HAUS ARAFNA: The Spring Heals

Haus Arafna hatten eine Entwicklung vom ruppig-rabiaten Industrial des Frühwerks hin zu einem (etwas) melodischeren, selbst so betitelten Angstpop gemacht, waren aber 2020 mit ihrem sechsten Album „Asche“ durchaus aggressiv zurückgekehrt, hatten sich wieder der Disruption und dem Gebrutzel des analogen Instrumentariums hingegeben. Zu „Asche“ hieß es hier: „Bilder wie Musik auf ‘Asche’ sind (ver-)störend und irritierend und es ist mehr als passend, dass dieses Album im Jahr 2020 veröffentlicht wird. Das Gefieder dieses Phönix ist pech- und vantaschwarz.“ Im Jahr 2023 folgte die passend betitelte 7” „Dunkelheit Bleibt“, deren zwei Tracks an das Album anknüpften.

Die gerade veröffentlichte 7” „The Spring Heals“ enthält ebenfalls zwei Stücke. Auf den ersten Blick zeigen diese durchaus unterschiedliche Facetten des Schaffens der Band: Das minimalistische Titelstück ist verwurzelt in den Tiefen der Depression: vereinzelte Basssounds, eine dunkle Melodie, der psychische Zustand erscheint hier als „garbled memory“ und es wird de profundis gefragt: „do you also hear the call of the dead“. Ob der Refrain „the spring heals / heals“ geglaubt werden kann, sei dahingestellt. Dagegen ist die B-Seite „Auserwählt“ der musikalische Gegenpol: Auf Trauer und Depression folgen Wut und Zorn, Schall und Wahn. Da sind brutal verzerrte Noiseschleifen und der brachiale Schreigesang, der verkündet: „du lebst weil du lebst“. In dieser Formulierung klingt ein Determinismus, ein Ausgeliefertsein mit, auf den/das vielleicht nur mit Zorn reagiert werden kann. Der Satz „du liebst weil du musst“, erneut Zwang illustrierend, lässt an das berühmte Ende von Fritz Langs „M“ denken.

Auch wenn eine 7”, wenn zwei Stücke, nur ein Interludium sein können, so ist es diese natürlich längst ausverkaufte Platte wert, besprochen zu werden. (MG)

Label: Galakthorrö