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	<title>African Paper &#187; Marwan Tohme</title>
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		<title>Sanam: Europatour im April und Mai</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Feb 2026 05:53:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die libanesische Band Sanam wird im Frühjahr auf Europatour gehen. Die Konzerte sind eine weitere Gelegenheit, das zweite Album &#8220;Sametou Sawtan&#8221;, das im vergangenen Jahr bei Constellation Records erschienen ist, kennenzulernen. Nach ihrem Debütalbum &#8220;Aykathani Malakon&#8221; zeigt sich das Sextett &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2026/02/09/sanam-europatour-im-april-und-mai/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die libanesische Band Sanam wird im Frühjahr auf Europatour gehen. Die Konzerte sind eine weitere Gelegenheit, das zweite Album<a title="SANAM: Sametou Sawtan" href="https://africanpaper.com/2025/09/27/sanam-sametou-sawtan/"> &#8220;Sametou Sawtan&#8221;</a>, das im vergangenen Jahr bei Constellation Records erschienen ist, kennenzulernen.<a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/02/fotor_1770522804994.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-49934" title="fotor_1770522804994" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2026/02/fotor_1770522804994.jpg" alt="" width="618" height="795" /></a><span id="more-49933"></span></p>
<p>Nach ihrem <a title="SANAM: Aykathani Malakon" href="https://africanpaper.com/2023/08/05/sanam-aykathani-malakon/"><strong>Debütalbum &#8220;Aykathani Malakon&#8221;</strong> </a>zeigt sich das Sextett in den neuen Aufnahmen noch konsequenter in seiner musikalischen Hybridität. Elemente aus Psychedelic und Krautrock, Jazz und freier Improvisation, arabischer und persischer Dichtung sowie elektronische Texturen verweben sich zu ganz eigenen furiosen Songgebilden. Über die kraftvolle Ausprägung, die die Stücke der Combo auf der Bühne bekommen können, kann man sich u.a. in der unten verlinkten Konzertaufnahme &#8220;Live at Café OTO&#8221; einen Eindruck verschaffen. Neben Sängerin Sandy Chamoun, von der gerade ein weiteres Soloalbum im Entstehen ist, umfasst die Band außerdem Antonio Hajj (Bass), Farah Kaddour (Buzuq), Anthony Sahyoun (Gitarre, Synthesizer), Pascal Semerdjian (Schlagzeug) und Marwan Tohme (Gitarre). Sanam wird auf mehreren Festivals auftreten, darunter Rewire, Roadburn, Intonal und das Donau-Festival im österreichischen Krems. Darüber hinaus sind weitere Stationen im deutschsprachigen Raum geplant, unter anderem das Berliner Silent Green, der Münchener Import Export und die Zürcher Rote Fabrik.<!--/data/user/0/com.samsung.android.app.notes/files/clipdata/clipdata_bodytext_260208_045643_513.sdocx--></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=834090066/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=28722548/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=459721513/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>SANAM: Sametou Sawtan</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Sep 2025 03:08:41 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Verlust, Entfremdung und die Suche nach Verankerung prägen die Texte wie auch den Klang auf &#8220;Sametou Sawtan&#8221;, dem zweiten Longplayer des furiosen libanesischen Sextetts SANAM. Der arabische Titel bedeutet im Deutschen &#8220;Ich hörte eine Stimme&#8221; – eine Formulierung, die offenlässt, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/09/27/sanam-sametou-sawtan/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/sametousawtan.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47741" title="sametousawtan" src="https://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/sametousawtan-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Verlust, Entfremdung und die Suche nach Verankerung prägen die Texte wie auch den Klang auf &#8220;Sametou Sawtan&#8221;, dem zweiten Longplayer des furiosen libanesischen Sextetts SANAM. Der arabische Titel bedeutet im Deutschen &#8220;Ich hörte eine Stimme&#8221; – eine Formulierung, die offenlässt, ob sie etwas Vertrautes oder etwas Unheimliches bezeichnet, und ob die Vergangenheitsform vielleicht mit einer gewissen Wehmut auf einen zurückliegenden Endpunkt verweist. <span id="more-47739"></span>Diese Spannung zieht sich durch das ganze Album, das zugleich fest im östlichen Mittelmeerraum verwurzelt und offen für überregionale Avantgarde-Formen ist. Nach ihrem <a title="SANAM: Aykathani Malakon" href="https://africanpaper.com/2023/08/05/sanam-aykathani-malakon/">Debüt &#8220;Aykathani Malakon&#8221;</a> zeigen sich SANAM hier noch konsequenter in ihrer Hybridität: Psychedelic, Krautrock, Improvisation, Jazz, arabische und persische Dichtung und elektronische Texturen verbinden sich mit traditionellen Liedern zu einer Musik, die gleichermaßen historisch reflektiert und gegenwärtig klingt.</p>
<p>Sängerin Sandy Chamoun, die gemeinsam mit Antonio Hajj (Bass), Farah Kaddour (Buzuq), Anthony Sahyoun (Gitarre, Synthesizer), Pascal Semerdjian (Schlagzeug) und Marwan Tohme (Gitarre) das Album prägt, erklärt die Verankerung der Musik und der Texte besonders im Gefühl des Verlusts in einer Zeit zunehmender Migration aus dem Libanon: &#8220;Seit etwa fünf Jahren fühlt es sich an, als würde jeder den Libanon verlassen. Das Album handelt nicht buchstäblich davon, dass alle gehen – aber von der Vorstellung, dass etwas dich verlässt&#8221;. In diesm Zusammenhang verarbeitet die Band ein Lebensgefühl, das von Verwurzelung ebenso wie von Entfremdung geprägt ist.</p>
<p>Vielleicht kann man dieses ambivalente Lebensgefühl auch mit der ambitionierten Suche nach den unterschiedlichsten musikalischen Ausdrucksformen verbinden, die man hier fast wie in Echtzeit zu verfolgen meint &#8211; mehr noch allerdings in dem stets gleichzeitigen Vorhandensein von Sensibilität und Energie, von Souveränität und Verwundbarkeit. Schon das eröffnende &#8220;Harik&#8221; verdeutlicht diese doppelte Intensität: ein Stück voller eruptiver Drums und verzerrter Elektronik, in das Chamouns Stimme zwischen atemloser Dringlichkeit und kraftvoller, fast liturgischer Ruhe eingreift. Sie beschreibt den Text als ein Feuer, das ohne Treibstoff brennt. Hier treten erstmals die Kontraste hervor, die sich durch das ganze Album ziehen: Kontrollierte Wucht und offene Form, ritualhaftes Kreisen und eruptive Ausbrüche. Ganz anders beginnt &#8220;Goblin&#8221;: ruhiger, gesetzter, nocturnal, melancholisch. Chamouns hallunterlegte Stimme trägt eine hymnische Weise, während Kanun, Buzuq und zischelnde Becken nach und nach eine spannungsvolle, fast cinematische Atmosphäre entstehen lassen. Der Song ist einer der Höhepunkte des Albums.</p>
<p>&#8220;Habibon&#8221; beginnt mit glissandierenden Hochtönern, über denen Jazzbesen und tiefes Saitenspiel einen lockeren Groove entstehen lassen. Gitarreneinsätze und ornamentaler Gesang &#8211; feinsinnig und oich zu kraftvoll, um im engeren Sinne sanft zu sein - lassen das Bild einer nächtlichen Fahrt in einem wehmütig abgeklärten Roadmovie entstehen. Hochtönende Tupfer und augenzwinkernd aus der popkulturellen Traditionskiste gezogene Gitarrentwangs kommentieren den Song wie der Chor den Dialog in einem griechischen Drama, bis Chamoun den Titel plötzlich hinausschreit und dem bislang etwas schlafwandlerischen Stück eine ganz neue Dringlichkeit gibt. Der Song ist übrigens aus der Feder eines Imam Ali &#8211; ob damit der historische Träger dieses Namens und Begründer der schiitischen Glaubensrichtung gemeint ist, entzieht sich meiner Kenntnis. In &#8220;Hadikat Al Ams&#8221;, das auf einen Text des Dichters Paul Shaoul zurückgreift, steigert sich die Band, ausgehend von a capella vorgetragenem Gesang, in ein intensives, hämmerndes, kratzendes Geflecht aus psychedelisch eingefärbten Noiserock und No-Wave, das von Chamouns stets unbeirrter Stimme zusammengehalten wird.</p>
<p>&#8220;Hamam&#8221; greift ein traditionelles ägyptisches Lied auf und entfaltet es über fast zehn Minuten zu einem hypnotischen Stück, dessen lange Aufbauphase immer wieder durch eruptive Ausbrüche kontrastiert wird. Die Instrumente verschränken sich hier in einem oszillierenden Strom, über dem die Stimme noch deutlicher zwischen zartem Ornament und kraftvoller Wucht changiert. Noch deutlicher wird die Verbindung von Tradition und Gegenwart in &#8220;Sayl Damei&#8221; und dem kurzen abschließenden Titelsong &#8220;Sametou Sawtan&#8221;, die wohl beide auf Gedichte des persischen Mathematikers und Dichters Omar Khayyam zurückgreifen. &#8220;Wenn man Omar liest, fühlt man eine Verbindung zum Jetzt&#8221;, sagt Chamoun, &#8220;das Gefühl, dass es keinen klaren Weg gibt&#8221;. „Tatayoum“, ein weiteres kurzes Stück mit schnell gespielter Buzuq wirkt dagegen wie eine obsessive Schleife volelr Dröhnung und kleinen sperrigen Details, eine Verdichtung von Energie in direkter, körpernaher Form, bei der die Stimme ganz nah am Ohr zu erklingen scheint.</p>
<p>So entsteht ein Album, das die Live-Intensität von SANAM mit einer enormen klanglichen Bandbreite verbindet. &#8220;Sametou Sawtan&#8221; lässt sich nicht auf eine eindeutige Richtung festlegen: Es oszilliert zwischen sperrig und hymnisch, zwischen frei mäandernd und streng rhythmisch, zwischen historischen Quellen und einer Gegenwart, die keinen sicheren Boden bietet und gerade dadurch eine große Unmittelbarkeit entfaltet.</p>
<p><strong>Label: Constellation</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=834090066/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>V.A.: The Dome Sessions</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Sep 2025 05:43:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In Tripoli, im Norden des Libanon, liegt ein Ort, der zugleich Symbol für Fortschrittsutopien und für das Verharren in einem Zustand des Nichterfüllten geworden ist: der unweit des Meeres und der historischen Altstadt gelegene unvollendete Kuppelbau des Rachid Karami International &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/09/13/v-a-the-dome-sessions/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/thedomesessions.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46534" title="thedomesessions" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/thedomesessions-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In Tripoli, im Norden des Libanon, liegt ein Ort, der zugleich Symbol für Fortschrittsutopien und für das Verharren in einem Zustand des Nichterfüllten geworden ist: der unweit des Meeres und der historischen Altstadt gelegene unvollendete Kuppelbau des Rachid Karami International Fair. Entworfen 1962 von dem hierzulande durch das Berliner Hansaviertel, v.a. aber durch die repräsentativen Bauten der brasilianischen Hauptstand bekannten Oscar Niemeyer als Teil eines <span id="more-46533"></span>weitreichenden Plans zur wirtschaftlichen Dezentralisierung des Landes, blieb die imposante Halbkugel nach Beginn des Bürgerkriegs ein Torso: baulich nie vollendet, akustisch unbehandelt, funktional ungenutzt. Gerade diese Unabgeschlossenheit aber macht den &#8220;Dome&#8221; zu einem Raum, in dem das Potenzial des Ungesagten, des Zwischenraums, erfahrbar werden kann. Seine Architektur erzeugt eine unverwechselbare Akustik, in der sich Schall nicht nur ausbreitet, sondern verflüchtigt, bricht, zurückkommt.</p>
<p>&#8220;The Dome Sessions&#8221;, die neue Compilation des libanesischen Labels Ruptured Records, reagiert nicht nur auf diesen Raum, sondern setzt sich, wie auch in den Liner Notes von Wassila Abboud erörtert, mit ihm in Beziehung. Die elf Sessions, die im April 2023 vor Ort aufgenommen und später in den Tunefork Studios in Beirut abgemischt wurden, lassen sich als akustisches Protokoll einer künstlerischen Aneignung verstehen. Das kollektive Moment ist dabei zentral: Musikerinnen und Musiker aus unterschiedlichen Kontexten und Generationen begegnen sich in diesen Aufnahmen auf Augenhöhe, reagieren aufeinander, auf die Architektur, auf das Vergangene, das Gegenwärtige, das geisterhaft Verborgene. Auch auf das, was in Worten unbeschrieben bleiben muss.</p>
<p>Die erste Session – ein Stück des Trios Sandy Chamoun, Abed Kobeissy und Pascal Semerdjian – beginnt mit Vogelstimmen, wie sie immer wieder leitmotivisch durch das Album ziehen. Eine Art perkussiver Donner kündigt sich an, rätselhafte akustische Miniaturen – Rasseln, Hupen, Triller –, dann setzt Chamouns unverwechselbarer Gesang auf Arabisch ein. Die Instrumentierung ist minimalistisch, doch der Ausdruck ist enorm. Die Dramaturgie des Stücks lebt von ihrer inneren Bewegung: mit wenigen Mitteln entstehen immer neue Motive, zum Ende hin steigert sich das Stück kraftvoll, beinahe eruptiv, ohne dabei die unaufgeregte, klare Stimme Chamouns auch nur ansatzweise zu tangieren. Makram Aboul Hosn präsentiert zwei solistische Kontrabass-Stücke. Der erste Teil ist geprägt von einer durchlässigen, atmenden Dynamik, das Tempo verändert sich scheinbar mühelos, der warme, holzige Klang des Instruments bleibt stets präsent. Im zweiten Teil dann ein energischeres, beinahe rabiates Spiel mit dem Bogen, ein starker Kontrast zum ersten Teil, der schließlich wieder zurückgeführt wird: ein kreisförmiger Aufbau, ein hörbarer Kraftakt.</p>
<p>Abdo Sawma und Anthony Tawil schaffen in ihrer Session eine verdichtete Atmosphäre, die sich von leiser Perkussion zu einer hallgeladenen, beinahe monumentalen Klangfülle steigert. Es ist ein Stück, das sich Zeit nimmt und zugleich große Intensität entwickelt. Ghassan Sahhab nutzt die Qanun – eine arabische Zither – für ein Stück, das archaische Melodik mit flirrender Leichtigkeit verbindet. Die Komposition wirkt nicht wie ein statisches Gebilde, sondern wie ein Gespräch: suchend, fragend, dabei aber stets getragen von innerer Kraft. Der Wechsel zwischen tastender Offenheit und kraftvoller Harmonie verleiht dem Stück eine besondere Tiefe.</p>
<p>Wassim Tanios – möglicherweise identisch mit dem gleichnamigen Regisseur – kombiniert eine dröhnende Grundstimmung mit subtilen Holzbläser- und Elektronikklängen. Die hier wohl verwendete Nej, ein traditionelles Doppelblattinstrument, verleiht dem Stück eine melancholisch-transparente Qualität. Es ist eines der emotional eindringlichsten Stücke der Compilation. Julia Sabras Beitrag ist eines der wenigen textbasierten Stücke. Ihre klare, folkige Stimme steht zunächst allein im Raum, bevor sie vom Strumming einer schlichten, aber feierlichen Akustikgitarre begleitet wird. Die Lyrics sprechen von der Unsicherheit der Zeitlichkeit und von einer drohenden Verlorenheit – und tun dies mit einer Sanftheit, die umso eindrucksvoller ist. &#8220;Girls and boys dancing around a corpse&#8221;, heißt es an einer Stelle – eine Zeile, die hängen bleibt.</p>
<p>Farah Kaddour greift mit ihrer Buzuq auf Mittel zurück, die schon ihr vor kurzem erschienenes Album &#8220;Ghazel&#8221; mit Marwan Tohme prägten. Doch hier wirken die Sounds noch entschiedener auf den Raum bezogen: Windgeräusche, das gelegentliche Aufbrausen des Instruments, das irrlichternde Spiel mit Tonhöhen und Rhythmen erzeugen ein Stück, das nie berechenbar ist, dabei aber stets kohärent bleibt. Der klangliche Zugriff erinnert an Roland Barthes’ Idee einer Schrift ohne festes Alphabet – ein auditives Reich der Zeichen. Marc Ernest beginnt mit vertrauten Vogelstimmen, bevor eine tubaartige Klangfigur einsetzt. Die Musik changiert zwischen Struktur und Offenheit, die Melodik ist ornamentiert, ohne überladen zu wirken. Das Stück bleibt schwer zu fassen, was Teil seiner Qualität ist. Der Fayha Choir, dessen Beitrag über zwölf Minuten geht, bringt mit &#8220;Zahrat al-Mada’en&#8221; ein ursprünglich für Fairuz geschriebenes Stück in den Kuppelraum. Die liturgisch anmutende Wucht dieses Chors, verbunden mit den akustischen Eigenheiten des Ortes, macht dieses Stück zu einem der ergreifendsten des Albums.</p>
<p>Den Abschluss bilden Charbel Haber, Anthony Sahyoun, Fadi Tabbal und Marwan Tohme. Ihr Stück wirkt wie ein epilogartiges Resümee: Geräusche, Stimmen, Saitenklänge, Dröhnen und Rasseln überlagern sich, ohne je in bloße Klangfläche zu kippen. Der Sound bleibt greifbar, vielschichtig, melancholisch – bis am Ende eine versteckte Sirene erklingt, fast unmerklich, wie ein Echo auf die vielen unvollendeten Kapitel dieses Ortes.</p>
<p>&#8220;The Dome Sessions&#8221; ist ein gemeinschaftliches Projekt, das klanglich z.T. weit auseinanderliegende Positionen miteinander in Beziehung setzt, ohne sie zu glätten. Jedes der Stücke würde auch isoliert bestehen, doch im Kontext des Niemeyer-Domes, dessen sinnlicher Erfahrung sie hier einige neue Perspektiven gegeben haben, gewinnen sie zusätzliche Dimensionen. Die Compilation ist kein museales Dokument, sondern ein lebendiger Kommentar zu einem Ort, dessen Bedeutung sich weniger aus dem ergibt, was er ist, als aus dem, was aus ihm gemacht wird.</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
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		<title>Postcards: Europatour im September und Oktober</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Aug 2025 03:43:24 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die libanesische Combo Postcards, bestehend aus Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, bringen ihren experimentierfreudigen (Post-)Rock in den kommenden Wochen im Rahmen einer Tour nach Europa. Viele der Konzerte finden im deutschsprachigen Raum statt, &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/08/16/postcards-europatour-im-september-und-oktober/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die libanesische Combo Postcards, bestehend aus Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, bringen ihren experimentierfreudigen (Post-)Rock in den kommenden Wochen im Rahmen einer Tour nach Europa. Viele der Konzerte finden im deutschsprachigen Raum statt, im Gepäck haben die drei Musiker ihr vor einigen Monaten bei Ruptured und T3 erschienenes <a title="Ripe: Neue LP der Postcards" href="http://africanpaper.com/2025/03/08/ripe-neue-lp-der-postcards/">Album &#8220;Ripe&#8221;</a>. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/ripetourbypostcards.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-47453" title="ripetourbypostcards" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/08/ripetourbypostcards.jpg" alt="" width="1215" height="1519" /></a><span id="more-47452"></span>Eröffnet werden die meisten der Shows von dem Pianisten und Komponisten <a title="Our House Is Very Beautiful at Night: Neues von Interbellum" href="http://africanpaper.com/2023/04/11/our-house-is-very-beautiful-at-night-neues-von-interbellum/">Karl Mattar alias Interbellum</a>, der ebenfalls zu den Künstlern auf Ruptured zählt. Die Mitglieder der Postcards sind seit längerem in unterschiedlichen Konstellationen aktiv, so erschien von Julia Sabra jüngst das <a title="JULIA SABRA: Natural History Museum" href="http://africanpaper.com/2024/11/02/julia-sabra-natural-history-museum/">Solialbum &#8220;Natural Histiry Museum&#8221;</a>. Semerdjan ist derzeit einer der profiliertesten Drummer überhaupt, während Tohme gerade ein <a title="FARAH KADDOUR / MARWAN TOHME: Ghazel" href="http://africanpaper.com/2025/07/05/farah-kaddour-marwan-tohme-ghazel/">Album mit Farah Kaddir</a> veröffentlicht hat und eines mit der größeren<a title="Sametou Sawtan: Album und Tour von Sanam" href="http://africanpaper.com/2025/06/02/sametou-sawtan-album-und-tour-von-sanam/"> Gruppe Sanam</a> herausbringen wird.</p>
<p><a href="https://www.bandsintown.com/a/244023-postcards"><strong>Tourdaten und Tickets </strong></a></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=513149923/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>FARAH KADDOUR / MARWAN TOHME: Ghazel</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Jul 2025 05:22:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Manchmal entsteht musikalische Nähe nicht durch das Verfolgen eines Konzepts, sondern durch Zuhören – ein vorsichtiges Sich-Antasten verschiedener Instrumente, die einander Raum geben. So beginnt auch das erste als Duo aufgenommene Album &#8220;Ghazel&#8221; von Farah Kaddour (Buzuq) und Marwan Tohme &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/07/05/farah-kaddour-marwan-tohme-ghazel/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/ghazel.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-46477" title="ghazel" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/06/ghazel-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Manchmal entsteht musikalische Nähe nicht durch das Verfolgen eines Konzepts, sondern durch Zuhören – ein vorsichtiges Sich-Antasten verschiedener Instrumente, die einander Raum geben. So beginnt auch das erste als Duo aufgenommene Album &#8220;Ghazel&#8221; von Farah Kaddour (Buzuq) und Marwan Tohme (Gitarre, Elektronik), beide neben anderen Aktivitäten auch Mitglieder der experimentellen <span id="more-46476"></span>Psych Rock-Formation Sanam, das aus improvisierten Begegnungen in der libanesischen Hauptstadt Beirut und einem Dorf in den Bergen des Landes hervorging und sich dabei ein unverwechselbares Eigenleben bewahrt hat.</p>
<p>Der Auftakt &#8220;Kayfa Taltaqi al-Qulub&#8221; (&#8220;Wie sich Herzen begegnen&#8221;) gibt eine Art Grundstimmung vor. Die melodischen Motive auf der Buzuq entfalten sich zurückhaltend, aber bestimmt, begleitet von elektronisch erzeugten Klangschleiern, die im Hintergrund aufscheinen und für eine elektrisierend dichte Atmosphäre sorgen. Hier wird bereits spürbar, wie sich das Album auf das Zusammenspiel zwischen Intuition und Form in fein austarierten Verhältnissen konzentriert. &#8220;Tajmid Ejbari&#8221; entwickelt mehr Bewegung, eine fast tanzhafte Dynamik. Doch auch hier bleibt der Aufbau offen für Brüche: Aus dem Hintergrund drängen raue Geräusche nach vorn – Grollen, Poltern, etwas wie herabfallender Schutt –, die kurzzeitig alles dominieren. Das Saitenspiel aber bleibt unbeirrt, verliert nicht die Orientierung. In &#8220;Naghmat Al-Ra&#8217;i&#8221; wird der Rhythmus wieder ruhiger. Ein feines Rauschen legt sich über das Stück, das in seiner harmonischen Ambivalenz fast cinematisch wirkt, ein Spannungsmoment, das in einem entrückten Nachspiel leise abgleitet.</p>
<p>Zwei Stücke greifen explizit auf bestehende musikalische Formen zurück. Der bereits genannte Opener interpretiert eine traditionelle Doulab Nahawand-Melodie neu, während &#8220;Nawal&#8221; auf der Komposition &#8220;Longa Jaharkah&#8221; von Mohamad Abdelkarim basiert. Doch beide Stücke werden durch die Interpretation von Kaddour und Tohme so stark transformiert, dass sie eher als Bezugspunkte denn als Wiederholungen erscheinen. In &#8220;Nawal&#8221; etwa, das von einer deutlich melancholischeren Grundstimmung getragen wird, schwingt ihre Stimme wie ein liturgischer Gesang über das Motiv, während die Buzuq teils ekstatische Figuren entfaltet.</p>
<p>Der Titeltrack – benannt nach dem arabischen Wort für Garn oder Faden – bringt beide Instrumente in besonders enger Verzahnung zusammen. Buzuq und Gitarre scheinen ein gemeinsames Gewebe zu knüpfen, wobei die Herkunft der Melodie kaum zu bestimmen ist: mediterran, vielleicht levantinisch, möglicherweise sogar mit entfernten Bezügen zum Balkan, aber vielleicht laufen diese Überlegungen eines viel nördlicher sozialisierten rezensenten auch insw Leere. &#8220;Bissi&#8221; dagegen flirtet stärker mit monotonen, fast psychedelisch wirkenden Strukturen, über denen sich hochtönende Elemente entfalten, die an Filmscores aus den 70ern erinnern. Auch hier bleibt das Spiel auf der Buzuq klar im Zentrum, aber das Geräuschhafte im Hintergrund entwickelt eine eigene Kraft. Den Abschluss bildet &#8220;Wulidna Fil-Barzakh&#8221; (&#8220;Wir wurden im Fegefeuer geboren&#8221;), das das Instrumentarium fast ins Abstrakte kippt: Die Buzuq klingt wie ein flimmerndes orchestrales Echo, lose verbunden mit dramatischen Spannungen, die an klassische Filmszenen erinnern könnten. Der Sound bleibt dabei in der Lautstärke zurückhaltend, in der Wirkung aber umso eindringlicher, wie ein Schluss, der nicht alles abschließt.</p>
<p>&#8220;Es liegt etwas zutiefst Lebendiges in diesen Aufnahmen&#8221;, heißt es in den Linernotes von Karl Mattar, &#8220;vielleicht wenig überraschend bei einem Projekt, das aus Live-Performances hervorgegangen ist und sich seinen improvisierten Impuls bewahrt hat. Es ist spontan und lebendig – ein eingefangener Atemzug&#8221;. Dem kann man nur zustimmen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1879590471/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>Sametou Sawtan: Album und Tour von Sanam</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 04:22:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die libanesische Band Sanam kündigt für den 19. September ihr zweites Album mit dem Titel &#8220;Sametou Sawtan&#8221; an, das bei Constellation erscheinen wird. Der Albumtitel bedeutet „Ich hörte eine Stimme“ – eine Formulierung, die offenlässt, ob man es mit etwas &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/06/02/sametou-sawtan-album-und-tour-von-sanam/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die libanesische Band Sanam kündigt für den 19. September ihr zweites Album mit dem Titel &#8220;Sametou Sawtan&#8221; an, das bei Constellation erscheinen wird. Der Albumtitel bedeutet „Ich hörte eine Stimme“ – eine Formulierung, die offenlässt, ob man es mit etwas Unheimlichem oder Erleuchtendem zu tun hat. Diese Spannung durchzieht laut abel auch das neue Werk der sechsköpfigen Combo aus Beirut, das sich mit Fragen von Distanz, Verlust und Erinnerung auseinandersetzt. In einer Zeit zunehmender Migration aus dem Libanon verarbeitet die Band ein Lebensgefühl, das zugleich von Verankerung und Entfremdung geprägt ist. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/05/images.disco_single.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-46381" title="images.disco_single" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/05/images.disco_single.jpg" alt="" width="1100" height="1100" /></a><span id="more-46380"></span></p>
<p>Wie Sängerin Sandy Chamoun sagt: &#8220;Das Album ist nicht buchstäblich davon inspiriert, dass alle gehen – aber von der Vorstellung, dass etwas dich verlässt&#8221;. Nach ihrem vielbeachteten Debüt <a title="SANAM: Aykathani Malakon" href="http://africanpaper.com/2023/08/05/sanam-aykathani-malakon/">&#8220;Aykathani Malakon&#8221; (2023)</a> zeigt sich Sanam auf &#8220;Sametou Sawtan&#8221; noch konsequenter in ihrer stilistischen Hybridität. Elemente aus Psychedelic, Krautrock, freier Improvisation, Jazz, arabischer Dichtung und elektronischer Musik werden mit traditionellen Liedformen aus Ägypten und dem weiteren Nahen Osten verflochten zu einer Musik, die gleichsam geschichtsbewusst und gegenwärtig wirkt. Die Aufnahmen entstanden zwischen Paris und dem libanenischen Byblos, produziert von Radwan Ghazi Moumneh.</p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/05/images.disco_.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-46382" title="images.disco" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/05/images.disco_.jpg" alt="" width="1100" height="734" /></a></p>
<p>Mit der Vorabsingle &#8220;Harik&#8221; gibt die Band nun einen ersten Einblick. Das Stück basiert auf einem Text Chamouns und bildet den Ausgangspunkt für das Album. Der Song beginnt mit eruptiven Drums, verzerrter Elektronik und einer Stimme, die atemlos durch das Klangbild schneidet und abwechselnd dazu einen geerdeten, kraftvollen Gesang fast liturgisch anmutender Prägung beisteurt. Chamoun, die <a title="SANDY CHAMOUN: Fata17" href="http://africanpaper.com/2023/01/14/sandy-chamoun-fata17/">solo bereits ein Noisealbum </a>veröffentlicht und im vergangenen Jahr <a title="SANDY CHAMOUN / ANTHONY SAHYOUN / JAD ATOUI: Ghadr" href="http://africanpaper.com/2024/12/07/sandy-chamoun-anthony-sahyoun-jad-atoui-ghadr/">eine opulente Trio-Veröffentlichung </a>mit dem weiteren Sanam-Mitglied Anthony Sahyoun sowie Jad Atoui produziert hat, beschreibt den Text als ein Feuer, das ohne Treibstoff brennt – eine Empfindung, die sich durch viele Stücke des Albums zieht, auch wenn sie nie eindeutig negativ konnotiert ist. &#8220;Es ist eine Falle, aber sie kann auch magisch sein&#8221;, sagt Chamoun. Diese doppelbödige Intensität steht laut Constellation exemplarisch für den Gesamtcharakter von &#8220;Sametou Sawtan&#8221; <span style="font-weight: 300;">Thematisch greift das Album auf Texte aus verschiedenen historischen und kulturellen Kontexten zurück: So findet sich auf dem Album ein Gedicht des libanesischen Autors Paul Shaoul, während andere Texte auf den persischen Mathematiker und Dichter Omar Khayyam zurückgehen. Chamoun betont den gegenwärtigen Bezug solcher Quellen: &#8220;Wenn man Omar liest, fühlt man eine Verbindung zum Jetzt. Das Gefühl, dass es keinen klaren Weg gibt&#8221;. Eigene Texte bilden eine weitere Säule des Albums. </span><span style="font-weight: 300;">Vorgestellt werden soll das Album bei einer ausgedehnten Konzerttour im Juni und Juli durch Kanada und insgesamt sieben europäische Länder mit Stationen u.a. beim Roskilde Festival, Musica Mondo, Rudolstadt, Everyseeker oder Suoni Per Il Popolo. Zwei besondere Konzerte finden zudem im Hotel2Tango-Studio in Montréal statt, dem Sitz ihres neuen Labels.</span></p>
<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/05/images.disco_tour.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-46385" title="images.disco_tour" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/05/images.disco_tour.jpg" alt="" width="1100" height="1376" /></a></p>
<p>Konzertdaten:</p>
<p>14.06 Halifax (CA) Everyseeker<br />
18.06 Calgary (CA) Sled Island<br />
21.06 Montréal (CA) Suoni Per Il Popolo<br />
23.06 Montréal (CA) Hotel2Tango<br />
24.06 Montréal (CA) Hotel2Tango<br />
27.06 Amersfoort (NL) Musica Mundo Festival<br />
28.06 Roveredo (CH) Grin Festival<br />
30.06 Ljubliana (SL) Channel Zero<br />
01.07 Zagreb (HR) Mochvara<br />
02.07 Hamburg (DE) MS Stubnitz<br />
03.07 Roskilde (DK) Roskilde Festival<br />
04.07 Rudolstadt (DE) Rudolstadt Festival<br />
05.07 Rudolstadt (DE) Rudolstadt Festival<br />
07.07 Prag (CZ) Vila Štvanice (via Heartnoize)<br />
09.07 Biel (CH) Pod’Ring Festival</p>
<p>Bandportrait: Mohamad Abdouni</p>
<p><a href="https://lnk.to/cst18"><strong>Alle Links zur Single hier</strong> </a></p>
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		<title>Ripe: Neue LP der Postcards</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Mar 2025 06:47:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 28. März erscheint &#8220;Ripe&#8221;, das fünfte Studioalbum der libanesischen Band Postcards, bei den Labels Ruptured und T3 Records. Das Trio aus Beirut, bestehend aus Sängerin und Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, hat &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/03/08/ripe-neue-lp-der-postcards/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 28. März erscheint &#8220;Ripe&#8221;, das fünfte Studioalbum der libanesischen Band Postcards, bei den Labels Ruptured und T3 Records. Das Trio aus Beirut, bestehend aus Sängerin und Gitarristin Julia Sabra, Schlagzeuger Pascal Semerdjian sowie Gitarrist und Bassist Marwan Tohme, hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2012 als fester Bestandteil der alternativen Musikszene weit über die Landesgrenzen hinaus etabliert. &#8220;Ripe&#8221; markiert eine Weiterentwicklung des charakteristischen Sounds der Band, indem es rohe Intensität mit atmosphärischen Klängen verbindet. <a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/03/ripe.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-45317" title="ripe" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/03/ripe.jpg" alt="" width="1200" height="1200" /></a><span id="more-45316"></span></p>
<p>Die Aufnahmen fanden live in einem Haus in den libanesischen Bergen statt, was der Musik eine besondere Energie verleiht. Unter der Produktion des langjährigen Freundes und Kollegen Fadi Tabbal entstand ein Album, das die Balance zwischen rauer Intensität und üppigen Klanglandschaften hält. Der schon vorab veröffentlichte Song &#8220;Dust Bunnies&#8221;, der bereits mit PJ Harveys dunkleren Momenten verglichen wurde, bietet einen Vorgeschmack auf die düstere und treibende Atmosphäre des Albums, seine Lyrics zeichnen ein eindringliches Bild von Zerstörung und Verfall, durchzogen von einem Gefühl der Unausweichlichkeit. Generell spiegeln die Texte vielfach die Herausforderungen des Lebens im Libanon wider und thematisieren Wut, Trauer und Resilienz.<br />
<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/03/Postcards-by-Nessim-Stevenson.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-45318" title="Postcards by Nessim Stevenson" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/03/Postcards-by-Nessim-Stevenson.jpg" alt="" width="1200" height="931" /></a><br />
Mit &#8220;Ripe&#8221; präsentieren sich Postcards von ihrer bisher kraftvollsten und entschlossensten Seite und bieten ein intensives Hörerlebnis. Das Album &#8220;und unsere Welt mögen am Rand des Zerfalls stehen&#8221;, wie es in den Liner Notes von Karl Mattar heißt, &#8220;doch die Band ist gefestigt, tief verwurzelt – ihre Musik streckt sich weiter nach oben&#8221;. Das Album erscheint als LP, CD und zum Download.</p>
<p>Foto: Nessim Stevenson</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=513149923/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>FADI TABBAL: I Recognize You From My Scetches</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Feb 2025 05:08:53 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Fadi Tabbal, Musiker, Produzent und eine zentrale Figur der libanesischen Experimental- und Alternativszene, legt mit &#8220;I recognize you from my sketches&#8221; ein Album vor, das gleichermaßen introspektiv wie klanglich facettenreich ist. In zehn rein instrumental gehaltenen Stücken, die Samples zahlreicher &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2025/02/08/fadi-tabbal-i-recognize-you-from-my-scetches/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/01/D_IRFYMS_Cover_1400.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-44374" title="D_IRFYMS_Cover_1400" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2025/01/D_IRFYMS_Cover_1400-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Fadi Tabbal, Musiker, Produzent und eine zentrale Figur der libanesischen Experimental- und Alternativszene, legt mit &#8220;I recognize you from my sketches&#8221; ein Album vor, das gleichermaßen introspektiv wie klanglich facettenreich ist. In zehn rein instrumental gehaltenen Stücken, die Samples zahlreicher befreudeter Acts enthalten, verhandelt er Themen wie Identität, Erinnerung und die innere Kluft zwischen Wunsch und Realität. Die Arrangements, geprägt von Gitarren, Tape-Loops und Synthies, bewegen sich <span id="more-44373"></span>zwischen melancholischen Soundscapes und dezenten rhythmischen Akzenten.</p>
<p>Bereits das Eröffnungsstück &#8220;(keep beating)&#8221; fällt durch seine klangliche Fülle und Dichte auf. Trotz des Titels fehlt jegliches offensichtliche Pulsieren, stattdessen entfalten sich Tremolos und ein unterschwelliges Rauschen, begleitet von einer melancholischen Grundstimmung. Das surreale, fast orchestrale Ambiente wird durch subtile unterschwellige Bewegungen im Untergrund kontrastiert. Auch &#8220;Absence or death&#8221; operiert mit minimalen, aber wirkungsvollen Mitteln: Eine wiederkehrende akustische Gitarrenfigur entwickelt sich langsam zu einer vielschichtigen Interaktion mit zurückhaltenden Klangelementen.</p>
<p>Hier scheint sich viel im Halbverborgenen zu ereignen, das mit den offensichtlicheren, vordergründigeren Ereignissen nicht kongruent ist und zugleich mit diesem eine interessante Interaktion eingeht. An Stellen wie dieser muss man Tabbals befreundete Musikerinnen und Musiker &#8211; <a title="JULIA SABRA: Natural History Museum" href="http://africanpaper.com/2024/11/02/julia-sabra-natural-history-museum/">Julia Sabra</a>, <a title="CHARBEL HABER: The Delightful Sights And Sounds Of A Decaying Nation" href="http://africanpaper.com/2020/09/12/charbel-haber-the-delightful-sights-and-sounds-of-a-decaying-nation/">Charbel Haber</a>, <a title="JAD ATOUI / JAWAD NAWFAL / SHARIF SEHNAOUI: Modern Individual" href="http://africanpaper.com/2024/06/15/jad-atoui-jawad-nawfal-sharif-sehnaoui-modern-individual/">Sharif Sehnaoui</a>, <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Pascal Semerdjian</a>, <a title="SANDY CHAMOUN / ANTHONY SAHYOUN / JAD ATOUI: Ghadr" href="http://africanpaper.com/2024/12/07/sandy-chamoun-anthony-sahyoun-jad-atoui-ghadr/">Anthony Sahyoun</a>, Marwan Tohme und Ghassan Sahhab &#8211; erwähnen: Personen, die im Leben und Werk des Künstlers immer wieder eine wichtige Rolle gespielt haben und deren Samples und Zitate unter der Oberfläche auch den Sound des vorliegenden Albums prägen, was sehr zu der persönlichen Thematik passt, denn jede Biografie, jede persönliche Erinnerung wäre nicht was sie ist ohne das Wirken anderer. Die Halbdurchsichtigkeit der Sounds jedenfalls erzeugt so eine Spannung, die sich nie vollständig auflöst und auch die Frage offenlässt, ob wirklich nur die Abwesenheit das Leben schützt.</p>
<p>Eine besondere spannungsgeladene Wegmarke des Albums ist &#8220;Oh heart, are you burning&#8221;, das durch metallische Percussion und knarrende, verzerrte Dröhnungen eine bedrohliche Atmosphäre schafft. Die Dynamik steigert sich kontinuierlich, und die Klangwelt wird gegen Ende von obertonreichen Elementen dominiert, die eine beeindruckende Intensität erreichen. &#8220;You were right&#8221; hingegen wirkt unmittelbarer, direkter, kontrastierender: Hier treffen metallene Geräusche und der eine oder andere Goldregen auf einem Saiteninstrument auf dröhnendes, qualmwolkenartiges Rauschen, das sich zu einem intensiven Spannungsbogen verdichtet. Die Unvorhersehbarkeit des Stücks macht es besonders packend.</p>
<p>Im vergleichsweise sanften &#8220;(keep pumping)&#8221; überrascht Tabbal mit einer darkjazzartigen Gitarrenlinie, die in eine gelassen melancholische Stimmung eingebettet ist. Der Titel wirkt dabei wie ein Imperativ, der eine innere Konstantheit trotz aller Herausforderungen betont, und wieder kommt in diesem Stück kein wirkliches rhythmisches Pulsieren vor. Mit &#8220;(keep thumping)&#8221; schließt sich weiter hinten &#8211; nach &#8220;When We Swam Together&#8221;, das wie eine starke Komposition für ein Bläserorchester anmutet &#8211; dann ein Stück an, das rhythmisch geprägt ist – jedoch nicht durch klassische Beats, sondern durch perkussive Anschläge auf Saiten, die mit hohen, dröhnenden Klängen kombiniert werden.</p>
<p>Das finale Stück &#8220;I am all that is left&#8221; bietet einen ergreifenden Abschluss, indem es einmal mehr orchestrale Elemente aufgreift und in einem beeindruckenden Klangbild zusammenführt. Insgesamt überzeugt &#8220;I recognize you from my sketches&#8221; durch seinen minimalistischen Ansatz, der dennoch tief in emotionale und klangliche Schichten vordringt. Der Künstler selbst betont den stark persönlich eingefärbten Schwerpunkt des Albums: &#8220;I’ve struggled with mental health issues for most of my life, always affected by loneliness, missed opportunities, the violence of the city, and the cruelty of some of its inhabitants. I found solace only through composing music. I recognize you from my sketches is an album of ten instrumental pieces, a breakup album between who we want to be and who we turned out to be&#8221;.</p>
<p>In jedem Fall schafft es Fadi Tabbal, all diese persönliche Themen subtil und gleichsam markant in seinen Kompositionen zu verarbeiten, und beweist damit ganz nebenbei einmal mehr, warum er zu den innovativsten Künstlern der Region zählt. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Ruptured</strong></p>
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		<title>SANAM: Aykathani Malakon</title>
		<link>https://africanpaper.com/2023/08/05/sanam-aykathani-malakon/</link>
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		<pubDate>Sat, 05 Aug 2023 05:45:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu den reichhaltigsten Platten, die in diesem Jahr das Licht der Welt erblicht haben, zählt fraglos &#8220;Aykathani Malakon&#8221; der libanesischen Band Sanam, die so etwas wie eine Supergroup ist, da ihre Mitglieder alle in anderen Bands oder solo aktiv sind &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/08/05/sanam-aykathani-malakon/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/07/sanam.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-36388" title="sanam" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/07/sanam-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Zu den reichhaltigsten Platten, die in diesem Jahr das Licht der Welt erblicht haben, zählt fraglos &#8220;Aykathani Malakon&#8221; der libanesischen Band Sanam, die so etwas wie eine Supergroup ist, da ihre Mitglieder alle in anderen Bands oder solo aktiv sind und in ihrem Land keineswegs unbekannt. Mindestens im Falle der Sängerin <a title="SANDY CHAMOUN: Fata17" href="http://africanpaper.com/2023/01/14/sandy-chamoun-fata17/">Sandy Chamoun</a>, des Drummer <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Pascal Semerdjian</a> und des primär für die Elektronik zuständigen <a href="http://africanpaper.com/tag/anthony-sahyoun/">Anthony Sahyoun</a> sollte das auch bei unseren Lesern gelten, und auch die <span id="more-36386"></span>Namen Antonio El Hajj Moussa (Bass, Elektronik), Farah Kaddour (Buzuq) und Marwan Tohme (Guitars, Elektronik) sowie der des Studiomannes <a href="http://africanpaper.com/tag/jerusalem-in-my-heart/">Radwan Ghazi Moumneh</a> sind hier schon vereizelt gefallen.</p>
<p>Die Idee zu ihrer furiosen Mixtur aus improvisiert anmutendem und immer mal noisigen Rock, arabischsprachiger Poesie und Ansätzen regionaler Populärmusik ging auf einen Aufenthalt des Norddeutschen Hans-Joachim Irmler (Faust) zurück, der für das Irtijal Festival vor zwei Jahren nach Beirut reiste und eine Band für einen Workshop und Auftritt zusammentrommelte. Die Vorbereitungen dazu waren auch die Geburtsstunde des vorliegenden Debütalbums, das einige Monate später in einem abgelegenen Ort in den libanesischen Bergen live in einem kleinen Studio aufgenommen wurde. Dass man unter Umständen &#8211; soviel sei gleich zu Beginn vorweg genommen &#8211; ohne die entsprechenden Sprachkenntnisse die Texte nur in ihrer sinnlich-atmosphärischen Dimension wahrnimmt, tut dem ästhetischen Wert des Albums keinen Abbruch.</p>
<p>Der Titel &#8220;Aykathani Malakon (An Angel Woke Me)&#8221;, der in arabischen Lettern &#8220;ص​ن​م &#8211; أ​ي​ق​ظ​ن​ي م​ل​ا​ك&#8221; lautet, entstammt einem Gedicht des libanesischen Lyrikers Bassem Hajjar, welches gleich im Opener vertont wird. Dieser startet mit einer aufgeweckten Saitenmelodie, die gut zum Titel passen will, doch schon bald bringen die restlichen Instrumente eine Zerfleddertheit ins Bild, die an eine apokalyptisch tobende Karusellfahrt erinnert und vor deren Kulisse Chamouns Gesang, der recht bald auftaktlos einsetzt und in seinem leicht erschöpften Tonfall an ihr ungleich noisigeres Soloprojekt anknüpft, ungemein stoisch wirkt. Auch im weiteren Verlauf entpuppt sich der theatralische Kontrast zwischen Understatement und musikalischer Eruptivität als ein starkes Stilmittel, und auf gewisse Weise findet sich dies auch im Zusammenspiel von aufgeweckt tanzbaren Rhythmen und einem desolat detonierenden Glockenloop im folgenden &#8220;Bell&#8221;. Was hier anfangs wie eine straighte Fahrt durch eine instrumentale Klanglandschaft anmutet, offenbart mit der Zeit immer neue Ideen: Geheimnissvolle Ornamente auf der Bouzouk, kratzige E-Gitarren, die an diverse Schnittstellen von Krautrok und Wave erinnern und letztlich wieder Chamouns Gesang, der irgendwann einsetzt. Das Video mit dem Tänzer Eid Hemaoui einer in Tripoli ansässigen Sufi-Gruppe gibt all dem eine weitere Note.</p>
<p>&#8220;Ayouha Al-Taiin Fi Al-Mawt (He Who Stabs Death)&#8221; ist ganz um einen von der Sängerin diesmal nur rezitierten Text des Dichters Paul Chaoul herum gebaut: Schon im noch ganz ohne Instrumente beginnenden Auftakt klingt ihre Stimme entschlossen und kämpferisch, was durch einen leicht nervösen Unterton noch untermauert wird. Setzen die Instrumente &#8211; zischelnde Becken, Gitarren und einiges mehr &#8211; ein, bleibt diese Haltung noch lange bestehen, erst mit der Zeit, wenn sich auch die musikalische Kulisse immer mehr in Tempo und Fülle steigert, überschlagen sich auch die stimmlichen Ereignisse, eine spannungsvolle Aufgeregtheit verbreitet sich und man wartet nur noch auf den erlösenden Ausbruch, der sich dann recht subtil ereignet, bevor das Stück wieder in reine, wenngleich nun atemlose Rezitation mündet. Das auf einer Arbeit des ägyptischen Komponisten Sayyid Darwish basierende &#8220;Ya Nass (O People)&#8221;, in dessen vergleichsweise ambienter Struktur die Bouzouk besonders zur Geltung kommt, wirkt trotz rauer Momente vergleichweise kontemplativ.</p>
<p>Man könnte zu jedem Song viel schreiben, denn in jedem der Stücke offenbart das Album weitere Charakterzüge ihrer Mixtur aus Tradition und Innovation, aus Reginalem und Globalem &#8211; Züge, die sich oft interessanten (und niemals banal-plakativen) Kontrasten verdanken, durch die die durchaus auch im herkömmlichen Sinne reizvollen Melodien und Harmonien stets vor der Falle des nur-Schönen bewahrt werden. Im weniger textlastigen, aber keineswegs gesangsfreien &#8220;Shajar Al-Touti (The Mulberry Trees)&#8221; entfaltet sich ein von der Klangquelle her schwer ortbarer Goldregen vor einem rauen Hintergrund, in &#8220;Oulo La Emmo (Tell His Mother)&#8221; mit seinen kämferischen Trommelwirlbeln hält sich über drei Minuten das Gefühl einer (Un-)Ruhe vor dem (eigentlichen) Sturm, der rockige Takt, der sich die ganze Zeit über herauszukristallisieren scheint, bleibt aber im Hintergrund, entfaltet sich erst im schwindelerregenden Instrumentalstück &#8220;94&#8243;.</p>
<p>In den abschließenden Minuten macht sich mehr als zuvor eine angenehme Sanftheit bemerkbar, die atmosphärisch eher an Akzeptanz als an so etwas wie ein glückliches Emde erinnern mag. An ein solches mag man auch bei einem Titel wie &#8220;Mouathibatti (My Torturer)&#8221; nicht als erstes denken. In diesem Stück entfalten Stimme, bedächtige Drums und Saiten mit ihren fantasievollen Glissandi eine (trügerische?) Smoothness, die von einem Lachen quittiert wird, bevor der ganze Reigen im ambienten &#8220;Rings&#8221; seinen Schluss findet. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Mais Um Discos</strong></p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=28722548/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
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		<title>Ich hatte das Gefühl, dass die Stadt Zeuge einer Gewalt war, die niemand erwähnen wollte. Interview mit Mayssa Jallad</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Apr 2023 04:36:17 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Anfang des Jahres erschien das erste Soloalbum der libanesischen Sängerin, Musikerin und Architektin Mayssa Jallad, die zuvor bei der Band Safar und in einigen weiteren Konstellationen in Erscheinung getreten ist. Das international mit großem Interesse rezipierte &#8220;Marjaa: The Battle of &#8230; <a href="https://africanpaper.com/2023/04/29/ich-hatte-das-gefuhl-dass-die-stadt-zeuge-einer-gewalt-war-die-niemand-erwahnen-wollte-interview-mit-mayssa-jallad/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-35286" title="MAYSSA JALLAD 3 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-3-c-ELY-DAGHER-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Anfang des Jahres erschien das erste Soloalbum der libanesischen Sängerin, Musikerin und Architektin Mayssa Jallad, die zuvor bei der Band Safar und in einigen <a title="V.A.: Beirut Adrift" href="http://africanpaper.com/2022/11/12/v-a-beirut-adrift/">weiteren Konstellationen</a> in Erscheinung getreten ist. Das international mit großem Interesse rezipierte <a title="MAYSSA JALLAD: Marjaa" href="http://africanpaper.com/2023/02/25/mayssa-jallad-marjaa/">&#8220;Marjaa: The Battle of the Hotels&#8221;</a> erzählt in melancholischen Folksongs und ebenso in zerfledderten Eruptionen die Geschichte des Hotel District im Zentrum Beiruts, das zu Beginn des libanesischen Bürgerkriegs Schauplatz und zugleich Akteur wesentlicher <span id="more-35281"></span>Kampfhandlungen wurde &#8211; eine Geschichte, die weit in die Zeit vor dem Krieg zurückreicht und in ihren Nachwehen bis heute andauert. Als Bewohnerin der Stadt und zugleich Architektin hat die Musikerin über einen Zeitraum von fünf Jahren zahlreiche Facetten in ihre Texte verwoben, die aus der Perspektive der Gebäude verfasst sind. Die Verwobenheit von Architektur, Gesellschaft, Identität und Krieg aufzuzeigen sind ein ebenso großes Anliegen wie das Schaffen eines Bewusstseins auch für die verantwortlichen Akteure der Ereignisse, doch zugleich ist das Album auch eine berührende Hommage an ein dissoziiert wirkendes Zuhause voller geisterhafter Orte. Um diese Dinge, aber auch um die vielen Musikerinnen und Musiker, die sich an dem Projekt beteiligt hatten, geht es im folgenden Interview.</strong></p>
<p><strong><a title="I felt that the city had witnessed a violence that nobody wanted to mention. Interview with Mayssa Jallad" href="http://africanpaper.com/2023/04/29/i-felt-that-the-city-had-witnessed-a-violence-that-nobody-wanted-to-mention-interview-with-mayssa-jallad/">English Version</a></strong></p>
<p><em><strong>Neben deiner Tätigkeit als Musikerin und Sängerin hast du auch Architektur studiert und arbeitest in verschiedenen Bereichen in diesem Metier. In deinem Album „Marjaa“ verbindest du die beiden kreativen Felder zu einer Einheit. Hast du Musik und Architektur schon immer als irgendwie miteinander verbunden gesehen oder ist es das Ergebnis einer neueren Entwicklung?</strong></em></p>
<p>Während meines Architekturstudiums an der American University of Beirut (AUB) habe ich es geliebt, Theater und Räume für Aufführungen zu entwerfen, und habe sie oft in verlassene Gebäude in Beirut gesteckt, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber dann trat ich in die Welt der Architekturbüros ein und es wurde unrealistisch, meine eigenen Entwürfe zu erstellen. Die Hierarchie und Praktikabilität der Architekturpraxis machten es mir schwer, eine Stimme zu haben. Andererseits kam mir das Kreieren von Musik über Architektur erst später in den Sinn, und zwar in einem sehr entscheidenden Moment meines Lebens. Während meiner Graduiertenschule in New York hatte ich eine Abschlussarbeit über Beiruts Schlacht um die Hotels geschrieben, und es bedeutete mir viel, mich mit dieser schwierigen und bedeutsamen Geschichte zu befassen. Nach der Graduiertenschule habe ich in einem Architekturbüro in Manhattan gearbeitet und musste den Blick von Beirut und der Forschung abwenden. Das starre 9 to 5 hat mir das Musikmachen sehr schwer gemacht, und diese Erkenntnis hat mich deprimiert. Da beschloss ich, nach Beirut zurückzukehren und Musik über die Architektur meiner Stadt zu machen und durch Musik schwierige Schichten der Vergangenheit freizulegen. Es hat mein Leben verändert.</p>
<p><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=1872657994/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=2677289648/transparent=true/" width="320" height="240"></iframe></p>
<p><em><strong>Kannst du uns einen Überblick über deinen musikalischen Hintergrund geben? Was waren deine ersten Aktivitäten und die wichtigsten Meilensteine als Sängerin?</strong></em></p>
<p>Meine Eltern haben mich schon in jungen Jahren zum Klavierunterricht angemeldet und ich lernte bei mehreren Lehrern, bis ich ungefähr 16 war. Dann lernte ich bei einem Freund der Familie Gitarre und begann ungefähr zur gleichen Zeit zu schreiben und zu singen. Ich sang im Sommercamp, bei Schulkonzerten, im klassischen Chor der Universität, ich war eine Zeit lang in einer Bluesband, sogar in einer A-Capella-Gruppe. 2010 schrieb ich einen Jingle, der mir einen Platz bei einem Straßenfest in Beirut einbrachte, auf einer großen Bühne, die die ganze Straße sperrte. Mein Freund Elie Abdelnour spielte an diesem Abend mit mir Gitarre, und wir fingen an, Coverversionen in kleinen Pubs in der ganzen Stadt zu spielen. Ein paar Jahre später nahmen wir an einem offenen Mikrofonwettbewerb namens Beirut Open Stage (BOS) teil und gewannen. Wir gründeten die Band Safar und lernten dank BOS den Produzenten Fadi Tabbal kennen, und da begannen wir mit der Arbeit an unserer ersten EP „23 Kilograms“. Das war 2014. Wir traten an fast jedem Veranstaltungsort in Beirut auf, sogar an einigen Orten in Europa und den USA, und schrieben 4 EPs zusammen, die letzten zwei auf Distanz, seit Elie und ich bereits für die Graduiertenschule in die USA gezogen waren. Dann, im Jahr 2018, beschloss ich, nach Beirut zurückzukehren, um das experimentelle Soloprojekt &#8220;Marjaa&#8221; zu starten… was 5 Jahre Arbeit gekostet hat! In der Zwischenzeit nahm ich an den Protesten der Revolution vom 17. Oktober 2019 teil und wurde Teil einer Gruppe, die Protestlieder schrieb. Ich habe im Sommer 2021 auch ein paar Songs veröffentlicht, als ich Teil des OneBeat-Stipendiums in Beirut war: „Madina Min Baeed“ mit Khaled Allaf und „Bi Kheir“ und „Fil Aatma“ mit der Supergroup Baada Ab.</p>
<p><em><strong>Ich habe Beirut als eine sehr vielfältige Stadt erlebt, und was mir unter anderem aufgefallen ist, war die oft starke architektonische Heterogenität, manchmal sogar auf engstem Raum, und ich vermutete, dass dies etwas mit den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen in der Moderne zu tun hatte sowie mit dem Bürgerkrieg. Hat Beirut in dieser Hinsicht viel zu deiner Entscheidung, Architektur zu studieren, beigetragen?</strong></em></p>
<p>Ich denke, die Vielfalt der Architektur in Beirut rührt von einer historischen und politischen Unmöglichkeit der Stadtplanung und -erhaltung her. Die Stadt hat sich seit ihren Anfängen ständig verändert, ist verschwunden und gewachsen. Widersprüche sind eingebettet in seine Menschen, seine Nachbarschaften und die Architektur. Als ich aufwuchs, hatte ich das Gefühl, dass die Stadt Zeuge einer Gewalt war, die niemand erwähnen wollte. Große Immobilien verschlangen ganze Gemeinden und löschten bedeutungsvolle Orte aus. Der Besuch der Architekturschule in Beirut diente genau dazu, diese Geschichte aufzudecken und meine Stadt besser zu verstehen und auch zu begreifen, wie die Vergangenheit sie in der Gegenwart leiden ließ.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/p_WCuXe6sfI" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In deinem neuen Album beschäftigst du dich mit einer Reihe historischer Ereignisse während des libanesischen Bürgerkriegs, bekannt als die Schlacht um die Hotels, ein Thema, über das du auch deine akademische Abschlussarbeit geschrieben hast. Was hat dich an dem Thema so beeindruckt und berührt?</strong></em></p>
<p>Es begann an der Architekturschule der American University of Beirut (AUB). Ich interessierte mich für die modernistischen Gebäude von Beirut, die eine Geschichte im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg hatten. Ich verband sie mit Mitgliedern meiner Familie und hatte das Gefühl, dass sie meine Hilfe brauchten. Ich wollte ihre Geschichte, ihre Krankheiten aufdecken und in ihnen etwas Neues entwerfen, das ihnen helfen würde, Beirut heute zu überleben.</p>
<p>In der Graduiertenschule wollte ich mich auf das Holiday Inn konzentrieren, ein riesiges verlassenes Hotel, über das ich an der Universität ein Studio gemacht hatte. Als ich meinem Diplomarbeitsbetreuer erzählte, dass das Hotel am Kampf der Hotels „mitgemacht“ hat, war er fasziniert. Mir wurde klar, dass wir ein urbanes Phänomen, das nicht nur lokal von Bedeutung war, sondern globale Auswirkungen hatte, für selbstverständlich hielten: Es war das erste Mal überhaupt, dass Wolkenkratzer in einem Häuserkampf eingesetzt wurden.</p>
<p><em><strong>Als du das Album aufgenommen hast, welche Ideen waren zuerst da – die inhaltliche Erzählung oder deine Vorstellungen von der Musik? Oder kamen beide relativ gleichzeitig zusammen?</strong></em></p>
<p>Für Teil A (Tracks 1 bis 4) habe ich den Text und die grundlegenden Akustikgitarrenparts gewissermaßen voneinander abhängig geschrieben, da die Idee, mit einer alten Karte spazieren zu gehen, aus meiner Abschlussarbeit stammt, die über das Gebiet der Hotels recherchiert und alle Karten darüber gelegt hat &#8211; geschockt darüber, wie sehr sich die Stadt verändert hatte. Youmna Saba half mir bei der Gesangsmelodie und brachte ihre eigene Stimme und Oud in den Mix ein. Dann dachte <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">Fadi Tabbal</a> an die Gitarren-Layer und Drones von Marwan Tohme. Nachdem wir Teil A aufgenommen hatten, fragte ich Fadi, was wir seiner Meinung nach als nächstes tun sollten, und da sagte er: „Du wirst jetzt den Kampf schreiben, oder?“ Also stellte ich mich der Herausforderung, meine These in Texte zu übersetzen und dann die dazugehörigen Gitarrenakkorde zu schreiben. Außer „Markaz Azraq (6. Dezember)“, das war ein Lied, das ich zuvor unabhängig geschrieben hatte und dessen Text ich geändert habe, um das vorliegende Ereignis zu beschreiben. Nachdem ich den gesamten Teil B geschrieben hatte, hörte Fadi ihn sich an und assoziierte verschiedene Sounds und Texturen damit, und wir begannen im Studio mit seiner E-Gitarre zu experimentieren. Wir haben dann verschiedene Musiker zur Zusammenarbeit hinzugezogen, insbesondere bei einigen Songs, bei denen wir uns am liebsten ganz herausgehalten hätten: „Al Hisar“, das Farah Kaddour improvisiert hat, „Holiday Inn (March 21 to 29)“, das Sary Moussa produziert und komplett vertont hat und „Al Irth“, das <a title="ELYSE TABET / PASCAL SEMERDJIAN / YARA ASMAR: Low Toms Bright Bells and Darkest Spells" href="http://africanpaper.com/2023/01/07/elyse-tabet-pascal-semerdjian-yara-asmar-low-toms-bright-bells-and-darkest-spells/">Yara Asmar</a> improvisiert hat.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/7p9RqXyTi6Q" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p><em><strong>In den ersten Songs des Albums bekommt man die Perspektive einer Person, die durch eine Stadt geht und versucht, einer Karte aus einer vergangenen Zeit zu folgen. Es ist wie eine melancholische Kontemplation über das Wesen (brutaler) historischer Veränderungen und Sackgassen. Wie nahe kommt das deinem persönlichen Gefühl, in dieser Stadt zu Hause zu sein?</strong></em></p>
<p>Ich glaube, ich spüre das am stärksten in den Gegenden, in denen ich das Gefühl habe, dass Gebäude und Straßen in Beirut menschenleer sind. Bei all diesen Entwicklung frage ich mich, für wen sie eigentlich gut sind. Ist es wirklich Fortschritt, wenn sich niemand daran erfreuen kann? Je mehr ich über die Innenstadt von Beirut recherchiere, desto deutlicher wird mir das Ausmaß der Zerstörung, die während des „Wiederaufbaus“ geschah. Was für ein schreckliches Gefühl muss es für die Generationen sein, die älter sind als ich, die Zeugen des Verschwindens ihrer ganzen Stadt geworden sind.</p>
<p><em><strong>Einer der Texte erwähnt auch Geister. In welcher Form, glaubst du, kann man diese Geister – bildlich gesprochen? &#8211; an genau diesen Stellen fühlen?</strong></em></p>
<p>Viele Menschen starben durch die Kugeln von Scharfschützen, die sich in den Türmen der Schlacht um die Hotels versteckten, nämlich dem Murr Tower und dem Holiday Inn. Dies waren vorsätzliche Tötungen von Personen, die sich auf der „anderen Seite“ befanden, von denen viele unschuldige Zuschauer waren. Das Leben so vieler Menschen wurde durch diese Entscheidung, in die Stadt einzudringen, auf den Kopf gestellt und zerstört. Viele Einwohner wurden an Kontrollpunkten entführt oder bei Massakern getötet, wie ich sie in „Markaz Azraq“ und „Holiday Inn (Januar bis März)“ beschreibe. Und später war die grüne Linie, die am Ende der Hotelschlacht zwischen Ost- und West-Beirut geschaffen wurde, ein so gefährlicher Raum, dass sie menschenleer und von üppigem Grün überwuchert wurde, ein verlassener Streifen der Stadt, für 15 Jahre. Dies sind die Geister, die immer noch unter uns umherstreifen, da ihrer Tötung keine Gerechtigkeit widerfahren ist.<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35288" title="MAYSSA JALLAD 4 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-4-c-ELY-DAGHER.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>In weiten Teilen des Albums gibst du den Hotelgebäuden eine eigene Stimme und machst sie zu Protagonisten und Erzählern der historischen Ereignisse. Was hat dich zu dieser Idee gebracht?</strong></em></p>
<p>Das Personifizieren von Gebäuden ist eine Entdeckung, die ich in meinem letzten Jahr in Architektur an der Universität gemacht habe. Mir wurde klar, dass ich verschiedene Mitglieder meiner Familie mit verschiedenen Gebäuden in Verbindung gebracht hatte, die ich während meiner Zeit an der Architekturschule studiert hatte, und ich schlug Designideen vor, die auf den verschiedenen Persönlichkeiten basierten, die ich mit den Gebäuden assoziierte. Dann, ein paar Jahre später, als die Idee aufkam, Musik über Architektur zu schreiben, schrieb ich einen Song namens „Madina Min Baeed“, in dem ich die Stadt verkörpere (man kann den Text in der Beschreibung des Musikvideos nachlesen) … also ich schätze mal, als die Herausforderung aufkam, den Kampf der Hotels zu schreiben, war das instinktivste Werkzeug für mich, es aus der Sicht des Gebäudes zu schreiben &#8211; des Gebäudes als einer Art Waffe, die in verschiedene Hände fällt und gezwungen ist, sich je nach Farbe des Eindringlings zu „färben“.</p>
<p><em><strong>Wie groß war der Input an Ideen, die die anderen beteiligten Musiker in das Projekt eingebracht haben?</strong></em></p>
<p>Die Musiker, mit denen ich zusammengearbeitet habe, hatten einen großen Einfluss darauf, wie die Musik des Albums letztlich klang. Fadi Tabbal ist Co-Autor, da er meine anfänglichen Ideen, die ich auf der Akustikgitarre geschrieben habe, aufgegriffen und begonnen hat, sich räumliche Qualitäten und Klänge vorzustellen. Youmna Saba ist Co-Autorin, weil ich bereits vor der Arbeit mit Fadi mit ihr in einem Workshop „Etel“ und „Kharita“ produziert habe und sie die Idee von Stimme und Melodie als Ausdruck räumlicher Qualität eingebracht hat, was mich wirklich umgehauen hat. Sary Moussa ist Co-Autor, weil er die Musik von „Holiday Inn March 21 to 29“ vollständig geschrieben hat, nur basierend auf den Tracks davor und danach. Farah Kaddour und Yara Asmar improvisierten ihre Stücke basierend auf minimalen Aufforderungen von Fadi und mir. Pascal Semerdjians Schlagzeug war ebenfalls sehr intuitiv, sehr geprägt von seiner brillanten Sensibilität. Marwan Tohme lieh mir seine Gitarrenkünste, und er und Julia Sabra wurden der Chor in „Markaz Azraq“.</p>
<p><em><strong>Alle Kollaborateure, die ich auf dem Album kenne, haben ihre eigenen kreativen Projekte. Hast du schon einmal mit einem von ihnen gearbeitet? Ich nehme an, die meisten kennst du schon eine ganze Weile…</strong></em></p>
<p>Ich habe mit Fadi und Postcards (Julia, Pascal und Marwan) mit meiner vorherigen Band Safar zusammengearbeitet. Wir kennen uns seit 10 Jahren! Fadi produzierte die 4 EPs von Safar, trat bei mehreren Gelegenheiten mit uns auf und schrieb auch ein paar Songs mit uns zusammen. Pascal spielte Schlagzeug auf Safar-Platten, Julia nahm einige Backing-Vocals für uns auf und Marwan trat bei unserem letzten Konzert mit uns auf. Wir sind gute Freunde und ich liebe all ihre Projekte, ob Fadis Soloarbeit, die Bunny Tylers, Postcards, Sanam oder die jüngste Zusammenarbeit von Fadi und Julia namens <a title="Gemeinsames Album von Julia Sabra und Fadi Tabbal" href="http://africanpaper.com/2022/11/07/gemeinsames-album-von-julia-sabra-und-fadi-tabbal/">&#8220;Snakeskin&#8221;</a>. Ich habe Youmna auch vor 10 Jahren getroffen, aber das ist das erste Mal, dass wir zusammengearbeitet haben. Ich bin so dankbar und bewundere sie so sehr als Mensch und Künstlerin. Ich habe Sary vor ein paar Jahren kennengelernt und habe seine Arbeit immer geliebt. Ungleichgewicht ist ein Juwel! Ich habe Farah und Yara 2021 während eines Musikstipendiums namens Onebeat in Beirut kennengelernt. Farah und ich arbeiten auch zusammen an einer neuen Aufführung, daher war es großartig, ihren wunderbaren Geist kennenzulernen! Es war ein Segen und ein Traum, dass all diese talentierten Musiker an meinem Solo-Debütalbum mitgearbeitet haben!</p>
<p><em><strong>Wie war bisher das Feedback in deiner Stadt oder in deinem Land? Gab es besondere Reaktionen? Ich habe gerade Ausschnitte von einem sehr schönen Release-Konzert gesehen..</strong></em></p>
<p>Danke schön! Es war bisher sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass die Leute bereit sind, über diese schwierige Geschichte zu sprechen. Die Konzerte waren sehr emotionale Momente, die Stille und Anspannung sind so greifbar. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass die Leute zuhören und die Geschichte verstehen wollten. Jüngere Menschen kamen zu mir und drückten ihre Erleichterung darüber aus, endlich öffentlich über diese Geschichte gesprochen zu haben. Und ältere Leute sind zu mir gekommen und haben ihre eigenen persönlichen Geschichten darüber erzählt, wie sie den Kampf der Hotels erlebt haben. Eine Person kam auf mich zu und sagte: „Ich habe mich immer gefragt, warum so etwas nicht schon früher gemacht wurde. Du hast es geschafft.&#8221;<a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-35289" title="MAYSSA JALLAD 6 (c) ELY DAGHER" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2023/04/MAYSSA-JALLAD-6-c-ELY-DAGHER.jpg" alt="" width="4740" height="3160" /></a></p>
<p><em><strong>Zu welcher Art von Diskussion – in deinem Land, aber auch im Ausland – möchtest du mit dem Album und den zugrundeliegenden Ideen beitragen?</strong></em></p>
<p>Ich möchte, dass die Leute verstehen, dass denen, die die Stadt einst zerstört haben, niemals zugetraut werden kann, sie „wieder aufzubauen“, egal wie sehr sie versuchen, ihr Image aufzupolieren. Die gesamte Daseinsberechtigung jeder Miliz, die zu einer politischen Partei wurde, basiert darauf, die Menschen zu spalten. Wie können wir ein Land aufbauen, das auf ihrer Ideologie basiert? Stellen wir uns eine Welt ohne sie vor! Auf globaler Ebene, denke ich, bezieht sich jeder auf die eine oder andere Weise auf dieses Phänomen der urbanen Kriegsführung: Ob man beobachtet, wie sich eine Stadt auf der Grundlage der finanziellen Gewinne einiger weniger verändert, oder Zeuge der urbanen Kriegsführung in Städten auf der ganzen Welt ist, Beirut ist eine Fallstudie des Worst-Case-Szenarios, in mehr als einer Hinsicht.</p>
<p><em><strong>Du arbeitest auch für PROCOL Libanon, ehemals Relief Centre, das sich nach eigener Beschreibung „auf die Bereitstellung einer integrativen und wohlhabenden Zukunft für von Massenvertreibungen betroffene Gemeinschaften“ konzentriert. Siehst du eine starke Verbindung zwischen deiner historischen Forschung (einschließlich des Albumkonzepts) und diesen gegenwärtigen Aktivitäten?</strong></em></p>
<p>Ich habe &#8220;Marjaa: the Battle of the Hotels&#8221; basierend auf meiner Diplomarbeit geschrieben, die ich 2017 geschrieben habe. Vielleicht basiert &#8220;Marjaa 2&#8243; auf den Recherchen, die ich seit Januar 2019 mit PROCOL Libanon durchgeführt habe … die Zeit wird es zeigen.</p>
<p><em><strong>Also wird das Projekt in Zukunft noch weitere neue Facetten bekommen. Denkst du auch bereits an ganz neue Ideen?</strong></em></p>
<p>Sich nicht zwischen Musik und Architektur entscheiden zu müssen, war ein unglaubliches Experiment, und ich bin denen so dankbar, die daran glauben und helfen, es Wirklichkeit werden zu lassen. Für mich ist das erst der Anfang für Marjaa.</p>
<p>Interview: U.S.</p>
<p>Fotos © Ely Dagher</p>
<p><strong>@ <a href="https://rupturedonline.com/">Ruptured</a> | <a href="https://rupturedthelabel.bandcamp.com/album/marjaa-the-battle-of-the-hotels">Bandcamp</a> | <a href="https://soundcloud.com/ruptured">Soundcloud</a> | <a href="https://www.instagram.com/mayssajallad/">Instagram</a></strong></p>
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