FEINE TRINKERS BEI PINKELS DAHEIM: A Bug’s Life

In der Geräuschmusik und überall sonst, wo mit Samples gearbeitet wird, sind Tiergeräusche eine beliebte Soundquelle, und zu den gefragtesten Geräuschproduzenten zählen seit jeher Insekten – was wäre ein sommerliches Kitschkolorit ohne das Zirpen von Grillen und Zikaden, und dass man aus dem Summen fliegender Insekten Noise und elektroakustiche Musik machen kann, ist hinlänglich bekannt. Weiterlesen

SLIM CESSNA’S AUTO CLUB: The Commandments According To SCAC

Slim Cessna wird gerne mit David Eugene Edwards verglichen, zu deutlich fallen da die Gemeinsamkeiten ins Auge, zu stark zeichnen sich aber auch die Unterschiede ab. Beide haben ihre Ursprünge irgendwo in den Post Punk-Biotopen von Denver, beide machten erstmals im Rahmen der legendären Denver Gentlemen von sich reden. Beide wissen amerikanische Folk- und Country-Musik auf ganz eigene exzentrische Art in ihren Stil einzubauen, und beide nutzen ihre Weiterlesen

M.I.A.: AIM

M.I.A. ist und bleibt ein zweischneidiges Schwert: Da wäre die revoluzzerhafte Kapitalismuskritik, die sie in ihrem Agit Pop auf weniger subversive als vielmehr durchweg konfrontativ-kritische Art äußert, dass sie schon über die einfachsten Gegebenheiten ihrer Selbstpräsentation stolpern müsste – bei welchem Label sie veröffentlicht, mit welchen Modefirmen sie zusammenarbeitet, der ganze nach Konsum und Markenglamour riechende Exotismus ihres Auftretens u.s.w. Auf der anderen Seite ihre gerade dort garantierte Weiterlesen

HATSUNE KAIDAN: Noisy Killer

Hinter dem Namen Hatsune Kaidan versteckt sich eine Kollaboration zwischen Musikern der Noiseband Hijokaidan und der Sängerin Miku Hatsune. An dieser Stelle darf man ergänzen, dass Hatsune keine gewöhnliche Sängerin ist, sondern eine Kollegin von France Galles „Poupée de Sire“, vulgo: ein singender Synthesizer, der nur bei Auftritten von diversen playback agierenden Schauspielerinnen verkörpert wird. Was den Echtheitseffekt betrifft, kann man Hatsunes Gesang mit der optischen Wirkung der in Japan beliebten Weiterlesen

JULEE CRUISE / KING DUDE: Sing Each Other’s Songs For You (7”)

Auf den ersten Blick wirken sie wie ein ziemlich ungleiches Duo – sie ein bekanntes Popsternchen mit Kameraerfahrung, das sich in den letzten Jahren etwas rar gemacht hat, er ein aufstrebender Szeneliebling, der vor wenigen Jahren erst in Subkulturen groß geworden ist, die ihr allenfalls dem Namen nach bekannt sind. Und doch haben Julee Cruise und King Dude so einiges gemeinsam. Ihre Songs wirken wie Echos einer fantastischen Welt, die zugleich ein integraler Teil des populären Amerika ist. Weiterlesen

KITCHIE KITCHIE KI ME O: Are You Land or Water

Mit ihren düsteren Kopfhängersongs und einem Schuss Americana konnten die Norweger Madrugada um die Jahrtausendwende herum ein recht unterschiedliches Publikum begeistern, wozu neben der Tiefe ihrer Songs sicher auch die Tatsache mit beitrug, dass sich Nick Cave gerade immer mehr vom Geschmack seiner Fans entfernte, während Mark Lanegan noch brav bei den Queens of the Stone Age Studentenrock fabrizierte. Nach drei Alben löste sich die Band allerdings auf, und das Weiterlesen

HOLY PALMS: Jungle Judge

Gäbe es den Begriff medias in res noch nicht, so hätten die Alten Römer ihn extra für den Moskauer Gitarristen und Drummer Pavel Eremeev alias Holy Palms erfinden müssen. Mit einem Schlag ist man mitten in der gitarrenbasierten Dubwelt des Jungle Judge, der seine relaxten und paradoxerweise gleichsam hektischen Takte durch einen respektablen Katalog an Effekten jagt. Weiterlesen

BERTONI / BOCCARDI / MONGARDI: Litio

Die initiale Idee zu diesem Trio kam dem Mailänder Alberto Boccardi, der von Haus aus elektronischer Sounddesigner ist, aber auch ein Faible für Gitarrenmusik jenseits herkömmlicher Rockstrukturen hat. Nachdem er sein Electronica-Album „Fingers“ herausgebracht hatte, konsultierte er seine beiden Landsleute Antonio Bertoni (Bass) und Paolo Mongardi (Drums), die vom Rock und vom Jazz kommen, für eine auf dem Album basierende Tour. Während dieser wurde Weiterlesen

HYPNOPAZŪZU: Create Christ, Sailor Boy

Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde von Seiten der Beteiligten über den langen Zeitraum gescherzt, der zwischen dem ersten und zweiten musikalischen Zusammentreffen von Killing Jokes Youth und David Tibet liegt, wobei sich natürlich auch Qualität wie Quantität der Zusammenarbeit unterscheiden, steuerte Youth 1984 doch lediglich ein paar Bassspuren zu Current 93s LP-Debüt „Nature Unveiled“ bei, während er sich auf „Create Christ, Sailor Boy“ komplett für die Musik verantwortlich zeigt. Weiterlesen

DENVER BRONCOS UK: Songs One Through Eight

Seit Jahren schon gibt es im Umfeld von Slim Cessna und Jay Munly ein weiteres Projekt, das neben dem Auto Club und den Lupercalians das Dreigestirn komplettiert – die Denver Broncos UK, kurz DBUK. Da mit Rebecca Vera und Dwight Pentecost nur zwei weitere Musiker der älteren Bands involviert sind, kann man über den Existenzzweck dieses Projektes nur anhand von musikalischen und textlichen Merkmalen spekulieren. Zum einen fehlt den Broncos das Uptempo, der Schuss Polka des Auto Clubs, zum anderen ist auch Weiterlesen

FUTEISHA: Last Nihilist

Wäre „Last Nihilist“ ein Filmtitel, was für ein Streifen würde sich wohl hinter den zwei Wörter verbergen? Geht man nach den vielen Andeutungen, die das so betitelte Tape von Futeisha spicken, erhält man keine allzu deutlichen Hinweise zu Schauplatz und Handlung, zu divergent erscheinen der japanische Name, der argentinisch-italiensiche Background des Künstlers und das musikalische Mosaik aus Elementen von südländichem Folk und Lärm, und der Schweinkram auf dem Cover steht auch für alles und nichts. Nur dass die Stimmung zwichen raubeiniger Abgeklärtheit und Wahnsinn changiert, ist offensichtlich. Weiterlesen

CONTROLLED BLEEDING: Larva Lumps and Baby Bumps

War in den letzten Jahren der Output von Controlled Bleeding sehr sporadisch geworden und konnte man den Eindruck gewinnen, dass Paul Lemos (vielleicht auch bedingt durch den Tod der beiden Mitstreiter Chris Moriarty und Joe Papa) etwas ausgebrannt und frustriert war, so scheint ihm das Musikmachen inzwischen wieder sichtlich zu begeistern, er hat sich als Gitarrist neu erfunden und scheint auch mit seiner Vergangenheit im Reinen zu sein. Weiterlesen

SKADEDYR: Culturen

Für Anja Lauvdal und Heida Jóhannesdóttir Mobeck ist Musik v.a. auch eine gemeinschaftliche Sache, und spontan und offen wie sie sind, haben sie ihre Künste an diversen Instrumenten bereits in vielen Konstellationen eingebracht – quer durch die meist skandinavischen Welten des Jazz, des Folk und diverser improvisierter Musik. Als sie ihr eigenes Bandprojekt Skadedyr ins Leben riefen, war klar, dass es sich um eine Art Supergroup handeln wird, die viele ihrer Weiterlesen

FAUN FABLES: Born of the Sun

Folk wird gerne nachgesagt, regressiv und rückwärtsgewandt zu sein und eine eskapistische Sehnsucht auf eine idealisierte Vergangenheit zu projizieren, in der ein einfacheres Leben im Einklang mit den Zyklen der Natur und eine unverdorbene Spiritualität möglich waren. In Wirklichkeit hat Folk nur in seinen trivialeren Ausprägungen mit solchen Utopien zu tun. Fraglos geht es immer wieder um Natur und Spiritualität, und als Vehikel für Traditionen und somit als der Zeit verpflichtetes Phänomen hat Folk natürlich auch mit Weiterlesen

STONE BREATH: Cryptids

Vor einiger Zeit hatte Timothy Renner einmal angesprochen, dass die Thematisierung des Spirituellen, die sich (auch) immer wieder in seinem Werk gefunden hat, zu Missverständnissen (in der Wahrnehmung anderer) geführt hat. Mit seinem Projekt Albatwitch hat er in den letzten Jahren zwei dezidiert politische Alben eingespielt. Vielleicht hat auch die Tatsache, dass in seinem Heimatland seit einer Reihe von Jahren der evangelikale lunatic fringe sich in zunehmendem Maße in den Mainstream der GOP ge- bzw. verschoben hat, dazu beigetragen, jetzt etwas zurückhaltender zu sein. Weiterlesen