AK’CHAMEL: Spiritually Unemployed

Ak’chamel, das sich unter wilden Kostümen und Masken verbergende texanische Duo, erneut den Untertitel „The Givers Of Illness“ tragend, veröffentlichen ihre vierte LP bei dem französischen Label Akuphone. Verglichen mit den zahlreichen Tapes, die das Duo über die Jahre veröffentlichte, waren die auf Vinyl gepressten Aufnahmen etwas weniger LoFi, und – das allerdings lediglich verstanden im völlig idiosynkratischen Gesamtkontext des Bandkosmos – vielleicht etwas zugänglicher. Die Musik Ak’chamels dürfte allerdings noch immer dem algorithmisierten Gelegenheitshörer die Gesichtszüge entgleisen lassen, klingen und klangen Ak’chamel doch häufig in etwa so, als hätte eine (wirkliche) Weird Folk-Band sich eine Infusion World Music verordnet, um dann nach dem Genuss eines Daturasudes auf einem Kassettenrekorder schamanische Rituale aufzunehmen.

Ich habe einmal geschrieben, dass Ak’chamel wahrscheinlich „all denen, die (allzu gerne) schnell kulturelle Aneignung rufen, den Angstschweiß auf die Stirn treiben dürfte.  Ak’chamel selbst bezeichneten sich einmal augenzwinkernd als „Fourth World Post-Colonial Cultural Cannibalists Circumcising The Foreskin of Enlightenment“. Diese Selbstbezeichnung und auch ihre Songtitel verdeutlichen, dass Ak’chamel immer einen Sinn für Humor hatten.  Auf dem neuen Album findet man dann auch Stücke, die „The Cosmic Vulva Vs. The Post-Enlightened Tongue“ oder „Paramasturbatory Delusions“ heißen. Auch der erste Titel verdeutlich dies: „My Ouija Board Spelt S-C-A-M“.

Der Opener beginnt mit dunklem Dröhnen, einer immer wiederkehrenden orientalisch klingenden Melodie an der Grenze zur Dissonanz, so als wollten sie einen alternativen Soundtrack für „Der Dieb von Bagdad“ einspielen. “Dreams Of A Dead Dreamer“, offensichtlich anspielend auf Thomas Ligottis erste meisterhafte Kurzgeschichtensammlung, setzt diesen Ansatz fort. Hinzu kommt eine Stimme, die von Kehlkopfkrebs gezeichnet zu sein scheint und Unverständliches verkündet. „Malignantly Useless“, offenbar wieder auf Ligotti verweisend (diesmal auf sein philosophisches Traktat „The Conspiracy Against The Human Race“) kombiniert Perkussion, Streicher und wird im Verlauf etwas schmissiger.  „We Sleep In The Self“ klingt mit recht melodischen Flötenpassagen etwas konventioneller, wären da nicht die Passagen, die zu leiern scheinen. „Nothin Wounded Goes Uphill“ ist weniger hektisch und überdreht als einige der anderen Tracks, man hört ein Flüstern, leicht dämonischen Sprechgesang, der zum Teil sogar zu verstehen ist.  „Blu Ray Séances And Weather App Prohecies“ kombiniert leiernde, stampfende Perkussion mit einer ultraverlangsamten Stimme.

Im Inlay der LP heißt es „instruments tortured into prophecy, tapes interred and exhumed in chaples of malfunction“, um dann mit einer finalen Bewertung zu schließen: „a sonic border autopsy where enlightenment arrives not as a sealed doctrine but as an open infested wound.“ Kann man so sehen. Man kann auch dazu ganz profan eine unbedingte (Kauf-)Empfehlung aussprechen. (MG)

Label: Akuphone