Ein entrücktes Klimpern und Bimmeln liegt halb unter einer elektrifizierten Rauschhülle verborgen und entfaltet gerade durch diese subkutane Präsenz eine eigentümliche Eindringlichkeit. Zeitweise treten andere Geräusche hervor: ein Rasseln, ein schwer zuzuordnendes Hantieren, als würde im Hintergrund etwas verschoben oder justiert. Mitunter entsteht der Eindruck, das Geschehen flache ab, doch dieser Eindruck erweist sich als trügerisch – er ist ein Aspekt der generellen Unregelmäßigkeit des klanglichen Materials und seiner Anordnung.
In “Ketuk”, dem aktuellen Longplayer des süditalienischen Duos Phlåss, wird genau diese ästhetische Anlage verfolgt. Das Duo, ein offenes Kollektiv um Pasquale Lomolino und Vincenzo Tattolo, versteht seine Arbeit als Dialog zwischen Musik und Nicht-Musik, zwischen strukturiertem Klang und offenem Geräusch. “Ketuk”, das den Untertitel “Ancient Rituals 1″ trägt, besteht aus zwei jeweils rund zwanzigminütigen Stücken und ist als zusammenhängende Arbeit angelegt. Geloopte, “ethnografisch” anmutende Klangfragmente treffen auf feine elektronische Texturen und zielen in ihrer hypnotisch-minimalistischen Gestalt auf eine Form selbstinduzierter Trance.
Aus dem Flirren des Soundmaterials schälen sich mit der Zeit vorsichtig Melodieansätze und andere fragile Konturen, und eines wird rasch deutlich: Es ist eine entrückte Welt, in die man hier hineingezogen wird. Je nach eigener Disposition durchmisst man sie eher eingelullt, in einer halb somnambulen Hypnotisiertheit, oder mit geschärfter Aufmerksamkeit, wach und beinahe meditativ gesammelt. Die Klänge wirken dabei weniger gesetzt als freigelegt und erscheinen wie Partikel eines bereits vorhandenen Kontinuums, das nur punktuell hörbar wird. Auffällig ist die Zurückhaltung, mit der das Material behandelt wird. Nichts drängt sich in den Vordergrund, nichts wird eindeutig fixiert. Die vermeintliche Monotonie entpuppt sich bei genauerem Hören als ein Geflecht aus feinen Verschiebungen, in dem kleinste Veränderungen an Gewicht gewinnen. Zeit verliert dabei ihre lineare Struktur und dehnt sich eher aus, als dass sie voranschreitet.
“Ketuk” ist sicher nicht die kompositorisch komplexeste Arbeit von Phlåss, doch sicher eine ihrer intensivsten. Wer nach klaren Entwicklungen oder markanten Höhepunkten sucht, wird hier wenig finden. Wer sich jedoch auf die subtilen Prozesse und die eigentümliche Schwebe des Ganzen einlässt, begegnet einer Musik, die weniger erzählt als einen Zustand erfahrbar macht. Vielleicht kann man ja angesichts des Untertitels auf eine interessante Fortsetzung gespannt sein. (U.S.)
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