Xuán: Digitales Album von Nik Masoo

Mit “XUÁN (玄)” veröffentlicht das Nik Masoo Anfang September ein neues digitales Album auf Post Orientalism Music. Der Titel verweist auf einen zentralen Begriff des Daoismus, der sich grob als Ursprung aller Geheimnisse beschreiben lässt – als ein Zustand vor jeder Trennung von Licht und Dunkelheit, Form und Leere. Entsprechend versteht sich das Album weniger als narrative Komposition denn als klangliche Annäherung an einen Raum jenseits klarer Konturen und Gewissheiten.

Die drei ausgedehnten Stücke entfalten eine intensive, nahezu tranceartige Sogwirkung. Im Zentrum stehen u.a. hochfrequente Beckenklänge und metallisches Rauschen, die sich in stetiger Bewegung befinden und immer wieder in eruptive Verdichtungen umschlagen. Zeitweise erinnert das an rituelle Perkussionspraktiken, etwa an das Schlagen von Becken während einer Puja, an anderer Stelle eher an die entfesselte Schlagzeugarbeit des Free Jazz oder die rauschhaften Höhepunkte experimenteller Rockmusik. Trotz aller Intensität bleibt die Musik bemerkenswert fokussiert und entwickelt aus vergleichsweise reduziertem Material eine enorme Tiefe. Hinter Nik Masoo steht ein von dem iranischen Komponisten und Musiktheoretiker Ehsan Saboohi entwickeltes KI-Kompositionssystem, das algorithmische Prozesse zur Erzeugung neuer musikalischer Strukturen nutzt. Wie andere Veröffentlichungen aus dem Umfeld des von Saboohi geprägten Post-Orientalism-Gedankens bewegt sich auch “XUÁN” zwischen konzeptioneller Strenge und sinnlicher Erfahrung.