“Durch eine weite Wüste fahren, der Wind schlägt hart ins Gesicht, das Wasser wird knapp, der Treibstoff geht zur Neige. Herz und Verstand kollabieren auf süße Weise, die nervöse Hülle fällt ab, legt die Haut frei, Freude beschleunigt, während alles auf einen weiteren Aufprall zusteuert, ohne den Wunsch zu bremsen. Wir sind hier, um all das zu erleben”. Diese Passage aus den Liner Notes beschreibt präzise die Grundhaltung von “ZCAJK”, dem ersten Studioalbum des in Berlin gegründeten Duos TRAS.
TRAS, bestehend aus Teresa Riemann (Schlagzeug, Gesang, Klavier, Text und bekannt von zahlreichen Soloprojekten und Kollaborationen wie z.B. Naked In The Zoo) und Asja Skrinik (Elektronik, Stimme und u.a. bekannt von der Combo PΞB), verdichtet auf diesem Album acht improvisierte Stücke zu einer geschlossenen Form. Die Aufnahme entstand in einer einzigen Studiositzung und wirkt trotz dieses Ursprungs strukturiert und klar ausgerichtet. Die Musik folgt dabei keiner linearen Entwicklung, sondern eher einer Abfolge von Zuständen, die sich verdichten, überlagern und wieder auflösen.
Zentrale Elemente sind das Schlagzeugspiel Riemanns und die vielschichtigen Stimmen beider Musikerinnen. Die Drums beginnen häufig zurückhaltend, steigern sich jedoch rasch in dichte, teils entfesselte Bewegungen, die zwischen präzisem Beckenspiel und roher, fast rumpelnder Körperlichkeit wechseln. Parallel dazu entwickeln sich die Stimmen von zunächst verfremdeten, kaum greifbaren Klangformen hin zu heiseren, kratzigen und teils eruptiven Ausdrucksweisen. Beide Stimmen bleiben dabei oft gleichzeitig präsent, umkreisen sich, verschränken sich und bilden eine dichte Struktur, die zwischen Gesang, Rezitation und Lautbildung changiert. Elektronische Elemente und zusätzliche Klangquellen erweitern dieses Gefüge, ohne es zu dominieren. Sie treten als flächige Strukturen, als federnde, synthetische Impulse oder als bedrohlich wirkende, schwer zuzuordnende Geräusche auf, die den Gesamtklang immer wieder verschieben. Dabei entsteht kein kontinuierlicher Fluss, sondern ein bewusst fragmentiertes Gefüge, in dem einzelne Klangereignisse klar hervortreten und sich gegeneinander absetzen.
Mehrfach wird mit Erwartung gearbeitet: Stücke beginnen mit scheinbar ruhigen, fast zurückgenommenen Passagen, in denen flüsternde oder fauchende Stimmen über einer noch offenen Struktur stehen, bevor sich die Intensität allmählich aufbaut. Dieser Moment des möglichen Ausbruchs wird jedoch oft hinausgezögert oder nur teilweise eingelöst, wodurch eine anhaltende Spannung entsteht. In anderen Situationen setzt die Dynamik abrupt ein und führt zu Verdichtungen, in denen Schlagzeug, Stimmen und Elektronik gleichzeitig in hohe Intensität gehen. Inhaltliche Bezugspunkte werden punktuell sichtbar. “Große Trauer. Fluch. Herz. Fluch.” verbindet eine raue, hochfrequente Klangbasis mit einem wohl gesamplete Mantra und einem Gesang, der an traditionelle Formen aus der Balkanregion erinnert, während “Hikikomori” mit seinem Thema des Rückzugs zunächst eine scheinbar sanfte Oberfläche etabliert, die jedoch durch untergründige Unruhe und spätere Verdichtung gebrochen wird. Auch “Gerupft im Sinne von Hühnchen” spiegelt seinen Titel in einem hörspielartigen Aufbau mit collagehaften Strukturen und abrupten vokalen Ausbrüchen. Auch hier scheint es immer wieder um die “Freiheit am Boden der Verzweiflung zu gehen”, die Riemann in unserem Interview erwähnt und die eigentlich zu einem geflügelten Wort werden sollte.
Auffällig ist das konsequente Nebeneinander von Kontrolle und Auflösung. Die Stücke wirken einerseits klar gesetzt, andererseits offen für Brüche, Überlagerungen und unerwartete Wendungen. Das Zusammenspiel von Riemann und Skrinik bleibt dabei eng verzahnt, ohne feste Rollenverteilung, und erzeugt eine dichte, oft körperlich wirkende Präsenz.
“ZCAJK” ist damit ein geschlossenes Album, das aus improvisierten Grundlagen eine klare, zusammenhängende Form entwickelt und seine Wirkung aus der kontinuierlichen Verschiebung zwischen Reduktion, Verdichtung und Auflösung bezieht. (U.S.)
Label: Edelfaul Recordings