PLANTS HEAL: Forest Dwellers

Plants Heal, das aus einem Albumtitel hervorgegangene und heute aus Dan Nicholls, Dave De Rose und Lou Zon a.k.a. Louise Boer bestehende audiovisuelle Trio, ist zurück mit einem furiosen Longplayer, dessen acht Tracks wie konzentrierte Ergebnisse eines freien Zusammenspiels wirken und dies wohl auch sind – irgendwo im weitläufigen Grenzgebiet zwischen Improvisation, Clubästhetik und experimentierfreudiger, organisch anmutender Elektronik.

Dass die Beteiligten zusammen in einem Athener Studio standen, statt Dateien hin und herzuschicken, glaubt man sofort, denn auf “Forest Dwellers” (nicht zu verwechseln mit diesem Projekt) brodelt und atmet es durchgehend auf beeindruckend vitale Weise. Mal zischt eine Acidlinie wie heißes Fett in der Pfanne, mal knarzen holzig-perkussive Strukturen, wenn De Rose seine Drumsticks gegeneinander schlägt oder anderweitig sein Instrument traktiert. Ein stetes basslastiges Synthiebrummen hält das Ganze zusammen, während die Rhythmen mal stolpern, mal nach vorn preschen, mal in dubverhallte Weiten abtauchen. Dazwischen öffnen sich kurz ambiente Lichtungen, bevor es wieder auf hypnotische (oder drängende) Art weitergeht.

Die Musik bewegt sich in genau dem Spannungsfeld, das Plants Heal seit jeher ausmacht: Sie kann ebenso einen Club erbeben lassen wie einen stillen Kopfraum füllen. Einflüsse aus Triphop, Dub, kosmisch angehauchtem Kraut und den avantgardistischeren Momenten eines Punk’n'Wave schimmern durch, ohne dass je eine Referenz plump hervortritt. Stattdessen entsteht etwas erstaunlich Organisches – rhythmisch flexibel, klanglich klar konturiert und doch immer ein bisschen rumpelig, als wäre das Menschliche wichtiger als die Perfektion.

Lou Zons visuelle Arbeit (siehe Bandcamp) gehört untrennbar dazu. Während der Live-Sessions bearbeitet sie analog Pflanzen wie Schafgarbe, Weißdorn, Brennnessel und Distel – Spuren davon landeten auch auf dem Cover. So wird das Album zum Dokument eines größeren, fortlaufenden Prozesses: ein Kreislauf aus Wachstum, Verfall und kollektiver Energie, der sich gleichermaßen im Tanz, in der freien Improvisation und im gemeinsamen Moment entfaltet.

Label: Quindi Records