WATER IS THE SUN: Ritual Fever

Mit “Ritual Fever” legen Water Is The Sun – das gemeinsame Projekt von Mkl Anderson (Drekka) und Adam Parks (Timber Rattle, Lightning White Bison) – ein beeindruckendes Album vor, das sich am ehesten als zusammenhängendes, beinahe initiatisch fungierendes Ganzes begreifen lässt, das zwischen Soundtrack, meditativem Klangritual und imaginären Landschaftsgemälden im Dämmerlicht oszilliert. Analoge Aufnahmeverfahren, Tapeloops, Field Recordings und eine deutliche Nähe zu rituellen wie folkloristischen Ausdrucksformen verschmelzen zu einer Musik, die sich nicht in einzelne Tracks zergliedern will, sondern als fortlaufender Prozess erscheint, als ein sich ständig wandelnder Zustand zwischen Formgebung und Auflösung.

Schon zu Beginn formiert sich aus einem dezenten, unterschwelligen Dröhnen eine Art klanglicher Nebelraum. Es gluckert, rauscht, als läge über allem eine dünne, transparente Membran. Daraus schält sich nach und nach etwas heraus, das wie Gesang anmutet – hoch, entrückt, kaum greifbar. Ob es sich um Samples handelt oder um verfremdete Stimmen, bleibt bewusst bei der schemenhaften Songstruktur, die uns im Verlauf des Albums noch öfter begegnen wird, in der Schwebe. Gerade diese Unbestimmtheit trägt, zusammen mit einer wohl bewusst gewählten klanglichen Unschärfe, viel zur Faszination der Musik bei: Klänge scheinen sich eher im Ohr zu stabilisieren als tatsächlich im Raum. Was zunächst wie ein diffuse Dröhnung auf den Plan tritt, nimmt allmählich synthetischere Konturen an, ohne je seine Zartheit zu verlieren.

Im weiteren Verlauf verdichten sich die Texturen. Verrauschte Details treten stärker hervor, werden fast körperlich spürbar, während sich Assoziationen an Naturklänge – Insektensummen, Wind, ferne Bewegungen, die schwer zu charakterisieren sind – einschleichen. Übergänge geschehen dabei organisch, beinahe unmerklich. Erneut tauchen schwebende Stimmfragmente auf, die in ihrer entrückten Qualität Erinnerungen an rituelle oder sakrale Musik wachrufen. Darunter brodelt eine elektronische Grundierung, die dem Ganzen eine unterschwellige Unruhe verleiht. Wenn sich dann erste melodische Fragmente abzeichnen, ist man längst in einen hypnotischen Zustand hineingezogen worden, der streckenweise auch abruptere, fast lärmende Texturen in sich birgt. Immer wieder öffnen sich innerhalb dieses Flusses Momente von folkig angehauchter, rituell eingefärbter Ruhe. Das Klangmaterial beginnt zu taumeln, zu eiern, zu flirren, als würde man durch ein verwackeltes Filmbild blicken. Entrückte Gesänge gehen in chorale Passagen über, die wie aus einer anderen Zeit oder Sphäre herüberklingen. Dann wiederum setzen monotone, archaisch wirkende Pauken ein und verschieben die Bewegung erneut. Stimmen tauchen auf, verschwinden, klingen wie rückwärts abgespielt oder aus der Ferne deklamiert, während das Dröhnen zunehmend in den Vordergrund tritt und sich nicht länger als bloße Kulisse begreift.

Im späteren Verlauf verdichtet sich dieser Eindruck noch einmal: Orgelartige Drones treffen auf liturgisch anmutenden Gesang, der so etwas wie einen sakralen Raum öffnet. Doch auch hier verweigert sich das Duo jeder eindeutigen Festlegung: Statt eines Höhepunkts gibt es eher ein langsames Ausatmen. Der Ausklang wirkt gelöst, fast schwerelos, reduziert die Mittel und entlässt den Hörer in einen Zustand der Ruhe, in welchem dieses Album, das weniger verstanden als durchlebt werden will, seinen Abschluss findet. (U.S.)

Label: Trome Records / Tocco Magico