ILLUSION OF SAFETY: Cancer

Das um Dan Burke gruppierte Projekt Illusion Of Safety hat auf vielen Veröffentlichungen in den letzten Jahrzehnten verschiedenste Formen des Postindustrials gespielt: von einem rabiaten, äußerst unangenehmen von Sprachsamples durchzogenen Album wie „Bad Karma“, das damals und heute vielleicht noch viel mehr eine angemessene Musik zur Zeit war bzw. ist, bis hin zu dem verhalteneren „New Rules, Same Game, Less Instruction“ auf Drone vor ein paar Jahren. 

Das Album „Cancer“, aufgenommen zwischen November 1990 und Februar 1991, erschien erstmalig 1992 als CD auf Tesco und wird nun auf Auf Abwegen in einer neu gemastered Edition von 250 Exemplaren auf Vinyl wiederveröffentlicht. Ebenso wie auf der ursprünglichen Veröffentlichung sind alle Tracks unbetitelt, allerdings: „The original 1991 album sequence has been edited down from the original 60 minute CD program to fit on an LP“. Von Bandseite heißt es über das Album: „Cancer“ „was mostly a group effort focused on a dark ambient atmospheric environment“ und wurde in einer sechsköpfigen, großen Besetzung bestehend aus Burke, Chris Block Mitch Enderle, Mark Klein, Jim O’Rourke, Mitch Enderle und Thymme Jones eingespielt. Das Cover zieren Landsat-Bilder der Nasa.

Der erste Track beginnt kaum hörbar, dann lauter werdendem metallischen Klappern, Knartzen. Zwischendurch setzt ein fieser Hochton ein, der an einen Zahnarztbohrer denken lässt. Der zweite Track beginnt mit dissonantem Rauschen, das sich zu einer Kakophonie von Vogelgezwitscher aus der Hölle entwickelt und sich dann zu Noisegebrutzel verdichtet. Das dann folgende Stück fokussiert sich ebenfalls auf das Dissonante, ist aber etwas repetetiver. Anders ausgerichtet ist das Eröffnungsstück der B-Seite: Hier scheint ein Kirchenchoral bearbeitet worden zu sein, Glocken läuten und das Stück bekommt dadurch einen durchaus sakralen Charakter. Der insgesamt fünfte Track beginnt mit in der Ferne kaum wahrnehmbaren Dröhnen, eher zu erahnen als zu erhören, das sich dann fast schon zu symphonisch-orchestralem Dark Ambient entwickelt. Auf dem vorletzten Track hört man wieder bearbeitete Stimmen, die einen dunklen Choral intonieren. Der Abschlussstück ist ein von Thymme Jones gespieltes – nicht nur im Rahmen dieses Albums – relativ entspanntes Klavierstück, das das Album verhältnismäßig positiv ausklingen lässt.

“Cancer”, wie auch andere Veröffentlichungen von Illusion Of Safety, zeigt, was experimentelle Musik kann. (MG)

Label: Auf Abwegen