RELAY FOR DEATH: Mutual Consuming

2019 erschien auf The Helen Scarsdale Agency unter dem Titel „On Corrosion“ eine Mammutveröffentlichung: Auf 10 in einer Holzbox  zu findenden Tapes versammelten sich Künstler von Alice Kemp über Himulkalt bis zu She Spread Sorrow mit je einem Album. Einige der Alben wurden in den letzten Jahren als Einzeltonträger wiederveröffentlicht, etwa der Beitrag von Gary Mundys sehr produktivem Projekt Kleistwahr oder das Weiterlesen

LAY LLAMAS: Hidden Eyes of a Ghost Jungle

Vieles spricht heute eher dagegen, musikalische Arbeiten gerade aus den experimentierfreudigeren Bereichen als Reise oder Klangreise zu beschreiben, v.a. aufgrund der Überstrapaziertheit solcher Begriffe im musikjournalistischen Diskurs. “Hidden Eyes of a Ghost Jungle”, die vor einigen Wochen erschienene LP des sizilianischen Projektes Lay Llamas, mutet allerdings tatsächlich wie ein musikalischer Reiseroman an, der einen langsam und Weiterlesen

ANIQO: The Call

Manchmal kündigt sich Veränderung nicht laut an, sondern flüsternd, als leiser Impuls, dem man nur folgen kann, wenn man bereit ist, alles Vertraute hinter sich zu lassen. “The Call”, der neue Song der Sängerin und Mehrfachinstrumentalistin Aniqo handelt von genau so einem Moment, einem inneren Aufbruch, der keiner klaren Richtung folgt, aber doch Weiterlesen

The Shell: Debüt des Trios auf Expert Sleepers

Die Combo The Shell veröffentlicht am 19. September sein selbstbetiteltes Album über Expert Sleepers. Das Trio aus Schottland – Leigh Chorlton an den Drums, Simon Kirby am modularen Synthie und Andrew Ostler am Saxophon – bewegt sich zwischen Free Jazz, Ambient, Minimalismus und, wie ebei Label heißt kosmischen Rhythmen. Die Musik ist cinematisch, kraftvoll und zugleich detailreich: Synthesizer, Drums und elektronisch verstärktes Saxophon verschmelzen zu dichten Improvisationen, die  Weiterlesen

Touch This Fragrant Surface of Earth: Kollaboratives Album von Marja Ahti

Unter dem Titel “Touch This Fragrant Surface of Earth” erscheint in den kommenden Tagen das neue Album der schwedisch-finnischen Klangkünstlerin Marja Ahti. Ahti, bekannt für ihre Arbeit mit Field Recordings, Objekten und Elektronik, erweitert hier ihr Klangspektrum um prägnante akustische Instrumente, gespielt von Isak Hedtjärn (Klarinette), Ryan Packard (Schlagzeug) und My Hellgren (Cello). Das Ergebnis ist ein vielschichtiges elektro-akustisches Werk, dessen Stimmung oft, außer natürlich bei den aquatischen Feldaufnahmen, trocken wie Rauch wirkt. Weiterlesen

Alessandro Adriani, Vū, Mina Lord, Skrei, Nàresh Ran: Konzertabend von Vūmantra Records in der Kantine am Berghain

In der Kantine am Berghain trifft am kommenden Mittwoche dem 3. September kompromisslose elektronische Avantgarde auf ebenso kompromisslose rohe Energie. Gastgeber ist das Berliner Label Vūmantra Records, gegründet von Vince Gagliardi alias Vū alias The Nent, das sich experimentellen und rituell aufgeladenen Formen elektronischer Musik verschrieben hat. Weiterlesen

Boreal Covenant: Mkl Anderson und Rush Falknor debütieren als Boreal Path

Das Duo Boreal Path, bestehend aus den beiden Experimental- und Industrialmusikern Mkl Anderson (Drekka) und Rush Falknor, veröffentlicht mit ”Boreal Covenant“ sein Debütalbum. Das Werk entstand aus einer improvisierten Session während der „Sounds From the Black Hole“-Reihe in Bloomington, Indiana. Anderson formte die Aufnahmen zu einem Klangpanorama, das auf beiden Seiten eine Art Palindrom bildet: Die eine Seite nutzt die Aufnahme in ihrer ursprünglichen Reihenfolge, die andere Seite kehrt die Reihenfolge um. Weiterlesen

Blind Delon im Berliner Cassiopeia

Anfang Oktober sind die französischen Blind Delon im Berliner Cassiopeia zu sehen. Blind Delon verbinden Post-Punk, kalte Synthies und düstere Romantik mit clubtauglicher Härte. Ihre Songs wirken zugleich roh, elektronisch und emotional distanziert, irgendwo zwischen Melancholie und Abriss. Live bringt das Trio eine musikalische Ästhetik auf die Bühne, die an eine Zukunft aus Stahl und Nebel erinnert. Weiterlesen

10p Jazz: Volk Soup debütieren auf Cruel Nature Records

Mit “10p Jazz” legt das achtköpfige Kollektiv Volk Soup aus Leeds am 3. Oktober sein erstes vollständiges Album vor – ein vielschichtiges, energiegeladenes Werk, das mit kantiger Wucht und abrupten Brüchen durch Post-Punk, Noise-Rock und experimentelle Rhythmen stößt. Besonders im bereits vorab erschienenen Track “Reptilian Brain” zeigt sich, wie die Musik gleichzeitig aufgewühlt, wach und kraftvoll nach vorn drängt, dabei aber nicht ins Chaos abgleitet, sondern eine fast schon aufgeräumte Struktur behauptet.  Weiterlesen

Múm und Hist Og im Berliner Lido

Mit „History of Silence“ melden sich múm nach längerer Studiopause zurück und stellen ihr neues Album im Herbst auch live in Berlin vor. Die isländische Formation, die seit Ende der 1990er für eine feinsinnig versponnene Verbindung aus Elektronik, organischen Klängen und kammermusikalischem Songwriting steht, widmet sich auf ihrer siebten Platte einmal mehr Themen Getrenntheit, Vergänglichkeit und Erinnerung.  Weiterlesen

Rieko Okuda, Ignaz Schick, Beat Keller und das Reanimation Orchestra im Berliner Hošek Contemporary

Für Kurzentschlossene: Bei Hošek Contemporary treffen heute Abend im Rahmend er Reihe Improvised and Experimental zwei Ensembles der freien Improvisation aufeinander. Zunächst spielen Rieko Okuda (Electronics), Ignaz Schick (Turntables, Sampler) und Beat Keller (Feedbacker-Gitarre). Im zweiten Teil ist das  Weiterlesen

Same: Michael Fischer, Philipp Quehenberger und Didi Kern debütieren als Phenomenal World

Gerade erscheint mit “Same” das erste Album von Phenomenal World zum Download, die LP folgt kommenden Monat bei Rock Is Hell Records. Das Trio, bestehend aus Michael Fischer (Feedback-Saxofon, Gesang), Philipp Quehenberger (Synthesizer) und Didi Kern (Schlagzeug), ist in der Wiener Szene längst kein unbeschriebenes Blatt. Nun bündeln die drei ihre Erfahrungen in einem gemeinsamen Projekt, das rohe Energie mit präziser Improvisation verbindet. Weiterlesen

Šablona: Albumdebüt der Combo Tepih auf Bruit Editions

Mit “Šablona” erscheint am in Kürze das Debütalbum des Quartetts Tepih als CD und zum Download über Bruit Editions. Das Ensemble vereint Samo Kutin (Drehleier), Gaudenz Badrutt (Elektronik), Tomaž Grom (Kontrabass, Elektronik) und Jonas Kocher (Akkordeon), der gerade beim gleichen Haus sein Soloalbum Archipelago” herausbringt. Alle Beteiligten haben zuvor bereits im Šalter Ensemble eng zusammengearbeitet.  Weiterlesen

Premier Rapport: Gemeinsamer Longplayer von Quentin Rollet und François Galland

Mit “Premier Rapport” erscheint in Kürze das erste gemeinsame Album von RG, dem Duo aus Quentin Rollet und François Galland. Das Projekt RG, dessen Kürzel eigentlich aus den Initialen der beiden Teilnehmer besteht, in Frankreich allerdings unweigerlich an den Geheimdienst “Renseignements Généraux” erinnert, steht bei den beiden Musikern jedoch für das Gegenteil: ein offenes musikalisches Gespräch ohne Geheimnisse. Kennengelernt haben sie sich 2022 bei einer Improvisationssession im Pariser Club Chair de Poule, wo sofort eine besondere Verbindung spürbar war. Wenig später arbeiteten sie in einem choreografischen Projekt zusammen, ehe 2024 erste Studioaufnahmen entstanden. Ein Konzert im “Tony Collectif”, ergänzt durch intime Sessions im Studio, bildet nun die Grundlage von “Premier Rapport”. Weiterlesen

Døgnville: Neuer Longplayer des Liv Andrea Hauge Trios

Am 5. September erscheint mit “Døgnville” das dritte Album des Liv Andrea Hauge Trios bei Hubro. Der Titel, so erfährt man vom Label, greift den gleichnamigen norwegischen Ausdruck auf – der das Gefühl benennt, aus dem Takt zu geraten, wie bei einem Jetlag oder Schlafmangel. In dieser Zwischenzone zwischen Wachsein und Traum, zwischen Struktur und Unbestimmtheit entfaltet sich die Musik des Albums. Weiterlesen

Mirco Magnani, Nàresh Ran, Andres Marino und Amy & Her Quiet Experiments in Berlin

Am Donnerstag, den 4. September findet erstmals nach der Sommerpause wieder ein Konzertabend der Reihe Glass in Berlin-Kreuzberg statt. Munsha und Team präsentieren einen Abend zwischen introspektiver Elektronik, freier Improvisation und radikaler Klangforschung. Nàresh Ran zeigt mit “PRAESENS” ein dunkles, intimes Werk für Synthesizer und Stimme, das sich, wie man im Programmtext erfährt, bewusst den inneren Abgründen zuwendet. Weiterlesen

Breathless: André Vida erkundet ungewohnte Seiten des Saxophons

In den kommenden Tagen erscheint mit “Breathless” das neue Album des Saxophonisten und Komponisten André Vida bei Vidatone als LP. Das Werk markiert einen radikalen Paradigmenwechsel in seinem Schaffen: Zum ersten Mal verzichtet Vida vollständig auf den Einsatz des Atems im Spiel mit dem Tenorsaxophon. Stattdessen rückt er die Geräusche des Instruments selbst in den Vordergrund – das Klappen der Finger auf den Tasten, das Lösen der Lederpolster, die Resonanzen im Inneren des Korpus. Weiterlesen

A Danger To Ourselves: Neue LP von Lucrecia Dalt

Am 5. September erscheint mit “A Danger to Ourselves” das neue Album von Lucrecia Dalt bei RVNG Intl. Nach dem vielbeachteten Vorgänger “¡Ay!” widmet sich Dalt diesmal in konzentrierter Form den Ambivalenzen zwischenmenschlicher Nähe. Im Mittelpunkt stehen ihre Stimme, lyrische Reflexionen und ein vielschichtiges Zusammenspiel aus akustischer Instrumentierung, kollagenartiger Perkussion und subtiler elektronischer Bearbeitung.  Weiterlesen

Radif of Iranian Music for Qanun: Nilufar Habibian mit Soundblock auf Post Orientalism Music

Mit “The Cultural Sound Blocks of Humanity Vol. 7 – Radif of Iranian Music for Qanun” erscheint am 16. Oktober erstmals ein digitales Album der iranischen Qanun-Spielerin Nilufar Habibian bei Post Orientalism Music. Die Veröffentlichung, die zahlreiche recht kurze Tracks enthält, ist Teil einer Reihe, in der zuvor bereits Instrumente wie Tar, Qopuz, Ney, Santur, Sitar und Kamanche im Kontext des iranischen Radif-Kanons vorgestellt wurden. Das Kanun, auch Qanun genannt, ist eine trapezförmige Kastenzither mit 63 bis 84 Saiten, die in Dreiergruppen gespannt und mit an den Fingern befestigten Plektren gezupft werden. Sein heller, facettenreicher Klang und die Möglichkeit, mittels kleiner Hebel Mikrotöne zu erzeugen, machen es zu einem zentralen Instrument in iranischer, arabischer und türkischer Kunstmusik. Es wird sowohl im Ensemble als auch solistisch eingesetzt und wird aufgrund seines Tonumfangs und seiner Spielweise oft mit dem Klavier verglichen. Weiterlesen