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		<title>IRON LUNG: White Glove Test</title>
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		<pubDate>Wed, 22 May 2013 08:42:10 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Laufend muss der (Pop)-Musiker Zusammenhänge für das sinnliche Alltagsbewusstsein aufbereiten, Komplexitäten nivellieren, Zusammenhänge in süßliche Melodien zerfasern. Das Genre muss die Dinge dann aus ihrer Struktur reißen, um sie in der Erstattung aneinanderreihen zu können. An die Stelle gesellschaftlicher Verhältnisse &#8230; <a href="http://africanpaper.com/2013/05/22/iron-lung-white-glove-test/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/ironlungwhiteglovetest.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7060" title="ironlungwhiteglovetest" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/ironlungwhiteglovetest-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Laufend muss der (Pop)-Musiker Zusammenhänge für das sinnliche Alltagsbewusstsein aufbereiten, Komplexitäten nivellieren, Zusammenhänge in süßliche Melodien zerfasern. Das Genre muss die Dinge dann aus ihrer Struktur reißen, um sie in der Erstattung aneinanderreihen zu können. An die Stelle gesellschaftlicher Verhältnisse in ihrer wechselseitigen Bezogenheit treten gepresste Emotionen, die als solche nicht einmal als begrenzte Ausschnitte der Realität aufgefasst werden können. Um die Ereignisse für die Songs auffädeln zu können, muss die Genre-Musik das Ganze zertrümmern, sie atomisieren.<span id="more-7059"></span> Qualitäten werden auf quantitative Kommensurabilität heruntergebrochen.</p>
<p>Die Selbstkritik der Genre-Musik ist eine junge und bleibt bis jetzt eine begrenzte. Schließlich handelt es sich im Schnitt um Generalisten, die in vielen Gebieten beheimatet sein müssen. Sie müssen vergegenständlichte gesellschaftliche Fragen besprechen, in denen sie nicht sattelfest sind. Im Zeitalter der Spezialisierung, die im Kontext der Pop-Musik Subkultur meint, ist der Musiker der Prototyp des halb- oder viertel wenn nicht gar achtelgebildeten Kosmopoliten und Komponisten. Er muss von allem etwas wissen, kann aber genau deswegen wenig begreifen. Freilich muss er dabei fortwährend erkennen, dass das positiv Affirmierte der postulierten abstrakten Werte-Idealität nie und nimmer gerecht wird. Dann regt er sich auf, indem er die Norm einfordert.</p>
<p>Es passierte in den letzten 30 Jahren ein paarmal, dass das Einfordern der Norm einen kreativen Mehrwert einbrachte, und in vier Fällen legte dieses Einfordern gewollt die Absurdität der Spezialisierung offen. Namentlich Anarcho-Punk, Grindcore, Breakcore und Power Violence. Power Violence entstand ähnlich wie Grindcore in der zweiten Hälfte der Achtziger Jahre. Im Unterschied zu Grindcore gestaltet sich der &#8220;Gesang&#8221; gebellt, herunter getunte Gitarren sind eher selten und weitaus häufiger trifft man Stop-and-Go-Kompositionen an. Anfang der 1990er gab es dann einen regelrechten Power Violence Boom, der sich um Bands wie Crossed Out, Capitalist Casualties, Man is the Bastard und Spazz firmierte. Besonders Spazz und Man is the Bastard konnten weit in den Mainstream der 1990er hineingreifen. So waren Spazz befreundet mit Kool Keith, der sie in seinem Song &#8220;I´m destructive&#8221; Name-dropte. Man is the Bastard machten ein Album mit Mumia Abu-Jamal. In der zweiten Hälfte der 1990er war es dann aber auch wieder vorbei. Die meisten Musiker in den Kern-Bands hatten einfach keine Lust mehr oder sie entwickelten sich weiter.</p>
<p>Anfang der 2000er tauchten Iron Lung aus Seattle mit ihrer &#8220;Mechanical Assistance Demo&#8221; auf. Power Violence existierte zwar weiterhin, aber pop-kulturell handelte es sich um eine von vielen 1990er-Kadavern. Der Schlagzeuger Jensen Ward reicherte aber von Anfang an sein Schlagzeugspiel mit sehr eigenen Drum Fills an. Schließlich begann sein Schlagzeugspiel damit, dass er 1996 versuchte jede Nuance aus Rudimentary Peni´s &#8220;Death Church&#8221; herauszuarbeiten. Zu dem Zeitpunkt kam er mit einem Cousin zweiten Grades in Gespräch &#8211; Jon Kortland. Nach einem gemeinsamen Trip nach San Franisco beschlossen beide ihre Vorliebe für ähnliche Musik und veraltete medizinische Handbücher mit einer Band zu vertiefen. Nach der Veröffentlichung der ersten Demo gingen sie erst einmal auf Tour. Bis zum heutigen Tage haben sie insgesamt 4 US-Touren und eine Australien-Tour absolviert. 2007 erschien dann ihr zweiter Longplayer &#8220;Sexless / No Sex&#8221;. Für die Aufnahmen bewohnten Kortland und Ward ein gemeinsames Haus.  Das Resultat war ein hervorragendes Album, dass ihnen auch über die sehr engen Szenegrenzen Aufmerksamkeit bescherte. Ganze 6 Jahre später erscheint nun ihr dritter Longplayer &#8220;White Glove Test&#8221;.</p>
<p>Jensen Wards Schlagzeugspiel hebt das Drum-Fill aus seinem eigentlichen Kontext heraus. War es ursprünglich mal ein musikalisches Zeichen das Zusammenhänge bringt und eine Einheit suggeriert, bildet es in der Musik von Iron Lung das rhythmische Hauptwerk. Die poltrige Diskretion von Wards Schlagzeugfiguren steht gegen die Indiskretion von Kortlands Proberaum-Gitarren-Riffs. Zusammen sind sie mächtig, machen einen an, sitzen im Kopf. Jeder Iron Lung Song muss individuell erobert werden. Trotzdem erscheint die gesamte &#8220;White Glove Test&#8221; wie aus einem Guss. Das ist der (notwendige) Fluch und (rezipierte) Segen von Genre-Musik. Sehr witzig ist die Brutal Supremacy-Titelreihe geraten. Teil 1-3 finden sich auf unterschiedlichen Samplern mit anderer Aufnahmequalität wieder, doch Iron Lung ändern die Stücke nur sehr bescheiden und dadurch verdoppeln sie die Prägeleistung. Die Stücke verstärken sich gegenseitig. Dabei gelingt der Kunstgriff das die Lautstärke nicht dazu führt, sie als überdimensionale Kraft  wahrzunehmen &#8211; Alltagspositivismus ex negativo.</p>
<p>In der monotonen eindimensionalen Gesellschaft geht es um das Hervorrufen und Zelebrieren öffentlicher Erregung. Nicht um Erklärung oder gar um Aufklärung, sondern um Aufmachen und Einklagen. Iron Lung bilden da mit Sicherheit keine Ausnahme, aber erstens klagen sie in ihren Texten medizinisches Wissen ein, von dem Sie wissen dass es obsolet ist, und zweitens sind ihre Stücke kürzer als ein durchschnittlicher Werbespot. Ihre „Unproduktive Empörung“ (Karl Kraus) ist das Mittel, eine weitere Tour durch die Hinterhöfe dieser Welt das Ziel. Außerdem schmeckt der morgendliche Kaffee mit „White Glove Test“ noch mal so gut.</p>
<p>Joris J.</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.prankrecords.com/home.html">Prank Records</a></strong></p>
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		<title>V.A.: 10 Years 8MM Musik</title>
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		<pubDate>Wed, 22 May 2013 08:33:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: small;"><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/8mmMusikLP.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6905" title="8mmMusikLP" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/8mmMusikLP-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In der Hauptstadt ist die 8MM Bar wahrscheinlich jedem bekannt, der mit alten Low Budget-Filmen etwas anfangen kann und findet, dass Rock lofi und geschichtsbewusst sein sollte. Selbst den Wandel der „Ecke Schönhauser“ vom Szene- zum Touri-Kiez hat die rauchige Kaschemme unbeschadet überstanden. Auch nach ihrem gut zehnjährigen Bestehen überzeugt sie noch immer mit einer eigentümlichen Mischung aus cool und gemütlich. Interessant für Auswärtige – auch für solche, die keinen Berlinbesuch geplant haben – ist die Tatsache, dass die 8MM-Leute schon recht früh auch ein eigenes Plattenlabel gegründet haben. <span id="more-6904"></span></span></p>
<p><span style="font-size: small;">Mit der vorliegenden LP feiert 8mm sein zehnjähriges Bestehen und gibt einen Überblick über das Programm an (in der Hauptsache deutschen) Musikern. Doch wenngleich das Label sich recht allgemein durch die Berliner „Nischenmusikszene“ definiert, gibt es Schwerpunkte, will sagen: Fuzzpedal, Handrassel und dunkle, nach hinten gemischte Vocals sollte man schon mögen, um die Sammlung am Stück zu hören, und man sollte auch nicht zu den Superauskennern mit Retrophobie zählen, die fluchtartig den Raum verlassen, sobald 13th Floor Elevators (respektive Fuzztones, Silver Apples, Spaceman 3, White Hills) aus den Boxen dröhnen. Einige Vertreter sind dem garagigen Psychrock m.o.w. in Reinkultur verpflichtet. Was beim Opener „Meteor“ der in Harmonia-Umfeld sozialisierten Camera noch recht „kosmisch“ beginnt, steigert sich zu deftigem Rock, bei dem die Drums alles, auch den Gesang, stilvoll zermalmen. „Alle Mikros sind verrutscht, alles ist verrutscht&#8221;, heißt es am Ende, aber ist schon ok so. Nicht nur The Brian Jonestown Massacre als vielleicht bekanntester Act schlägt in eine ähnliche Kerbe, zu nennen wären auch Sun and The Wolf, deren Beitrag – eventuell dank Ladytron-Unterstützung – zu den tanzbarsten zählt. The Blue Angel Lounge dagegen klingen wie der Score zu einer perfekten Kopfhängerszene nach Edward Hopper, uncooler als die Velvets, betont unaufgeweckter als die Elevators. Ebenfalls in die Richtung tendieren die Newcomer The Suns of Thyme, deren „Cataclysm“ mit gebrochenen Rhythmen und den hallunterlegten Vocals ein bisschen wie eine deutsche Gothkapelle nach erfolgter Weiterentwicklung in psychedelische Gefilde klingt.</span></p>
<p><span style="font-size: small;">Am stärksten aus dem Rahmen fallen Kadavar und Jack November, deren aufeinanderfolgende Stücke kaum besser kontrastieren könnten. Kadavar sollten mit ihrem kernigen Gitarrensound und der doomigen Inbrunst des Sängers alle nostalgisch gestimmten Black Sabbath- und Saint Vitus-Fans beglücken. Wie man aus etwas bekanntem etwas komplett neues macht zeigt die hier überraschend undronige Jack November mit einer Akustikversion von Nirvanas &#8220;Pennyroyal Tea&#8221;: Schnell wird klar, dass es hier keineswegs so etherisch zugeht, wie es die gehauchten Stimmeinsätze am Strophenbeginn suggerieren. Die Refrains, bei denen ihre Stimme immer wieder an Volumen gewinnt, zählen zu den gesanglich stärksten Momenten der Musikerin. Ebenfalls mit von der Partie ist waviger Gitarrenpop aus Island (The Third Sound), barocker Garage-Pubrock mit nostalgischem Sythie/Orgelsound (Snøffeltøffs) und americanalastiger Gypsie Blues (Mythical Communication Service), bis dass Kitchenmen vs. Fredovich zum Abspann noch mal richtig dick auftragen und alle Register pathetischer Rockismen ziehen. </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Wer mit der Stoßrichtung der Compilation klar kommt, findet hier eine gute Stunde schmissiger Musik zum Durchhören am Stück. Es ist eine klare Richtung zu erkennen, und doch ist die Auswahl nicht zu homogen, und auch wenn nicht jeder Beitrag gleichermaßen überzeugt, gibt es keine wirklichen Ausfälle und Längen. Ich spare mir an der Stelle alles, was mit Hipsterschelte und Retrobashing zu tun hat. Ein Großteil der Beiträge mag Stereotypen bedienen, die nicht erst seit gestern angesagt sind, aber &#8220;angesagt&#8221; heißt in dem Fall bei einem relativ marginalen Teil heutiger Musikkonsumenten, der gemessen an kommerziellen Standards immer noch subkulturell ist. (U.S.)</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: small;"><strong>Label: <a href="http://www.http://8mm-musik.com">8MM</a>/&#8217;a&#8217; Recordings</strong></span></p>
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		<title>ANEMONE TUBE AND DISSECTING TABLE: This Dismal World</title>
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		<pubDate>Sat, 18 May 2013 06:56:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ebenso wie die letzten hier besprochenen Veröffentlichungen von Anemone Tube ist auch diese Split-LP mit Dissecting Table stark konzeptionell ausgerichtet: So geht es auf dem Album um die vier edlen Wahrheiten, die das Fundament des Buddhismus darstellen. Diese lauten, dass &#8230; <a href="http://africanpaper.com/2013/05/18/anemone-tube-and-dissecting-table-this-dismal-world/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/Anemone-Tube.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7007" title="Anemone Tube" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/Anemone-Tube-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ebenso wie die letzten hier besprochenen Veröffentlichungen von Anemone Tube ist auch diese Split-LP mit Dissecting Table stark konzeptionell ausgerichtet: So geht es auf dem Album um die vier edlen Wahrheiten, die das Fundament des Buddhismus darstellen. Diese lauten, dass das Leben leidvoll ist (vgl. den Titel des Albums), dass die Ursachen für dieses Leid(en) u.a. Hass und Gier sind, die Auflösung dieser Ursachen das Leiden zum Erlöschen bringen kann, und dass man dies durch den edlen achtfachen Pfad schaffen kann.<span id="more-7006"></span></p>
<p>Die Basis der beiden Stücke von Anemone Tube bilden – wie auch schon auf<a href="http://africanpaper.com/2011/09/01/anemone-tube-death-over-china/"> „Death Over China“</a> – wieder Feldaufnahmen. Der Titel des ersten Stücks, „In The Mausoleum“, gibt einen Hinweis auf den Ort, an dem diese gemacht wurden, nämlich im Mausoleum des chinesischen Revolutionsführers Sun Yat-Sen. Der zehnminütige Track ist eine dem Titel angemessene dunkle Klanglandschaft – als Dark Ambient möchte man das Stück nicht bezeichnen, denn dafür ist es zu unruhig und rau. Hier werden die Feldaufnahmen zu einem dunklen Grundrauschen verdichtet, das dennoch aus unglaublich vielen Teilen zu bestehen scheint. Gegen Ende wird der Druck etwas zurückgenommen, man meint Stimmen zu hören. Das dann folgende etwas kürzere „From Anthropocentrism to Demonocentrism“ &#8211; hier wurden die Feldaufnahmen in buddhistischen Tempeln in Nanjing und Shanghai gemacht &#8211; ist ruppiger, aggressiver und nähert sich der rauen Seite des Industrials an. Wie auch schon auf anderen Alben Anemone Tubes zeigt sich, wie kraftvoll und bar jeder Klischees Power Electronics klingen kann.</p>
<p>Die B-Seite wird von einem langen Track von Dissecting Table, dem Einmannprojekt von Ichiro Tsuji, gefüllt. „1000 Tones“ ist ein monumentales Stück, bei dem die für spätere Dissecting Table so typische Metall-Perkussion rituell klingende Stimmen untermalt und den Hörer für zwanzig Minuten in eine Welt versetzt, in der der Verstand keine Rolle mehr zu spielen scheint. Ichiro Tsuji rezitiert – wobei das kaum das passende Wort ist, um zu vermitteln, was er alles mit seiner Stimme macht &#8211; die 25. Lotus-Sutra, deren Text zweisprachig dem Album beiliegt.</p>
<p>Das ist ein Album, das auf zweierlei Ebenen funktioniert. So können diese drei Stücke sicher auf überzeugende Weise die dunkle, Leiden schaffende Seite des Lebens illustrieren &#8211; aber selbst wenn man keinerlei Informationen über das zugrundeliegende Konzept, über die verwendeten Texte und die Orte, an denen die Aufnahmen gemacht wurden, hätte, so könnte man sich auch rein am Klang der drei Tracks erfreuen, die verdeutlichen, dass Geräuschmusik nicht gleich Geräuschmusik ist und dass atonale(re) Musik unglaublich differenziert sein kann. Dass die Veröffentlichung wieder von James Plotkin brillant gemastered wurde, ist da nur noch das sprichwörtliche i-Tüpfelchen.</p>
<p>M.G.</p>
<p>Label: <a href="http://www.peripheralrecords.co.uk/shopping/mall/peripheralrecords/Category/-home-news-7321?caller=welcome">Peripheral Records</a></p>
<p><iframe width="420" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/__Mcx015QiA" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>HOWLING LARSENS: Fool of Sound and Furry</title>
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		<pubDate>Sat, 18 May 2013 06:54:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/howlinglarsensfoolofsoundandfurry.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-6981" title="howlinglarsensfoolofsoundandfurry" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/howlinglarsensfoolofsoundandfurry.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Stellt man die Howling Larsens als eine Band vor, deren Hauptbesetzung ansonsten bei Orchis und The Gray Field Recordings aktiv ist, dann rechnen viele wohl erst einmal mit akustischen Gitarren, ätherischem Gesang und allen möglichen Begleiterscheinungen, die dunkle, entrückte Folkmusik so mit sich bringt. Bei den hörspielartigen Dialogen, die vor kunstvoll arrangierten Klanglandschaften voll plastischer Alltagsgeräusche geführt werden, denkt man vielleicht sogar an die berühmte falsche Platte, die man versehentlich im Player hat. Selbst ab dem Moment, wenn<span id="more-6980"></span> das Album einen ganz anderen, songorientierteren Verlauf nimmt, erinnern die Stücke nicht offenkundig an das, was man ansonsten von den Protagonisten kennt. Doch besonders kohärent und übersichtlich soll die Platte auch gar nicht sein, lautet doch ihr Titel bereits „Fool of Sound and Furry“. King Lears wandelnder Schatten, das ziellose Leben mit all seinen wahnsinnigen Klängen, wird hier noch einmal ordentlich durcheinandergewirbelt und auf ungewöhnliche Art neu zusammengefügt.</p>
<p>Alan Trench integrierte wiederholt Lyrik in seine Musik, so zum Beispiel die noch etwas zaghaften Walter de la Mare-Rezitationen auf „A Thousand Winters“. An den Robert Herrick-Beitrag auf der letzten Orchis-EP knüpft auch die erste Hälfte des vorliegenden Albums an und baut dessen Qualitäten zu einem zusammenhängenden Konzept aus. Aus dem sanft dröhnenden Klang rustikaler Holzblasinstrumente kristallisiert sich eine bedrohliche Soundkulisse heraus, die zu organisch ist, um als Dark Ambient durchzugehen. Ein aus vielen Filmscores vertrauter Flötenklang und verrücktes Affengelächter katapultiert den Hörer in ein Kolonialszenario des 19. Jahrhunderts, das – wenn man die lyrischen Beiträge als verlässlich betrachten will – von Monstern und Dämonen bevölkert ist. Furchteinflösend auch die kindliche Frauenstimme, die plötzlich auf den Plan tritt, und Erinnerungen an Current 93 zum Ende ihres kollagenhaften Frühwerks weckt. Jede Station der szenischen Klangreise formt ein gut ausgearbeitetes Bild, in das man stundenlang eintauchen könnte, um immer neue, filigrane Details zu entdecken. Aus Gluckern und Windrauschen winden sich seltsame Americana-Experimente heraus, ein dunkler (Klarinetten?)-Klang leitet über in orientalisch anmutende Klangornamente. Eine A Capella-Passage in „Sunblind“ leitet dann den songorientierteren zweiten Teil ein, der sich zunächst noch zaghaft gegen hartnäckiges Feedbackrauschen behauptet. Das dies letztlich gelingt, verdankt sich v.a. Rebecca Loftiss&#8217; Gesang und ihrem Talent für simple Melodien von starker Wirkkraft. Es folgen nette verbummelte Balladen und kraftvolle Stücke, die auf den ersten Eindruck wie eine Hommage auf besseren Zeiten eines hippiesken Folkrock anmuten, Jefferson Airplane und Fairport Convention lassen grüßen, doch nur für Momente, und ihr Frühwerk, wohlgemerkt. Doch auch der zweite Teil des Albums ist keineswegs homogen und simpel geordnet, Frauenchöre und Metallperkussion, Schiffssirenen und Falsettgenöle machen auch diesen Teil zu einem verstörenden kleinen Epos.</p>
<p>„Fool of Sound and Furry“ ist der limitierte Longplayer-Einstand dieser Band, von der ich vermute, dass sie trotz der räumlichen Entfernung der Musiker kein kurzzeitiges Unterfangen ist. Gerüchten zufolge soll schon ein weiteres Album in Planung sein.</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.reverbworship.com">Reverb Worship</a></strong></p>
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		<title>MACELLERIA MOBILE DI MEZZANOTTE: Black Lake Confidence</title>
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		<pubDate>Sat, 18 May 2013 06:53:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Band mit dem Kürzel MMM nennt ihren Stil Swing Noir und wird erwartungsgemäß gerne mit dem Film Noir in Verbindung gebracht. Zurecht, in gewisser Weise, haftet ihren dunklen, angejazzten Soundscapes doch das Schattenhafte, Abgeklärte an, dass konstitutiv ist für &#8230; <a href="http://africanpaper.com/2013/05/18/macelleria-mobile-di-mezzanotte-black-lake-confidence/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/MMMblacklake.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-6985" title="MMMblacklake" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/MMMblacklake.jpg" alt="" width="150" height="149" /></a>Die Band mit dem Kürzel MMM nennt ihren Stil Swing Noir und wird erwartungsgemäß gerne mit dem Film Noir in Verbindung gebracht. Zurecht, in gewisser Weise, haftet ihren dunklen, angejazzten Soundscapes doch das Schattenhafte, Abgeklärte an, dass konstitutiv ist für die schwarze Serie und ihre lonerhaften Antihelden. Und doch beinhaltet die Musik etwas, das mit den bewegten Bildern der 40er und 50er Jahre nur bedingt vereinbar ist, ein entgrenzter, splatterhaft-animalischer Ton, der schon im Clive Barker entlehnten Bandnamen anklingt und die vornehme Abgewetztheit dieser Filme immer nur als<span id="more-6984"></span> zitathaftes Echo offenbart. Ob Philip Marlowe wohl den Sprechgesang gemocht hätte, der bisweilen an grindiges Growlen erinnert? Ich schätze, er hätte es halbstark gefunden, falls er dieses Wort schon kannte. Die eigentliche Stimmung der Macelleria entspricht einer Idee von Noir, die bereits durch die schrille Drastik des Giallo gegangen ist, und ich denke dabei v.a. an Fulci, den großen Nihilisten dieser Ära. Natürlich kann man sich auch auf einen Schreiber wie James Ellroy einigen.</p>
<p>Wie die meisten Doom Jazzer kommt Adriano Vincenti, die treibende Kraft der Band, nicht vom Jazz, sondern hat seine Wurzeln in einer subkulturellen Musik, die ohne Punk und Industrial nicht denkbar wäre. Gerade letzteres hört man vielen Aufnahmen auch an, da sie stark von Sampling, von kollagenhafter Reisbrett-Konstruktion geprägt waren. “Black Lake Confidence” stellt eine Veränderung dar, da MMM mittlerweile zu einer Band im klassischen Sinne avanciert sind und folglich ein gewisser Livesound dominiert. Statt Post-Industrial mit Swing-Zitaten nun ein grooviger, ambienter Cooljazz mit sorgsam dosierten Noiseeffekten. Trotz allem hat auch das sechste Album der Band einen stark hörspielhaften Zug, wohingegen Songs im eigentlichen Sinne nur kurz anklingen, wie eine reizvolle Idee, die letztlich keiner Ausführung mehr bedarf.</p>
<p>Die Geschichten, die hier kollagenartig überblendet werden, drehen sich um Mordfälle, die im allgemeinen Bewusstsein längst zu modernen Mythen herangereift sind, ähnlich den Orten, an denen sie sich ereigneten. Es sind Geschichten von unterschiedlicher Irrealität: Die Ermordung eines US-Präsidenten während einer Parade in Dallas, eine der großen westlichen Politmythen, wurde primär von den Realitätsproduzenten TV und Radio verklärt, die auch hier den sprachlichen Teil via Sample bestreiten. Die fiktive Dorfschönheit Laura Palmer würde wie alle Soap-Charaktere im allgemeinen Bewusstsein längst das Eigenleben einer realen Person führen, wäre es nicht ausgerechnet ihr früher Tod gewesen, um den David Lynch seinen Twin Peaks-Stoff gebaut hatte. MMM huldigen dieser Folklore mit einem Cover von „Just You And I“, dessen Sentimentalität fast verschämt hinter den düsteren Klangwelten hervorlugt. Wilma Montesi, ein hierzulande vergessenes Model, sitzt zwischen all diesen Stühlen, denn in ihrem Mord trafen die Stränge der Alltagsrealität und der semirealen Halbwelt des Showbiz zusammen.</p>
<p>Die musikalische Seite könnte auch einen echten Film untermalen und ist ebenso heterogen wie der assoziativ verwobene Stoff. An vielen Stellen gebiert sie sich als leichter, in der Luft schwebender Ambient, bei dem Saxophon und trippige Beats für Lounge-Kolorit sorgen und pathetische Engelschöre das Irreale unterstreichen. Hat man sich erst richtig auf die Musik eingelassen, erscheint sie auf einmal tonnenschwer. Alles ist im Fluss, bisweilen sorgt stimmungsvolles Gitarrenpicking für regelrechtes Shoegazerfeeling, aber Vincenti lässt es dabei nicht bewenden. Passagen, die nach echter Jazzkapelle klingen, unterbrechen das Idyll, abgelöst von Lala-50s, von monotonen Rhythmen, von rührseligen Klavierpassagen, von hartem, fast noisigem Saxophon u.s.w.</p>
<p>Man ahnt es schon, Längen weisen die gut vierzig Minuten von „Black Lake Confidence“ kaum auf, was neben der konzeptuellen Geschlossenheit auch die größte Stärke des Albums ist.</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.trips-und-traume.com/news.html">Trips und Träume</a></strong></p>
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		<title>IN ZAIRE: White Sun Black Sun</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 06:16:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[G.I. Joe]]></category>
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		<description><![CDATA[In einer gepfefferten Auskennerreview könnten In Zaire schlecht wegkommen. Warum kann Rock nicht von seiner eigenen Geschichte lassen? Was kann man noch hinzufügen zu den fraglos interessanten Kapiteln, die Gruppen wie Hawkwind oder Pink Floyd vor rund vierzig Jahren zum &#8230; <a href="http://africanpaper.com/2013/05/11/in-zaire-white-sun-black-sun/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/inzairewhitesunblacksun.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6782" title="inzairewhitesunblacksun" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/inzairewhitesunblacksun-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In einer gepfefferten Auskennerreview könnten In Zaire schlecht wegkommen. Warum kann Rock nicht von seiner eigenen Geschichte lassen? Was kann man noch hinzufügen zu den fraglos interessanten Kapiteln, die Gruppen wie Hawkwind oder Pink Floyd vor rund vierzig Jahren zum Thema psychedelischer Musik eröffneten? Wozu braucht es nach dem jahrelangen Retrohype noch ein weiteres Psych Rock-Album? All diese Fragen sind berechtigt, doch wenn einem „White Sun Black Sun“ trotz allem frisch und radikal erscheint, dann muss es wohl etwas geben, das schwerer wiegt als Innovation. <span id="more-6781"></span>War die Musik der 60er und 70er nicht ohnehin ein unvolledetes Projekt mit vielen unverwirklichten Potenzialen, lediglich schal geworden durch das unerbittliche Rad der Konjunkturzyklen, dem in der Marktgesellschaft eben alles, auch die konsequenteste Alternative unterworfen ist? Darf man der heutigen Retromanie trotz Verhipsterung nicht trotzdem zugute halten, dass sie „the live coal under the ashes“ zumindest am Leben erhält? All diese Fragen sind ebenso berechtigt, aber die Frage, warum ausgerechnet In Zaire überzeugt, lässt sich weder darurch, noch mit dem schlichten Verweis auf ihr Können abhaken. Es ist eine mitreißende, elektrisierende Energetik, die sich schwer in Worte fassen lässt.</p>
<p>„White Sun Black Sun“ ist ein furioser Trip durch unser Sonnensystem und macht auf insgesamt sieben Himmelskörpern Station, wo das italienische Quartett die jeweilige Stimmung musikalisch einfängt – intrapsychische Feldaufnahmen eines rasanten imaginären Spacetrip, wenn man so will. Die erste Seite der LP beginnt ganz konventionell mit Sonne und Mond, sehr geradlinig zunächst mit satten, fast punkigen Riffs, mit wilden Hihats und creepy Vocals, die vom Fixstern auf den Erdtrabanten mitgenommen werden, wo es tänzelnder und filigraner zugeht. Krautrock-Assoziationen sind erlaubt, auch gegen Ende, wenn das Stück im lauten Chaos verschwindet. Ob die traditionelle Symbolik der jeweiligen Gestirne mit in die Ausgestaltung der Stücke hineinspielt – mal mag es einem so vorkommen, mal weniger, und sollte man im straighten „Sun“ eher das Männliche sehen als im verspielteren „Moon“, dann sagt das vielleicht mehr über den Hörer aus als über die Musik. Auf dem Mars tönt es kaum martialisch, vielmer läuft dort ein Score mit akustischen Klangmalereien und zünftigen Rocksoli, Merkur dagegen gibt sich spielerisch und zeitweise sehr funky. Jupiter hält die experimentierfreudigsten Momente parat und kompensiert scheinbare Strukturlosigkeit mit dröhnenden Hendrixsoli. Orientalische Sounds und die virtuosesten Drums erklingen auf dem schwülen Planeten Venus, rituelle Perkussion empfängt den Reisenden auf dem Saturn, der seit jeher eine Anziehungskraft auf Okkultisten aller Art ausübte. Dort schließt sich auch der Kreis, und der Hörer erreicht um einige Erfahrungen reicher den rockigen Ausgangspunkt.</p>
<p>Die LP erschien bereits Ende März in 500er Auflage, und vielleicht sind von den hundert farbigen Scheiben noch welche zu haben. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: <a href="http://soundofcobra.tk/">Sound of Cobra</a>/<a href="http://www.tannenrecords.com/">Tannen Records</a>/<a href="http://www.off-set.org/sito/home.php">Offset</a></strong></p>
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		<title>PHARMAKON: Abandon</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 06:10:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Cult of Youth]]></category>
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		<description><![CDATA[Auch wenn Industrial von Anfang an Grenzen überschritten hat – die Transgression vielleicht sogar das bestimmendste Merkmal war – und wenn ein Viertel der Gründungsband weiblich war, so ist Industrial dennoch immer primär ein Phänomen weißer Männer gewesen – sowohl &#8230; <a href="http://africanpaper.com/2013/05/11/pharmakon-abandon/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/sbr099-front.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6955" title="sbr099-front" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/sbr099-front-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Auch wenn Industrial von Anfang an Grenzen überschritten hat – die Transgression vielleicht sogar das bestimmendste Merkmal war – und wenn ein Viertel der Gründungsband weiblich war, so ist Industrial dennoch immer primär ein Phänomen weißer Männer gewesen – sowohl auf Seiten der Produzenten als auch Rezipienten. Das führt natürlich dazu, dass oftmals in besonderem Maße hervorgehoben wird, wenn eine Künstlerin sich an extremer elektronischer Musik versucht, so auch im Falle von Pharmakon, dem Projekt der 22-jährigen in New York ansässigen Margaret Chardiet, die trotz ihres jungen Alters schon seit einigen Jahren aktiv ist: So war sie ein Gründungsmitglied des<span id="more-6954"></span> <a href="http://rockawayredlight.blogspot.de/?zx=93aaf5fc9493a6ef">Red Light District-Kollektivs</a> und hat einige kleinere Veröffentlichungen (u.a. CD-Rs) herausgebracht. Nun erscheint auf Sacred Bones ihr erster Longplayer, der mit einer Spielzeit von etwa einer halben Stunde aber recht kurz ausgefallen ist.</p>
<p>Wenn die Künstlerin ihre Arbeit mit einem<a href="http://sacredbonesrecords.com/releases/sbr099/"> Exorzismus</a> vergleicht, so ist das erst einmal wenig originell, gefühlt jeder zweite Künstler, der musikalische und ästhetische Grenzen sprengt bzw. zu sprengen versucht, verkündet ähnliches und die Idee von Katharsis ist nun auch nicht mehr ganz so frisch. Davon einmal abgesehen ist „Abandon“ aber sicher ein besonders vitales und gelungenes Beispiel aggressiver elektronischer Musik, bei dem Chardiet im Studio am Mischpult von Sean Ragon (Cult of Youth) unterstützt wurde.</p>
<p>„Milkweed/It hangs Heavy“, der erste Track des Albums, wird von einem markerschütternden Schrei eröffnet, zu dem sich extrem verzerrte Stimmen gesellen; die musikalische Gestaltung erinnert an Death Industrial, Brighter Death Now schauen kurz um die Ecke. Dann taucht immer wieder der Schreigesang Chardiets auf, während die Elektronik wie ein Herzschlag pocht. Oft hat man den Eindruck, dass bei extremem weiblichen Gesang immer die gleiche (griechischstämmige) Künstlerin als Referenzpunkt herhalten muss, egal ob es nun passt oder nicht. So auch <a href="http://pitchfork.com/features/rising/9091-pharmakon/">hier</a>, wobei der Vergleich nur bedingt zutrifft. „Ache“ zeigt zweierlei: Zum einen, dass der Vergleich mit Diamanda Galás zu kurz gefasst ist, zum anderen, dass jüngere Künstler kaum noch Berührungsängste zwischen Stilen haben, denn hier klingt der Gesang Chardiets so, als wolle sie <a href="http://www.discogs.com/artist/Scott+Conner">Scott Conner</a> Konkurrenz machen. Dazu dröhnt die Elektronik rabiat. In der zweiten Hälfte wird das Brachiale zurückgefahren und das Stück bekommt fast kontemplativen Charakter. „Pitted“ erinnert mit seinem schleppenden Rhythmus an frühe Swans, der Gesang ist aber anfangs der melodischste des gesamten Albums und lässt vermuten, dass auch Gothic ein Einfluss auf die New Yorkerin gewesen sein mag. „Crawling On Bruised Knees“ erinnert mit dem verzerrten Gesang zwar noch am ehesten an konventionelle Power Electronics, das Stück ist aber unglaublich wuchtig und man nimmt Chardiets die Aggression jede Sekunde ab.</p>
<p>Was das Album weit aus der Masse anderer Veröffentlichungen herausragen lässt, liegt an vielerlei (musikalischen wie außermusikalischen) Gründen: Zum einen ist der Klang überaus klar, überhaupt nicht matschig und breiig, wie das sonst oft der Fall ist. Zum anderen ist das Album -wie aus dem Vorherigen deutlich geworden sein sollte- sehr variantenreich. Außerdem verabreicht die Künstlerin dem Hörer die richtige Menge, die richtige Dosis, was bei ihrem Projektnamen nicht unbedeutend ist („Within the infant rind of this small flower/Poison hath residence and medicine power“ heißt es bei Shakespeare). Einen außermusikalischen Aspekt sollte man aber nicht vergessen: Man kann fragen, wie die mediale Resonanz ausgefallen wäre, wäre „Abandon“ nicht beim momentan so angesagten Label Sacred Bones erschienen, sondern auf einem traditionellen Power Electronics-Label, z.B. BloodLust!, auf dem vor einigen Jahren eine<a href="http://www.discogs.com/Pharmakon-Pharmakon/release/1831599"> EP</a> von Pharmakon veröffentlicht worden ist. Das sagt etwas über Rezeptionsmechanismen aus, sollte aber keinesfalls als Einwand gegen dieses wirklich gute Album verstanden werden, das dem Rezensenten dann tatsächlich doch einige kathartische Momente beschert hat.</p>
<p>M.G.</p>
<p>Label: <a href="http://sacredbonesrecords.com/">Sacred Bones</a></p>
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		<title>KENJI SIRATORI: Monster&#8217;s Device</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 06:09:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kenji Siratori]]></category>
		<category><![CDATA[Minerva Books]]></category>
		<category><![CDATA[Minerva Records]]></category>

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		<description><![CDATA[Der japanische Autor und Multimedia-Künstler Kenji Siratori hat mit seinem früheren Kollaborateur Andrew Liles nicht nur die Veröffentlichungsfrequenz gemeinsam. Die beiden verbindet auch eine Vorliebe für bedrohliche Szenarien mit einem Hang ins Bizarre und Groteske, der sich nirgends so deutlich &#8230; <a href="http://africanpaper.com/2013/05/11/kenji-siratori-monsters-device/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/kenjisiratorimonstersdevice.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6858" title="kenjisiratorimonstersdevice" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/04/kenjisiratorimonstersdevice-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Der japanische Autor und Multimedia-Künstler Kenji Siratori hat mit seinem früheren Kollaborateur Andrew Liles nicht nur die Veröffentlichungsfrequenz gemeinsam. Die beiden verbindet auch eine Vorliebe für bedrohliche Szenarien mit einem Hang ins Bizarre und Groteske, der sich nirgends so deutlich zeigt wie in der häufigen Verwendung des Wortes Monster. Jüngst ist seine zweite Graphic Novel erschienen, die den Titel „Monster&#8217;s Device“ trägt. Nach eigener Angabe hat Siratori die Beschränkungen des<span id="more-6857"></span> vor Jahren gehypeten Cyberpunk-Genres aufgebrochen und andere experimentelle Schreibtechniken für sein dystopisches Ideengebäude entdeckt. Die Surrealisten standen wohl mit ihrer Idee der écriture automatique Pate, ebenso William Burroughs und andere Innovatoren der Montagetechnik.</p>
<p>Mir liegt das Buch nicht vor, doch die wenigen Grafiken und Textzitate, die ich im Netz aufschnappen konnte – „he said the black fellow geek gal cop had been staying at a friend&#8217;s cabin scatology gene family bukkake facials Kabukicho sex doll in the woods of murder“ – stellen Unterhaltsames in Ausicht. Als Vorgeschmack ist auch der Soundtrack dazu auf CD erschienen, der vielleicht einen ganz guten Eindruck von dem kompromisslosen Charakter des Stoffs vermittelt. Es handelt sich bei dem Stück mit der Spieldauer einer knappen Stunde um eine rasante Kollage, bei der wie bei einem hektischen Film kurze, prägnante Szenenfragmente unter Verwendung plötzlicher Gegenschnitttechniken aneinander gereiht werden – dies fast im Minutentakt, sodass auf Langzeit wieder der Eindruck einer gewissen Gleichförmigkeit entstehen kann. Zu den Motiven zählen zum einen ein basales Jazz-Instrumentarium, bestehend aus Piano, E-Bass, Drums und Saxophon, dessen Motive in regelmäßigen Abständen zitathaft wiederholt werden. Dazu jede Menge Feedbackrauschen, hektische Radio- und/oder TV-Samples und Klänge wie von Spielzeuginstrumenten, die ihren Teil zur comichaften Atmosphäre beitragen. Stets fliegt alles wie im Zeitrafferverfahren durch den Raum, doch bei genauerem Hinhören registriert man im vermeintlichen Chaos einen virtuosen Umgang mit den vielen Details, deren Montage immer weniger willkürich erscheint. Auch überblenden sich die Klangquellen an den Schnittstellen immer deutlicher, was zu interessanten Schichtungen führt.</p>
<p>„Monster&#8217;s Device“ ist Musik vom Reisbrett, das heißt eventuell auch, dass in Ruhe daran gearbeitet wurde. Beim Hören allerdings macht die Musik den gegenteiligen Eindruck eines hyperaktiven Furors, den man dem unsteten Berufskollaborateur von der kalten japanischen Nordinsel ohnehin unterstellt. Im Idealfall sollte die Musik in den Lektürepausen gehört werden. Um zu beurteilen, wie kongenial die akustische Seite des multimedialen Epos umgesetzt worden ist, müsste ich das Buch kennen.</p>
<p><strong>Label: Minerva Records</strong></p>
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		<title>CHARLEMAGNE PALESTINE + Z&#8217;EV: Rubhitbangklanghear Rubhitbangklangear</title>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 05:55:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Charlemagne Palestine]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Joel Weisser]]></category>
		<category><![CDATA[Sub Rosa]]></category>
		<category><![CDATA[Z'ev]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter den Minimalisten ist Charlemagne Palestine sicher derjenige, der im etablierten und institutionalisierten Musikbetrieb weniger als seine Kollegen wahrgenommen wird. Die Auftritte und Aufnahmen Palestines hatten bzw. haben – nicht nur wegen dem Moment des Repetetiven (der sich auch im &#8230; <a href="http://africanpaper.com/2013/05/04/charlemagne-palestine-zev-rubhitbangklanghear-rubhitbangklangear/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/Palestine1.jpeg"><img class="alignleft size-full wp-image-6885" title="Palestine" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/Palestine1.jpeg" alt="" width="150" height="134" /></a>Unter den Minimalisten ist Charlemagne Palestine sicher derjenige, der im etablierten und institutionalisierten Musikbetrieb weniger als seine Kollegen wahrgenommen wird. Die Auftritte und Aufnahmen Palestines hatten bzw. haben – nicht nur wegen dem Moment des Repetetiven (der sich auch im Titel widerspiegelt) – (auch) immer einen gewissen rituellen Charakter, etwa wenn z. B. die Stofftiere aus der extensiven Sammlung Palestines auf der Bühne drappiert wurden (vgl. die Rückseite der CD) und er sich den obligatorischen Cognac (der hier das Cover ziert) einschüttete. Und auch Z&#8217;EV hat sich sowohl musikalisch<span id="more-6874"></span> als auch schriftlich (in <em>Rhythmajik, Practical Uses of Number, Rhythm and Sound , </em><span style="font-style: normal;">das </span>bezeichnenderweise ursprünglich von Temple Press veröffentlicht wurde) mit dem, was Musik alles bewirken kann, auseinandergesetzt. Über das zuletzt genannte Werk schrebt Z&#8217;EV, es handele „not about music but spells out the use of rhythm and sound and proportion for Trance, Healing“.</p>
<p>In den Linernotes der Doppel-CD schreibt Palestine, er und Z&#8217;EV hätten sich 20 Jahre gekannt, bevor sie 2007 den Entschluss fassten, zusammen aufzutreten. Die auf „RubhitbangklanghearRubhitbangklangear“ enthaltenen Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2010 und wurden in Palestines Studio in Brüssel gemacht. Auf der ersten CD finden sich die gemeinsamen Arbeiten: Während Palestine auf seinem <span lang="de-DE">Carillon -</span>eine Art überdimensionales Glockenspiel- Melodien minimal variiert spielt, schlägt Z&#8217;EV seine schweren Bass-Trommeln. Was anfangs noch nebeneinander herzulaufen scheint, fügt sich im Verlauf der 18 Minuten zusammen; das Stück entwickelt sich zu einem repetetiv-perkussiven Mantra, das fast schon sakralen Charakter hat. Die zweite Duoaufnahme beginnt wesentlich zurückhaltender: Während die Glocken behutsam und langsam geschlagen werden, sind Z&#8217;EVs Beiträge kaum noch rhythmisch zu nennen, klingen so, als spiele er eine riesige Klangschale. Der dritte Track enthält dagegen erratischer klingende Perkussion, man meint, Z&#8217;EV wanke vom Cognac beschwingt durch eine Fabrikhalle, das Carillon ist hier stärker im Hintergrund. Das ist das vielleicht atonalste Stück auf dem Album. Die zweite CD enthält die Soloarbeiten und auch wenn diese nicht wirklich schlecht sind, so fallen sie im Vergleich zur ersten CD etwas ab, wobei die schiere physische Präsenz Z&#8217;EVs, die sich auf dem 46-minügen Abschlusstrack zeigt, schon beeindruckt und den Hörer – je nach Disposition – vielleicht tatsächlich in Trance versetzen kann.</p>
<p>M.G.</p>
<p><strong>Label: <a href="http://www.subrosa.net/en.html">Sub Rosa</a></strong></p>
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		<title>DANIEL MENCHE: Marriage of Metals</title>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 05:53:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Menche]]></category>
		<category><![CDATA[Edition Mego]]></category>
		<category><![CDATA[Gamelan]]></category>
		<category><![CDATA[The Venerable Showers Of Beauty]]></category>

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		<description><![CDATA[Daniel Menche, mit dessen umfangreichem Werk ich nur punktuell vertraut bin, ist bekannt für konzeptuell stringente Aufnahmen, bei denen meist die Bearbeitung von Sounds einzelner Klanquellen im Vordergrund steht. Das Getöse von Wasserfällen, das Summen von Insekten und diverse Wetterphänomene &#8230; <a href="http://africanpaper.com/2013/05/04/daniel-menche-marriage-of-metals/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/menchemarriageofmetals.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6871" title="menchemarriageofmetals" src="http://africanpaper.com/wp-content/uploads/2013/05/menchemarriageofmetals-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Daniel Menche, mit dessen umfangreichem Werk ich nur punktuell vertraut bin, ist bekannt für konzeptuell stringente Aufnahmen, bei denen meist die Bearbeitung von Sounds einzelner Klanquellen im Vordergrund steht. Das Getöse von Wasserfällen, das Summen von Insekten und diverse Wetterphänomene waren in den letzten Jahren Ausgangsmaterial des amerikanischen Klangmanipulators, die im Endresultat dann unterschiedlich deutlich herauszuhören sind. Sein neues Album trägt den alchemistisch anmutenden Titel „Marriage of Metals“, und was in den beiden Stücken v.a.<span id="more-6870"></span> miteinander fusioniert, sind die Sounds verschiedener indonesischer Gong-Arten. Menche beschäftigte sich schon länger mit der auf polyphonen Rhythmen basienrenden Gamelan-Musik und kontaktierte das in seiner Heimatstadt Portland ansässige Ensemble The Venerable Showers Of Beauty, in deren Studio er umfangreiche Aufnahmen machen konnte. Diese wurden anschließend digital bearbeitet und in eine dichte, verrauschte Wolke aus kleinteiligen Soundpartikeln eingebettet, woraus zwei LP-Seiten füllende Stücke entstanden sind.</p>
<p>Gamelan, eine v.a. auf Bali und Java verbreitete Musik, hat im Laufe ihrer langen Geschichte sicher ganz unterschiedliche Spielweisen hervorgebracht, doch der Laie, der vielleicht Aufnahmen aus dem World Music-Regal kennt, könnte sich über den hintergründigen und zunächst fast versteckten Charakter von Menches Gong-Perkussion wundern, die erst mit der Zeit in ihrer vollen Charakteristik erkennbar ist. In „Marriage of Metals I“ ist der verzerrte Sound, der das Spiel der bronzenen Klangkörper umfasst, meist dominanter, eventuell wurde das Instrument durch einen mit Stoff umwickelten Holzstab bearbeitet. Erst mit der Zeit, wenn man sich ganz auf die Musik einlässt, verschärft sich die Wahrnehmung für die detailreiche Klangtextur, und irgendwann erscheint die Resonanz des Metalls wie ein glühender Eisenstab, umhüllt von einer dichten Staubwolke. Verdichtet sich die Musik mit der Zeit, so ist zunächst nicht klar, ob es wirklich die Konsistenz der Klänge ist, die sich intensiviert, oder doch eher die Sensibilität des mit der Zeit immer mehr aklimatisierten Hörers. Doch im Kleinen gibt es durchaus eine Tendenz zur Dynamisierung, und gegen Ende kulminiert das raue und zugleich filigrane Klangbild in immer deutlicher kreisenden Bewegungen. Die zweite Seite ist zunächst weit weniger rau. Auch das Rauschen setzt erst im fortgeschrittenen Stadium von „Marriage of Metals II“ ein, das deutlichere (und für westliche Ohren aufwühlend-melancholische) Melodieansätze aufweist. Doch das Idyll ist von eher kurzer Dauer, denn irgendwann gerät die scheinbar übersichtliche Ordnung des Stücks durcheinander und versinkt in einem Strudel aus Läuten und Rauschen.</p>
<p>Mann kann sich lange darüber streiten, inwiefern der Versuch westlicher Künstler, Musik mit „Ethno“-Image authentisch zu spielen, einem musikalischen Rucksacktourismus gleichkommt. Doch so kritisch man dabei Exotimus und romantische Zivilisationsverdrossenheit auch sehen sollte, lasse ich mich doch ungern zu einer einseitigen Position hinreisen: Traditionell nur mündlich überlieferte Musikarten vor Marginalisierung und Assimilation zu „schützen“ muss nicht zwangsläufig auf museale Erstarrung hinauslaufen, und dies pauschal als paternalistisch zu verteufeln hieße das Kind mit dem Bade auszuschütten.</p>
<p>„Marriage of Metals“ ist eine ernthafte Annäherung an Gamelan. Wie stark Menche dieses Feld auch über die Klangmanipulation hinaus mit neuen Facetten bereichert, müssen Spezialisten beurteilen. (U.S.)</p>
<p><strong>Label: Edition Mego</strong></p>
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