Beim SPQR-Label erscheint mit “Ungern Khan” eine Split-Single von Ain Soph und L’Amara, die sich hier von den mitwirkenden Musikern her überschneiden und sich dem Mythos des Roman von Ungern-Sternberg (1886–1921) widmen. Der als verrückter Baron bekannte Warlord kämpfte im Russischen Bürgerkrieg auf Seiten der Weißen gegen die Bolschewiki, zog später durch die Mongolei und träumte von einem zentralasiatischen Reich unter eigener Direktion.
Ain Soph steuern nach der im vergangenen Jahr herausgebrachten Anthologie “Singularia” mit “Il Barone pazzo” ihren ersten neuen Song bei, bei dem Marcello Fraioli alias Spectre, Giulia Nardinocchi, Tania Marano und Vinz Aquarian sich abwechselnden Gesangspassagen über tremolierende Gitarren, dezenten Downtempodrums, bimmelnden Tupfern und eine wehmütige Mundharmonika legen. Was dem Song sein besonderes Gepräge gibt, ist das beinahe liturgische Pathos von Spectres Gesang, der seit den 90ern den Stil der Band prägt und nicht nur an den Stil des früheren Frontmannes Crucifige anknüpft, sondern auch eine atmosphärische Brücke zu allen Phasen der Bandgeschichte jenseits von stilistischen Wendungen schlägt. L’Amara, deren zentrale Figur Giovanni Leo Leonardi (Lyrics, Komposition, Gesang) hier von Dennis Lamb (Gitarre) sowie einmal mehr Spectre und Aquarian (beide Backing Vocals) begleitet wird, steuern mit “Cavalcare e combattere” ein kontrastierenden Dark-Folk-Stück mit markanten italienischen Vocals und feurigem Strumming bei. Das Tangka-Motiv des Artworks wirkt zunächst exotisierend, verweist jedoch schlüssig auf Ungern-Sternbergs Faszination für den tantrischen Buddhismus der Mongolei.