MOONGAZING HARE / TRAPPIST AFTERLAND: Songs For Nathan

Diejenigen unserer Leser, die sich für Psychedelic und ungewöhnliche Folkmusik interessieren, kennen wahrscheinlich das Projekt Moongazing Hare um den Dänen David Folkmann Drost und Trappist Afterland, die Band des in Melbourne lebenden Adam Goeffrey Cole. Einige sind vielleicht auch schon auf The Active Listener gestoßen, ein in Neuseeland beheimatetes Label und Magazin, das sich der Unterstützung und Verbreitung solcher Musik aus aller Herren Länder widmet. „Moongazing Hare and Trappist Afterland sing Songs for Nathan“ ist Nathan Ford, dem Chef Weiterlesen

CAMERATA MEDIOLANENSE: Le Vergini Folli

Im Laufe ihrer mittlerweile bald fünfundzwanzig Jahre umspannenden Karriere haben die Mailänder Kammermusiker um Komponistin und Musikwissenschaftlerin Elena Previdi immer wieder Veränderungen zugelassen und wahrscheinlich auch angestrebt. Eine der Konstanten im bisherigen Werk war die Zusammenführung alter Musikarten schwerpunktmäßig aus Renaissance und Barock mit einer Dynamik, die an Post Industrial-Kollektive wie Test Dept und Officine Schwartz, aber auch an reißerische Filmscores erinnerte und oft Weiterlesen

FUTURO DE HIERRO: Paso en el Vacío

Wie viele Musiker, die auch als Veranstalter und Labelbetreiber auftreten, ist Viktor Hurtado aus Barcelona ein leidenschaftlicher Kollaborateur, in der Vergangenheit berichteten wir über Huan, sein dröhnendes Duett mit Jochen Arbeit, sowie über Ordre Etern, seine wuchtig-perkussive Post Industrial-Band, die wohl fürs erste auf Eis gelegt scheint. Futuro de Hierro ist eines seiner raren Soloprojekte, und mit diesem schickt er sich an, neue Kombinationsmöglichkeiten des Treibenden, Schweren, Dunklen und Atonalen zu erforschen. Weiterlesen

A passage into an altered state: Interview mit Ka Baird

Ka Baird hat mit den vor einigen Jahren zum Duo geschrumpften Spires That In The Sunset Rise eine ganze Reihe von Alben veröffentlicht, die in ihrer Originalität, Experimentierfreude und Wucht in der zeitgenössischen Folkmusik ihresgleichen suchen und man könnte vielleicht so weit gehen, die nach einer Zeile aus einem Gedicht von Baudelaire benannte Band als legitime Erben von Comus zu bezeichnen. Gleichzeitig hat Weiterlesen

GENETIC TRANSMISSION / MOAN: Collaboration 1

Man kann Tomasz Twardawa alias Genetic Transmission als vielleicht etwas späte, aber durchaus würdige polnische Antwort auf Acts wie De Fabriek und Vivenza betrachten, deren Musik den Begriff des Industrial nicht nur in gesellschaftsbezogener, sondern auch in klanglicher Hinsicht ernst nahmen: Das Maschinelle, die verinnerlichte und bis in die Traumsphäre hineinreichende akustische Kombination aus Metall und Stein, das Echo von Platten, Stangen, Riemen und Federn zieht sich wie ein graubrauner leitmotivischer Faden durch die Arbeiten des seit Weiterlesen

ŠIROM: I Can Be A Clay Snapper

Vielleicht ist die Beschreibung von Musik als einer imaginären Landschaft mittlerweile etwas verbraucht, doch wenn Ana Kravanja von der slowenischen Improv-Folk-Gruppe Širom ihre künstlerische Absicht so beschreibt, ist es sicher interessant zu wissen, dass sie von Haus aus Malerin ist und in Abstraktion entrückten Traumlandschaften zuneigt. Auf ihrem zweiten Album spielen Landschaften aber eine noch größere Rolle. Weiterlesen

LAST DOMINION LOST: Abomination of Desolation

Nachdem der Name Last Dominion Lost ursprünglich rückwirkend für Aufnahmen verwendet wurde, die John Murphy, Jon Evans und Dominic Guerin Anfang der 90er gemacht hatten, wurde in den letzten Jahren aus Last Dominion Lost eine aus Murphy, Evans sowie Julian Percy bestehende und in Berlin ansässige Band, die eine durchaus an den Ursprüngen des Industrials orientierte Geräuschmusik spielte, aber dem 21. Jahrhundert klanglich angemessen agierte. Weiterlesen

The Moons at Your Door: Current 93, Hypnopazūzu und Alasdair Roberts in Berlin

Current 93 zählen nicht zu den routinierten Live-Bands, bei denen sich über die Jahre fast unvermeidlich gewisse Vorhersehbarkeiten einschleichen. Konzerte gibt es seit jeher eher sporadisch und meist einzeln organisiert, nur selten gibt es so etwas wie Ansätze zu einer kleinen Tour. Zudem verändert sich das Line-up der beteiligten Musiker oft sehr stark, so dass Sound und Songauswahl fast zwangsläufig immer wieder anders ausfallen. Wenn Current 93 mal wieder in der eigenen Stadt auftreten, kann man also alles mögliche erwarten. Dass David Tibet und seine aktuelle Besetzung jüngst in der Berliner Apostel Paulus-Kirche nicht etwa wie beim letzten Auftritt vor rund drei Jahren überwiegend Weiterlesen

KA BAIRD: Sapropelic Pycnic

Kathleen alias Ka Baird wurde zunächst als eines der Gründungsmitglieder der mittlerweile zum Duo geschrumpften Avantgarde-Folkband Spires That In The Sunset Rise bekannt, bei denen sie sang und neben der Flöte noch eine ganze Reihe weiterer Instrumente spielte. Seit ihrem Umzug von Chicago nach New York und ihrer Entscheidung, primär als Solomusikerin zu arbeiten, lotet sie verschiedene instrumentelle und kompositorische Möglichkeiten aus, so dass ihre nunmehr drei Veröffentlichungen in jeweils ganz unterschiedliche Richtungen gehen: Auf die Weiterlesen

BOTANIST: Collective: The Shape Of He To Come

Die Zahl der Bands, die Post Black Metal spielen, scheint inzwischen fast unüberschaubar, wobei man den Eindruck hat, dass sich manche Genres, Shoegaze etwa, besonders gut zur Integration eignen. Bands transzendieren die Thematik und das Image und fügen weitere, oft als atypisch wahrgenommene Instrumente hinzu. Natürlich führen solche Auflösungen allzuenger Genregrenzen oft zu Gegenbewegungen: Weiterlesen

GÜNTHER SCHLIENTZ: Autumn

Der Herbst gilt als Zeit der Einkehr und Kontemplation und hat wie alle Jahreszeiten bereits zahllose Würdigungen in der Musik erfahren. Die Facetten seiner Stimmungen und seiner Sinnlichkeit geben aber immer noch Stoff für neue, zum Teil ungewöhnliche Ideen ab, auch wenn ein Konzeptalbum zum Herbst auf den ersten Blick vielleicht etwas abgedroschen anmuten mag. Weiterlesen

CUT WORMS: Lumbar Fist

“Lumbar Fist” ist das Debütalbum von Richard van Kruysdijks neuem Soloprojekt Cut Worms, doch Kruysdijk ist bei Weitem kein unbeschriebenes Blatt in den Annalen abseitiger, experimentierfreudiger Musik. Er ist Mitglied der Band Phallus Dei, als Komponist, Producer und Schlagzeuger arbeitete er mit Kollegen wie Peter Christopherson, Edward Ka-Spel, Daisy Bell, Blaine L. Reiniger, Jarboe und Daniel Johnston sowie auch immer mal im Alleingang. Weiterlesen

WOLVES IN THE THRONE ROOM: Thrice Woven

Wolves in the Throne Room wurden vor einigen Jahren recht schnell zu Lieblingen auch der Presse, die sonst mit Black Metal nicht viel anfangen konnte. Neben einer guten Produktion, die weit entfernt war von der Lo-Fi-Pappschachtelschlagzeugästhetik mancher „True“ Black Metal-Alben, waren sicher auch die Themen (Ökologie, Nachhaltigkeit – wenn auch teils in ihren esoterischen Auswüchsen) anschlussfähiger an Mainstreamdiskurse als die tausendste Anrufung an den Gehörnten. Weiterlesen

PAT MOONCHY: VorFreunde

Pat Moonchy ist seit den späten 90ern in unterschiedlichen Konstellationen musikalisch aktiv, und ihr wichtigstes Instrument neben Bass und Elektronik ist ihre Stimme. Das klingt etwas an den Haaren herbei gezogen, ist aber durchaus buchstäblich gemeint, denn für gewöhnlich setzt sie ihren eigenwilligen Sopran als Klangerzeuger ein, der – losgelöst von Sprache und herkömmlicher Harmonie – in ihrer Musik eine Funktion einnimmt, die traditionell Streich- und Blasinstrumenten vorbehalten ist. An anderen Stellen erzeugt Weiterlesen

ANGÈLE DAVID-GUILLOU: En Mouvement

Angèle David-Guillou tauchte zunächst in zwei Kontexten auf, einmal als Gastmusikerin an diversen Instrumenten bei der Band Piano Magic, einmal mit ihrem ersten Soloprojekt Klima, mit dem sie feinmaschig gewebte, zum Teil verhuschte Popstücke aufnahm. Ihre Entscheidung, Musik unter ihrem eigenen Namen herauszubringen, ging einher mit einer erneuten Abwendung vom Song, zumindest wenn man darunter Stücke mit Gesang in herkömmlichen Strophenformen versteht, sowie ihre Wahl eines Klaviers als zentrales Instrument. Weiterlesen

MARTIAL CANTEREL: Lost at Sea

Es ist schon interessant zu beobachten, wie Genres, die in den 90ern von großen Teilen der Musikpresse bestenfalls ignoriert, schlechtenstenfalls lächerlich gemacht wurden, seit einigen Jahren auch für Hipster goutierbar und abfeierbar geworden sind. Zwar mussten sich Vertreter dunkler(er) Musik zumindest in Deutschland nicht um Möglichkeiten der Veröffentlichung und der medialen Repräsentanz sorgen (schließlich gab es Zillo und Orkus), aber die Rezeption fand doch oft in klar abgegrenzten Subkulturen statt. Der neuste Zillosampler wurde schließlich nicht in der Spex besprochen. Weiterlesen

V.A.: Dendronephthya – Shaking the Boughs of the Family Tree

Wenn ein Label mehr ist als bloß eine Plattenfirma, hat es im besten Fall etwas von einer Familie, in der die einzelnen Mitglieder untereinander verbandelt sind und immer wieder neue gemeinsame Unternehmungen aushecken. Das in Kopenhagen ansässige Label Dendron Records aus dem Umfeld der Band Own Road ist so ein Fall, und zur Feier ihres fünfjährigen Bestehen haben sich die Dänen etwas Nettes einfallen lassen: Jeder Künstler nimmt sich einen Song eines anderen Label-Acts vor und interpretiert diesen in seinem eigenen Stil, und dies immer mit der Weiterlesen

TIME MACHINES: Time Machines

Ich habe schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass es kaum möglich ist, über Coilveröffentlichungen der letzten Jahre zu schreiben, ohne die Fragwürdigkeit und/oder die Legitimität der meisten Tonträger anzusprechen, die nach Peter Christophersons Tod erschienen sind. Ein Beispiel ist die Veröffentlichung des “Backwards”-Albums, bei dem Cold Spring und Danny Hyde den Eindruck vermittelten, der einzige Grund, warum das Album nicht von Coil veröffentlicht worden sei, seien rechtliche Auseinandersetzungen mit den „grey men“ der Industrie gewesen seien und nicht etwa, dass das Album für Balance und Christopherson (u.a. auch) zu konventionell geraten war: Weiterlesen

TRAPPIST AFTERLAND: Afterlander

In der Diskografie von Trappist Afterland nahm das vor zwei Jahren erschienene „Afterlander“ so etwas wie eine Schanierstelle ein, fasste vieles aus der Vergangenheit der australischen Psych Folker zusammen und stellte zugleich die Weichen für Künftiges. In ihrer mystisch angehauchten, weit über westliche Musiktratitionen hinausgehenden Gestalt deuteten die Songs schon etwas in die konzentriertere Richtung des darauf folgenden „God’s Good Earth“ und hatten doch noch einiges von dem zerfledderten 70er-Feeling des Frühwerks, das wie ein Echo aus den Weiterlesen