<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>African Paper &#187; Alan Trench</title>
	<atom:link href="http://africanpaper.com/tag/alan-trench/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://africanpaper.com</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Tue, 25 Aug 2026 05:33:38 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2</generator>
		<item>
		<title>TWELVE THOUSAND DAYS: As The Moon Draws The Tide</title>
		<link>https://africanpaper.com/2026/08/15/twelve-thousand-days-as-the-moon-draws-the-tide/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2026/08/15/twelve-thousand-days-as-the-moon-draws-the-tide/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 15 Aug 2026 01:19:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Final Muzik]]></category>
		<category><![CDATA[Martyn Bates]]></category>
		<category><![CDATA[Twelve Thousand Days]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=51833</guid>
		<description><![CDATA[Schon das erste Auftauchen von Martyn Bates&#8217; unverwechselbar hochstürmender Stimme genügt meist, um klarzumachen, dass man sich in der eigentümlichen Zwischenwelt von Twelve Thousand Days befindet. Auch auf dem vor ein paar Monaten erschienenen &#8220;As The Moon Draws The Tide&#8221; &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/08/15/twelve-thousand-days-as-the-moon-draws-the-tide/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/07/asthemoon.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-51834" title="asthemoon" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/07/asthemoon-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Schon das erste Auftauchen von Martyn Bates&#8217; unverwechselbar hochstürmender Stimme genügt meist, um klarzumachen, dass man sich in der eigentümlichen Zwischenwelt von Twelve Thousand Days befindet. Auch auf dem vor ein paar Monaten erschienenen &#8220;As The Moon Draws The Tide&#8221; setzen Bates und Alan Trench ihre bisweilen behutsame, aber immer konsequente Reise fort. Wieder begegnen sich <span id="more-51833"></span>Eigenkompositionen, Bearbeitungen englischer Traditionals und literarischer Vorlagen in einem musikalischen Kosmos, der Vergangenheit und Gegenwart ebenso selbstverständlich miteinander verbindet wie pastoralen Folk, psychedelische Elektrifiziertheit und Experimentierfreude.</p>
<p>Schon der Opener &#8220;The Witches&#8217; Reel&#8221; versetzt den Hörer mitten in einen schattenhaften Hexentanz. Aus summendem Dröhnen schält sich hypnotisches Gitarrenpicking heraus, während Bates&#8217; Stimme wie durch einen Schleier oder einen alten Telefonhörer dringt und den Song in eine traumhafte Unwirklichkeit taucht. &#8220;Red Queen, White Queen&#8221; entwickelt daraus mit feurigem Akustikgitarren-Strumming, elektrifizierten Details und einer nächtlich aufgeladenen Atmosphäre eine eigentümliche Verbindung aus Neofolk und dezentem Hardrock, ehe &#8220;Notes From A Ruined City&#8221;, inspiriert von einem angelsächsischen Text über die Ruinen des römischen Britanniens, lange zwischen Hörspiel, Klanginstallation und Song balanciert und sich erst allmählich zu einer beinahe orchestralen Weite öffnet.</p>
<p>Überhaupt lebt das Album von seinem bewusst unaufgeräumten Klangbild. Immer wieder rumpelt, knarzt, rauscht oder kreischt es im Hintergrund, als würden Bates und Trench ihre Lieder in einer dunklen Rumpelkammer voller Erinnerungen und aufgescheuchter Geister aufführen. Gerade diese scheinbar ungeordneten Details verleihen den Stücken ihre eigentümliche Tiefe und verhindern, dass der Folk jemals bloß pastoral oder nostalgisch wirkt. Besonders eindrucksvoll gelingt dies in &#8220;Heathen Dog&#8221;, das wohl auf die englische Ballade &#8220;Prince Heathen&#8221; verweist und sich aus entspanntem, leicht psychedelisch-bluesigem Folk zu einer geradezu endlos wirkenden hypnotischen Beschwörung entwickelt. &#8220;Faery Led&#8221;, nach einem Gedicht von Mary Webb, erinnert mit schimmerndem Glockenspiel, Schritten im Gras und Bates&#8217; ungewohnt naher Stimme daran, dass die Welt der Feen keineswegs nur freundlich ist. In &#8220;Asphodel Flowers&#8221;, das Motive der griechischen Unterwelt mit einer Geschichte von Beschwörung, Mord und Wiedervereinigung verbindet, treffen die Stimmen von Bates und Trench diesmal im Duett auf feuriges Strumming und ein lärmendes, beinahe wildes Klanggewirr, das an eine nächtliche Geisterjagd denken lässt.</p>
<p>Nach dem schlichten, wehmütigen &#8220;Deceived&#8221; erreicht das Album mit &#8220;Upon The Blasted Heath&#8221; seinen Höhepunkt. Vor einem heterogenen Geflecht aus Dröhnen, Rumpeln und elektronischem Sirren entfaltet Bates eine der stärksten Gesangsmelodien des Albums, während Anspielungen auf Shakespeares Macbeth und die alte Hexenreligion eine elektrisierende, nahezu tranceartige Spannung erzeugen. Auch &#8220;Ghosts Of Skyriot Horses&#8221;, das auf dionysische Rituale verweist, gehört mit seinen melancholisch elektrifizierten Gitarren und den feinen, glitzernden Klangakzenten zu den nachhaltigsten Momenten der Platte. Das abschließende &#8220;Bad Apples&#8221;, eine radikale Umdeutung des Skeeters-Songs &#8220;When Will the Good Apples Fall&#8221;, entlässt den Hörer schließlich in einem langsam verglühenden Strom aus Melancholie, Dröhnen und verstreuten Glocken- und Rasselklängen.</p>
<p>Wie schon die stärksten früheren Arbeiten von Twelve Thousand Days erzählt auch &#8220;As The Moon Draws The Tide&#8221; keine lineare Geschichte, vielmehr eröffnet das Album eine Folge geheimnisvoller Vignetten, in denen Hexen, Feen, Ruinen, Geister und archaische Rituale weniger folkloristische Staffage als archetypische Bilder einer Gegenwart voller Unsicherheit und Erinnerung werden. Gerade diese Verbindung aus Folk, Experimentierlust und visionärer Bildkraft zeigt, warum Twelve Thousand Days nach wie vor zu den interessantesten Vertretern eines musikalischen Folk Horror gehören.</p>
<p>Label: Final Muzik</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=4217586912/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2026/08/15/twelve-thousand-days-as-the-moon-draws-the-tide/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>V.A.: The Oneirocritical Society Vol. 3</title>
		<link>https://africanpaper.com/2026/06/27/v-a-the-oneirocritical-society-vol-3/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2026/06/27/v-a-the-oneirocritical-society-vol-3/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 05:37:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Aphrodite Romaliadou]]></category>
		<category><![CDATA[Black Lesbian Fishermen]]></category>
		<category><![CDATA[Dan Doughty]]></category>
		<category><![CDATA[Dimitris Chiotis]]></category>
		<category><![CDATA[Duty]]></category>
		<category><![CDATA[FutuRevenant]]></category>
		<category><![CDATA[Grey Malkin]]></category>
		<category><![CDATA[Kathleen Yearwood]]></category>
		<category><![CDATA[Mike Seed]]></category>
		<category><![CDATA[Nikos Fokas]]></category>
		<category><![CDATA[Oneirocritical Society]]></category>
		<category><![CDATA[R. Loftiss]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Quirk]]></category>
		<category><![CDATA[Sandfingers]]></category>
		<category><![CDATA[Stelios Romaliadis]]></category>
		<category><![CDATA[Tracy Jeffery]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=51499</guid>
		<description><![CDATA[Der dritte Teil von &#8220;The Oneirocritical Society&#8221; führt das faszinierende Konzept der Anthologie konsequent weiter: Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre Träume in meist loopbasierten Klangstücken, die, unterfüttert durch das atmosphärische Artwork der Künstlerin Christine Filonow, beim Einschlafen in die eigenen &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/06/27/v-a-the-oneirocritical-society-vol-3/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-15-104611.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-51501" title="Screenshot 2026-06-15 104611" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-15-104611-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Der dritte Teil von &#8220;The Oneirocritical Society&#8221; führt das faszinierende Konzept der Anthologie konsequent weiter: Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre Träume in meist loopbasierten Klangstücken, die, unterfüttert durch das atmosphärische Artwork der Künstlerin Christine Filonow, beim Einschlafen in die eigenen Traumwelten hineinwirken sollen.<span id="more-51499"></span></p>
<p>Auch diesmal bewegt sich der Sampler im Grenzbereich zwischen Ambient, experimentellen Folkansätzen, Hörspielhaftem, Dröhnung und abstrahierter Klangkunst. Auffällig ist dabei, wie unterschiedlich die Traumprotokolle ausgestaltet sind: Manche wirken wie poetische Visionen, andere wie fragmentierte Erinnerungen oder, wie es die Psychoanalyse ausdrücken würde, verstörende Tagesreste. Immer wieder tauchen Motive von Übergängen, geheimen Räumen, Wasser, Orientierungslosigkeit und merkwürdigen Beobachtungen auf. Gleichzeitig fällt auf, wie häufig Schwellenräume, verborgene Orte und rätselhafte Begegnungen die nächtlichen Erzählungen strukturieren.</p>
<p>Besonders stark gelingt der Auftakt der Black Lesbian Fishermen, bei dem die rezitierte Traumlandschaft zwischen Engelsfiguren, einem verschlossenen Garten und der rätselhaften Aufforderung, &#8220;die Sonne in einem Eimer Wasser&#8221; zu bringen, eine eigentümlich mythische Stimmung erzeugt. Die von R. Loftiss (u.a. The Gray Field Recordings) vorgetragene Erzählung wird dabei von einer ständig changierenden Klangkulisse begleitet, die zwischen Jahrmarktsatmosphäre, aufwühlnden Soundscape und melancholisch anmutenden Instrumentalpassagen oszilliert und dabei unangetastet bleibt. Dimitris Chiotis verwandelt einen scheinbar banalen Blick aus dem Fenster in eine unheimliche Vision endlos vorbeiziehender Menschenmengen. Auch hier entwickelt die Musik ein bemerkenswertes Eigenleben und steigert sich von rauen Ambientflächen zu einer überraschend üppigen, streicherartigen Dramaturgie. Dan Doughty alias Duty liefert mit seinen Haus-Träumen ein besonders erinnerungswürdiges Stück über verborgene Türen, andere Wirklichkeiten und das Gefühl, an Orten zu landen, an denen man nicht sein sollte. Die zurückhaltenden Synthieflächen passen dabei hervorragend zu den Erinnerungen an rätselhafte Gebäude, Korridore und Zwischenwelten.</p>
<p>Musikalisch reicht die Palette von zarten Synthies über knisternde Soundcollagen bis hin zu dunklen Dröhnung und folkig eingefärbten Momenten. Auch FutuRevenant, hinter dem sich Orchis- und Hausfrauen-Experiment-Mitglied Tracy Jeffery verbirgt, steuert mit &#8220;Ten O&#8217;Clock&#8221; eine spannende Miniatur bei, in der Uhrenticken, Postpunk-Anklänge und ein traumhaft versch(r)obenes Szenario zwischen Verfolgung, Konzertalltag und Basarbesuch ineinander übergehen. Der schottische Klangkünstler und Mythenforscher Grey Malkin steuert mit &#8220;The Shimmer&#8221; eine entrückte, leicht bedrohliche Klangwelt voller beinahe coil&#8217;esker Synthietupfer bei, während Sandfingers mit &#8220;Pray For Johnny Bones&#8221; einen berührenden, melancholischen Song zwischen Folk und Funeral-Drone beisteuern. Kathleen Yearwood bewegt sich mit &#8220;Three Dreams In One Night&#8221; tief im surrealen Kern der Compilation. Ihre Folge von ineinander übergehenden Traumsequenzen wirkt ebenso rätselhaft wie poetisch und wird von einer eigenwilligen, zwischen Zupf-, Streich- und Summklängen oszillierenden Musik begleitet. Auch Nikos Fokas&#8217; Zusammenarbeit mit Alan Trench setzt einen markanten Akzent: Zwischen unregelmäßig pulsierenden Klanglandschaften, orientalisierenden Momenten und dunkler Rezitation entsteht eine rituelle, hermetisch gefärbte Atmosphäre. Das finale Stück von Stelios Romaliadis hebt die Compilation schließlich in eine märchenhaft-verwaschene Sphäre aus Flötenloops und kindlicher Stimme.</p>
<p>Eine große Stärke der Sammlung liegt erneut darin, dass die Musik nie bloß Illustration bleibt. Die Klangwelten besitzen ein Eigenleben, verändern sich ständig und erzeugen genau jene instabile Logik, die echte Träume auszeichnet. Statt plakativem Surrealismus entsteht eine stille, hypnotische Intensität – besonders, wenn man die Stücke tatsächlich im Halbschlaf oder in nächtlicher Ruhe hört.  Dass dabei so unterschiedliche Beiträge dennoch wie Teile einer gemeinsamen nächtlichen Reise wirken, gehört zu den besonderen Qualitäten der Reihe (U.S.)</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3901354623/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2026/06/27/v-a-the-oneirocritical-society-vol-3/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>TEMPLE MUSIC: No Mercy Seat Of Gold</title>
		<link>https://africanpaper.com/2026/05/23/temple-music-no-mercy-seat-of-gold/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2026/05/23/temple-music-no-mercy-seat-of-gold/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 23 May 2026 04:27:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Cryptanthus]]></category>
		<category><![CDATA[Henry Vaughan]]></category>
		<category><![CDATA[Steve Robinson]]></category>
		<category><![CDATA[Temple Music]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=50986</guid>
		<description><![CDATA[Mit &#8220;No Mercy Seat Of Gold&#8221; führen Temple Music ihr auf &#8220;The Greater Whole&#8221; begonnenes Henry Vaughan-Projekt konsequent weiter – allerdings mit einer spürbaren Verschiebung des Schwerpunkts. Stand dort noch die eher assoziative, instrumentale Annäherung an die poetischen Reflexionen des &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/05/23/temple-music-no-mercy-seat-of-gold/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/nomercyseatofgod.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-50987" title="nomercyseatofgod" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/nomercyseatofgod-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mit &#8220;No Mercy Seat Of Gold&#8221; führen Temple Music ihr auf <a title="TEMPLE MUSIC: The Greater Whole" href="https://africanpaper.com/2026/05/02/temple-music-the-greater-whole/">&#8220;The Greater Whole&#8221;</a> begonnenes Henry Vaughan-Projekt konsequent weiter – allerdings mit einer spürbaren Verschiebung des Schwerpunkts. Stand dort noch die eher assoziative, instrumentale Annäherung an die poetischen Reflexionen des Metaphysical Poet im Vordergrund, rückt nun die Sprache selbst ins Zentrum: &#8220;No Mercy Seat Of Gold&#8221; ist in erster Linie ein Spoken-Word-Album, getragen von <span id="more-50986"></span>Vaughans Lyrik, die hier nicht nur zitiert, sondern auf durchaus opulente Weise inszeniert wird.</p>
<p>Die klangliche Kulisse und das, was sich in hinteren Bühnenbereich bewegt, bleibt dabei unverkennbar Temple Music: psychedelisch entrückt, folkig grundiert und immer mal von einer sanft insistierenden, hypnotischen Dröhnung durchzogen. Gleich zu Beginn eröffnet ein spanisch anmutendes Fingerpicking – ein vertrautes Motiv aus &#8220;The Greater Whole&#8221; –, unter das sich zeitweise vielschichtige Ambientflächen schieben und eine eigentümlich oxymorontische Stimmung bewegter Gelassenheit erzeugen, die Szenerie. Es rauscht und haucht immer wieder, Flöten spielen entrückte, leicht ungehobelte, aber gerade deshalb reizvolle Melodien, während E-Gitarren ornamentale Muster beisteuern, die aus der Ballade einer 70er-Psych-Rock-Band gefallen sein könnten. Glöckchen setzen scheinbar kindliche Akzente, die jedoch schnell eine giallohafte Abgründigkeit entwickeln, Rasseln verleihen dem Ganzen eine rituelle Färbung, und Klavierpassagen öffnen zusätzliche Räume der Nachdenklichkeit.</p>
<p>Die Instrumentierung – Gitarren, Bass, Synthesizer, Mellotron, Vibraphon, Pfeifen, Lautengitarre, Klavier, Hackbrett, Tenorblockflöte, Percussion, Glocken und nicht zuletzt allerlei Küchengerät – knüpft hörbar an den Vorgänger an, ohne sich in bloßer Wiederholung zu erschöpfen. Immer wieder brechen auch lärmigere, ratternde Sounds und hypnotische Taktungen hervor, die die Wahrnehmung schärfen und dem Fluss kleine Widerhaken verleihen. Zu den Höhepunkten zählt das Stück &#8220;The Stars&#8221;, dessen dichte Dröhnung, ekstatische Flöten und metallisch schimmernde Gitarrenstrummings eine fast trancehafte Intensität entwickeln, deren Echo in &#8220;The Greater Whole&#8221; ich bereits mit Orchis in Verbindung gebracht habe. Kaum weniger eindrucksvoll fällt die neue Version von &#8220;They Have All Gone To The World Of Light&#8221; aus – jenem zentralen Stück des gleichnamigen <a title="TWELVE THOUSAND DAYS: They Have All Gone Into The World Of Light" href="https://africanpaper.com/2024/09/07/twelve-thousand-days-they-have-all-gone-into-the-world-of-light/">Albums von Twelve Thousand Days</a>, Trenchs anderem Projekt zusammen mit Marty Bates.</p>
<p>Über all dem liegt Alanss Stimme: würdevoll, ruhig, dabei angenehm ungeschliffen und von einer Präsenz, die nie ins Pathetische kippt. Er erweist sich als versierter Rezitator, der den Tonfall von Vaughans Gedichten präzise trifft und ihre Atmosphäre trägt, auch dann, wenn seine Stimme verfremdet wird und sich für Momente in rauschenden Klangschichten beinahe auflöst. Inhaltlich kreisen die Texte – und mit ihnen das gesamte Album – um die Erfahrung einer verborgenen, geistigen Wirklichkeit hinter der sichtbaren Welt. Natur erscheint als Resonanzraum göttlicher Ordnung, während der Mensch zwischen Vergänglichkeit und der Ahnung einer höheren Herkunft steht, was eine u.a. an Gnosis erinenrnde Dimension eröffnet. Zeit und Ewigkeit überlagern sich, der Tod wird nicht nur als Ende, sondern als Übergang gedacht, und Erkenntnis zeigt sich als leise, innere Bewegung, die sich besonders in Momenten der Stille eröffnet. Eine sanfte Melancholie durchzieht das Ganze, getragen von der Sehnsucht nach Rückkehr in ein verlorenes, lichtes Ursprungsfeld.</p>
<p>So entsteht ein Rezitationsalbum, das seine musikalische Umhüllung nicht als bloße Begleitung versteht, sondern als gleichwertigen, atmenden Raum für die Sprache. In dieser gelungenen Verbindung aus Wort und Klang darf &#8220;No Mercy Seat Of Gold&#8221; durchaus neben Projekten wie Anne Clarks und Martyn Bates&#8217; Rilke-Album oder &#8220;The Soul of Romanticism&#8221; von Elijah&#8217;s Mantle und Ozymandias genannt werden – nicht als bloße Referenz, sondern als eigenständiger, überzeugender Beitrag zu einer kleinen Tradition poetisch-musikalischer Grenzgänge. Wer übrigens Twelve Thousand Days (und den mehrmals erwähnten Bates) schätzt, sollte in den kommenden Wochen bei uns vorbeischauen, denn aus dieser Ecke gibt es auch bereits interessante Neuigkeiten. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Cryptanthus</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1248061806/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2026/05/23/temple-music-no-mercy-seat-of-gold/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>TEMPLE MUSIC: The Greater Whole</title>
		<link>https://africanpaper.com/2026/05/02/temple-music-the-greater-whole/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2026/05/02/temple-music-the-greater-whole/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 02 May 2026 04:23:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Cryptanthus]]></category>
		<category><![CDATA[Henry Vaughan]]></category>
		<category><![CDATA[Orchis]]></category>
		<category><![CDATA[R.Loftis]]></category>
		<category><![CDATA[Steve Robinson]]></category>
		<category><![CDATA[Temple Music]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=50979</guid>
		<description><![CDATA[Alan Trench hält seine zahlreichen Musikprojekte meist voneinander getrennt. Die aktuellen Arbeiten der mit Steve Robinson betriebenen Band Temple Music – neben dem hier vorgestellten Album erscheint in einigen Tagen noch ein weiteres, dem wir uns in Kürze widmen werden &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/05/02/temple-music-the-greater-whole/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/thegreaterwhole.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-50980" title="thegreaterwhole" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/thegreaterwhole-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Alan Trench hält seine zahlreichen Musikprojekte meist voneinander getrennt. Die aktuellen Arbeiten der mit Steve Robinson betriebenen Band Temple Music – neben dem hier vorgestellten Album erscheint in einigen Tagen noch ein weiteres, dem wir uns in Kürze widmen werden – jedoch greifen auf einen Themenkomplex zurück, den er bereits in seinem anderen, zusammen mit Martyn Bates betriebenen Duo Twelve Thousand Days beackert hatte, nämlich sein <span id="more-50979"></span>Interesse an dem aus Wales stammenden Metaphysical Poet Henry Vaughan (1621–1695), dessen Gedicht „They Have All Gone Into The World Of Light“ zum Herzstück des vor knapp zwei Jahren erschienenen gleichnamigen Albums wurde.</p>
<p>Vaughan, so viel zum Hintergrund, schrieb vor allem religiös geprägte Lyrik, die das mystische Verhältnis zwischen Mensch und Gott zum Thema hatte, und die neben dem starken Fokus auf Transzendenzerfahrung vor allem auch durch ihre von Naturbildern geprägte Bildlichkeit auffällt. Neben anderen Schreibern wie John Donne zählt er zu den stärksten Stimmen barocker Dichtung auf den britischen Inseln.</p>
<p>Das digitale Album The Greater Whole besteht aus einem einzigen, rund vierzigminütigen Stück, realisiert mit einer beachtlichen Palette an Instrumenten – diverse Gitarren, Lauten und Bässe, Vibraphone, Flöten, Synthiess, Mellotron, Piano, Hackbrett, Perkussion, Glöckchen, Gongs und Tingshas. Es beginnt mit einem verwehten Dröhnen, aus dem sich neben knarrenden Sounds bald eine vermutlich gesamplete Frauenstimme herausschält, die über Erinnerung singt: wenige Worte, vorgetragen in einem Stil, der an Girlie-Pop der frühen Sechziger denken lässt. Eine entspannte E-Gitarre tritt hinzu, begleitet von Rasseln, und schafft eine ernste, nachdenkliche, zugleich aber auffallend gelassene Atmosphäre. Im weiteren Verlauf bimmelt und flirrt es immer wieder; etwas, das wie eine Violine klingt – vermutlich aber keine ist –, zieht wehmütige Linien durch den Raum, Flöten erklingen, und ein regelrechter Goldregen aus glitzernden Klängen scheint sich über das Stück zu ergießen. Die Stimme kehrt zurück, doch schnell wird klar: Dieses Album will nicht um jeden Preis gefallen. Trotz seiner unbestreitbar filigranen Schönheit entsteht kein pittoreskes Idyll, sondern ein bewegliches, sich ständig verschiebendes Szenario. Die klangliche Lieblichkeit hat etwas Schräges, bisweilen sogar leicht Konfrontatives – ein Eindruck, der sich auch aus der permanenten Wandelbarkeit speist. Nichts lässt sich festhalten, alles vergeht und mündet in Neues.</p>
<p>So kann eine plötzlich auftauchende Klaviermelodie zwar romantische Assoziationen wecken, doch ihr Kontext – ein Hintergrundrauschen, das gelegentlich an die Grenze zum Lärm reicht, und der insgesamt dröhnende Grundcharakter – lässt sie eher abgeklärt, fast ironisch erscheinen. Wenn hier Transzendenz aufgerufen wird, dann nicht als kitschige Verklärung, sondern als etwas, das mit einem gewissen Nachdruck, beinahe mit Widerstand, erschlossen werden muss. Und doch bleibt das Ganze wehmütig, schöngeistig: etwa in den Strumming-Passagen auf der Akustikgitarre oder in einer wie von einem wilden Pan gespielten bukolischen Flöte, die zusammen an die verwunschenen Szenarien alter Orchis-Aufnahmen erinnert, jener Band, mit der Trench erstmals einem größeren Publikum bekannt wurde. Besonders hervorzuheben ist auch das kurz darauf folgende spanisch anmutende Gitarrenpicking, das so etwas wie einen barocken Nachhall von Vaughans Geist einfängt und zu den schönsten und eindrücklichsten Momenten des Albums zählt.</p>
<p>Man könnte noch lange über die zahlreichen motivischen Ideen des weitgehend instrumental gehaltenen Albums sprechen, doch letztlich erschließt es sich am besten im Hören selbst. Dass Temple Music erst vor wenigen Wochen ein Studioalbum und eine Compilation über Sombre Sonics veröffentlicht haben und &#8220;The Greater Whole&#8221; zudem nur eines von zwei Vaughan-inspirierten Projekten ist, unterstreicht die derzeitige kreative Schaffenswut des Duos. Sie scheint ihnen gut zu tun – und dem Hörer ebenso. Begleitend zum album kann man über Bandcamp übrigens noch Originale des Artworks bestellen, die Trench zusammen mit R.Loftiss (The Grey Field Recordings) angefertigt hat. Mehr zu Temple Music in kürzester Bälde. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Cryptanthus</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=451953370/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2026/05/02/temple-music-the-greater-whole/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Temple Music: Zusammenstellung von Samplerbeiträgen auf Sombre Soniks</title>
		<link>https://africanpaper.com/2026/04/11/temple-music-zusammenstellung-von-samplerbeitragen-auf-sombre-soniks/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2026/04/11/temple-music-zusammenstellung-von-samplerbeitragen-auf-sombre-soniks/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 11 Apr 2026 03:41:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Black Lesbian Fishermen]]></category>
		<category><![CDATA[Howling Mystics]]></category>
		<category><![CDATA[Orchis]]></category>
		<category><![CDATA[Sombre Soniks]]></category>
		<category><![CDATA[Steve Robinson]]></category>
		<category><![CDATA[Temple Music]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=50766</guid>
		<description><![CDATA[In einem einzigen zusammenhängenden, knapp zweistündigen Track bringen Sombre Soniks dieser Tage eine Sammlung aller Beiträge des Duos Temple Music innerhalb mittlerweile vierzehn Jahren zu den bisherigen &#8220;Dark Ambient&#8221;-Compilations heraus. Das Material wurde zunächst für eine Radioshow kompiliert und ist &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/04/11/temple-music-zusammenstellung-von-samplerbeitragen-auf-sombre-soniks/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einem einzigen zusammenhängenden, knapp zweistündigen Track bringen Sombre Soniks dieser Tage eine Sammlung aller Beiträge des Duos Temple Music innerhalb mittlerweile vierzehn Jahren zu den bisherigen &#8220;Dark Ambient&#8221;-Compilations heraus. Das Material wurde zunächst für eine Radioshow kompiliert und ist nun über Bandcamp digital erhältlich. Temple Music bestehen aus dem heute in Griechenland ansässigen Alan Trench (Orchis, Black Lesbian Fishermen, Howling Mystics u.a.) und Steve Robinson, gelegentliche Gäste erweitern den Sound. Ihre Musik bewegt sich frei zwischen Psychedelic, Drone und folkigen Elementen, verbindet hörspielartige Soundarbeit mit gelegentlichen Ausflügen in raueren Spacerock und ist dabei geprägt von einem vielschichtigen <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/Screenshot-2026-04-10-115231.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-50767" title="Screenshot 2026-04-10 115231" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/04/Screenshot-2026-04-10-115231.png" alt="" width="862" height="806" /></a><span id="more-50766"></span></p>
<p>thematischen Kosmos: Mystisch-spirituelle Motive, Hermetik und Alchemie, Mythen, Rückgriff auf Momente der Musikgeschichte sowie literarische und poetische Bezüge finden hier ebenso ihren Platz wie kritische Auseinandersetzungen mit Konzepten von Englishness. Dem Begriff Dark Ambient, der den genannten Compilations als Rahmen dient, hat sich das Duo nie strikt untergeordnet. Gleichwohl spielen sowohl dunkle als auch atmosphärische Klangqualitäten in ihrem Schaffen stets eine zentrale Rolle. Dabei entwickeln Temple Music eine eigenständige Herangehensweise, die sich den jeweiligen thematischen Vorgaben der Compilation-Reihe auf kreative und oft überraschende Weise annähert. Zuletzt erschien mit <a title="TEMPLE MUSIC: Man, Creator Of His Own Universe" href="https://africanpaper.com/2026/04/04/temple-music-man-creator-of-his-own-universe/">&#8220;Man, Creator Of His Own Universe&#8221;</a> ein weiteres Album des Duos ebenfalls bei Sombre Soniks.</p>
<p><a href="https://sombresoniks.com/home"><strong>@ Sombre Soniks </strong></a></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=2224759559/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2026/04/11/temple-music-zusammenstellung-von-samplerbeitragen-auf-sombre-soniks/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>TEMPLE MUSIC: Man, Creator Of His Own Universe</title>
		<link>https://africanpaper.com/2026/04/04/temple-music-man-creator-of-his-own-universe/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2026/04/04/temple-music-man-creator-of-his-own-universe/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 04 Apr 2026 04:29:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Algernon Blackwood]]></category>
		<category><![CDATA[Nikolaos Lymperopoulous]]></category>
		<category><![CDATA[Sombre Soniks]]></category>
		<category><![CDATA[Steve Robinson]]></category>
		<category><![CDATA[Temple Music]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://africanpaper.com/?p=50594</guid>
		<description><![CDATA[Mit &#8220;Man, Creator Of His Own Universe&#8221; bringen Alan Trench und Steve Robinson alias Temple Music ein Album heraus, das sich weniger als eine Sammlung von Stücken im klassischen Sinne versteht, denn als ein zusammenhängende inneres Erlebnis, als eine klangliche &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/04/04/temple-music-man-creator-of-his-own-universe/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/templemusicman.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-50595" title="templemusicman" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/03/templemusicman-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mit &#8220;Man, Creator Of His Own Universe&#8221; bringen Alan Trench und Steve Robinson alias Temple Music ein Album heraus, das sich weniger als eine Sammlung von Stücken im klassischen Sinne versteht, denn als ein zusammenhängende inneres Erlebnis, als eine klangliche Meditation über Wahrnehmung, Kreation und die porösen Grenzen zwischen Innen und Außen. Entstanden im griechischen Euböa, trägt die <span id="more-50594"></span>Veröffentlichung zudem eine persönliche Widmung: Der titelgebende Gedanke geht auf lange philosophische Gespräche Trenchs mit seinem Freund und gelegentlichen Kollaborateur, dem Autor und Hermetiker Nikolaos Lymperopoulos zurück – eine Spur, die sich durch das gesamte Album zieht.</p>
<p>Der über zwanzigminütige Titeltrack bildet dabei das Herzstück. Ein organisch dröhnendes und durchaus vielschichtiges Setting öffnet sich, getragen von einer geheimnisvollen, beinahe erdenden Melodie, die sich gemächlich entfaltet. Trotz seiner dunklen Grundfärbung besitzt das Stück eine eigentümliche Leichtigkeit. Verfremdete, flächige Gitarrenparts durchziehen das Geschehen, während sich hohe, fast klingelnde Tonlagen immer weiter entrücken, während tieferliegende Schichten den Fluss stabilisieren. Diese hypnotische Qualität wirkt nicht bloß einlullend: Die scheinbare Passivität, in die man hineingleitet, entzieht sich bewusster Kontrolle und eröffnet gerade dadurch einen Raum innerer Bewegung. Zur Mitte hin erfolgt ein Bruch – die Szenerie wird leiser, ritueller, beinahe hörspielartig fragmentiert. Wenn sich der Fluss erneut entfaltet, wirkt das vorangegangene Aufwachen wie ein Perspektivwechsel: Man hört bewusster, reflektierter und vielleicht näher an der Idee, die der Titel formuliert. In der zweiten Hälfte treten zudem klarere, melodische Gitarrenmotive hervor, während ferne, gongartige Resonanzen dem Ganzen eine fast sakrale Tiefe verleihen.</p>
<p>&#8220;Arcadia: A Touch Of Pan&#8221; knüpft daran mit subtiler Verschiebung an. Sanftes Dröhnen und leicht kratzende Geräuschtexturen bilden den Boden für eigentümliche Tierlaute, Vogelstimmen vielleicht, oder etwas nur entfernt Naturhaftes. Eine weibliche Stimme rezitiert ruhig den Text, der, wie man aus den Liner Notes erfährt, vor Jahren im arkadischen Levidi entstand und hier erstmals seine klangliche Form findet. Allmählich verdichtet sich das Stück, gewinnt an Spannung, als würde sich etwas Verborgenes Gehör verschaffen. Mit &#8220;Regina Naturae Intra Me Est&#8221; tritt dann deutlicher ein literarischer Bezug hervor: Der Text stammt von Victor Benjamin Neuburg, einem Dichter mit Nähe zu esoterischen und theosophischen Strömungen und Weggefährten Aleister Crowleys. Entsprechend verschiebt sich die musikalische Sprache in Richtung eines archaisch-folkigen Ausdrucks: Flöten, Handtrommel, glockenspielartige Akzente. Die rezitierende Stimme – tief, beinahe beschwörend – verleiht dem Stück eine Schwere, die sich im Verlauf zunehmend verdichtet, ohne das zugrunde liegende Tempo aufzugeben.</p>
<p>Das abschließende &#8220;If We Could We Would&#8221; arbeitet noch stärker mit Kontrasten. Zunächst scheint ein fast harmonischer, orchestral anmutender Klangraum aufzuziehen, doch bald durchbrechen verzerrte, krächzende Stimmen wie durch eine akustische Membran gedämpft diese Oberfläche. Gerade dieses Spannungsverhältnis zwischen scheinbarer Harmonie und unterschwelliger Bedrohung, zwischen Fließen und Störung trägt das Stück. Im Verlauf verschmelzen die Ebenen zunehmend, durchzogen von metallischen Texturen, die sich weder ganz integrieren noch vollständig herauslösen. Das Ende bleibt entsprechend ambivalent und vielleicht bewusst unentschieden &#8211; so mysteriös und gleichsam ahnungsvoll wie das von Algernon Blackwood entlehnte Motto des Albums: &#8220;In the distance she heard the roaring of the Forest&#8221;. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Sombre Soniks</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1984514117/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2026/04/04/temple-music-man-creator-of-his-own-universe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>SELENE HELIOTROPE: Monorama</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/08/16/selene-heliotrope-monorama/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/08/16/selene-heliotrope-monorama/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 16 Aug 2025 03:44:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Lisa]]></category>
		<category><![CDATA[Reverb Worship]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=47146</guid>
		<description><![CDATA[Ein stets wiederkehrendes, tastendes Umkreisen von Motiven, Gedanken und Zuständen scheint das Prinzip zu sein, das sich nicht nur in der musikalischen Struktur, sondern auch in der inhaltlichen Ausrichtung des Albums &#8220;Monorama&#8221; von Selene Heliotrope spiegelt. Ursprünglich 2011 bei Reverb &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/08/16/selene-heliotrope-monorama/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/07/monorama.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47148" title="monorama" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/07/monorama-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ein stets wiederkehrendes, tastendes Umkreisen von Motiven, Gedanken und Zuständen scheint das Prinzip zu sein, das sich nicht nur in der musikalischen Struktur, sondern auch in der inhaltlichen Ausrichtung des Albums &#8220;Monorama&#8221; von Selene Heliotrope spiegelt. Ursprünglich 2011 bei Reverb Worship erschienen, wird das Werk nun erstmals zum <span id="more-47146"></span>Download erneut zugänglich gemacht – ergänzt um den Bonustrack &#8220;Alexandria&#8221;, der aus der Arbeit an einem bisher unvollendeten Nachfolgealbum stammt.</p>
<p>Selene Heliotrope ist ein Duo-Projekt von Alan Trench und der rätselhaften Lisa, die wohl in der Schweiz ansässig ist und auch am <a title="HAUSFRAUEN EXPERIMENT: The End Of The World" href="https://africanpaper.com/2025/05/10/hausfrauen-experiment-the-end-of-the-world/">kürzlich erschienenen Album von The Hausfrauen Experiment</a> beteiligt ist. Beide bringen ihre jeweiligen Hintergründe und Erfahrungen – Trench unter anderem bekannt durch Temple Music, Howling Larsens, Orchis und die Black Lesbian Fishermen – auf eigensinnige Weise in das Projekt ein. Der Bandname selbst enthält bereits eine deutliche Spannung: Mond und Sonne, Dunkelheit und Licht, das eine umkreist das andere, und beide tauchen in dieser Musik nicht als bloße Symbole, sondern als formgebende Kräfte auf.</p>
<p>&#8220;Monorama&#8221; bestand ursprünglich aus acht Stücken, die lose miteinander verbunden sind, doch dies weniger als Erzählung, sondern eher als gereihte Szenenfolge oder wie Fragmente eines größeren Zusammenhangs, der ungenannt bleibt. Musikalisch bewegt sich das Album zwischen experimenteller Elektronik, Folk-Ansätzen, rituellen Momenten, artifiziellen Klängen, die an manipulierte Spieluhren oder modifizierte Tasteninstrumente erinnern, und oft schwer greifbaren Gesangsspuren. Vieles scheint sich in Zwischenzuständen zu bewegen, fragmentarisch und schattenhaft.</p>
<p>Der Opener &#8220;Sabbat&#8221; beginnt mit einem dröhnenden, vielfarbigen Szenario, das sich bald zu rhythmischen Wellen aufbaut. Gitarren treten auf, erst noisig, dann fast songhaft, während Lisa in ihren Vocals eine Szenerie evoziert, die eher kontemplativ als erzählend wirkt – ein dunkles Tableau um ein seltsames Gewächs und dessen Umgebung, das sich im Kopf entfaltet. Auch später arbeitet das Duo oft mit Brüchen. &#8220;Blood&#8221; wirkt wie ein zersplitterter Apparat, in dem sich verspielte Elektronik und schweres Grollen überlagern. Die Stimme Lisas bleibt ernst, der Text jedoch kaum greifbar. &#8220;Janus&#8221; orientiert sich an der ambivalenten Symbolik des gleichnamigen Gottes. Die musikalische Form folgt dem Prinzip der offenen Frage: Der minimalistische Aufbau tastet sich in scheinbar gewollter Unsicherheit voran, während aus dem Textfragmenten Fragen hervortreten, die unbeantwortet bleiben.</p>
<p>&#8220;Worm&#8221; wiederum changiert zwischen kindlich-verspielter Oberfläche und abgründiger Bedeutung: Glockenspiel, Rascheln, ein fast puppenhaftes Klangbild, das jedoch zunehmend aufgeladen wird: Der Wurm, der sich selbst verschlingt, taucht im Text auf und öffnet mythische Assoziationen zum Leviathan, zu Ouroboros und zur Midgarsdschlange, Wesen, die in Trenchs Werdegang schon anderweitig eine Rolle spielten. In &#8220;Silver&#8221; dominieren wabernde Klangflächen, eventuell Harmonium, durchzogen von flüsternden, schwer zu lokalisierenden Elementen. Die Helligkeit des Titels wird musikalisch eher als Spiegelung eingefangen denn in seiner vollen Leuchtkraft – das Silber bleibt im Hintergrund, verhüllt von warmen Tönen.</p>
<p>Mit &#8220;Esbat&#8221; wird das rituelle Element deutlicher: Wind, monotone Beats, fragile Klangfragmente, die sich allmählich verdichten. Alan Trenchs rezitierende Stimme greift hier das Eröffnungsstück ein weiteres Mal auf. &#8220;Golem&#8221; zählt zu den expressiveren Stücken des Albums. Kratzende, lärmende Oberflächen, hochtönende Verzerrungen und flackernde Stimmen erzeugen ein Gefühl des Aufbaus, der Materialisierung, so als entstünde hier dem Titel entsprechend etwas. &#8220;Curtain&#8221; bildet den ursprünglich letzten Track. Auch hier dominieren verfremdete Stimmen und eine cinematische Tiefe. Lisas Stimme, mehrfach geschichtet, spricht den Hörer direkt an, während orchestrale Flächen eine ungewisse Öffnung andeuten: Es geht um Freiheit, aber ohne Erlösungspathos. Alles bleibt tastend, fragend, wird nie affirmativ.</p>
<p>Der Vorhang bleibt diesmal allerdings noch für ein paar Minuten offen und der nun hinzugefügte Bonustrack &#8220;Alexandria&#8221; nimmt schließlich einen deutlich anderen Ton an, wirkt entrückter, strukturierter, zugleich aufgewühlter. Lisa rezitiert über eine Stadt, in der – einst – hermetische Lehren und gnostische Strömungen aufeinandertrafen, bevor die legendäre Bibliothek in Flammen aufging. Die Musik greift auf Rhythmen zurück, die an alte elektronische Avantgarden erinnern, doch bleibt auch hier eine Spannung erhalten zwischen Textur und Bedeutung, zwischen Klarheit und Verschleierung.</p>
<p>&#8220;Monorama&#8221; ist ein Album, das nicht unmittelbar verstanden werden muss. Es ist durchzogen von Wiederholungen, Überlagerungen und Andeutungen und offenbart eine Musik der Zwischenräume, die sich oft der Eindeutigkeit verweigert. In seiner wiederveröffentlichten Form wirkt es nicht nur wie ein Fundstück aus einer bestimmten Zeit, sondern auch wie eine Öffnung in eine andere: ein Blick auf ein Projekt, das von Anfang an mehr als ein einmaliger Versuch war, und dessen Spuren in anderen Arbeiten der Beteiligten fortwirken.</p>
<p>Und wer weiß, vielleicht erscheint das seit langem geplante &#8220;The Death Album&#8221;, das bislang eher als Ideensteinbruch Verwendung fand und so eine geisterhafte Existenz anzunehmen droht, ja doch noch? Ich wäre jedenfalls gespannt. (U.S.)</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=2811756643/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/08/16/selene-heliotrope-monorama/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>HAUSFRAUEN EXPERIMENT: The End Of The World</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/05/10/hausfrauen-experiment-the-end-of-the-world/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/05/10/hausfrauen-experiment-the-end-of-the-world/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 10 May 2025 03:53:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Bracken Records]]></category>
		<category><![CDATA[Brakken Records]]></category>
		<category><![CDATA[Hausfrauen Experiment]]></category>
		<category><![CDATA[Orchis]]></category>
		<category><![CDATA[Steve Robinson]]></category>
		<category><![CDATA[Temple Music]]></category>
		<category><![CDATA[Tracy Jeffery]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=46119</guid>
		<description><![CDATA[Es gibt eine Menge an Alben mit einer apokalyptischen Schlagseite – dramatische, weinerliche, abgeklärte und alles Mögliche und Unmögliche dazwischen. Auf &#8220;The End of the World&#8221;, dem neuen Longplayer der mysteriösen englischen Band Hausfrauen Experiment, endet die Welt, wie wir &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/05/10/hausfrauen-experiment-the-end-of-the-world/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/05/HausfrauenExperiment_LPCover.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46120" title="HausfrauenExperiment_LPCover" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/05/HausfrauenExperiment_LPCover-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es gibt eine Menge an Alben mit einer apokalyptischen Schlagseite – dramatische, weinerliche, abgeklärte und alles Mögliche und Unmögliche dazwischen. Auf &#8220;The End of the World&#8221;, dem neuen Longplayer der mysteriösen englischen Band Hausfrauen Experiment, endet die Welt, wie wir sie immer gekannt haben, auch und vor allem für die bisherige Aura von zehn ausgewählten Songs aus der Geschichte der <span id="more-46119"></span>populären, respektive alternativen Musik, denn ihnen wurde hier in bester Laibach- und Leningrad-Cowboys-Manier ein komplett anderes musikalisches Gewand verpasst – schrill, verspielt, ernsthaft und höcht eigenwillig.</p>
<p>Was als ironischer Bandname begann, wurde zur produktiven Klammer für ein Projekt, das vor 15 Jahren, als eine Art Ableger der damals ihre Spärphase erlebenden Folkband Orchis und deren bis heute bestehenden Wechselbalg Temple Music, mit analoger Elektronik bekannte Songs neu einspielte – ganz so, wie man sich ein alternatives Hausfrauenradio vorstellt, das den Staubsaugerbeat direkt ins Herz der Popgeschichte sendet. Es entstanden damals zwei EPs und eine Split-Veröffentlichung, deren Tracks quasi das Fundament des vorliegenden, restaurierten, remastgerten und ergänzten Materials bildeten und seinerzeit schnell vergriffen waren. Alan Trench, zusammen mit Steve Robinson eine der grauen Eminenzen hinter den drei charismatischen Frontfrauen Tracy, Vyolette und Lisa an den Mikros, beschreibt das Projekt in einem Interview als launig-verspielt, aber keineswegs nur schenkelklopfend gemeint. Dahinter steckt, so Trench, echtes musikalisches Herzblut – und eine Affinität zu jenem rezitationsnahen Gesang von Lisa, der zusammen mit den Harmonie-Vocals von Tracy und Vyolette sowie der strikt analogen Instrumentierung das Rückgrat des Sounds bildet.</p>
<p>Schon der Einstieg mit &#8220;A Glass of Champagne&#8221; zeigt, wie ernst es Hausfrauen Experiment mit ihrer Dekonstruktion meinen. Das einstige Glam-Stück von Sailor mutiert musikalisch, falls der Rezensent hier nicht vollends einer Fata Morgana hinterherrennt, zu einer Girliepop-Hommage an die amerikanische Highschool-Romantik der frühen Sechziger, allerdings mit elektrifizierter Spoken-Word-Einleitung, scheppernden Handclaps, rauer Elektronik und einem Hauch ritualistischer Tiefe, die sich kaum fassen lässt. In der deutschen Zwischenruf-Passage „Ich hab das Geld“ blitzt der subtile Spott über Prestige und Oberfläche auf, ohne sich im Sarkasmus oder gar moralisierender Besserwisserei zu verlieren. Offenbart sich die das Lebensgefühl des deutschen Wirtschaftswunders der 50er als heimliche Blaupause aller populären Kulturphänomene der Folgezeiten? Bitte nicht darüber nachdenken, die Antwort kommt irgendwann ganz unverhofft! Der Song jedenfalls pendelt zwischen Leichtigkeit und einer ironisch eingefärbten Melancholie, die sich kaum fassen lässt, als starre man auf eine glitzernde Tanzfläche, unter der der Beton bereits bröckelt.</p>
<p>Richtig laut wird es mit dem folgenden &#8220;Container Drivers&#8221;, einem abgründigen The Fall-Cover mit dem Charme einer ohrenbetäubenden Alarmsirene. Das donnernde Gewitter der Drummachine, durchbrochen von grellem Lärm, erzeugt eine körperlich spürbare Klangwand, der Gesang wirkt atonal und aufscheuchend wie eine gesamplete und draufgeklebte Lautsprecherdurchsage, Punk ist hier nicht Pose, sondern Bedrohung. Das Arrangement greift dabei auch andere Ebenen auf, etwa ein dröhnendes Nebenthema, das sich wie ein querlaufender Subtext durch die Soundfläche zieht. Auch &#8220;Baby&#8217;s On Fire&#8221;, ursprünglich von Brian Eno frühem Solodebüt, wird trotz vergleichsweise werkgetreuer Umsetzung durch den Wechsel der Gesangsperspektive – hier eben durch eine Frau – transformiert. Der Song bleibt ein launiger, leichtfüßiger Rocksong, doch durch die andere Stimme erhält der Blick auf das &#8220;brennende Mädchen&#8221; eine andere Qualität. Die irritierende Gleichzeitigkeit von Gewalt, Voyeurismus und Popästhetik bleibt dabei bestehen.</p>
<p>Besonders originell wirkt &#8220;New Age Dream&#8221;, eine ausnahmsweise recht neu eingespielte Coverversion von Suicides &#8220;Dream Baby Dream&#8221;: Ein stoffeliger Beat, verbunden mit hintergründigem Dröhnen und Kratzen, trifft hier auf affiges Flüstern und E-Piano, das sich zunehmend technoid steigert. Die permanente Wiederholung der Textzeile wirkt hypnotisch und emotional ungemein aufgeladen. &#8220;The Model&#8221;, die wohl bekannteste Vorlage des Albums, wird von Hausfrauen Experiment bis zur Unkenntlichkeit zersetzt und neu zusammengesetzt. Es bleibt zwar erkennbar Kraftwerk, doch das Ergebnis ist nicht nur eine Hommage, sondern gleichsam ein zersetzender Spott in Richtung Medien-, Konsum- und Schönheitsidealen. Samples wie &#8220;Anneliese, ach Anneliese, warum bist du böse auf mich?&#8221; oder &#8220;Wir sind die lustigen Holzhackerbuam&#8221; wirken zunächst absurd, fügen sich aber nahtlos in eine dystopisch-ironische Erzählung ein. Das verstörende Video dazu erinenrt zudem daran, dass Fashion etymologisch nicht nur mit Fasching verwandt ist. Die Stimme von Tracy Dawn Jeffery schwebt dabei zwischen Zartheit und Distanz, fast wie ein Echo auf eine Pop-Vergangenheit, die sich selbst nicht mehr ernst nehmen kann und gerade deshalb heute auch liebenswürdig erscheint.</p>
<p>Das Duran-Duran-Cover &#8220;The Chauffeur&#8221; besticht durch seine entrückte, verträumte Interpretation, das dem surreal aufgeladenen Original mit seinem unterkühlt sinnlichen Musikvideo jede Schwülstigkeit nimmt. Die Stimme Jefferys lässt Erinnerungen an die Paris Sisters aufkommen und verleiht dem Song eine zerbrechliche Intimität, und der Reiz besteht auch hier wieder u.a. darin, dass der bekannte Text eines Sängers von einer Frau interpretiert wird. Mit &#8220;Jawbone And The Air-Rifle&#8221; wird erneut The Fall aufgegriffen, diesmal mit einem Song, der deutlicher im Rock’n’Roll verwurzelt ist. Hausfrauen Experiment verwandeln ihn in ein bissiges, treibendes Stück zwischen cool-brutaler Attitüde und Girliepop-Anmutung. Lala-Gesang trifft auf intelligente Breaks und schaffen ein irritierendes Gleichgewicht zwischen Übermut und Wahnsinn, passend zum Text über Schuld und Isolation.</p>
<p>&#8220;Chick Habit&#8221;, im Original auf Französisch von Serge Gainsbourg und France Gall bereits in den Sixites produziert und Jahrzehnte später von April March auf englisch interpretiert, beginnt bei den Hausfrauen fast pseudoliturgisch mit einer gebrochenen Ambientfläche, über der Spoken-Word-Passagen schweben. Was wie eine sakrale Parodie wirkt, entpuppt sich bald als beschwingter Popsong mit Surf-Rock-Anleihen – doch die latente Schwere des Orgel-Sounds bleibt bestehen. Diese Spannung erinnert tatsächlich an die sakral gebrochene Ain Soph-Version von I Corvis Beatsong &#8220;Ragazzo di Strada&#8221; – auch hier trifft Popästhetik auf einen düsteren Unterton, der die Botschaft des Liedes (&#8220;Du wirst schon sehen, was du davon hast&#8221;) vielleicht umso eindrücklicher macht. &#8220;Solid Baby&#8221; von Marc Bolan/T. Rex war seinerzeit ein augenzwinkernd-verspielter Song, Hausfrauen Experiment machen daraus ein electroclashiges, perkussiv aufgeladenes Stück mit Ye-Ye-Anklängen, rauen Synthies und einer dramatisch-theatralischen Note. Auch hier scheint der Song nicht parodiert, sondern liebevoll übersteigert, ein Spiel mit der Inszenierung des Begehrens, das sich bewusst übercodiert. Der abschließende Titelsong nach Skeeter Davis rundet das Album mit einer seltsam aufgewühlten Morbidität ab – als kaum ruhige, eher trostlose Reverenz an das Ende und als eine letzte Verbeugung vor dem Verlorenen.</p>
<p>Was alle Songs auf &#8220;The End of the World&#8221; eint, ist der doppelte Boden: Hausfrauen Experiment kopieren nicht, sie transformieren. Die Auswahl wirkt wie eine selbstbewusste Aneignung männlich konnotierter Songs, deren Inhalte nun von weiblichen Stimmen neu gefärbt werden. Der Einsatz analoger Instrumente verleiht der Musik eine eigentümlich zeitlose Textur, denn sie klingt letztlich trotz des z.T. nostalgischen Equipments weder retro noch futuristisch, sondern wie aus einer Parallelwelt, in der die Popgeschichte anders verlaufen ist.</p>
<p>Diese beiden Aspekte wären für sich betrachtet großartig und doch nichts, das man an keiner anderen Stelle finden könnte. Was den Ansatz von Hausfrauen Experiment wirklich auszeichnet, ist ihre konsequenter Ersetzung der in der populären Musik bis heute immer wieder inszenierte Perspektive des Außergewöhnlichen, &#8220;Popstarhaften&#8221; durch den Blickwinkel derer, die vom Außergewöhnlichen allenfalls träumen. Dass sie in dieser Pose den Glamour erfolgreich aufspüren, ist ihre eigentliche Transformationsleistung. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://www.morningbrake.com/post/the-hausfrauen-experimented-hard-at-the-lp-launch-party">Bracken Records</a></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/05/10/hausfrauen-experiment-the-end-of-the-world/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>BLACK LESBIAN FISHERMEN: The Twelve Kalikantzari of Yule</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/02/15/black-lesbian-fishermen-the-twelve-kalikantzari-of-yule/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/02/15/black-lesbian-fishermen-the-twelve-kalikantzari-of-yule/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 15 Feb 2025 04:06:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Nikolaos Lymperopoulos]]></category>
		<category><![CDATA[Nikos Fokas]]></category>
		<category><![CDATA[R. Loftiss]]></category>
		<category><![CDATA[Stelios Romaliadis]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=44412</guid>
		<description><![CDATA[Das Album &#8220;The Twelve Kalikantzari of Yule&#8221; der Black Lesbian Fishermen ist eine beeindruckende Hommage an die mystische Folklore Südosteuropas. Dieses Projekt, das während der Julzeit auf der griechischen Insel Euböa entstand, stellt zwölf dämonische Wesen, die sogenannten Kalikantzari, in &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/02/15/black-lesbian-fishermen-the-twelve-kalikantzari-of-yule/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/01/blf.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-44414" title="blf" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/01/blf-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Das Album &#8220;The Twelve Kalikantzari of Yule&#8221; der Black Lesbian Fishermen ist eine beeindruckende Hommage an die mystische Folklore Südosteuropas. Dieses Projekt, das während der Julzeit auf der griechischen Insel Euböa entstand, stellt zwölf dämonische Wesen, die sogenannten Kalikantzari, in den Mittelpunkt. Inspiriert von Athanasios Veloudios’ seltenem Werk über Kobolde und Luft-Elfen, widmet sich das Projekt diesen schelmischen Dämonen, die zwischen Weihnachten und Epiphanias aus der <span id="more-44412"></span>Unterwelt auftauchen, um Chaos zu verbreiten. Jede der zwölf Kompositionen ist einer dieser Wesenheiten gewidmet, die mit fesselnden Klangbildern und begleitenden Kunstwerken porträtiert werden. Die stets zwischen Psychedelic, Folk und Ritualismus changierende Band, im Kern bestehend aus R. Loftiss, Alan Trench, Nikos Fokas und Stelios Romuliadis und hier unterstützt von einer Vielzahl von Gastkünstlern, schafft es, jeder der zwölf rauen Nächte eine eigene klangliche und erzählerische Identität zu verleihen.</p>
<p>Die Gruppe, die das Album aufgrund seiner stilistischen Einzigartigkeit und auch aufgrund der vielen Gäste genau genommen nur &#8220;präsentiert&#8221;, hat sich nicht nur audiovisuell, sondern auch kuratorisch hervorgetan, indem sie während dieser Zeit täglich ein Stück über Bandcamp veröffentlichte, begleitet von launigen Beschreibungen der jeweiligen Figur. Diese einzigartige Herangehensweise unterstreicht die liebevolle Detailarbeit und die Freude am Geschichtenerzählen, die das Projekt auszeichnet. Gleich der Eröffnungstitel, der Madrakoukos &#8211; einem ziegenfüßigen dämonischen Frauenjäger &#8211; gewidmet ist, setzt den Ton. Feierliche Orgelklänge werden ergänzt durch griechische Rezitation und einen dynamischen Wechsel zu Gesang und rhythmischen Gitarren. Die rustikale Authentizität von Giorgos Kariotis’ Stimme hebt diesen Einstieg besonders hervor. Rasseln und Flöten durchziehen die Komposition, während man das Gefühl hat, mitten in einer märchenhaftenen Geschichte voll von anarchisch-zotigem Humor zu stehen. Mit &#8220;H Horevtra&#8221;, die der Tänzerin und Femme Fatale des Kalikantzari-Mythos gewidmet ist, wird die Atmosphäre düsterer und intensiver. Hier treffen dämonische Schreie auf treibende Rhythmen und orientalisch anmutende Melodien, die eine entfesselte Energie verbreiten. Die klangliche Palette wirkt fast wie ein Ausbruch des Chaos – passend zu der gefährlichen, verführerischen Natur der Horevtra.</p>
<p>Ein Höhepunkt des Albums ist sicher &#8220;O Lykokantzaros&#8221;, ein Stück, das die feine Balance zwischen archaischer Stimmung und emotionaler Tiefe findet. Evelyna Trenchs junge, klare Stimme, begleitet von dem gezupften Klang eines Psalteriums und einer melancholischen Melodie, verleiht dieser Komposition eine entrückte Schönheit. Doch das Album kennt auch seine ungestümen und chaotischen Momente. In &#8220;O Gourlos&#8221;, dem Zyklopen gewidmet, der alles zerbricht, führen die Black Lesbian Fishermen in eine Welt voller rumpelnder Geräusche und krächzender Stimmen. Das nächtliche, wilde Treiben wird hier fast körperlich spürbar. Ebenso faszinierend ist &#8220;O Triklopodis&#8221;, wo ein wilder, neofolkiger Klang auf teuflisches Geschrei trifft, das wie ein Echo aus der Ferne die Szenerie aufmischt. Die meist griechischen, bisweilen auch englischen Texte, oft rezitiert oder in Sprechgesang verpackt, erzählen mit derbem Humor und einer Spur von Schrecken von den Eigenheiten der jeweiligen Kalikantzari. So wirkt der Fäden schneidende Stravolaimis, dargestellt von Alan Trench, nicht nur bedrohlich, sondern auch wie ein subtiler Hinweis auf die Macht des Abschieds und Neubeginns.</p>
<p>Jeder Titel wird begleitet von einem Kunstwerk der auch als Illustratorin aktiven Musikerin R. Loftiss, die durch ihre charakteristischen Linolschnitte im Folk Art-Stil, die immer wieder an Illustrationen aus der Zeit zwischen Art Nouveau und Expressionismus erinnern ohne in eine dieser Schubladen wirklich zu passen, den schelmischen und geheimnisvollen Charakter der Kalikantzari visuell einfängt. Diese Drucke, teils nummeriert und signiert, ergänzen das Gesamtwerk und machen das Album auch zu einem visuellen Erlebnis, und gerade (aber nicht nur) die visuelle Präsentation des froschartigen Vatrakoukos weckt Erinnerungen an die visuelle Seite ihres eigenen Projektes The Grey Field Recordings. Musikalisch beeindruckt die Band durch die Verschmelzung von traditionellen Elementen und solchen einer elektrifizierten modernen Populärmusik meist psychedelischer Prägung. Die Instrumentierung reicht von archaischen Zupfinstrumenten wie dem Psalterium bis hin zu elektrischen Gitarren und Synthesizern. Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie den Rezitatoren Giorgos Kariotis und Nikolaos Lymperopoulos bereichert das Projekt zusätzlich, wobei die individuelle Handschrift jedes Mitwirkenden spürbar bleibt.</p>
<p>Am Ende bleibt ein Gefühl der Faszination für die dunkle Folklore und den spielerischen Geist der Kalikantzari, denn die Black Lesbian Fishermen schaffen es, den Spuk dieser dämonischen Wesen nicht nur musikalisch, sondern auch emotional erfahrbar zu machen. Mit &#8220;The Twelve Kalikantzari of Yule&#8221; haben sie ein Werk geschaffen, das gleichermaßen unterhält und inspiriert und das man kaum erwarten kann, in der nächsten Julzeit wiederzuentdecken. (U.S.)</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1825314088/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/02/15/black-lesbian-fishermen-the-twelve-kalikantzari-of-yule/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>TEMPLE MUSIC: Sucking up the English</title>
		<link>https://africanpaper.com/2025/01/11/temple-music-sucking-up-the-english/</link>
		<comments>https://africanpaper.com/2025/01/11/temple-music-sucking-up-the-english/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 11 Jan 2025 02:02:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Trench]]></category>
		<category><![CDATA[Sombre Soniks]]></category>
		<category><![CDATA[Steve Robinson]]></category>
		<category><![CDATA[Temple Music]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://africanpaper.com/?p=44173</guid>
		<description><![CDATA[Das Duo Temple Music, bestehend aus Alan Trench und Steve Robinson, bleibt auch mit ihrem neuesten Album „Sucking up the English“ seinem Ruf treu, ein kaum einzuordnendes, aber stets markantes Klanguniversum zu schaffen. Nach dem eher opulenten Kosmos von „Worthless &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/01/11/temple-music-sucking-up-the-english/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/12/sute.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-44174" title="sute" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/12/sute-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Das Duo Temple Music, bestehend aus Alan Trench und Steve Robinson, bleibt auch mit ihrem neuesten Album „Sucking up the English“ seinem Ruf treu, ein kaum einzuordnendes, aber stets markantes Klanguniversum zu schaffen. Nach dem eher opulenten Kosmos von <a title="TEMPLE MUSIC / GIORGOS KARIOTIS: Worthless Treasures" href="http://africanpaper.com/2024/03/02/temple-music-giorgos-kariotis-worthless-treasures/">„Worthless Treasures“, das zusammen mit dem griechischen Dichter Giorgos Kariotis entstanden ist</a>,  kehren die beiden Musiker auf diesem Longplayer zu einer dröhnend-minimalistischen Ästhetik zurück, wie man sie <span id="more-44173"></span>beispielsweise von dem <a title="TEMPLE MUSIC: Εποχές (Vol. lI)" href="http://africanpaper.com/2019/02/02/temple-music-%ce%b5%cf%80%ce%bf%cf%87%ce%ad%cf%82-vol-li/">zweiteiligen &#8220;Epoxes&#8221;</a> oder &#8211; wenngleich in variantenreicherer Form &#8211; von <a title="TEMPLE MUSIC: Summer Trees Dissolve" href="http://africanpaper.com/2021/02/13/temple-music-summer-trees-dissolve/">&#8220;Summer Trees Dissolve&#8221;</a> her kennt. Die Veröffentlichung, wie immer in den ergangenen Jahren auf dem Label Sombre Soniks erschienen, ist in zwei rund zwanzigminütige Tracks unterteilt, die jeweils tief in unterschiedliche emotionale und akustische Bereiche eintauchen.</p>
<p>Motivisch kreist das Album um einen interessanten Themenkomplex, den beide Akteure vermutlich auf sehr unterschiedliche Weise erfahren, nämlich die Englishness, die für den in Lincolnshire lebenden Robinson wohl zur täglichen Umgebung zählt, die vielleicht zu einem täglichen Kampf gegen Betriebsblindheit herausfordert, während der auf der griechischen Insel Euböa lebende Auswanderer Trench ihr immer wieder in den englischen Expat-Communities begegnet, die niemals bereit sind, aus ihrer vertrauten Bubble herauszutreten, und sei es auch nur um die Landessprache zu lernen. Die in der Ferne noch stärker empfundene Englishness saugen solche Seelen voneinander wie ein Lebenselexier, worauf der Albumtitel letztlich verweist. Ähnlich nun wie gute Dekadenzdichtung die Dekadenz ihrer Zeit beschreibt, karikiert und kritisiert und dieser zugleich eine andere, ästhetisch kostbarere Form der Dekadenz entgegensetzt, feiern Temple Music hier auch so etwas wie eine veraltete und idealisierte Form der Englishness, die ihnen aus Filmen, Büchern und Musik vertraut ist und vor dem Hintergrund der Realität wie ein Märchen vorkommt. Temple Music lassen diese Themen ohne explizite Wertungen in den beiden Stücken aufscheinen und verbinden ihre Reflexionen mit einer mystischen, oft hypnotischen Klangsprache.</p>
<p>Der erste Teil eröffnet diese vielgestaltige Welt mit rauen, wundgescheuerten Feedbackschleifen und tiefem Dröhnen. Nach und nach schält sich eine erkennbare Gitarrenlinie aus dem klanglichen Nebel, die den Track in eine Richtung lenkt, die paradoxerweise sowohl beruhigend als auch unbehaglich wirkt. Eine flüsternde Stimme &#8211; es ist eine Aufnahme von Sir John Betjeman, der sein Gedicht &#8220;A Subaltern’s Love Song“ liest &#8211; und gelegentliche Klänge wie trunkene Schreie sorgen für eine gespenstische Atmosphäre. Das Stück bleibt über weite Strecken in einer verschleierten, träumerischen Sphäre, in der sich &#8211; wie vermutlich in der Wahrnehmung vieler Expats, die in ihrer neuen Heimat die alte innerlich nie zurückgelassen haben &#8211; Schönheit und Bedrohlichkeit unentwegt durchdringen und die das Thema eines verzweifelten Festhaltens an einer Identitätsvorstellung ebenso auszudrücken vermag wie eine weniger banale Nostalgie, die ihre Brücken bis zum Folk Horror schlägt. Die harmonischen Elemente, die immer wieder kurz aufblitzen, wirken dabei wie ein Verweis auf etwas Geheimnisvolles, das sich dem direkten Verständnis entzieht. Dabei bleibt die Stimmung ambivalent: beruhigend und doch niederdrückend, eindringlich und doch sanft gleitend.</p>
<p>Der zweite Teil hebt die Energie deutlich an, repetitive, glockenartig bimmelnde Klänge werden von einem basslastigen Brummen unterlegt, während eine geloopte Frauenstimme die Szene aufwühlt und zugleich eine nostalgische Aura verbreit. Es handelt sich um die im zweiten Weltkrieg und danach in Soldatenkreisen beliebte Sängerin Vera Lynn, die ihren Schlager &#8220;There’ll Always Be An England“ singt, doch anfangs sind nur gesprochene Passagen zu hören. Die Dynamik des Stücks entwickelt sich langsam, aber unaufhaltsam, mit subtilen Steigerungen in Intensität und Dichte. Im Verlauf des Tracks tritt eine kraftvolle Perkussion in den Vordergrund und verzerrte, kratzige Klangflächen machen sich bemerkbar, was dem Ganzen eine im Vergleich zum eher etherischen ersten Teil raue, körperliche Präsenz verleiht. Besonders beeindruckend ist die kunstvolle Transformation der gesampleten Lynn-Aufnahme in einen gesanglichen Ausdruck, der sich organisch in die treibenden Rhythmen einfügt. Und nicht trotz, sondern gerade aufgrund seiner repetitiven Struktur(en) im Zusammenhang mit den kleinen, kontinuierlichen Veränderungen bleibt das Stück ungemein fesselnd.</p>
<p>&#8220;Sucking up the English&#8221; ist ein Album, das sowohl für beiläufiges Hören, bei dem vermutlich schon unbewusst viel passiert, als auch für tiefere, konzentrierte Auseinandersetzung funktioniert. Die beiden Tracks entfalten ihre Wirkung in unterschiedlichen Stimmungen von dunkel-mysteriös bis hypnotisch-treibend. Temple Music zeigen einmal mehr ihre Fähigkeit, Hörer in eine introspektive wie intensive Welt zu ziehen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Sombre Soniks</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3780303752/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://africanpaper.com/2025/01/11/temple-music-sucking-up-the-english/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
