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	<title>African Paper &#187; Yara Asmar</title>
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		<title>Land: Zweiter und dritter Teil der libanesischen Charity-Compilation</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 05:29:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die auch als Label fungierenden Tunefork Studios in Beirut haben gerade zusammen mit dem Beirut Synthesizer Center einen zweiten und dritten Teil der Charity-Compilation &#8220;Land&#8221; herausgebracht, deren Erlös der Versorgung der Menschen zugute kommt, die in Folge des aktuellen Krieges &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/03/24/land-zweiter-und-dritter-teil-der-libanesischen-charity-compilation/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die auch als Label fungierenden Tunefork Studios in Beirut haben gerade zusammen mit dem Beirut Synthesizer Center einen zweiten und dritten Teil der Charity-Compilation &#8220;Land&#8221; herausgebracht, deren Erlös der Versorgung der Menschen zugute kommt, die in Folge des aktuellen Krieges heimatlos geworden sind &#8211; enthalten sind Beiträge von insgesamt achtundfünfzig Acts, die größtenteils aus den vielgestaltigen experimentellen, elektronischen, improvlastigen oder klangkünstlwerischen Musikszenen Libanons stammen. <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-50554" title="land2" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land2.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-50553"></span></p>
<p>Mit Yara Asmar, Nour Sokhon, Sanam, Charbel Haber, Julia Sabra, Elyse Tabet, Postcards, Jad Atoui, Anthony Sahyoun, Snakeskin, Fadi Tabbal, Interbellum, Mayssa Jallad, Abed Kobeissy, Sary Moussa, Interbellum, The Incompetents, Yasmine Hamdan, Zeid Hamdan, Youmna Saba und Maud Zeinoun sind eine ganze Reihe an Künstlerinnen und Künstlern vertreten, die auch auf unseren Seiten schon eine Rolle gespielt haben. Internationale Acts wie Julia Holter und Mary Lattimore sind ebenfalls vertreten. <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-50555" title="land3" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/land3.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a>Die Doppel-Compilation ist mit Artwork by Carla Aouad und Design von Josette &#8216;Zooz&#8217; Khalil über Bandcamp erhältlich. Der erste Teil der Reihe erschien vor anderthalb Jahren.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3603396290/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1299316612/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>YARA ASMAR: Everyone I love is sleeping and I love them so so much</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Nov 2025 05:55:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gideon Forbes]]></category>
		<category><![CDATA[Hive Mind Records]]></category>
		<category><![CDATA[John Murchison]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn etwas Altes, fast Vergessenes, in einem künstlerischen Werk wieder zum Leben erwacht, kann dies mit viel sentimentalem Pathos geschehen, doch viel eindringlicher vielleicht ist ein Durchbrechen der Vergessensschleier, das vorsichtig tastend und suchend, vonstatten geht. Yara Asmars neues Album &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/11/01/yara-asmar-everyone-i-love-is-sleeping-and-i-love-them-so-so-much/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/yaraasmareveryone.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-48765" title="yaraasmareveryone" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/10/yaraasmareveryone-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wenn etwas Altes, fast Vergessenes, in einem künstlerischen Werk wieder zum Leben erwacht, kann dies mit viel sentimentalem Pathos geschehen, doch viel eindringlicher vielleicht ist ein Durchbrechen der Vergessensschleier, das vorsichtig tastend und suchend, vonstatten geht. Yara Asmars neues Album &#8220;Everyone I love is sleeping and I love them so so much&#8221; ist ein solches Werk. Es wirkt, als <span id="more-48764"></span>lausche es sich selbst beim Entstehen zu, zwischen Beirut und dem Städtchen Alfred im US-Bundesstaat New York aufgenommen, zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen fragilen Klangexperimenten und unvorhersehbarem Lärm.</p>
<p>Asmar arbeitet hier mit Materialien, die ebenso zerbrechlich wie eigensinnig sind: Spieluhren, Metallstäbe, alte Symphonion-Mechaniken, die sie auseinandernimmt und wieder zusammensetzt, bis sie in Resonanzkästen münden, in denen sie – wie sie selbst in ihren Liner Notes sagt – &#8220;im Klang sitzen&#8221; kann. Die elf Stücke sind feine, oft bewusst instabil gehaltene Konstruktionen aus Metallophonen, Akkordeon, Stimmenfragmenten und Alltagsgeräuschen, die manchmal wie beiläufig mitgeschnitten wirken. Schon das eröffnende &#8220;after all this time, Beirut&#8221; mischt Verkehrslärm und rhythmisches Rumpeln mit den Stimmen sowohl von Menschen als auch von Vögeln, eine Szene zwischen Baustelle und Traum. Zentral für das Verständnis des Albums und gerade auch des Openers ist auch eine Erinnerung an Asmars Großvater: eine alte Tonbandaufnahme, auf der er erzählt, wie er versehentlich Stunden von Vogelgesang aufnahm und wie diese Vögel später ziemlich sicher im libanesischen Bürgerkrieg starben. Dieses Fragment wird zum inneren Kern des Albums: das Bewahren von Klang als Akt des Widerstands gegen das Vergessen.</p>
<p>&#8220;To die on any hill (if it&#8217;s easy enough to climb)&#8221; entfaltet sich aus schwebenden, gestrichenen Tönen, die anschwellen und sich in ein Klangbild an der Grenze zum Lärm auflösen. In &#8220;wooden giants and mechanical birds&#8221;, entstanden gemeinsam mit John Murchison und Gideon Forbes und so der einzige kollaborative Track des Albums, erweitert sich Asmars feines Klangspektrum ins Kammermusikalische. Metallophone, Klarinette und Streicher verweben sich zu einem Stück, das zugleich konzentriert und verspielt wirkt. Es tastet sich voran, lässt Töne kippen, kippt selbst ins Schiefe und behält dabei doch eine zärtliche Präzision, die das Gemeinsame der drei spürbar macht. Der Titeltrack greift die fragile Emotionalität des Albums auf: eine Spieluhr, leise Atemgeräusche, das langsame Eintrüben des Klangs, als würde sich eine unsichtbare Bedrohung nähern. Das Stück schwingt zwischen Zärtlichkeit und Beklemmung und lässt eine ambivalente Schönheit entstehen, die typisch ist für Asmars Arbeiten.</p>
<p>Neben dem Thema der Erinnerung steht die Auseinandersetzung mit Metall und seiner Ausdruckskraft im Zentrum des Albums. In ihren Notizen schreibt sie weiterhin, wie sie sich seit Jahren von der Materialität des Metalls leiten lässt, von dessen Fähigkeit, ebenso zu irritieren wie zu trösten. In &#8220;of the always puzzle of living and doing&#8221; wird diese Faszination besonders greifbar: Das Stück klingt gleichzeitig hell und bedrohlich, wie ein stiller Strom elektrischer Spannung. Überall ist Bewegung, Reibung, davon ausgehend auch Spannung, aber nie kommt es zur vielleicht erwarteten Explosion. Zwischen die metallenen Texturen mischen sich persönliche Aufnahmen – Stimmen, Atem, Gesprächsfetzen. Im abschließenden &#8220;sounds from home&#8221; tritt dieses dokumentarische Element offen hervor: Gespräche, Lachen, eine Musik im Hintergrund, die sich zu einer fast herzigen Akkordeonmelodie verdichtet. Der Moment kippt in Dynamik, in ekstatische Trommeln und Rufe, und wieder zurück in eine Art Halt, den nur der vertraute Klang selbst geben kann.</p>
<p>Asmars Arbeiten kreisen um die Frage, wie Erinnerungen im musikalischen Medium transportiert werden können, ohne dabei in Nostalgie zu kippen. &#8220;Dieses Album ist nicht nostalgisch&#8221;, schreibt sie, &#8220;es ist tief im Jetzt verwurzelt&#8221;. Das stimmt: Auch wenn ihre Stücke manchmal wie Traumbilder erscheinen, geht es hier nicht um Rückschau, sondern um Gegenwärtigkeit, um die Erfahrung, dass jedes Geräusch, jeder Ton vergehen und gleichsaqm weiter bestehen kann.</p>
<p><strong>Label: Hive Mind Records</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3234332577/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>YARA ASMAR: Stuttered Music</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Nov 2024 06:53:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Ruptured]]></category>
		<category><![CDATA[Yara Asmar]]></category>

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		<description><![CDATA[Jeder, der einmal sein Zuhause &#8211; sein Land oder seine Stadt &#8211; für längere Zeit verlassen hat, wird wohl beim Zurückkehren einige der am wenigsten erwarteten Veränderungen festgestellt haben, während andere Dinge unerwartet gleich geblieben sind. Zwar beginnt &#8220;Stuttered Music&#8221;, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/11/16/yara-asmar-stuttered-music/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/11/stutteredmusic.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-43472" title="stutteredmusic" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/11/stutteredmusic-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Jeder, der einmal sein Zuhause &#8211; sein Land oder seine Stadt &#8211; für längere Zeit verlassen hat, wird wohl beim Zurückkehren einige der am wenigsten erwarteten Veränderungen festgestellt haben, während andere Dinge unerwartet gleich geblieben sind. Zwar beginnt &#8220;Stuttered Music&#8221;, das neue Album der libanesischen Klang- und Marionettenkünstlerin Yara Asmar, mit spacig pfeifenden Hochtönern, als erstes fällt aber zumindest in der digitalen Version ein beigefügtes Prosagedicht ins Auge, das wie ein <span id="more-43471"></span>Brief an eine abwesende Person den Zustand und die Stimmung in einer Stadt beschreibt und alles, was sich nach dem Weggang des angesprochenen Gegenübers verändert hat: &#8220;Es gibt ein neues Theater, größer als das alte. In der Bibliothek hängen deine zwei Hüte, und die Kaffeemaschine brüht weiter Kaffee (wenn es Strom gibt), und die Leute trinken ihn immer noch&#8221;. In das alltägliche Szenario bricht aber recht unverhofft auch ein Moment der Zerstörung: &#8220;Ein Paar hatte seinen ersten Kuss im Jesuiten-Garten, und jetzt ist dort ein Parkplatz, wo vor ein paar Jahren das Gebäude einstürzte&#8221;. So wie Asmars Musik, in der Hauptsache basierend auf Akkordeon, Metallophonen und dezenter Elektronik, eine Musik der feinen Andeutungen ist, die gerne mit den an kleine narrative Miniaturen erinnernden Songtiteln interessante Fragen aufwirft, könnte man sich schon auf dieser paramusikalischen Ebene in eigene Geschichten ziehen lassen, in der die Stadt, der Sprecher und der Adressat vage Konturen bekommen. &#8220;Man könnte meinen, die Stadt würde weniger sein, seit du gegangen bist, aber sie ist mehr von dem, was sie war, und vielleicht sogar zu viel davon&#8221;. Eines der wichtigsten Wörter hier ist &#8211; vielleicht &#8211; das Wort vielleicht, denn Asmars Musik und ihre Albenkonzepte zwingen uns nie etwas auf, lassen narrative Entwürfe im Geist des Publikums entstehen und vergehen.</p>
<p>Setzt die Musikerin, die tief in der experimentellen Musikszene Beiruts verwurzelt ist, sich in den vergangenen Jahren aber auch ein immer größeres internationales Renommee erspielt hat, mit ihren nicht selten leisen, gefühlvollen Klängen ihrer &#8220;Eulogies for accordion, metallophone &amp; electronics&#8221; ein musikalisches Denkmal für ihre Stadt, die sich immer weiter wandelt und doch in ihrem Kern unverändert bleibt? Es hieße die Offenheit des Werks zerstören, würde man die Frage eindeutig beantworten, und in der darin wohnenden Weite liegt die besondere Stärke der sieben Tracks. Der Eröffnungstrack &#8220;To live by a body of water is to forget it exists&#8221; führt uns mit flirrenden Hochtönen in eine Welt, die zugleich fremd und vertraut wirkt, erinnernd an einen schwelenden Urwald oder eine extraterrestrische Landschaft. Das dunkle Knarren und sanfte Brummen darunter, das sich mit metallischem Rattern und Saitenzupfen (?) vermischt, erzeugt eine atmosphärische Schicht, die bereits das noch Folgende emotional auflädt.</p>
<p>&#8220;In fields of translucent pearls i am the richest man in the graveyard and i will never have to bury anyone i love ever again&#8221; entfaltet die Klänge des Akkordeons in strömenden, warmen Wellen. Eine Melodie, zunächst verborgen, kristallisiert sich allmählich heraus, wird intensiver, energischer und verliert in einem kurzen Moment des dramatischen Aufbäumens seine sanfte Wärme – eine subtile Transformation, die an eine unaufhaltsame, oft schmerzhafte Veränderung erinnert, die in allen Phänomenen, seinen es Orte oder Personen, immer wieder spürbar ist, wenn man ihnen nur die entsprechende Aufmerksamkeit gibt. Es folgt das fast filmische &#8220;cold feet and hot air balloons&#8221;, das so etwas wie die ferne Erinnerung an einen kindlichen jahrmarktsbesuch oder ähnliches evozieren könnte erinnert, eingehüllt in eine sepiafarbene Melancholie. Über den knapp zehn Minuten wechseln sich Akkordeonmelodien mit dunklem Grollen und kleinen, lichten Momenten ab, die in eine intime, fast nostalgische Sphere entführen. Mit &#8220;May&#8221; legt Asmar das Arrangement minimalistisch an. Ein hohes Fiepen, fast singend, wird von leichten metallophonen Tupfern begleitet. Das Stück bleibt subtil, nur gegen Ende sorgt ein geheimnisvolles Rasseln und Klappern für rituell eingefärbte Bewegungen, die einen Hauch von Dramatik in die Komposition bringen. &#8220;all that has been seen will have been seen for nothing&#8221; ist ein Stück voller verwobener Klangschichten, die sich wie impressionistische Pinselstriche übereinanderlegen. Das Akkordeon bringt Wärme ins Zentrum, doch der Track schwebt zwischen Trost und Unsicherheit. Asmars feinsinniges Spiel mit Klangfarben und Schichten verleiht dem Track Tiefe, in der melancholische und dissonante Töne miteinander ringen. In &#8220;i am a terrible mathematician (and an even worse clown)&#8221; lässt das Akkordeon eine beinahe heimelige Atmosphäre entstehen, kombiniert mit dezenten elektronischen Akzenten. Die warme Fülle des Tracks hat eine leichte, heitere Note und erinnert an manchen Stellen fast an einen Chor, aber das ist vielleicht auch nur eine Illusion, die sich beim Hören ergeben könnte.</p>
<p>Der finale Track, &#8220;there are easier ways to disappear (but i&#8217;m only good at this one)&#8221;, klingt mit glockenartigen Tönen und leisem Hintergrundrauschen aus, bevor eine sanfte Melodie die Szenerie wieder deutlicher belebt. Die metallenen Klänge verleihen der Komposition eine ritualhafte Qualität, die sich in der zweiten Hälfte zu einem faszinierenden, fast tranceartigen Finale steigert. Hat man nun am Ende der Reise das Gefühl, in einer Szenerie zwischen Abwesenheit und Präsenz zu schweben, die Veränderungen erinnern, die zwischen den Ruinen und Neubauten stattfinden, so ist nicht leicht zu sagen, ob dieser Eindruck primär der Musik, oder ihrem Zusammenwirken mit den eingangs zitierten Worten des Gedichts erwachsen sind. Und einmal mehr ist es gut, dass es darauf keine eindeutige Antwort gibt, denn die viel wichtigere Antwort liegt in der emotionalen und ästhetischen Reichhaltigkeit, die einem &#8220;Stuttered Music&#8221; schenkt.</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1065452488/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>YARA ASMAR: Synth Waltzes and Accordion Laments</title>
		<link>https://africanpaper.com/2023/10/07/yara-asmar-synth-waltzes-and-accordion-laments/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Oct 2023 06:05:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Hive Mind Records]]></category>
		<category><![CDATA[Yara Asmar]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal sind es Zufälle, die zur Beschäftigung mit einem interessanten Thema und letztlich zur Geburt einer Idee führen. Als die in Beirut lebende Künstlerin und Multiinstrumentalistin Yara Asmar vor einigen Monaten zu einer Residenz in den Schwarzwald aufbrach, hatte sie &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/10/07/yara-asmar-synth-waltzes-and-accordion-laments/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/10/coveremail.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-37704" title="coveremail" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/10/coveremail-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Manchmal sind es Zufälle, die zur Beschäftigung mit einem interessanten Thema und letztlich zur Geburt einer Idee führen. Als die in Beirut lebende Künstlerin und Multiinstrumentalistin Yara Asmar vor einigen Monaten zu einer Residenz in den Schwarzwald aufbrach, hatte sie ein Akkordeon, geerbt von ihrer Großmutter, im Gepäck. Wenig wusste sie über die Firma Hohner, die ihre Instrumente genau in <span id="more-37701"></span>dieser Region von Einheimischen montieren ließ. Von Kollegen auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht, begab sie sich bald auf Recherche und landete irgendwann in genau dem Haus, in dem ihr Instrument vor Jahrzehnten gefertigt wurde und hörte überrascht, dass selbst die Versanddaten in den Libanon Mitte der 50er Jahre noch dokumentiert waren. Wie von magischer Hand geführt, kehrte das Instrument also an seinen Geburtsort zurück. Heute sind Yara und ihr Akkordeon wieder im Zentrum der libanesischen Hauptstadt, wo schon ihre Großeltern zuhause waren.</p>
<p>Dieses Ereignis und die vielfältigen Erfahrungen in Deutschland, zu denen auch Auftritte der Künstlerin <a title="Yara Asmar beim diesjährigen Vogelklang-Soundcamp" href="http://africanpaper.com/2023/04/30/yara-asmar-beim-diesjahrigen-vogelklang-soundcamp/">im Schwarzwald</a> und <a title="111: Louis Carnell, Marta de Pascalis und Yara Asmar im Roten Salon der Berliner Volksbühne" href="http://africanpaper.com/2023/03/16/111-louis-carnell-marta-de-pascalis-und-yara-asmar-im-roten-salon-der-berliner-volksbuhne/">in der Berliner Volksbühne</a> zählten, inspirierten sie zu vielfältigen Reflexionen nicht nur über sich, ihre Familie und persönliche Andenken, sondern auch über den Charakter von Orten und die Bezüge, die wir unweigerlich zu ihnen entwickeln, ganz gleich, ob wir zu den bleibenden, den verlassenden oder den zurückkehrenden gehören. All diese Dinge wurden automatisch zu in unterschiedlichen Graden deutlichen Themen und Motiven ihres neuen Longplayers &#8220;Synth Waltzes &amp; Accordion Laments&#8221; der gerade auf Tape bei Hive Mind erschienen ist und an <a title="Home Recordings: Tape-Debüt von Yara Asmar" href="http://africanpaper.com/2022/10/28/home-recordings-tape-debut-von-yara-asmar/">ihr Debüt &#8220;Home Recordings 2018-2021&#8243; (Hive Mind 2022)</a> und ihre <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Kollaboration &#8220;Low Toms Bright Bells and Darkest Spells&#8221; mit Elyse Tabet und Pascal Semerdjian (Ruptured 2022)</a> anknüpft.</p>
<p>Dichter und weniger heterogen wirkend als ihr Debüt hat das neue Album trotz motivischer und stimmungsmäßiger Vielfalt eine Reihe deutlicher roter Fäden, und einer davon findet sich in einer fast trostreich umarmenden Ernsthaftigkeit, die sich an vielen Stellen mit einer deutlichen Beweglichkeit, die verspielt sein kann, aber auch scheu und unruhig, zu arrangieren weiß &#8211; als wären zwei Personen, eine involvierte und eine verständnisvoll Acht gebende, miteinander im Dialog. Das hohe Dröhnen, dass im eröffnenden &#8220;To die in the country&#8221; das Album einleitet, wirkt fast ein bisschen schrill, aber eine geerdete und leicht wehmütige Melodie vermag dies einzuebnen und auch dem nicht ganz klaren Tempo der Synthies die Unsicherheit zu nehmen. Erstmals deutlich zu hören ist das warme, strömende Akkordeon im folgenden Track &#8220;Objects lost in drawers (found again at the most inconvenient times)&#8221;, wo es schöne langsame Tonfolgen produziert, die auf eine allzu exaltierte Melodie verzichten können, die dem hypnotischen Effekt, den sie entfalten, vielleicht auch abträglich gewesen wäre. Der ganze Song hat etwas von einer unerhörten Begebenheit, wie sie im Titel angedeutet wird, denn die melancholisch eingefärbte Freude scheint sich in alle mögliche Richtungen zu bewegen: Die Melodien schwingen sich empor, finden ihre Einbettung in einer fast orchestral anmutenden Fülle und kulminieren in einem kleinen infernalischen Höhepunkt. In all dem Strudel und Schwindel, der manchmal an eine surreal verzerrte Jahrmarktsorgel erinnert, offenbart sich ein großer Blick auf kleine Dinge, und wieder hat es etwas von einer zärtlichen, wenn auch etwas stürmischen Umarmung.</p>
<p><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/sDZfoTUNVj0?si=GvTRCIRG3Z1OC7IC" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Jedes der folgenden Stücke hat seinen ganz eigenen Charakter und wirkt wie ein geräumiger Abschnitt in einem groß angelegten, spärlich beleuchteten Environment. Das liebliche Bimmeln der Metallophone in &#8220;From gardens in the city we keep alive&#8221;, das dem Garten des Großvaters gewidmet ist, setzt dieses Umarmende auf fast quirlige verspielte Art um, und hüllt damit dunkleres kantiges Dröhnen und gelegentliche Lärmpassagen ein. Ein von Aufbruchstimmung durchtränktes Pfeifen, das mit etwas Fantasie aus einem Morricone-Soundtrack gefallen sein könnte, findet sich wieder im folgenden &#8220;Everything is wrapped in cling film&#8221;, dessen aquatische Sounds tatsächlich ein bisschen wie in Bernstein eingelegt (oder wie unter dem titelgebenden Film versteckt) klingen. Hier dominiert eine etwas verträumtere Amosphäre, die sich in sonnengeblendeter Form auch in späteren Stücken wie dem etwas längeren &#8220;Three clementines on the counter of a blue-tiled sun-soaked kitchen&#8221; findet. In diesem etwas längeren, schimmernden Stück scheint eine ganze Welt aus Erinnerungen zu entstehen, ausgelöst durch die titelgebenden Früchte, wie es sonst Düfte vermögen.</p>
<p>Nur bei &#8220;Are these your hands? Would you like them back?&#8221; kommt die menschliche Stimme (zusammen mit der von Vögeln) deutlich zum Einsatz &#8211; Gastmusiker Majid Chidiak erzählt vor der Kulisse eines dröhnenden Auf und Ab und geheimnisvollen Flügelschlägen eine märchenhafte Begebenheit, in der Hunde im Blauen Mond die Sonne anbellen und auf Silber kauen, doch was anfangs noch wie ein eher surreal-kindliches Szenario anmutet, mündet in etwas, das einem resignierten Abgesang auf kulturelle Identitätsvorstellungen sehr nah kommt. Dass die Rezitation beinahe verschluckt wird von den Wellen der Musik, scheint Teil des Ausdrucks zu sein, doch auch hier fehlt die allgegenwärtige Wärme nicht. Selbst im dramatischsten der Stücke, &#8220;Jumana&#8221; findet sie sich in Form warmer Akkordeonklänge zwischen den Ritzen perkussiven Hantierens und Kettenrasselns, bevor in &#8220;Come back later&#8221; die hohen Töne für einen offenen, aber nicht hoffnungslosen Schlussmoment sorgen.</p>
<p>&#8220;Synth Walzes and Accordion Laments&#8221; ist ein reichhaltiges Album, das sich kaum auf eine handvoll Motive und schon gar nicht auf ein einziges herunterbrechen lässt. Was in allem aber mitschwingt, scheint mir das Thema des Andenkens, das für viele Stücke so etwas wie ein Ausgangspunkt darstellt. Dass ein Andenken nicht nur ein Objekt, ein Geschenk, eine Nachricht, ein Bild sein muss, sondern auch etwas selbstgeschaffenes, mit dem man einer Person oder auch einer Zeit ein Andenken schafft, wurde auf unseren Seiten bereits im Zusammenhang mit <a title="HACKEDEPICCIOTTO: Keepsakes" href="http://africanpaper.com/2023/09/09/hackedepicciotto-keepsakes/">Hackedepicciottos &#8220;Keepsakes&#8221;</a> festgestellt. in mancher Hinsicht kann man das auch von diesem fantastischen Album sagen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.hivemindrecords.co.uk/">Hive Mind</a></strong><!--/data/user/0/com.samsung.android.app.notes/files/clipdata/clipdata_bodytext_231001_191103_587.sdocx--></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3934310577/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>Yara Asmar beim diesjährigen Vogelklang-Soundcamp</title>
		<link>https://africanpaper.com/2023/04/30/yara-asmar-beim-diesjahrigen-vogelklang-soundcamp/</link>
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		<pubDate>Sun, 30 Apr 2023 09:50:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Global Forest]]></category>
		<category><![CDATA[Hive Mind Records]]></category>
		<category><![CDATA[Microwave Blues]]></category>
		<category><![CDATA[Vogelklang Soundcamp]]></category>
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		<description><![CDATA[Am Samstag, den 6. Mai ist die libanesische Klang- und Puppenkünstlerin Yara Asmar während des Vogelklang-Soundcamps zu sehen, das der Verein Global Forest auf  dem Gelände des Zeltlagerplatz Stöcklewald zwischen Furtwangen, St.Georgen und Triberg im Schwarzwald veranstaltet. Laut Veranstalter erkundet &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/04/30/yara-asmar-beim-diesjahrigen-vogelklang-soundcamp/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Samstag, den 6. Mai ist die libanesische Klang- und Puppenkünstlerin Yara Asmar während des Vogelklang-Soundcamps zu sehen, das der Verein Global Forest auf  dem Gelände des Zeltlagerplatz Stöcklewald zwischen Furtwangen, St.Georgen und Triberg im Schwarzwald veranstaltet. Laut Veranstalter erkundet der Event &#8220;im kreativen Austausch das Verhalten und den Lebensraum unserer gefiederten Freunde. Mit Installationen, Darbietungen und Workshops für Groß und Klein wollen wir die Gelegenheit bieten, dieses vielseitige Thema gemeinsam zu entdecken&#8221;. Yara Asmar, die neben anderen Acts wie Tintin Patrone zu den beitragenden Künstlerinnen zählt, ist unseren Lesern nicht nur durch<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/yaraasmar1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35418" title="yaraasmar1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/yaraasmar1.jpg" alt="" width="594" height="573" /></a><span id="more-35415"></span></p>
<p>ihr <a title="Home Recordings: Tape-Debüt von Yara Asmar" href="http://africanpaper.com/2022/10/28/home-recordings-tape-debut-von-yara-asmar/">Tape-Debüt auf Hive Mind</a>, sondern auch durch ihr Mitwirken an dem <a title="MAYSSA JALLAD: Marjaa" href="http://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">Album von Mayssa Jallad</a> und der <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Kollaboration mit Elyse Tabet und Pascal Semerdjian</a> bekannt. Am Vogelklang-Soundcamp nimmt sie mit gleich drei Arbeiten teil. Da wäre zum einen die semi-interaktive Performance &#8220;Sonatina for 19 Music Boxes&#8221;, bei der Akkordeon, Metallophone und Elektronik zum Einsatz kommen. Ebenfalls Teil der Aufführung sind insgesamt neunzehn Spieldosen, die von Besuchern als Auftakt für ihre Performance mitgespielt werden können. Eine weitere Arbeit, die auf dem Festival zu erleben ist, ist die eng mit dem Rahmen der Veranstaltung verknüpfte Klanginstallation &#8220;The Cut-Throat Finch Preludes&#8221;, bei der Asmar auf eine künstlerische Arbeit ihres Großvaters Bezug nimmt. Dazu heißt es im Programmtext: &#8220;Yaras Großvater hat vor dem Beginn des libanesischen Bürgerkriegs einige Ersparnisse zusammengetragen, um sich einen 4-Spur-Rekorder zu kaufen. Mit diesem hat er verschiedene Vogelstimmen auf Band aufgezeichnet. Als der Krieg begann, hatte er bereits fast 600 Vögel aufgenommen, und auf seinem Dachboden lagerte er stundenlange Aufnahmen von Vogelstimmen. Einer seiner Lieblingsvögel, den er aufnahm, hieß المذبوح (der Kehlkopffink), was wörtlich übersetzt &#8220;der Geschlachtete&#8221; bedeutet.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/yaraasmar2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35419" title="yaraasmar2" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/yaraasmar2.jpg" alt="" width="1067" height="1062" /></a></p>
<p>Als der Krieg begann, starben die Vögel, vor allem wegen der lauten Geräusche. &#8220;The cut-throat finch preludes&#8221; ist eine sich langsam zersetzende Bandschleifeninstallation von im Schwarzwald aufgenommenen Vogelstimmen&#8221;. In der als Projektion zu erlebende Installation &#8220;The Black Forest Journals&#8221; schließlich dokumentiert die Künstlerin eine in der erweiterten Umgebung geschaffene Installation, bei der sie an meist versteckten Orten des Waldes Skulpturen wie Fohrenwichtel, hölzerne Riesen und mechanische Vögel versteckt hat. &#8220;Diese Installation&#8221;, so heißt es, &#8220;ist ein kleines Universum in einem Raum und zeigt diese Kreaturen und Tagebuchauszüge, welche die zufälligen Begegnungen mit ihnen dokumentieren&#8221;.</p>
<p>Samstag, 06.05.2023<br />
Beginn 22 Uhr<br />
<a href="https://www.stoecklewald.de/">Zeltlagerplatz Stöcklewald</a><br />
Stöcklewaldweg 2<br />
78120 Furtwangen</p>
<p><strong>@ <a href="https://vogelklang.de/beitraege/yara-asmar?">Vogelklang</a> | <a href="https://yaraasmar.bandcamp.com/album/home-recordings-2018-2021">Bandcamp</a> | <a href="https://soundcloud.com/yaraasmar">Soundcloud</a> | <a href="https://www.instagram.com/microwave.blues/">Instagram</a></strong></p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/FoIEckYk5fQ" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
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		<title>Ich hatte das Gefühl, dass die Stadt Zeuge einer Gewalt war, die niemand erwähnen wollte. Interview mit Mayssa Jallad</title>
		<link>https://africanpaper.com/2023/04/29/ich-hatte-das-gefuhl-dass-die-stadt-zeuge-einer-gewalt-war-die-niemand-erwahnen-wollte-interview-mit-mayssa-jallad/</link>
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		<pubDate>Sat, 29 Apr 2023 04:36:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anfang des Jahres erschien das erste Soloalbum der libanesischen Sängerin, Musikerin und Architektin Mayssa Jallad, die zuvor bei der Band Safar und in einigen weiteren Konstellationen in Erscheinung getreten ist. Das international mit großem Interesse rezipierte &#8220;Marjaa: The Battle of &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/04/29/ich-hatte-das-gefuhl-dass-die-stadt-zeuge-einer-gewalt-war-die-niemand-erwahnen-wollte-interview-mit-mayssa-jallad/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-35286" title="MAYSSA JALLAD 3 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Anfang des Jahres erschien das erste Soloalbum der libanesischen Sängerin, Musikerin und Architektin Mayssa Jallad, die zuvor bei der Band Safar und in einigen <a title="V.A.: Beirut Adrift" href="http://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">weiteren Konstellationen</a> in Erscheinung getreten ist. Das international mit großem Interesse rezipierte <a title="MAYSSA JALLAD: Marjaa" href="http://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">&#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels&#8221;</a> erzählt in melancholischen Folksongs und ebenso in zerfledderten Eruptionen die Geschichte des Hotel District im Zentrum Beiruts, das zu Beginn des libanesischen Bürgerkriegs Schauplatz und zugleich Akteur wesentlicher <span id="more-35281"></span>Kampfhandlungen wurde &#8211; eine Geschichte, die weit in die Zeit vor dem Krieg zurückreicht und in ihren Nachwehen bis heute andauert. Als Bewohnerin der Stadt und zugleich Architektin hat die Musikerin über einen Zeitraum von fünf Jahren zahlreiche Facetten in ihre Texte verwoben, die aus der Perspektive der Gebäude verfasst sind. Die Verwobenheit von Architektur, Gesellschaft, Identität und Krieg aufzuzeigen sind ein ebenso großes Anliegen wie das Schaffen eines Bewusstseins auch für die verantwortlichen Akteure der Ereignisse, doch zugleich ist das Album auch eine berührende Hommage an ein dissoziiert wirkendes Zuhause voller geisterhafter Orte. Um diese Dinge, aber auch um die vielen Musikerinnen und Musiker, die sich an dem Projekt beteiligt hatten, geht es im folgenden Interview.</strong></p>
<p><strong><a title="I felt that the city had witnessed a violence that nobody wanted to mention. Interview with Mayssa Jallad" href="http://africanpaper.com/2023/04/29/i-felt-that-the-city-had-witnessed-a-violence-that-nobody-wanted-to-mention-interview-with-mayssa-jallad/">English Version</a></strong></p>
<p><em><strong>Neben deiner Tätigkeit als Musikerin und Sängerin hast du auch Architektur studiert und arbeitest in verschiedenen Bereichen in diesem Metier. In deinem Album „Marjaa“ verbindest du die beiden kreativen Felder zu einer Einheit. Hast du Musik und Architektur schon immer als irgendwie miteinander verbunden gesehen oder ist es das Ergebnis einer neueren Entwicklung?</strong></em></p>
<p>Während meines Architekturstudiums an der American University of Beirut (AUB) habe ich es geliebt, Theater und Räume für Aufführungen zu entwerfen, und habe sie oft in verlassene Gebäude in Beirut gesteckt, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber dann trat ich in die Welt der Architekturbüros ein und es wurde unrealistisch, meine eigenen Entwürfe zu erstellen. Die Hierarchie und Praktikabilität der Architekturpraxis machten es mir schwer, eine Stimme zu haben. Andererseits kam mir das Kreieren von Musik über Architektur erst später in den Sinn, und zwar in einem sehr entscheidenden Moment meines Lebens. Während meiner Graduiertenschule in New York hatte ich eine Abschlussarbeit über Beiruts Schlacht um die Hotels geschrieben, und es bedeutete mir viel, mich mit dieser schwierigen und bedeutsamen Geschichte zu befassen. Nach der Graduiertenschule habe ich in einem Architekturbüro in Manhattan gearbeitet und musste den Blick von Beirut und der Forschung abwenden. Das starre 9 to 5 hat mir das Musikmachen sehr schwer gemacht, und diese Erkenntnis hat mich deprimiert. Da beschloss ich, nach Beirut zurückzukehren und Musik über die Architektur meiner Stadt zu machen und durch Musik schwierige Schichten der Vergangenheit freizulegen. Es hat mein Leben verändert.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1872657994/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=2677289648/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><em><strong>Kannst du uns einen Überblick über deinen musikalischen Hintergrund geben? Was waren deine ersten Aktivitäten und die wichtigsten Meilensteine als Sängerin?</strong></em></p>
<p>Meine Eltern haben mich schon in jungen Jahren zum Klavierunterricht angemeldet und ich lernte bei mehreren Lehrern, bis ich ungefähr 16 war. Dann lernte ich bei einem Freund der Familie Gitarre und begann ungefähr zur gleichen Zeit zu schreiben und zu singen. Ich sang im Sommercamp, bei Schulkonzerten, im klassischen Chor der Universität, ich war eine Zeit lang in einer Bluesband, sogar in einer A-Capella-Gruppe. 2010 schrieb ich einen Jingle, der mir einen Platz bei einem Straßenfest in Beirut einbrachte, auf einer großen Bühne, die die ganze Straße sperrte. Mein Freund Elie Abdelnour spielte an diesem Abend mit mir Gitarre, und wir fingen an, Coverversionen in kleinen Pubs in der ganzen Stadt zu spielen. Ein paar Jahre später nahmen wir an einem offenen Mikrofonwettbewerb namens Beirut Open Stage (BOS) teil und gewannen. Wir gründeten die Band Safar und lernten dank BOS den Produzenten Fadi Tabbal kennen, und da begannen wir mit der Arbeit an unserer ersten EP „23 Kilograms“. Das war 2014. Wir traten an fast jedem Veranstaltungsort in Beirut auf, sogar an einigen Orten in Europa und den USA, und schrieben 4 EPs zusammen, die letzten zwei auf Distanz, seit Elie und ich bereits für die Graduiertenschule in die USA gezogen waren. Dann, im Jahr 2018, beschloss ich, nach Beirut zurückzukehren, um das experimentelle Soloprojekt &#8220;Marjaa&#8221; zu starten… was 5 Jahre Arbeit gekostet hat! In der Zwischenzeit nahm ich an den Protesten der Revolution vom 17. Oktober 2019 teil und wurde Teil einer Gruppe, die Protestlieder schrieb. Ich habe im Sommer 2021 auch ein paar Songs veröffentlicht, als ich Teil des OneBeat-Stipendiums in Beirut war: „Madina Min Baeed“ mit Khaled Allaf und „Bi Kheir“ und „Fil Aatma“ mit der Supergroup Baada Ab.</p>
<p><em><strong>Ich habe Beirut als eine sehr vielfältige Stadt erlebt, und was mir unter anderem aufgefallen ist, war die oft starke architektonische Heterogenität, manchmal sogar auf engstem Raum, und ich vermutete, dass dies etwas mit den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen in der Moderne zu tun hatte sowie mit dem Bürgerkrieg. Hat Beirut in dieser Hinsicht viel zu deiner Entscheidung, Architektur zu studieren, beigetragen?</strong></em></p>
<p>Ich denke, die Vielfalt der Architektur in Beirut rührt von einer historischen und politischen Unmöglichkeit der Stadtplanung und -erhaltung her. Die Stadt hat sich seit ihren Anfängen ständig verändert, ist verschwunden und gewachsen. Widersprüche sind eingebettet in seine Menschen, seine Nachbarschaften und die Architektur. Als ich aufwuchs, hatte ich das Gefühl, dass die Stadt Zeuge einer Gewalt war, die niemand erwähnen wollte. Große Immobilien verschlangen ganze Gemeinden und löschten bedeutungsvolle Orte aus. Der Besuch der Architekturschule in Beirut diente genau dazu, diese Geschichte aufzudecken und meine Stadt besser zu verstehen und auch zu begreifen, wie die Vergangenheit sie in der Gegenwart leiden ließ.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/p_WCuXe6sfI" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In deinem neuen Album beschäftigst du dich mit einer Reihe historischer Ereignisse während des libanesischen Bürgerkriegs, bekannt als die Schlacht um die Hotels, ein Thema, über das du auch deine akademische Abschlussarbeit geschrieben hast. Was hat dich an dem Thema so beeindruckt und berührt?</strong></em></p>
<p>Es begann an der Architekturschule der American University of Beirut (AUB). Ich interessierte mich für die modernistischen Gebäude von Beirut, die eine Geschichte im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg hatten. Ich verband sie mit Mitgliedern meiner Familie und hatte das Gefühl, dass sie meine Hilfe brauchten. Ich wollte ihre Geschichte, ihre Krankheiten aufdecken und in ihnen etwas Neues entwerfen, das ihnen helfen würde, Beirut heute zu überleben.</p>
<p>In der Graduiertenschule wollte ich mich auf das Holiday Inn konzentrieren, ein riesiges verlassenes Hotel, über das ich an der Universität ein Studio gemacht hatte. Als ich meinem Diplomarbeitsbetreuer erzählte, dass das Hotel am Kampf der Hotels „mitgemacht“ hat, war er fasziniert. Mir wurde klar, dass wir ein urbanes Phänomen, das nicht nur lokal von Bedeutung war, sondern globale Auswirkungen hatte, für selbstverständlich hielten: Es war das erste Mal überhaupt, dass Wolkenkratzer in einem Häuserkampf eingesetzt wurden.</p>
<p><em><strong>Als du das Album aufgenommen hast, welche Ideen waren zuerst da – die inhaltliche Erzählung oder deine Vorstellungen von der Musik? Oder kamen beide relativ gleichzeitig zusammen?</strong></em></p>
<p>Für Teil A (Tracks 1 bis 4) habe ich den Text und die grundlegenden Akustikgitarrenparts gewissermaßen voneinander abhängig geschrieben, da die Idee, mit einer alten Karte spazieren zu gehen, aus meiner Abschlussarbeit stammt, die über das Gebiet der Hotels recherchiert und alle Karten darüber gelegt hat &#8211; geschockt darüber, wie sehr sich die Stadt verändert hatte. Youmna Saba half mir bei der Gesangsmelodie und brachte ihre eigene Stimme und Oud in den Mix ein. Dann dachte <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">Fadi Tabbal</a> an die Gitarren-Layer und Drones von Marwan Tohme. Nachdem wir Teil A aufgenommen hatten, fragte ich Fadi, was wir seiner Meinung nach als nächstes tun sollten, und da sagte er: „Du wirst jetzt den Kampf schreiben, oder?“ Also stellte ich mich der Herausforderung, meine These in Texte zu übersetzen und dann die dazugehörigen Gitarrenakkorde zu schreiben. Außer „Markaz Azraq (6. Dezember)“, das war ein Lied, das ich zuvor unabhängig geschrieben hatte und dessen Text ich geändert habe, um das vorliegende Ereignis zu beschreiben. Nachdem ich den gesamten Teil B geschrieben hatte, hörte Fadi ihn sich an und assoziierte verschiedene Sounds und Texturen damit, und wir begannen im Studio mit seiner E-Gitarre zu experimentieren. Wir haben dann verschiedene Musiker zur Zusammenarbeit hinzugezogen, insbesondere bei einigen Songs, bei denen wir uns am liebsten ganz herausgehalten hätten: „Al Hisar“, das Farah Kaddour improvisiert hat, „Holiday Inn (March 21 to 29)“, das Sary Moussa produziert und komplett vertont hat und „Al Irth“, das <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Yara Asmar</a> improvisiert hat.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/7p9RqXyTi6Q" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In den ersten Songs des Albums bekommt man die Perspektive einer Person, die durch eine Stadt geht und versucht, einer Karte aus einer vergangenen Zeit zu folgen. Es ist wie eine melancholische Kontemplation über das Wesen (brutaler) historischer Veränderungen und Sackgassen. Wie nahe kommt das deinem persönlichen Gefühl, in dieser Stadt zu Hause zu sein?</strong></em></p>
<p>Ich glaube, ich spüre das am stärksten in den Gegenden, in denen ich das Gefühl habe, dass Gebäude und Straßen in Beirut menschenleer sind. Bei all diesen Entwicklung frage ich mich, für wen sie eigentlich gut sind. Ist es wirklich Fortschritt, wenn sich niemand daran erfreuen kann? Je mehr ich über die Innenstadt von Beirut recherchiere, desto deutlicher wird mir das Ausmaß der Zerstörung, die während des „Wiederaufbaus“ geschah. Was für ein schreckliches Gefühl muss es für die Generationen sein, die älter sind als ich, die Zeugen des Verschwindens ihrer ganzen Stadt geworden sind.</p>
<p><em><strong>Einer der Texte erwähnt auch Geister. In welcher Form, glaubst du, kann man diese Geister – bildlich gesprochen? &#8211; an genau diesen Stellen fühlen?</strong></em></p>
<p>Viele Menschen starben durch die Kugeln von Scharfschützen, die sich in den Türmen der Schlacht um die Hotels versteckten, nämlich dem Murr Tower und dem Holiday Inn. Dies waren vorsätzliche Tötungen von Personen, die sich auf der „anderen Seite“ befanden, von denen viele unschuldige Zuschauer waren. Das Leben so vieler Menschen wurde durch diese Entscheidung, in die Stadt einzudringen, auf den Kopf gestellt und zerstört. Viele Einwohner wurden an Kontrollpunkten entführt oder bei Massakern getötet, wie ich sie in „Markaz Azraq“ und „Holiday Inn (Januar bis März)“ beschreibe. Und später war die grüne Linie, die am Ende der Hotelschlacht zwischen Ost- und West-Beirut geschaffen wurde, ein so gefährlicher Raum, dass sie menschenleer und von üppigem Grün überwuchert wurde, ein verlassener Streifen der Stadt, für 15 Jahre. Dies sind die Geister, die immer noch unter uns umherstreifen, da ihrer Tötung keine Gerechtigkeit widerfahren ist.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35288" title="MAYSSA JALLAD 4 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>In weiten Teilen des Albums gibst du den Hotelgebäuden eine eigene Stimme und machst sie zu Protagonisten und Erzählern der historischen Ereignisse. Was hat dich zu dieser Idee gebracht?</strong></em></p>
<p>Das Personifizieren von Gebäuden ist eine Entdeckung, die ich in meinem letzten Jahr in Architektur an der Universität gemacht habe. Mir wurde klar, dass ich verschiedene Mitglieder meiner Familie mit verschiedenen Gebäuden in Verbindung gebracht hatte, die ich während meiner Zeit an der Architekturschule studiert hatte, und ich schlug Designideen vor, die auf den verschiedenen Persönlichkeiten basierten, die ich mit den Gebäuden assoziierte. Dann, ein paar Jahre später, als die Idee aufkam, Musik über Architektur zu schreiben, schrieb ich einen Song namens „Madina Min Baeed“, in dem ich die Stadt verkörpere (man kann den Text in der Beschreibung des Musikvideos nachlesen) … also ich schätze mal, als die Herausforderung aufkam, den Kampf der Hotels zu schreiben, war das instinktivste Werkzeug für mich, es aus der Sicht des Gebäudes zu schreiben &#8211; des Gebäudes als einer Art Waffe, die in verschiedene Hände fällt und gezwungen ist, sich je nach Farbe des Eindringlings zu „färben“.</p>
<p><em><strong>Wie groß war der Input an Ideen, die die anderen beteiligten Musiker in das Projekt eingebracht haben?</strong></em></p>
<p>Die Musiker, mit denen ich zusammengearbeitet habe, hatten einen großen Einfluss darauf, wie die Musik des Albums letztlich klang. Fadi Tabbal ist Co-Autor, da er meine anfänglichen Ideen, die ich auf der Akustikgitarre geschrieben habe, aufgegriffen und begonnen hat, sich räumliche Qualitäten und Klänge vorzustellen. Youmna Saba ist Co-Autorin, weil ich bereits vor der Arbeit mit Fadi mit ihr in einem Workshop „Etel“ und „Kharita“ produziert habe und sie die Idee von Stimme und Melodie als Ausdruck räumlicher Qualität eingebracht hat, was mich wirklich umgehauen hat. Sary Moussa ist Co-Autor, weil er die Musik von „Holiday Inn March 21 to 29“ vollständig geschrieben hat, nur basierend auf den Tracks davor und danach. Farah Kaddour und Yara Asmar improvisierten ihre Stücke basierend auf minimalen Aufforderungen von Fadi und mir. Pascal Semerdjians Schlagzeug war ebenfalls sehr intuitiv, sehr geprägt von seiner brillanten Sensibilität. Marwan Tohme lieh mir seine Gitarrenkünste, und er und Julia Sabra wurden der Chor in „Markaz Azraq“.</p>
<p><em><strong>Alle Kollaborateure, die ich auf dem Album kenne, haben ihre eigenen kreativen Projekte. Hast du schon einmal mit einem von ihnen gearbeitet? Ich nehme an, die meisten kennst du schon eine ganze Weile…</strong></em></p>
<p>Ich habe mit Fadi und Postcards (Julia, Pascal und Marwan) mit meiner vorherigen Band Safar zusammengearbeitet. Wir kennen uns seit 10 Jahren! Fadi produzierte die 4 EPs von Safar, trat bei mehreren Gelegenheiten mit uns auf und schrieb auch ein paar Songs mit uns zusammen. Pascal spielte Schlagzeug auf Safar-Platten, Julia nahm einige Backing-Vocals für uns auf und Marwan trat bei unserem letzten Konzert mit uns auf. Wir sind gute Freunde und ich liebe all ihre Projekte, ob Fadis Soloarbeit, die Bunny Tylers, Postcards, Sanam oder die jüngste Zusammenarbeit von Fadi und Julia namens <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">&#8220;Snakeskin&#8221;</a>. Ich habe Youmna auch vor 10 Jahren getroffen, aber das ist das erste Mal, dass wir zusammengearbeitet haben. Ich bin so dankbar und bewundere sie so sehr als Mensch und Künstlerin. Ich habe Sary vor ein paar Jahren kennengelernt und habe seine Arbeit immer geliebt. Ungleichgewicht ist ein Juwel! Ich habe Farah und Yara 2021 während eines Musikstipendiums namens Onebeat in Beirut kennengelernt. Farah und ich arbeiten auch zusammen an einer neuen Aufführung, daher war es großartig, ihren wunderbaren Geist kennenzulernen! Es war ein Segen und ein Traum, dass all diese talentierten Musiker an meinem Solo-Debütalbum mitgearbeitet haben!</p>
<p><em><strong>Wie war bisher das Feedback in deiner Stadt oder in deinem Land? Gab es besondere Reaktionen? Ich habe gerade Ausschnitte von einem sehr schönen Release-Konzert gesehen..</strong></em></p>
<p>Danke schön! Es war bisher sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass die Leute bereit sind, über diese schwierige Geschichte zu sprechen. Die Konzerte waren sehr emotionale Momente, die Stille und Anspannung sind so greifbar. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass die Leute zuhören und die Geschichte verstehen wollten. Jüngere Menschen kamen zu mir und drückten ihre Erleichterung darüber aus, endlich öffentlich über diese Geschichte gesprochen zu haben. Und ältere Leute sind zu mir gekommen und haben ihre eigenen persönlichen Geschichten darüber erzählt, wie sie den Kampf der Hotels erlebt haben. Eine Person kam auf mich zu und sagte: „Ich habe mich immer gefragt, warum so etwas nicht schon früher gemacht wurde. Du hast es geschafft.&#8221;<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35289" title="MAYSSA JALLAD 6 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>Zu welcher Art von Diskussion – in deinem Land, aber auch im Ausland – möchtest du mit dem Album und den zugrundeliegenden Ideen beitragen?</strong></em></p>
<p>Ich möchte, dass die Leute verstehen, dass denen, die die Stadt einst zerstört haben, niemals zugetraut werden kann, sie „wieder aufzubauen“, egal wie sehr sie versuchen, ihr Image aufzupolieren. Die gesamte Daseinsberechtigung jeder Miliz, die zu einer politischen Partei wurde, basiert darauf, die Menschen zu spalten. Wie können wir ein Land aufbauen, das auf ihrer Ideologie basiert? Stellen wir uns eine Welt ohne sie vor! Auf globaler Ebene, denke ich, bezieht sich jeder auf die eine oder andere Weise auf dieses Phänomen der urbanen Kriegsführung: Ob man beobachtet, wie sich eine Stadt auf der Grundlage der finanziellen Gewinne einiger weniger verändert, oder Zeuge der urbanen Kriegsführung in Städten auf der ganzen Welt ist, Beirut ist eine Fallstudie des Worst-Case-Szenarios, in mehr als einer Hinsicht.</p>
<p><em><strong>Du arbeitest auch für PROCOL Libanon, ehemals Relief Centre, das sich nach eigener Beschreibung „auf die Bereitstellung einer integrativen und wohlhabenden Zukunft für von Massenvertreibungen betroffene Gemeinschaften“ konzentriert. Siehst du eine starke Verbindung zwischen deiner historischen Forschung (einschließlich des Albumkonzepts) und diesen gegenwärtigen Aktivitäten?</strong></em></p>
<p>Ich habe &#8220;Marjaa: the Battle of the Hotels&#8221; basierend auf meiner Diplomarbeit geschrieben, die ich 2017 geschrieben habe. Vielleicht basiert &#8220;Marjaa 2&#8243; auf den Recherchen, die ich seit Januar 2019 mit PROCOL Libanon durchgeführt habe … die Zeit wird es zeigen.</p>
<p><em><strong>Also wird das Projekt in Zukunft noch weitere neue Facetten bekommen. Denkst du auch bereits an ganz neue Ideen?</strong></em></p>
<p>Sich nicht zwischen Musik und Architektur entscheiden zu müssen, war ein unglaubliches Experiment, und ich bin denen so dankbar, die daran glauben und helfen, es Wirklichkeit werden zu lassen. Für mich ist das erst der Anfang für Marjaa.</p>
<p>Interview: U.S.</p>
<p>Fotos © Ely Dagher</p>
<p><strong>@ <a href="https://rupturedonline.com/">Ruptured</a> | <a href="https://rupturedthelabel.bandcamp.com/album/marjaa-the-battle-of-the-hotels">Bandcamp</a> | <a href="https://soundcloud.com/ruptured">Soundcloud</a> | <a href="https://www.instagram.com/mayssajallad/">Instagram</a></strong></p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/HyleYuh0miw" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
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		<title>I felt that the city had witnessed a violence that nobody wanted to mention. Interview with Mayssa Jallad</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Apr 2023 04:33:23 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[The first solo album by Lebanese singer, musician and architect Mayssa Jallad, who previously appeared with the band Safar and in several other constellations, was released at the beginning of the year. &#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels&#8221; tells the &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/04/29/i-felt-that-the-city-had-witnessed-a-violence-that-nobody-wanted-to-mention-interview-with-mayssa-jallad/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER1.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-35305" title="MAYSSA JALLAD 3 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>The first solo album by Lebanese singer, musician and architect Mayssa Jallad, who previously appeared with the band Safar and in several <a title="V.A.: Beirut Adrift" href="http://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">other constellations</a>, was released at the beginning of the year. <a title="MAYSSA JALLAD: Marjaa" href="http://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">&#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels&#8221;</a> tells the story of the Hotel District in the centre of Beirut in melancholic folk songs and also in tattered eruptions. At the beginning of the Lebanese civil war, the Hotel District became the scene and at the same time a prominent actor of essential <span id="more-35303"></span>fighting &#8211; a story that goes back to the time long before the war and somehow continues in its aftermath until today. As a resident of the city and at the same time an architect, the musician has woven countless facets into her texts over a period of five years, which are written from the perspective of the buildings. Pointing out the interconnectedness of architecture, society, identity and war are as much a concern as creating an awareness also for the responsible wire-pullers of the events, but at the same time the album is a touching homage to a dissociated home full of ghostly places.. The following interview is about these things, but also about the cooperation with the many musicians who participated in her project.</strong></p>
<p><strong><a title="Ich hatte das Gefühl, dass die Stadt Zeuge einer Gewalt war, die niemand erwähnen wollte. Interview mit Mayssa Jallad" href="http://africanpaper.com/2023/04/29/ich-hatte-das-gefuhl-dass-die-stadt-zeuge-einer-gewalt-war-die-niemand-erwahnen-wollte-interview-mit-mayssa-jallad/">German Version</a></strong></p>
<p><em><strong>Besides being a musician and singer, you&#8217;ve also studied architecture and work in various parts of this field. In your album &#8220;Marjaa&#8221; you combine these two creative fields to a unity. Did you always see music and architecture as somehow interconnected, or is this the result of a more recent development?</strong></em></p>
<p>Throughout my years studying architecture at the American University of Beirut (AUB), I loved designing theaters and spaces for performance and often plugged them into abandoned buildings in Beirut, as a way of making them accessible to the public. But then I entered the world of architectural firms, and being able to create my own designs became unrealistic. The hierarchy and practicality of architectural practice made it difficult for me to have a voice.</p>
<p>On the other hand, making music about architecture occurred to me only later, and at a very pivotal moment of my life. While I was in grad school in NYC, I had written a thesis about Beirut’s Battle of the Hotels, and it had meant a huge deal for me to delve into this difficult and significant history. After grad school, I worked at an architecture office in Manhattan and had to look away from Beirut and the research. The rigid 9 to 5 made it very difficult for me to make music, and this realization depressed me. That’s when I decided to return to Beirut and make music about the architecture of my city, uncovering difficult layers of the past through music. It changed my life.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1872657994/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=2677289648/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><em><strong>Can you give us an overview about your music background? What were your initial activities and the major landmarks in your career as a singer?</strong></em></p>
<p>My parents signed me up for piano lessons from a very young age and I learned with several teachers until I was about 16. Then I learned guitar with a friend of the family and began to write and sing around the same time. I sang at summer camp, the school concerts, the university classical choir, I was in a blues band for a while, even an a-capella group.</p>
<p>In 2010, I wrote a jingle that landed me a spot at a street festival in Beirut, on a big stage that closed the whole road. My friend Elie Abdelnour played guitar with me that night, and we started playing covers in small pubs around the city. A few years later we entered an open mic competition called Beirut Open Stage (BOS) and won. We started the band Safar and met producer Fadi Tabbal thanks to BOS, and that’s when we started working on our first EP “23 Kilograms”. This was 2014. We performed in about every venue in Beirut, even a couple of places in Europe and the States, and wrote 4 EPs together, the last couple at a distance since Elie and I had already moved to the US for grad school.</p>
<p>Then, in 2018, I decided to return to Beirut to start the experimental solo project that is Marjaa… which took 5 years of work! In the meantime, I participated in the protests of the October 17 2019 revolution and became part of a group that wrote protest songs. I also released a couple of songs in the summer of 2021 while I was part of the OneBeat fellowship in Beirut: “Madina Min Baeed” with Khaled Allaf and “Bi Kheir” and “Fil Aatma” with supergroup Baada Ab.</p>
<p><em><strong>I experienced Beirut as a very diverse city and what struck me, among other things, was the often strong architectural heterogeneity, sometimes even in a small space, and I assumed that this had something to do with the different cultural influences in the modern age as well as with the civil war. In this respect, did Beirut contribute a lot to your decision to study architecture?</strong></em></p>
<p>I think the diversity of the architecture in Beirut comes from a historic and political impossibility of urban planning and preservation. The city has been constantly changing, disappearing and growing since its very beginning. Contradictions are embedded in its people, neighborhoods and architecture. Growing up, I felt that the city had witnessed a violence that nobody wanted to mention. Large real estate was swallowing up entire communities and erasing meaningful places. Going to architecture school in Beirut was precisely to uncover this history and to better understand my city, and how the past caused it to suffer in the present.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/p_WCuXe6sfI" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In your new album you deal with a series of historic events during the Lebanese Civil War known as the Battle of the Hotels, a subject you also wrote your academic thesis about. What was it that struck and touched you so much about the topic?</strong></em></p>
<p>It first started in architecture school at the American University of Beirut (AUB). I was interested in the modernist buildings of Beirut that had a history related to the civil war. I associated them with members of my family, and felt they needed my help. I wanted to uncover their history, their ailments, and design within them something new that would help them survive Beirut today.<br />
In grad school, I wanted to focus on the Holiday Inn, a massive abandoned hotel I had done a studio on at the AUB. When I told my thesis advisor that the hotel had “participated” in the battle of the Hotels, he was intrigued. It made me realize that we took for granted an urban phenomenon that was not only significant locally, but that had a global impact: it was the first time ever skyscrapers were used in urban warfare.</p>
<p><em><strong>When you recorded the album, which ideas came first &#8211; the narrative of the content or your ideas about the music? Or did both come together relatively at the same time?</strong></em></p>
<p>For part A (Tracks 1 to 4), I kind of wrote the lyrics and the basic acoustic guitar interdependently, since the idea of walking with an old map came from my thesis research on the area of the hotels, laying over all the maps and being in shock at how much the city had changed. Youmna Saba helped me with the vocal melody and brought in her own voice and Oud to the mix. Then Fadi Tabbal thought of Marwan Tohme’s guitar layers and drones.</p>
<p>After we recorded Part A, I asked Fadi what he thought we should do next, and that’s when he said: “You’re gonna write the battle now, no?” So I embarked on the challenge of translating my thesis into lyrics, then writing the guitar chords that went with them. Except for “Markaz Azraq (December 6)”, which was a song I had written independently before that, and whose lyrics I changed to describe the event at hand. After I wrote the entire Part B, Fadi listened to it and associated different sounds and textures with it, and we started experimenting with his electric guitar in the studio. We then brought in different musicians to collaborate, especially in some songs where we felt like removing ourselves: “Al Hisar”, which Farah Kaddour improvised, “Holiday Inn (March 21 to 29)” which Sary Moussa produced and wrote the music of entirely and “Al Irth”, which Yara Asmar improvised.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/7p9RqXyTi6Q" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In the first songs of the album you get the perspective of a person walking through a city trying to follow a map from a time bygone. It&#8217;s like a melancholic contemplation about the nature of (brutal) historic changes and ways of no return.. How close is this to your own personal feelings of being at home in your city?</strong></em></p>
<p>I think I feel this the most in the areas where I feel that buildings and streets in Beirut are empty of inhabitants. It’s like, all of this development, for who? Is it really progress when no one can enjoy it? Also, the more research I do on downtown Beirut, the more the scale of the destruction that happened during “reconstruction” becomes clear in my mind. What a horrible feeling it must be for the generations older than me who have witnessed their entire city disappear.</p>
<p><em><strong>One of the lyrics also mentions ghosts. In what form do you think these ghosts are &#8211; metaphorically speaking? &#8211; felt in these very places?</strong></em></p>
<p>Many people died at the bullets of snipers that hid in the towers of the Battle of the Hotels, namely the Murr Tower and the Holiday Inn. These were intentional killings of whoever was on “the other side”, many of whom were innocent bystanders. So many people&#8217;s lives have been upended and disrupted because of this decision to invade the city. Many residents were kidnapped at checkpoints, or killed in massacres such as the ones I describe in “Markaz Azraq” and “Holiday Inn (January to March)”.  And later on, the green line that was created between east and west Beirut at the close of the battle of the hotels was such a dangerous space that it became empty of people and overcome with lush greenery, an abandoned strip of the city, for 15 years. These are the ghosts that still roam among us, since no justice was done about their killing.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35307" title="MAYSSA JALLAD 4 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER1.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>In large parts of the album, you give the hotel buildings a voice of their own and make them the protagonists and narrators of the very historic events. What brought you to this idea?</strong></em></p>
<p>Personifying buildings is a discovery I had in my last year in architecture at AUB. I realized that I had been associating different members of my family to different buildings I studied throughout my time in architecture school, and I proposed design ideas based on the different personas I associated with the buildings. Then, a few years later, when the idea of writing music about architecture came about, I wrote a song called “Madina Min Baeed”, in which I embody the city (you can check the lyrics in the music video description)… so I guess when the challenge of writing the battle of the hotels came up, the most instinctive tool was for me to write it from the point of view of the building, as a sort of weapon falling into different hands, forced to “color” itself depending on the invader.</p>
<p><em><strong>How big was the input of ideas that the other musicians involved brought into the project?</strong></em></p>
<p>The musicians I worked with had a huge impact on how the music of the album sounded. <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">Fadi Tabbal</a> is a co-writer, since he took my initial ideas that I wrote on acoustic guitar and started envisioning spatial qualities and sounds. Youmna Saba is a co-writer because I workshopped “Etel” and “Kharita” with her even before working with Fadi, and she brought in the idea of voice and melody as an expression of spatial quality, which really blew my mind. Sary Moussa is a co-author because he wrote the music of  “Holiday Inn March 21 to 29” fully, only based on what tracks were before and after. Farah Kaddour and <a title="Home Recordings: Tape-Debüt von Yara Asmar" href="http://africanpaper.com/2022/10/28/home-recordings-tape-debut-von-yara-asmar/">Yara Asmar</a> improvised their pieces based on minimal prompts from Fadi and me. Pascal Semerdjian’s drums were also very intuitive, very much made of his brilliant sensibility. Marwan Tohme lent me his guitar skills, and he and Julia Sabra became the choir in “Markaz Azraq”.</p>
<p><em><strong>All of the collaborators I know on the album have their own creative projects. Have you worked with any of them before? I assume you&#8217;ve known most of them for a while…</strong></em></p>
<p>I’ve worked with Fadi and Postcards  (Julia, Pascal and Marwan) with my previous band Safar. We’ve known each other for 10 years! Fadi produced Safar’s 4 EPs , performed with us on multiple occasions, and co-wrote a couple of songs with us too. Pascal played drums on Safar records, Julia recorded some backing vocals for us and Marwan performed with us in the last concert we did. We’re good friends and I love all their projects, whether Fadi’s solo work, the Bunny Tylers, Postcards, Sanam, or Fadi and Julia’s recent collaboration Snakeskin. I also met Youmna 10 years ago but this is the first time we worked together. I’m so grateful and admire her so much as a human and artist. I met Sary a few years ago and have always loved his work. Imbalance is a jewel! I met both Farah and Yara in 2021 during a music fellowship in Beirut called Onebeat. Farah and I are also working on a new performance together so it’s been great to get to know her wonderful spirit! Having all these talented musicians collaborate on my debut solo album was a blessing and a dream!</p>
<p><em><strong>How has the feedback been in your city or country so far? Were there any special reactions? I just saw excerpts of a beautiful release concert..</strong></em></p>
<p>Thank you! It’s been very good so far. I feel like people are ready to talk about this difficult history. The concerts have been very emotional moments, the silence and tension are so palpable. I really felt people wanted to listen, and understand the story. Younger people have come to me expressing their relief at finally hearing this history spoken about in the open. And older people have come to me relating their own personal stories about living the battle of the hotels. One person came up to me saying: “I always wondered why something like this wasn’t done before. You made it.”<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35306" title="MAYSSA JALLAD 6 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER1.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>What kind of discussion &#8211; in your home country, but also abroad &#8211; would you like to contribute to with your album and your ideas?</strong></em></p>
<p>I’d like people to understand that those who once destroyed the city can never be trusted to “rebuild” it, no matter how hard they try to clear their image. Each militia turned political party’s entire raison d’etre is based on dividing people. How can we build a country based on their ideology? Let us imagine a world without them!</p>
<p>On a global scale, I think everyone relates to this phenomenon of urban warfare, in a way or another: whether seeing your city transform based on the financial gains of a very few, or witnessing urban warfare in cities worldwide, Beirut is a case study of the worst case scenario, in more ways than one.</p>
<p>Y<em><strong>ou also work for PROCOL Lebanon, formerly named Relief Centre, who in their own description focus &#8220;on delivering inclusive and prosperous futures for communities impacted by mass displacement&#8221;. Do you see a strong connection between your historic research (including the album concept) and these present activities?</strong></em></p>
<p>I wrote Marjaa: the Battle of the Hotels based on the thesis that I wrote in 2017. Perhaps Marjaa 2 will be based on the research I’ve conducted with PROCOL Lebanon since January 2019… time will tell.</p>
<p><em><strong>So this project will see some other new facets in the future! Do you also think about completely new ideas?</strong></em></p>
<p>Not having to choose between music and architecture has been an incredible experiment, and I’m so grateful to those who believe in it and help make it a reality. For me, this is only the beginning for Marjaa.</p>
<p>Interview: U.S.</p>
<p>Fotos © Ely Dagher</p>
<p><strong>@ <a href="https://rupturedonline.com/">Ruptured</a> | <a href="https://rupturedthelabel.bandcamp.com/album/marjaa-the-battle-of-the-hotels">Bandcamp</a> | <a href="https://soundcloud.com/ruptured">Soundcloud</a> | <a href="https://www.instagram.com/mayssajallad/">Instagram</a></strong></p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/HyleYuh0miw" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
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		<title>111: Louis Carnell, Marta de Pascalis und Yara Asmar im Roten Salon der Berliner Volksbühne</title>
		<link>https://africanpaper.com/2023/03/16/111-louis-carnell-marta-de-pascalis-und-yara-asmar-im-roten-salon-der-berliner-volksbuhne/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Mar 2023 05:37:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Louis Carnell]]></category>
		<category><![CDATA[Marta de Pascalis]]></category>
		<category><![CDATA[Visionist]]></category>
		<category><![CDATA[Volksbühne]]></category>
		<category><![CDATA[Yara Asmar]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 13. April findet im Roten Salon der Berliner Volksbühne der Auftakt der von dem multidisziplinären Künstler Louis Carnell alias Visionist (u.a. Mute Records) kuratierten Veranstaltungsreihe 111 statt. Neben Carnell selbst, der laut Programmtext eine &#8220;Liveshow zwischen chorischen Ritualen, melancholischem &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/03/16/111-louis-carnell-marta-de-pascalis-und-yara-asmar-im-roten-salon-der-berliner-volksbuhne/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 13. April findet im Roten Salon der Berliner Volksbühne der Auftakt der von dem multidisziplinären Künstler <a href="https://mute.com/mute/parts-ways-from-visionist-alias-shares-transitional-track-fixed-is-the-day-weve-cast-our-lot">Louis Carnell alias Visionist</a> (u.a. Mute Records) kuratierten Veranstaltungsreihe 111 statt. Neben Carnell selbst, der laut Programmtext eine &#8220;Liveshow zwischen chorischen Ritualen, melancholischem Minimalismus und nachdenklich stimmender Poesie&#8221; aufführt, bei <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/03/Louis_Carnell_by_Matthew_Mumford.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-34529" title="Louis_Carnell_by_Matthew_Mumford" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/03/Louis_Carnell_by_Matthew_Mumford.jpg" alt="" width="1024" height="1118" /></a><span id="more-34525"></span>der Sounds aus einer Tonträgersammlung, die der Künstler von seiner verstorbenen Großmutter geerbt hat, erstmals auch seine Stimme zum Einsatz kommt, sind die Klangkünstleinnen Marta de Pascalis und Yara Asmar in separaten Performances zu sehen. Die Musikerin und Sounddesignerin <a title="MARTA DE PASCALIS: Anzar" href="http://africanpaper.com/2016/11/12/marta-de-pascalis-anzar/">Marta De Pascalis</a> (u.a. The Tapeworm, Morphine Records) arbeitet mit</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/03/marta_de_pascalis.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-34530" title="marta_de_pascalis" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/03/marta_de_pascalis.jpg" alt="" width="2560" height="2506" /></a></p>
<p>analogen Synthies und Tapeloops, deren Repetitionen laut Programmtext &#8220;ein Gefühl von dichter, dynamischer und kathartischer Distanz erzeugen&#8221;. Die in Beirut lebende Klang- und Puppenkünstlerin <a title="Home Recordings: Tape-Debüt von Yara Asmar" href="http://africanpaper.com/2022/10/28/home-recordings-tape-debut-von-yara-asmar/">Yara Asmar</a> kreiert verwunschene cinematisch anmutende Soundkollagen auf der Basis von Metallophonen, Akkordeon und diverser Elektronik.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/03/yara-asmar-performance-.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-34531" title="yara-asmar-performance-" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/03/yara-asmar-performance-.png" alt="" width="1734" height="1708" /></a></p>
<p>Mit ihren auf Hive Mind Records erschienenen Tape-Debüt, ihrem Beitrag auf der <a title="V.A.: Beirut Adrift" href="http://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">&#8220;Beirut Adrift&#8221;-Anthologie</a> sowie mit ihrer Partizipation an neueren Alben von <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Elyse Tabet</a> und <a title="MAYSSA JALLAD: Marjaa" href="http://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">Mayssa Jallad</a> (beide Ruptured Records) zählt sie zu den interessantesten Newcomerinnen im Bereich experimenteller Klangkunst.</p>
<p>Donnerstag, 13.04.2023<br />
Beginn 20:30 Uhr<br />
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz<br />
Roter Salon<br />
Linienstraße 227<br />
10178 Berlin</p>
<p>Fotos: © Matthew Mumford | © courtesy of artist | © courtesy of artist</p>
<p><a href="https://www.volksbuehne.berlin/#/de/veranstaltungen/111-series-presented-by-louis-carnell-yara-asmar"><strong>@ Volksbühne</strong> </a></p>
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		<title>MAYSSA JALLAD: Marjaa</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Feb 2023 06:22:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die libanesische Hauptstadt Beirut galt in den mittleren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als kulturell reizvolle und wirtschaftlich aufstrebende moderne Metropole, mit deren Image als internationale Projektionsfläche im Nahen und Mittleren Osten damals vielleicht nur Teheran mithalten konnte. Da die Stadt &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/02/fotor_1676653401559.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-33958" title="fotor_1676653401559" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/02/fotor_1676653401559-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die libanesische Hauptstadt Beirut galt in den mittleren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als kulturell reizvolle und wirtschaftlich aufstrebende moderne Metropole, mit deren Image als internationale Projektionsfläche im Nahen und Mittleren Osten damals vielleicht nur Teheran mithalten konnte. Da die Stadt bei Geschäftsreisenden und Urlaubern beliebt war, avancierte in den 60ern und frühen 70ern v.a. der Hoteldistrikt, ein <span id="more-33957"></span>umfangreiches Arreal im Nordwesten der Stadt unweit der großen Universität und der Strandpromenade, zu den architektonischen Symbolen des Booms. Fast mutet es wie eine grausame Ironie des Schicksals an, dass gerade dieser Ort und seine noch jungen (und teilweise unfertigen) Bauwerke schon bald, nämlich in den ersten Jahren des Bürgerkriegs 1975-76, zum Schauplatz der Ereignisse wurde, die eine lange Zeit des Leids und der Depression einleiten sollten.</p>
<p>Aufgrund ihrer strategisch interessanten Lage zwischen Meer und Innenstadt wurden die meist hohen und schnell leerstehenden Gebäude, die zuvor auch vielen Journalisten und Geheimagenten eine Unterkunft boten, zu einem hart umkämpften Ort für die verschiedenen Bürgerkriegsparteien, die sich sowohl anhand politischer Ideologien als auch anhand zum Teil internationaler Allianzen und nicht zuletzt religiöser Zugehörigkeiten definierten &#8211; Aspekte, die letztlich stark miteinander verflochten waren und die damals die Weichen stellten für teilweise bis heute bestehende Spaltungen innerhalb Beiruts. Die damals entstandene Separation der Stadt in einen muslimischen Westteil und einen christlichen Ostteil ist vielleicht nur die offensichtlichste.</p>
<p>Diese ersten Hochhäuserkämpfe der Geschichte, die bald als <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_the_Hotels">Schlacht der Hotels</a> bekannt wurden, wurden vielfach medial übertragen und waren in der Folge auch immer wieder Stoff für künstlerische Auseinandersetzungen z.B. in <a href="https://fann3arabi.wordpress.com/2008/10/04/lamia-ziade/">bildender Kunst</a> und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Circle_of_Deceit_(1981_film)">Film</a>. In mehrfacher Weise hat sich in der jüngeren Zeit die libanesische Sängerin und Musikerin <a href="https://www.youtube.com/watch?v=u4QtP9R7Ht8">Mayssa Jallad</a> (ehemals Safar) dem Thema gewidmet, die zugleich als Architektin und Hochschullehrerin arbeitet und vor wenigen Jahren ihre MA zum Battle of the Hotels verfasst hat. Sie sieht die Architektur als den eigentlichen Protagonisten dieses Kriegsabschnitts. Gerade hat sie auch ein &#8211; soviel sei vorweggenommen: beeindruckendes &#8211; Album zu dem Sujet fertiggestellt, das musikalisch ein ganz eigenes Terrain zwischen folkig angehauchter, klassischer arabischer Songwritermusik und experimenteller, cinematisch eingefärbter Soundart bewohnt, und an dem eine Gruppe an Gästen beteiligt sind, die sich wie ein halbes Who is Who der Beiruter Experimenalszene liest. Auf unseren Seiten war sie bereits Thema durch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HyleYuh0miw">ihren zusammen mit Khaled Allaf produzierten Beitrag</a> zur <a title="V.A.: Beirut Adrift" href="http://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">Compilation &#8220;Beirut Adrift&#8221;</a>, der &#8211; auch das sei vorweggenommen &#8211; wesentlich poppiger ausgefallen ist als das hier vorliegende Album.</p>
<p>&#8220;Marjaa&#8221;, das den Untertitel &#8220;Battle of the Hotels&#8221; trägt, hat den Plot eines Romans oder Films. In seinen ersten vier Songs geht das lyrische Ich durch eine Stadt der Wolkenkratzer und Korridore auf der Suche nach den alten, verschlungenen Wegen. Eine melancholische Schwere liegt in den mollastigen Melodiebögen, die Gitarre und Oud entspringen, und in dem Gesang, der wie verloren vom Wind hin und her geweht wird und von einer alten Straßenkarte erzählt, die einem Wege weist, die heute verbaut sind. Und man spürt die Geister dort, die Geister der Scharfschützen und all der anderen, die dort vor Jahren für die eine oder andere Seite gekämpft haben, an denen Rache geübt wurde oder die selbst Rächer waren und doch irgendwann selbst das Ziel einer Kugel wurden. Das Ende des alten Beirut der verwinkelten Gassen jedoch fand schon vor dem Krieg statt, doch es wurde (auch) von gerade den neuen Gebäuden verdrängt, die bald eine zentrale Funktion im Krieg haben sollten. Abgeklärt und einsam wirken diese ersten Tracks, bei denen Jallad von der Oudspielerin Youmna Saba, dem Gitarristen Marwan Tohme und dem Elektronik-Virtuosen Fadi Tabbal begleitet wird, doch es gibt auch Raum für versteckte Heiterkeit in &#8220;Baynana&#8221; und für aufwühlende Emotionalität in dem von hypnotischem Strumming geprägten &#8220;Mudun&#8221;, das eines der stärksten Stücke des Albums ist. An wenigen Stellen liegt der Schatten der Vergangenheit mit seinen Drohgebärden so schwer auf der Gegenwart.</p>
<p>Nach diesem Stück gibt es einen Szenenwechsel, denn von nun an werden die historischen Ereignisse selbst aus dem Blickwinkel einer ganz anderen Gruppe von Beobachtern betrachtet: Es sind die Hotels selbst, die während des Krieges die Kämpfe zwischen den &#8220;Blauen&#8221; (den christlichen Nationalisten) und den &#8220;Roten&#8221; (den pro-palästinensischen Linken aus der muslimischen Bevölkerung) hautnah &#8211; oder besser wandnah &#8211; erleben. Fast meint man, die historische Distanz im Klang der Musik und v.a. der Stimme zu spüren, die wie durch eine vergilbte Schicht ans Ohr dringt und zugleich ganz nah wirkt und einen ebenso nah an die Ereignisse heranzieht. Aus dem irreal anmutenden Rumpeln von &#8220;Haigazian&#8221; entwickelt sich die pulsierende Spannung von &#8220;Burj Al Murr&#8221;, in dem Pascal Semerdjians jazzige Drums mit gelegentlichen Exzessen die Kulisse bildet für einen schonungslosen Vortrag: Das Hotel beschreibt fast nüchtern die Vorgänge in seinem Körper, den roten Sniper, der durch die Augen des lyrischen Ichs tötet. Doch nichts bleibt wie es ist, die stoisch wirkende Beobachtung wandelt sich zur Klage vor dem Hintergrund apokalyptischer Snaredrums. Auch der feinsinnige Darkfolk von &#8220;Markaz Azraq&#8221; mit seiner straff gespannten Nylongitarre und dem fragilen Gesang transportiert diese abgeklärte Desillusioniertheit, aber manchmal reicht eine einzelne ins Wehmütige kippende Note, um das komplette Szenario in einen trostreichen Zauber zu tauchen. Unter der Oberfläche ist es die Geschichte einer flüchtigen Empathie, denn das Haus und all die darin und davor kämpfenden erleben die gleichen unerwarteten Gefühle.</p>
<p>Im ähnlichen betitelten &#8220;Markaz Ahmar&#8221; &#8211; es handelt sich dabei um zwei benachbarte Hotels, in denen es am gleichen Tag zu Kampfhandlungen kam &#8211; teilt sich Jallad den Gesang mit <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">Postcards-Sängerin Julia Sabra</a>, und man fühlt sich in einen abgedunkelten, von Rauch erfüllten Raum, und wieder ist die endzeitliche Stimmung mit Händen zu greifen. Wie Vergangenheit, Gegenwart und eine ungewisse Zukunft überblenden sich in &#8220;Al Hisar&#8221; die Geräusche von Motoren mit dem mystischen Klang einer Buzuk, deren erregtes Strumming wie ein Alarmsignal aus einer anderen, vielleicht verlorenen Welt erklingt. Dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Holiday_Inn_Hotel_Beirut">Holiday Inn</a>, das erst kurz vor Kriegsbeginn seine Türen öffnete und das für mehrere Monate Schauplatz der erbittertsten Kämpfe war, sind gleich zwei Stücke gewidmet, doch statt martialischer Töne wird hier eher die sich wie Klebstoff ziehende Zeit eingefangen in einer in Sirup paralysierten Stimmung und einem müde gewordenen Gesang. Die schweren Synthies von Sary Moussa tragen nicht unwesentlich zu diesem Gefühl bei, und nicht jeder hätte dies so überzeugend umgesetzt ohne dabei langweilig zu sein.</p>
<p>Wenn beim Ausklang von &#8220;Al Irth&#8221; Jallads klagender Gesang noch einmal, diesmal begleitet von den <a href="http://africanpaper.com/tag/yara-asmar/">Metallophonklängen der Künstlerin Yara Asmar</a>, unter ambientem Sirup erklingt und stärker im Ohr hängen bleibt als die gleichzeitig hörbaren Radiodurchsagen, ist auch etwas beruhigendes spürbar, das schwer zu deuten ist. Entspringt es einem zwiespältigen Gleichmut, der auf die Erschöpfung folgt? Oder einer schüchternen Freude darüber, dass das schlimmste zumindest für diese Protagonisten aus Stahl, Beton und Glas vorbei ist? Man muss diese Fragen nicht beantworten, v.a. wenn man nie selbst involvierter Zeuge von Häuserkämpfen war und Kriege nur aus Medien kennt.</p>
<p>Es waren wohl v.a. die Kämpfe im und um das Holiday Inn, heute ein gruseliges skelletartiges Mahnmal, welche die Teilung der Stadt besiegelten. Heute, aus dem Blickwinkel einer Generation, deren Lebenswelt vielfach von der Nachwirkung dieser Ereignisse geprägt ist und die ihre ganz eigenen Konflikte auszutragen hat, sollte &#8220;Marjaa&#8221; vor allem eines sein: Ein Stück Erfahrung, weitergegeben in einem ästhetisch großartigen musikalischen Werk, auf das sich die darin eingefangenen Ereignisse nicht in der einen oder anderen Form wiederholen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
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		<title>ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2023 04:37:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Kein leises, bedächtiges Intro führt einen behutsam in die Welt von &#8220;Low Toms Bright Bells and Darkest Spells&#8221;, denn das Album, das Elyse Tabet zusammen mit zwei weiteren interessanten libanesischen Musikern &#8211; Pascal Semerdjian und Yara Asmar &#8211; aufgenommen hat, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/12/lowtomsbrightbellsanddarkestspells.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-33011" title="lowtomsbrightbellsanddarkestspells" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/12/lowtomsbrightbellsanddarkestspells-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Kein leises, bedächtiges Intro führt einen behutsam in die Welt von &#8220;Low Toms Bright Bells and Darkest Spells&#8221;, denn das Album, das Elyse Tabet zusammen mit zwei weiteren interessanten libanesischen Musikern &#8211; Pascal Semerdjian und Yara Asmar &#8211; aufgenommen hat, beginnt gleich mit einer erwartungsvollen Spannung. Ein dezentes, aber kaum leises elektronisches Vibrieren bildet den federnden Hintergrund für kraftvolle Drums, die über <span id="more-32990"></span>weite Strecken den vorderen Bühnenrand des ersten Stückes &#8220;Low Toms&#8221; einnehmen. Eine mitreißende und gleichsam hypnotische Stimmung entsteht, die von bald hinzukommenden Glockenklängen nicht angetastet, aber in ein ganz anderes Licht getaucht wird.</p>
<p>&#8220;Low Toms Bright Bells and Darkest Spells&#8221; entstand in mehreren Jam Sessions und war in seiner nun vorliegenden Form vielleicht nicht einmal geplant. <a href="http://africanpaper.com/tag/elyse-tabet/">Elyse Tabet, die früher unter dem Namen Litter auftrat und mittlerweile zwei Alben veröffentlicht hat</a>, improvisierte zunächst spontan mit dem von der Band Postcards her bekannten Drummer Pascal Semerdjian &#8211; eine Session, bei der die akustischen Klänge von Pascals Tomtoms mit Elyses modularen Synthies und Drummachines in Dialog traten. Später improvisierte Elyse mit der gerade aufstrebenden <a title="Home Recordings: Tape-Debüt von Yara Asmar" href="http://africanpaper.com/2022/10/28/home-recordings-tape-debut-von-yara-asmar/">Klangkünstlerin Yara Asmar</a>, die mit ihrem klingelnden Idiophon, eventuell einem Glockenspiel, Stoff für weitere Stücke beitrug und bereits vorhandenes ergänzte. Aus dem Zusammenspiel der drei und ihrer Klangquellen entstand ein interessanter musikalischer Kosmos.</p>
<p>Das Herzstück des nur knapp über eine halbe Stunde langen Albums sind die ersten drei Stücke, in denen jeweils einer der Sounds wie in einem Tanz für drei die Führung übernimmt. Aber die Grenzen sind in der Hinsicht fließend, größere Veränderungen gibt es eher in puncto Gangart und Atmosphäre. Ist &#8220;Low Toms&#8221; noch ein eher aufgeräumtes Stück, bei dem sich ruhige und unruhige Passagen deutlich abwechseln, so ist das folgende &#8220;Bright Bells&#8221; weitaus vertrackter und wechselhafter: Ein zackig rhythmischer Auftakt leitet ein heiteres Durcheinander ein, bei dem hölzern klingende Glöckchen und allerhand Perkussives um die Vorherrschaft kämpfen, während sich melodische Strukturen drunter schieben. Gelegentlich drängen sie für Momente in den Vordergrund, und fast unbemerkt entsteht im Hintergrund wieder ein neuer Rhythmus. Es bleibt spannend und wird manchmal geradezu dramatisch, und dass man irgendwann ganz hypnotisiert ist, merkt man vielleicht erst wenn ein fast schriller Synthiesound jede Regression durchkreuzt, und man das Gefühl hat, einen neuen Raum zu betreten. Dieses kurze Stück unter fünf Minuten ist so opulent wie ein ganzer Film.</p>
<p>&#8220;And Darkest Spells&#8221; wirkt zunächst weitaus verzogener und abstrahierter, in seinem basslastigen Rumoren scheinen die Toms und die Bells im Hintergrund hörbar, und man fragt sich irgendwann, in welche Richtung die Reise hier geht. Doch wer sich zu früh eingelullt fühlt, wird irgendwann aufgeschreckt werden durch etwas, das an Propeller und Sirenen erinnert, während es kontinuierlich klopft und pocht. Ist es das Pochen eines Herzens, dass man hier hört, oder das verzweifelte Klopfen eines Menschen, der sich aus einer Kiste zu befreien sucht? Die entsprechenden Passagen in der Mitte dieses Stücks gehören zum beängstigendsten, das dieses Album zu bieten hat. Irgendwann scheint sich die Lage zu beruhigen und es kommen zahlreiche neue Sounds – Kreisendes, Pochendes, entspannte, liebliche Glöckchen und etwas, das in die Länge gezogene idiophone Klänge sein könnten – hinzu. Bisweilen wirkt das Stück wie ein Ausschnitt von etwas Umfangreicherem, das keinen wirklichen Anfang und kein wirkliches Ende hat &#8211; oder wie die Suche nach etwas Unbekanntem, die durch verschiedene harmonische und weniger harmonische Regionen führt.</p>
<p>Die Offenheit des Ganzen wird dann auch noch durch die beiden Tracks &#8220;Long Toms Through The Paper Shredder&#8221; und &#8220;Bright Bells (Bana Haffar Remix)&#8221; untermauert, die man theoretisch als Bonustracks betrachten kann, da sie anscheinend vorhandenes Material noch einmal neu umsetzen. &#8220;Long Toms&#8230;&#8221; wirkt zum Teil wie unter Wasser aufgenommen, es mutet zunächst ungeordneter an, doch das ist nur der erste Eindruck. Seine verschiedenfarbigen Glockenklänge leiten über in den mit ambienten Flächensounds startenden &#8220;Bright Bells&#8221;-Remix, doch das fast kosmische Ambiente nach Art der elektronischen Avantgarde wird mit der Zeit rauer und verzerrter und wie Landmarken strecken sich perkussive Klangbrocken in die Luft. Irgendwann zieht einfach jemand den Stecker heraus.</p>
<p>Trommeln, Glocken und dunkelste Verwünschungen &#8211; so lakonisch wie der Schluss ist auch der Titel, der nur die Hauptzutaten der klanglichen und atmosphärischen Mixtur benennt. Bei genauerem Nachdenken und Hinhören fällt natürlich schnell auf, wie viel das ist und welche Weite diese Komponenten zu erzeugen imstande sind. Das Resultat ist ein zwaz kompaktes, aber opulentes Album, das an keiner Stelle auch nur annähernd so etwas wie Längen aufweist. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong><!--/data/user/0/com.samsung.android.app.notes/files/clipdata/clipdata_bodytext_221223_145337_607.sdocx--></p>
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