DARK LEAVES: Forest Flowing EP

Dark Leaves, das Einmann-Folkprojekt von Patrick Aston aus Penzance, veröffentlicht nach dem auf Reverb Worship 2018 erschienenen Debüt-Album „Grey Stone In The Wood“ eine EP mit drei Stücken, die musikalisch und konzeptionell an den Longplayer anknüpft. Aston bezeichnet seine Musik als „Alternative, atmospheric folk, inspired by folk lore.“ Letzeres spiegelt sich dann auch in den Texten wider, die mit ihrer Naturmetaphorik einen ländlichen Lebensraum evozieren. Weiterlesen

LIQUIDARLO CELLULOIDE: Anamnesis

Normalerweise bin ich kein Freund davon, bei einer etwas obskureren Band als erstes auf ihre Verbindung zu einem bekannteren Musiker hinzuweisen. Im Falle der peruanischen Liquidarlo Celluloide allerdings war mein erster Gedanke, dass diese Band seinerzeit Killing Joke hätte Konkurrenz machen können, bevor ich im Booklet ihres gerade erschienenen Albums “Anamnesis” las, dass Jaz Coleman die Platte tatsächlich produziert und an einigen Stücken mitgewirkt hat. Weiterlesen

JOHN POUBELLE: Pléistocène Supérieur

Wer im experimentellen Musikbereich regelmäßig bahnbrechende Innovationen erwarten, hat wahrscheinlich die letzten zehn oder mehr Jahre verschlafen und sollte sich auf ein paar enttäuschende Erfahrungen einstellen, denn dröhnende und lärmende Klangkkunst bieten heute meist soliden Standard, bei dem man wie bei jeder guten Folklore in etwa weiß, was einen erwartet. Wenn einem das Weiterlesen

SIEBEN: 2020 Vision

Matt Howden hat mit seinem Projekt Sieben etwas gemacht, worin ihm wenige gefolgt sind – zumindest ist mir niemand bekannt, der die in der “Neuen” oder experimentellen Musik gängige Bearbeitung von Violinparts mit Loopeffekten derart konsequent in den Bereich des Songwritings überführt hätte. Schon aus diesem Grund, mehr noch allerdings aufgrund der signifikanten Handschrift seiner Musik, wäre diese auch dann noch originell, wenn er dem schöngeistigen und immer leicht Weiterlesen

DER BEKANNTE POSTINDUSTRIELLE TROMPETER: IsolaCtion

Liest man den Namen DBPIT, dann kommen nostalgische Gefühle auf, vorausgesetzt man gehört zu den Glücklichen, die in den Jahren um die Jahrtausendwende eine verschrobene römische Szene verfolgt haben, in der neben bekannten Namen wie Ain Soph und Circus Joy auch Geheimtipps wie The Sentinels, Mushroom’s Patience, Malato und eben DBPIT oder D.B.P.I.T. ihr Unwesen getrieben haben – verrückte Rocker, Mods und Dandies mit ganz unterschiedlichen musikalichen Ideen, deren gemeinsame Weiterlesen

CONTROLLED DEATH: Beautiful Decomposition

Seit Maso Yamazaki, der „Gott des Lärms“, sein manisch-eruptives Noiseprojekt Masonna weitgehend ruhen lässt und augenblicklich seine Energie auf das dunkle, man möchte fast sagen: depressive Death Industrial-Projekt Controlled Death fokussiert, sind seit 2018 zahlreiche Tonträger erschienen. Dabei hat man den Eindruck, dass er wechselt zwischen massiven, umfangeichen Veröffentlichungen, wie etwa dem Doppeltape „Black Scorpion Rising“ oder der kürzlich erschienenen Doppel-LP „Ritualistic Mutilation In The Bloody Darkness“ und Weiterlesen

MATT ELLIOTT: Farewell To All We Know

Auf seinem neuen Album widmet sich Matt Elliott ganz dem einen entscheidenden Moment, dem Wendpunkt, an dem das, was man Leben oder Existenz nennt, einen ganz neuen Kurs nimmt, an dem man Abschied nimmt von der Welt, wie man sie kannte, sich der Endlichkeit aller Dinge bewusst wird und zugleich neuen Anfängen entgegen sieht. Ganz gleich, ob man diesen Moment durch eigene Entscheidungen eingeleitet hat, oder ob er doch eher durch Umstände oder Weiterlesen

DANIEL MENCHE: Now We Are A Ghost Ship

Daniel Menche macht seit Jahrzehnten Geräuschmusik und hat auf zahlreichen Labeln wie z.B. Side Effects, Soleimoon, Alien8 oder Important veröffentlicht, hat mit Andrew Liles, John Wiese, KK Null oder Mamiffer gearbeitet und aus verschiedenstem Ausgangsmaterial, so z.B. Geräuschen des Körpers (wie auf „Screaming Caress“), Gamelan Gongs („Marriage of Metals“), dem Surren von Strommasten („From Here To Electricity“) oder Wasserfällen („Kataract“), um nur ein paar Beispiele zu nennen, die sich (fast) beliebig fortsetzen ließen, beeindruckende sowohl lärmende als auch bedrückende Klanglandschaften geschaffen. Weiterlesen

SEA URCHIN: Tahtib

Musik, bei der Sprache im Sinne rezitierter Texte eine wichtige Rolle spielen und bei der die restlichen Soundkomponenten nicht bloß eine unscheinbare Kulisse sein sollen, läuft oft Gefahr, in einem wirren Brei zu enden, denn – ganz ähnlich einem alten Wasserhahn, bei dem es nur noch die Wahl zwischen eiskalt und brennendheiß gibt – verschluckt die Musik den Text schnell, sobald man dieser einen etwas markanteren Eigencharakter geben will. Weiterlesen

MAKOTO KAWABATA / RICHARD PINHAS / MANONGO MUJICA / JUAN LUIS PEREIRA / HIROSHI HIGASHI: Alturas

Der Name des jährlich im peruanischen Lima stattfindenden Festivals Integraciones ist Programm, denn Kurator Luis Alvarado setzt von Beginn an auf ein internationales Line-up, bei dem vermeintlich Heterogenes einen stimmigen Zusammenhang bildet. Programm ist er aber auch insofern, dass hin und wieder Künstler aus unterschiedlichen musikalischen und geografischen Regionen mit einander in Kontakt kommen und so hinter den Kulissen gemeinsame Ideen entstehen. Weiterlesen

Christian und Fredrik Wallumrød alias Brutter bringen Live-Mitschnitt heraus

Das bekannte und von vielen als ungleich wahrgenommene Brüderpaar Christian und Fredrik Wallumrød, die seit 2012 ihr eher rhythmisch ausgerichtetes Duo Brutter gründeten, veröffentlichen eine Aufzeichnung ihres gemeinsamen Konzertes vom Les Instant Chavri-Festivals in Montreuil, Frankreich. Brutter, deren Musik primär auf Drums und diverser Elektronik basiert, zehrt stark von der Jazz- und Improv-erfahrung des einen und vom Rock- und Pop-Horizont des anderen Bruders und unterscheidet sich doch merklich von den bekanntere Arbeiten der beiden. Weiterlesen

TRAPPIST AFTERLAND / GREY MALKIN: The Trappist and the Hare

Irgendwann musste es zu dieser Zusammenarbeit kommen: Der Schotte Grey Malkin und der im australischen Melbourne lebende Adam Cole sind seit langem befreundet und leidenschaftliche Schöpfer dunkler, folkiger Anderswelten, und doch könnten ihre Herangehensweisen, ihre Themenwahl und ihre musikalischen Handschriften kaum unterschiedlicher sein. Weiterlesen

PHURPA: Hymns Of Gyer

Viele denken beim Thema Schamanismus heutzutage wahrscheinlich weniger an Mircea Eliade als an auf Island gedrehte und in Spitzbergen spielende Mysteryserien oder an die zahlreichen/zahllosen Scharlatane, die denjenigen, die auf der Suche nach einem weiteren Mosaikstück für ihre Bricolagespiritualität sind, ihre Dienste anbieten. Weiterlesen

TWO OR THE DRAGON: Prelude to the Triumpant Man

Die drei Stücke, die auf der vorliegenden EP unter dem Titel “Prelude to the Triumpant Man” eingespielt wurden, wirken tatsächlich wie ein Vorspiel, ein erstes Zusammenbrauen von etwas Wuchtigem, das sich im dritten und letzten Teil Bahn bricht und dessen endgültige Gestalt doch eine Leerstelle bleiben muss. Fraglos liegt darin ein zentrales Faszinosum des knapp zwanzigminütigen Minialbums. Weiterlesen