Mit Inade und Troum kommen zwei Droneduos auf einer 10” zusammen, über die es in der Labelmitteilung heißt, sie würden sich schon „seit Jahrzehnten“ bewundern. Es gibt zahlreiche Verbindungen. So veröffentlichten etwa Drone Records schon 1995 mit „The Axxiarm Plains“, einer Hommage an den russischen Futuristen Wladimir Majakowski, die erste Inade-Single.
Das ostdeutsche Duo komponierte für die Doppel-CD „Troum Transformation Tapes“, auf dem Künstler Troum mit „remixes, deconstructions, and reconstitutions“ Tribut zollten, auf der Basis eines Troumloops „einen Track von sakraler Größe“, wie man hier lesen konnte.
Natürlich gibt es auch thematische Schnittmengen zwischen den Projekten, haben sich doch beide Duos über die Jahre hinweg immer wieder mit dem beschäftigt, was man im weitesten Sinne als Mythologie bezeichnen kann. Troum etwa setzten bei der „Tjukurrpa“-Trilogie dem Konzept der Traumzeit der australischen indigenen Völker ein klangliches Monument. Inade nannten bezeichnenderweise zwei Zusammenstellungen ihres Materials „Audio Mythology“.
Die vier Stücke auf „To Pan Eon“ entstanden in den Jahren 2017-2025, als Motto kann man auf der Rückseite der Hülle lesen: „Dreams are the language of the soul, guiding us through unseen realms. Through dreams, rituals, and acts of consciousness, this collaboration finds its source – dedicated to the eternal cycles that weave through human experience and the cosmos alike.“ Außerdem wird diese Veröffentlichung beschrieben als „sonic rite“, bezogen auf das griechische Konzept, das der 10” ihren Namen gibt und das mit „The All, The Eternal“ übersetzt werden kann,
Der Titel des Openers „Mnemosynon Pelagos“ verweist auf die Tochter von Uranos und Gaia, die die Erinnerung verkörpert (vor einigen Jahren benannten Dead Can Dance, ebenfalls ein Duo, eine Sammlung von Songtexten nach eben dieser). Das Stück setzt behutsam, langsam ein, dann ist da ein Pochen und es setzen diese melodischen flächigen Sounds ein, die Troum über die Jahre perfektioniert haben. „Self-Realization of Matter“ besitzt auch diese melodischen Flächen, im Verlauf des Tracks kommen aber Momente des Dissonanten dazu, ganz so, als dröhnten plötztlich archaische Instrumente . “Echoes Of Imagined Rituals“ enthält Stimmen, die an andere Aufnahmen Inades denken lassen, es gibt vereinzelte dumpfe Schläge und Sounds, die dröhnen, als wolle man an Lustmords „Heresy“-Album anspielen. Der letzte Track „Ontic Drift“ begeistert mit seinen an- und abschwellenden Passagen. Dieses Wellenhafte illustriert vielleicht das “Zirkuläre” der in Träumen zu findenden Prozesse.
Auch wenn diese Aufnahmen über einen relativ langen Zeitraum entstanden sind, wirken sie unglaublich kohärent. Die erzeugten “kosmischen Atmosphären” dieser (in beiderlei Wortsinn zu verstehenden) traumhaften Musik versetzen den Hörer in Welten, die letztlich kaum greifbar sind. (MG)
Label: Drone Records