Mit „Taamir (Bahriyyeh)“ veröffentlicht die libanesische Sängerin, Gitarristin, Architektin und Wissenschaftlerin Mayssa Jallad eine digitale Single, die musikalische Intimität mit historischer Tiefenschärfe verbindet. Der rund fünfminütige Track lebt von ihrem ausdrucksstarken arabischen Gesang, getragen von rhythmischem Gitarrenstrumming, perkussiven Elementen und durchzogen von maritim anmutenden Field Recordings, die eine kraftvolle und zugleich melancholische Atmosphäre erzeugen. 
Inhaltlich zeichnet das Stück die Geschichte eines Wohnprojekts nahe Sidon nach, das nach einem Erdbeben entstand und sich über Jahrzehnte zu einem vielschichtigen sozialen Raum entwickelte, eng verwoben mit den Lebensrealitäten von Fischern, politischen Bewegungen und einem benachbarten Flüchtlingslager. So entsteht ein vielschichtiges Klangbild, das Alltagsleben, Erinnerung und regionale Konfliktgeschichte differenziert und nuanciert miteinander verschränkt, ohne je ins rein Dokumentarische zu kippen. Im Sinne einer musikalischen wie wissenschaftlichen Erkundung eines historischen Ortes knüpft die Künstlerin hier also auch an ihr groß angelegtes Album “Marjaa: The Battle of the Hotels” an, mit dem sie den Spuren historischer Ereignisse im bürgerkriegsgeplagten Beirut mit Mitteln der Musik und der Poesie nachging. Kompositorisch unterstützt von Fadi Tabbal und rhythmisch akzentuiert durch Pascal Semerdjian, entfaltet der Song eine dichte, bewegende Sogwirkung zwischen persönlicher Erzählung und kollektiver Geschichte. Eine ganze Reihe an Fischern wwerden auf Bandcamp namentlich genannt. Die Single erscheint mit Design von Josette Khalil (die zusammen mit Omar Bsat auch an der historischen Aufarbeitung beteiligt war) über Ruptured.