„Pax Westphalica“ ist kein neues Studioalbum von [Multer], sondern ein am 19.02.1999 aufgenommener Auftritt in Münster, der nun als ein auf 200 Exemplare limitiertes weißes Vinyl, von Dirk Serries gemastered, bei Auf Abwegen veröffentlicht wird.
Über die Entstehungsgeschichte von “Pax Westphalica” heißt es von Bandseite: „While listening to old [Multer]-recordings for a potential 25 years anniversary edition we were highly impressed by the direct two track recording of this concert in 1999 due to both the concentrated and quiet audience and the setup of some of our songs, which were preversions for the following Neskt-10” release. All in all this concert is very intense, so instead of the anniversary edition we decided to release this concert“.
Eingespielt in der Dreierbesetzung Hellmut Neidhardt (der in den letzten Jahren als N zahlreiche Dronearbeiten veröffentlicht hat und uns zuletzt noch mit einer CD auf Drone Records begeisterte), Mal Hoeschen (der auf seinem Label Genesungswerk randständiger Musik eine Heimat bot) sowie dem 2024 verstorbenen Thomas K. Geiter (dem auch dieses Album gewidmet ist).
„Interferenz“ beginnt das Album mit anfangs repetetiven Drones, die nach und nach lauter werden, an- und wieder abschwellen, dann setzt Knirschen ein. Der hier erzeugten Stimmung wohnt durchaus ein Moment der Bedrohung inne. Das dann folgende „Weide“ enthält kaum hörbare Passagen, Glöckchen, Husten (des Publikums?), auf “Daun”, “Rotkraut” und “Lith” hört man Sounds wie ein Echolot, Passagen, die an Sirenen denken lassen, dunkle Drones oder etwas, das wie ein Loop des Geräuschs eines Spielzeugkarusells klingt. „Neskt“ leitet die zweite Seite ein: Drones, Störgeräusche, Sprachsamples, ein Kind flüstert, zählt, es raschelt. Im Verlauf der zweiten Seite tauchen Glöckchen auf, mysteriöse Drones, kurzzeitig wunderschön melancholische, flächige Passagen, eine verzerrte Stimme schreit, bevor schließlich das Album/der Auftritt melodisch mit einer fast schon optimistischen Stimmung endet.
“Pax Westphalica”, vor dem oben angesprochenen „leisen Publikum“ aufgenommen, versetzt den Hörer in einen liminalen Raum mit Musik, die als etwas nicht immer (Be-)Greifbares zu hören ist. Eine sehr schöne Veröffentlichung. (MG)
Label: Auf Abwegen