Manche Songs erzählen von einem Wendepunkt, andere wiederum verkörpern ihn bereits während man sie hört. Zu dieser zweiten Kategorie gehört “The Turn”, die dritte Vorabsingle aus dem kommenden Album “Earth, Love and Variations” der Berliner Sängerin und Musikerin Anita Goß alias Aniqo. Neben ihr tragen Torsten Füchsel (Gitarren, Bass), Phil Murphy (Drums) sowie Bill Ryder-Jones an Keyboards, Synthies und den gemeinsam mit der Frontfrau entwickelten Streicher- und Bläsearrangements entscheidend zu dem Stück bei.
Ein Streichersetting eröffnet das Stück und lässt zunächst eine düstere Szenerie erwarten. Doch schon nach wenigen Augenblicken beginnt diese sich aufzufächern, schillert in immer neuen Farben und bewahrt sich dabei eine melancholische Wehmut, die den Song bis zuletzt durchzieht. Spätestens wenn Aniqos Stimme einsetzt, erweist sich “The Turn” tief als ungemein berührend und vermag einen in einen verletztlichen und zugleich entschlossenen Kosmos zu ziehen. Rumpelnde Drums treiben das Geschehen voran und immer wieder setzt Goß markante Akzente, etwa wenn sie die Zeile „Nothing to lose“ für einen kurzen Moment beinahe aggressiv hervorstößt und damit das bis dahin eher schwebende Klangbild aufrüttelt. Etwas Szenisches prägt den von Negaive White-Magazin so genannten Cinematic Art Pop deutlich mit.
Auch textlich kreist der Song um Bewegung und Veränderung. Würfel, Segel, Tetris-Steine und Feuer werden zu Symbolen einer Welt, in der Kontrolle zugunsten von Vertrauen zurücktritt. Der Song erzählt von der Bereitschaft, sich dem Ungewissen auszusetzen und den eigenen Weg doch entschlossen weiterzugehen. Dabei wirkt seine Zuversicht nie naiv, vielmehr entsteht sie aus der Überzeugung, dass sich manches erst im Gehen fügt und dass Aufbruch nicht bedeutet, Gewissheiten zu besitzen, sondern den Mut, sie loszulassen.
Hört man “The Turn” zusammen mit der vor einem Jahr erschienenen Single “The Call” und dem im Frühjahr veröffentlichten “I Know” hat man bereits ein kleines Miniablum, das einen volelr Vorfreude auf den Longplayer einstimmt. (U.S.)
Label: La Double Vie