Zufälle sind Geschenke: Ein Interview mit UnicaZürn

David Knight und Stephen Thrower versammeln zusammen mehrere Jahrzehnte von Erfahrung mit Musik, die immer jenseits des Mainstreams und einfacher Kategoriserbarkeiten operierte. Die musikalischen Stammbäume der beiden, u.a. Coil und Cyclobe (Thrower) und Shock Headed Peters, The Stargazer’s Assistant und Arkkon (Knight) sind den Lesern dieser Seiten sicher vertraut. Vor gut acht Jahren sprachen wir schon einmal mit den beiden über ihre aus Improvisation und Experiment entehende Musik. Seitdem erschienen bei Touch die beiden Alben „Transpandorem“ und „Sensudistricto“, es wurden das „Omegapavillion“-Tape, die „Fuse Fire Vortex“-7”  sowie jüngst noch die „Zurnica-U“-CDR veröffentlicht. Insofern schien es an der Zeit, mit beiden noch einmal ein Gespräch zu führen. Weiterlesen

ELSPETH ANNE: Mercy Me

Die Musik der englischen Sängerin und Mehrfachinstrumentalistin Elspeth Anne ist zu vielgestaltig, als dass man sie auf ein zentrales Thema reduzieren könnte. Dennoch ist die Auslotung (und in Ansätzen vielleicht auch Heilung) persönlichen Unbehagens ein Motiv, dass sich wie ein roter Faden durch alle bisherigen Veröffentlichungen der Musikerin zieht. Weiterlesen

DENIS FRAJERMAN: Tiphaine

Mit seinem neuen Album hat der Komponist Denis Frajerman seiner Frau Tiphaine, die bereits als Vokalistin an seinen Produktionen mitgewirkt hat, ein besonderes Geschenk zu ihrem fünfzigsten Geburtstag gemacht. Eine ebenso große Freude macht der ehemalige Palo Alto-Musiker damit seinem hoffentlich wachsenden Publikum, denn “Tiphaine” offenbart trotz seines persönlichen Charakters vieles, das hier bereits als Weiterlesen

ASMUS TIETCHENS: Schatten ohne Licht

Auf fast jeder Veröffentlichung des Hamburger Geräuschmusikers Asmus Tietchens findet sich ein Zitat des großen rumänischen schlaflosen Pessimisten Emile Cioran – so auch wieder auf „Schatten ohne Licht“. Als weiterer Einfluss wird nicht auf dem Album selbst, aber in der Pressemitteilung ein anderer Schwarz- (oder Klar-?) Seher als Einfluss auf „Schatten ohne Licht“ genannt, Weiterlesen

GRIM: Message

Hätten die subkulturellen Phänomene, die irgendwann von Juristen und Journalisten als Wreckers of Civilization oder England’s Hidden Reverse bezeichnet worden sind, ein Pendant in Japan gehabt, dann wäre Jun Konagaya alias Grim wahrscheinlich das zentrale Flaggschiff dieser Bewegung gewesen, denn sein Interesse am Abseitigen hatte – in Ansätzen bereits bei seiner Band White Hospital – Züge des Weiterlesen

SENYAWA / LAWRENCE ENGLISH / AVIVA ENDEAN / PETER KNIGHT / HELEN SVOBODA / JOE TALIA: The Prey and The Rulers

Die Geschichte der kreativen Freundschaft von Lawrence English und dem Duo Senyawa bietet Stoff für eine umfangreiche Erzählung. Vor gut zehn Jahren trafen sich die Musiker zum ersten Mal auf dem MonaFoma-Festival im australischen Hobart, wo der aus Queensland stammende English die aus dem Nachbarland Indonesien stammende Band auf der Bühne sah und merklich beeindruckt war. Weiterlesen

V.A.: Beirut Adrift

Rayya Badran ist eine international tätige Autorin, Übersetzerin und Kunsttheoretiketin mit Homebase in der libanesischen Hauptstadt Beirut, wo sie außerdem beim Radio sowie als Lehrerin und Hochschuldozentin arbeitet. Zusammen mit der von der Schweiz aus arbeitenden Organisation Norient City Sounds, die die typischen musikalischen wie nicht im herkömmlichen Sinne als musikalisch gelesenen Klänge von Städten erforscht und in einer virtuellen Weiterlesen

ZEENA SCHRECK: Bring Me The Head Of F. W. Murnau

Vielleicht muss man weitgereist sein, um zu erkennen, dass man zu den Menschen gehört, die sich nicht auf die Illusion eines Zuhauses – und ich spreche hier von einer Illusion insofern, dass die Ideen, die man vom eigenen Leben hat, auf eine gewisse Weise immer illusiorisch sind -  einlassen können oder wollen. Der bekannte Stummfilm-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau schrieb seiner Mutter aus Tahiti, wo er gerade seinen Weiterlesen

FIRMAET FORVOKSEN: Undone Shal

Firmate Forvoksen ist ein neues, aus Gaute Granil und Thore Warland bestehendes Projekt. Granil hat 2021 mit „Blusens Fasong“ ein Album veröffentlicht, das kaum kategosierbar wie eine wilde von Trollen gespielte Mischung aus Jazz, Weird Folk und allerlei mehr klang, Warland hat u.a. Drums bei Golden Oriole gespielt. Weiterlesen

ALL THAT WE SEE OR SEEM: s/t

Das gleichnamige Album der finnisch-englisch-brasilianischen Combo All That We See or Seem ist nur insofern ein Debüt, als dass die drei Beteiligten – Gruth (Konzept, Produktion, Elektronik), Ellen Southern (Vocals, Field Recordings, Perkussion) und Johanna Puuperä (Violine, Modular Synth, Vocals) – bisher nichts in dieser Konstellation herausgebracht haben. Alle drei können allerdings schon auf diverse musikalische Erfahrungen zurückgreifen, was vielleicht erklären könnte, dass ihr Weiterlesen

V.A.: Enko Landmann’s Empire of the Four Moons

Wie man liest, ist Empire of the Four Moons eine mehrere Bände umfassende Science Fiction-Saga aus der Feder des in Oberhausen lebenden Autors Enko Landmann, die von Kennern mal als obskurste aller Pulpnovels, mal als ein geheimer Klassiker der utopischen Literatur bezeichnet wird. Dem Verfasser dieser Rezension ist der Romanzyklus bislang nicht untergekommen, aber das muss nichts heißen. Auf dem Weiterlesen

RUDOLF EB.ER / RORO PERROT: Blood Merde

Rudolf Eb.er hat in den letzten Jahren konsequent an einem Werk gearbeitet, das über das rein Klanglich-Musikalische hinausgeht: Über den ersten Teil der starken dreiteiligen „Om Kult – Ritual Practice of Conscious Dying“-Reihe hieß es hier, dass Eb.er „seit vielen Jahren an einem rituellen Konzept zur psycho-spirituellen Reinigung und zur Überwindung des menschlichen Egos“ arbeite. Weiterlesen

THE GILGAMANIANS: Escape from Dark Matter

Die Gilgamanians sind formal betrachtet ein noch relativ junges Duo, doch reicht ihre Geschichte bis in die Zeit der frühen 80er zurück, als in Chicago eine neue Band namens Liof Munimula (Alufolie auf Englisch rückwärts gelesen minus ein i) aus dem Substrat früherer Gruppen entstand. In dieser Combo brauten Violinist Daniel Scanlan, Drummer Michael Zerang und Instrumentenbauer und Radiowellen-Virtuose Don Meckley ein seltsam Weiterlesen

THE BLACK SWAN TRIAD: Sunrise / Enchantment 7″

Vor etwas über einem Jahr erschien die damals als Quartett auftretende Band The Black Swan Triad auf der Bildfläche folkiger Rituslmusik und überraschte mit einer opulenten Feier der Elemente, die den Albumtitel “Symbiosis” trug und von der es hier hieß “Wer ein Faible für Naturgewalten hat und Platten von Dead Can Dance, Hybryds und Mother Destruction zugleich im Regal stehen hat, sollte sich diese Kollaboration nicht entgehen lassen”. Weiterlesen

Das Herz schlägt sogar im Abgrund: Interview mit der Geigerin und Komponistin Aloma Ruiz Boada

Vor wenigen Wochen veröffentlichte die im Raum Barcelona beheimatete Geigerin und Komponisten Aloma Ruiz Boada ihr Debütalbum als Solomusikerin. “Septem Verba”, das sich inhaltlich mit den sieben letzten Worten Jesu am Kreuz befasst, ist ein beeindruckendes Werk und sticht aus den vielen Strings and Loops-Veröffentlichungen der letzten Jahrzehnte heraus. Wenn man seine Stärken ganz knapp auf Weiterlesen

SAWAKO: Stella Epoca

Um die japanische Künstlerin Sawako, die sich selbst als Sound Sculptor und Signal Alchemist bezeichnet, ist es in den vergangenen Jahren ruhig geworden  zumindest was Veröffentlichungen angeht. Acht Jahre sind nun ins Land gezogen, seit die Musikerin mit “Nu.it” einen sanft einhüllenden Score voll Weiterlesen

SÜHNE MENSCH: Schmerzportrait

Schon oft wurde auf diesen Seiten auf den labeltypischen Klang bei Galakthorrö hingewiesen: Die Fokussierung auf das Analoge, das Spiel mit Dissonanzen, aber auch die Integration von Popelementen, die sich im Kompositum Angstpop finden. Aber nicht nur musikalisch gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Projekten, auch thematisch finden sich mehr als nur Überschneidungen, wenngleich die Schwerpunktsetzungen sich unterscheiden. Weiterlesen

‘A’ TRIO: Folk

Dass es sich bei dem “Folk” betitelten Album des ‘A’ Trio nicht um das handelt, was der Begriff vielleicht für die meisten suggeriert, ist sicher schon beim Anblick des Covers zu erahnen. Mehr noch, wenn einem die aus den drei Libanesen Mazen Kerbaj (Trompete), Sharif Sehnaoui (Akustikgitarre) und Raed Yassin (Kontrabass) bestehende Band bereits öfter untergekommen ist, denn das Trio ist bekannt dafür, alles, was es anpackt, vom Kopf auf die Füße zu stellen und umgekehrt. Weiterlesen