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	<title>African Paper &#187; Sary Moussa</title>
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		<title>Land: Zweiter und dritter Teil der libanesischen Charity-Compilation</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 05:29:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die auch als Label fungierenden Tunefork Studios in Beirut haben gerade zusammen mit dem Beirut Synthesizer Center einen zweiten und dritten Teil der Charity-Compilation &#8220;Land&#8221; herausgebracht, deren Erlös der Versorgung der Menschen zugute kommt, die in Folge des aktuellen Krieges &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/03/24/land-zweiter-und-dritter-teil-der-libanesischen-charity-compilation/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die auch als Label fungierenden Tunefork Studios in Beirut haben gerade zusammen mit dem Beirut Synthesizer Center einen zweiten und dritten Teil der Charity-Compilation &#8220;Land&#8221; herausgebracht, deren Erlös der Versorgung der Menschen zugute kommt, die in Folge des aktuellen Krieges heimatlos geworden sind &#8211; enthalten sind Beiträge von insgesamt achtundfünfzig Acts, die größtenteils aus den vielgestaltigen experimentellen, elektronischen, improvlastigen oder klangkünstlwerischen Musikszenen Libanons stammen. <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-50554" title="land2" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land2.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-50553"></span></p>
<p>Mit Yara Asmar, Nour Sokhon, Sanam, Charbel Haber, Julia Sabra, Elyse Tabet, Postcards, Jad Atoui, Anthony Sahyoun, Snakeskin, Fadi Tabbal, Interbellum, Mayssa Jallad, Abed Kobeissy, Sary Moussa, Interbellum, The Incompetents, Yasmine Hamdan, Zeid Hamdan, Youmna Saba und Maud Zeinoun sind eine ganze Reihe an Künstlerinnen und Künstlern vertreten, die auch auf unseren Seiten schon eine Rolle gespielt haben. Internationale Acts wie Julia Holter und Mary Lattimore sind ebenfalls vertreten. <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-50555" title="land3" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land3.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a>Die Doppel-Compilation ist mit Artwork by Carla Aouad und Design von Josette &#8216;Zooz&#8217; Khalil über Bandcamp erhältlich. Der erste Teil der Reihe erschien vor anderthalb Jahren.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3603396290/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1299316612/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>SARY MOUSSA: Wind, Again</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 05:12:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt Musik, die nicht nach Einheit strebt, sondern gerade aus dem Zusammenprall unterschiedlicher Elemente ihre Spannung bezieht. &#8220;Wind, Again&#8221;, das neue Album von Sary Moussa, das der hier als Sazspieler auftretende Musiker zusammen mit einigen der großen Namen der &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/08/23/sary-moussa-wind-again/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/wa.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46641" title="wa" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/wa-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es gibt Musik, die nicht nach Einheit strebt, sondern gerade aus dem Zusammenprall unterschiedlicher Elemente ihre Spannung bezieht. &#8220;Wind, Again&#8221;, das neue Album von Sary Moussa, das der hier als Sazspieler auftretende Musiker zusammen mit einigen der großen Namen der libanesischen Experimentalszene &#8211; Julia Sabra (Piano, Hammond-Orgel), Paed Conca (Klarinette), Abed Kobeissi (Buzuq), Sary Moussa (Saz), Fadi Tabbal (Gitarre) und Pascal Semerdjian (Schlagzeug) &#8211; eingespielt hat, ist <span id="more-46640"></span>ein Beispiel für ein Werk, das diese Spannungen nicht glättet, sondern hörbar macht, ohne dabei in Beliebigkeit oder reines Experimentieren abzugleiten.</p>
<p>Auf sechs Stücken bringt Moussa all diese westlichen und vorderasiatischen Instrumente in Kontakt mit elektronischer Bearbeitung und struktureller Verdichtung. Doch anstatt daraus ein harmonisierendes Patchwork zu machen, entwickelt er eine Musik, die sich durch Reibung definiert. Die eingesetzten Instrumente bleiben hörbar sie selbst, behalten ihre eigene kulturelle Schwere und begegnen sich dennoch auf Augenhöhe. Der Fokus liegt weniger auf einer Versöhnung der klanglichen Welten, sondern auf deren möglichem Nebeneinander.</p>
<p>Ein Schlüsselstück ist das eröffnende &#8220;I Will Never Write A Song About You&#8221;, das Julia Sabras melancholisches Pianospiel, Paed Concas spröde Klarinette und die Buzuq von Abed Kobeissi in ein dichtes Szenario aus Schichtungen, Rückkoppelungen und subtilen Steigerungen überführt. Moussa schreibt dazu: &#8220;Es ist, als ob wir alle unterschiedliche Geschichten erzählen und ich habe an dem Faden gezogen, der sie zusammenhält&#8221;. Dass sich dabei Elemente durchkreuzen, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben – das schleifende Dröhnen, das feierlich anmutende Orgelspiel, das quietschende, fast menschlich klagende Klarinettenmotiv – ist kein Widerspruch, sondern gestalterisches Prinzip.</p>
<p>Im Zentrum steht dabei eine Form von musikalischer Überlagerung, die sich in &#8220;Everywhere at Once&#8221; besonders eindrucksvoll entfaltet. Zunächst dominiert ein tiefes Orgelbrummen, dann mischen sich Beckenrauschen, fragile Elektronik und eine Art von pseudo-organischer Klangvielfalt ein, die an ein sehr entferntes Vogelkonzert erinnern mag. Spannung und Ernsthaftigkeit greifen ineinander, besonders wenn Drummer Pascal Semerdjian für Momente mehr Druck aufbaut – fast, als stünde ein Ausbruch bevor. Doch der bleibt aus; stattdessen verschiebt sich der Fokus zurück auf die Orgel, ohne dass der dramatische Impuls verlorengeht.</p>
<p>Stücke wie &#8220;White Dust&#8221; oder &#8220;Violence&#8221; zeigen, wie viel sich in Wiederholung und Oberflächenstruktur verbergen kann: Ruppiges Saitengeratter, kaum zur Ruhe kommende rhythmische Impulse und sich langsam verwischende Linien schaffen einen Eindruck von Bewegung ohne offensichtliche Richtung. Gerade in &#8220;Violence&#8221;, das auf den ersten Blick fast statisch wirkt, entpuppt sich mit der Zeit eine komplexe, hypnotische Dynamik, eine leise, aber stetige Unruhe. Der vielleicht persönlichste Moment findet sich in &#8220;Everything Inside a Circle&#8221;. Moussa kombiniert darin Piano, verfremdete Stimmen und generative Elektronik zu einer Mischung, die, wie es berichtet, eine Kindheitserinnerung an das Musikhören mit der Mutter reflektiert. Die Nähe zum Vertrauten bleibt angedeutet, das Emotionale ist eingebettet in Strukturen, die sich jeder eindeutigen Zuschreibung entziehen.</p>
<p>Zum Abschluss bündelt &#8220;A Storm, A Gift&#8221; noch einmal viele der klanglichen Strategien des Albums: vibrierende Dröhnung, aufgescheuchte, fast stimmhafte Klänge, perkussive Splitter und eine Orgel, die diesmal nicht abfedert, sondern das Geschehen mit Nachdruck trägt. Auch hier: kein eruptiver Schluss, sondern ein Nachbeben, ein umso intensiveres letztes Aufflackern. &#8220;Wind, Again&#8221; ist ein aufwühlendes Album, das sich jeder Form von eindeutiger Lesbarkeit entzieht. Es arbeitet mit Brüchen und Ambivalenzen, mit Erinnerungen, die nicht benannt, sondern klanglich angedeutet werden. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Other People</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=470913527/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>CHARBEL HABER / NICOLÁS JAAR / SARY MOUSSA: Crashing waves dance to the rhythm set by the broadcast journalist revealing the tragedies of the day</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Jul 2025 05:06:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Luft ist schwer, mit Drama aufgeladen – so beschreibt es ein Gedicht von Charbel Haber, dessen Verse dem neuen Album von Haber, Nicolás Jaar und Sary Moussa als Titel und atmosphärische Grundlage dienen. Es zeichnet das Bild einer Welt &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/07/26/charbel-haber-nicolas-jaar-sary-moussa-crashing-waves-dance-to-the-rhythm-set-by-the-broadcast-journalist-revealing-the-tragedies-of-the-day/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/crashingwaves.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46514" title="crashingwaves" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/crashingwaves-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Luft ist schwer, mit Drama aufgeladen – so beschreibt es ein Gedicht von Charbel Haber, dessen Verse dem neuen Album von Haber, Nicolás Jaar und Sary Moussa als Titel und atmosphärische Grundlage dienen. Es zeichnet das Bild einer Welt im Umbruch, in der Realität und Fiktion verschwimmen, Nachrichten zur Groteske werden, und das Alltägliche von einer latenten Gewalt durchdrungen ist. Die in ein an William Turner erinnerndes Licht getauchte <span id="more-46512"></span>Stadt – gemeint ist Beirut, die Heimatstadt von zweien der drei Musiker –  erscheint darin wie eine Kulisse für eine Abfolge letzter Kriege, in der Möwen über den verlassenen Küstenmüllplätzen regieren und der Sommer von Blei und Konfusion durchtränkt ist.</p>
<p>In diesen Zeilen spiegelt sich ein Gefühl von Überreizung und Zersetzung, das sich auch in der Musik niederschlägt: eine Erschöpfung, die dennoch nicht zur Ruhe kommt, ein Schwebezustand zwischen Überwältigung und klarem Blick. &#8220;Crashing waves dance to the rhythm set by the broadcast journalist revealing the tragedies of the day&#8221;, dessen langer Titel definitiv die Handschrift Habers trägt, ist ein Album, das nichts erklären will. Es beginnt mit vorsichtigem Zupfen auf Habers E-Gitarre, ein fast tastendes Erkunden, das von rauschenden und kratzenden Klängen durchzogen ist. Nichts drängt, nichts zieht in eine bestimmte Richtung, doch unter der Oberfläche scheint sich etwas zusammenzubrauen. Dieser erste Eindruck bleibt nicht konstant, das Eröffnungsstück verändert sich spürbar, gleitet schließlich in eine fast orchestrale Breite über, durchzogen von hellen, pfeifenden Tönen, die nostalgisch und futuristisch zugleich wirken. Es sind Klänge, die an eine Panflöte erinnern, wohl aber von Nicolás Jaars Bassklarinette stammen.</p>
<p>Auch im zweiten Stück bleibt dieses Element präsent, jetzt getragen von entrückten, schwebenden Flächen, deren Klangkörper sich zunehmend verdichten: Hier scheint Sary Moussas Live-Sound-Processing besonders deutlich seine Wirkung zu entfalten. Das Pfeifen wird lauter, fast dringlich, bringt ein dramatisches Moment in die ansonsten sanfte Bewegung. Es sind keine abrupten Brüche, sondern subtile Verschiebungen, die das Hören bestimmen. Tremolierende Elektronik, deren Ursprung schwer zu bestimmen ist, vielleicht digital verfremdet – in jedem Fall rauer, dunkler, unruhiger. Der dritte Track beginnt gleich mit dunkleren Tönen. Helle, nervöse Frequenzen setzen einen Kontrapunkt. Es bimmelt, es brodelt, bis sich die Klänge schließlich zu einem Lärm bündeln, der etwas filmisch Aufgeladenes hat: Suspense, aber ohne aufgelöst zu werden. Gegen Ende kippt die Stimmung ins Surreale, die Klarinette schnattert und übernimmt gleich zu Beginn des abschließenden Stücks erneut die Führung. Ein verlangsamter, pulsierender Takt, fast wie ein Herzschlag in Zeitlupe, trägt das Finale. Langsame, fast schleppende Gitarrenfiguren erinnern an Dark Jazz, während im Hintergrund Geräusche knacken, brodeln und sich zu einem dicht gewebten Geflecht auftürmen. Hohe, arienhafte Töne durchqueren das Stück wie Lichtstrahlen, die durch trübe Luft schneiden, begleitet von kratzender Dröhnung und Rückkopplung.</p>
<p>Dieses Zusammenwirken dreier sehr aktiver Musiker (über Moussas Soloalbum bald mehr auf diesen Seiten) wirkt nie wie das Produkt bloßer Improvisation. Vielmehr entsteht hier eine dichte Struktur aus Klang, Erinnerung und Geste, die sich nicht analytisch aufdrängt, sondern atmosphärisch entfaltet. Das Ergebnis ist ein filmisch anmutendes Hörbild, das ebenso politisch wie poetisch lesbar ist. Ein Album, das sich Zeit nimmt, um seine eigenen Bedingungen zu setzen, und das einen Moment lang die Vorstellung erlaubt, dass sich das Meer vielleicht doch durchsetzt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3917283633/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>Ich hatte das Gefühl, dass die Stadt Zeuge einer Gewalt war, die niemand erwähnen wollte. Interview mit Mayssa Jallad</title>
		<link>https://africanpaper.com/2023/04/29/ich-hatte-das-gefuhl-dass-die-stadt-zeuge-einer-gewalt-war-die-niemand-erwahnen-wollte-interview-mit-mayssa-jallad/</link>
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		<pubDate>Sat, 29 Apr 2023 04:36:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anfang des Jahres erschien das erste Soloalbum der libanesischen Sängerin, Musikerin und Architektin Mayssa Jallad, die zuvor bei der Band Safar und in einigen weiteren Konstellationen in Erscheinung getreten ist. Das international mit großem Interesse rezipierte &#8220;Marjaa: The Battle of &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/04/29/ich-hatte-das-gefuhl-dass-die-stadt-zeuge-einer-gewalt-war-die-niemand-erwahnen-wollte-interview-mit-mayssa-jallad/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-35286" title="MAYSSA JALLAD 3 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Anfang des Jahres erschien das erste Soloalbum der libanesischen Sängerin, Musikerin und Architektin Mayssa Jallad, die zuvor bei der Band Safar und in einigen <a title="V.A.: Beirut Adrift" href="http://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">weiteren Konstellationen</a> in Erscheinung getreten ist. Das international mit großem Interesse rezipierte <a title="MAYSSA JALLAD: Marjaa" href="http://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">&#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels&#8221;</a> erzählt in melancholischen Folksongs und ebenso in zerfledderten Eruptionen die Geschichte des Hotel District im Zentrum Beiruts, das zu Beginn des libanesischen Bürgerkriegs Schauplatz und zugleich Akteur wesentlicher <span id="more-35281"></span>Kampfhandlungen wurde &#8211; eine Geschichte, die weit in die Zeit vor dem Krieg zurückreicht und in ihren Nachwehen bis heute andauert. Als Bewohnerin der Stadt und zugleich Architektin hat die Musikerin über einen Zeitraum von fünf Jahren zahlreiche Facetten in ihre Texte verwoben, die aus der Perspektive der Gebäude verfasst sind. Die Verwobenheit von Architektur, Gesellschaft, Identität und Krieg aufzuzeigen sind ein ebenso großes Anliegen wie das Schaffen eines Bewusstseins auch für die verantwortlichen Akteure der Ereignisse, doch zugleich ist das Album auch eine berührende Hommage an ein dissoziiert wirkendes Zuhause voller geisterhafter Orte. Um diese Dinge, aber auch um die vielen Musikerinnen und Musiker, die sich an dem Projekt beteiligt hatten, geht es im folgenden Interview.</strong></p>
<p><strong><a title="I felt that the city had witnessed a violence that nobody wanted to mention. Interview with Mayssa Jallad" href="http://africanpaper.com/2023/04/29/i-felt-that-the-city-had-witnessed-a-violence-that-nobody-wanted-to-mention-interview-with-mayssa-jallad/">English Version</a></strong></p>
<p><em><strong>Neben deiner Tätigkeit als Musikerin und Sängerin hast du auch Architektur studiert und arbeitest in verschiedenen Bereichen in diesem Metier. In deinem Album „Marjaa“ verbindest du die beiden kreativen Felder zu einer Einheit. Hast du Musik und Architektur schon immer als irgendwie miteinander verbunden gesehen oder ist es das Ergebnis einer neueren Entwicklung?</strong></em></p>
<p>Während meines Architekturstudiums an der American University of Beirut (AUB) habe ich es geliebt, Theater und Räume für Aufführungen zu entwerfen, und habe sie oft in verlassene Gebäude in Beirut gesteckt, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber dann trat ich in die Welt der Architekturbüros ein und es wurde unrealistisch, meine eigenen Entwürfe zu erstellen. Die Hierarchie und Praktikabilität der Architekturpraxis machten es mir schwer, eine Stimme zu haben. Andererseits kam mir das Kreieren von Musik über Architektur erst später in den Sinn, und zwar in einem sehr entscheidenden Moment meines Lebens. Während meiner Graduiertenschule in New York hatte ich eine Abschlussarbeit über Beiruts Schlacht um die Hotels geschrieben, und es bedeutete mir viel, mich mit dieser schwierigen und bedeutsamen Geschichte zu befassen. Nach der Graduiertenschule habe ich in einem Architekturbüro in Manhattan gearbeitet und musste den Blick von Beirut und der Forschung abwenden. Das starre 9 to 5 hat mir das Musikmachen sehr schwer gemacht, und diese Erkenntnis hat mich deprimiert. Da beschloss ich, nach Beirut zurückzukehren und Musik über die Architektur meiner Stadt zu machen und durch Musik schwierige Schichten der Vergangenheit freizulegen. Es hat mein Leben verändert.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1872657994/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=2677289648/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><em><strong>Kannst du uns einen Überblick über deinen musikalischen Hintergrund geben? Was waren deine ersten Aktivitäten und die wichtigsten Meilensteine als Sängerin?</strong></em></p>
<p>Meine Eltern haben mich schon in jungen Jahren zum Klavierunterricht angemeldet und ich lernte bei mehreren Lehrern, bis ich ungefähr 16 war. Dann lernte ich bei einem Freund der Familie Gitarre und begann ungefähr zur gleichen Zeit zu schreiben und zu singen. Ich sang im Sommercamp, bei Schulkonzerten, im klassischen Chor der Universität, ich war eine Zeit lang in einer Bluesband, sogar in einer A-Capella-Gruppe. 2010 schrieb ich einen Jingle, der mir einen Platz bei einem Straßenfest in Beirut einbrachte, auf einer großen Bühne, die die ganze Straße sperrte. Mein Freund Elie Abdelnour spielte an diesem Abend mit mir Gitarre, und wir fingen an, Coverversionen in kleinen Pubs in der ganzen Stadt zu spielen. Ein paar Jahre später nahmen wir an einem offenen Mikrofonwettbewerb namens Beirut Open Stage (BOS) teil und gewannen. Wir gründeten die Band Safar und lernten dank BOS den Produzenten Fadi Tabbal kennen, und da begannen wir mit der Arbeit an unserer ersten EP „23 Kilograms“. Das war 2014. Wir traten an fast jedem Veranstaltungsort in Beirut auf, sogar an einigen Orten in Europa und den USA, und schrieben 4 EPs zusammen, die letzten zwei auf Distanz, seit Elie und ich bereits für die Graduiertenschule in die USA gezogen waren. Dann, im Jahr 2018, beschloss ich, nach Beirut zurückzukehren, um das experimentelle Soloprojekt &#8220;Marjaa&#8221; zu starten… was 5 Jahre Arbeit gekostet hat! In der Zwischenzeit nahm ich an den Protesten der Revolution vom 17. Oktober 2019 teil und wurde Teil einer Gruppe, die Protestlieder schrieb. Ich habe im Sommer 2021 auch ein paar Songs veröffentlicht, als ich Teil des OneBeat-Stipendiums in Beirut war: „Madina Min Baeed“ mit Khaled Allaf und „Bi Kheir“ und „Fil Aatma“ mit der Supergroup Baada Ab.</p>
<p><em><strong>Ich habe Beirut als eine sehr vielfältige Stadt erlebt, und was mir unter anderem aufgefallen ist, war die oft starke architektonische Heterogenität, manchmal sogar auf engstem Raum, und ich vermutete, dass dies etwas mit den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen in der Moderne zu tun hatte sowie mit dem Bürgerkrieg. Hat Beirut in dieser Hinsicht viel zu deiner Entscheidung, Architektur zu studieren, beigetragen?</strong></em></p>
<p>Ich denke, die Vielfalt der Architektur in Beirut rührt von einer historischen und politischen Unmöglichkeit der Stadtplanung und -erhaltung her. Die Stadt hat sich seit ihren Anfängen ständig verändert, ist verschwunden und gewachsen. Widersprüche sind eingebettet in seine Menschen, seine Nachbarschaften und die Architektur. Als ich aufwuchs, hatte ich das Gefühl, dass die Stadt Zeuge einer Gewalt war, die niemand erwähnen wollte. Große Immobilien verschlangen ganze Gemeinden und löschten bedeutungsvolle Orte aus. Der Besuch der Architekturschule in Beirut diente genau dazu, diese Geschichte aufzudecken und meine Stadt besser zu verstehen und auch zu begreifen, wie die Vergangenheit sie in der Gegenwart leiden ließ.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/p_WCuXe6sfI" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In deinem neuen Album beschäftigst du dich mit einer Reihe historischer Ereignisse während des libanesischen Bürgerkriegs, bekannt als die Schlacht um die Hotels, ein Thema, über das du auch deine akademische Abschlussarbeit geschrieben hast. Was hat dich an dem Thema so beeindruckt und berührt?</strong></em></p>
<p>Es begann an der Architekturschule der American University of Beirut (AUB). Ich interessierte mich für die modernistischen Gebäude von Beirut, die eine Geschichte im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg hatten. Ich verband sie mit Mitgliedern meiner Familie und hatte das Gefühl, dass sie meine Hilfe brauchten. Ich wollte ihre Geschichte, ihre Krankheiten aufdecken und in ihnen etwas Neues entwerfen, das ihnen helfen würde, Beirut heute zu überleben.</p>
<p>In der Graduiertenschule wollte ich mich auf das Holiday Inn konzentrieren, ein riesiges verlassenes Hotel, über das ich an der Universität ein Studio gemacht hatte. Als ich meinem Diplomarbeitsbetreuer erzählte, dass das Hotel am Kampf der Hotels „mitgemacht“ hat, war er fasziniert. Mir wurde klar, dass wir ein urbanes Phänomen, das nicht nur lokal von Bedeutung war, sondern globale Auswirkungen hatte, für selbstverständlich hielten: Es war das erste Mal überhaupt, dass Wolkenkratzer in einem Häuserkampf eingesetzt wurden.</p>
<p><em><strong>Als du das Album aufgenommen hast, welche Ideen waren zuerst da – die inhaltliche Erzählung oder deine Vorstellungen von der Musik? Oder kamen beide relativ gleichzeitig zusammen?</strong></em></p>
<p>Für Teil A (Tracks 1 bis 4) habe ich den Text und die grundlegenden Akustikgitarrenparts gewissermaßen voneinander abhängig geschrieben, da die Idee, mit einer alten Karte spazieren zu gehen, aus meiner Abschlussarbeit stammt, die über das Gebiet der Hotels recherchiert und alle Karten darüber gelegt hat &#8211; geschockt darüber, wie sehr sich die Stadt verändert hatte. Youmna Saba half mir bei der Gesangsmelodie und brachte ihre eigene Stimme und Oud in den Mix ein. Dann dachte <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">Fadi Tabbal</a> an die Gitarren-Layer und Drones von Marwan Tohme. Nachdem wir Teil A aufgenommen hatten, fragte ich Fadi, was wir seiner Meinung nach als nächstes tun sollten, und da sagte er: „Du wirst jetzt den Kampf schreiben, oder?“ Also stellte ich mich der Herausforderung, meine These in Texte zu übersetzen und dann die dazugehörigen Gitarrenakkorde zu schreiben. Außer „Markaz Azraq (6. Dezember)“, das war ein Lied, das ich zuvor unabhängig geschrieben hatte und dessen Text ich geändert habe, um das vorliegende Ereignis zu beschreiben. Nachdem ich den gesamten Teil B geschrieben hatte, hörte Fadi ihn sich an und assoziierte verschiedene Sounds und Texturen damit, und wir begannen im Studio mit seiner E-Gitarre zu experimentieren. Wir haben dann verschiedene Musiker zur Zusammenarbeit hinzugezogen, insbesondere bei einigen Songs, bei denen wir uns am liebsten ganz herausgehalten hätten: „Al Hisar“, das Farah Kaddour improvisiert hat, „Holiday Inn (March 21 to 29)“, das Sary Moussa produziert und komplett vertont hat und „Al Irth“, das <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Yara Asmar</a> improvisiert hat.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/7p9RqXyTi6Q" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In den ersten Songs des Albums bekommt man die Perspektive einer Person, die durch eine Stadt geht und versucht, einer Karte aus einer vergangenen Zeit zu folgen. Es ist wie eine melancholische Kontemplation über das Wesen (brutaler) historischer Veränderungen und Sackgassen. Wie nahe kommt das deinem persönlichen Gefühl, in dieser Stadt zu Hause zu sein?</strong></em></p>
<p>Ich glaube, ich spüre das am stärksten in den Gegenden, in denen ich das Gefühl habe, dass Gebäude und Straßen in Beirut menschenleer sind. Bei all diesen Entwicklung frage ich mich, für wen sie eigentlich gut sind. Ist es wirklich Fortschritt, wenn sich niemand daran erfreuen kann? Je mehr ich über die Innenstadt von Beirut recherchiere, desto deutlicher wird mir das Ausmaß der Zerstörung, die während des „Wiederaufbaus“ geschah. Was für ein schreckliches Gefühl muss es für die Generationen sein, die älter sind als ich, die Zeugen des Verschwindens ihrer ganzen Stadt geworden sind.</p>
<p><em><strong>Einer der Texte erwähnt auch Geister. In welcher Form, glaubst du, kann man diese Geister – bildlich gesprochen? &#8211; an genau diesen Stellen fühlen?</strong></em></p>
<p>Viele Menschen starben durch die Kugeln von Scharfschützen, die sich in den Türmen der Schlacht um die Hotels versteckten, nämlich dem Murr Tower und dem Holiday Inn. Dies waren vorsätzliche Tötungen von Personen, die sich auf der „anderen Seite“ befanden, von denen viele unschuldige Zuschauer waren. Das Leben so vieler Menschen wurde durch diese Entscheidung, in die Stadt einzudringen, auf den Kopf gestellt und zerstört. Viele Einwohner wurden an Kontrollpunkten entführt oder bei Massakern getötet, wie ich sie in „Markaz Azraq“ und „Holiday Inn (Januar bis März)“ beschreibe. Und später war die grüne Linie, die am Ende der Hotelschlacht zwischen Ost- und West-Beirut geschaffen wurde, ein so gefährlicher Raum, dass sie menschenleer und von üppigem Grün überwuchert wurde, ein verlassener Streifen der Stadt, für 15 Jahre. Dies sind die Geister, die immer noch unter uns umherstreifen, da ihrer Tötung keine Gerechtigkeit widerfahren ist.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35288" title="MAYSSA JALLAD 4 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>In weiten Teilen des Albums gibst du den Hotelgebäuden eine eigene Stimme und machst sie zu Protagonisten und Erzählern der historischen Ereignisse. Was hat dich zu dieser Idee gebracht?</strong></em></p>
<p>Das Personifizieren von Gebäuden ist eine Entdeckung, die ich in meinem letzten Jahr in Architektur an der Universität gemacht habe. Mir wurde klar, dass ich verschiedene Mitglieder meiner Familie mit verschiedenen Gebäuden in Verbindung gebracht hatte, die ich während meiner Zeit an der Architekturschule studiert hatte, und ich schlug Designideen vor, die auf den verschiedenen Persönlichkeiten basierten, die ich mit den Gebäuden assoziierte. Dann, ein paar Jahre später, als die Idee aufkam, Musik über Architektur zu schreiben, schrieb ich einen Song namens „Madina Min Baeed“, in dem ich die Stadt verkörpere (man kann den Text in der Beschreibung des Musikvideos nachlesen) … also ich schätze mal, als die Herausforderung aufkam, den Kampf der Hotels zu schreiben, war das instinktivste Werkzeug für mich, es aus der Sicht des Gebäudes zu schreiben &#8211; des Gebäudes als einer Art Waffe, die in verschiedene Hände fällt und gezwungen ist, sich je nach Farbe des Eindringlings zu „färben“.</p>
<p><em><strong>Wie groß war der Input an Ideen, die die anderen beteiligten Musiker in das Projekt eingebracht haben?</strong></em></p>
<p>Die Musiker, mit denen ich zusammengearbeitet habe, hatten einen großen Einfluss darauf, wie die Musik des Albums letztlich klang. Fadi Tabbal ist Co-Autor, da er meine anfänglichen Ideen, die ich auf der Akustikgitarre geschrieben habe, aufgegriffen und begonnen hat, sich räumliche Qualitäten und Klänge vorzustellen. Youmna Saba ist Co-Autorin, weil ich bereits vor der Arbeit mit Fadi mit ihr in einem Workshop „Etel“ und „Kharita“ produziert habe und sie die Idee von Stimme und Melodie als Ausdruck räumlicher Qualität eingebracht hat, was mich wirklich umgehauen hat. Sary Moussa ist Co-Autor, weil er die Musik von „Holiday Inn March 21 to 29“ vollständig geschrieben hat, nur basierend auf den Tracks davor und danach. Farah Kaddour und Yara Asmar improvisierten ihre Stücke basierend auf minimalen Aufforderungen von Fadi und mir. Pascal Semerdjians Schlagzeug war ebenfalls sehr intuitiv, sehr geprägt von seiner brillanten Sensibilität. Marwan Tohme lieh mir seine Gitarrenkünste, und er und Julia Sabra wurden der Chor in „Markaz Azraq“.</p>
<p><em><strong>Alle Kollaborateure, die ich auf dem Album kenne, haben ihre eigenen kreativen Projekte. Hast du schon einmal mit einem von ihnen gearbeitet? Ich nehme an, die meisten kennst du schon eine ganze Weile…</strong></em></p>
<p>Ich habe mit Fadi und Postcards (Julia, Pascal und Marwan) mit meiner vorherigen Band Safar zusammengearbeitet. Wir kennen uns seit 10 Jahren! Fadi produzierte die 4 EPs von Safar, trat bei mehreren Gelegenheiten mit uns auf und schrieb auch ein paar Songs mit uns zusammen. Pascal spielte Schlagzeug auf Safar-Platten, Julia nahm einige Backing-Vocals für uns auf und Marwan trat bei unserem letzten Konzert mit uns auf. Wir sind gute Freunde und ich liebe all ihre Projekte, ob Fadis Soloarbeit, die Bunny Tylers, Postcards, Sanam oder die jüngste Zusammenarbeit von Fadi und Julia namens <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">&#8220;Snakeskin&#8221;</a>. Ich habe Youmna auch vor 10 Jahren getroffen, aber das ist das erste Mal, dass wir zusammengearbeitet haben. Ich bin so dankbar und bewundere sie so sehr als Mensch und Künstlerin. Ich habe Sary vor ein paar Jahren kennengelernt und habe seine Arbeit immer geliebt. Ungleichgewicht ist ein Juwel! Ich habe Farah und Yara 2021 während eines Musikstipendiums namens Onebeat in Beirut kennengelernt. Farah und ich arbeiten auch zusammen an einer neuen Aufführung, daher war es großartig, ihren wunderbaren Geist kennenzulernen! Es war ein Segen und ein Traum, dass all diese talentierten Musiker an meinem Solo-Debütalbum mitgearbeitet haben!</p>
<p><em><strong>Wie war bisher das Feedback in deiner Stadt oder in deinem Land? Gab es besondere Reaktionen? Ich habe gerade Ausschnitte von einem sehr schönen Release-Konzert gesehen..</strong></em></p>
<p>Danke schön! Es war bisher sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass die Leute bereit sind, über diese schwierige Geschichte zu sprechen. Die Konzerte waren sehr emotionale Momente, die Stille und Anspannung sind so greifbar. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass die Leute zuhören und die Geschichte verstehen wollten. Jüngere Menschen kamen zu mir und drückten ihre Erleichterung darüber aus, endlich öffentlich über diese Geschichte gesprochen zu haben. Und ältere Leute sind zu mir gekommen und haben ihre eigenen persönlichen Geschichten darüber erzählt, wie sie den Kampf der Hotels erlebt haben. Eine Person kam auf mich zu und sagte: „Ich habe mich immer gefragt, warum so etwas nicht schon früher gemacht wurde. Du hast es geschafft.&#8221;<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35289" title="MAYSSA JALLAD 6 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>Zu welcher Art von Diskussion – in deinem Land, aber auch im Ausland – möchtest du mit dem Album und den zugrundeliegenden Ideen beitragen?</strong></em></p>
<p>Ich möchte, dass die Leute verstehen, dass denen, die die Stadt einst zerstört haben, niemals zugetraut werden kann, sie „wieder aufzubauen“, egal wie sehr sie versuchen, ihr Image aufzupolieren. Die gesamte Daseinsberechtigung jeder Miliz, die zu einer politischen Partei wurde, basiert darauf, die Menschen zu spalten. Wie können wir ein Land aufbauen, das auf ihrer Ideologie basiert? Stellen wir uns eine Welt ohne sie vor! Auf globaler Ebene, denke ich, bezieht sich jeder auf die eine oder andere Weise auf dieses Phänomen der urbanen Kriegsführung: Ob man beobachtet, wie sich eine Stadt auf der Grundlage der finanziellen Gewinne einiger weniger verändert, oder Zeuge der urbanen Kriegsführung in Städten auf der ganzen Welt ist, Beirut ist eine Fallstudie des Worst-Case-Szenarios, in mehr als einer Hinsicht.</p>
<p><em><strong>Du arbeitest auch für PROCOL Libanon, ehemals Relief Centre, das sich nach eigener Beschreibung „auf die Bereitstellung einer integrativen und wohlhabenden Zukunft für von Massenvertreibungen betroffene Gemeinschaften“ konzentriert. Siehst du eine starke Verbindung zwischen deiner historischen Forschung (einschließlich des Albumkonzepts) und diesen gegenwärtigen Aktivitäten?</strong></em></p>
<p>Ich habe &#8220;Marjaa: the Battle of the Hotels&#8221; basierend auf meiner Diplomarbeit geschrieben, die ich 2017 geschrieben habe. Vielleicht basiert &#8220;Marjaa 2&#8243; auf den Recherchen, die ich seit Januar 2019 mit PROCOL Libanon durchgeführt habe … die Zeit wird es zeigen.</p>
<p><em><strong>Also wird das Projekt in Zukunft noch weitere neue Facetten bekommen. Denkst du auch bereits an ganz neue Ideen?</strong></em></p>
<p>Sich nicht zwischen Musik und Architektur entscheiden zu müssen, war ein unglaubliches Experiment, und ich bin denen so dankbar, die daran glauben und helfen, es Wirklichkeit werden zu lassen. Für mich ist das erst der Anfang für Marjaa.</p>
<p>Interview: U.S.</p>
<p>Fotos © Ely Dagher</p>
<p><strong>@ <a href="https://rupturedonline.com/">Ruptured</a> | <a href="https://rupturedthelabel.bandcamp.com/album/marjaa-the-battle-of-the-hotels">Bandcamp</a> | <a href="https://soundcloud.com/ruptured">Soundcloud</a> | <a href="https://www.instagram.com/mayssajallad/">Instagram</a></strong></p>
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		<title>I felt that the city had witnessed a violence that nobody wanted to mention. Interview with Mayssa Jallad</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Apr 2023 04:33:23 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[The first solo album by Lebanese singer, musician and architect Mayssa Jallad, who previously appeared with the band Safar and in several other constellations, was released at the beginning of the year. &#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels&#8221; tells the &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/04/29/i-felt-that-the-city-had-witnessed-a-violence-that-nobody-wanted-to-mention-interview-with-mayssa-jallad/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER1.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-35305" title="MAYSSA JALLAD 3 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>The first solo album by Lebanese singer, musician and architect Mayssa Jallad, who previously appeared with the band Safar and in several <a title="V.A.: Beirut Adrift" href="http://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">other constellations</a>, was released at the beginning of the year. <a title="MAYSSA JALLAD: Marjaa" href="http://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">&#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels&#8221;</a> tells the story of the Hotel District in the centre of Beirut in melancholic folk songs and also in tattered eruptions. At the beginning of the Lebanese civil war, the Hotel District became the scene and at the same time a prominent actor of essential <span id="more-35303"></span>fighting &#8211; a story that goes back to the time long before the war and somehow continues in its aftermath until today. As a resident of the city and at the same time an architect, the musician has woven countless facets into her texts over a period of five years, which are written from the perspective of the buildings. Pointing out the interconnectedness of architecture, society, identity and war are as much a concern as creating an awareness also for the responsible wire-pullers of the events, but at the same time the album is a touching homage to a dissociated home full of ghostly places.. The following interview is about these things, but also about the cooperation with the many musicians who participated in her project.</strong></p>
<p><strong><a title="Ich hatte das Gefühl, dass die Stadt Zeuge einer Gewalt war, die niemand erwähnen wollte. Interview mit Mayssa Jallad" href="http://africanpaper.com/2023/04/29/ich-hatte-das-gefuhl-dass-die-stadt-zeuge-einer-gewalt-war-die-niemand-erwahnen-wollte-interview-mit-mayssa-jallad/">German Version</a></strong></p>
<p><em><strong>Besides being a musician and singer, you&#8217;ve also studied architecture and work in various parts of this field. In your album &#8220;Marjaa&#8221; you combine these two creative fields to a unity. Did you always see music and architecture as somehow interconnected, or is this the result of a more recent development?</strong></em></p>
<p>Throughout my years studying architecture at the American University of Beirut (AUB), I loved designing theaters and spaces for performance and often plugged them into abandoned buildings in Beirut, as a way of making them accessible to the public. But then I entered the world of architectural firms, and being able to create my own designs became unrealistic. The hierarchy and practicality of architectural practice made it difficult for me to have a voice.</p>
<p>On the other hand, making music about architecture occurred to me only later, and at a very pivotal moment of my life. While I was in grad school in NYC, I had written a thesis about Beirut’s Battle of the Hotels, and it had meant a huge deal for me to delve into this difficult and significant history. After grad school, I worked at an architecture office in Manhattan and had to look away from Beirut and the research. The rigid 9 to 5 made it very difficult for me to make music, and this realization depressed me. That’s when I decided to return to Beirut and make music about the architecture of my city, uncovering difficult layers of the past through music. It changed my life.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1872657994/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=2677289648/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><em><strong>Can you give us an overview about your music background? What were your initial activities and the major landmarks in your career as a singer?</strong></em></p>
<p>My parents signed me up for piano lessons from a very young age and I learned with several teachers until I was about 16. Then I learned guitar with a friend of the family and began to write and sing around the same time. I sang at summer camp, the school concerts, the university classical choir, I was in a blues band for a while, even an a-capella group.</p>
<p>In 2010, I wrote a jingle that landed me a spot at a street festival in Beirut, on a big stage that closed the whole road. My friend Elie Abdelnour played guitar with me that night, and we started playing covers in small pubs around the city. A few years later we entered an open mic competition called Beirut Open Stage (BOS) and won. We started the band Safar and met producer Fadi Tabbal thanks to BOS, and that’s when we started working on our first EP “23 Kilograms”. This was 2014. We performed in about every venue in Beirut, even a couple of places in Europe and the States, and wrote 4 EPs together, the last couple at a distance since Elie and I had already moved to the US for grad school.</p>
<p>Then, in 2018, I decided to return to Beirut to start the experimental solo project that is Marjaa… which took 5 years of work! In the meantime, I participated in the protests of the October 17 2019 revolution and became part of a group that wrote protest songs. I also released a couple of songs in the summer of 2021 while I was part of the OneBeat fellowship in Beirut: “Madina Min Baeed” with Khaled Allaf and “Bi Kheir” and “Fil Aatma” with supergroup Baada Ab.</p>
<p><em><strong>I experienced Beirut as a very diverse city and what struck me, among other things, was the often strong architectural heterogeneity, sometimes even in a small space, and I assumed that this had something to do with the different cultural influences in the modern age as well as with the civil war. In this respect, did Beirut contribute a lot to your decision to study architecture?</strong></em></p>
<p>I think the diversity of the architecture in Beirut comes from a historic and political impossibility of urban planning and preservation. The city has been constantly changing, disappearing and growing since its very beginning. Contradictions are embedded in its people, neighborhoods and architecture. Growing up, I felt that the city had witnessed a violence that nobody wanted to mention. Large real estate was swallowing up entire communities and erasing meaningful places. Going to architecture school in Beirut was precisely to uncover this history and to better understand my city, and how the past caused it to suffer in the present.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/p_WCuXe6sfI" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In your new album you deal with a series of historic events during the Lebanese Civil War known as the Battle of the Hotels, a subject you also wrote your academic thesis about. What was it that struck and touched you so much about the topic?</strong></em></p>
<p>It first started in architecture school at the American University of Beirut (AUB). I was interested in the modernist buildings of Beirut that had a history related to the civil war. I associated them with members of my family, and felt they needed my help. I wanted to uncover their history, their ailments, and design within them something new that would help them survive Beirut today.<br />
In grad school, I wanted to focus on the Holiday Inn, a massive abandoned hotel I had done a studio on at the AUB. When I told my thesis advisor that the hotel had “participated” in the battle of the Hotels, he was intrigued. It made me realize that we took for granted an urban phenomenon that was not only significant locally, but that had a global impact: it was the first time ever skyscrapers were used in urban warfare.</p>
<p><em><strong>When you recorded the album, which ideas came first &#8211; the narrative of the content or your ideas about the music? Or did both come together relatively at the same time?</strong></em></p>
<p>For part A (Tracks 1 to 4), I kind of wrote the lyrics and the basic acoustic guitar interdependently, since the idea of walking with an old map came from my thesis research on the area of the hotels, laying over all the maps and being in shock at how much the city had changed. Youmna Saba helped me with the vocal melody and brought in her own voice and Oud to the mix. Then Fadi Tabbal thought of Marwan Tohme’s guitar layers and drones.</p>
<p>After we recorded Part A, I asked Fadi what he thought we should do next, and that’s when he said: “You’re gonna write the battle now, no?” So I embarked on the challenge of translating my thesis into lyrics, then writing the guitar chords that went with them. Except for “Markaz Azraq (December 6)”, which was a song I had written independently before that, and whose lyrics I changed to describe the event at hand. After I wrote the entire Part B, Fadi listened to it and associated different sounds and textures with it, and we started experimenting with his electric guitar in the studio. We then brought in different musicians to collaborate, especially in some songs where we felt like removing ourselves: “Al Hisar”, which Farah Kaddour improvised, “Holiday Inn (March 21 to 29)” which Sary Moussa produced and wrote the music of entirely and “Al Irth”, which Yara Asmar improvised.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/7p9RqXyTi6Q" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In the first songs of the album you get the perspective of a person walking through a city trying to follow a map from a time bygone. It&#8217;s like a melancholic contemplation about the nature of (brutal) historic changes and ways of no return.. How close is this to your own personal feelings of being at home in your city?</strong></em></p>
<p>I think I feel this the most in the areas where I feel that buildings and streets in Beirut are empty of inhabitants. It’s like, all of this development, for who? Is it really progress when no one can enjoy it? Also, the more research I do on downtown Beirut, the more the scale of the destruction that happened during “reconstruction” becomes clear in my mind. What a horrible feeling it must be for the generations older than me who have witnessed their entire city disappear.</p>
<p><em><strong>One of the lyrics also mentions ghosts. In what form do you think these ghosts are &#8211; metaphorically speaking? &#8211; felt in these very places?</strong></em></p>
<p>Many people died at the bullets of snipers that hid in the towers of the Battle of the Hotels, namely the Murr Tower and the Holiday Inn. These were intentional killings of whoever was on “the other side”, many of whom were innocent bystanders. So many people&#8217;s lives have been upended and disrupted because of this decision to invade the city. Many residents were kidnapped at checkpoints, or killed in massacres such as the ones I describe in “Markaz Azraq” and “Holiday Inn (January to March)”.  And later on, the green line that was created between east and west Beirut at the close of the battle of the hotels was such a dangerous space that it became empty of people and overcome with lush greenery, an abandoned strip of the city, for 15 years. These are the ghosts that still roam among us, since no justice was done about their killing.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35307" title="MAYSSA JALLAD 4 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER1.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>In large parts of the album, you give the hotel buildings a voice of their own and make them the protagonists and narrators of the very historic events. What brought you to this idea?</strong></em></p>
<p>Personifying buildings is a discovery I had in my last year in architecture at AUB. I realized that I had been associating different members of my family to different buildings I studied throughout my time in architecture school, and I proposed design ideas based on the different personas I associated with the buildings. Then, a few years later, when the idea of writing music about architecture came about, I wrote a song called “Madina Min Baeed”, in which I embody the city (you can check the lyrics in the music video description)… so I guess when the challenge of writing the battle of the hotels came up, the most instinctive tool was for me to write it from the point of view of the building, as a sort of weapon falling into different hands, forced to “color” itself depending on the invader.</p>
<p><em><strong>How big was the input of ideas that the other musicians involved brought into the project?</strong></em></p>
<p>The musicians I worked with had a huge impact on how the music of the album sounded. <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">Fadi Tabbal</a> is a co-writer, since he took my initial ideas that I wrote on acoustic guitar and started envisioning spatial qualities and sounds. Youmna Saba is a co-writer because I workshopped “Etel” and “Kharita” with her even before working with Fadi, and she brought in the idea of voice and melody as an expression of spatial quality, which really blew my mind. Sary Moussa is a co-author because he wrote the music of  “Holiday Inn March 21 to 29” fully, only based on what tracks were before and after. Farah Kaddour and <a title="Home Recordings: Tape-Debüt von Yara Asmar" href="http://africanpaper.com/2022/10/28/home-recordings-tape-debut-von-yara-asmar/">Yara Asmar</a> improvised their pieces based on minimal prompts from Fadi and me. Pascal Semerdjian’s drums were also very intuitive, very much made of his brilliant sensibility. Marwan Tohme lent me his guitar skills, and he and Julia Sabra became the choir in “Markaz Azraq”.</p>
<p><em><strong>All of the collaborators I know on the album have their own creative projects. Have you worked with any of them before? I assume you&#8217;ve known most of them for a while…</strong></em></p>
<p>I’ve worked with Fadi and Postcards  (Julia, Pascal and Marwan) with my previous band Safar. We’ve known each other for 10 years! Fadi produced Safar’s 4 EPs , performed with us on multiple occasions, and co-wrote a couple of songs with us too. Pascal played drums on Safar records, Julia recorded some backing vocals for us and Marwan performed with us in the last concert we did. We’re good friends and I love all their projects, whether Fadi’s solo work, the Bunny Tylers, Postcards, Sanam, or Fadi and Julia’s recent collaboration Snakeskin. I also met Youmna 10 years ago but this is the first time we worked together. I’m so grateful and admire her so much as a human and artist. I met Sary a few years ago and have always loved his work. Imbalance is a jewel! I met both Farah and Yara in 2021 during a music fellowship in Beirut called Onebeat. Farah and I are also working on a new performance together so it’s been great to get to know her wonderful spirit! Having all these talented musicians collaborate on my debut solo album was a blessing and a dream!</p>
<p><em><strong>How has the feedback been in your city or country so far? Were there any special reactions? I just saw excerpts of a beautiful release concert..</strong></em></p>
<p>Thank you! It’s been very good so far. I feel like people are ready to talk about this difficult history. The concerts have been very emotional moments, the silence and tension are so palpable. I really felt people wanted to listen, and understand the story. Younger people have come to me expressing their relief at finally hearing this history spoken about in the open. And older people have come to me relating their own personal stories about living the battle of the hotels. One person came up to me saying: “I always wondered why something like this wasn’t done before. You made it.”<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35306" title="MAYSSA JALLAD 6 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER1.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>What kind of discussion &#8211; in your home country, but also abroad &#8211; would you like to contribute to with your album and your ideas?</strong></em></p>
<p>I’d like people to understand that those who once destroyed the city can never be trusted to “rebuild” it, no matter how hard they try to clear their image. Each militia turned political party’s entire raison d’etre is based on dividing people. How can we build a country based on their ideology? Let us imagine a world without them!</p>
<p>On a global scale, I think everyone relates to this phenomenon of urban warfare, in a way or another: whether seeing your city transform based on the financial gains of a very few, or witnessing urban warfare in cities worldwide, Beirut is a case study of the worst case scenario, in more ways than one.</p>
<p>Y<em><strong>ou also work for PROCOL Lebanon, formerly named Relief Centre, who in their own description focus &#8220;on delivering inclusive and prosperous futures for communities impacted by mass displacement&#8221;. Do you see a strong connection between your historic research (including the album concept) and these present activities?</strong></em></p>
<p>I wrote Marjaa: the Battle of the Hotels based on the thesis that I wrote in 2017. Perhaps Marjaa 2 will be based on the research I’ve conducted with PROCOL Lebanon since January 2019… time will tell.</p>
<p><em><strong>So this project will see some other new facets in the future! Do you also think about completely new ideas?</strong></em></p>
<p>Not having to choose between music and architecture has been an incredible experiment, and I’m so grateful to those who believe in it and help make it a reality. For me, this is only the beginning for Marjaa.</p>
<p>Interview: U.S.</p>
<p>Fotos © Ely Dagher</p>
<p><strong>@ <a href="https://rupturedonline.com/">Ruptured</a> | <a href="https://rupturedthelabel.bandcamp.com/album/marjaa-the-battle-of-the-hotels">Bandcamp</a> | <a href="https://soundcloud.com/ruptured">Soundcloud</a> | <a href="https://www.instagram.com/mayssajallad/">Instagram</a></strong></p>
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		<title>MAYSSA JALLAD: Marjaa</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Feb 2023 06:22:34 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/02/fotor_1676653401559.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-33958" title="fotor_1676653401559" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/02/fotor_1676653401559-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die libanesische Hauptstadt Beirut galt in den mittleren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als kulturell reizvolle und wirtschaftlich aufstrebende moderne Metropole, mit deren Image als internationale Projektionsfläche im Nahen und Mittleren Osten damals vielleicht nur Teheran mithalten konnte. Da die Stadt bei Geschäftsreisenden und Urlaubern beliebt war, avancierte in den 60ern und frühen 70ern v.a. der Hoteldistrikt, ein <span id="more-33957"></span>umfangreiches Arreal im Nordwesten der Stadt unweit der großen Universität und der Strandpromenade, zu den architektonischen Symbolen des Booms. Fast mutet es wie eine grausame Ironie des Schicksals an, dass gerade dieser Ort und seine noch jungen (und teilweise unfertigen) Bauwerke schon bald, nämlich in den ersten Jahren des Bürgerkriegs 1975-76, zum Schauplatz der Ereignisse wurde, die eine lange Zeit des Leids und der Depression einleiten sollten.</p>
<p>Aufgrund ihrer strategisch interessanten Lage zwischen Meer und Innenstadt wurden die meist hohen und schnell leerstehenden Gebäude, die zuvor auch vielen Journalisten und Geheimagenten eine Unterkunft boten, zu einem hart umkämpften Ort für die verschiedenen Bürgerkriegsparteien, die sich sowohl anhand politischer Ideologien als auch anhand zum Teil internationaler Allianzen und nicht zuletzt religiöser Zugehörigkeiten definierten &#8211; Aspekte, die letztlich stark miteinander verflochten waren und die damals die Weichen stellten für teilweise bis heute bestehende Spaltungen innerhalb Beiruts. Die damals entstandene Separation der Stadt in einen muslimischen Westteil und einen christlichen Ostteil ist vielleicht nur die offensichtlichste.</p>
<p>Diese ersten Hochhäuserkämpfe der Geschichte, die bald als <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_the_Hotels">Schlacht der Hotels</a> bekannt wurden, wurden vielfach medial übertragen und waren in der Folge auch immer wieder Stoff für künstlerische Auseinandersetzungen z.B. in <a href="https://fann3arabi.wordpress.com/2008/10/04/lamia-ziade/">bildender Kunst</a> und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Circle_of_Deceit_(1981_film)">Film</a>. In mehrfacher Weise hat sich in der jüngeren Zeit die libanesische Sängerin und Musikerin <a href="https://www.youtube.com/watch?v=u4QtP9R7Ht8">Mayssa Jallad</a> (ehemals Safar) dem Thema gewidmet, die zugleich als Architektin und Hochschullehrerin arbeitet und vor wenigen Jahren ihre MA zum Battle of the Hotels verfasst hat. Sie sieht die Architektur als den eigentlichen Protagonisten dieses Kriegsabschnitts. Gerade hat sie auch ein &#8211; soviel sei vorweggenommen: beeindruckendes &#8211; Album zu dem Sujet fertiggestellt, das musikalisch ein ganz eigenes Terrain zwischen folkig angehauchter, klassischer arabischer Songwritermusik und experimenteller, cinematisch eingefärbter Soundart bewohnt, und an dem eine Gruppe an Gästen beteiligt sind, die sich wie ein halbes Who is Who der Beiruter Experimenalszene liest. Auf unseren Seiten war sie bereits Thema durch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HyleYuh0miw">ihren zusammen mit Khaled Allaf produzierten Beitrag</a> zur <a title="V.A.: Beirut Adrift" href="http://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">Compilation &#8220;Beirut Adrift&#8221;</a>, der &#8211; auch das sei vorweggenommen &#8211; wesentlich poppiger ausgefallen ist als das hier vorliegende Album.</p>
<p>&#8220;Marjaa&#8221;, das den Untertitel &#8220;Battle of the Hotels&#8221; trägt, hat den Plot eines Romans oder Films. In seinen ersten vier Songs geht das lyrische Ich durch eine Stadt der Wolkenkratzer und Korridore auf der Suche nach den alten, verschlungenen Wegen. Eine melancholische Schwere liegt in den mollastigen Melodiebögen, die Gitarre und Oud entspringen, und in dem Gesang, der wie verloren vom Wind hin und her geweht wird und von einer alten Straßenkarte erzählt, die einem Wege weist, die heute verbaut sind. Und man spürt die Geister dort, die Geister der Scharfschützen und all der anderen, die dort vor Jahren für die eine oder andere Seite gekämpft haben, an denen Rache geübt wurde oder die selbst Rächer waren und doch irgendwann selbst das Ziel einer Kugel wurden. Das Ende des alten Beirut der verwinkelten Gassen jedoch fand schon vor dem Krieg statt, doch es wurde (auch) von gerade den neuen Gebäuden verdrängt, die bald eine zentrale Funktion im Krieg haben sollten. Abgeklärt und einsam wirken diese ersten Tracks, bei denen Jallad von der Oudspielerin Youmna Saba, dem Gitarristen Marwan Tohme und dem Elektronik-Virtuosen Fadi Tabbal begleitet wird, doch es gibt auch Raum für versteckte Heiterkeit in &#8220;Baynana&#8221; und für aufwühlende Emotionalität in dem von hypnotischem Strumming geprägten &#8220;Mudun&#8221;, das eines der stärksten Stücke des Albums ist. An wenigen Stellen liegt der Schatten der Vergangenheit mit seinen Drohgebärden so schwer auf der Gegenwart.</p>
<p>Nach diesem Stück gibt es einen Szenenwechsel, denn von nun an werden die historischen Ereignisse selbst aus dem Blickwinkel einer ganz anderen Gruppe von Beobachtern betrachtet: Es sind die Hotels selbst, die während des Krieges die Kämpfe zwischen den &#8220;Blauen&#8221; (den christlichen Nationalisten) und den &#8220;Roten&#8221; (den pro-palästinensischen Linken aus der muslimischen Bevölkerung) hautnah &#8211; oder besser wandnah &#8211; erleben. Fast meint man, die historische Distanz im Klang der Musik und v.a. der Stimme zu spüren, die wie durch eine vergilbte Schicht ans Ohr dringt und zugleich ganz nah wirkt und einen ebenso nah an die Ereignisse heranzieht. Aus dem irreal anmutenden Rumpeln von &#8220;Haigazian&#8221; entwickelt sich die pulsierende Spannung von &#8220;Burj Al Murr&#8221;, in dem Pascal Semerdjians jazzige Drums mit gelegentlichen Exzessen die Kulisse bildet für einen schonungslosen Vortrag: Das Hotel beschreibt fast nüchtern die Vorgänge in seinem Körper, den roten Sniper, der durch die Augen des lyrischen Ichs tötet. Doch nichts bleibt wie es ist, die stoisch wirkende Beobachtung wandelt sich zur Klage vor dem Hintergrund apokalyptischer Snaredrums. Auch der feinsinnige Darkfolk von &#8220;Markaz Azraq&#8221; mit seiner straff gespannten Nylongitarre und dem fragilen Gesang transportiert diese abgeklärte Desillusioniertheit, aber manchmal reicht eine einzelne ins Wehmütige kippende Note, um das komplette Szenario in einen trostreichen Zauber zu tauchen. Unter der Oberfläche ist es die Geschichte einer flüchtigen Empathie, denn das Haus und all die darin und davor kämpfenden erleben die gleichen unerwarteten Gefühle.</p>
<p>Im ähnlichen betitelten &#8220;Markaz Ahmar&#8221; &#8211; es handelt sich dabei um zwei benachbarte Hotels, in denen es am gleichen Tag zu Kampfhandlungen kam &#8211; teilt sich Jallad den Gesang mit <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">Postcards-Sängerin Julia Sabra</a>, und man fühlt sich in einen abgedunkelten, von Rauch erfüllten Raum, und wieder ist die endzeitliche Stimmung mit Händen zu greifen. Wie Vergangenheit, Gegenwart und eine ungewisse Zukunft überblenden sich in &#8220;Al Hisar&#8221; die Geräusche von Motoren mit dem mystischen Klang einer Buzuk, deren erregtes Strumming wie ein Alarmsignal aus einer anderen, vielleicht verlorenen Welt erklingt. Dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Holiday_Inn_Hotel_Beirut">Holiday Inn</a>, das erst kurz vor Kriegsbeginn seine Türen öffnete und das für mehrere Monate Schauplatz der erbittertsten Kämpfe war, sind gleich zwei Stücke gewidmet, doch statt martialischer Töne wird hier eher die sich wie Klebstoff ziehende Zeit eingefangen in einer in Sirup paralysierten Stimmung und einem müde gewordenen Gesang. Die schweren Synthies von Sary Moussa tragen nicht unwesentlich zu diesem Gefühl bei, und nicht jeder hätte dies so überzeugend umgesetzt ohne dabei langweilig zu sein.</p>
<p>Wenn beim Ausklang von &#8220;Al Irth&#8221; Jallads klagender Gesang noch einmal, diesmal begleitet von den <a href="http://africanpaper.com/tag/yara-asmar/">Metallophonklängen der Künstlerin Yara Asmar</a>, unter ambientem Sirup erklingt und stärker im Ohr hängen bleibt als die gleichzeitig hörbaren Radiodurchsagen, ist auch etwas beruhigendes spürbar, das schwer zu deuten ist. Entspringt es einem zwiespältigen Gleichmut, der auf die Erschöpfung folgt? Oder einer schüchternen Freude darüber, dass das schlimmste zumindest für diese Protagonisten aus Stahl, Beton und Glas vorbei ist? Man muss diese Fragen nicht beantworten, v.a. wenn man nie selbst involvierter Zeuge von Häuserkämpfen war und Kriege nur aus Medien kennt.</p>
<p>Es waren wohl v.a. die Kämpfe im und um das Holiday Inn, heute ein gruseliges skelletartiges Mahnmal, welche die Teilung der Stadt besiegelten. Heute, aus dem Blickwinkel einer Generation, deren Lebenswelt vielfach von der Nachwirkung dieser Ereignisse geprägt ist und die ihre ganz eigenen Konflikte auszutragen hat, sollte &#8220;Marjaa&#8221; vor allem eines sein: Ein Stück Erfahrung, weitergegeben in einem ästhetisch großartigen musikalischen Werk, auf das sich die darin eingefangenen Ereignisse nicht in der einen oder anderen Form wiederholen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
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		<title>V.A.: Beirut Adrift</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Nov 2022 06:46:06 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Rayya Badran ist eine international tätige Autorin, Übersetzerin und Kunsttheoretiketin mit Homebase in der libanesischen Hauptstadt Beirut, wo sie außerdem beim Radio sowie als Lehrerin und Hochschuldozentin arbeitet. Zusammen mit der von der Schweiz aus arbeitenden Organisation Norient City Sounds, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/NT020_art.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-32047" title="NT020_art" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/NT020_art-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Rayya Badran ist eine international tätige Autorin, Übersetzerin und Kunsttheoretiketin mit Homebase in der libanesischen Hauptstadt Beirut, wo sie außerdem beim Radio sowie als Lehrerin und Hochschuldozentin arbeitet. Zusammen mit der von der Schweiz aus arbeitenden Organisation Norient City Sounds, die die typischen musikalischen wie nicht im herkömmlichen Sinne als musikalisch gelesenen Klänge von Städten erforscht und in einer virtuellen <span id="more-32045"></span>audiovisuellen Galerie dokumentiert, hat die ambitionierte Kulturarbeiterin ein Kapitel zu ihrer eigenen Stadt kuratiert. Die vorliegende Compilation ist ein wesentlicher Teil des Resultats.</p>
<p>Da das ganze Projekt einen besonderen Fokus auf ortsspezifische Sounds legt, nimmt es nicht Wunder, das stark am Soundmaterial orientierte &#8211; vulgo &#8220;experimentelle&#8221; &#8211; Klangkunst, für die Beirut ohnehin seit Jahren zu einer vielversprechenden Hochburg geworden ist, einen großen Raum einnimmt. Dennoch ist auf &#8220;Beirut Adrift&#8221; eine große Bandbreite an Stilen und Stimmungen zu hören. Die in vielerlei Hinsicht desolate Situation des Landes am östlichen Mittelmeer, in dem die Pandemie der letzten Jahre und die verheerende Explosion von 2021 im Hafen der Stadt die (nicht immer nur) schwelenden sozialen und ökonomischen Krisen verstärkt haben, ist hier nicht nur als Hintergrund präsent: Auch ist sie ein wichtiger Trigger für den starken Widerstandsgeist, der die verschiedenen Künstler motiviert. So sind auch all diese Krisen auf gewisse Weise Teil der musikalischen Signatur.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Yara-Asmar-©-Myriam-Boulos.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-32049" title="Yara Asmar © Myriam Boulos" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Yara-Asmar-©-Myriam-Boulos-235x300.jpg" alt="" width="235" height="300" /></a>Aufgrund der heterogenen Ansätze lohnt es sich, auf die einzelnen Beiträge einzugehen. Die Sammlung startet mit einer verspielt-melancholischen Klangkollage, bei der ein (vielleicht im Klang verfremdetes) Akkordeon gemächlich auf- und abebbende Dröhnwellen erzeugt, deren verträumtes Lebensgefühl nur gelegentlich unterbrochen wird durch leichtes Hantieren mit schepperndem Gerät. Der Track stammt von der jungen Künstlerin Yara Asmar, die gerade ihr <a title="Home Recordings: Tape-Debüt von Yara Asmar" href="http://africanpaper.com/2022/10/28/home-recordings-tape-debut-von-yara-asmar/">Tape-Debüt bei Hive Mind</a> herausgebracht hat. Dass die intermediale Künstlerin wohl auch mit Marionetten arbeitet, glaubt man aufgrund der Puppenhausästhetik sofort. Ziemlich kontrastreich dazu wirkt der als elektroakustische Rezitation der dunklen Art beginnende, spannungsgeladene Score von Anthony Sahyoun, in welchem Gastvokalist Firas Hallak vor leise kreischenden Kulissen den Fokus derer, die das Arabische beherrschen, auf die Metropole als Locus Horribilis lenkt.</p>
<p>Nach diesem unmissverständlich beängstigenden Szenario laden der Klangkünstler Jad Atoui und der hier Saxophon spielende Multiinstrumentalist Khodor Ellaik (Kid Fourteen), die bereits ein gemeinsames Album produziert haben, auf das zumindest dem Anschein nach sicherere Terrain gut skulpturierter, plastischer Sounds, bei denen Tupfer modularer Synthies die Basis kratziger Striche abgeben, die sich erst mit der Zeit als Saxophonklänge herausstellen. Der Song hätte auch als Klavierballade funktioniert, und selbst dann wäre die subtile Spannung daraus nicht gewichen. Das folgende &#8220;Coast III&#8221; stammt von <a href="http://africanpaper.com/tag/elyse-tabet/">Elyse Tabet (ehemals Litter)</a> und <a href="http://africanpaper.com/tag/jawad-nawfal/">Jawad Nawfal (aka Munma)</a>, die seit beinahe zehn Jahren im künstlerischen Austausch stehen. In dem kleinteilig rasselnden Soundgebilde tauchen verschiedene Rhythmen auf, die sich auf reizvolle Weise nie ganz einig werden, wovon eine unterliegende, beinahe hypnotische Harmonie jedoch nicht angetastet wird.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Sandy-Chamoun-©-Bassem-Saad.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-32050" title="Sandy Chamoun © Bassem Saad" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Sandy-Chamoun-©-Bassem-Saad.jpg" alt="" width="468" height="312" /></a>Der verwehte Gesang, der in <a href="http://africanpaper.com/2021/01/28/erster-teil-einer-songtrilogie-von-sandy-chamoun/">Sandy Chamoun</a>s großartigem Protestsong &#8220;Nas el Wahel&#8221; rauschend und tremolierend durch den Raum weht, steigert sich in einigen Minuten zu einem Sturm, der unbarmherzig und von lärmenden Takten begleitet über eine postapokalyptische Landschaft fegt. Der Titel bedeutet &#8220;Menschen des Schlamms&#8221; und referieret auf die Proteste, die 2019 das Land erschütterten. Um die Verwundbarkeit der Stadt und seiner Menschen geht es auch in dem Beitrag von Mayssa Jallad und Khaled Allaf, auch wenn die poppige Produktion, die Eingängigkeit der verspielten Melodien und der klare Gesang nicht unterschiedlicher sein könnten. Bei dem an teilweise Massive Attack erinnernden Arrangement denken einige vielleicht noch an Libanons eigene Triphop-Tradition und eine Band wie Soap Kills.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Mayssa-Jallad-Khaled-Allaf-©-Tamara-Saade.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-32051" title="Mayssa Jallad &amp; Khaled Allaf © Tamara Saade" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Mayssa-Jallad-Khaled-Allaf-©-Tamara-Saade.jpg" alt="" width="468" height="312" /></a>Das Duo Two or the Dragon trägt mit dem zweiten Teil des &#8220;Prelude for the Triumphant Man&#8221;-Zyklus einen der noiserockigsten Tracks bei und huldigen den Maschinenklängen der Stadt. Zunächst ahnt man kaum, dass die aggressive Szenerie primär auf Instrumenten wie Duhulla und Bouzuk basiert, die traditionellen Ursprungs sind. Sary Moussas &#8220;Tides&#8221; leitet in knapp zwei Minuten in den Schlussteil über und verbreitet in hellen, hypnotischen Klangwellen eine Spannung, die eine im Hintergrund schwelende Desolatheit ahnen lässt. Der Ausklang obliegt Tunefork-Impressario Fadi Tabbal mit seinem monumentalen Dronestück &#8220;Ceremony by the Sea&#8221;. Bevor dieses in fast rührendem Wohlklang endet, muss noch ein Weg durch verrauschtes Land zurückgelegt werden, auf dem einem gigantische Gerätschaften begegnen und die Sprache verschlagen.</p>
<p>Compilations, die Musiker aus bestimmten Orten, gerne jenseits der westlichen Kernländer, präsentieren, sind in den letzten Jahren auch in weniger populären Bereichen sehr beliebt geworden und wurden auch auf unseren Seiten immer gerne &#8211; so wie <a href="http://africanpaper.com/2018/10/20/v-a-anthology-of-electroacoustic-lebanese-music/">dieser ebenfalls Beirut thematisierene Sampler</a> &#8211; besprochen. Ein kleiner Rest Zwiespältigkeit bleibt jedoch immer bestehen: Auf der einen Seite gibt man interessanten Künstlern so eine weitere Plattform, ihre Musik überregional bekannt zu machen und stiftet im besten Fall neue Verbindungen; auf der anderen Seite kann man jedoch nie ganz verhindern, dass auf diesem Weg auf Rezipientenseite ein kleiner Rest Exotismus bedient wird, sei dieser auch noch so experimentell, problembewusst und kritisch-distanziert eingefärbt.</p>
<p>Vielleicht ist dies aber gerade ein Problem, dass auf Seiten westlicher Hörer behoben werden muss, die sich ein unbefangeneres Bild von den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen der eigenen und anderen Lebenswirklichkeiten aneignen sollten. &#8220;Beirut Adrift&#8221; jedenfalls stellt die Stadt durch ihre Musikauswahl und die zugrundeliegenden Themen als einen Ort vor, mit dem es sich zu befassen lohnt, der zwar &#8220;spannend und pulsierend&#8221; sein mag und einen zum Schwärmen bringen kann, die aber ebenso sehr eine ernsthafte und unverblendete Auseinandersetzung fordert. Ein mehr als gelungenes Projekt! (U.S.)</p>
<p><a href="https://norient.com/"><strong>@ Norient</strong></a></p>
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		<title>MUNMA: No Apologies</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Mar 2014 00:09:15 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/12/munmanoapologies.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8000" title="munmanoapologies" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/12/munmanoapologies-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Da die Neigung, Unterschiede als Gegensätze wahrzunehmen, recht verbreitet ist, klafft auch zwischen den Welten der „elektronischen“ und der „experimentellen“ Musik ein Abgrund, der weniger über die Musik aussagt, als über einen Großteil ihre Hörer. „No Apologies“ von dem hierzulande noch mysteriösen Geheimtipp Munma ist eine Platte, die in Gazetten wie De:Bug passt und in Locations gespielt wird, in die sich der Staalplaat-Hörer und A-Musik-Kunde in der Regel nicht verläuft. Was schade ist, denn die dunklen Kollagen des Bastlers aus Beirut dürften genreübergreifend Gefallen finden, vorausgesetzt, man braucht es nicht allzu eingängig und hat grundsätzlich eine Schwäche für Frickeleien.<span id="more-7999"></span></p>
<p>Es braucht anfangs eine ganze Weile, bis man peilt, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Nicht, dass Jawad Nawfal, die Person hinter Munma, einen bei der Suche nach dem roten Faden völlig im Regen stehen ließe, doch er lässt sich zunächst Zeit und tastet sich ausgiebig durch eine Vielzahl musikalischer Gefilde. In „Early Early Moring“, das tatsächlich etwas von einer frühmorgendlichen Orientierungsphase hat, lässt er frickelige Sounds und verhallte Keyboardflächen noch recht unvermittelt aufeinander treffen, konsequentes Fiepen und Pochen sorgt dafür, dass die divergierenden Rhythmen, die miteinander um die Vorherrschaft ringen, nichts von ihrem herausfordernden Charakter verlieren und der unheilvolle Beiklang, der das Album von ersten bis zum letzten Ton an prägt, beibehalten wird. Im weiteren Verlauf gewinnen die Stücke mehr und mehr an Form, doch nie geraten Rhythmen und Sounds derart kohärent, dass Tanzbares dabei herauskäme. Ambient, wie beim befreundeten Projekt Litter, mit dem ein steter Austausch stattfindet, wird allenfalls angedeutet, wie beim ethnolastigen „Land of Debris“, das auch ohne den Titel weit entfert ist von jeder beschaulichen Weltmusik. Die meisten Stücke haben von Klang her einen düsteren Grundton, wobei die vielen kleinteiligen Sounds allerdings jeder Schwere entgegenwirken. Die können dann auch mal auffallend akustisch ausfallen wie bei „Eastern Promises“ (eine Referenz an David Cronenberg?), oder mit allerlei levantinischem Metropolenflair aufwarten wie im hörspielartigen „The Funeral“, das zu den Höhepunkten des Albums zählt.</p>
<p>Aus dem Rahmen fallen das vokallastige „Yoga Revisited“, bei dem Rapper Mazen El Sayed seine Künste in einem französisch durchdrungenen Arabisch beisteuert, sowie eine Reihe an Remixen, von denen vor allem Kirdecs harte Synthiebearbetung von „The Funeral“ heraussticht. Beiruts Ruf, in den unterschiedlichsten (Sub-)Kulturen mit westlichen Standards mithalten zu können, ohne die oft beklagte Saturiertheit aufzuweisen, ist nicht neu, doch wenn man die hier beteiligten Musiker recherchiert, erhärtet sich der Verdacht, dass er nicht zu Unrecht existiert. „No Apologies“ würde sich zum Einstieg eignen, gleichwohl es auch ohne diesen Hintergrund überzeugt.</p>
<p>A. Kaudaht</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.syrphe.com/">Syrphe</a></strong></p>
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