CORPSE OF DISCOVERY: For The Promise Of The Unknown

Es mag Genres geben, die sich auf den ersten Blick gegenüber manchen Themen sperren bzw. oftmals ein eher (sehr) enges Spektrum zulassen. Das Abarbeiten gewisser Themen kann in manchen Fällen auch für das Genre konstituierend sein – Extremfälle sind etwa sogenannte True Crime Electronics. Allerdings scheinen sich inzwischen fast alle Spielarten (nicht nur) extremer Musik so weit ausdifferenziert zu haben, dass man inzwischen auch problemlos ein Black Metal-Album über die Not von Bergleuten in Kentucky einspielen kann oder sich etwa auch mit dem Treck nach Westen beschäftigen kann, wie das Noiseprojekt Corpse of Discovery auf „For The Promise Of The Unknown“, das auf dem Cover einen Planwagen zeigt.

Das Konzept der Manifest Destiny ist ein manchmal schwer greifbares, das in den USA die Expansion gegen Westen religiös unterfütterte und (damit) legitimierte. Schaut man sich die Politik der gegenwärtigen US-amerikanischen Regierung an, so ist es letztlich wenig verwunderlich, dass das Department Of Homeland Security mit John Gasts „American Progress“ vor einigen Monaten noch eine der berühmtesten Darstellungen und Personifikationen der Manifest Destiny auf Elon Musks Hauspostille postete, versehen mit der Unterschrift „A Heritage to be proud of, a Homeland worth Defending.“ Inzwischen tönen Botschaften weniger durch Hundepfeifen als durch Megaphone aus dem demnächst um einen „beautiful“ Ballsaal erweiterten Weißen Haus.

Corpse Of Discovery beschreiben die auf dem Tape enthaltene Musik als „a mix between concrete sounds, dry electronic noise, and dust swirling inside the wagon’s drape.“, was schon – wenig überraschend – deutlich macht, dass es hier ganz sicher nicht darum gehen wird, ein klangliches und (weltanschauliches) Idyll hervorzuzaubern – etwa als musikalische Entsprechung der Bilder Thomas Kinkades, vielmehr erzeugen die zwei langen Stücke, beide sind je etwa 22,5 Minuten lang, durchgängig ein Gefühl des Unwohlseins, der Gefahr, das der Vorgabe „manifest destiny misery post-mortem“ angemessen ist.

„From Those Who Had Passed To Those Still To Come“ beginnt mit flirrenden Sounds, die an Con-Dom erinnern, es gibt repetetives Schaben, das vielleicht die drehenden Räder der Wagen erinnern sollen, die den Kontinent durchfuhren, es gibt Stampfen, Knirschen und Stimmen inmitten der Kakophonie, dann scheint man das Wehen des Windes zu hören. Irgendwann hört man zwei, drei Töne einer Melodie, die wiederholt werden. „Eating The Oxhide Roof“ beginnt mit Sounds, die an das Knistern von Feuer denken lassen, zwischendurch fühlt man sich, als ob man in einen Sandsturm geraten wäre. Gegen Ende tönt Vogelzwitschen, Insekten summen.

Diese zwei Stücke illustrieren, dass Leichname den Weg der Entdeckungen pflastern. (MG)

Label: Hospital Productions