William Basinski und Richard Chartier haben schon auf einer Reihe von Veröffentlichungen zusammengearbeitet, zuletzt vor zehn Jahren auf „Divertissement“, das auf Vinyl bei Important Records erschien. Im Titel spielt „Aurora Terminalis“ natürlich auf „Aurora Liminalis“ aus dem Jahr 2013 an, eine weitere Zusammenarbeit der beiden.
Natürlich auch wegen seines unglaubliche Resonanz erfahrenen Opus Magnum „The Disintegration Loops“ und weil auch auf zahlreichen anderen Arbeiten Basinskis Tapeloops aus seinem schier unerschöpflichen Archiv ein zentrales Klang und Gestaltungsmittel sind, wird vergessen, dass Basinski auch ab und an mit dem Voyetra 8-Synthesizer arbeitet, so z.B. auf der wunderschönen, selbst so bezeichneten „tranquil, somnolent ambient meditation“ „Silent Night“.Dieses Instrument wird auch auf “Aurora Terminalis” eingesetzt. Richard Chartier hat in den letzten Jahren zahlreiche Alben (allein und mit anderen) veröffentlicht, seine Installationen waren in Museen zu sehen und zu hören und auf seinem Label LINE hat er neben eigenen Arbeiten zahlreiche Künstlerinnen und Künstler veröffentlicht, die sich laut Selbstbeschreibung im weiten Feld des „contemporary minimalism“ bewegen. Auf dem Album war Basinski für “Voyetra 8 + loops”, Chartier für “electronics, field recordings, processing, mixing” zuständig, das Cover des Albums wird von einem Ausschnitt eines Gemäldes von Basinskis Partner James Elaine geziert.
Es ist sicher nicht das falscheste, wenn Erwartungen unterlaufen werden, denn das Album beginnt überraschenderweise mit leicht rabiaten, repetetiven Syntharpeggios, die man so vielleicht nicht auf einer Arbeit dieser zwei vermutet hätte. Diese ebben nach etwa eineinhalb Minuten ab und machen den Weg frei für eine zerbrechlich wirkende, todtraurige Melodie, die im weiteren Verlauf in leichtes Rauschen eingebettet wird. Da ist dann wieder diese auch andere Arbeiten Basinskis durchziehende Melancholie, die dem Hörenden immer wieder das Gefühl gibt, inmitten des Wissens des weg allen Fleisches – das Album sei „a fading gauzy signal for a finality“, heißt es von Labelseite – dennoch aufgehoben zu sein. Nach einer halben Stunde setzt ein Pochen im Hintergund ein, man meint, hier höre man einen im Äther gefangenen Hubschrauber. Im weiteren Verlauf werden die melodischen Passagen mit fast schon maschinell klingenden leicht dissonanten Passagen enggeführt, bevor das Stück dann nach einer Stunde langsam verklingt, terminiert (wird). (MG)
Label: LINE