Im Rahmen des aktuellen Schwungs von Veröffentlichungen aus dem Hause Galakthorrö sticht dieses Tape etwas hervor, handelt es sich schließlich nicht um neue Aufnahmen, sondern um bisher unveröffentlichtes Archivmaterial der beiden Projekte, das ursprünglich 1994 aufgenommen wurde.
Das Duo Haus Arafna und Karl Runau verbindet einiges: So teilten sie sich 1995 etwa die „Take One Get Two“-7”. Zum damaligen Zeitpunkt waren beide Projekte zutiefst in der Industrial Culture zu verorten. Haus Arafnas erste Aufnahmen, etwa die legendäre „Sex-U-Mas“-7” und das Vollzeitdebüt „Blut“ aus dem Jahr 1995, waren rabiate, von Verzerrungen, Dissonanzen und Schreigesang geprägte Tonträger, die sich thematisch am Bataillschen Heterogenen, an der Schattenseite des Anthropos abarbeiteten. Karl Runaus Debütalbum „Osmose“, das vor einigen Jahren wiederveröffentlicht wurde, ließ sich mit seiner industriellen Schlachthausästhetik in einem ähnlichen musikalischen und thematischen Feld verorten. Sowohl Haus Arafna als auch Karl Runau sollten über die Jahre hinweg ihr Klangbild (aus-)differenzieren, zum Teil auch (zumindest zeitweise) das Brachiale zurückfahren, mit „Mangfall“ bekommt man nun aber einen Blick in die Vergangenheit.
Im Innern des Tapes erfährt man etwas über die Genese und den Hintergrund der Aufnahmen: Die das Tape zierenden Bilder zeigen die „Mangfalbrücke“ in Süddeutschland, die auch in Jörg Buttgereits „Der Todesking“ zu sehen ist. Da es in dem zweiten Langfilm des Berliners um Suizid in verschiedensten Facetten geht, ist die Brücke sicher passend, war sie doch auch als lokaler Selbstmordort bekannt, so in etwa also die Entsprechung von Beachy Head auf dem Cover von Throbbing Gristles „20 Jazz Funk Greats“.
Die Aufnahmen wurden innerhalb eines Tages live auf einem Vierspurgerät aufgenommen, „Karl Runau built man-sized metal constructions with tensioned wires that produced unique sounds and conplemented the synthsizers“. Der Gesang stammt von Herrn Arafna. „Mangfal 1“, das die komplette Seite A ausmacht, kombiniert unruhige, dissonannte Lärmwände, in die sich allerlei Sounds hineinfräsen, mit dem so charakteristischen Schreigesang. Wenn man dann Referenzpunkte sucht, so lässt das an Material denken lässt, was auf „Osmose“ oder „Blut“ zu hören ist, wenn es auch sicher – der Natur der Aufnahmen entsprechend – weniger songorientiert ist. Die beiden Stücke auf der B-Seite sind weitgehend instrumental: „Mangfall 2“, mit analogen Noiseschleifen ist industrielle, dystopische Musik, die plötzlich abreißt. Auf “Mangfall 3″ fiepen die Maschinen als sprächen sie.
“Mangfall” zeigt Haus Arafna wie auch Karl Runau in ihrer Sturm und Drang-Phase. Das kann und sollte man als Lob und unbedingte Kaufempfehlung verstehen. (MG)
Label: Galakthorrö