GOLDFRAPP: Silver Eye

Der gängigste Gemeinplatz über Goldfrapp definiert den Stil des Duos als stets im Wandel, dem selbst der Gesang Alisons unterliegt, von der Handschrift Will Gregorys als Producer ganz zu schweigen. Da ist freilich etwas dran, und die beiden selbst betonen häufig, dass viele ihrer Alben in direkter Reaktion auf zuvor Geschaffenes entstanden sind. Dabei haben sich mit der Zeit, neben subtilen textlichen und visuellen Gemeinsamkeiten, zwei grundsätzliche Richtungen verselbständigt, eine dunkle, entrückte, latent Weiterlesen

ZEITKRATZER: Performs Songs from the Albums Kraftwerk and Kraftwerk 2

Dass Kraftwerk in den vergangenen Jahren vermehrt in Museen aufgetreten sind und ihre Alben, Teile ihres „Katalogs“, in Gänze aufgeführt haben, passt ganz gut, denn letztlich sind die Düsseldorfer ihre eigenen Nachlassverwalter geworden, ruht ihr Nimbus –auch wegen Ermangelung neuen Materials – auf den Arbeiten, die sie vor Jahrzehnten eingespielt haben. Weiterlesen

HEROIN IN TAHITI: Remoria

Die Gründung der Stadt Rom wurde, wenn man der Mythologie folgt, von einem Bruderzwist begleitet, dem Streit zwischen den Zwillingen Romulus und Remus, die nach jeweils sehr unterschiedlichen Deutungen eines Orakels uneins waren über die Größe der zu bauenden Stadt. Im Zuge der Auseinandersetzung sprang Remus über eine von seinem Bruder bereits befestigte Mauer, eine Rechtsverletzung, für die er vom Romulus im Zweikampf erschlagen wurde. Dieser herrschte fortan über die neue Stadt, die dann auch nach ihm benannt wurde. Weiterlesen

TÉLÉPLASMISTE: Frequency Is The New Ecstasy

Als Tele- oder Elektroplasma bezeichnen Parapsychologen einen hellen, gazeartigen Stoff, der bei einem Medium angeblich während einer spiritistischen Aktivität aus den Körperöffnungen hervortritt. Auf den Zusammenhang referieren wohl auch Mark O. Pilkington und Michael J. York, die mit ihrem Duo Téléplasmiste nach eigener Angabe Elektrizität, Natur und Magick musikalisch ausloten. Die bisherige Geschichte der Musiker – Pilkington ist neben seinen Projekten Raagnagrok und Urthona einer der Betreiber des Strange Attactor-Verlages, York kollaborierte mit Coil, Cyclobe, Guapo und jüngst Shirley Collins – macht neugierig. Weiterlesen

ANEMONE TUBE: In the Vortex of Dionysian Reality (CD)

Dem einen oder anderen wird der Titel dieser Veröffentlichung sicher bekannt vorkommen, und besonders aufmerksame Leser unserer Seite werden sich fragen: Warum besprechen die das Album zweimal? Die Antwort ist einfach, denn es handelt sich bei dieser CD um eine derart ergänzte und bearbeitete Reissue des vor knapp zwei Jahren erschienenen Tapes, dass das Digipack mit dem neuen Artwork als ein fast neues Release durchgehen kann. Die sechs ursprünglichen Tracks bilden in remasterter und hier und da Weiterlesen

TRAPPIST AFTERLAND BAND: Like a Beehive, the Hill was Alive

Während einer Nahtoderfahrung wandert ein Mann durch eine imaginäre himmlische Landschaft, am Horizont erheben sich eine Reihe von Hügeln. Je näher der Wanderer den Hügeln kommt, umso mehr scheinen sie sich wie lebende Wesen zu bewegen – im Rahmen eines derartigen Bewusstseinszustandes bedarf es keiner logischen Erklärung, und doch kommt diese bei genauerem Hinsehen: unzählige Menschen befinden sich, Bienen auf einem Bienenstock gleich, auf der Erhebung, bedecken ihre ganze Oberfläche und wimmeln geschäftig hin und her. Als Adam Cole von der Weiterlesen

GRAILS: Chalice Hymnal

Kann man hier schon von einem Comeback reden? Ganz früh in diesem Jahrzehnt machten Grails als Grails zuletzt von sich reden, nach ihrem von Fans und Journaille gefeierten „Deep Politics“ richteten sie ihren kreativen Fokus aber zunächst auf andere Bandprojekte wie Om, Watter, das fast poppige Songwriter-Projekt Holy Sons und den seltsamen, aber reizvollen Hybriden Lilacs & Champagne. Es scheint, als haben all diese Exkurse Alex Hall, Emil Amos und Zak Riles gut getan, denn „Chalice Hymnal“ klingt um einiges frischer und unverbrauchter Weiterlesen

OISEAUX-TEMPÊTE: Al-’An!

Ich denke zwar nicht, dass es da ein festes Bandkonzept gibt, aber bei Frédéric D. Oberland und Stéphane Pigneul, die sich Oiseaux-Tempete – Sturmvögel – nennen, steht bisher jedes Album im Kontext einer Reise. Während der Entstehung ihrer beiden ersten Platten verbrachten die in Paris lebenden Musiker eine Zeit in Griechenland und in der Türkei und ließen ihre mitgebrachten Ideen mit spontanen Einflüssen vor Ort zusammenfließen. Während Samples der Umgebung, Einflüsse der lokalen Musik und vor allem die vielfältigen politischen und ökonomischen Weiterlesen

HERMANN KOPP: Cantos Y Llantos

Auf seiner inzwischen vierten Veröffentlichung für Galakthorrö knüpft Hermann Kopp, der auf seiner Webseite seine Musik als „haunting sounds for extreme visions“ bezeichnet, an sein bisheriges Werk an. Schon auf seinem 1983 veröffentlichten lapidar „Pop“ betitelten Fulltime-Debüt ging es weniger um denselben, sondern fand man am „Nudistenstrand“ nicht Begehrliches als vielmehr eine „öde Fleischlandschaft“. Kopps thematische Interessen verorteten ihn zwischen „Mondo Carnale“ und „Nekronology“ – so der Titel einer Auswahl seiner Arbeiten für Jörg Buttgereits Filme. Körperlichkeit konnte hier eigentlich nur als fortwährender, akzelerierender Verfallsprozess gesehen werden. Weiterlesen

NOISE CLUSTER: Planet of the Lost Dolls

In einem Gewirr verschiedener Kanäle am Stadtrand von Mexico City liegt die Isla de las Muñecas oder Puppeninsel, ein moorastiges, von Dickicht bewuchertes Eiland, auf dem unzählige grotesk entstellte Spielzeugpuppen an Bäumen und Sträuchern hängen. Hintergrund dieses seltsamen Kultes ist die Legende um ein Mädchen, das auf dieser Insel in den 50er Jahren ertrunken aufgefunden wurde, und von dem gesagt wird, dass sein Geist in ihrer Puppe, die nie gefunden wurde, weiterleben soll. So sah es zumindest Don Julian Santana Barrera, ein Fischer, der allein auf der Insel lebte und Weiterlesen