Meine künstlerische Entwicklung ist immer nach vorne gerichtet. Interview mit Maurizio Bianchi

Wenn in den letzten Jahren von Maurizio Bianchi die Rede war, dann geschah dies wieder vermehrt im Zusammenhang seiner früheren Aufnahmen, die dem gerade in seine “Post”-Phase übergehenden Industrial der Jahre um 1980 – zunächst unter dem Pseudonym Sacher-Pelz, bald unter seinen Initialen M.B. – eine vielleicht etwas weniger aggressive, dafür aber umso desolatere “Low Key Depression”-Variante zur Seite stellte, die später zu Weiterlesen

RISARIPA: Kuniumi

Vielen Schöpfungsmythen aus den unterschiedlichsten Kulturen haftet, trotz allem Zauber des Neuen, der zwangsläufig in ihnen steckt, auch ein Moment des Brutalen an. Dieses Brutale, Heftige, kann beispielsweise das Chaos illustrieren, dass in vielen Schöpfungsgeschichten besiegt und durch eine Ordnung ersetzt wird, die die Grundlage der bestehenden Welt bildet. Zugleich trägt es aber Weiterlesen

AKOUSTIK TIMBRE FREKUENCY: Metamorphosis

Es ist als würde jemand eine Tür öffnen. Verschiedene Geräusche dringen aus den Tiefen eines weiträumigen Gebäudes hervor: leises, perkussives Hämmern, vielleicht Schritte. Noch leiseres und doch allgegenwärtiges Knistern. Stimmen, die hechlen, murmeln. Sind dies anwesende Personen oder ist es doch eher ein Medium, das irgendwo einsam und vergessen vor sich hinläuft? Schon in den ersten Minuten von Weiterlesen

TWELVE THOUSAND DAYS: The Birds Sing As Bells

Bedenkt man, wieviel Zeit und Energie Martyn Bates und Alan Trench allein in den vergangenen Jahren in ihre zahlreichen Projekte (siehe Tags am Ende der Besprechung) investiert haben, wundert es, dass sie immer noch in relativ kurzen Intervallen längere Aufnahmen ihres Duos Twelve Thousand Days zustande bekommen. “The Birds Sing As Bells” ist ihr neuester, aber auch älteres Material enthaltender Streich und enthält Weiterlesen

MASS MARRIAGE: Restless

Insbesondere Harsh Noise ist oft reine l’art pour l’art ohne (über- oder unter-)komplexen thematischen Überbau. Andererseits versuchte sich Noise (insbesondere in seiner Ausprägung als Power Electronics) auch immer wieder exzessiv an der Thematisierung  des Verfemten, was sich seit Whitehouse und Sutcliffe Jugend oftmals in einer Transgressionshyperbolik erschöpfte. Weiterlesen

FABRIZIO MODONESE PALUMBO: Crinkle Crankle Wall

Wer sich in den Irrgarten von Fabrizio Modonese Palumbos “Crinkle Crankle Wall” begibt, sollte sich möglichst gleich zu Anfang von der Illusion verabschieden, sich darin orientieren und eine optimale Richtung ausmachen zu können, denn Überraschungen und spontane Kehrtwenden lauern dort an jeder Wegkreuzung. Weiterlesen

EMBERTIDES: 7″

Unter dem Namen Embertides – das sind die auf deutsch Gluttage genannten Gebets- und Fastenzeiten, die sich im liturgischen Kalender der westlichen Kirchen viermal im Jahr wiederholen – spielen die Musiker David Colohan (u.a. United Bible Studies), Daughters of Grief (Widow’s Weeds) und Grey Malkin (ex-The Hare & The Moon) eine Musik, die die elektronische Seite, die seit jeher v.a. in Malkins Arbeiten eine Rolle spielt, noch stärker betont und zum Fundament filisch anmutender Soundscapes macht. Weiterlesen

FUTEISHA: Attorno a me le Ombre

Futeisha, das in den letzten Jahren wenig aktive Projekt des früheren La Piramide di Sangue-Gitarristen Juan Scassa, verewigt auf dem vorliegenden Tape seine zweite Konzertaufnahme, diesmal mitgeschnitten bei der bislang letzten Show 2016, bei der die Band als Trio auftrat. Wie gewohnt gibt es eine abenteuerliche Fahrt über Stock und Stein durch das nächtliche Land eines kollagenhaften, mediterran angehauchten Dark Folk. Weiterlesen

NONCONNAH: Winter EP V

Zuletzt war dem aus Zach und Denny Corsa bestehenden Duo Nonconnah auf diesen Seiten noch bzgl. ihres großartigen Vollzeitalbums „Songs For And About Ghosts“ attestiert worden, sie „präsentieren auf ihrem dritten regulären Album vier lange, aus verschiedenen Teilen bestehende Tracks, die so klingen, als hätten ein paar schemenhafte Gestalten ein altes, nicht mehr ganz funktionstüchtiges Grammophon in einem Schneesturm aufgestellt.“ Weiterlesen

V. A.: This Is Tehran?

Von den vielen Ländern, in denen es überraschend experimentierfreudige (und in Europa oft unbekannte) Musikszenen gibt, taucht der Iran in unserer Berichterstattung immer wieder auf. Über die Jahre erreichten uns Compilations zu experimenteller, ambienter und traditionell beeinflusster Musik, bekannte Vertreter der lokalen Musik wie Saba Alizadeh und Siavash Amini oder im Ausland lebende Acts wie Weiterlesen

LOLITA TERRORIST SOUNDS: Shaved Girl

Lolita Terrorist Sounds ist das Projekt des in Berlin lebenden Neapolitaners Maurizio Vitale, dessen Wurzeln in den eher perkussiv ausgerichteten Randzonen zwischen Postpunk und Noise liegen, und auch wenn man seine Band, die er in wechselnden Konstellationen und gelegentlich auch mal allein betreibt, nicht unbedingt rubrizieren müsste, wäre eine solche Minimalverortung zumindest nicht irreführend. Weiterlesen

TOR LUNDVALL: Beautiful Illusions

Es gibt wenige Künstler, die wie der Malermusiker Tor Lundvall solch konsequent-konsistente Arbeiten abliefern. Ob seine verhaltene wie verhallende Musik, von ihm selbst als „Ghost Ambient“ bezeichnet und je nach Album instrumental oder mit Gesang, oder seine Gemälde voller seltsamer maskierter Entitäten und einsamer und vereinsamter Figuren in (meist) ländlichen Landschaften – sein Stil ist über die Jahr(zehnt)e erstaunlich gleich geblieben. Weiterlesen

CHIHEI HATAKEYAMA: Forgotten Hill

Wenn man sich ganz in der Musik auf „Forgotten Hill“ verliert, scheint man auch sein Gefühl für die Zeit und die Struktur der feinsinnigen Kompositionen zu verlieren – alles wird zu einem verträumten, impressionistischen Gemenge aus smoothen und gleichsam leicht aufgerauhten Klangschichten, die in molllastigen Melodiefragmenten immer wieder ineinander münden, verschmelzen und gelegentlich einzelne hohe Töne wie Reflexionen eines Sonnenstrahls auf einer vom Auge nur kurz gestreiften Weiterlesen

MÁRA: Here Behold Your Own

Faith Coloccia entstammt einem äußerst fruchtbaren musikalischen Biotop im Nordwesten der USA, wo sich Randall Dunn, Daniel Menche und die Postrock-Band Mamiffer die Studioklinken in die Hand drücken. In letzterer spielt die an mehreren Instrumenten bewanderte Künstlerin seit der Gründung 2003 eine zentrale Rolle, vor vier Jahren allerdings rief sie ihr Soloprojekt Mára ins Leben, mit dem sie – ausgerüstet mit Klavier, Orgel, Gitarre, Elektronik und ihrer Stimme Weiterlesen

KRANG MUSIC / BROWNING MUMMERY: Split 7″

Wer mit der Geschichte des experimentellen Industrial Australiens und im Speziellen mit dem Werk des 2015 verstorbenen John Murphy vertraut ist, der ahnt bereits, dass die beiden auf dieser Split-7″ vertretenen Tracks einiges verbindet, auch wenn ihr jeweiliger Erscheinungszeitraum beinahe vierzig Jahre auseinanderliegt. Weiterlesen

MAGAM: Another

Der Nukleus von Magam ist der in Thessaloniki lebende Musiker, der sich moody alien nennt. Über diesen erfährt man, dass er sich der Musik und den Komponisten- und Producer-Künsten rein autodidaktisch angenähert hat, was der angejazzten Improv-Musik des nicht ausschließlich griechischen Kollektivs, bei dem er für die meisten „untraditionellen“ Bestandteile verantwortlich ist, natürlich keinen Abbruch tut. Kohärenz und eine markante Signatur bekommt man manchmal am ehesten mit der Erfahrung und durch den Einsatz von viel Herzblut. Weiterlesen

ZEA: Witst Noch Dat D’r Neat Wie

Der in Amsterdam lebende Arnold de Boer, der meist unter dem Namen Zea unterwegs ist, ist ein Meister einfacher Strukturen, in dessen Songs und Soundscapes kein Ton und kein ornamentaler Schnickschnack zu viel vorkommt und die musikalische Suppe versalzt. Oft meint man folkige Muster in seinem Gitarrenspiel herauszuhören, doch gibt es gleichzeitig immer den Widerhall von etwas Urbanem, das einem bewusst macht, dass Weiterlesen

ASKA: Út Við Sundin Grá

In den letzten Jahren haben wir immer wieder Veröffentlichungen aus dem Hause Galakthorrö besprochen. So hieß es hier im letzten Jahr resümierend: „Manchen Labeln gelingt es über die Jahre hinweg, so etwas wie eine schnell wiedererkennbare Ästhetik zu entwickeln [...], manchmal, aber nicht notwendigerweise immer damit einhergehend, auch so etwas wie einen Corporate Sound. Einen Klang(-Raum), der aber im Idelafall groß genug ist, um ein allzuenges Korsett zu vermeiden. Weiterlesen

RYOSUKE KIYASU: Continue as Though it were Flowing Water

Wenn das One Track-Album “Continue as Though it were Flowing Water” des Drummers Ryosuke Kiyasu mit einem Becken- und Snare-Gewitter beginnt, ahnt man noch nicht, wie sehr sein Titel Programm ist. Aber schon bald: Leichte, luftige und in ihrer Gangart doch amphetaminartig aufgeweckte Anschläge auf den harsch rasselnen Stellen des Drumkits verhehlen nicht, dass ihre Richtung in fast flächiger Geradlinigkeit nach Weiterlesen