KUUNATIC: Gates of Klüna

Kuurandia, so will es die Saga, ist ein Planet irgendwo in einer versteckten Ecke des Universums, und er hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Band Kuunatic (von der böse Zungen immer wieder behaupten, sie seien ein Trio aus Tokio bestehend aus Fumie C. Kikuchi, Shoko Yoshida und Yuko Araki) schickten sich vor einigen Jahren an, uns den epischen Stoff des von kargen Landschaften geprägten Ortes und seiner Weiterlesen

SIMON BALESTRAZZI / NICOLA QUIRICONI: Licheni

Vielleicht haben Simon Balestrazzi und Nicola Quirincioni ihr erstes Duett deshalb nach dem Lichen bzw. der Flechte benannt, weil in ihrer Musik die unterschiedlichsten Komponenten wie in einem riesigen Netz immer wieder mit einander verknüpft sind: Mechanisches und subtile Elektronik, dezente Dröhnung aus verschidenen Quellen, die menschliche Stimme in “unmusikalischen” Äußerungen und einiges mehr dockt immer wieder in unregelmäßigen Abständen aneinander an, geht auseinander hervor, bildet immer wieder andere Knoten. Weiterlesen

BEN OSBORN: The Fire EP

Ben Osborn, der in Berlin lebende Sänger, Dichter und Virtuose an mehreren Instrumenten, ist bei weitem nicht der einzige Musiker, um den es seit Beginn der Pandemie etwas ruhiger geworden ist. Nun ist er zurück mit einer furiosen kleinen EP, die – ihrem Titel entsprechend, möchte man sagen – vor Leidenschaft fast zu zerbersten droht. Weiterlesen

JOURNEY OF TARO: Gamelan Sketches

Was Adrien Naber, der sein Projekt Journey of Taro nennt, auf seiner LP “Gamelan Sketches” herausbringt, ist ein vielschichtiges musikalisches Palimpsest, dem nicht nur alte Traditionen, sondern auch die Mitwirkung zahlreicher Personen zugrunde liegt. Naber reiste in der Vergangenheit mehrfach nach Indonesien, um auf verschiedenen Inseln die lokalen Ausprägungen der Gamelan-Musik zu erforschen und aufzunehmen. Weiterlesen

HAIOKA: Aru

In den Ausführungen des Labels heißt es, Shintaro Haioka, Tokioter Producer und Soundtrack-Komponist mit einer Schwäche für sauberpolierte Klangwelten und singende künstliche Intelligenzen, sei auf seinem neuen Longplayer “Aru” auf der Suche nach einem Ausdruck von Optimismus als Überwindung von Dunkelheit und Einsamkeit. Obwohl die Platte schwermütiger beginnt als sie endet, würde ich ihr aber einen durchgehend positiven Grundtenor bescheinigen. Weiterlesen

HASSAN WARGUI: Tiddukla

Wahrscheinlich sind in unseren Breiten nur wenigen mit der Sprache namens Taschelhit vertraut, die im bergigen Süden Marokkos verbreitet ist. Sie ist eine überlieferte Sprache verschiedener Ethnien, die unter dem Begriff Amazigh gefasst werden, obwohl die heute weitgehen abgelehnte Fremdbezeichnung Berber, die vermutlich vom griechischen bárbaros abstammt, immer noch bekannter ist. In den Weiterlesen

XERXES THE DARK: Soundtrack to the Blind Owl

Morego Dimmer, der sich wohl in Anlehnung an einen achämenidischen Großkönig Xerxes the Dark nennt, ist ein vielseitiger Repräsentant dunkler Ambientkünste, die je nach Projekt und Tagesform eine atmosphärisch gleitende, eine infernalisch lärmende oder auch eine urig dröhnende Gestalt annehmen können. Inspiration bietet ihm neben den desolaten Seiten und Kehrseiten seiner Heimatstadt Teheran die Innenschau, auch die, die er in fiktionalen Erzählungen findet. Weiterlesen

THE BLACK SWAN TRIAD: Symbiosis

Unter dem Titel “Symbiosis” zelebrieren die vor einigen Monaten gegründeten The Black Swan Triad eine furiose Feier der Elemente und der Sinnlichkeit. Zu den Eckdaten: The Black Swan Triad sind ein Quartett bestehend aus Grey Malkin, Peter “Ashtoreth” Verwimp und den Norwegern Menalaeh und Vinlandsraud, die in der Diskografie der beiden anderen bereits auftauchten und schon etwas länger ihre eigenen, hierzulande noch als Weiterlesen

MARGENROT: Obkhod

Elektronische Musik, die clubtaugliche Eleganz mit einer urwüchsigen Archaik verbindet, welche sich nicht nur rein abstrakt in jedem hypnotischen Rhythmus finden ließe, gibt es viel zu selten – nicht weil kein Publikum dafür existierte, sondern weil viele Musiker zu sehr den Beschränkungen einzelner Subkulturen verhaftet sind. Taucht man etwas tiefer in die Materie, findet man natürlich immer wieder zum Teil obskure Ausnahmen, und neben Weiterlesen

EVEREST MAGMA: Nuova Abduzione

Wer die elektronische Avantgarde und kosmische Klänge mag und bei all dem mit einem leichten und wenn es sein muss auch etwas stärkeren technoiden Einschlag klar kommt, der hatte in den letzten zehn Jahren bei Everest Magma, der Projekt des ehemaligen Weird Folkers Rella The Woodcutter (von den Turinern How Much Wood Would A Woodchuck Chuck If A Woodchuck Could Chuck Wood) eine gute Adresse. Mit Weiterlesen

SCALD HYMN: Lilac Drain

Eric Brown, der Mann hinter Scald Hymn, hat in der Vergangenheit depressive Power Electronics als Wish For Skin veröffentlicht oder als Streiber Ambient gespielt, dem man allerdings nicht gerade das Attribut Dark verleihen konnte. Als Scald Hymn macht er Musik, die auf früheren Veröffentlichungen extrem krachig war, auf jüngeren Tonträgern, werden allerdings Streicherklänge mit Harsh Noise-Eruptionen verknüpft, was in etwa so klingt, als hätten sich Daniel Menche und Richard Ramirez getroffen, um ein Stück von Wolfmangler zu covern. Weiterlesen

RDEČA RAKETA: …and cannot reach the silence

Das aus Maja Osojnik und Matija Schellander bestehende Wiener Duo Rdeča Raketa – dt. Rote Rakete – bringt ein neues Album mit dem Titel “…and cannot reach the silence” heraus. Mit zahlreichen Einflüssen von Industrial bis HipHop im Gepäck gehen die beiden in den gesungenen und rezitierten Texten Osojniks der Frage nach den zahlreichen Irrwegen der Kommunikation in Zeiten medialer Überangebote nach. Weiterlesen

IAN ARKLEY: One

Spielt man die entrückten Klänge einer mollastig geschrammelten Mandoline hart und energisch, entsteht schnell etwas Dramatisches. Das scheint Ian Arkley gemerkt zu haben, als er bei “Morphic Resonnance”, dem so instrumentierten Opener seines Debüts “one”, monumentale Pauken hinzufügte. Wer nach den ersten vier Minuten nicht wach ist, der ist zu phegmatisch für das mystische Charisma dieses merkwürdigen Genrehybriden. Weiterlesen

MARIE TAKAHASHI / CEDRIK FERMONT: Vers le fourré​.​.​.

Wäre das Album “Vers le Fourre” von Marie Takahashi und Cedrik Fermont ein wortkarger Film, dann könnte er in einem mit Gestrüpp und Gräsern überwucherten Gelände beginnen. Eine subjektive Kamera, das Auge einer unbekannten Person, schleicht vorsichtig durch die langen Halme, und während man noch den spröden Grasgeruch wahrzunehmen meint, kristallisiert sich aus den ebenso spröden Summen Weiterlesen

CHRIS CARTER: Electronic Ambient Remixes Volume Three

Schon auf Throbbing Gristles „D.O.A.: The Third And Final Report”, als jedes einzelne Bandmitglied einen Solotrack beisteuerte, wurde eine Seite von Chris Carters Vorlieben deutlich: „AB7A“ war sowohl im Titel als auch in der musikalischen Herangehensweise seine Hommage an das jüngst reformierte schwedische Quartett. Mit Cosey sollte er seitdem zahlreiche Alben als Chris & Cosey, CarterTutti und zuletzt noch CarterTuttiVoid aufnehmen. Carter hat  außerdem eine Reihe von Soloalben aufgenommen. Weiterlesen

CARLOS CASAS: Kamana

Es gilt im Grunde für jede Art der Dokumentation: In ihr finden sich oft ebenso viele Spuren und Zeugnisse des Forschers, seiner Blickwinkel, Vorverständnisse und technischen Möglichkeiten wie solche des untersuchten Gegenstandes. Besonders ins Gewicht fallen kann das, wenn der dokumentierte Gegenstand die Praktiken einer Kultur sind, die sich stark von der eigenen Alltagswelt unterscheiden. Als Carlos Casas vor einiger Zeit zahlreiche Tondokumente von Weiterlesen

OFFICIUM / TZII: Watching Myself Forget With No Resistance

Die beiden Soundartisten Alban Mercier und Eric Desjeux sind schon lange befreundet und haben sich erst im letzten Jahr zusammen an ein gemeinsames Tape ihrer Projekte Officium und Tzii gesetzt. Vielleicht ist die persönliche Vertrautheit ein Grund dafür, dass die Musik auf “Watching Myself Forget With No Resistance” so stimmig wie die Arbeit einer gut eingespielten Band klingt. Dabei ist nicht einmal Weiterlesen

DREKKA: Grieve

Wenn man sich frühe Aufnahmen von Drekka anhört, fällt mit einiger Verwunderung auf, wie diffus die damaligen Wegweiser noch in alle möglichen Richtungen deuteten. Michael Andersons Projekt hätte sich, um nur eine Möglichkeit zu nennen, ebenso sehr zu einer neofolkig angehauchten Post Punk-Kapelle entwickeln können, wie zu dem rituell-ambienten Soundartptrojekt, als das Drekka heute allgemein gilt. Weiterlesen

ADAM GEOFFREY COLE: Fallowing

In musikalischen Gefilden jenseits des Rock, wo Bands meist eher “Projekte” um eine zentrale Hauptfigur sind, ist es immer wieder interessant zu fragen, warum sich jemand irgendwann zu einem Soloalbum entscheidet – vor allem dann, wenn sich die Themenwahl, die stilistische Ausrichtung und auch der kleine Kreis an Mitwirkenden nicht allzu deutlich geändert haben. Weiterlesen