ZEA: Agency 7″

Arnold de Boer ist vielen als Gitarrist von The Ex und als Chef des nach seinem westfriesischen Geburtsort Makkum benannten Labels bekannt, mit dem er – nicht nur, aber durchaus auch – zu einem internationalen Botschafter ghanaischer Counter Culture geworden ist. Neben diesen und anderen Dingen sollte nicht unterschlagen werden, dass er auch ein Soloprojekt namens Zea betreibt und in gewissen Abständen zuckersüße Polemiken herausbringt. So wie die gerade erschienene Single. Weiterlesen

IRR. APP. (EXT.): Are All Things Equivalent?

Als sich vor einigen Jahren Nurse With Wound im Wiener Narrenturm als Liveband neu (er)fanden, da war von Anfang an Matt Waldron im Livelineup. Auf gewisse Weise hätte Stapleton sich kaum jemand passenderen aussuchen können, hat der Amerikaner doch eine ähnliche ästhetische Sensibilität wie der in seinem Gesamtkunstwerk Cooloorta lebende Wahlire – sowohl visuell als auch klanglich. Waldrons Collagen, seine Zeichnungen und Gemälde, bei denen manchmal die Grenzen zwischen Weiterlesen

ANEMONE TUBE / JARL / MONOCUBE: Hunters in the Snow

Mit den sechs Gemälden seines Jahreszeiten-Zyklus, bzw. den fünf erhalten gebliebenen, schuf Pieter Bruegel der Ältere einige der bekanntesten Werke der niederländischen Renaissance. Sie zeigen die Veränderungen der Natur und am Beispiel eines mitteleuropäischen Landvolkes die Situation der Menschen, die diesem Kreislauf unterworfen sind: Ihre Nöte, ihre Kraft, ihre Anstrengungen, diesen Gegebenheiten einen Lebensunterhalt abzutrotzen. Und obwohl in den Arbeiten, deren Titel Der düstere Tag, Die Heuernte, Die Kornernte, Die Heimkehr der Herde und Die Jäger im Schnee lauten, nur bedingt Weiterlesen

TRAPPIST AFTERLAND: Insects in Amber

Wenn flüssiges Harz sich im Laufe einer sehr langen Zeit in Bernstein verwandelt, kann es passieren, dass lebende Objekte wie Pflanzen oder kleine Tiere in dem Material eingeschlossen werden und als besterhaltene Fosilien die Zeiten überdauern. Meist sind es Insekten. In vielen Kulturen, die mit Bernstein in Berührung kamen, wurden diese Fossilien zu einem Symbol für einen alternativen Blick auf das Phänomen Zeit, und bezeichnenderweise wird Trappist Afterlands neues Album mit einer kurzen Meditation über den Weiterlesen

CRAIG LEON: Anthology of Interplanetary Folk Music Vol. 2: The Canon

In den frühen Tagen der Menschheit lebte diese ohne nenneswerte Kulturtechniken im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten ihrer Umwelt. Eines Tages jedoch erschienen semi-amphibische Besucher von einem anderen Planeten im Gebiet des heutigen Mali und übermittelten dem Volk der Dogon den ersten Funken intellektueller und spiritueller Weisheit. So kam – zumindest nach einer leicht sci-fi angehauchten Version des Schöpfungsmythos dieser noch heute existierenden Ethnie – die Kultur in die Welt. Weiterlesen

V.A.: Essential NK Drone

Dass die deutsche Hauptstadt eines der Zentren des Drone und aller Arten abstrakter Elektronik ist, ist weithin bekannt, und welche Fans moderner Musikabenteuer sind nicht schon aus dem europäischen Umland zu Festivals wie Atonal und CTM oder ähnlich gearteten Konzerten an Orte wie Berghain, Radialsystem, Funkhaus und Volksbühne gepilgert. Weiterlesen

CONTROLLED DEATH: Evil Discharge

Sucht man ein Äquivalent zu Napalm Deaths „You Suffer“ – das es als kürzestes Stück ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft hat – im Bereich von Performances, so ist man mit den Auftritten Masonnas sicher nicht schlecht bedient, ist/war doch nach drei, vier Minuten alles gesagt/geschrien/zerstört/versehrt. Selbst im Kontext von anderen Japanoise-Acts war das Einmannprojekt Maso Yamazakis noch einmal übersteigerter.

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9T ANTIOPE / SIAVASH AMINI: Harmistice

Es gibt sicher Angstträume, die von bedrückender Stille sind. Handeln solche Träume vom Krieg, so ist ihnen wahrscheinlich eher eine laute, von schrillem Lärm und heftigen Detonationen durchsetzte Tonspur angemessen. “Harmistice”, dessen Titel ein Wortspiel zwischen “harm” und “armstice” (Waffenstillstand) darstellt, erzählt von solchen Träumen und wählt dazu eine dunkle, über weite Strecken industriell-noisige Klanggestalt. Der eindringlichste Faktor dabei Weiterlesen

U.S. STEEL CELLO ENSEMBLE: Noise In The Library

Man sollte sparsam mit einem Begriff wie “legendär” umgehen. Wenn jemand allerdings vor längerer Zeit mit etwas wirklich Ungewöhnlichem beeindruckte und sich seit dem immer wieder rar gemacht hat, ohne vollends von der Bildfläche zu verschwinden, kann man eine Ausnahme machen. Der heute 87jährige Bob Rutman kann eine bewegte Biographie erzählen. Als Kind floh er mit seiner Familie aus dem Weiterlesen

UNICAZÜRN: Sensudistricto

Das aus Stephen Thrower und David Knight bestehende und aus dem Improvisationskollektiv The Amal Gamal Ensemble hervorgegangene Duo veröffentlicht mit „Sensudistricto“ das inzwischen vierte Album. Es ist nach dem 2017 erschienenen „Transpandorem“ das zweite auf Touch (Jon Wozencraft hat dann auch wieder das Artwork gestaltet). Thrower und Knight kombinieren allerlei (analoge) Elektronik mit Gitarre und Blasinstrumenten, um eine Musik zu spielen, die in jederlei Wortsinn kosmisch ist. Weiterlesen

DALRYMPLE MACALPIN: Make Believe

Die im Englischen nicht selten substantivisch gebrauchte Wendung „Make Believe“ bezeichnet eine Täuschung oder Gaukelei, die Erzeugung einer Illusion, eines falschen Scheins. Dabei wird sie keineswegs nur negativ verwendet, was verständlich ist, denn in Vielem ist der schöne Schein weitaus reizvoller als die schnöde Wirklichkeit, die nach Oscar Wilde ohnehin nur ein epigonaler Abklatsch der Kunst ist. Gebrauche deine Fantasie, und es entsteht Realität, wird mancher Magus wohl – sicher in pathetischeren Worten – betonen. Weiterlesen