MODE IN GLIANY: Kelc’h-lizher

Manchen Labeln gelingt es über die Jahre hinweg, so etwas wie eine schnell wiedererkennbare Ästhetik zu entwickeln (paradigmatisch etwa 4AD oder ECM, in den letzten Jahren etwa auch Sacred Bones), manchmal, aber nicht notwendigerweise immer damit einhergehend, auch so etwas wie einen Corporate Sound. Einen Klang(-Raum), der aber im Idelafall groß genug ist, um ein allzuenges Korsett zu vermeiden. Galakthorrö haben über die Jahrzehnte hinweg beides geschafft (Schwarzweißästhetik, analoge, teils transgressive elektronische Musik). Weiterlesen

KAVE: s/t

Kave ist ein neu gegründetes Quartett bestehend aus Stian Westerhus, Max Lodenbauer, Samuel Rohrer und Tobias Freund, zwei Improv-Jazzer und zwei Größen tanzbarer Elektronik, die in der einen oder anderen Konstellation schon zusammen aufgetreten sind. Auf ihrem Debüt entpuppen sie sich schon nach den ersten Minuten als weit mehr als die Summe ihrer Teile und lassen eine Musik entstehen, die zerbrechliche Momente hat und die Hörer mit auf die Suche durch ein Traumszenario nimmt. Weiterlesen

EVAPORI: Dia​-​Logos I • Dia​-​Logos II • Dia​-​Logos I​+​II Conclusion • Imitation

Auch wenn der Begriff Dialog eine Unterredung zweier oder mehrerer Sprecher bezeichnet, wird er doch häufig auch metaphorisch für die unterschiedlichsten Formen des Interagierens gebraucht. In der Musik kann man auch dann von einem Dialog sprechen, wenn verschiedene Komponenten der Notation, des Klangs oder auch der Stimmung nicht einfach kontrastierend aufeinandertreffen und aneinander vorbei “reden”, sondern sich immer Weiterlesen

INVENTIONS: Continous Portrait

Unter dem schlichten und irgendwie auch programmatischen Namen Inventions widmen sich Matthew Robert Cooper, der seine größten Meriten bislang mit der Band Eluvium erspielte, und Mark T. Smith (Mitglied bei den bekannten Explosions in the Sky) ihrem gemeinsamen Interesse an eigenwilligen und zugleich äußerst feinsinnigen musikalischen Irrgärten, die auf den doppelten Böden akustischer und elektronischer Klänge gebaut sind. Fünf Jahre nach Weiterlesen

CHARBEL HABER: The Delightful Sights And Sounds Of A Decaying Nation

Auch ohne das Cover, dass die Anfang August durch zwei Explosionen zerstörte Hafenanlange in Beiruts Bezirk Mar Mikhael zeigt, könnte man die jüngst erschienene Veröffentlichung von Charbel Haber kaum anders als im Kontext der verheerenden Ereignisse sehen. Gewidmet ist das knapp dreiviertelstündige One Track-Album der Hundertjahrfeier des Libanon am 1. September, den der in Beirut geborene Komponist und Musiker, der in seinen Titeln häufig Metaphern des Verfalls und der Dekompostierung verwendet, recht unverblümt als “decaying Nation” bezeichnet. Weiterlesen

Natur spielt eine große Rolle in meinem Songwriting: Ein Interview mit Dark Leaves

Dark Leaves ist das Einmannprojekt von Patrick Aston, der in der Nähe der Küstenstadt Penzance in Cornwall lebt. Auf bislang einer EP und einem Album präsentiert er einen Dark Folk, der von der Geographie seiner Region beeinflusst ist. Im folgenden Interview sprach Patrick ausführlich über seine Karriere, seine Einflüsse und seine Pläne. Weiterlesen

HAUS ARAFNA: Asche

Seit das Duo 1993 mit der brachialen, von ultraverzerrten analogen Klängen und (wie es von Labelseite später hieß) “Schreigesang” durchzogenen „Sex U-Mas“-7” debütierte, wurde der brutale Sound auf Alben wie „Blut“ (später in leicht erweiterter Fassung wiederveröffentlicht) oder „Children Of God“ ausdifferenziert, entwickelte sich danach noch weiter weg von der brachialen Analogdisruption des Frühwerks hin zu melodischeren Stücken. Weiterlesen

V.A.: Too Much Future

Als die Punks der DDR den von den Sex Pistols popularisierten Schlachtruf “No Future” in ein vielleicht noch trotzig-nihilistischeres “Too Much Furture” ummümzten, ging es nicht um eine auf Rückwärtsgewandtheit basierende Irritation angesichts doch noch möglicher Progressivität. Was in den drei Wörtern eher anklang, war die Einsicht, dass keine Zukunft wohl noch besser sei als eine am Reisbrett entworfene Zukunft der Weiterlesen

PASCAL COMELADE / MARC HURTADO: Larme Secrete

Dass Pascal Comelade und Marc Hurtado in den letzten vierzig Jahren nie zusammen auf der Bühne oder im Studio gewesen sind, überrascht fast, denn die beiden Franzosen sind seit den späten 70ern in unterschiedlichen Konstellationen aktiv und interessanten Kollaborationen gegenüber keineswegs verschlossen. Hurtado, der mit seinem Duo Ètant Donnés im Grunde zu den Pionieren es experimentellen Industrial zählt und mit Leuten wie Weiterlesen

DEISON: Substrata

Zeitgleich mit Jérémie Mathes wird im Rahmen der „Substantia Innominata“-10”-Reihe  „Substrata“ von Deison veröffentlicht – der Name, unter dem der Italiener Cristiano Deison aufnimmt, der auf zahlreiche Veröffentlichungen  blicken kann und u.a. mit Lasse Marhaug, KK Null, Uggeri oder John Duncan zusammengearbeitet hat. Weiterlesen

SIAVASH AMINI: The Mimesis of Nothingness

Zu den interessantesten Versuchen, einen Ort im künstlerischen Medium, sei es Bild, Text oder Klang, erfahrbar zu machen, zählen jene, die den Blick auf eher untypische Aspekte lenken. Ein solcher Fokus richtet sich an ein aktives Publikum, das die präsentierten Details mit dem vorhandenen Wissen zu einem kaum festschreibbaren, hypothetischen Rahmen synthetisiert, und er umschifft ganz nebenbei eine Menge Klischees. Weiterlesen

MAKE INCEST GREAT AGAIN: s/t

Make Incest Great Again oder kurz MIGA ist ein obskures Soundkollagen- und Remix-Projekt aus dem Umfeld von Staaltape und Staalplaat, dessen Grundausrichtung vielleicht weniger politisch ist, als es beim Betrachten des Titels und des Artworks – das Cover basiert auf einem Foto von Ivanka Trump, falls da Zweifel betehen – scheint. Doch wer weiß, leicht auf eine griffige Formel zu bringen ist das gleichnamige Tape keineswegs. Weiterlesen

JÉRÉMIE MATHES: Arkhaîos

Im Rahmen der auch hier schon häufig besprochenen „Substantia Innominata“-10“-Reihe von Drone Records, die verstanden wird als „A concept that embraces the prospect of infinite possibilities for artists to create music about the intangible such as: The Unnameable, The Unspeakable, The Unthinkable, The Unidentifiable, etc“, wird „Arkhaîos“ von Jérémie Mathes veröffentlicht. Weiterlesen

J. ZUNZ: Hibiscus

Zum zweiten Mal und drei Jahre nach dem Erstling Silence tritt die aus dem mexikanischen Guadalajara stammende Lorena Quintanilla, die seit einigen Jahren mit dem Duo Lorelle Meets The Obsolete von sich reden machte, erneut mit ihrem Soloprojekt J.Zunz an die Öffentlichkeit und präsentiert eine vordergründig kühle, bei genauerem hinhören jedoch äußerst emotionale Musik zwischen minimalistischem Wave und retrofuturistisch angehauchter Psychedelik. Weiterlesen

FELIX-FLORIAN TÖDTLOFF / JEANS BEAST: Split

Felix-Florian Tödtloff und Julian Flemming, der unter dem großartigen Namen Jeans Beast firmiert, zählen zu den Musikern, von denen man eine Zusammenarbeit geradezu erwartet, sind sie doch beide seit Jahren in einem ähnlichen musikalischen Umfeld unterwegs, in dem originelle Soundkollagen und feinsinnige Drones produziert und gelegentlich auf limitierten Tapes herausgebracht werden. Acts wie Weiterlesen

MAKOTO KAWABATA / RG ROUGH: s/t

Was Makoto Kawabata, Gründer und Gitarrist der legendären Acid Mothers Temple in all ihren Variationen, und sein an vielen Instrumenten bewanderter Kollege RG Rough auf ihrer für den französischen Record Store Day produzierten Kollaboration auf zwei seitenfüllenden Tracks erspielt haben, klingt wie der episodische Soundtrack zu einer dramatischen Flucht, bei der die Hoffnung auf einen guten Ausgang lange auf tönernen Füßen steht. Weiterlesen

THE DOOMED BIRD OF PROVIDENCE: Rumbling Clouds of War Hover over Us

Mark Kluzek stammt aus Australien, ging aber nach der Jahrtausendwende nach England und gründete dort mit Freunden die Band The Doomed Bird of Providence, deren pastoraler, oft kammermusikalischer Folkstil ein ganz eigenes Terrain für sich beanspruchen darf, das sich an einigen Stellen mit Prog- oder Postrock überlappt. In ihren bisher drei Alben und diversen kleineren Veröffentlichungen setzten sie sich mit den vielfältigen Aspekten der angloaustralischen Kolonialgeschichte auseinander und Weiterlesen

CARL STONE: Au Jus 7″

Das Samplen, Zerlegen und in eine neue, kollagenhafte Form bringen populärer Musik ist seit Jahren ein Steckenpferd von Komponist und Producer Carl Stone. Mit dem Ohr eines Ethnographen stellt er die Schönheit, aber auch die triviale, klischeehafte Seite der Popkultur vom Kopf auf die Füße und legt so, durch Verfremdungen aller Art, verborgene Kehrseiten frei, die einem gefallen mögen oder auch nicht. Weiterlesen

THREE QUEENS IN MOURNING / BONNIE ‘PRINCE’ BILLY: Hello Sorrow Hello Joy

Als im vorigen Jahr unter dem Titel “Songs of Love and Horror” das erste Textbuch von Will Oldham alias Bonnie ‘Prince’ Billy herauskam, hatten Jill O’Sullivan, Alasdair Roberts und Alex Neilson die spontane Idee, ausgewählte Stücke daraus neu zu interpretieren und gründeten dazu die wahrscheinlich einmalige Band Three Queens in Mourning, benannt nach einem berühmten Foto von der Beerdigung des englischen Königs George VI – dort wurden dessen Mutter, Frau und Tochter gezeigt, die alle Weiterlesen