps. Gitarrenpickings mit spanischem Einschlag erzeugen eine dramatische Atmosphäre irgendwo zwischen Wehmut und Euphorie. &#8220;Marmoura&#8221;, vorab als Single veröffentlicht, beginnt mit verfremdeten Stimmen, die zunächst in experimentellere Gefilde weisen, sich dann aber zu einer Art Bossa Nova-Miniatur mit Chor-Elementen entwickeln. Dem Trio gehen die Ideen wohl niemals auch. &#8220;Braa&#8221; arbeitet mit einem unaufdringlich komplexen Rhythmus, der sich so organisch in das Gesamtbild einfügt, dass man ihn fast übersieht. Die Instrumentierung bleibt wie bei vielen Stücken schwer zu greifen.</p>
<p>Den Abschluss bildet &#8220;Jaro&#8221;, ein noch einmal betont melancholisches Stück mit schöner Surfgitarre, das alle Elemente des Albums noch einmal zusammenführt. Preface ziehen hier ein letztes Mal alle Register und lassen den Hörer mit einem Gefühl zurück, das zwischen Sehnsucht, Zufriedenheit und einem leichten, stilvollen Schwung liegt. &#8220;Acqua Marina&#8221; ist ein Album, das sich &#8211; in all seiner kosmopolitischen Aura zwischen Adria, West Coast, Cannes, Corniche und Copa Cabana &#8211; auch einem bestimmten Bild des Libanon widmet, aber eben nicht im Sinne einer verklärenden Rückschau oder eines eskapistischen Idylls. Vielmehr ist es eine subtile, cinematische Umkreisung der Frage, was von bestimmten Zeiten, Orten und Stimmungen bleibt, wenn sie längst vergangen sind. Und was ihre Spuren in der Musik uns heute noch erzählen können. Großartig! (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured / Hisstology </strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/09/20/prefaces-acqua-marina/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>V.A.: The Dome Sessions</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/09/13/v-a-the-dome-sessions/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/09/13/v-a-the-dome-sessions/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 13 Sep 2025 05:43:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Abdo Sawma]]></category>
		<category><![CDATA[Abed Kobeissy]]></category>
		<category><![CDATA[Anthony Sahyoun]]></category>
		<category><![CDATA[Anthony Tawil]]></category>
		<category><![CDATA[Charbel Haber]]></category>
		<category><![CDATA[Fadi Tabbal]]></category>
		<category><![CDATA[Farah Kaddour]]></category>
		<category><![CDATA[Fayha Choir]]></category>
		<category><![CDATA[Ghassan Sahhab]]></category>
		<category><![CDATA[Julia Sabra]]></category>
		<category><![CDATA[Makram Aboul Hosn]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Ernest]]></category>
		<category><![CDATA[Marwan Tohme]]></category>
		<category><![CDATA[Oscar Niemeyer]]></category>
		<category><![CDATA[Pascal Semerdjian]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured Records]]></category>
		<category><![CDATA[Sandy Chamoun]]></category>
		<category><![CDATA[Wassim Tanios]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=46533</guid>
		<description><![CDATA[In Tripoli, im Norden des Libanon, liegt ein Ort, der zugleich Symbol für Fortschrittsutopien und für das Verharren in einem Zustand des Nichterfüllten geworden ist: der unweit des Meeres und der historischen Altstadt gelegene unvollendete Kuppelbau des Rachid Karami International &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/09/13/v-a-the-dome-sessions/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/thedomesessions.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46534" title="thedomesessions" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/thedomesessions-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In Tripoli, im Norden des Libanon, liegt ein Ort, der zugleich Symbol für Fortschrittsutopien und für das Verharren in einem Zustand des Nichterfüllten geworden ist: der unweit des Meeres und der historischen Altstadt gelegene unvollendete Kuppelbau des Rachid Karami International Fair. Entworfen 1962 von dem hierzulande durch das Berliner Hansaviertel, v.a. aber durch die repräsentativen Bauten der brasilianischen Hauptstand bekannten Oscar Niemeyer als Teil eines <span id="more-46533"></span>weitreichenden Plans zur wirtschaftlichen Dezentralisierung des Landes, blieb die imposante Halbkugel nach Beginn des Bürgerkriegs ein Torso: baulich nie vollendet, akustisch unbehandelt, funktional ungenutzt. Gerade diese Unabgeschlossenheit aber macht den &#8220;Dome&#8221; zu einem Raum, in dem das Potenzial des Ungesagten, des Zwischenraums, erfahrbar werden kann. Seine Architektur erzeugt eine unverwechselbare Akustik, in der sich Schall nicht nur ausbreitet, sondern verflüchtigt, bricht, zurückkommt.</p>
<p>&#8220;The Dome Sessions&#8221;, die neue Compilation des libanesischen Labels Ruptured Records, reagiert nicht nur auf diesen Raum, sondern setzt sich, wie auch in den Liner Notes von Wassila Abboud erörtert, mit ihm in Beziehung. Die elf Sessions, die im April 2023 vor Ort aufgenommen und später in den Tunefork Studios in Beirut abgemischt wurden, lassen sich als akustisches Protokoll einer künstlerischen Aneignung verstehen. Das kollektive Moment ist dabei zentral: Musikerinnen und Musiker aus unterschiedlichen Kontexten und Generationen begegnen sich in diesen Aufnahmen auf Augenhöhe, reagieren aufeinander, auf die Architektur, auf das Vergangene, das Gegenwärtige, das geisterhaft Verborgene. Auch auf das, was in Worten unbeschrieben bleiben muss.</p>
<p>Die erste Session – ein Stück des Trios Sandy Chamoun, Abed Kobeissy und Pascal Semerdjian – beginnt mit Vogelstimmen, wie sie immer wieder leitmotivisch durch das Album ziehen. Eine Art perkussiver Donner kündigt sich an, rätselhafte akustische Miniaturen – Rasseln, Hupen, Triller –, dann setzt Chamouns unverwechselbarer Gesang auf Arabisch ein. Die Instrumentierung ist minimalistisch, doch der Ausdruck ist enorm. Die Dramaturgie des Stücks lebt von ihrer inneren Bewegung: mit wenigen Mitteln entstehen immer neue Motive, zum Ende hin steigert sich das Stück kraftvoll, beinahe eruptiv, ohne dabei die unaufgeregte, klare Stimme Chamouns auch nur ansatzweise zu tangieren. Makram Aboul Hosn präsentiert zwei solistische Kontrabass-Stücke. Der erste Teil ist geprägt von einer durchlässigen, atmenden Dynamik, das Tempo verändert sich scheinbar mühelos, der warme, holzige Klang des Instruments bleibt stets präsent. Im zweiten Teil dann ein energischeres, beinahe rabiates Spiel mit dem Bogen, ein starker Kontrast zum ersten Teil, der schließlich wieder zurückgeführt wird: ein kreisförmiger Aufbau, ein hörbarer Kraftakt.</p>
<p>Abdo Sawma und Anthony Tawil schaffen in ihrer Session eine verdichtete Atmosphäre, die sich von leiser Perkussion zu einer hallgeladenen, beinahe monumentalen Klangfülle steigert. Es ist ein Stück, das sich Zeit nimmt und zugleich große Intensität entwickelt. Ghassan Sahhab nutzt die Qanun – eine arabische Zither – für ein Stück, das archaische Melodik mit flirrender Leichtigkeit verbindet. Die Komposition wirkt nicht wie ein statisches Gebilde, sondern wie ein Gespräch: suchend, fragend, dabei aber stets getragen von innerer Kraft. Der Wechsel zwischen tastender Offenheit und kraftvoller Harmonie verleiht dem Stück eine besondere Tiefe.</p>
<p>Wassim Tanios – möglicherweise identisch mit dem gleichnamigen Regisseur – kombiniert eine dröhnende Grundstimmung mit subtilen Holzbläser- und Elektronikklängen. Die hier wohl verwendete Nej, ein traditionelles Doppelblattinstrument, verleiht dem Stück eine melancholisch-transparente Qualität. Es ist eines der emotional eindringlichsten Stücke der Compilation. Julia Sabras Beitrag ist eines der wenigen textbasierten Stücke. Ihre klare, folkige Stimme steht zunächst allein im Raum, bevor sie vom Strumming einer schlichten, aber feierlichen Akustikgitarre begleitet wird. Die Lyrics sprechen von der Unsicherheit der Zeitlichkeit und von einer drohenden Verlorenheit – und tun dies mit einer Sanftheit, die umso eindrucksvoller ist. &#8220;Girls and boys dancing around a corpse&#8221;, heißt es an einer Stelle – eine Zeile, die hängen bleibt.</p>
<p>Farah Kaddour greift mit ihrer Buzuq auf Mittel zurück, die schon ihr vor kurzem erschienenes Album &#8220;Ghazel&#8221; mit Marwan Tohme prägten. Doch hier wirken die Sounds noch entschiedener auf den Raum bezogen: Windgeräusche, das gelegentliche Aufbrausen des Instruments, das irrlichternde Spiel mit Tonhöhen und Rhythmen erzeugen ein Stück, das nie berechenbar ist, dabei aber stets kohärent bleibt. Der klangliche Zugriff erinnert an Roland Barthes’ Idee einer Schrift ohne festes Alphabet – ein auditives Reich der Zeichen. Marc Ernest beginnt mit vertrauten Vogelstimmen, bevor eine tubaartige Klangfigur einsetzt. Die Musik changiert zwischen Struktur und Offenheit, die Melodik ist ornamentiert, ohne überladen zu wirken. Das Stück bleibt schwer zu fassen, was Teil seiner Qualität ist. Der Fayha Choir, dessen Beitrag über zwölf Minuten geht, bringt mit &#8220;Zahrat al-Mada’en&#8221; ein ursprünglich für Fairuz geschriebenes Stück in den Kuppelraum. Die liturgisch anmutende Wucht dieses Chors, verbunden mit den akustischen Eigenheiten des Ortes, macht dieses Stück zu einem der ergreifendsten des Albums.</p>
<p>Den Abschluss bilden Charbel Haber, Anthony Sahyoun, Fadi Tabbal und Marwan Tohme. Ihr Stück wirkt wie ein epilogartiges Resümee: Geräusche, Stimmen, Saitenklänge, Dröhnen und Rasseln überlagern sich, ohne je in bloße Klangfläche zu kippen. Der Sound bleibt greifbar, vielschichtig, melancholisch – bis am Ende eine versteckte Sirene erklingt, fast unmerklich, wie ein Echo auf die vielen unvollendeten Kapitel dieses Ortes.</p>
<p>&#8220;The Dome Sessions&#8221; ist ein gemeinschaftliches Projekt, das klanglich z.T. weit auseinanderliegende Positionen miteinander in Beziehung setzt, ohne sie zu glätten. Jedes der Stücke würde auch isoliert bestehen, doch im Kontext des Niemeyer-Domes, dessen sinnlicher Erfahrung sie hier einige neue Perspektiven gegeben haben, gewinnen sie zusätzliche Dimensionen. Die Compilation ist kein museales Dokument, sondern ein lebendiger Kommentar zu einem Ort, dessen Bedeutung sich weniger aus dem ergibt, was er ist, als aus dem, was aus ihm gemacht wird.</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/09/13/v-a-the-dome-sessions/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Postcards: Europatour im September und Oktober</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/08/16/postcards-europatour-im-september-und-oktober/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/08/16/postcards-europatour-im-september-und-oktober/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 16 Aug 2025 03:43:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Interbellum]]></category>
		<category><![CDATA[Julia Sabra]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Mattar]]></category>
		<category><![CDATA[Marwan Tohme]]></category>
		<category><![CDATA[Pascal Semerdjian]]></category>
		<category><![CDATA[Postcards]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured Records]]></category>
		<category><![CDATA[T3 Records]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=47452</guid>
		<description><![CDATA[Die libanesische Combo Postcards, bestehend aus Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, bringen ihren experimentierfreudigen (Post-)Rock in den kommenden Wochen im Rahmen einer Tour nach Europa. Viele der Konzerte finden im deutschsprachigen Raum statt, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/08/16/postcards-europatour-im-september-und-oktober/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die libanesische Combo Postcards, bestehend aus Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, bringen ihren experimentierfreudigen (Post-)Rock in den kommenden Wochen im Rahmen einer Tour nach Europa. Viele der Konzerte finden im deutschsprachigen Raum statt, im Gepäck haben die drei Musiker ihr vor einigen Monaten bei Ruptured und T3 erschienenes <a title="Ripe: Neue LP der Postcards" href="http://africanpaper.com/2025/03/08/ripe-neue-lp-der-postcards/">Album &#8220;Ripe&#8221;</a>. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/ripetourbypostcards.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-47453" title="ripetourbypostcards" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/ripetourbypostcards.jpg" alt="" width="1215" height="1519" /></a><span id="more-47452"></span>Eröffnet werden die meisten der Shows von dem Pianisten und Komponisten <a title="Our House Is Very Beautiful at Night: Neues von Interbellum" href="http://africanpaper.com/2023/04/11/our-house-is-very-beautiful-at-night-neues-von-interbellum/">Karl Mattar alias Interbellum</a>, der ebenfalls zu den Künstlern auf Ruptured zählt. Die Mitglieder der Postcards sind seit längerem in unterschiedlichen Konstellationen aktiv, so erschien von Julia Sabra jüngst das <a title="JULIA SABRA: Natural History Museum" href="http://africanpaper.com/2024/11/02/julia-sabra-natural-history-museum/">Solialbum &#8220;Natural Histiry Museum&#8221;</a>. Semerdjan ist derzeit einer der profiliertesten Drummer überhaupt, während Tohme gerade ein <a title="FARAH KADDOUR / MARWAN TOHME: Ghazel" href="http://africanpaper.com/2025/07/05/farah-kaddour-marwan-tohme-ghazel/">Album mit Farah Kaddir</a> veröffentlicht hat und eines mit der größeren<a title="Sametou Sawtan: Album und Tour von Sanam" href="http://africanpaper.com/2025/06/02/sametou-sawtan-album-und-tour-von-sanam/"> Gruppe Sanam</a> herausbringen wird.</p>
<p><a href="https://www.bandsintown.com/a/244023-postcards"><strong>Tourdaten und Tickets </strong></a></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=513149923/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/08/16/postcards-europatour-im-september-und-oktober/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>CHARBEL HABER / NICOLÁS JAAR / SARY MOUSSA: Crashing waves dance to the rhythm set by the broadcast journalist revealing the tragedies of the day</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/07/26/charbel-haber-nicolas-jaar-sary-moussa-crashing-waves-dance-to-the-rhythm-set-by-the-broadcast-journalist-revealing-the-tragedies-of-the-day/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/07/26/charbel-haber-nicolas-jaar-sary-moussa-crashing-waves-dance-to-the-rhythm-set-by-the-broadcast-journalist-revealing-the-tragedies-of-the-day/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 05:06:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Charbel Haber]]></category>
		<category><![CDATA[Nicolás Jaar]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>
		<category><![CDATA[Ruptured Records]]></category>
		<category><![CDATA[Sary Moussa]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=46512</guid>
		<description><![CDATA[Die Luft ist schwer, mit Drama aufgeladen – so beschreibt es ein Gedicht von Charbel Haber, dessen Verse dem neuen Album von Haber, Nicolás Jaar und Sary Moussa als Titel und atmosphärische Grundlage dienen. Es zeichnet das Bild einer Welt &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/07/26/charbel-haber-nicolas-jaar-sary-moussa-crashing-waves-dance-to-the-rhythm-set-by-the-broadcast-journalist-revealing-the-tragedies-of-the-day/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/crashingwaves.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46514" title="crashingwaves" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/crashingwaves-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Luft ist schwer, mit Drama aufgeladen – so beschreibt es ein Gedicht von Charbel Haber, dessen Verse dem neuen Album von Haber, Nicolás Jaar und Sary Moussa als Titel und atmosphärische Grundlage dienen. Es zeichnet das Bild einer Welt im Umbruch, in der Realität und Fiktion verschwimmen, Nachrichten zur Groteske werden, und das Alltägliche von einer latenten Gewalt durchdrungen ist. Die in ein an William Turner erinnerndes Licht getauchte <span id="more-46512"></span>Stadt – gemeint ist Beirut, die Heimatstadt von zweien der drei Musiker –  erscheint darin wie eine Kulisse für eine Abfolge letzter Kriege, in der Möwen über den verlassenen Küstenmüllplätzen regieren und der Sommer von Blei und Konfusion durchtränkt ist.</p>
<p>In diesen Zeilen spiegelt sich ein Gefühl von Überreizung und Zersetzung, das sich auch in der Musik niederschlägt: eine Erschöpfung, die dennoch nicht zur Ruhe kommt, ein Schwebezustand zwischen Überwältigung und klarem Blick. &#8220;Crashing waves dance to the rhythm set by the broadcast journalist revealing the tragedies of the day&#8221;, dessen langer Titel definitiv die Handschrift Habers trägt, ist ein Album, das nichts erklären will. Es beginnt mit vorsichtigem Zupfen auf Habers E-Gitarre, ein fast tastendes Erkunden, das von rauschenden und kratzenden Klängen durchzogen ist. Nichts drängt, nichts zieht in eine bestimmte Richtung, doch unter der Oberfläche scheint sich etwas zusammenzubrauen. Dieser erste Eindruck bleibt nicht konstant, das Eröffnungsstück verändert sich spürbar, gleitet schließlich in eine fast orchestrale Breite über, durchzogen von hellen, pfeifenden Tönen, die nostalgisch und futuristisch zugleich wirken. Es sind Klänge, die an eine Panflöte erinnern, wohl aber von Nicolás Jaars Bassklarinette stammen.</p>
<p>Auch im zweiten Stück bleibt dieses Element präsent, jetzt getragen von entrückten, schwebenden Flächen, deren Klangkörper sich zunehmend verdichten: Hier scheint Sary Moussas Live-Sound-Processing besonders deutlich seine Wirkung zu entfalten. Das Pfeifen wird lauter, fast dringlich, bringt ein dramatisches Moment in die ansonsten sanfte Bewegung. Es sind keine abrupten Brüche, sondern subtile Verschiebungen, die das Hören bestimmen. Tremolierende Elektronik, deren Ursprung schwer zu bestimmen ist, vielleicht digital verfremdet – in jedem Fall rauer, dunkler, unruhiger. Der dritte Track beginnt gleich mit dunkleren Tönen. Helle, nervöse Frequenzen setzen einen Kontrapunkt. Es bimmelt, es brodelt, bis sich die Klänge schließlich zu einem Lärm bündeln, der etwas filmisch Aufgeladenes hat: Suspense, aber ohne aufgelöst zu werden. Gegen Ende kippt die Stimmung ins Surreale, die Klarinette schnattert und übernimmt gleich zu Beginn des abschließenden Stücks erneut die Führung. Ein verlangsamter, pulsierender Takt, fast wie ein Herzschlag in Zeitlupe, trägt das Finale. Langsame, fast schleppende Gitarrenfiguren erinnern an Dark Jazz, während im Hintergrund Geräusche knacken, brodeln und sich zu einem dicht gewebten Geflecht auftürmen. Hohe, arienhafte Töne durchqueren das Stück wie Lichtstrahlen, die durch trübe Luft schneiden, begleitet von kratzender Dröhnung und Rückkopplung.</p>
<p>Dieses Zusammenwirken dreier sehr aktiver Musiker (über Moussas Soloalbum bald mehr auf diesen Seiten) wirkt nie wie das Produkt bloßer Improvisation. Vielmehr entsteht hier eine dichte Struktur aus Klang, Erinnerung und Geste, die sich nicht analytisch aufdrängt, sondern atmosphärisch entfaltet. Das Ergebnis ist ein filmisch anmutendes Hörbild, das ebenso politisch wie poetisch lesbar ist. Ein Album, das sich Zeit nimmt, um seine eigenen Bedingungen zu setzen, und das einen Moment lang die Vorstellung erlaubt, dass sich das Meer vielleicht doch durchsetzt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3917283633/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/07/26/charbel-haber-nicolas-jaar-sary-moussa-crashing-waves-dance-to-the-rhythm-set-by-the-broadcast-journalist-revealing-the-tragedies-of-the-day/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
