Nothing Exists in Between: Neuer Track von Shahab Jafari auf aNoise

Mit “Nothing Exists in Between” hat der iranische Komponist und Kunstforscher Shahab Jafari eine ungewöhnlich wandelbare One-Track-EP beim Berliner Label aNoise (ehemals Noise a Noise) veröffentlicht. Piano und Violine – gespielt von Mehrnoush Ataie und Ali Samadi – treffen auf eine Musik, die sich zunächst beinahe heiter und unbekümmert gibt: Flinke Klavierfiguren erinnern an Bar und Cabaret, streifen aber auch, falls das nicht übergedeutet ist, klassische Musik des 19. Jahrhunderts, die volkstümliche Formen in ihren Fundus integriert hatte. In den Streichern schimmern zudem immer wieder iranisch anmutende Bezüge durch.

Die scheinbare Leichtigkeit bleibt im Verlauf der Komposition aber nur bedingt stabil. Das Stück wechselt Tempo und Atmosphäre, bricht ab, setzt neu an und kann plötzlich wie ein turbulenter Gebirgsbach voranstürmen, bevor es wieder melancholischer wird und osteuropäisch anmutende Färbungen durchschimmern. Gerade diese Wandlungsfähigkeit macht die Komposition reizvoll. Thematisch kreist “Nothing Exists in Between” um die Erfahrung, zwischen Gegensätzen festzustecken: zwischen Sein und Nichtsein, Nähe und Verlust, Anfang und Ende. Der Begleittext beschreibt die Musik entsprechend als einen Versuch, Fragen, Zweifel und Orientierungslosigkeit in Klang zu verwandeln. Eine Antwort will Jafari dabei, wie es weiter heißt, ausdrücklich nicht liefern – eher wird die Suche selbst zum musikalischen Prinzip. Die EP ist digital über Bandcamp erhältlich, wo sich weitere Informationen finden.