CATHERINE GRAINDORGE / HUGO RACE: Long Distance Operators

Wenn Catherine Graindorge und Hugo Race ihr erstes gemeinsames Album und gewissermaßen auch ihr temporäres Projekt „Long Distance Operators“ nennen, kann man das auf die geografische Entfernung münzen, die zwischen dem australischen Sänger und Songschreiber und der Belgierin, die nicht nur eine Geigerin, sondern auch Komponistin, Sängerin und Schauspielerin ist, liegt. Der Titel passt aber auch gut zur unterschiedlichen musikalischen Herangehensweise der beiden: Zwischen den dunklen, eingängigen Songs des Australiers, dessen Wurzeln im Weiterlesen

ANGELINA YERSHOVA: Resonance Night

Angelina Yershova, deren voriges Album „Piano’s Abyss“ ich vor kurzem vorgestellt habe, verfeinert seit einigen Jahren ihren hybriden Stil als Komponistin, Pianistin und Studiofrau. Schon in materieller Hinsicht ist es ihr ein Anliegen, das Potential ihres Instruments voll auszuschöpfen, denn sie kombiniert herkömmliches Tastenspiel mit vielfältigen Zugriffen auf das Innere des Flügels, bezieht also die innere „Harfe“ mit ein und nutzt verschiedene Holz- und Metallteile als Weiterlesen

NURSE WITH WOUND: The Great Ecstasy of the Basic Corrupt

Die beiden Alben „The Great Ecstasy of the Basic Corrupt“ und „Silver Bromide“ erschienen vor knapp drei Jahren auf streng limitierten LPs als art edition und sind seitdem gesuchte Sammerstücke, die Preise, die dafür im Netz geboten wurden, horrend. Da Nurse With Wound aber mehr als nur ein paar Dutzend Fans haben, war in diversen Kommentarspalten schon seit längerm der Wunsch nach regulären Wiederveröfentlichungen zu vernehmen. Dies ist nun seit kurzem geschehen, und ich erwähne beide Alben deshalb, weil Weiterlesen

MIRCO MAGNANI / ERNESTO TOMASINI: Madame E

Georges Bataille scheint durch seine Überlegungen zur Transgression oftmals der Haus- und Hofphilosoph von den Vertretern randständiger Musik zu sein, die eher am Überschreiten von geschmacklichen als von musikalischen Grenzen interessiert sind, wobei man oftmals den Eindruck hat, die Rezeption verlaufe primär über Schlagworte und gehe nicht einmal so tief wie die Juniuseinführung – ähnlich den Neofolkern, die als Lieblingsdenker Nietsche [sic] angeben. Weiterlesen

ANGELINA YERSHOVA: Piano’s Abyss

In den letzten Jahren scheint es ein großes Interesse an Inside Piano-Techniken zu geben, bei denen die Tasten ruhen und der Musiker unmittelbar auf die Saiten und diverse andere Komponenten zugreift. Bei vielen Ansätzen meint man geradezu einen Wetbewerb zu erleben, bei dem versucht wird, dem Klavier gerade die Töne zu entlocken, die am weitesten von seinem konventionellen Klang entfernt sind. Weiterlesen

ELECTRIC SEWER AGE: Bad White Corpuscle

Eine dumpf dröhnende Sci Fi-Atmosphäre verbreitet sich im Raum, irgendwann beginnen kosmische Synthies das Dickicht zu durchleuchten, das sich nach und nach als fein ziseliertes klangliches Amalgam offenbart. Vocoder-Stimmen verschaffen sich Gehör und geben dem futurischtischen Narrativ schon bald einen nostalgischen, retrolastigen Anstrich, doch was am meisten beeindruckt ist die Vielzahl an kleinen klirrenden und glühenden Ereignissen, die fast versteckt hinter kontinuierlich kreisenden Sounds aufblitzen, um sich schnell wieder in ihre Verstecke zurückzuziehen. Denn dass die Weiterlesen

OVO: Creatura

Wenn man die Musik des italienischen Duos OvO zu beschreiben sucht, läuft dies oft auf ein exzessives Termdropping hinaus: Noiserock, Ritual, Black Metal, Power Violence, dazu einen Anhauch von Bondage und Fetisch und zuguterletzt eine Angry Woman am Mikro, die so manchen Riot Girls das Fürchten lehrt. In all dem steckt etwas Wahres, doch die Ausdrucksstärke ihrer Musik, vor allem bei Konzerten, lässt die Frage, ob alle diese Referenzen bewusst gezogen werden, unwichtig erscheinen. Weiterlesen

SIELWOLF / NAM-KHAR: Oppressfield

Vor knapp zwei Jahren veröffentlichten die beiden hessischen Projekte Sielwolf und Nam-khar ihr erstes gemeinsames Album „Atavist Craft“, eine dunkle, geheimnisvolle und zugleich kantige Version ritueller Musik. Schon damals wirkte das Resultat sehr stimmig und einheitlich, so als wären die beiden Gruppen im Zuge der Aufnahmen zu einer unentwirrbaren Einheit zusammengewachsen. Dass sich dieser Eindruck auf ihrem zweiten Longplayer noch verstärkt, mag auch daher rühren, dass sie mittlerweile sehr gut aufeinander eingespielt sind und einen Weiterlesen