BOTANIST: Collective: The Shape Of He To Come

Die Zahl der Bands, die Post Black Metal spielen, scheint inzwischen fast unüberschaubar, wobei man den Eindruck hat, dass sich manche Genres, Shoegaze etwa, besonders gut zur Integration eignen. Bands transzendieren die Thematik und das Image und fügen weitere, oft als atypisch wahrgenommene Instrumente hinzu. Natürlich führen solche Auflösungen allzuenger Genregrenzen oft zu Gegenbewegungen: Weiterlesen

GÜNTHER SCHLIENTZ: Autumn

Der Herbst gilt als Zeit der Einkehr und Kontemplation und hat wie alle Jahreszeiten bereits zahllose Würdigungen in der Musik erfahren. Die Facetten seiner Stimmungen und seiner Sinnlichkeit geben aber immer noch Stoff für neue, zum Teil ungewöhnliche Ideen ab, auch wenn ein Konzeptalbum zum Herbst auf den ersten Blick vielleicht etwas abgedroschen anmuten mag. Weiterlesen

CUT WORMS: Lumbar Fist

“Lumbar Fist” ist das Debütalbum von Richard van Kruysdijks neuem Soloprojekt Cut Worms, doch Kruysdijk ist bei Weitem kein unbeschriebenes Blatt in den Annalen abseitiger, experimentierfreudiger Musik. Er ist Mitglied der Band Phallus Dei, als Komponist, Producer und Schlagzeuger arbeitete er mit Kollegen wie Peter Christopherson, Edward Ka-Spel, Daisy Bell, Blaine L. Reiniger, Jarboe und Daniel Johnston sowie auch immer mal im Alleingang. Weiterlesen

WOLVES IN THE THRONE ROOM: Thrice Woven

Wolves in the Throne Room wurden vor einigen Jahren recht schnell zu Lieblingen auch der Presse, die sonst mit Black Metal nicht viel anfangen konnte. Neben einer guten Produktion, die weit entfernt war von der Lo-Fi-Pappschachtelschlagzeugästhetik mancher „True“ Black Metal-Alben, waren sicher auch die Themen (Ökologie, Nachhaltigkeit – wenn auch teils in ihren esoterischen Auswüchsen) anschlussfähiger an Mainstreamdiskurse als die tausendste Anrufung an den Gehörnten. Weiterlesen

PAT MOONCHY: VorFreunde

Pat Moonchy ist seit den späten 90ern in unterschiedlichen Konstellationen musikalisch aktiv, und ihr wichtigstes Instrument neben Bass und Elektronik ist ihre Stimme. Das klingt etwas an den Haaren herbei gezogen, ist aber durchaus buchstäblich gemeint, denn für gewöhnlich setzt sie ihren eigenwilligen Sopran als Klangerzeuger ein, der – losgelöst von Sprache und herkömmlicher Harmonie – in ihrer Musik eine Funktion einnimmt, die traditionell Streich- und Blasinstrumenten vorbehalten ist. An anderen Stellen erzeugt Weiterlesen

ANGÈLE DAVID-GUILLOU: En Mouvement

Angèle David-Guillou tauchte zunächst in zwei Kontexten auf, einmal als Gastmusikerin an diversen Instrumenten bei der Band Piano Magic, einmal mit ihrem ersten Soloprojekt Klima, mit dem sie feinmaschig gewebte, zum Teil verhuschte Popstücke aufnahm. Ihre Entscheidung, Musik unter ihrem eigenen Namen herauszubringen, ging einher mit einer erneuten Abwendung vom Song, zumindest wenn man darunter Stücke mit Gesang in herkömmlichen Strophenformen versteht, sowie ihre Wahl eines Klaviers als zentrales Instrument. Weiterlesen

MARTIAL CANTEREL: Lost at Sea

Es ist schon interessant zu beobachten, wie Genres, die in den 90ern von großen Teilen der Musikpresse bestenfalls ignoriert, schlechtenstenfalls lächerlich gemacht wurden, seit einigen Jahren auch für Hipster goutierbar und abfeierbar geworden sind. Zwar mussten sich Vertreter dunkler(er) Musik zumindest in Deutschland nicht um Möglichkeiten der Veröffentlichung und der medialen Repräsentanz sorgen (schließlich gab es Zillo und Orkus), aber die Rezeption fand doch oft in klar abgegrenzten Subkulturen statt. Der neuste Zillosampler wurde schließlich nicht in der Spex besprochen. Weiterlesen

V.A.: Dendronephthya – Shaking the Boughs of the Family Tree

Wenn ein Label mehr ist als bloß eine Plattenfirma, hat es im besten Fall etwas von einer Familie, in der die einzelnen Mitglieder untereinander verbandelt sind und immer wieder neue gemeinsame Unternehmungen aushecken. Das in Kopenhagen ansässige Label Dendron Records aus dem Umfeld der Band Own Road ist so ein Fall, und zur Feier ihres fünfjährigen Bestehen haben sich die Dänen etwas Nettes einfallen lassen: Jeder Künstler nimmt sich einen Song eines anderen Label-Acts vor und interpretiert diesen in seinem eigenen Stil, und dies immer mit der Weiterlesen

TIME MACHINES: Time Machines

Ich habe schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass es kaum möglich ist, über Coilveröffentlichungen der letzten Jahre zu schreiben, ohne die Fragwürdigkeit und/oder die Legitimität der meisten Tonträger anzusprechen, die nach Peter Christophersons Tod erschienen sind. Ein Beispiel ist die Veröffentlichung des “Backwards”-Albums, bei dem Cold Spring und Danny Hyde den Eindruck vermittelten, der einzige Grund, warum das Album nicht von Coil veröffentlicht worden sei, seien rechtliche Auseinandersetzungen mit den „grey men“ der Industrie gewesen seien und nicht etwa, dass das Album für Balance und Christopherson (u.a. auch) zu konventionell geraten war: Weiterlesen

TRAPPIST AFTERLAND: Afterlander

In der Diskografie von Trappist Afterland nahm das vor zwei Jahren erschienene „Afterlander“ so etwas wie eine Schanierstelle ein, fasste vieles aus der Vergangenheit der australischen Psych Folker zusammen und stellte zugleich die Weichen für Künftiges. In ihrer mystisch angehauchten, weit über westliche Musiktratitionen hinausgehenden Gestalt deuteten die Songs schon etwas in die konzentriertere Richtung des darauf folgenden „God’s Good Earth“ und hatten doch noch einiges von dem zerfledderten 70er-Feeling des Frühwerks, das wie ein Echo aus den Weiterlesen

WOLVON: Ease.

In ihrer Heimatstadt Groningen sind Wolvon seit Jahren Kult, in den Niederlanden generell längst kein Geheimtipp mehr, und im übrigen Europa konnte man bereits einige ihrer energiegeladenen, aber auch erschöpfenden Konzerte erleben – u.a. im Vorprogramm von A Place to Bury Strangers, in deren Umlaufbahn der verrauschte Lärm der drei Postpunknoiserocker auch ganz gut passt. Weiterlesen

THE MYSTIC UMBRELLAS: Journey to the West

In einer der berühmtesten Passagen aus Eliots Four Quartets (aus „Burnt Norton“) heißt es: “Time present and time past/Are both perhaps present in time future,/And time future contained in time past./If all time is eternally present/All time is unredeemable”. Oder etwas profaner und verkürzt(er), wie es am Ende der phänomenalen dritten Twin Peaks-Staffel heißt: „The past dictates the future“. Weiterlesen

IRMLER / OSTERHELT: Die Gesänge des Maldoror

Maldoror ist der Archetypus des Rächers, und seine Rache ist universell. Sie richtet sich gegen den Schöpfergott und die Krone dieser Schöpfung, den Menschen, den er als Ungeziefer beschreibt. Selbst ein gefallener Engel, stößt ihn v.a. die selbstgefällige Scheinheiligkeit der Menschen ab, die Moral predigen und doch voll böser, engherziger Gedanken sind, die Gemeinschaft predigen und doch jeder für sich im eigenen Saft schmoren und sich nur ihren Illusionen von Liebe hingeben, die er zu entlarven und auszumerzen trachtet. Weiterlesen

BACKWORLD: The Hound Of Heaven

Unter den bisherigen Backworld-Veröffentlichungen nimmt „The Hound of Heaven“ eine Sonderstellung ein, und das in mehrfacher Hinsicht. Es ist das erste Konzeptalbum Backworlds und darüber hinaus am weitesten entfernt vom klassischen Stil der Band, die vor rund 20 Jahren im eher britischen World Serpent-Sound begann und irgendwann ihre eigene Nische innerhalb folkig-akustischer Musik fand. Auch gab es nie zuvor so viele Gastmusiker auf einem Release, und Joe Budenholtzers Gesang tritt merklich in den Hintergrund zugunsten mehrerer Tenöre. Vor allem aber ist „The Hound of Heaven“ mehr als Weiterlesen

HERMETIC BROTHERHOOD OF LUX-OR: Ethnographics Vol. III

Hermetic Brotherhood of Lux-Or arbeiten gerne mit diffusen Andeutungen und eher vagen Konzepten, was nicht heißt, dass ihre Aufnahmen beliebig und ohne Tiefgang wären, ganz im Gegenteil. Neben ihren regulären Alben und Konzerten führen sie seit Jahren in gewisser Regelmäßigkeit rituelle Jam-Sessions durch, die, lose inspiriert von Antonin Artauds Idee des Theaters der Grausamkeit, als Crude Sound Theatre firmieren. Ohne eine kompositorische Idee oder ein konkretes Konzept im Hintergrund bringen die Band und weitere Musiker aus dem Umfeld des sardinischen Trasponsonic-Kollektivs Weiterlesen

PAUL BEAUCHAMP: Grey Mornings

In den frühen Morgenstunden liegt nicht nur ein Zauber, der vielen Nachtmenschen entgeht, auch ist die Wahrnehmung für Inneres und Äußeres noch unverfärbt durch diversen Kram, der sich später im Geist ansammelt. Paul Beauchamps Album „Grey Mornings“ ist primär ein Porträt der vielleicht wichtigsten Orte in seinem Leben, die zufällig noch eine Namensähnlichkeit aufweisen: Seinen Geburtsort im Piedmont County in North Carolina und die Region des Piemont um seine heutige Heimatstadt Turin im Norden Italiens. Was er in dem Weiterlesen

STONE BREATH: Witch Tree Prophets

Schon das vergangene Jahr veröffentlichte Stone Breath-Album „Cryptids“ spiegelte Tinothy Renners Interesse an scheinbar Unerklärlichem, an Kryptozoologie wider. Nach seiner Abhandlung über Seltsames in Pennsylvania namens Beyond the Seventh Gate hat er kürzlich ein Buch über Bigfoot veröffentlicht und macht seit einiger Zeit einen Podcast, in dem es um ähnliche Phänomene geht. Weiterlesen

TORBA: Laavg Drjot

Schon in meiner letzten Besprechung zu Torba habe ich darauf hingewiesen, dass verzerrte Noisesounds und klassisches Feedbackjaulen nur noch eine untergeordnete Rolle in der Musik des italienischen Geräuschmusikers spielen, zugunsten einer feinsinnigen, narrativen Montage ausgefallener Klänge aus Natur, Technik und dem Repertoire klassischer Musikinstrumente. Dass dies dann aber keineswegs ruhig und gewaltfrei ablaufen muss beweist einmal mehr sein aktuelles Tape, dessen Titel einfach die beiden Tracktitel wiedergibt. Weiterlesen

DIAMANDA GALÁS: At Saint Thomas the Apostle Harlem

Ganze neun Jahre nach „Guilty, Gultiy, Guilty“, einer Sammlung von Konzertmitschnitten aus Neuseeland und den USA, ist Diamanda Galás in diesem Jahr mit gleich zwei Longplayern zurückgekehrt. Während “On All the Way” sowohl Live-Aufnahmen von verschiedenen Konzerten als auch Studiotracks enthält, ist die vorliegende Veröffentlichung ein etwas gekürzter Mitschnitt eines im letzten Jahr in New York gespielten Konzerts. Auf beiden Platten basiert Galás’ Gewaltmusik wieder nur auf Gesang und Piano, auf beiden finden sich zudem nur Stücke, die nicht Weiterlesen