Bei Cold Spring erscheint erstmals der Soundtrack zu Pier Paolo Pasolinis Film “Salò, oder die 120 Tage von Sodom”. Die Musik steht in bewusstem Gegensatz zu den brutalen Bildern des Films und verbindet klassische Kompositionen von Bach, Chopin, Orff, Puccini und Graziosi mit Ennio Morricones den Rahmen bildenden Arbeiten. Der Soundtrack folgt der inneren Dramaturgie des Films, beginnt mit Morricones “Son Tanto Triste”, führt durch melancholisch gebrochene Passagen und bezieht auch düstere Gesangseinlagen der Darsteller ein. Ergänzt wird das Programm durch Morricones Abschiedsstück “Addio a Pier Paolo Pasolini”, das nach Pasolinis Ermordung kurz vor der Filmpremiere entstand und in die endgültige Fassung aufgenommen wurde.
Pasolini wandte sich, so erfährt man im Begleittext des Labels, mit diesem Film bewusst gegen die von ihm selbst mit ausgelöste Welle des Exploitationkinos und griff auf de Sade als radikalste Denkerfigur zurück. Pasolinis Lesart von “Die 120 Tage von Sodom”, erweitert um Motive aus Dantes “Inferno”, versteht sich als schonungslose Analyse von Macht, Faschismus und moralischer Zerstörung – eine Herangehensweise, die seine Arbeit trotz signifikanter Unterschiede mit dem etwas früher erschienenen Kapitel in Adornos und Horkheimers “Dialektik der Aufklärung” gemein hat. Pasolinis Satz “Die einige Anarchie ist Macht” fungiert dabei als ideeller Kern dieser letzten Arbeit. Der Soundtrack wird in einigen Tagen als CD sowie als auf 500 Exemplare limitierte LP auf blutrotem Vinyl veröffentlicht. Alle Ausgaben enthalten zusätzlich die Bonusaufnahme “The Salò Haunted Suite”.