AMKLON: Collision of Absolutes

Bei Amklon scheint sich vieles um Wandlung und Umformung zu drehen. Gitarrist Sergio Albano spielt mit Projekten wie Grizzly Imploded zerschredderten Noiserock, Giuseppe Mascia, der ich hier um die Elektronik kümmert, ist von Haus aus Technomusiker. In den abstrakten Synthies und den vielen verfremdeten Sounds von Amklon klingt beides zwar an, aber lediglich als tiefste Grundierung in einem vielschichtigen klanglichen Palimpsest. Der Titel ihres Debüts „Collision of Absolutes“ entstammt einer Passage aus Philip K. Dicks „Exegesis“ und verweist Weiterlesen

MIRT: Random Soundtrack

Das Konzept ist hinlänglich bekannt: Ein Mensch nimmt einen Block und ein Schreibwerkzeug zur Hand und lässt seinen Assoziationen freien Lauf, lässt Ausdrücke, Formulierungen und sprachliche Bilder wie von selbst aus sich herausfließen, ungeachtet sprachlicher Korrektheit, inhaltlicher Logik und konzeptueller Stringenz. Écriture automatique, automatisches Schreiben, nennt man diese Praktik, die im späten 19. Jahrhundert zunächst im Rahmen der Psychotherapie entwickelt wurde, und eine Generation später durch Weiterlesen

REINIER VAN HOUDT: Paths of the Errant Gaze

Reinier van Houdt war schon lange in der Neuen Musik und im Improvbereich aktiv, bevor er im Zuge von „I am the Last of the Field that Fell“ als Pianist bei Current 93 einstieg, was hier und da dazu führte, dass er immer seltener als Experimentalmusiker wahrgenommen wurde. Auf „Paths of the Errant Gaze“, das vor einigen Wochen bei Hollow Ground erschien, setzt er aber ein deutliches Zeichen in diese Richtung, denn der Mix aus unterschwelligen Klavierspuren und wandlungsvoller, durch allerlei Effekte verfremdeter Elektronik Weiterlesen

THE OWLS ARE NOT WHAT THEY SEEM: Hearth

Bei der Ausdifferenzierung/Fragmentierung der verschiedenen Spielarten randständiger Musik kann man sich kaum vorstellen, dass heute noch ein Sampler veröffentlicht würde, auf dem Asmus Tietchens neben Genocide Organ zu finden wäre. Gleichzeitig zeigen eine Vielzahl von Bands Hybridisierungstendenzen, wird z.B. Harsch Noise mit Black Metal, Power Electronics mit Dark Ambient kombiniert. Weiterlesen

GRUMBLING FUR: Furfour

Manche sagen, mit Grumbling Fur leben Alexander Tucker und Daniel O’Sullivan ihre poppige Seite aus. Hört man dann noch, dass ihre Musik oft Gesangsduette im Stil des in den Fünfziger Jahren beliebten Harmoniegesangs enthält, könnte man sich darunter zunächst etwas sehr gefälliges, vielleicht sogar langweiliges vorstellen. Man darf aber beruhigt sein, denn bei aller Liebe zur Harmonie führen die beiden, die auf ihrem aktuellen Album „Furfour“ Verstärkung von Charles Bullen (This Heat) und Isobel Sollenberger (Bardo Pond) bekommen, so ziemlich Weiterlesen

AK’CHAMEL: Transmissions from Boshqa

Es gibt immer wieder Spezialisten, die jede leidenschaftliche Hinwendung zu ungewohnten Kulturpraktiken aus geografisch fernen Ecken generell als Exotismus betrachten. Das ist natürlich ebenso klug wie zu behaupten, Industrial sei generell dystopisch und Folk generell konservativ. In Wirklichkeit ist Exotismus erst dann gegeben, wenn das Interesse auf naiven Projektionen, auf der fantasiegesteuerten Aneignung des Fremden mit den Augen des Völkerschaubesuchers beruht. In diesem Fall geht es auch nur Weiterlesen

HERMETIC BROTHERHOOD OF LUX-OR: Anacalypsis

Das in Sardinien beheimatete Duo mit dem markanten Namen hat bereits sechs Alben im Katalog, und mit dem neuesten Streich „Anacalypsis“ ist der Band ein Werk mit überraschenden Momenten gelungen. Lauscht man den noch leisen Tönen des sich langsam aufbauenden Openers, dann erwartet man angesichts des blechernen Rasselns und des rauen Rumorens sicher allerhand mysteriöses Pathos, aber kaum den ekstatischen Lärm, mit dem das Album zum Abschluss kommt. Viel weniger noch mit den Weiterlesen

DAVE PHILLIPS: South Africa Recordings

Der Filter, der entscheidet, was vom Gehör zur Verarbeitungszentrale weitergeleitet wird, und was nicht, ist unerbittlich in seiner Ausgrenzung. Unzählige kleine Geräusche ziehen täglich an uns vorbei, scheinbar unbemerkt, in jedem Fall unerinnert. Ähnlich dem Unbewussten des Geisteslebens ist auch das ungehört Vorbeiziehende eine wahre Schatzkammer an Klängen oft gerade filigranerer Art. Dave Phillips ist seit langer Zeit ungewöhnlichen Geräuschen auf der Spur. In der Absicht, diese vor dem Verschwinden, dem für immer ungehört bleiben zu entreißen, ist er aber keineswegs nur Weiterlesen

SOUNDWALK COLLECTIVE WITH JESSE PARIS SMITH FEAT. PATTI SMITH: Killer Road

Manchmal hatte man in den letzten Jahren den Eindruck, Nicos zeitlose Musik werde zu sehr von ihrem Leben (als „Femme Fatale“, Junkie, früh Verstorbene etc.) überlagert, die Titel einiger gelungener und weniger gelungener Hommages an sie mögen das illustrieren: Da wurde die als Christa Päffgen in Köln Geborene wahlweise zur „Ikone“ , „Sphinx aus Eis“ oder „Mondgöttin“. Vielleicht ist dann auch eine der beeindruckensten Stellen in Susanne Ofertingers Dokumentation, wenn John Cale am Ende (s)eine Version von „Frozen Warnng“ anstimmt und damit noch einmal Nicos Qualitäten als Songschreiberin illustriert. Weiterlesen

CELER: Two Days and One Night

Es ist nicht das erste mal, dass der Ambientmusiker Will Long alias Celer die Inspiration, die er auf Reisen gesammelt hat, zum Ausgangspunkt seiner Soundscapes macht. Auf „Two Days and One Night“ entwirft er ein Narrativ, zu dem der oft strapazierte Begriff „vielschichtig“ einmal wirklich passt, denn hier werden zwei Reisen in einer Geschichte verarbeitet: eine eigens unternommene und klanglich dokumentierte, daneben die lange zurückliegende Reise einer anderen Person, die er aus Erzählungen und Spekulationen rekonstruiert hat. Gemeinsam ist der Ort, an den es die Weiterlesen

OF THE WAND & THE MOON: I Called Your Name (7”)

In den letzten Jahren hat Kim Larsen seine Fühler in alle möglichen Richtungen ausgestreckt, mehrere Seitenprojekte ins Leben gerufen und Of The Wand And The Moon entgültig als mehrköpfige Band ausgebaut. Die Veröffentlichungen kamen nun nicht mehr so regelmäßig wie in den ersten Jahren, dafür ist „The Lone Descent“ ein ungewöhnliches Album geworden. Ein ausgefeilteres Songwriting und zahlreiche Gastmusiker sorgten dafür, dass das Album nicht mehr in ein allzu enges Neofolk-Korsett passte, dezente Weiterlesen

OREN AMBARCHI: Hubris

Auf dem ersten Eindruck erscheint das Album „Hubris“, das Oren Ambarchi mit Hochkarätern wie Arto Lindsay, Jim O’Rourke, Joe Talia, Ricardo Villalobos und Keith Fullerton Whitman aufgenommen hat, wie ein äußerst strenges Werk, und dieser Eindruck bleibt über weite Strecken bestehen: Einfache rhytmische Muster dominieren den ganzen, noch eher sauber klingenden ersten Teil und verändern sich nur langsam über einen größeren Zeitraum hinweg, werden dichter, griffiger, neue Elemente kommen mit der Zeit dazu, doch an der Basis Weiterlesen

V.A.: Midnight Radio – Noir Jazz

Seit Jahren sind Begriffe wie diese im Umlauf: Doom Jazz, Dark Jazz, Jazz Noir und wie man diese dunkle, atmosphärische Musik nächtlicher Highwayfahrten sonst noch nennen mag. Ist dieser Zeitlupengroove, diese entspannt-fatalistische Abgeklärtheit wirklich Jazz oder doch eher eine originelle Spielart des Dark Ambient, angereichert mit Bauformen aus Filmscores, die natürlich irgendwann einmal Jazzwurzeln hatten? Fakt ist, dass das, was Angelo Badalamenti in zwei Twin Peaks-Stücken und Jarboe mit den Swans in einigen Tracks vorgemacht haben und was bei Weiterlesen

JOHN CAGE: Complete Song Books

John Cage brachte seine drei „Song Books“ 1970 zunächst einzeln heraus, zwei Sammlungen mit zusammen zweiundneunzig Solostücken für Vocals sowie eine dritte, die lediglich aus Anweisungen bestand, Textmaterial, das aus Zitaten von Thoreau, Satie, Duchamp und anderen bestand und wohl auch in den Songs selbst vorkommt. Mit hundertprozentiger Sicherheit kann man das aber nicht sagen, denn die Vocals in den kurzen Stücken sind nicht gerade zum auswendiglernen und mitsingen gedacht, und überhaupt – wer John Cages offene Weiterlesen

MUTE SWIMMER: Present Perfect EP

Mute Swimmer hat sich in den letzten Jahren vom Songwriterprojekt des Sängers Guy Dale zu einer Rockband entwickelt. Eine Konstante über all diese Zeit ist, dass Mute Swimmer nach wie vor auch ein literarisches Projekt ist, dessen nachdenkliche, mal Fragen aufwerfende, mal mit Andeutungen arbeitende, mal mit beeindruckender Punktgenauigkeit überraschende Texte oft den Akt des poetischen und musikalischen Ausdrückens selbst zum Thema haben. Dass die Texte mit einer einfachen Sprache arbeiten, bewahrt Weiterlesen