PAUL SCHÜTZE: The Mosaic Of Starlight Slips Back Like The Lid Of An Opening Eye

Der gebürtige Australier Paul Schütze, der seit Jahren in England – lange London, nun an der Küste Kents -  lebt, war in den letzten Jahrzehnten in vielen Bereichen künstlerisch tätig und beschreibt sich selbst als „artist composer performer“. Neben der Musik (Klanginstallationen, Soundtacks) hat er sich visuell betätigt (Filme, Fotografien) und sogar Parfüms konzipiert. Es entstanden sowohl Soloalben als auch Zusammenarbeiten, wie etwa mit Thomas Köner, er hat auch mit Bill Laswell oder Andrew Hulme gearbeitet, um nur ein paar zu nennen.

Vor einigen Monaten erschien auf dem Kölner Label Auf Abwegen mit dem recht poetisch betitelten „The Mosaic Of Starlight Slips Back Like The Lid Of An Opening Eye“ Schützes neues Album, das aus einem langen, auf zwei CDs verteilten Track besteht, der insgesamt etwa gut 90 Minuten lang ist. Schütze arbeitet hier mit Daniel Pennie zusammen, der in den Credits mit „bowed and ebow guitar, textures and loops“ angeführt ist, Schütze mit „electronic, steel drums, melodica“.

Konzeptionell knüpft es an das „Garden of Instruments“-Projekt an, dessen erster Teil bereits 1997 mit „Second Site“ begann. Auf der aktuellen Veröffentlichung geht es um „astronomical/architectural phenomena of the Janta Manta instruments.“, verweisend auf fünf Sternwarten, die im 18. Jahrhundert in Indien errichtet wurden. Schütze schreibt: „for me they have always stood as monuments that collapse the illusions of time and place: non places that bend chronology and thinking in unprecedented ways; physical markers of paradigm shift and poly sensory exploration.“

Der erste Teil beginnt kaum hörbar mit an- und abschwellenden Basstönen; nach und nach kommen vereinzelte Sounds hinzu, irgendwann meint man Knirschen, Schaben, Wassergeräusche zu hören, es gibt Momente der Irritation und es entsteht fortwährend eine kaum greifbare Atmosphäre, eine Entrückung in eine andere, fast schon geisterhafte Welt, in der Instrumente kurz gegriffen werden, um dann wieder zu verschwinden. Dieses sehr organisch klingende Album changiert irgendwo in einem liminalen Raum zwischen Elektroakustik und (Dark) Ambient. Ob es gelingt, die Chronologie – wie oben angesprochen – zu “verzerren” sei dahingestellt, aber diese 90 Minuten fühlen sich definitiv kürzer an, was sicher sehr für dieses Album spricht. (MG)

Label: Auf Abwegen