LA HERIDA: Dead in Devil’s Paradise

Lärmwellenartige Intervalle und alarmierende Synthies eröffnen ein raues Soundszenario, das sich bald zu einem Gewitter aus rhythmischem Noise steigert, während verschiedene Pulsstrukturen gegeneinanderlaufen und trotzdem ineinandergreifen – so könnte man “Mark of Arana”, den Opener des Debütalbums der semiobskuren Band La Herida beschreiben. Die Combo, bestehend aus Eugenio Acrartep (Ab Uno) und Lorenzo Setti (Atômi), beschreibt “Dead in Devil’s Paradise” als klangliche Auseinandersetzung mit Gewalt und mit den Strukturen und Wiederholungsmustern moderner Lebensumstände. In einem Zusammenspiel aus akustischen und elektronischen Mitteln, Feldaufnahmen und dichten Atmosphären wird das Ungesicherte ins Zentrum geholt wird. Das Album folgt so einem roten Faden, der Unruhe nicht glättet, sondern untersucht und bloßlegt.

Das folgende “Mocoa” setzt zunächst leiser an, mit einem kurzen ambienten Eindruck, der rasch von unruhigen, nach vorn drängenden Geräuschen zersetzt wird, erst später schieben sich schwer fixierbare rhythmische Elemente nach vorn. In “Dance Slave Dance” dominieren von Beginn an elektronische Rhythmen von Beginn. Das Stück gibt sich ausgesprochen tanzbar, bleibt jedoch lange wie ein spannungsvoller Auftakt, bevor es sich kurz verdichtet und ohne Eskalation endet. “Carved from the Trees” präsentiert ein halliges, aquatisches Szenario , das sich, begleitet von Stimmenanmutungen und beschleunigt wirkenden Details ohne Beats rhythmisiert. Trotz des unaufgeräumten Eindrucks wirkt jeder Klang präzise an seinem rt plaziert.

“Liquefied Gum” bildet einen Bruch und beginnt schwebend, bevor ein energischer, fast dubstep-artiger Drive einsetzt. Die vielen sperrigen Details verändern diesen Eindruck nicht, sondern schärfen ihn. Auch hier scheint etwas Stimmeshaftes durch, bleibt jedoch undefiniert. Man könnte viel zu den einzelnen Stücken schreiben, doch mit der Zeit verstärkt sich mehr und mehr der Eindruck, dass das Album als ganzes gehört werden sollte. Doch auch aus dem Gegenzoom betrachtet beeindruckt immer mehr die in steter Bewegung begriffene Struktur der Kompositionen, die nie da enden, wo sie begonnen haben und viele falsche Fährten legen. Gesetzte Grundstimmungen, getragen von basslastigem Grummeln und  metallischem Gerassel, finden irgendwann ganz plötzlich eine treibende Form, gemächlichere Flächensounds erzeugen einen zwiespältigen Ruheeffekt, der eher an ein Festgehaltensein erinnert.

“The Hollow Path” arbeitet mit rotierenden, verrauschten Bewegungen, die sich nach und nach verdichten. Zwischentöne wie hechelnde Geräusche oder nächtlich wirkende Pfeiflaute verstärken die Dunkelheit des Stücks, bis es in ein lärmiges Prasseln übergeht. “The Slammer” kombiniert hohe Fiepstöne, gehauchte Elemente und metallisches Kratzen mit einer Stimme, die an eine Bahnhofsdurchsage erinnert. Die von Unsicherheit geprägte Atmosphäre bleibt schwer einzuschätzen. Das laut Liner Notes komplett in einem Take live eingespielte “Desafiante de la Muerte” beginnt flächig und kratzig, wirkt wie eine langsame Überrollbewegung und entwickelt sich, flankiert von zischelnden Becken in ast schon so etwas wie ein von heftigen Detonationen durchzogenes psychedelisches Metalfreakout.

Das Ende kommt auf unerwartete Art: Nach einem kurzen melancholischen Stück als retardierendem Moment beschließt “La Curandera” beschließt das Album mit Feldaufnahmen aus einer städtisch wirkenden Umgebung und dem spanischen Gesang einer Frau. So endet ein Album, das wenig erklärt und dabei umso mehr zeigt und in all seiner irrlichternden, gefahrvollen Dramatik als Aussage über einen gegenwärtigen Zustand durchaus etwas mitzuteilen hat.