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	<title>African Paper &#187; Jawad Nawfal</title>
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		<title>The Celesta Incident: Gemeinsames Album von Jad Atoui und Jawad Nawfal</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Dec 2025 03:37:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gerade erscheint beim Beiruter Label VV-VA das Album &#8220;The Celesta Incident&#8221; von Jad Atoui und Jawad Nawfal. Die vier kollagenhaften Stücke bestehen aus vibrierender Elektronik mit z.B. subtil ambienter Grundierung. Sie sind detailreich, stets in Bewegung – teils mit unmittelbarer &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/12/12/the-celesta-incident-gemeinsames-album-von-jad-atoui-und-jawad-nawfal/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade erscheint beim Beiruter Label VV-VA das Album &#8220;The Celesta Incident&#8221; von Jad Atoui und Jawad Nawfal. Die vier kollagenhaften Stücke bestehen aus vibrierender Elektronik mit z.B. subtil ambienter Grundierung. Sie sind detailreich, stets in Bewegung – teils mit unmittelbarer Dynamik, teils in Form eines zaghaften Vortastens, das starke Spannung erzeugt. <a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/12/thecelestaincident.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-49365" title="thecelestaincident" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/12/thecelestaincident.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-49364"></span></p>
<p>An einigen Stellen klingen akustische Instrumente an, die nach Saiten klingen, höchstwahrscheinlich ist es aber die titelgebende, leicht verfremdete Celesta, ein Tasteninstrument, bei dem Stahlplatten mit filzbezogenen Hämmern angeschlagen werden. Die vier Tracktitel geben dem Album weitere kleine assoziative Färbungen, bei denen Himmelskörper (aber vielleicht auch Sonnenbrillen und das besagte Instrument) keine geringe Rolle spielen. Die beiden Klangkünstler haben vergessene Stems aus den Aufnahmen zu Nawfals Album &#8220;Modern Individual&#8221; (Ruptured  Records) aus den Archiven geholt und daraus während der Ereignisse des vergangenen Jahres diese vier Kollagen gefertigt. Das Album erscheint digital mit einer Fotoarbeit von Caroline Tabet und Design von George Rouhana. Unterstützung erhielten die beiden von Syrphe Records-Betreiber C-drík, der sowohl das Mastering als auch den Vertrieb übernahm.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1443197022/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>JAD ATOUI / JAWAD NAWFAL / SHARIF SEHNAOUI: Modern Individual</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Jun 2024 05:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf &#8220;Modern Individual&#8221;, dem for kurzem erschienenen ersten gemeinsamen Longplayer der drei libanesischen Musiker Jad Atoui, Jawad Nawfal und Sharif Sehnaoui, beschleicht einen immer wieder das Gefühl, etwas Unberechenbares braue sich zusammen. Vor einem unruhigen Hintergrund aus Rattern, Knacken und &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/06/15/jad-atoui-jawad-nawfal-sharif-sehnaoui-modern-individual/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/modernindividual.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-41342" title="modernindividual" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/06/modernindividual-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Auf &#8220;Modern Individual&#8221;, dem for kurzem erschienenen ersten gemeinsamen Longplayer der drei libanesischen Musiker Jad Atoui, Jawad Nawfal und Sharif Sehnaoui, beschleicht einen immer wieder das Gefühl, etwas Unberechenbares braue sich zusammen. Vor einem unruhigen Hintergrund aus Rattern, Knacken und schrill rauschendem Feedback irren bereits in den ersten Minuten hohe Sinustöne durch den Raum, kollidieren mit <span id="more-41331"></span>metallisch klingenden Objekten und lassen mal perkussive, mal quietschend Sounds entstehen, springen weiter in den nächsten Track, wo sie zwischen allerlei Gerumpel eine noisige Brodelstimmung entfachen. Wird dieses immer in Bewegung begriffene, eher trockene und zugleich kraftvolle Soundgebilde irgendwann explodieren oder implodieren?</p>
<p>&#8220;Modern Individual&#8221; ist das Werk dreier Musiker, denen man ihr Händchen für Improvisation und in jedem Fall für spontan entworfene Narrative ohne Längen anmerkt, und alle drei sind im künstlerischen Dialog erfahrene Kollaborateure in unterschiedlichen Bereichen experimenteller Musik. Sehnaoui, bekannt als Mitbegründer des in den libanesischen Bergen stattfindenden Irtijal-Festivals ebenso wie als Meister der Improvisation mit elektrischen und akustischen Gitarren, bewegt sich mit Gruppen wie dem <a title="‘A’ TRIO: Folk" href="http://africanpaper.com/2022/10/15/a-trio-folk/">&#8216;A&#8217; Trio</a> und <a title="AYA METWALLI / CALAMITA: Al Saher" href="http://africanpaper.com/2023/06/10/aya-metwalli-calamita-al-saher/">Calamita</a> irgendwo in Grenzbereichen von Freejazz und Noiserock. Auch Jad Atoui, der als Klangkünstler aus einer ganz anderen musikalischen Richtung kommt und vor allem für seine Biosonics bekannt ist, in der die Fotosynthese und andere &#8220;Verhaltensweisen&#8221; von Pflanzen in kompositorische Strukturen übersetzt werden, hat sowohl im Libanon als auch in seiner zeitweise zweiten Heimat New York mit zahlreichen bekannten Musikerinnen und Musikern (John Zorn, Laurie Anderson, Anthony Seyhoun u.v.a.) zusammengearbeitet. Jawad Nawfal, auch bekannt unter dem Namen <a title="MUNMA: Transient Organ" href="http://africanpaper.com/2024/02/17/munma-transient-organ/">Munma</a>, ist mittlerweile einer der renommiertesten Producer elektronischer Musik des Nahen und Mittleren Ostens. Gleichwohl mehr für seine Soloarbeiten bekannt, gibt es neben den hier öfter thematisierten <a title="TASJIIL MOUJAHED: The Death of Permanence" href="http://africanpaper.com/2016/10/01/tasjiil-moujahed-the-death-of-permanence/">Tasjiil Moujaheed</a> eine ganze Reihe an Kollaborationen, die zum Teil auf seinem eigenen kleinen Label erscheinen. Ich erwähne diese Dinge nicht nur, um die drei Musiker vorzustellen, sondern auch deshalb, weil es die Stimmigkeit des halborganisch anmutenden Klanggebildes auf dem gemeinsamen Album über alle unterschiedlichen musikalischen Herangehensweisen hinweg erklären kann.</p>
<p>Die anfangs genannte Unberechenbarkeit der Musik, die natürlich in unruhigeren Momenten wie im von atemlosem Hecheln und knarrigen Saiten geprägten &#8220;Sends and Returns&#8221; besonders ins Auge fällt, offenbart sich einerseits in abrupten Brüchen, die die Szenarien der einzelnen Stücke vermeintlich neu anordnen, aber auch in allerlei falschen Fährten. So denkt man an vielen Stellen, das zentrale musikalische Motive sich wiederholen, doch bei genauem Hinhören ist dies nur dem Anschein nach der Fall. Dies fällt besonders auf in den propellernden Sounds des noisigen &#8220;Public Outburst&#8221;, in der cinemstischen Spannung inklusive filmreifer Zikaden im Titeltrack, aber auch in der Beschaffenheit der ausladenden noisigen Rauschdröhnung, die das zehnminütige &#8220;Shift the Basis of Differentiation&#8221; einleitet. In seiner wandlungsvollen episodischen Struktur &#8211; nach dem Austoben des verauschten Lärms tastet sich ein angejazztes Saitenspiel in den Vordergrund, irgendwann, nach einer Passage undefinierbaren Klapperns und Gluckerns, überführt ein orgelartiger Sound das Stück in eine halllastige, verrauschte Welt, in der sich alles zu einer zombifizierten Hypnotik steigert &#8211; könnte das Stück eine EP für sich ausfüllen.</p>
<p>Gerade solche Stücke, die zumindest den Verfasser dieser Zeilen anregen, sie im Geiste weiterzuspinnen, sind immer ein Indiz, dass ein gemeinsames musikalisches Konzept noch weitergeführt werden könnte und sollte &#8211; im Falle des Trios wäre dies auf jeden Fall wünschenswert, und eine internationale Community improvisierter Echtzeitmusik wäre ihnen dankbar. In der einen oder anderen Form wird man die drei oder einigen von ihnen aber garantiert noch zusammen zu hören bekommen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1644857322/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>MUNMA: Transient Organ</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Feb 2024 06:21:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Herz, das auf dem Cover von Munmas neuem Album so deutlich in der Farbe hervorsticht, ein vergängliches Organ zu nennen, als Feststellung freilich eine Selbstverständlichkeit, mag von sehr traurigen, vielleicht aber auch sehr abgeklärten Gedanken motiviert sein. Doch auch &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2024/02/17/munma-transient-organ/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/02/transientorgan.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-39564" title="transientorgan" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2024/02/transientorgan-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Das Herz, das auf dem Cover von Munmas neuem Album so deutlich in der Farbe hervorsticht, ein vergängliches Organ zu nennen, als Feststellung freilich eine Selbstverständlichkeit, mag von sehr traurigen, vielleicht aber auch sehr abgeklärten Gedanken motiviert sein. Doch auch wenn die Musik, die sich hinter diesen Worten und Bildern verbirgt, auf ihrer Reise durch anfangs abgedunkeltes, im Laufe der Zeit aber sehr vielfarbiges Terrrain diese Fragen berühren mag, steht sie doch <span id="more-39558"></span>weit über solch eindeutigen Entscheidungen.</p>
<p>Beinahe acht Jahre nach &#8220;Three Voices&#8221; und nach einer ganzen Reihe an zum Teil kollaborativen Veröffentlichungen auf seinem eigenen Netlabel VVVA ist &#8220;Transiend Organ&#8221; auch so etwas wie eine Rückkehr des libanesischen Musikers und Komponisten Jawad Nawfal zu seinem seit fast zwei Jahrzehnten existierenden Soloprojekt, auf die zu warten es sich gelohnt hat.</p>
<p>Mit kernigem, propellerndem Syntieknarren in sanfter und leichter Umhüllung beginnt das Album auf durchaus konfrontative Art und lässt Erwartungen aufkommen, was da wohl auf einem zukommen mag. Fast meint man, den Opener &#8220;Quicksilver&#8221; schon nach kurzer Zeit im Dunkel versinken zu sehen, doch dies scheint nur einer von zahlreichen kurz angepeilten Seitenpfaden zu sein, in die sich die Musik im Laufe ihrer Tastbewegungen begibt, um dann doch einen anderen Weg einzuschlagen. Hier führt dieser zurück zur beinahe repetitiven Hypnotik der dunklen Loops, die durch kleine Details wie bedrohliche Detonationen flankiert sind. Im folgenden &#8220;Towards the Bounding Line&#8221;, das sich ähnlich somnambul gestaltet, öffnet sich in von handdrumartigen Rhythmen durchzogenen Ambientlandschaften einiges zum Staunen hin und etwas versöhnliches, aber keineswegs zu behagliches klingt an.</p>
<p>Dass die Musik hier keineswegs statisch, sondern in steter Bewegung ist, ist bei entsprechender Aufmerksamkeit kaum zu überhören. Trotz tänzelndem Takt gibt sich das Soundmaterial in &#8220;Le Cou La Force&#8221; dann konzentrierter, scheint kühler zu sein hinter dem Gerüst handclapartiger Beats, auch wenn sich im Knarren auch hier etwas Wärme behauptet. In dieser Szenerie, die keine bloße Kulisse ist, übernimmt die Stimme von Caroline Tabet den vorderen Bühnenraum, scheint sich in ein Duett aufzugabeln und, wenn es denn keine Illusion ist, mit Teilen des Umfeldes zu verschmelzen.</p>
<p>Auf &#8220;Transient Organ&#8221; hat jedes Stück seinen unverkennbaren Charakter, doch viele der Motive kehren über kurz oder lang zurück, so wie das Warme, Umhüllende in &#8220;Exhale Breath Condensate&#8221;, in dessen ambienter Textur es tatsächlich stark um den Atem und um die menschliche Stimme zwischen Flüstern und Murmeln zu gehen scheint, während im Hintergrund ein imaginärer Regen fällt. Eher trocken, als wäre etwas gestrandet, endet der Track und gibt dem fast sakral anmutenden Glühen des Titelstücks Raum, in dem die krachenden Detonationen des Auftakts sich am Horizont abzeichnen und diesmal bedrohlich näher kommen. Eine berührende Melodie zeichnet sich ab, und mit dem erneuten Einsatz der diesmal nüchtern klingenden französischen Rezitation entsteht entgültig ein veritables Wechselbad an Emotionen.</p>
<p>Unregelmäßige Takte, verfremdetes Gemurmel, eine Sendersuche am Radio, treibendes Pulsieren, aber auch ein warmer, an eine Harmonika erinnernder Sound übergeben diese auch in den folgenden Stücken immer wieder neuen Verwandlungen &#8211; bis sich im finalen &#8220;Lights Out&#8221; alles unter Glühen und Lärm wie in Gezeiten der Melancholie auflöst und ein ungemein berührendes Album zum Abschluss bringt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong><!--/data/user/0/com.samsung.android.app.notes/files/clipdata/clipdata_bodytext_240211_080221_437.sdocx--></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=515666616/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>End of Privacy: Verschollenes Release von Tasjiil Moujahed</title>
		<link>https://africanpaper.com/2023/09/08/end-of-privacy-verschollenes-release-von-tasjiil-moujahed/</link>
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		<pubDate>Fri, 08 Sep 2023 04:55:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Cedrik Fermont]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf dem Berliner Syrphe-Label ist gerade eine bereits vor sechs bis sieben Jahren eingespielte EP des Duos Tasjiil Moujahed digital erschienenen. Das zwischen Beirut und Berlin operierende Projekt besteht aus den beiden Producern Jawad Nawfal (Munma etc.) und Cedrik Fermont &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/09/08/end-of-privacy-verschollenes-release-von-tasjiil-moujahed/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem Berliner Syrphe-Label ist gerade eine bereits vor sechs bis sieben Jahren eingespielte EP des Duos Tasjiil Moujahed digital erschienenen. Das zwischen Beirut und Berlin operierende Projekt besteht aus den beiden Producern Jawad Nawfal (<a title="MUNMA: Three Voices" href="http://africanpaper.com/2016/12/10/munma-three-voices/">Munma</a> etc.) und <a href="http://africanpaper.com/tag/cedrik-fermont/">Cedrik Fermont </a>(Axiom u.a.), unter ihrem gemeinsamen Projekt brachten die beiden bisher die beiden Longplayer &#8220;Moussafer&#8221; und <a title="TASJIIL MOUJAHED: The Death of Permanence" href="http://africanpaper.com/2016/10/01/tasjiil-moujahed-the-death-of-permanence/">&#8220;The Death of Permanence&#8221;</a> heraus. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/09/endofprivacy.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-37376" title="endofprivacy" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/09/endofprivacy.jpg" alt="" width="1200" height="1189" /></a><span id="more-37373"></span>In unserer Besprechung des letzteren hieß es auf unseren Seiten &#8220;Tasjiil Moujahed ist [...] ein Duo, dessen Name so viel wie &#8216;Kulturrevolutionäre&#8217; bedeutet – bestehend aus dem libanesischen Musiker Jawad Nawfal alias Munma und dem in Berlin ansässigen Cedrik Fermont, der solo und kollaborativ unter zahlreichen Namen aktiv ist. Beide spielen jeweils eigene Arten experimenteller Elektronik, die je nach Kontext ambiente, tanzbare oder auch lärmende Gestalt annehmen kann. In gewissen Abständen loten die beiden die Möglichkeiten aus, die sich ergeben, wenn ihre Ideen zusammenfinden&#8221;. Auf &#8220;End of Privacy&#8221;, dessen Titel auf subtile Weise an der Vorgänger anzuknüpfen scheint, finden sich vier Tracks von von songhafter, rhythmischer Elektronik mit mal kräftigem, mal in Entrückung versetztem, mal an der Grenzen zum Flüstern angesiedeltem Gesang, die sich trotz ihrer teils verspielten Dynamik eine gewisse Dunkelheit bewahren. Das Material sollte ursprünglich auf Vinyl erscheinen, doch verschiedene Probleme mit dem Presswerk sorgten dafür, dass das Projekt zunächst im Sande verlief. <!--/data/user/0/com.samsung.android.app.notes/files/clipdata/clipdata_bodytext_230907_104052_180.sdocx--></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=2613651640/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>V.A.: Beirut Adrift</title>
		<link>https://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/</link>
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		<pubDate>Sat, 12 Nov 2022 06:46:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anthony Sahyoun]]></category>
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		<description><![CDATA[Rayya Badran ist eine international tätige Autorin, Übersetzerin und Kunsttheoretiketin mit Homebase in der libanesischen Hauptstadt Beirut, wo sie außerdem beim Radio sowie als Lehrerin und Hochschuldozentin arbeitet. Zusammen mit der von der Schweiz aus arbeitenden Organisation Norient City Sounds, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/NT020_art.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-32047" title="NT020_art" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/NT020_art-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Rayya Badran ist eine international tätige Autorin, Übersetzerin und Kunsttheoretiketin mit Homebase in der libanesischen Hauptstadt Beirut, wo sie außerdem beim Radio sowie als Lehrerin und Hochschuldozentin arbeitet. Zusammen mit der von der Schweiz aus arbeitenden Organisation Norient City Sounds, die die typischen musikalischen wie nicht im herkömmlichen Sinne als musikalisch gelesenen Klänge von Städten erforscht und in einer virtuellen <span id="more-32045"></span>audiovisuellen Galerie dokumentiert, hat die ambitionierte Kulturarbeiterin ein Kapitel zu ihrer eigenen Stadt kuratiert. Die vorliegende Compilation ist ein wesentlicher Teil des Resultats.</p>
<p>Da das ganze Projekt einen besonderen Fokus auf ortsspezifische Sounds legt, nimmt es nicht Wunder, das stark am Soundmaterial orientierte &#8211; vulgo &#8220;experimentelle&#8221; &#8211; Klangkunst, für die Beirut ohnehin seit Jahren zu einer vielversprechenden Hochburg geworden ist, einen großen Raum einnimmt. Dennoch ist auf &#8220;Beirut Adrift&#8221; eine große Bandbreite an Stilen und Stimmungen zu hören. Die in vielerlei Hinsicht desolate Situation des Landes am östlichen Mittelmeer, in dem die Pandemie der letzten Jahre und die verheerende Explosion von 2021 im Hafen der Stadt die (nicht immer nur) schwelenden sozialen und ökonomischen Krisen verstärkt haben, ist hier nicht nur als Hintergrund präsent: Auch ist sie ein wichtiger Trigger für den starken Widerstandsgeist, der die verschiedenen Künstler motiviert. So sind auch all diese Krisen auf gewisse Weise Teil der musikalischen Signatur.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Yara-Asmar-©-Myriam-Boulos.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-32049" title="Yara Asmar © Myriam Boulos" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Yara-Asmar-©-Myriam-Boulos-235x300.jpg" alt="" width="235" height="300" /></a>Aufgrund der heterogenen Ansätze lohnt es sich, auf die einzelnen Beiträge einzugehen. Die Sammlung startet mit einer verspielt-melancholischen Klangkollage, bei der ein (vielleicht im Klang verfremdetes) Akkordeon gemächlich auf- und abebbende Dröhnwellen erzeugt, deren verträumtes Lebensgefühl nur gelegentlich unterbrochen wird durch leichtes Hantieren mit schepperndem Gerät. Der Track stammt von der jungen Künstlerin Yara Asmar, die gerade ihr <a title="Home Recordings: Tape-Debüt von Yara Asmar" href="http://africanpaper.com/2022/10/28/home-recordings-tape-debut-von-yara-asmar/">Tape-Debüt bei Hive Mind</a> herausgebracht hat. Dass die intermediale Künstlerin wohl auch mit Marionetten arbeitet, glaubt man aufgrund der Puppenhausästhetik sofort. Ziemlich kontrastreich dazu wirkt der als elektroakustische Rezitation der dunklen Art beginnende, spannungsgeladene Score von Anthony Sahyoun, in welchem Gastvokalist Firas Hallak vor leise kreischenden Kulissen den Fokus derer, die das Arabische beherrschen, auf die Metropole als Locus Horribilis lenkt.</p>
<p>Nach diesem unmissverständlich beängstigenden Szenario laden der Klangkünstler Jad Atoui und der hier Saxophon spielende Multiinstrumentalist Khodor Ellaik (Kid Fourteen), die bereits ein gemeinsames Album produziert haben, auf das zumindest dem Anschein nach sicherere Terrain gut skulpturierter, plastischer Sounds, bei denen Tupfer modularer Synthies die Basis kratziger Striche abgeben, die sich erst mit der Zeit als Saxophonklänge herausstellen. Der Song hätte auch als Klavierballade funktioniert, und selbst dann wäre die subtile Spannung daraus nicht gewichen. Das folgende &#8220;Coast III&#8221; stammt von <a href="http://africanpaper.com/tag/elyse-tabet/">Elyse Tabet (ehemals Litter)</a> und <a href="http://africanpaper.com/tag/jawad-nawfal/">Jawad Nawfal (aka Munma)</a>, die seit beinahe zehn Jahren im künstlerischen Austausch stehen. In dem kleinteilig rasselnden Soundgebilde tauchen verschiedene Rhythmen auf, die sich auf reizvolle Weise nie ganz einig werden, wovon eine unterliegende, beinahe hypnotische Harmonie jedoch nicht angetastet wird.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Sandy-Chamoun-©-Bassem-Saad.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-32050" title="Sandy Chamoun © Bassem Saad" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Sandy-Chamoun-©-Bassem-Saad.jpg" alt="" width="468" height="312" /></a>Der verwehte Gesang, der in <a href="http://africanpaper.com/2021/01/28/erster-teil-einer-songtrilogie-von-sandy-chamoun/">Sandy Chamoun</a>s großartigem Protestsong &#8220;Nas el Wahel&#8221; rauschend und tremolierend durch den Raum weht, steigert sich in einigen Minuten zu einem Sturm, der unbarmherzig und von lärmenden Takten begleitet über eine postapokalyptische Landschaft fegt. Der Titel bedeutet &#8220;Menschen des Schlamms&#8221; und referieret auf die Proteste, die 2019 das Land erschütterten. Um die Verwundbarkeit der Stadt und seiner Menschen geht es auch in dem Beitrag von Mayssa Jallad und Khaled Allaf, auch wenn die poppige Produktion, die Eingängigkeit der verspielten Melodien und der klare Gesang nicht unterschiedlicher sein könnten. Bei dem an teilweise Massive Attack erinnernden Arrangement denken einige vielleicht noch an Libanons eigene Triphop-Tradition und eine Band wie Soap Kills.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Mayssa-Jallad-Khaled-Allaf-©-Tamara-Saade.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-32051" title="Mayssa Jallad &amp; Khaled Allaf © Tamara Saade" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2022/11/Mayssa-Jallad-Khaled-Allaf-©-Tamara-Saade.jpg" alt="" width="468" height="312" /></a>Das Duo Two or the Dragon trägt mit dem zweiten Teil des &#8220;Prelude for the Triumphant Man&#8221;-Zyklus einen der noiserockigsten Tracks bei und huldigen den Maschinenklängen der Stadt. Zunächst ahnt man kaum, dass die aggressive Szenerie primär auf Instrumenten wie Duhulla und Bouzuk basiert, die traditionellen Ursprungs sind. Sary Moussas &#8220;Tides&#8221; leitet in knapp zwei Minuten in den Schlussteil über und verbreitet in hellen, hypnotischen Klangwellen eine Spannung, die eine im Hintergrund schwelende Desolatheit ahnen lässt. Der Ausklang obliegt Tunefork-Impressario Fadi Tabbal mit seinem monumentalen Dronestück &#8220;Ceremony by the Sea&#8221;. Bevor dieses in fast rührendem Wohlklang endet, muss noch ein Weg durch verrauschtes Land zurückgelegt werden, auf dem einem gigantische Gerätschaften begegnen und die Sprache verschlagen.</p>
<p>Compilations, die Musiker aus bestimmten Orten, gerne jenseits der westlichen Kernländer, präsentieren, sind in den letzten Jahren auch in weniger populären Bereichen sehr beliebt geworden und wurden auch auf unseren Seiten immer gerne &#8211; so wie <a href="http://africanpaper.com/2018/10/20/v-a-anthology-of-electroacoustic-lebanese-music/">dieser ebenfalls Beirut thematisierene Sampler</a> &#8211; besprochen. Ein kleiner Rest Zwiespältigkeit bleibt jedoch immer bestehen: Auf der einen Seite gibt man interessanten Künstlern so eine weitere Plattform, ihre Musik überregional bekannt zu machen und stiftet im besten Fall neue Verbindungen; auf der anderen Seite kann man jedoch nie ganz verhindern, dass auf diesem Weg auf Rezipientenseite ein kleiner Rest Exotismus bedient wird, sei dieser auch noch so experimentell, problembewusst und kritisch-distanziert eingefärbt.</p>
<p>Vielleicht ist dies aber gerade ein Problem, dass auf Seiten westlicher Hörer behoben werden muss, die sich ein unbefangeneres Bild von den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen der eigenen und anderen Lebenswirklichkeiten aneignen sollten. &#8220;Beirut Adrift&#8221; jedenfalls stellt die Stadt durch ihre Musikauswahl und die zugrundeliegenden Themen als einen Ort vor, mit dem es sich zu befassen lohnt, der zwar &#8220;spannend und pulsierend&#8221; sein mag und einen zum Schwärmen bringen kann, die aber ebenso sehr eine ernsthafte und unverblendete Auseinandersetzung fordert. Ein mehr als gelungenes Projekt! (U.S.)</p>
<p><a href="https://norient.com/"><strong>@ Norient</strong></a></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=4286099587/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>V.A.: Uchronia</title>
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		<pubDate>Sat, 26 May 2018 04:27:02 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/04/uchronia.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-15377" title="uchronia" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2018/04/uchronia-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mit dem Begriff Uchronia oder Uchronie bezeichnet man alternative geschichtliche Entwicklungen, die entweder als Fiktion oder als Korrektiv die gängige Vostellung von Zeitabläufen herausfordern. In der Geschichtswissenschaft gab es immer wieder Paradigmenwechsel, bei denen der Ablauf historischer Ereignisse unter ganz neuen Blickwinkeln betrachtet wurde oder der Fokus auf bislang wenig beachtete Ereignisfolgen gerichtet wurde. Im Zuge dessen entstanden neue Fachrichtungen wie die Sozialgeschichte oder die feministische Geschichtsschreibung, um nur<span id="more-15376"></span> zwei Beispiele zu nennen, die als Uchronien angefangen hatten und nun seit langem zu den Mainstream-Disziplinen zählen.</p>
<p>Ob in den schlauen Büchern oder im Plauderton &#8211; wenn in unserer Kultur von Weltgeschichte (oder auch von der Geschichte der Kunst) die Rede ist, sind die meisten assoziierten Gegenstände nach wie vor abendländisch, die Geschichte der Gesellschaften und Kulturen außerhalb der westlichen Kernländer erscheinen als Nebenschauplätze, die meist erst dann mit Interesse betrachtet werden, wenn sie mit unserer Region in Beziehung treten, und im Zuge des Exportes westlicher Wissensbestände wurde dieser Themenkanon in vielen Ländern für lange Zeit adaptiert.</p>
<p>Das in Berlin ansässige Label Syrphe hat unter dem Titel „Uchronia“ gerade eine drei CDs umspannende Sammlung an „elektroakustischer, experimenteller und Noise-Musik“ herausgebracht, auf der lediglich asiatische Künstler vertreten sind. Wie ich dem im Booklet abgedruckten Erfahrungsbericht entnehme, geht es Kurator Cedrik Fermont darum, mit viel Beweismaterial zu zeigen, dass es auch im Bereich experimentierfreudiger Musik eine rege Welt außerhalb Europas und Nordamerikas gibt, deren Erzeugnisse kein randständiger Abklatsch westlicher Musik sind. Asien ist dabei der Kontinent, auf dem Cedrik sich wohl am besten auskennt, doch der Sampler knüpft an den Vorgänger „30.2“ an, der im kleineren Rahmen bereits Afrika dokumentierte. Dass Asien kein homogener Raum ist und dass es geografische, sprachliche und kulturelle Überschneidungen zwischen Regionen Asiens und Europas (sowie Afrikas) gibt und immer gegeben hat, wird in seinem Text ausführlich reflektiert.</p>
<p>Folgt man dem Narrativ, nach welchem experimentelle Musik ihren Anfang bei den Futuristen nahm, von der Musique Concrete weiterentwickelt wurde und durch die Einflüsse von Krautrock, Punk, Wave etc. irgendwann Industrial, Soundart und diverse Technokünste hervorbrachte, ginge man von einer rein okzidentalen Geschichte aus – selbst dann würde die schiere Menge an nichtwestlichen Erzeugnissen in den letzten Jahrzehnten ihre besondere Hervorhebung rechtfertigen. Hört man irgendwann von diversen Pionieren elektronischer Musik aus Nahost, von den Wurzeln vieler Drone- oder Ritualmusik in den unterschiedlichsten regionalen Traditionen oder von der Entstehung eines veritablen Genres wie Harsh Noise im Osaka der 70er, dann bekommt das Bild von der experimentellen Musik als einem rein westlichen Exportartikel weitere Risse.</p>
<p>Damit das Projekt nicht aus den Fugen gerät, wurden musikalisch sinnvolle Grenzen gesetzt, so wurde auf Tanzbares wie Techno, Dubstep, Drum&#8217;n'Bass etc. komplett verzichtet und der Fokus auf etwas abstraktere, auf manipulierten Sounds und teilweise Fieldrecordings basierende Kunstmusik gelegt, und dennoch ein spannendes Panorama vom Libanon bis nach Indonesien, von Korea und Zentralasien bis zu den Golfstaaten und dem indischen Subkontinent ausgebreitet, bei dem sich Gemeinsamkeiten und lokale Unterschiede, die nicht immer in der traditionellen Musik eines Landes begründet sein müssen, die Waage halten.</p>
<p>Um endloses Namedropping zu vermeiden beschränke ich mich hier auf eine subjektive Auswahl an Beiträgen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Dazu zählen schon die beiden ersten, aus dem Libanon stammenden Beiträge: Improv-Gitarrist und Irtijal-Kurator Sharif Sehnaoui eröffnet die Sammlung mit einem geheimnisvoll klingelnden und tremolierenden Stück, das sich stetig zu einer verzerrten und von perkussivem Klappern aufgepeitschten Rauschorgie steigert. Der zwischen New York und Beirut pendelnde Jad Atoui und der von Munma und Tasjiil Moujahed bekannte Jawad Nawfal, beides passionierte Kollaborateure, liefern zusammen ein raues, flächiges, von unregelmäßigen Dröhn- und Klapperwellen durchzogenes Stück ab. Die vielleicht bizarrste Dröhnung, ein schwindeliger Ambient-Irrgarten aus summenden Sounds, stammt aus Singapur und wurde von der Musikerin Lydia Ang eingespielt.</p>
<p>Zwei Beiträge aus dem irakischen Kurdengebiet arbeiten mit unterschiedlich stark verfremdeten Field Recordings. Während der Beitrag von Hardi Kurda wie ein bedrohlicher Kontrollverlust aus fragmentiertem Klangschutt anmutet, gerät Khabat Abas&#8217; Stück, bei dem Gesampletes und eine traditionelle Melodie auf einem Blasinstrument verschmelzen, wie ein surreales Hörspiel. Dinelka aus Sri Lanka setzt ebenfalls stark auf vorgefundene Sounds. Sein „Whistler on the Tree“ klingt zunächst wie ein Readymade, erst mit der Zeit registriert man die Verfremdung, die geloopte Struktur und die Verdichtung des Soundmaterials. Die ebenfalls in Sri Lanka aufgewachsene Kei Watanabe kombiniert spannungsgeladene hintergründige Dröhnung mit einem sich immer mehr zuspitzenden Flötenton und betont so die Wichtigkeit des Atems, der in ihrem Titel &#8220;We have forgotten how to breathe&#8221; betont wird. So atmosphärisch wie ein Thriller ist „Mist on Sea“ von der aus Hongkong stammenden Multimedia-Künstlerin Fiona Lee, die mit Dröhnen und klopfenden Wassertropfen ein Setting von ungeahnter Dichte hervorbringt.</p>
<p>Vokalexperimente, bei denen sich Stimme und Instrumente zeitweilig zu einem Zopf verflechten, sind ein weiterer Schwerpunkt, mit Sounds, die an einen quietschenden Ballon erinnern sowie allerlei Geräuschen mit Kehle, Zunge und Lippen zeigt die aus Malaysia stammende Kok Siew-Wai, dass man mit diesen Organen weit mehr als nur konventionell singen kann und überdies, dass Humor und Atmosphärik sich nicht ausschließen müssen. Experimentell im engsten Sinne gehen Phyu Hnin Thwin, Crazy Eels Society und Ito aus Myanmar zuwerke: Ihr Stück ist eine von Hauchen, Jaulen und Kichern durchzogene „Konversation“ der beteiligten Künstler, die in ihrem Dialog rein musikalische Mittel gebrauchen. Das aus Kasachstan und der Türkei stammende Trio Saadet Türköz, Zeynep Sarikartal und Basar Ünder kippt beständig von einer erschöpften Vokalperformance zu elektronischen Spielereien und verhinderten Songanfängen und wieder zurück. Krach von rein primitivistischer Räudigkeit spielt auf dem Sampler eine untergeordnete Rolle, trotzdem dürfen ein paar Minuten wellenförmiger Japanoise nicht fehlen, und dieser stammt von der hierzulande noch recht unbekannten Yuko Araki – ein tosender Abschluss!</p>
<p>Das Anliegen der Compilation ist ehrenhaft: über eine große, aber immer noch ausschnitthafte Auswahl experimenteller Musik das kreative Potential und Output einiger Regionen zu präsentieren, das von Presse und akademischer Welt oft ignoriert und durch auch dadurch erzeugte Blickverengungen von vielen Veröffentlichungs- und Vertriebswegen abgeschnitten ist. Wieviel Arbeit in einem solchen Projekt steckt, lässt sich allenfalls erahnen – sollte der eine oder andere Name im Gedächtnis von Schreibern, Verlegern, Kuratoren und v.a. Musikliebhabern stecken bleiben, dann war sie nicht vergebens. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://syrphe.com/">Syrphe</a></strong></p>
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		<title>MUNMA: Three Voices</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2016 07:16:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Unter dem Namen Munma produziert der in Beirut lebende Jawad Nawfal seit nun zehn Jahren elektronische Musik in Eigenregie, doch seine Karriere reicht noch ein knappes Jahrzehnt weiter in die Vergangenheit zurück – ein Zeitraum, in dem er als Teil &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/12/10/munma-three-voices/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/09/munmathreevoices.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12774" title="munmathreevoices" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/09/munmathreevoices-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Unter dem Namen Munma produziert der in Beirut lebende Jawad Nawfal seit nun zehn Jahren elektronische Musik in Eigenregie, doch seine Karriere reicht noch ein knappes Jahrzehnt weiter in die Vergangenheit zurück – ein Zeitraum, in dem er als Teil verschiedenster Kollaborationen und als DJ und Produzent die Möglichkeiten des kreativen Dialogs mit anderen auslotete. Die dafür nötige Offenheit und die sich dabei verfeinernde Fähigkeit, sich auf die Vibes anderer hin zu justieren, haben sicher einen Teil dazu beigetragen, dass der<span id="more-12773"></span> Musiker äußerst Unterschiedliches in einen stimmigen Rahmen zu packen weiß.</p>
<p>Munma ist allerdings noch einiges mehr: dunkel, cinematisch, ambient und von einer unterschwelligen Aufgewühltheit. Durch den Gebrauch gesampleter Sprachfetzen hatte das vorige Album „No Apologies“ eine hörspielartige Dimension, gleichzeitig offenbarte es im Zuge dessen auch einen politischen Subtext, bei dem es um die Verwerfungen in der seit Jahren gespaltenen libanesischen Gesellschaft auch und gerade nach dem letzten Krieg im Jahre 2006 ging.</p>
<p>In der Art des Gebrauchs der menschlichen Stimme liegt vielleicht die markanteste Neuerung, mit der seine neue LP „Three Voices“ aufwartet, denn die Vokalbeiträge – überwiegend weiblich und in französischer Sprache – stammen diesmal nicht aus Radio- und Fernsehübertragungen, sondern wurden von den jeweiligen Sprecherinnen, bei denen es sich um Autorinnen handelt, direkt für dieses Album verfasst und im Studio eingesprochen. Als solche bilden sie eine noch zentralere Komponente als auf dem Vorgänger-Album. Und trotz der immer noch kollagenhaften Struktur der Kompositionen fügen sich die Vocals harmonisch in den musikalischen Rahmen ein.</p>
<p>Dabei ist es mit dem Wohnklang so eine Sache: Viele der Tracks drängen mit einer subtilen Unruhe voran und entfalten eine deutlich spürbare Spannung, ob es beim Opener „Éole“ das leicht Verzerrte der trotzdem fein bearbeiteten Sounds ist, oder der oft nur angedeutete und somit etwas unsichere Rhythmus, oder die eher kühle als beruhigende Rezitation der Sprecherin – man mag es kaum sagen, doch der Song entfaltet eine atmosphärische Intensität, die das Charisma der Musik schon gleich zu Beginn offenbart. Und letztlich ist es die Mischung aus Ernsthaftigkeit und gestalterischer Schönheit, die dem Stück Zusammenhalt gibt.</p>
<p>Eine Art innerer Kampf zwischen Spannung und ganz ungezwungener Konzentration gibt dem ganzen Album seinen besonderen Reiz. In „Muse“ trägt einen das wellenförmige Hauchen eines (synthetischen?) Chors beinahe hinweg, doch unterschwelliges Gemurmel sorgt unmittelbar für Aufmerksamkeit und Aufruhr. Im Titelstück, einem kurzen Interludium, und in „<span style="font-size: x-small;">Rêve éveil</span>“ sprengen ungeduldige, erratische Takte den ambienten Kokon. Im Laufe des Albums, in dem dann auch der in New York lebende Produzent Jad Atoui zu hören ist, geraten die Stücke verspielter und immer mehr Ereignisse spitzen sich zu, Dub-Ansätze und vordergründige Rhythmik trifft auf die Saiten einer Oud, und über all dem breiten sich eindringliche Stimmbeiträge aus.</p>
<p>Weit weniger sperrig als der Vorgänger ist „Three Voices“ vieleicht das Album, um sich in den Munma-Kosmos einzuarbeiten. Die LP erschien bereits vor ein paar Monaten beim Beiruter Ruptured-Label, nach dem <a href="http://africanpaper.com/2016/10/01/tasjiil-moujahed-the-death-of-permanence/">neuen Longplayer von Nawfals anderem Projekt Tasjiil Moujahed</a> erscheint hiervon nun auch ein Tape bei den amerikanischen Kollegen von Beacon Sound. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="https://rupturedonline.com/">Ruptured</a> / <a href="http://www.wearebeaconsound.com/">Beacon Sound</a><a href="https://rupturedonline.com/"><br />
</a></strong></p>
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		<title>TASJIIL MOUJAHED: The Death of Permanence</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Oct 2016 06:57:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein interessantes Oxymoron ist er, der Titel „The Death of Permanence“, denn wenn etwas Beständiges zu Ende geht, ist es nie beständig gewesen. Vielleicht klingt darin der zaghafte und zugleich mutige Wunsch an, das Unmögliche wirklich werden zu lassen. Vielleicht &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2016/10/01/tasjiil-moujahed-the-death-of-permanence/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/09/tasjiilmoujahed.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-12798" title="tasjiilmoujahed" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2016/09/tasjiilmoujahed-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ein interessantes Oxymoron ist er, der Titel „The Death of Permanence“, denn wenn etwas Beständiges zu Ende geht, ist es nie beständig gewesen. Vielleicht klingt darin der zaghafte und zugleich mutige Wunsch an, das Unmögliche wirklich werden zu lassen. Vielleicht auch die Furcht davor, doch dafür klingt die dunkle Electronica von Tasjiil Moujahed nicht idealistisch und auch nicht konservativ genug.<span id="more-12797"></span></p>
<p>Tasjiil Moujahed ist nicht, wie manchmal behauptet wurde, eine Einzelpersonen, sondern ein Duo, dessen Name so viel wie „Kulturrevolutionäre“ bedeutet – bestehend aus dem libanesischen Musiker Jawad Nawfal alias Munma und dem in Berlin ansässigen Cedrik Fermont, der solo und kollaborativ unter zahlreichen Namen aktiv ist. Beide spielen jeweils eigene Arten experimenteller Elektronik, die je nach Kontext ambiente, tanzbare oder auch lärmende Gestalt annehmen kann. In gewissen Abständen loten die beiden die Möglichkeiten aus, die sich ergeben, wenn ihre Ideen zusammenfinden.</p>
<p>Auf ihrem vor vier Jahren erschienenen Debüt „<span style="font-family: Tahoma;">مسافر </span>/ Moussafer“ entstand dabei ein herausfordernder musikalischer Hybrid an der Schnittstelle zwischen experimentell-improvisierter und technoider Electronica, in dem harter Electro im Stil der 80er ebenso nachhallte wie kühle Dubstep-Aleihen. Eingängige Strukturen wurden immer wieder angedeutet, aber nie – auch nicht im songorientierten „Aviatrix“ mit Gastsängerin Maria Kassab – soweit ausgeführt, dass Pop in Sicht gewesen wäre. Der gerade erschienenen Nachfolger ist in vieler Hinsicht zurückgenommener und konzentrierter, verzichtet auf Opulenz und allzu rasantes Tempo, und viel vom sperrigen Chaos der Kompositionen weicht einer eher fließenden Form.</p>
<p>All dies bleibt mehr denn je nur schwer greifbar, bereits in den sich unterschwellig überschlagenden Takten und dem schwer verständlichen Gemurmel der Samples im introartigen Opener „Septième Terre“. Die fatalistisch hallenden Soundflächen leiten über in das kühle „Encelade“, in dem dezente, aber leicht verzerrte Rhythmen eher tastend ihre Richtung suchen. Erst mit der Zeit, wenn die gedoppelten Vocals die Oberhand haben, findet man Orientierung, erkennt auch in der Detailverliebtheit einen roten Faden, der sich durch das Album zieht. Viele der Stücke haben Introcharakter, könnten Auftakt von Rhythm Noise oder anderer tanzbarer Musik sein, aber sie bleiben andeutend, überlassen viel der Fantasie des Hörers und vertrauen auf die subtile Wirkung des Fragmentarischen. Manchmal, wie in „Le Filmographe“ werden wie es scheint auch akustische Instrumente verwendet, auch hier gewinnt die Ausstrahlung am lediglich punktuellen Einsatz.</p>
<p>Lässt man sich davon einlullen, so könnte einen das kurze, zentrale „Mémoire d&#8217;outre-espace“ hochschrecken, das wesentlich extrovertierter daherkommt mit seinen kämpferischen Eispickelbeats und der unterschwelligen Aggression in den französischen Vocals, die sich nicht nur hier im Themenspektrum von Technik, Science Fiction und Dystopie bewegen. „Chronique organique“ und „Future Grounds“ setzen dem in jeder Hinsicht noch eins drauf. Immer mehr wird deutlich, dass &#8220;The Death of Permanence&#8221; einen deutlich politischen Grundtenor hat, doch auch wenn Bilder wie das einer Zombie-Armee, die durch eine „brave new world order“ marschiert für Momente kaum Fragen offen lassen, verweigern die Texte, so down to earth sie auch sind, jede einfache Didaktik und harmonieren so bestens mit der Subtilität der Musik.</p>
<p>Dass Tasjiil Moujahed ein Händchen für Klanggestaltung und auch für tolle Melodien haben, beweißen sie einmal mehr, ein Alleinstellungsmerkmal des neuen Albums (mit Artwork von Elyse Tabet alias Litter, die hier nicht das einzige Lebenszeichen von sich gibt) ist seine gelungene Mischung aus latenter Aggression und feinsinniger Andeutung, die immer einen irritierenden Augenschein von Ruhe und Moderation bewirkt. Als ich vor kurzem hörte, dass die beiden schon wieder an neuem Material arbeiten und diesmal wohl eine Pop-Platte anstehen soll, war ich nicht wenig überrascht – doch das heißt nicht weniger als dass man gespannt sein kann. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Syrphe</strong></p>
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		<title>Vielleicht ist Raum einfach das, was die Sinne zusammenbringt. Interview mit Elyse Tabet alias Litter</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Jan 2015 07:36:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[So schwer es auch ist, Musik qualitativ zu bewerten &#8211; das Album &#8220;Newfound Grids&#8221;, das die libanesische Künstlerin Elyse Tabet mit ihrem Projekt Litter vor einiger Zeit herausgebracht hat, zählt sicher zu den virtuosesten Geheimtipps atmosphärischer Elektronik und könnte in &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2015/01/31/vielleicht-ist-raum-einfach-das-was-die-sinne-zusammenbringt-interview-mit-elyse-tabet-alias-litter/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter4.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-9790" title="litter4" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter4.jpg" alt="" width="188" height="150" /></a>So schwer es auch ist, Musik qualitativ zu bewerten &#8211; das Album &#8220;Newfound Grids&#8221;, das die libanesische Künstlerin Elyse Tabet mit ihrem Projekt Litter vor einiger Zeit herausgebracht hat, zählt sicher zu den virtuosesten Geheimtipps atmosphärischer Elektronik und könnte in kompositorischer wie gestalterischer Hinsicht den einen oder anderen Maßstab setzen. Tabets Zugang zu Klängen und musikalischen Strukturen läuft nicht über die Codes der Notation, sondern eher über den visuellen Umweg der Farben, Formen und Linien. Dies mag einen bei einer Künstlerin, die ebenso sehr in Bereichen wie<span id="more-9329"></span> Illustration und Videoart zuhause ist, nicht wundern, aber v.a. vermag ihre Musik etwas von dem Raumgefühl vermitteln, welches sie im folgenden Interview im bezug auf Vorbilder ein &#8220;visuelles Hörerlebnis&#8221; nennt. Ihr von diversen Umwegen und Planänderungen geprägter Werdegang ist ein weiteres Thema unseres kürzlich geführten Dialogs.</strong></p>
<p><a title="Space may just be what connects the senses. An Interview with Elyse Tabet of Litter" href="http://africanpaper.com/2015/01/31/space-may-just-be-what-connects-the-senses-an-interview-with-elyse-tabet-of-litter/"><strong>English Version</strong></a></p>
<p><em><strong>Irgendwo im Netz stand, dass sich dein Bezug zur Musik beinahe zufällig ergeben hätte. Passierte das wirklich so plötzlich, und was kannst du uns über diese frühe Zeit erzählen?</strong></em></p>
<p>Es stimmt teilweise. Musik war mir immer sehr wichtig, aber vielleicht war es ganz gut, dass ich mich ihr zuerst eine lange Zeit nur als Hörerin zugewandt habe.</p>
<p>Es gab da einige frühe Versuche an Instrumenten, vor allem an der Gitarre. Die Art, wie man dieses Instrument in die Hand nimmt und darauf spielt, das hatte schon seinen besonderen Reiz für mich&#8230; Ich hab&#8217; mich aber im Musikunterricht nicht so gut gemacht, Kinder, die problemlos Noten lesen konnten, schienen Superkräfte zu haben. Mittlerweile habe ich einen großen Respekt vor dem Können, vor richtigem musikalischen Können, aber ich musste auch akzeptieren, dass ich nicht die Disziplin oder das Durchhaltevermögen hätte, um ein Instrument wirklich zu beherrschen. So kam ich dann unweigerlich dazu, über andere Ausdruckswege nachzudenken.</p>
<p>Zeichnen, Farben, Linien etc. schienen auf der anderen Seite etwas zu sein, dass sich ganz natürlich ereignet.</p>
<p>Gar nicht so viel später entdeckte ich Musikstücke, die die einschüchternde Seite der jeweiligen Instrumente völlig umgingen, und ich wurde mir ihrer Wichtigkeit bewusst: Stücke wie Marclays „Guitar Drag“ und George Macciunas’ „Piano Piece # 13“ künden von Profanität in einem kreativen und sehr konstruktiven Sinne des Entgrenzens und Neudefinierens der Vorstellungen, wie man mit einem Instrument umgeht. Dort fand ich wieder Zugang zur Musik, nach einem guten Jahrzehnt, in dem ich kein Instrument angerührt hatte. Nun fing ich an, über neue Zugänge nachzudenken.</p>
<p>Es war wahrscheinlich kein plötzlicher Wechsel vom Visuellen zum Sound als vielmehr eine Verbindung, die irgendwann zwischen zwei Kanälen zustande kam, die ursprünglich sehr eng miteinander verbunden waren. Die visuellen Künste, die im frühen zwanzigsten Jahrhundert aufkamen, überlappten sich schnell mit der Kunst der Klänge und brachten die verschiedenen Strömungen hervor, die die Grenzen zwischen dem Gesehenen und Gehörten bis heute infrage stellen.</p>
<p><em><strong>Wie hat sich deine Vorstellung vom Komponieren im Zuge dessen verändert?</strong></em></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter1.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-9791" title="litter1" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter1.jpg" alt="" width="427" height="294" /></a>Irgendwann, nach vielen Jahren, in denen ich mehr auf Visuelles fokussiert war, gab es 2008 einen bestimmten Moment auf einem Francois Bayle-Konzert, als sich alles im Raum zu bewegen schien durch seine elektroakustischen Kompositionen; ich hatte ähnliche Musik zuvor gehört und mochte auch seine Platten, aber das war etwas völlig anderes. In einem Raum zu sein und Klang in einer derart umfassenden Weise zu absorbieren, war eine visuelle Hörerfahrung. Irgendwie fiel bei mir ein Groschen, was das Komponieren mit Soundblöcken statt Noten anging, oder mit klanglichen Zeichen und Stichwörtern, um bildliche Geschichten zu erzählen. All dies formte sich zu einem Ganzen.</p>
<p><em><strong>Kannst du uns etwas über die Leute erzählen, mit denen du damals gearbeitet hattest?</strong></em></p>
<p>Ich traf ein paar großartige Künstler, als ich meine Ausbildung an der <a href="http://www.esapyrenees.fr">ESAP</a> machte, einer Kunst- und Multimedia-Schule mit einem audio-visuellen Labor, mit wunderbaren Lehrern wie Vincent Meyer und mit Zugang zu sehr guten Workshops.</p>
<p>Das <a href="http://www.studio-eole.com">Electroakustik-Studio Eole</a> in Toulouse, dessen Arbeiten ich wirklich herausfordernd finde, hatten eine tolle Reihe an Workshops zum Thema Sound angeboten, und so kamen immer mehr Puzzleteile zusammen. Meine Kollegin <a href="http://http://c4rin3.virtuelles.fr">Carine Bigot</a> war meine „früheste“ Kollaborateurin, wir waren ein Haufen Studenten, die an Installationen herumbastelten und Gedanken und Mp3s austauschten und alles mögliche ausprobierten. Wieder zuhause, ergaben sich Kollaborationen und Experimente mit Musikern, mit denen ich zuvor im Videobereich zusammengearbeitet hatte, wie <a title="MUNMA: No Apologies" href="http://africanpaper.com/2014/03/22/munma-no-apologies/">Jawad (Munma)</a>, der eine große Hilfe war, und der sich sehr aktiv für die Unterstützung aufstrebender lokaler Musiker engagiert. Etwas später, 2010, kam der Künstler <a href="http://www.crousel.com/home/artists/Tarek%20Atoui/bio">Tarek Atoui</a> zurück nach Beirut und interessierte sich für neue Sounds aus der Stadt, und so vereinbarten wir ein Jam und eine Aufnahmesession mit <a href="http://tuneforkstudios.com/">Fadi Tabbal von Tunefork</a>. Es kam zwar nichts Großes dabei heraus, aber es fühlte sich langsam so an, als könnte man diese „Kompositionen“ ernst nehmen.</p>
<p>Als ich dann <a href="http://syrphe.com/c-drik.html">C-drik</a> in Beirut traf, hörte er sich den Stapel an Sachen an, mit denen ich gerade arbeitete, Jawad bot mir technische Unterstützung an und wirkte kreativ an einzelnen Stücken mit. So kam dann alles zusammen.</p>
<p><em><strong>Du hast im Libanon und im Ausland Kunst studiert und bereits einiges in den Bereichen Grafik, Illustration und Videokunst gemacht. Worum geht es in deinen aktuellen Arbeiten?</strong></em></p>
<p>Seit einigen Jahren drehen sich meine Arbeiten nun um so etwas wie Psycho-Geografie, um die Wahrnehmung von Raum durch subtile Schichten der menschlichen Psyche und das Überlappen von Orten im Geist, wenn man in ruheloser Aufgeregtheit zwischen verschiedenen inneren Zuständen hin und her gerissen ist.</p>
<p>Ich forsche nach Gedanken, die mit der Abwesenheit menschlicher Präsenz in großen Landschaften zwischen Städten (es spielt keine Rolle, wo) zu tun hatten, oder mit Landschaften, die von fernen Zeichen und Lichtern unterbrochen werden, die vermutlich Zeichen von Leben, von Menschen sind. Auf gewisse Weise bin ich von stillen Städten fasziniert; Orte, die der universellen visuellen Einheit großer Metropolen entkommen.</p>
<p>Beim Prozess des Zeichnens in modularen Netzen über abstrakte, wässrige und neblige Landschaften, ob in visuellen oder musikalischen Narrativen, geht es sehr stark darum, universelle Zeichen, lesbare Räume, mit den inneren Landschaften zu konfrontieren, die auf sie projiziert werden.</p>
<p><em><strong>Würdest du sagen, dass imaginäre oder reale Orte bzw. Räume auch einen wesentlichen Aspekt deiner Musik ausmachen? </strong></em></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter3.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-9792" title="litter3" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter3-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a>Vielleicht ist Raum einfach das, was die Sinne zusammenbringt… Bei &#8220;Sound-Scapes&#8221; denke ich, ist Zeit und Raum das, was das Narrativ entscheidet (wenn man daran denkt, was W. Benjamin sagt). Eine Aufnahme jedweder Zeit/jedweden Ortes enthält auf jeden Fall Seele oder eine Aura, im Gegensatz zu MIDI zum Beispiel, das unabhängig von seinen Qualitäten (und das zeigt sich auf den meisten Tracks von &#8220;Newfound Grids&#8221;) einfach ein Signal ohne Intimität ist.</p>
<p><em><strong>Dein Pseudonym Litter lässt sich auf deutsch mit „Abfall“ übersetzen. Wie kamst du auf diesen Namen?</strong></em></p>
<p>Jemand bezeichnete meine Musik so, und ich war sehr froh, als ich so auf diesen Begriff kam. Es ist eines dieser Wörter, die alle richtigen Worte enthalten, es verweist auf das Konzept von etwas Diffusem. Und es fühlte sich an, als passte es zur Musik, für mich.</p>
<p><em><strong>Du nimmst auch an Multimedia-Performances teil, und Musik und visuelle Kunst referiert in deinen Arbeiten oft aufeinander. Betrachtest du die beiden Sparten als eine Einheit? </strong></em></p>
<p>Absolut. Nicht notwendigerweise als Einheit in dem Sinne, dass eine Musikshow zusammen mit Visuellem an Wert gewinnen würde, das ist nicht der Punkt. Aber als Einheit insofern, dass musikalische Kompositionen tatsächlich einen visuellen Prozess für mich darstellen, besonders wenn es darum geht, Impulsivität auf Struktur treffen zu lassen. Und da ich kein (tieferes) Verständnis für das musikalische Notensystem habe, aber daran glaube, dass zu jeder experimentellen Musik eine Art „Moralkodex“, ein System, ein Prozess, ein Protokoll etc. gehört als Form einer verborgenen Struktur, sind die Protokolle, auf die ich vertraue, ebenfalls visuell.</p>
<p><em><strong>Denkst du oft ans Filmen, wenn du Musik machst?</strong></em></p>
<p>Nicht unbedingt zeitgleich, einige Sounds evozieren eine sehr spezielle Bildlichkeit, andere evozieren weniger klare Bilder, aber ich denke, es basiert zusammen auf einem visuellen Repertoire des Raumes, auch wenn es danach trachtet, auf einer musikalischen Struktur zu bauen.</p>
<p><em><strong>Beschäftigst du dich viel mit elektronischer/experimenteller Musik anderer, und was magst du zur Zeit am meisten?</strong></em></p>
<p>Es gibt Phasen, wenn ich mehr Hörerin bin und soviel Musik wie möglich aufsauge, und Phasen, wenn mir mehr danach ist, mich frei zu machen und mich eher davon distanziere. Ich erwähnte schon Francois Bayle, ich glaube, ich kann ihn nicht oft genug als Einfluss erwähnen. Frühere Einflüsse lagen im Wave der 80er.</p>
<p><em><strong>Siehst du dich mehr als Erzählerin von Geschichten oder eher als jemand, der Stimmungen erzeugt? Die Stücke auf deinem Album haben vom beidem einiges, aber viele der Sounds und v.a. die Songtitel implizieren einen stark erzählerischen Zug&#8230;</strong></em></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter5.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-9793" title="litter5" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter5-300x196.jpg" alt="" width="300" height="196" /></a>Einige Stücke sind mehr an reelle Orte gebunden als andere. Manchmal mag man bestimmte Aufnahmen einfach so lassen, wie sie sind. Sie sind Geschichte, sie sind da, zugleich aber überblendet mit wässrigeren Sounds oder sogar Melodien, aber die Rahmenstruktur baut mehr auf den Gefahren dieser speziellen Aufnahme. Manche Aufnahmen sind Teile einer größeren Geschichte, die zu einer (kohärenten?) Erzählung verwoben werden muss.</p>
<p>Ich sehe es nicht als ein Entweder Oder-Verhältnis zwischen Atmosphäre und Erzählen, aber es fühlt sich an wie: 1. das klangliche Umfeld des rohen Materials (also die Feldaufnahme) kommt zuerst, bleibt fast unverändert, und dann dringen vielleicht die Mikrostrukturen von Melodie, Harmonie oder auch der kalkulierte Zufall ein. Oder 2. eine Melodie bewirkt den musikalischen Aufbau, in der all diese „ambienten“ klanglichen Umfelder eingearbeitet sind.</p>
<p>Klanglich, denke ich, kannst du beides trennen, weil das erste immer losgelöster klingt, letzteres dagegen wie organisiertes Chaos. Ich denke aber, dass man zwischen den beiden Ansätzen unbedingt wählen muss.</p>
<p><em><strong>Welche Soundquellen hast du auf deinem Album genutzt?</strong></em></p>
<p>&#8220;Pan’s Monologue&#8221; beinhaltet ein Stimmsample von einer halben Sekunde aus einem Song, auf den ich gestoßen bin, sowie drei ebenso lange oder noch kürzere Pianosamples. &#8220;Small Town ATM&#8221; spielt irgendwie auf eine alte Popmelodie (von einem spezifischen Song) an, aber so als ob er retrospektiv und fragmentiert gehört würde. Der Drummer und Producer Nabil Saliba nahm ein paar Drumparts dazu auf. Die restlichen Tracks und die Noiseparts in den genannten Stücken gingen aus nächtlichen Aufnahmesessions mit mehreren Instrumenten und einem Zoom Recorder hervor.angerundeter Silberanhänger, der an einer Kette hängt und in rhythmischen Mustern eine Akustikgitarre, sich drehende Fahradräder, eine Nähmaschine etc. berührt.</p>
<p><em><strong>Wie sehr übt deine Heimatstadt Beirut einen Einfluss auf deine Arbeiten aus?</strong></em></p>
<p>Es wäre unmöglich zu sagen, dass Beirut keinen Einfluss hätte auf das, was ich mache. Es ist eine Stadt, in der sich der Boden permanent vor deinen Füßen verschiebt, und am Ende des Tages hat man doch das Gefühl, dass sich nichts verändert hätte.</p>
<p><em><strong>Deine Musik hat eine sanfte, entspannte Seite und ist doch voller spontaner Brüche, gelegentlich gibt es durchaus raue Momente. Ist diese Unvorhersehbarkeit intendiert, oder ergibt sie sich eher beim Improvisieren?</strong></em></p>
<p>Ein großer Teil davon ist der „Ordnung versus Zufall“-Aspekt. Ich spüre, dass es beides ist, der Aufnahmeprozess ist oft impulsiv und improvisiert, aber in der Produktion ist nur wenig davon übrig, sie stellt ein obsessives Archivieren dar und dann das Hören und Suchen nach spezifischen Elementen, die später entweder in eine Komposition hineinplumpsen oder ihre Struktur bestimmen.</p>
<p><em><strong>Deine Musik ist sehr ausdrucksstark, aber deine Person steht niemals dominant im Vordergrund, manchmal scheinst du regelrecht hinter den Klängen zu verschwinden. Ist Litter eine Art „Fassade“ für dich, die nur indirekt auf ein „Dahinter“ anspielt?</strong></em></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter7.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-9794" title="litter7" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter7-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>Es fühlt sich leichter an, wenn du hinter einem Pseudonym steckst, vor allem, wenn du Sachen ausprobieren willst. Die Veröffentlichung der Musik passierte eher plötzlich, so dass ich wahrscheinlich einfach unvorbereitet war für den „Vordergrund“, aber es ging nicht darum, auf etwas anzuspielen, denn unabhängig davon will der musikalische Inhalt die Leute ja zu eigenen Projektionen bringen. Trotzdem ist der kreative Prozess ein persönlicher und auch nicht immer ein sehr offener, ich denke auch, das Ergebnis ist nicht derart introvertiert. Die Titel sind wie Überschriften, aber sie sind weder wissenschaftlich noch geografisch, und so ist es immer noch möglich, zu sehen, was man will. Es ist vage genug, so dass du verschiedenes darauf projizieren kannst. Warum also das Ganze an eine spezielle Geschichte binden?</p>
<p><em><strong>MDenkst du während des Aufnehmens oft an ein Publikum, und gibt es etwas, dass du gerne hervorrufen würdest? </strong></em></p>
<p>Nicht unbedingt, aber es gibt dort etwas, weil einige Klänge beabsichtigterweise kaum da sind und manche Veränderungen sind kaum wahrnehmbar, auf gewisse Art und Weise kann das eine Einladung zu einem ruhigen Hören sein.</p>
<p><em><strong>In Rezensionen zu “Newfound Grids“ wurde oft auf sogenannte nahöstliche Elemente hingewiesen. Europäer romantisieren solche Dinge gerne als exotisch und orientalisch. Denkst du in solchen Kategorien von östlicher und westlicher Musik? Gibt es Einflüsse in deiner Musik, die du als eindeutig libanesisch verstehst, und solche, die dir international erscheinen? </strong></em></p>
<p>Solche Kategorien existieren, aber in meinen Aufnahmen spielen die ursprünglichen Quellen keine besondere Rolle, denn letztlich trenne ich sie komplett aus ihren Zusammenhängen, um Karten von neuen, fiktiven Orten und Zwischenräumen zu zeichnen. Nicht zwischen dem Orintalischen und dem Abendländischen (es wäre bedauerlich, wenn das so aufgefast werden würde). Ich persönlich betrachte die Musik als ausgesprochen exiliert, und wenn sie östliche oder exotische Elemente enthält, werden diese in einem fiktiven Raum de- und rekontextualisiert.</p>
<p>Ich denke, die Musik versucht, verschiedene Räume einzufangen, die in einander übergehen, aber diese Räume sind Landschaften, nicht Territorien. Ich hoffe, es verwischt solche Grenzen anstatt sie zu betonen.</p>
<p><em><strong>Dein Label beschrieb deine Musik einmal als den Klang einer Maschine, der der Dampf ausgeht “. Denkst du &#8211; falls dir die Beschreibung zusagt &#8211; , dass sich das auch in Zukunft noch so anhören wird?</strong></em></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter2.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-9795" title="litter2" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2015/01/litter2-300x197.jpg" alt="" width="300" height="197" /></a>Ja, denn es wird sich immer um sich auflösende Strukturen und Muster drehen. Eine Maschine, die auf niedrigem Antriebsniveau läuft, hat immer etwas Gespenstisches. Wenn man ein Rad einmal angestoßen hat und das Rad sich durch dieses Anstoßen einmal, zweimal, vielleicht dreimal dreht, wird es unregelmäßig klingen, wenn es langsam aus geht. Die klanglichen Muster sind komplett anders von denen eines mechanisch getriebenen Rades, sie scheinen uns zu sagen, dass sie nicht lange hier sein werden. Ich denke, das ist am besten hörbar in “Helicopters O M C”.</p>
<p>Ich bin nach wie vor dabei, solche in Auflösung begriffenen Muster zu sammeln und zu bearbeiten, vielleicht werden sie nicht mehr so deutlich wahrnehmbar sein, aber sie sind da.</p>
<p>(U.S.)</p>
<p><a href="http://syrphe.bandcamp.com/album/newfound-grids">Litter @ Bandcamp</a></p>
<p><a href="http://syrphe.com/litter.html">Litter @ Syrphe</a></p>
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		<title>MUNMA: No Apologies</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Mar 2014 00:09:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da die Neigung, Unterschiede als Gegensätze wahrzunehmen, recht verbreitet ist, klafft auch zwischen den Welten der „elektronischen“ und der „experimentellen“ Musik ein Abgrund, der weniger über die Musik aussagt, als über einen Großteil ihre Hörer. „No Apologies“ von dem hierzulande &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2014/03/22/munma-no-apologies/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/12/munmanoapologies.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8000" title="munmanoapologies" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/12/munmanoapologies-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Da die Neigung, Unterschiede als Gegensätze wahrzunehmen, recht verbreitet ist, klafft auch zwischen den Welten der „elektronischen“ und der „experimentellen“ Musik ein Abgrund, der weniger über die Musik aussagt, als über einen Großteil ihre Hörer. „No Apologies“ von dem hierzulande noch mysteriösen Geheimtipp Munma ist eine Platte, die in Gazetten wie De:Bug passt und in Locations gespielt wird, in die sich der Staalplaat-Hörer und A-Musik-Kunde in der Regel nicht verläuft. Was schade ist, denn die dunklen Kollagen des Bastlers aus Beirut dürften genreübergreifend Gefallen finden, vorausgesetzt, man braucht es nicht allzu eingängig und hat grundsätzlich eine Schwäche für Frickeleien.<span id="more-7999"></span></p>
<p>Es braucht anfangs eine ganze Weile, bis man peilt, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Nicht, dass Jawad Nawfal, die Person hinter Munma, einen bei der Suche nach dem roten Faden völlig im Regen stehen ließe, doch er lässt sich zunächst Zeit und tastet sich ausgiebig durch eine Vielzahl musikalischer Gefilde. In „Early Early Moring“, das tatsächlich etwas von einer frühmorgendlichen Orientierungsphase hat, lässt er frickelige Sounds und verhallte Keyboardflächen noch recht unvermittelt aufeinander treffen, konsequentes Fiepen und Pochen sorgt dafür, dass die divergierenden Rhythmen, die miteinander um die Vorherrschaft ringen, nichts von ihrem herausfordernden Charakter verlieren und der unheilvolle Beiklang, der das Album von ersten bis zum letzten Ton an prägt, beibehalten wird. Im weiteren Verlauf gewinnen die Stücke mehr und mehr an Form, doch nie geraten Rhythmen und Sounds derart kohärent, dass Tanzbares dabei herauskäme. Ambient, wie beim befreundeten Projekt Litter, mit dem ein steter Austausch stattfindet, wird allenfalls angedeutet, wie beim ethnolastigen „Land of Debris“, das auch ohne den Titel weit entfert ist von jeder beschaulichen Weltmusik. Die meisten Stücke haben von Klang her einen düsteren Grundton, wobei die vielen kleinteiligen Sounds allerdings jeder Schwere entgegenwirken. Die können dann auch mal auffallend akustisch ausfallen wie bei „Eastern Promises“ (eine Referenz an David Cronenberg?), oder mit allerlei levantinischem Metropolenflair aufwarten wie im hörspielartigen „The Funeral“, das zu den Höhepunkten des Albums zählt.</p>
<p>Aus dem Rahmen fallen das vokallastige „Yoga Revisited“, bei dem Rapper Mazen El Sayed seine Künste in einem französisch durchdrungenen Arabisch beisteuert, sowie eine Reihe an Remixen, von denen vor allem Kirdecs harte Synthiebearbetung von „The Funeral“ heraussticht. Beiruts Ruf, in den unterschiedlichsten (Sub-)Kulturen mit westlichen Standards mithalten zu können, ohne die oft beklagte Saturiertheit aufzuweisen, ist nicht neu, doch wenn man die hier beteiligten Musiker recherchiert, erhärtet sich der Verdacht, dass er nicht zu Unrecht existiert. „No Apologies“ würde sich zum Einstieg eignen, gleichwohl es auch ohne diesen Hintergrund überzeugt.</p>
<p>A. Kaudaht</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.syrphe.com/">Syrphe</a></strong></p>
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