NONCONNAH: Dead Roses, Digged Up Zombies, Broken Pieces Of Diamonds, Live Cats

Das aus Zachary and Denny Corsa bestehende „doomy dronegaze collective“, das selbst erklärt, „damaged hymns from the broken Mid-South“ zu spielen und seit einigen Jahren in Memphis ansässig ist, veröffentlicht mit „Dead Roses, Digged up Zombies, Broken Pieces of Diamonds, Live Cats“ das zweite Album. In dem Interview, das wir letztes Jahr führten, wies Zach darauf hin, dass „The Gloom And The Glowing“, das erste Album des aus Lost Trail Weiterlesen

O3: Trashumancia

Nachdem O3 nach ihrem vor ganzen zehn Jahren veröffentlichen Debüt nichts mehr unter dem Namen heraus gebracht hatten, kommt ihre jüngst erschienene CD Trashumanicia ziemlich überraschend, v.a. wenn man wie der Verfasser die Zusammenarbeiten des Trios in der Welt des Tanz und des Zirkus und mit verschiedenen Musikerkollegen verpasst hat. Weiterlesen

DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND: Wish I Weren’t Here

In der allgemeinen Vorstellung ist die große Zeit der Psychedelik immer noch sehr an die Hippiekultur mit all ihren Nettigkeiten gekoppelt. Verwegenheit, Wagemut, Machismo und ein Schuss cooler Zynismus haben darin wenig Platz und sind als Kehrseite des Idylls doch wichtige Bestandteile des ganzen Phänomens, das damit ein gutes Stück näher an seine Wurzeln im Rock’n'Roll kommt. Albin Julius und seine Infinite Church of the Leading Hand sind seit einer gefühlten Ewigkeit zweierlei – zum einen Weiterlesen

CURRENT 93: Invocations Of Almost

Als David Tibet und Steven Stapleton vor etlichen Jahren eine gemeinsame Ausstellung ihrer visuellen Werke im Londoner Horse Hospital hatten, wurde eine Doppel-CD veröffentlicht, auf der Musik für die Ausstellung zu finden war. Stapleton überarbeitete später den lapidar „Salt“ betitelten Track, und daraus wurde als „Salt Marie Celeste“ sicherlich eine der stärksten Veröffentlichungen Nurse With Wounds; das Current 93-Beitrag war ein weitgehend instrumentales Weiterlesen

COÀGUL / ESCAMA SERRADA: Sub Luna Regis

Coàgul und Escama Serrada, zwei mittlerweile schon erfahrene Soloprojekte, verkörpern im Unterschied zu Ô Paradis und Comando Suzie den weniger poppigen Teil des geheimen katalanischen Undergrounds. Seit Jahren stehen Marc O’Callaghan und Sergio Mendez im freundschaftlichen und musikalischen Austausch, traten bereits zusammen in einem Film auf, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ein gemeinsames Projekt entstand. Die vorliegenden Aufnahmen entstanden bereits vor ein paar Jahren und erblickten vor kurzem auf der LP „Sub Luna Regis“ das Licht der Welt. Weiterlesen

KIN LEONN: Commune

Hohe, fast gläserne Pianowirbel, sanft gehüllt in eine Wolke aus Hall, ziehen scheinbar ziellos ihre Kreise. Langsam bummelnd durch elektronische Streicherspheren, energisch suchend im rauschenden Regen. Sanfte Muster zeichnend oder schnell galoppierend vor kryptischen Vokalschnipseln, als beinahe ruhende Tupfer, die in dröhnend hallenden Ambientlandschaften nahezu verschwinden. Weiterlesen

ANGELINA YERSHOVA: Cosmo Tengri

In den letzten Jahren hat die aus Kasachstan stammende Komponistin Angelina Yershova eine ganze Reihe an Alben herausgebracht, die weitestgehend im Grenzbereich zwischen verspielter Elektronik und Klavierkompositionen in der Tradition der melodischeren Minimal Music zu verorten sind. Cosmo Tengri stellt in vielfacher Hinsicht eine Erweiterung ihres Spektrums und eventuell auch einen Richtungswechsel dar, denn nie zuvor war Yershovas Musik Weiterlesen

BLACK TO COMM: Seven Horses for Seven Kings

Man mag es nicht glauben und zunächst für taktische Tiefstapelei halten, aber “Seven Horses for Seven Kings” ist das Resultat einer großangelegten Resteverwertung. Marc Richter, der Mann hinter dem seit Mitte des vorigen Jahrzehnts bestehenden Projekt Black To Comm und nebenbei Chef des Dekoder-Labels, hat nach seinem noch eher ambienten selbstbetitelten Album (Type Records 2014) primär Auftragsarbeiten angewandter Musik produziert. Aus all denjenigen Passagen, die dafür Weiterlesen

ORDEAL BY ROSES: s/t

Vor einigen Monaten erschien im Schweizer Kein und Aber-Verlag eine Neuübersetzung von Yukio Mishimas autobiographischem Roman Geständnisse einer Maske. Wer dort liest, wie das Erwachen (homo)sexuellen Verlangens und die Verknüpfung von Sexualität mit Gewalt(fantasien) und Tod thematisiert werden, der braucht nicht mehr das Werk Freuds und Batailles zu bemühen. Weiterlesen

WILLIAM BASINSKI: On Time Out Of Time

Letztlich sind fast alle Arbeiten William Basinskis Auseinandersetzungen mit (dem Wesen) der Zeit. Was die Zeit alles zersetzen kann, spielte eine zentrale Rolle in Basinskis wohl bekanntestem und inzwischen auch schon mehrfach orchestral aufgeführten Werk „The Disintegration Loops“ und auch der Titel seiner Bowiehommage machte dies deutlich. Weiterlesen

ROMA AMOR: Miraggio

Der Chanson ist am ehesten in dunklen Gassen französischer Altstädte und in zwielichtigen Hafenvierteln mit ihren Bordellen und Kaschemmen zuhause, und am stärksten ist er, wenn er nach Tobak riecht und eine Fuselfahne vor sich herträgt. Der Chanson ist aber auch ein durchaus experimentierfreudiger Zeitgenosse, der sich auch in etwas vornehmeren Cafés zu benehmen weiß, sich dem Jazz und sogar – man denke nur an den großartigen Leo Ferré – der Avantgarde anzunähern versteht, und dass er auch eine hippieske Seite hat, ist längst ein offenes Geheimnis. Weiterlesen

JOOLS HOLLAND / MARC ALMOND / THE RHYTHM AND BLUES ORCHESTRA: A Lovely Life to Live

Wenn es etwas Offensichtliches gibt, dass Jools Holland und Marc Almond gemeinsam haben, dann ist es – abgesehen vom Most Excellent Order of the British Empire, den beide Künstler bereits für den Rang eines Officer verliehen bekamen – die kreative Dauerrotation, das Interesse an Kollaborationen quer durch viele Musikgenres und das enthusiastische Fantum, mit dem der Pianist und BBC2-Moderator und die Sängerlegende ihre kleinen und großen Helden ins eigene Werk einbeziehen. Weiterlesen

SPIRES THAT IN THE SUNSET RISE: House Ecstatic (Cover Your Blood)

Es gibt wenige Künstler, die ein solch eigenwilliges Werk wie die nach einer Zeile aus einem Gedicht von Baudelaire benannten Spires That In The Sunset Rise veröffentlicht haben. Der von ihnen gespielte Folk ist/war tatsächlich und im besten Wortsinne „weird“. Nachdem sie zwischenzeitlich zu einem Quartett angewachsen waren, sind sie seit einigen Jahren nur noch ein aus Ka Baird und Taralie Peterson bestehendes Duo.

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THE NENT: Vulner

“Vulner” ist ein Debütalbum, doch Vince Gagliardis Projekt The Nent hat bereits eine lange Vorgeschichte. Seit den Jahren nach 2000 sammelt der Wahlberliner Sounds aus alltäglichen und weniger alltäglichen Quellen, archiviert, bearbeitet und kombiniert diese zu feinsinnigen Ambienttexturen. Unter seinem Projektnamen verbindet er sie mit Bild, Film und Performance und teilte sich die Bühne bereits mit Musikern wie William Basinski, Phurpa, Treha Sektori und Sarah Lipstate, um nur einige der bekannteren zu nennen. Weiterlesen

KEL ASSOUF: Black Tenere

Anana Ag Haroun und seine Band Kel Assouf zählen seit dem Debüt “Tikounen” zu den innovativsten und kompromisslostesten Musikern am südlichen Rand der Sahara – das schrieb u.a. auch der Guardian, der für die schwer zu kategorisierende Stilmischung und die ethnische Herkunft der Band noch den Begriff Tuareg verwendete. Haroun selbst zieht die Begriffe Ishumar für die Musik und Kel Tamashek für die Volksgruppe vor, weil sie keine Fremdbezeichnungen und obendrein spezifischer sind. Mit Purismus hat dieser Anspruch allerdings Weiterlesen

AXEBREAKER: Brutality In Stone

Man hat oft den Eindruck, dass Vertreter von Power Electronics unter enormem Kongruenzdruck stehen, da fortwährend gezeigt werden muss, dass extreme Musik immer auch extremer Inhalte bedarf. Whitehouse, auf deren „Erector“-Album die Gattungsbezeichnung zurückgeht, haben mit ihren in der ersten Hälfte der 80er Jahre entstandenen Arbeiten (musikalisch wie vor allem ästhetisch-inhaltlich) Blaupausen für das geliefert, was das Genre die nächsten Jahrzehnte (häufig) prägen sollte: Weiterlesen

OCTAVIO: Earnest Lie

Immer wieder begegnet man kreativen Arbeiten, die wie aus Zufall entstanden wirken, und die doch eine innere Stimmigkeit aufweisen, von denen manch ein durchkonzipiertes Erzeugnis nur träumen kann. Beim bislang einzigen Tape des in Berlin lebenden Argentiniers Octavio Garabello darf man kein Soundfanatiker sein und sollte den Lofi-Charm nonchalanter Homerecordings würdigen können – unter dieser Voraussetzung kann man eine launige Kollage fragmentierter Songgebilde im Beach Boys-Style genießen, die sich schnell Weiterlesen

TREHA SEKTORI: The Sense Of Dust And Sheer

Ein Merkmal, das Treha Sektori aus der Menge an rituellen Ambientprojekten herausragen lässt und vielleicht nicht einmal intendiert ist, ist das Spannungsgefüge zwischen der entspannten Ruhe der gleitenden Klangflächen und einer versteckten, nie ganz im Zaum gehaltenen Unruhe, die sich deutlich in den Performances des Franzosen, aber auch subtil in all seinen Aufnahmen findet. Das aktuelle Release kingt so kohärent wie ein Album, ist aber eine Zusammenstellung von Tracks, die z.T. bereits für Filme und Weiterlesen

JOZEF VAN WISSEM / JIM JARMUSCH: An Attempt to Draw Aside the Veil

Der Lautenspieler Jozef van Wissem und Jim Jarmusch haben schon häufiger zusammengearbeitet: Von ihrem Soundtrack für Jarmuschs großartige Vampirmeditation „Only Lovers Left Alive“ bis zu einer Reihe von weiteren Alben. Nach einigen Jahren kommt mit „An Attempt to Draw Aside The Veil“ ein weitgehend instrumentales Album, auf dem sich die beiden auf drei Personen beziehen, die alle auf Weiterlesen