V.A.: All My Sins Remembered II The Sonic Worlds Of John Murphy

Der vor einigen Jahren verstorbene John Murphy schien oft omnipräsent, man sprach von einem „Urgestein“ des Industrials, einer „Ausnahmefigur“ und es dürfte schwer sein, all die Projekte, an denen er in irgendeiner Form beteiligt war, komplett zu überblicken. 2016 erschien auf The Epicurean der erste Teil einer (mehr als) Hommage an Murphy und sein (Lebens-)Werk: Weiterlesen

SIAVASH AMINI: A Trail Of Laughters

Bei einem Album voll derart düsterer Ambient-Soundcapes wie Siavash Aminis „A Trail Of Laughters“ liegt es nahe, sich das im Titel vorkommende Lachen als fieses, bedrohliches Gelächter vorzustellen. Oder als ein erloschenes Lachen, das nur noch eine dünne Spur in einem dunklen Raum hinterlässt, eine Spur, die ins Leere weist. Weiterlesen

LLOVESPELL: That Summer There Was No Honey

Obwohl viele es versuchen, gelingt es nur wenigen, das oft so widersprüchliche Emotionsgemisch, das im New Wave der frühen 80er perfektioniert wurde, zu neuem Leben zu erwecken: eine hypnotisierende Monotonie, die resigniert und aufwühlend zugleich sein kann, eine Mixtur aus Klängen, Stimme und Worten, die oberflächlich betrachtet reduziert und kühl wirkt, bei genauerem Hinhören aber eine große Feinfühligkeit offenbart. Weiterlesen

A Sense Of Unease Or Of Something Haunted. Ein Interview mit Grey Malkin

Etwas mehr als vier Jahre ist es nun her, dass die schottischen The Hare And The Moon das Ende ihrer Aktivitäten bekanntgaben. Wäre es danach wirklich still geblieben um deren Gründer Grey Malkin, würde man sich heute wahrscheinlich an sie erinnern wie an einen langsam verblassenden surrealen Traum und sich fragen, ob es sie je wirklich gab. Die Obskurität der Mitglieder, die niemals ihre Namen und Gesichter preisgaben, vor allem aber die ebenso Weiterlesen

FOVEA HEX: The Salt Garden (Landscaped)

Clodagh Simonds’ Projekt Fovea Hex ist auf diesen Seiten immer wieder Thema gewesen. Bei der Besprechung ihres Albums „Home Is Where We Used To Sing“ hieß es hier: „Clodagh Simonds, in den 60ern Vokalistin bei Mellow Candle und später kurzzeitig Gastsängerin bei u.a. Thin Lizzy und Mike Oldfield, spielte mit Hilfe einer Reihe von Musikern [...], deren größter gemeinsamer Nenner die Lust am Experiment, am (Durch-)Brechen von Konventionen war Weiterlesen

LEVEN SIGNS: Hemp Is Here

In einer weniger von erratischen Zufällen und Wendungen geprägten Welt wären die Engländer Leven Sings vielleicht eine der wichtigsten Bands des späten 20. Jahrhunderts geworden. Doch Pete Karkut und Maggie Turner waren ebenso getriebene wie umtriebige Geister, und so wehte der Wind der Zeit die beiden ebenso schnell wieder in unterschiedliche Richtungen, wie er sie zufällig Anfang der 80er in London zusammenbrachte. In den wenigen Weiterlesen

GOVERNMENT ALPHA: Drizzy Equinox

Mit dem Tape “Drizzy Equinox” erschien vor wenigen Monaten kein neues Material des japanischen Noise-Veteranen Government Alpha, denn die drei Tracks entstanden bereits im Jahr 2007, als das amerikanische Abhorrent A.D.-Label gerade neu gegründet wurde. Aus mir nicht bekannten Gründen stellte das Haus jedoch kurz darauf seine Aktivitäten wieder ein bis zur Neugründung knapp zehn Jahre später. Dass die Weiterlesen

XAVIER CHARLES / BERTRAND GAUGUET: Spectre

Die beiden Improvisationsmusiker Xavier Charles und Bertrant Gauguet haben ihre Instrumente – Klarinette und Altsaxophon – seit jeher gerne in die unterschiedlichsten Kontexte gepflanzt, um ihren spezifischen Klängen ungewöhnliche Kontraste abzutrotzen. Dabei richtete sich ihr Interesse immer wieder auf die untypischen, mit unerfahrenen Ohren nur schwer verortbaren Äußerungen des jeweiligen Instruments. Vielleicht kann man in Weiterlesen

V.A.: …The Wild World Itself Is Holy

Flesh Prison ist ein noch junges, selbstorganisiertes Label, das nach einem Umzug aus LA nun in Kanada ansässig ist. Minimal Synth und rezitative Spoken Words-Arbeiten gehören ebenso zu ihren Markenzeichen wie ein Hang zu Occulture und einer anarchischen Queerness fernab gängiger Klischees. All dies ist in seiner Ernsthaftigkeit weit entfernt von nerdigen Hipsterflausen und könnte aufgrund seiner offenen Art doch an vielen Stellen andocken. Weiterlesen

TROUM: Vorbei der Tod

Es mag vielleicht banal und offensichtlich klingen, da es schon im Namen des Duos steckt, aber Troum haben sich im Laufe der inzwischen doch recht langen Karriere immer wieder auf Träume bezogen und ihre Arbeiten davon inspirieren lassen, so etwa vor vielen Jahren auf ihrer fantastischen „Tjukurpa“-Trilogie, die auf die Traumzeit der Aborigines verwies. Weiterlesen

ASHTORETH / GREY MALKIN: Heretic

Die Geschichte über den titelgebenden Häretiker, die der belgische Ritualdröhner Ashtoreth und der schottische Darkfolker Grey Malkin hier in wundervollen Klängen erzählen, macht keinen Hehl aus der Düsternis, die immer wieder in ihre folking angehauchten, aber nie nur akustischen Klangwelten einbricht. Gerade Vor- und Abspann nämlich, die Stücke “The Silver Bough” und “Gathering” schaffen mit Weiterlesen

DAVID TIBET: Ferelith / Fontelautus

Als in der Prä-Coronazeit, die sich inzwischen Äonen entfernt anfühlt, David Tibet zwei (von insgesamt fünf) Soloalben ankündigte, da war man schon etwas erstaunt, denn zum einen ist jedes Projekt, an dem Tibet beteiligt ist, durch seinen Vortrag, seine Texte und Konzepte enorm stark von ihm geprägt, zum anderen benötigte er von Anfang an immer (musikalische) Partner, um seine Visionen klanglich umzusetzen. Weiterlesen

EFFE EFFE: Tuning Scapes

Mit “Tuning Scapes” veröffentlicht Federica Furlani, die unter ihren italienisch ausgesprochenen Initialen Effe Effe firmiert, ihre erste EP, doch das Debüt hat einen Vorlauf von mehreren Jahren. In dieser Zeit erkundete die Klangkünstlerin und Bratschistin die Möglichkeiten, die in der Überblendung und manchmal auch Synthese elektronischer und akustischer, analoger und digitaler Klangerzeugung stecken, wenn es darum geht, einen auditiven Zugang zur Welt zu finden und vielleicht auch Weiterlesen

V.A.: My Universal Hammer – Enko Landmann’s Scary Songbook Of Horrors

Es gibt wenige Sparten, in denen der 1962 in Rumänien geborene Enko Landmann nicht wenigstens einmal unterwegs war, und so hat der Autor, Universalgelehrte und Grand Seigneur des anspruchsvollen Heftromans (O-Ton Label) auch schon als Filmemacher und Aktionskünstler von sich reden gemacht. Zwei Leitmotive, die sich wie blutrote Fäden durch sein Werk ziehen, sind sein Faible für klassische Grusel- und Horrorgeschichten und sein Hang, alle dies mit dem gebotenen Schalk anzugehen. Auch in der Weiterlesen

GOLEM MECANIQUE: Luciferis

Es gibt wohl wenig einflussreichere Werke der europäischen Geistes- und Literaturgeschichte als die Divina Commedia des Dante Alighieri. Zahlreich bis zahllos sind die Künstler, die sich auf den Text und die über die im Lauf der Jahrhunderte entstandenen Illustrationen anderer Künstler beziehen: Berühmt sind die Bilder des von Peter Ackroyd so titulierten „Cockney visionary“ William Blake, noch omnipräsenter sind Gustave Dorés Illustrationen (von denen eine auch das Cover des neuen Albums von Golem Mecanique ziert), Weiterlesen

ASTARON: s/t

Viele werden beim ersten Blick auf das Cover des Albumdebüts von Astaron nicht ganz zu Unrecht auf eine Musik irgendwo in der Nähe von Malaria! oder X-Mal Deutschland tippen – “tippen” deshalb, weil das in Österreich legendäre Post Punk-Duo auf internationalem Parkett immer ein Geheimtipp war und im Laufe der Jahrzehnte erst recht in Vergessenheit geraten ist. Letzten Herbst kam Weiterlesen

THE OLD DREAM OF SYMMETRY: Interdigitate

Schon auf ihrer jüngsten EP “Mission Creep” demonstrierten Felix-Florian Tödtloff und Will Gresson alias The Old Dream Of Symmetry ihre stilistische Ungreifbarkeit und brachten eine Mixtur aus ambienten Klangflächen, verzerrten Noisegitarren, verbummelter Americana und einigem mehr unter einen Hut. Das vor kurzem erschienene Album “Interdigitate” ist aus ähnlichen Materialien gebaut und demonstriert vielleicht noch etwas deutlicher, dass ein solcher Zickzackkurs nicht richtungslos sein muss. Weiterlesen

JULIO TORNERO: Palingenisia

Im Werk Julio Torneros scheinen Reflexionen an der Schnittstelle von Esoterik und Metaphysik eine Rolle zu spielen – Reflexionen, die allerdings vage bleiben, da Textliches in seiner Musik seit dem Ende von songorientierteren Projekten wie Antiguo Régimen keinen sehr zentralen Stellenwert mehr haben und sich oft nur in den andeutungsreichen Titeln von Alben und Tracks äußern. “Palingenisia”, das fast Weiterlesen

GUY HARRIES: Light Machine

Guy Harries hatte sicher ganz eigene Gründe, sein vor einigen Wochen erschienenes Album “Light Machine” zu nennen. Eine Sache allerdings, die sofort ins Auge fällt, ist die dem Licht ganz ähnliche Ungreifbarkeit seiner elektroakustischen Sounds, und das trotz der fast songhaften Eingängigkeit ihrer Gestalt. “Light Machine” ist ein Album, auf dem sich vieles überblendet und scheinbar alle Elemente immer wieder Weiterlesen