LAGOSS / BABAU: Splitting Hits For The Heat Damage

Hitze als Bedrohung, Hitze als Trancezustand, Hitze als Zerrbild der Wahrnehmung und als Zustand, in dem sich Halluzinationen, Beklemmung und fiebrige Wachheit miteinander vermengen. Dies könnte als eine Art Motto für “Splitting Hits For The Heat Damage”, das Split-Tape der Formationen Lagoss und Babau, fungieren, das weniger konkrete Geschichten erzählt als vielmehr Stimmungen beschwört: das Schwanken zwischen Klarheit und Überforderung, zwischen Anspannung und einem verschobenen Humor.

Lagoss, das Trio aus Teneriffa, das sich mit seiner “Imaginary Islands”-Reihe bereits einen Namen gemacht hat, steuert sechs Stücke bei, die in Indonesien aufgenommen wurden. Ihre Collagen aus Klappern, Rauschen, archaisch wirkenden Drums und elektronischer Manipulation lassen eine Herkunft in experimentierfreudiger Geräuschkunst erahnen. In “La Bandunga” etwa entfalten sich einfache, aber unregelmäßige Takte, die gerade durch ihre Verschiebungen hypnotisch wirken, bis sich am Ende eine asiatisch anmutende Melodie andeutet. Andere Tracks schlagen plötzlich Haken, wie “Conan El Barbudo”, das von metallophonem Klimpern und entrückten Melodien zu schepperndem, fast eruptivem Rhythmus kippt. In “Planeta Palmera y su Cabra” wiederum werden Tierlaute in eine unheimliche Klanglandschaft eingesponnen – hier wird die Grenze zwischen Naturgeräusch und akustischer Fiktion bewusst unscharf, und immer wieder entsteht der Eindruck einer künstlich heraufbeschworenen Exotica, die faszinierend und gleichsam beunruhigend wirkt.

Babau – das Duo aus den Artetetra-Gründern Matteo Pennesi und Luigi Monteanni – nimmt mit vier Tracks aus einer Jam-Session den Faden auf, aber in anderer Färbung. “Geoshredder” beginnt verspielt, treibend, mit sich kristallisierenden Handdrum-Beats, und wirkt deutlich melodischer als vieles bei Lagoss. “Tidal Field” verfremdet orchestrale Samples so stark, dass sie wie Fossilien in Bernstein wirken, über denen Wassergeräusche plätschern – eine fast monumentale Stimmung, die durch verfremdete Vocals gebrochen wird. Mit “Stone Cold Thunder Dub” setzen Babau auf eine direktere, elektrifizierte Dub-Variante, deren Lücken zwischen den Sounds genauso wichtig sind wie die ratternden Rhythmen selbst. Den Abschluss bildet “Dulugu Ganalan”, in dem zwitschernde Vögel, Klappern und weitere Naturgeräusche in eine stimmungsvolle, fast hörspielhafte Form gebracht werden – ein beinahe sanfter, aber nach wie vor geheimnisvoller Ausklang.

Was dieses Album besonders macht, ist die Art und Weise, wie zwei Projekte mit ähnlicher Grundhaltung – der Lust am Experiment, der Affinität zu tropischer Exotica und surrealen Verfremdungen – dennoch unterschiedliche Akzente setzen: Lagoss eher düster und vertrackt, Babau verspielt und leichter, ohne den Kollegen an Intensität auch nur im Geringsten nachzustehen. (U.S.)

Label: Artetetra