Ein Wort, das im Zusammenhang mit der britischen Band And Also The Trees in den Sinn kommt, ist Konstanz. Nicht nur deswegen, weil sie seit inzwischen mehr als vier Jahrzehnten aktiv sind und – im Gegensatz zu manchen ihrer Kollegen – noch immer regelmäßig Alben veröffentlichen, sondern auch weil diese auf einem konstant hohen Niveau bleiben und es keinerlei musikalischen Ausfälle gibt.
Die Band, die insbesondere auf ihren frühen Alben (wie sie vor einiger Zeit im Interview mit uns sagten) durch Inszenierung, Kleidung und Artwork oftmals ein Gefühl des “Aus-der-Zeit-Gefallenen” erzeugten. Die Band meinte zu dieser Periode: „[W]ir sahen unsere Umgebung auf eine andere, aufmerksame Art und Weise, wir entdeckten eine Menge Kunst, einschließlich der präraffaelitischen Maler, von denen es viele gute Beispiele in der Kunstgalerie von Birmingham gab, das unsere nächste Großstadt war, und wir begannen, Jazz und klassische Musik zu verstehen und zu schätzen und die Literatur des 19. Jahrhunderts zu lesen.“ And Also The Trees wirkten immer wie der ländliche Gegenpol zu den im (nach-)industriellen Norden sozialisierten Bands.
Das neue Album sieht die Band selbst als Abschluss einer mit „The Bone Carver“ begonnenen und mit dem vor zwei Jahren erschienenen „Mother-of-Pearl Moon“ fortgesetzten Trilogie, „because they feature the clarinet and piano of Colin Osanne our multi instrumentalist. And because we wrote them in a relatively short space of time… so they have a similar feel.”
Der das Album eröffnende Song „The Silver Key“ setzt gleich die das Album durchziehende Stimmung und schon nach wenigen Takten ist da dieser für die Band typische Klang: die an eine Mandoline erinnernde Gitarre, der dunkle (Sprech-)Gesang von Simon Huw Jones und die Evokation einer nokturnen Landschaft: „And in the dark/The desert’s great cities/Like golden coins of light/All scattered there beneath…“. Dass all dies während eines Gewitters stattfindet, ist selbstverständlich. Dieses Stück macht direkt deutlich, dass das das Werk And Also The Trees durchziehende beherrschende Gefühl das der Melancholie ist. Auf dem von Bass und dezenter Perkussion eingeleiteten „The Crosshair“ entfaltet sich die Geschichte eines „assassins“ zum Klang der Klarinette und des Akkordeons. Das leicht dröhnende „Rooftop“ ist eines von zwei Instrumentalstücken. Es gibt wunderschönes Zusammenspiel von Mandoline und Bass auf „Return of the reapers“ oder etwa von Perkussion und Akkordeon durchzogene Stücke wie „The Child In You“ (auf dem es heißt: „The flowers across the land of Wales/Movin in the darkness like a sea of grace“) oder „The Trickster“.
Nach dem Durchschreiten dieser “devil’s door” möchte man den betretenen Raum nicht mehr so schnell verlassen. (MG)
Label: AATT