Cedrik Fermonts bereits im vorigen Jahr erschienene Veröffentlichung “Es könnte der Anfang sein” enthält zwei (nicht nur, aber durchaus) dröhnende Stücke, in denen sich das Material fast unmerklich entwickelt und die folglich auf eine Form des Hörens setzen, die konzentrierte Aufmerksamkeit und eine Bereitschaft, sich einzulassen, fordert.
Das längere Eröffnungsstück setzt unmittelbar mit kraftvoll knarrender Dröhnung ein. Bemerkenswert ist, dass Fermont hier die E-Gitarre in den Vordergrund rückt, ein Instrument, das in seinem Werk eher selten auftaucht. Hier entsteht ein raues, an Drone Doom erinnerndes Klangbild. Über Minuten hinweg bleibt der Grundton unverrückt, Veränderungen treten nur schleichend auf wie feine Verschiebungen innerhalb einer zähen Masse. Erst allmählich dringen hellere Akzente hindurch, die für Irritation sorgen, ohne den Rahmen wirklich zu sprengen. Gegen Ende steigert sich das Stück noch einmal deutlich, bis ein scharfes Aufbäumen des Soundmaterials und ein plötzlicher Abbruch das Ende markieren.
Das zweite Stück trägt den Titel “Sueños salvajes” – übersetzt “wilde Träume”. Es beginnt elektronischer, mit glatter Oberfläche und tremolierenden Wellen, bevor sich ein akustischer wirkender Sound hinzugesellt, möglicherweise eine mit Effekten verfremdete Zither. Beide Ebenen scheinen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu verlaufen und erzeugen so ein spannungsvolles Geflecht. Während an der Oberfläche Wiederholung dominiert, sind es kleine, stetige Variationen, die die Aufmerksamkeit wachhalten. Auch hier tauchen in den Ritzen des Soundgeflechts kleine schrille Töne auf, die sich wie Störsignale ins Gesamtbild einfügen. Ein knarrender Untergrund verleiht dem Stück etwas Infernalisches, bevor auch dieses abrupt endet.
Die beiden Kompositionen zeigen, wie Fermont aus reduzierten Mitteln ein komplexes Gefüge entstehen lässt – Musik, die sich weniger auf Brüche verlässt als auf die geduldige Rezeption des langsamen Wandels.
Label: Syrphe Records