Alison Cotton hat in den letzten Jahren auf einer Reihe von Alben, die etwa Titel wie „Only Darkness Now“ trugen, eine dichte, schwere Musik veröffentlicht – ein Adjektiv, das sich manchmal findet, um ihre Musik zu beschreiben, ist „haunting“. Daher passt es ganz sicher, dass die BBC Cotton vor einigen Jahren beauftragte, Musik für die Geistergeschichten Muriel Sparks zu komponieren.
Jetzt mag bei einer Frau, die neben Bratsche auch Harmonium spielt, ein Vergleich mit Christa Päffgen (vielleicht allzu) nahezuliegen, aber vielleicht weniger stimmlich als von der auf diesem Album mit dem gewählten Instrument(arium) erzeugten Stimmung. In Passagen wird man auch an einige Aufnahmen von Tara Burkes Fursaxa erinnert.
Konzeptionell geht es auf ihrem neuen, insgesamt fünften Soloalbum um den Tod ihres Vaters – das spiegelt sich auch in der Widmung („This album is dedicated to the memory of Edwin Cotton“ )wider. Das knapp zweiminütige, instrumentale „I Still Know You Are Calling My Name“, mit dem das Album eröffnet wird, ist dominiert von dichten, getragenen Bratschenpassagen, die eine Trauermelodie spielen und die die Stimmung gleich zu Beginn des Albums festlegen. Dann folgt direkt sicher eines der zentralen Stücke des Albums: Cottons Vertonung des wohl berühmtesten Gedichts des „quintessential Romantic poet“ John Clare, dessen Naturlyrik ihn für eine kurze Zeit populär machte. Im Gegensatz zu Zeitgenossen wie Byron oder Shelley kam Clare aus einfach(st)en Verhältnissen und litt unter psychischen Problemen, was dazu führte, dass er die letzten 20 Jahre seines Lebens in Nervenheilanstalten verbrachte. Dort schrieb er auch „I Am“, einen beeindruckenden Text, der das Verlorensein, das Weggeworfensein, die Isolation zeigt: „I am – yet what I am who cares, or knows;/My friends forsake me like a memory lost;/I am the self-consumer of my woes – /They rise and vanish, in oblivious host,/Like shades in love and death’s oblivion lost;/And yet I am! and live with shadows tossed/Into the nothingness of scorn and noise,/Into the living sea of waking dream,/Where there is neither sense of life, nor joys,/But the huge shipwreck of my own esteem“. Cottons Interpretation dieser Krisis in extremis ist ein Klagegesang, untermalt von Harmonium, mit an der Grenze zur Dissonanz schabenden Streicherpassagen, perkussiven Elementen und Vogelschreien. Während „I Am“ die Worte in den Fokus rückt, ist „What Were Those Words You Spoke To Me“ geprägt von Cottons wortlosem Intonieren und flirrenden, leicht metallischen Passagen, die fast schon an David Jackman erinnern, Glöckchen erklingen. Auf „The Night It Darkens All Around Me“ verkündet die im Zentrum situierte Stimme Unheimliches, während auf dem kurzen, sicher doppeldeutig zu lesenden „The Final Harvest“ getragene Bratschen, untemalt von spärlicher Perkussion, eine Folkmelodie intonieren. Das dunkle, leicht bedrohliche „A Storm In Morwenstow“ kombiniert wortloses Intonieren mit einer dröhnenden Bratsche, „Springs Of Heather“ lässt ein Klavier Worte begleiten, die davon künden, sie sei „surrounded by death, destruction and loss“. Das kurze „Round Of The Red Cape“ überzeugt mit getragenen Streichern und wuchtigen Trommelschlägen. Darauf folgt das fast schon programmatisch zu lesende „The Gods Laugh At Those Who Make Plans“, das mit Glöckchen, Harmoniumdrones, Perkussion und Klavier das Album nicht vollends finster ausklingen lässt.
“The Gods Laugh” übersetzt zentralste Erfahrungen menschlichen Existierens in neun beeindruckende Stücke. (MG)
Label: Glitterbeat