NOVEMBER NÖVELET: All Your Love

Vor zwei Wochen besprachen wir hier mit dem Tape „Mangfall“ Material aus der Frühphase Haus Arafnas, Karl Runaus und Galakthorrös. „All Your Love“ dagegen bildet die Gegenwart ab. Ursprünglich als etwas weniger rabiates Seitenprojekt Haus Arafnas konzipiert, haben November Növelet im Laufe von vier Alben und drei EPs ihren Sound ausdifferenziert und perfektioniert. Einen ziemlich guten Überblick über die Entwicklung von der im Industrial verwurzelten “More Satanic Heroes”-7” bis zum melodischeren Angstpop bot die Zusammensetzung „Unintended By Nature“, die vor zehn Jahren erschien und die ersten drei EPs und ein paar neue Stücke zusammenfasste.

Bezüglich des im letzten Jahr erschienen Albums „Electrical“ konnte man hier lesen: „Während viele andere zeitgenössische Projekte alleinig auf die Tanzfläche fixiert zu sein scheinen, zeigen November Növelet, dass es mehr gibt und stellen neben die druckvolleren Stücke kurze instrumentale Tracks, auf denen den melodischen analogen Klängen etwas Fragiles und Geisterhaftes innewohnt, ganz so, als tönten diese Stücke aus dem Äther in einem/einen liminalen Raum“.

Verglichen mit den EPs ist „All Your Love“ eine im engeren Sinne klassische Single mit lediglich zwei Stücken, die eher im Midtempobereich angesiedelt. Die von mir so bezeicheneten „Melancholiker“ im Galakthorrö-Kosmos haben sich immer und immer wieder mit den Schattenseiten menschlichen L(i)ebens beschäftigt – so auch hier.

Auf dem von einem dezent pochenden Drumcomputer und melodischen analogen Tupfern durchzogenen „Cry Baby“ wird ein Szenario geschaffen, auf dem textlich die Diskrepanz zwischen dem Wunsch, der (natürlich vergeblichen) Hoffnung („I Said the light would come“) und dem Tatsächlichen („now the room is cold“) illustriert wird. Die Konsequenz findet sich dann im sich wiederholenden Ausruf “You cry today”. Der Titeltrack auf der B-Seite begeistert mit getragenem Bass, mysteriösen Sounds, Melodieeinsprengseln und Sprechgesang und der schlichten Feststellung „there’s nothing I can do“. Inmitten der ubiquitären Dark Wave-Duos stechen November Növelet nicht nur aufgrund der langen Zeit hervor, die sie aktiv sind, sondern auch durch ihre Konsequenz und die Stärke ihrer Songs. (MG)

Label: Galakthorrö