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	<title>African Paper &#187; The Spheres</title>
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		<title>CURRENT 93: Soft Black Stars</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Jul 2019 05:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das 1998 erschienene &#8220;Soft Black Stars&#8221; war damals ein Album, auf das man sich einlassen musste. Das ganze zurückliegende Jahrzehnt lang konnte man sich daran gewöhnen, dass Current 93 überwiegend und v.a. auf ihren Longplayern einen gitarrenlastigen Folksound hatten und &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2019/07/27/current-93-soft-black-stars/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/07/current93softblackstars.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-18256" title="current93softblackstars" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/07/current93softblackstars-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Das 1998 erschienene &#8220;Soft Black Stars&#8221; war damals ein Album, auf das man sich einlassen musste. Das ganze zurückliegende Jahrzehnt lang konnte man sich daran gewöhnen, dass Current 93 überwiegend und v.a. auf ihren Longplayern einen gitarrenlastigen Folksound hatten und selbst die getrageneren Stücke einen eindringlichen Schmiss. Hinzu kam, dass die dunklen Folkgenres, mit denen man David Tibet und seine Band entgegen seiner Selbstbeschreibungen assoziierte, immer mehr<span id="more-18255"></span> den Charakter einer eigenständigen Szene bekamen und die damit einhergehende Klischeebildung einsetzte. Das neue Album, dessen Titel einem Thomas Ligotti-Zitat entstammte, lag zu all dem quer.</p>
<p>Anders als heute, nachdem man sich wieder mehr an häufige Stilwechsel gewöhnt hat, konnte &#8220;Soft Black Stars&#8221;, auch wenn die kurz zuvor erschienene EP &#8220;A Gothic Love Song&#8221; den Sound des Albums bereits in gebotener Kürze ankündigte, überraschen: Das Gros der Songs basierte auf einem minimalen Gerüst aus von Maja Elliott und Michael Cashmore eingespielten Klavierparts und Tibets Textvortrag, der oft nur ein leicht melodisch eingefärbter Sprechgesang war, der an Downtempo-Reduziertheit die ebenfalls stark rezitativen Stücke der &#8220;Of Ruin or Some Blazing Starre&#8221; noch um Längen übertraf: &#8220;Soft Black Stars&#8221; war eine Platte zum Runterkommen und strahlte vom ersten bis zum letzten Ton die Aura einer schwermütigen, aber auch deutlich friedvollen Besinnung aus.</p>
<p>Ähnlich wie die Songs untereinander, die durch wiederkehrende Motive und Stimmungsnuancen zu einer organischen Einheit verwoben schienen, wirkten auch Musik und Texte wie für einander geschaffen und schienen einem kohärenten Stimmungsbild zu entsprechen. Die koboldhafte Exaltiertheit, mit der Tibets Gesang immer mal die Grenzen des Bizarren überschritt, hatte hier keinen Platz, und jedes Drängen, jede Begierlichkeit, die in früheren Arbeiten den eschatologischen Grundtenor mitgeprägt hatten, waren aus den Lyrics und ihrer Darbietung verschwunden, die hier wie wehmütige Bekenntnisse eines Menschen klangen, der seinen Frieden gemacht hat: mit den angsterfüllten religiösen Ahnungen seines früheren Selbst (so in &#8220;Moonlight, or Other Dreams, or Other Fields&#8221;), mit der Substanzlosigkeit, die Zuneigung im Rahmen subkultureller Klischees annehmen kann (in &#8220;A Gothic Love Song&#8221;), v.a. aber mit dem immer noch nagenden Verlust nahestehender Menschen (in &#8220;Larkspur and Lazarus&#8221;, &#8220;Mockingbird&#8221;, The Signs in the Stars&#8221; und dem von besonderer Trauer durchdrungenen &#8220;It&#8217;s Time, Only Time&#8221;, bei dem für kurze Augenblicke die Violine Peter Vastls zu hören ist). Als eine Art Gegenstück zu diesen Bürden der Erinnerung mag man die (romantische) Utopie betrachten, die im Titelsong anklingt: im kindlich-vorsymbolischen Urzustand (&#8220;Deliver them from the book / And the letter / And the Word / And let them read the silence&#8221;) und in der Hoffnung auf einen Ort, an dem man sich wiedersieht, und an dem die sanften schwarzen Sterne scheinen.</p>
<p>All dies scheint eingetaucht in das Gefühl einer freundlichen Abgeklärtheit und etwas, das sich wie der Wunsch nach Neuerfindung anfühlt. &#8220;If I could have one wish / As in the fairy tales / I would unmake my past / And rise like Lazarus / And stand in sunlight / And banish all the dark&#8221; heist es in &#8220;Larkspur and Lazarus&#8221;, &#8220;And so I put away / All talk of death&#8217;s heads / And a little glimpse is a bloodblossomed force / And all talk of apocalypse&#8221; später in &#8220;Moonlight&#8221;, und auch wenn diese Stellen primär im Kontext der jeweiligen Songs Bedeutung haben, passen sie doch auch zu der Atmosphäre von Besinnung und selbstreflexiver Rückschau, die sich im Kleinen schon seit der &#8220;Tamlin&#8221;-EP ankündigte, aber hier erstmals zu einer zentralen Eigenschaft wurden. Dass Current 93 sich damals Current Ninety Three schrieben, mag all dies symbolisch unterstreichen, mehr noch, dass Tibet zwar nicht erstmals, aber erstmals im größeren Stil das Artwork mit eigenen Bildern schmückte. Und auch wenn man das als Trivia abtut: Current 93 wurden fortan überwiegend von denjenigen Dark Folk-Fans gehört, die wenig Interesse an einem verengten Szenedasein hatten, später dann vermehrt auch von Hörern mit den unterschiedlichsten Hintergründen.</p>
<p>Folkreferenzen gibt es durchaus, &#8220;Antichrist und Barcodes&#8221; und &#8220;Moonlight&#8221; basieren von der Melodie her auf dem Traditional &#8220;The Rolling of the Stones&#8221;, &#8220;Mockingbird&#8221; und &#8220;The Signs in the Stars&#8221; auf &#8220;O Willow Waly&#8221;, den man aus dem Film <em>The Innocents</em> (1961) kennt. Der Titelsong wiederum, der auch durch ein Antony and the Johnsons-Cover bekannt wurde, adaptiert den Renaissance-Klassiker &#8220;Une Jeune Fillette&#8221; von Jehan Chardavoine, und im in seiner Abgeklärtheit erschütternden Schlusstrack &#8220;Chewing on Shadows&#8221; tauchen dann einige traditionelle Instrumente aus dem dronigen Sirup auf.</p>
<p>Auf der im letzten Jahr von Michael Lawrence alias The Bricoleur klanglich aufgearbeiteten Neuauflage sind zwei in der Zwischenzeit entstandene Versionen dieses Songs angehängt, und man kann dieses Album, das Current 93 vielleicht von ihrer nachdenklichsten Seite und die rezitativen Vocals noch in voller Frische zeigt, immer noch jedem empfehlen, der die Band kennenlernen will. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: The Spheres</strong></p>
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		<title>CURRENT 93: Invocations Of Almost</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Apr 2019 05:53:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/04/invocations_of_almost_1024x1024.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-17438" title="invocations_of_almost_1024x1024" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2019/04/invocations_of_almost_1024x1024-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als David Tibet und Steven Stapleton vor etlichen Jahren eine gemeinsame Ausstellung ihrer visuellen Werke im Londoner Horse Hospital hatten, wurde eine <a href="https://www.discogs.com/de/Current-Ninety-Three-Nurse-With-Wound-Music-For-The-Horse-Hospital-Sounds-From-The-Horse-Hospital/release/619892">Doppel-CD</a> veröffentlicht, auf der Musik für die Ausstellung zu finden war. Stapleton überarbeitete später den lapidar „Salt“ betitelten Track, und daraus wurde als „Salt Marie Celeste“ sicherlich eine der stärksten Veröffentlichungen Nurse With Wounds; der Current 93-Beitrag war ein weitgehend instrumentales <span id="more-17437"></span>kammermusikalisches Stück aus Harmonium, Klavier und Geige, das als Begleitmusik zur Ausstellung und als Intromusik zu Auftritten sicher gut funktionierte, als eigenes Werk aber etwas zu ereignisarm war.</p>
<p>Nun erscheint unter dem Titel „Invocations Of Almost“ die Musik, die während Tibets umfangreicher Einzelausstellung in Kalifornien in der<a href="https://www.fullerton.edu/arts/art/galleries/begovich_gallery/invocation-of-almost_detail.php"> Begovich Gallery </a>lief/läuft. Man könnte also denken, dass diese (Hintergrund-) Musik letztlich primär funktional ist und es sich weniger um ein autarkes Werk handelt, allerdings ist &#8220;Invocations Of Almost&#8221; &#8211; was sich schon im Plural der titelgebenden &#8220;Anrufungen&#8221; andeutet &#8211; heterogener angelegt als z.B. die Horse Hospital-Veröffentlichung: Auf neun Stücken wird u.a. Material des letzten Albums be- und verarbeitet &#8211; oder wie es in Tibets ganz eigener Diktion <a href="https://www.davidtibet.com/blogs/news/invocations-of-almost-for-invocation-of-almost">heißt</a>, das Album enthalte „music from her FuturePast and her PastFuture&#8221;. Tatsächlich finden sich Elemente des letzten hervorragenden Studioalbums <a href="http://africanpaper.com/2018/11/03/current-93-the-light-is-leaving-us-all/">„The Light Is Leaving Us All“</a> sowohl auf textlicher als auch auf musikalischer Ebene, so z.B. auf dem das Album eröffnenden sakralen Dronestück (alle Tracks sind unbetitelt), das an den Opener des letzten Albums anknüpft. Das ist ein somnambuler Einstieg, der bedingt schon die Ausrichtung der restlichen Stücke vorgibt. Auf dem zweiten Track rezitiert Tibet zu Orgel, Klavier, Vogelzwitschern und Knarzen: „You became ghost so suddenly“; „black masks“ und &#8220;broken faces“ tauchen auf. Auf dem dritten Stück wird Tibets flüsterternde Rezitation von Drones untermalt. Vereinzelte Pianofiguen dominieren Teil vier. Ein dunkler Track ist das dann folgende, auf dem zu Drones ein apokalyptisches Szenario entworfen wird. Es fällt die Frage: &#8220;when the dead return, what do they wear&#8221;, &#8220;everything is red&#8221;, “signs and more signs“ tauchen auf und „ten thousand dead witches“ finden sich. Der aus sakralen Choralelementen bestehende sechste Track kommt ohne Text aus. Teil sieben beginnt mit einer Spieluhr und es finden sich (Leit-)Motive des letzten Albums (&#8220;the birds are slowly singing&#8221;, &#8220;a thousand witches&#8221;). Acht ist dagegen ein ruhigeres ambientes Stück, bevor das Album mit Stimmengewirr ausklingt und an &#8220;In Menstrual Night&#8221; denken lässt.</p>
<p>Fast allen Stücken auf „Invocations Of Almost“ wohnt etwas (Alp-)Traumhaftes inne, und insofern erinnert es von der Stimmung zum Teil an<a href="http://africanpaper.com/2018/06/02/current-93-the-stars-on-their-horsies/"> „The Stars On Their Horsies“</a>.  Alles in allem ist es definitiv mehr als nur reine Begleitmusik und kann durchaus auch als eigen(ständig)es Werk bestehen, das man vielleicht mit besonderem Vergnügen in den Zeiten abnehmenden Lichts hören möchte. (MG)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.davidtibet.com/">The Spheres</a></strong></p>
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		<title>CURRENT 93: The Light Is Leaving Us All</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Nov 2018 07:52:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Frühjahr 2014 wurde der nach einer Zeile aus einem Gedicht von John Clare betitelte eigentliche Vorgänger „I Am The Last Of All The Field That Fell&#8221; veröffentlicht. Seitdem erschienenen die beiden Alben „The Moons At Your Door“ sowie „The &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2018/11/03/current-93-the-light-is-leaving-us-all/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/11/Current931.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-16645" title="Current93" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/11/Current931-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Im Frühjahr 2014 wurde der nach einer Zeile aus einem Gedicht von John Clare betitelte eigentliche Vorgänger <a href="http://africanpaper.com/2014/02/22/current-93-i-am-the-last-of-all-the-field-that-fell/">„I Am The Last Of All The Field That Fell&#8221;</a> veröffentlicht. Seitdem erschienenen die beiden Alben <a href="http://africanpaper.com/2016/01/09/current-93-the-moons-at-your-door/">„The Moons At Your Door“ </a>sowie<a href="http://africanpaper.com/2018/06/02/current-93-the-stars-on-their-horsies/"> „The Stars On Their Horsies“</a>, die den Fokus weniger auf den Song als auf das Soundscape richteten. Zudem gab es zwei Seitenprojekte: das mit Killing Jokes Youth eingespielte, opulenter instrumentierte, fast schon orchestral klingende <a href="http://africanpaper.com/2016/09/10/hypnopazuzu-create-christ-sailor-boy/">Hypnopazuzu-Album</a> &#8220;Create Christ, Sailor Boy&#8221; sowie jüngst noch das schon vor einigen Jahren aufgenommene<span id="more-16641"></span> kammermusikalische Album <a href="http://africanpaper.com/2018/08/11/zu93-mirror-emperor/">„Mirror Emperor“</a>, das unter dem Projektnamen Zu93 mit Mitgliedern der italienischen Band Zu eingespielt worden war.</p>
<p>Schon seit längerem durch einen<a href="http://c93red.com/home/"> Teaser</a> angekündigt, erscheint nun „The Light Is Leaving Us All“, das, soviel vorweg, vielleicht stärkste Album Current 93s seit „Black Ships Ate The Sky“. Das hängt sicher mit der Quaität der Songs zusammen.<a href="http://africanpaper.com/2018/01/20/current-93-thunder-perfect-mind-2lp/"> „Thunder Perfect Mind“</a>, eines der Referenzwerke der Band, war natürlich ein Album, das deswegen eine unglaubliche Resonanz gefunden hat, weil es zwar sicher ein Füllhorn an Ideen war, aus denen andere Bands gleich mehrere Alben gemacht hätten, aber es enthielt eben auch einfach fantastische Stücke. Bei &#8220;The Light Is Leaving Us All&#8221; <a href="http://brainwashed.com/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=11780:current-93-qthe-light-is-leaving-us-allq&amp;catid=13:albums-and-singles&amp;Itemid=133">sehen das nicht alle genau so</a>, aber meines Erachtens ist die Zahl der &#8220;Hits&#8221;, falls dieses Wort nicht fast schon zu profan im Zusammenhang mit Current 93 klingt, diesmal sehr hoch.</p>
<p>Thomas Ligotti, auf dem Myrninerestalbum als<a href="http://www.academia.edu/31132642/David_Tibet_SING_OMEGA_Collected_Writings_and_Lyrics_from_2013_1983_"> &#8220;Emperor Of the non-existent Knife of Night&#8221;</a> apostrophiert, ist auf &#8220;The Birds Are Sweetly Singing&#8221;, dem weitgehend instrumentalen Opener, der aus Samples,<em> field recordings</em>, Theremin, Klavier und E-Gitarre besteht, kurz zu hören. Das dann folgende  &#8220;The Policeman Is Dead&#8221; wird von Alisdair Roberts gezupfter Gitarre durchzogen und knüpft wie einige andere Stücke auf &#8220;The Light Is Leaving Us All&#8221; durchaus an Current 93s Arbeiten aus den 90er Jahren an. Die vorab veröffentlichte Single &#8220;Bright Dead Star&#8221; ist vielleicht als Song noch eingängiger, ist ein wahrlich <em>catchy tune.</em> Seltsame Perkussion leitet „A Thousand Witches“ ein, das von der Art des Vortrags etwas an die letzten Stücke von „Of Ruine Or Some Blazing Starre“ erinnert. Das wunderschöne &#8220;Your Future Cartoon&#8221; mit dem Zusammenspiel von Gitarre und Klavier rührt zu Tränen und auch „The Bench and the Fetch“ mit Ben Chasny an der „doppelgänger“-Gitarre würde in einem anderen, <em>besseren</em> Universum an der Spitze der Charts stehen. Wem &#8220;Fair Weather&#8221; mit dem todtraurigen Geigenspiel von Aloma Ruiz Boada keine Schauer über den Rücken jagt, der ist vollends abgestumpft.</p>
<p>Neben diesen recht harmonischen Stücken gibt es das etwas sprödere „30 Red Houses“ mit dramatischem Gesang Tibets oder das leicht dissonante „The Postman is Singing“ mit monotoner Gitarre und dunkler Geige, die das Bedrohliche, das sich in Zeilen wie &#8220;The LORD is on the Storm/He is the Storm&#8221; oder &#8220;When you turn out your <em>Light</em>/How&#8217;s Baal in the BedRoom&#8221; manifestiert, besonders unterstreichen. Geige und Dudelsack hört man auf  &#8220;The Kettle&#8217;s On&#8221;, auf dem ein weiteres apokalyptisches Szenario entfaltet wird: &#8220;Cain moves our jaws/Cain is tongue in our mouth/Our hands stretch link/With Cain&#8217;s tendons [...] Dust storm and bone storm/TwiLit skies&#8221;. Daran knüpft das von Drehleier und Geige dominierte &#8220;The Milkmaid Sings&#8221;, mit dem das Album endet, an: &#8220;The lambs so <em>sweet </em>on grass/A thousand ded horsies/Hover over their skulls&#8221;.</p>
<p>Auf &#8220;The Light Is leaving Us All&#8221;  sind die einzelnen Stücke durch Textzeilen und immer wiederkehrende Motive miteinander verwoben. Gleichzeitig finden sich Verwiese auf frühere Arbeiten (&#8220;SeaHorses&#8221;, &#8220;Signs in the Stars&#8221;, &#8220;Horsies&#8221;, &#8220;Aleph&#8221; oder &#8220;Cain&#8221; tauchen auf). Hier wird eine gefallene Welt besungen: „And please read the First Book/And consider the fall“ („The Policeman is Dead“), es werden Apokalypsen kosmischen Ausmaßes beschrieben: „WatchTowers arise from sand/Bring in storms in and out/Then to death chariots arise/As bone of stars“ („Fair Weather“) und alle Vorbereitung ist letztlich Makulatur: &#8220;The farm is boarded/Against the storm/But in the spaces InBetween/Wood and Brick and wood/The squeak awaits&#8221;(&#8220;Your Future Cartoon&#8221;). Gleichzeitig sind der Titel des Albums und die bemalten Fotografien des Artworks sicher ambivalent. Tibets Art des Textens macht ein Dekodieren letztlich aber fast unmöglich. Hier verdichtet sich die Privatmythologie zu einem Universum aus Chiffren. (MG)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.davidtibet.com/">The Spheres</a> / <a href="https://www.houseofmythology.com">House of Mythology</a> (Tape)<br />
</strong></p>
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		<title>CURRENT 93: Thunder Perfect Mind 2LP</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Jan 2018 01:15:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/01/current93thunderperfectmind.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-14761" title="current93thunderperfectmind" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/01/current93thunderperfectmind-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als Current 93 in den frühen 90ern das Album „Thunder Perfect Mind“ herausbrachten, war die mediale Aufmerksamkeit und die Möglichkeit von Publicity für derartige Musik noch weitaus gringer als heute, wo diverse Kanäle wie Newsletter und Social Media die Erwartung auf einen Tonträger anheizen und die Gespanntheit auf einen eventuellen Meilenstein schüren können. War man nicht im Postverteiler der entsprechenden Vertriebe oder stand im Kontakt mit dem einen oder anderen Musiker, dann erfuhr man irgendwann aus der einschlägigen Presse von den gerade erschienenen Releases, und so erblickte das vorliegende Album auf fast etwas<span id="more-11540"></span> unspektakuläre Art das Licht der Welt. Dass es sich dabei um eine der größten Wegmarken im Werk der Gruppe um David Tibet handeln sollte, stellte sich erst heraus, als das Album mehr und mehr Einzug in die Plattenregale nahm, mehr noch als man einige Jahre und Veröffentlichungen später auf dieses Album zurückblicken konnte.</p>
<p>Und „Thunder Perfect Mind“ war eine Wegmarke in vielfacher Hinsicht. Es war das erste Album, auf dem der christlich-esoterische Einschlag, der von Beginn an in Tibets Werk präsent war, der oft jedoch einen eher eigenwillig ambivalenten Eindruck erweckte, zur zentralen, eindeutig positiv konnotierten Säule des Grundtenors wurde. Freilich, Zeilen wie „And I believe, Christ is the Son of God“ gab es bereits, aber hier wurde ein ganzes Album nach einem gnostisch-christlichen Text in koptischer Sprache benannt, was auf Tibets später noch intensivere Beschäftigung mit solcher Literatur und der Koptologie vorausweist.</p>
<p>Ebenfalls wurde auf diesem Album deutlich, dass die seit „Swastikas for Noddy“ vollzogene Hinwendung zum Songwriting und zu akustischer, im weitesten Sinne folkiger Musik nicht als kurzlebiges Strohfeuer in die Bandgeschichte eingehen sollte, sondern für viele Jahre ein musikalisches Markenzeichen Current 93s sein sollte, die Mitwirkung von Tibets Heldin Shirley Collins ist in dem Zusammenhang ein symbolisch aussagekräftiges Statement. Auch in persönlicher bis personeller Hinsicht ist „Thunder Perfect Mind“ bedeutsam. Dass es ein identisch betiteltes Nurse With Wound-Album gibt und Stephen Stapleton nach wie vor mit an Bord war, kann als bemerkenswerte Antithese gegen Tibets Abwendung von experimentellen Klängen gelesen werden. Darüber hinaus war „Thunder Perfect Mind“ das letzte Album mit Douglas P. und Rose McDowall, dagegen das erste, auf dem Michael Cashmore der Musik mit seinem pastoralen Gitarrenpicking den Stempel aufdrücken sollte.</p>
<p>Einige der Songs auf dem Album sind heute Klassiker, werden immer mal wieder bei Konzerten gespielt und erfreuen ungebrochen das schwarze Volk in den entsprechenden Clubs. Andere dagegen sind nahezu vergessen, außer natürlich bei denen, die das Album am Stück hören. Zu den ersteren zählen „The Descent of Long Satan and Babylon“, ein mysteriöser Akustiksong mit Anspielungen auf die Offenbarung des Johannes, bei dem Tibets eigenwilliger Sprechgesang, Cashmores sanfte Gitarre und Joolie Woods Flöte einem an Collins erinnernden Folksound sehr nah kommen. Unvergessen „In the Heart of the Woods and what I Found there“, bei dem &#8211; in Anspielung auf die Legende des Heiligen Eustachius &#8211; zu einer einprägsamen Geigenmelodie Christus erscheint, oder „A Song for Douglas after he&#8217;s dead“, eine rührende Hommage an den mittlerweile verflossenen Freund inklusive Trauermarsch. Ebenfalls in die Kategorie zählen Stücke wie „A Sadness Song“, bei dem Tibet mit seiner eigenwillig androgynen Kopfstimme einen der melancholischsten Momente seiner Diskografie entstehen lässt, ferner „Mary Waits in Silence“, das von einer mir unbekannten Renate Birulf gesungene „Riverdeadbank“ oder das wunderschöne Sand-Cover „When the May Rain Comes“.</p>
<p>In diesen und ähnlichen Stücken wirkt der noch frische Folksound der Band nicht freakig oder Stilgranzen überschreitend, sondern auf eingängige Art ernsthaft, und er vermag – durchaus romantische oder nostalgische – Bilder einer pastoralen englischen Fantasiewelt heraufzubeschwören, einer Welt, die allerdings immer noch zu gebrochen erscheint für reinen Eskapismus, die einen Beigeschmack der Bitteren, Grenzwertigen gerade in ihrer unschuldig anmutenden Schönheit um so wirkungvoller zum Zug kommen lässt. Louis Wain, von dem das Artwork zum Original-Cover ist – ebenfalls erstmals im Kosmos der Band – hätte diese Landschaft malen können. Dazu passen dann auch die etwas schrägeren Akustiknummern, die sich zwischen die anderen Songs geschlichen haben, Stücke wie „Rosie Star Tears from Heaven“ oder „All the Stars are Dead now“.</p>
<p>Doch „Thunder Perfect Mind“ ist ohnehin gar nicht als homogenes Werk konzipiert, das musikalisch wie aus einem Guss wirken sollte. Ausgerechnet die beiden Teile des Titelstücks haben keine Songstruktur, mit ihren minimalen melodischen Mustern knüpfen sie aber auch wenig an frühere Soundscapes an. Mit leicht verfremdeter Stimme rezitiert Tibet Passagen über die dualistische Natur der Gottheit, begleitet von der gehauchten Stimme Rose McDowalls. Ebenfalls heraus sticht das textlich kontroverse &#8220;Hitler as Kalki (SDM)&#8221;: Zu Nick Salomans Gitarrensoli und zum Bassspiel eines Musikers, der sich heute wahrscheinlich lieber die Hand abhacken würde, als sich daran zu beteiligen, wird hier die Katastrophe des Weltkriegs mit aus dem Hindu-Kosmos stammenden Prophezeihungen über das Ende des aktuellen Weltzyklus in Verbindung gebracht. Das Lied ist, wie später ein ganzes Album, seinem Vater gewidmet, der im Krieg gegen Nazi-Deutschland im Einsatz war. Mehr noch als die eher noiserockigen Stücke auf der recht heterogen ausgefallenen &#8220;Horsey&#8221; ist dieses Stück Current 93s erster Ausflug in psychedelisch konnotierte Rockmusik.</p>
<p>Dieses breite Stilsprektrum zwischen Song und Soundscape, zwischen Folk, Abstraktem und Psychedelischem, das einem sofort ins Auge fallen muss, wenn man den Fokus nicht nur auf die &#8220;Hits&#8221; lenkt, ist sicher ein Grund, warum &#8220;Thunder Perfect Mind&#8221; zu den herausragenderen Alben der Band zählt, aber letztlich sind dies ebenso wie der breit gefasste inhaltliche Rahmen Dimensionen, die man mit der einen oder anderen Schwerpunktverschiebung in fast allen Current 93-Alben findet. Es gab in der Bandgeschichte immer Phasen, die von einer besonderen Frische und Aufbruchstimmung geprägt waren, während man anderen Karriereabschnitten anmerkte, dass es wieder einmal Zeit für einen Häutungsprozess war. Ich denke, dass &#8220;Thunder Perfect Mind&#8221; auch sehr davon lebt, in einer der erstgenannten Phasen entstanden zu sein. Unlängst wurde das Werk in von The Bricoleur remasterter Version und mit neuem Artwork von Ania Groszynska auf Doppel-LP wiederveröffentlicht. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: The Spheres</strong></p>
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		<title>MYRNINEREST: „Jhonn“, Uttered Babylon</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Sep 2012 05:23:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/09/Myrinerrest.jpeg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5164" title="Myrinerrest" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2012/09/Myrinerrest-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Myrninerest, unter dem Namen, den die Outsider-Künstlerin Madge Gill dem sie kreativ leitenden Geist gab, und der im Current 93-Kontext erstmals auf dem ersten Teil der „InmostLight“-Trilogie, der Maxi „Where the Long Shadows Fall“, 1995 auftaucht, veröffentlicht Tibet, der sich auf diesem Album wieder David Michael nennt, zusammen mit James Blackshaw ein Album, das im Booklet als „Hallucinatory Cartoon Channelling of my Love for Jhonn Balance“ beschrieben wird. Für Tibet gibt es kein Stillstehen, wobei vielleicht die Gründung dieses neuen Projekts<span id="more-5163"></span> (und des extra dafür ins Leben gerufenen Labels The Spheres) auch pragmatischen Gründen geschuldet ist, ergibt sich doch so die Möglichkeit, in einem personell kleineren Rahmen aufzutreten als mit dem oft expansiven Current 93-Lineup der letzten Jahre. James Blackshaw gehört seit einigen Jahren zu eben diesem, hatte auf Konzerten bislang aber selten die Chance, sein exquisites Fingerpickung zu zeigen &#8211; etwas das er auf „&#8217;Jhonn&#8217;, Uttered Babylon“ nachholt. Bis auf drei Stücke, auf denen er Harmonium spielt, werden die Texte Tibets von seiner Akustikgitarre untermalt.</p>
<p>Vielleicht braucht es eine gewisse Distanz, um Trauer künstlerisch fruchtbar zu machen. Unmittelbar nach dem Tod Balances hatte Tibet das Gedicht „Moonbird“ geschrieben, acht Jahre später folgt ein komplettes Album. Bei solch einem konzeptionell dichten Werk steht natürlich – letztlich wie bei den meisten Arbeiten der letzten Jahre &#8211; der Text im Vordergrund und seit einiger Zeit schon führen die Textkonvolute (natürlich) zu einer anderen Art des Vortrag(en)s. Eine konventionelle Vers-Chorus Struktur, die bei Current 93 sowieso selten eine Rolle spielte, fehlt völlig, stattdessen werden die sich aus einer immer komplexer und hermetischer werdenden Privatmythologie Tibets speisenden Texte (in denen die verstorbenen Katzen Tibets ebenso Platz finden wie Tiny Tim, Shirley Collins oder Thomas Ligotti; auf Kairo im Jahr 1904, als Aiwass Crowley das Buch des Gesetzes offenbarte, ebenso verwiesen wird wie auf Jerusalem; Logarithmen ebenso wie Keilschrift auftauchen) mehr rezitiert als gesungen. In einer kürzlich veröffentlichten Besprechung des Myrninerest-Auftritts auf dem von Antony kuratierten Meltdown Festival sprach der Rezensent von Tibets „surrealen“ Texten, wobei das ein Adjektiv ist, das Tibet selbst weit von sich weisen würde, denn „&#8217;Jhonn&#8217;, Uttered Babylon“ ist vielmehr der Entwurf einer individuell als kohärent erscheinenden Kosmologie jenseits einer Phantasmagorie. Exemplarisch für die (nur) scheinbar assoziative Aneinanderreihung von auf den ersten Blick disparaten Bildern seien folgende Zeilen aus „The Dog is Unwell“ (die Titel beziehen sich auf die CD-Version, auf der LP tragen alle Stücke andere Namen, dieses heißt dort „Meanwhile The Helocopter“) zitiert: „I heard the Time/Spill Drinks whilst/The BarMaid Bakes/At that specific Island/The Chiffre was marked/Not known by the Vulva who/Showered You with Armageddon/And Tetragrammaton/And lottery winners“. Wie auf den Alben der letzten Jahre steht hier erneut Heiliges neben Profanem und insofern ist es nicht nur ein Album über Balance und über Tibets Freundschaft zu ihm, sondern auch ein Album über Tibet selbst, wobei sich in den Texten natürlich immer wieder Anspielungen an Stücke von Coil finden: so ist u.a. die Rede von „limnal bats“, gegen Ende wird die Frage „WHERE ARE YOU“ gestellt, man gedenkt der von Blake entliehenen „Rose“ und nennt die „Time Machine&#8221;. Auch werden immer wieder die von Alkoholabusus geprägten letzten Lebensjahre des Freundes angesprochen: „There were no stars left/Towards the end“, „He stared too long into the /Abyss“; aber auch das eigene Werk wird verfremdet angesprochen: „Under the Rain and/Grit and Dogs/Under the Pain of/Keeping Hooded Eyes“ heißt es auf „CatNip Pastures“.</p>
<p>Das kontemplative „Chaos In His ChoirBoy“ gehört zu den zugänglicheren Stücken, am beeindruckendsten &#8211; wenn auch für diejenigen, die mit dem Ouevre Tibets nicht vertraut sind, irritierendsten &#8211; sind die Stücke, auf denen der Vortrag sich zur völligen Selbstoffenbarung steigert und Tibet kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen scheint, so etwa auf „Roadworks For TinkerBell“, „The Green Sothis Bottles“,  „BadLuckClock“ (mit fast schon atemlosen Vortrag) oder besonders auf dem Abschlusstrack „Long Home Sick Tonight“.</p>
<p>Halluzinatorisch ist diese Reise tatsächlich, wieviele bereit sind, daran teilzunehmen, ist eine andere Frage, denn nach diesen zwölf Stücken und dieser Thematik kann es dem Hörer wie im letzten Stück beschrieben gehen: &#8220;Drowning/In Language and/Exhaustion&#8221;.</p>
<p>M.G.</p>
<p>Label:The Spheres/<a href="http://www.copticcat.com">Coptic Cat</a></p>
<p><a href="http://www.myrninerest.com/">Myrninerest</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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