Ein dunstiger, prasselnder Beginn, aus dem sich langsam ein massiger, matschiger Soundbrei erhebt, perkussiv, verzerrt, unberechenbar – so startet der rund zehnminütige Opener des “The Voice of Death” betitelten Debüts des Duos I Am Providence. Amanda Votta, deren Stammprojekte wie Deep Fade und The Spectral Light wir bereits mehrfach vorgestellt haben und der Noise-Gitarrist Roy K Felps a.k.a. RKF (Körperschwäche) haben hier ein Werk geschaffen, das sich wie ein Kommentar zu einer Welt anfühlt, die unaufhaltsam auf ihren eigenen Zusammenbruch zusteuert und das Lärm als Ausdruck von Wut, Erschöpfung und Erkenntnis einsetzt.
“Kill Them All And Come Back Alone” heißt der nicht gerade subtile Titel des Eröffnungsstücks, das zwischen sirenenhaften Gesängen und schneidenden Riffs eine Destruktivität ins Werk setzt, die, zumindest dem Eindruck nach, nicht verherrlicht wird, sondern sich selbst seziert. Das darauffolgende “Sleepwalking on Unholy Ground” steigert diese Atmosphäre, ein Stück, das mit jeder Minute dichter, aggressiver und verzweifelter wird. Vottas Stimme oszilliert zwischen rauem Heulen, flüchtigen Momenten der Sanftheit und einer fast körperlich spürbaren Erschöpfung, und immer mal wähnt man sich am Beginn eines furiosen keifenden Ausbruchs, der nie wirklich eintritt, aber als nie ausgeschöpfte Möglichkeit seine geisterhafte Präsenz feiert.
Auch “The Mushrooms That Grow in the Soil of a Shallow Grave” und “The Witch Who Brings the Plague” wirken wie Fieberträume – von hypnotischer Repetition getragen, eruptiv, morbid, in ihrer Verlorenheit aber keineswegs ohne greifbare Form. Das fast zwanzigminütige “Spectral Insomnia” schließlich ist das Herzstück des Longplayers. Es lässt ein Wechselspiel aus Rauschen, Dröhnen, Stimme und metallischen Einschüben entstehen. Einmal breit und gewaltig, dann wieder fragil und dünn, erinnert es an ein Album im Album, in dem sich alle Spannungen des Projekts bündeln. Zu seinen stärksten Momenten zählt die fast schwebende, wellenförmig repetierte Stimmarbeit, die einmal mehr wie der Auftakt eines letztlich nie vollzogenen Ausbruchs anmutet. “Final Moments” schließt das Werk mit einem letzten Aufbäumen: prasselnd, schrill, endzeitlich mit elektrifizierten Todesschreien, die den Bogen zum Albumtitel schlagen.
“The Voice of Death” ist keine Pose und, trotz Veröffentlichungsdatum an Halloween, kein düsteres Spiel. Es ist, wie Votta selbst sagt, “geboren aus Zorn über die Maschinen des Krieges und den todeskultartigen Kapitalismus, der sie nährt”. Die Musik wird hier zum Widerhall einer Welt, die im eigenen Lärm versinkt, aber auch – wenn der Ausdruck nicht zu pathetisch ist – zum Versuch, inmitten dieses Lärms noch ein Stück Wahrheit hörbar zu machen.
Label: Cruel Nature Records