Karen Elsons Karriere als Musikerin hat aus zwei Gründen einen guten und einen schlechten Start. Zum einen ist sie ein erfolgreiches Model, das sich vor kurzem entschied, mit seinem bisherigen Steckenpferd, dem Singen und Gitarrespielen, ernst zu machen. Zum anderen ist sie die Gattin ihres Produzenten und Verlegers Jack White, seinerseits bekannt durch THE WHITE STRIPES, THE RACONTEURS und THE DEAD WHEATHER. Gut daran ist, dass Karen gleich einen Namen hat und ihre Zeit nicht mit Klinkenputzen und Spielen für lau vergeuden muss. Schlecht daran ist, dass sie erst beweisen muss, es eventuell auch ohne Starthilfe geschafft zu haben, wovon man die größten Nörgler und Spötter wohl nie überzeugt. Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Reviews
COCOROSIE: Grey Oceans
Das Schlimmste, was man COCOROSIE vorwerfen könnte, ist im Grunde nicht einmal ihre Schuld, sondern die der medialen Aufbereitung – ihre angebliche Rolle als Gallionsfiguren innerhalb einer vermeintlichen Blütezeit von Schrägheit, neuem Folk und Gender Transgression, sowie der ständig wiederholte und schon immer etwas oberflächlich wirkende Vergleich mit Joanna Newsom. Natürlich sind die beiden Casady Schwestern mit den ungleichen Lebensgeschichten kataloghaft exzentrisch, was immer das nun aussagt. Zudem schauen sie auch noch aus wie aus dem Bilderbuch. Weiterlesen
ELIJAH’S MANTLE: Observations of an Atheist
1993 erschien auf dem eigenen kleinen Label De Nova Da Capo und von World Serpent vertrieben das Debüt „Angels of Perversity“ des Projekts von Mark St. John Ellis, auf das damals einige vielleicht primär wegen der Beteiligung Brendan Perrys (Dead Can Dance) aufmerksam wurden. Der ursprünglich aus der Theaterszene stammende Ellis, der vorher schon ein Projekt namens Masque hatte, kombinierte auf dem Debüt wie auch auf den beiden folgenden Alben elektronische Klänge Weiterlesen
JEX THOTH: Whitness
Dass Frauen-Doom derzeit eine kleine Blüte erlebt, hat sich mittlerweile sicher bis in die letzten Ecken der Subkultur herumgesprochen. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die kalifornische Band JEX THOTH mit ihrer gleichnamigen Sängerin, die seit ihrem selbstbetitelten Einstand 2008 locker neben den auch highbrowmäßig rezipierten BLACK MOUNTAIN und den herrlich sleazigen ELECTRIC WIZARD bestehen kann. Mit schleppenden Gitarrenwänden, psychedelischen Orgeln und ausdrucksstarkem Gesang lässt man die Zeit früher BLACK SABBATH oder der legendären COVEN wiedererstehen. Weiterlesen
ROZZ WILLIAMS: The Lost Recordings
Rozz Williams hat spätestens mit seinem Freitod am 1. April 1998 endgültig (s)eine Apotheose erfahren und ist in den Olymp (oder besser: Hades) eingekehrt. Obwohl primär durch seine songorientierten Arbeiten verkultet – Christian Deaths 1982 erschienenes Debüt „Only Theatre of Pain“ dürfte eines der besten Death Rock-Alben aller Zeiten sein, Shadow Projects zweites Album „Dreams for the Dying“ fügte gothischer Grundstimmung komplexe und experimentelle Strukturen hinzu, seine zwei sicher von Jim Morrisons „American Prayer”-Album beeinflussten Spoken Word- Alben präsentierten Szenarien gespeist aus Heroin- und Alkoholabusus, aus Depression(en) und (A-)Religiosität. Weiterlesen
„Nothing is for all/in this colony of puppets“ – Interview mit Thomas Ligotti
Thomas Ligotti gehört zu den originellsten und talentiertesten Verfassern unheimlicher Literatur. Während andere Autoren ihre Texte dank Textverarbeitungsprogrammen zu endlosen Romankonvoluten aufblähen, an deren Ende der Einbruch des Unheimlichen in die Welt meistens abgewendet werden kann, also der (konventionellen Rezeptionsbedürfnissen entgegenkommende) wärmende Mantel des Happy Ends den Leser wohlig umhüllt, die Unordnung – natürlich – wieder in Ordnung ist, hat sich Ligotti weitgehend Kurzgeschichten gewidmet Weiterlesen
EVELYN EVELYN: Evelyn Evelyn
Über EVELYN EVELYN sind im Vorfeld schon viele Worte verloren worden, für Neueinsteiger sei der Stand der Dinge noch einmal kurz rekapituliert: Evelyn Evelyn sind Amanda Palmer und Jason Webley, erstere auch als Sängerin bei THE DRESDEN DOLLS bekannt, letzterer ein Folkvirtuose an verschiedenen Instrumenten und vielleicht so etwas wie die amerikanische Antwort auf POEMS FOR LAILA. Unterstützt werden sie von einer ganzen Reihe an Backgroundsängern und anderen Musikern, zu denen auch „Prominenz“ wie Andrew WK und Cobain-Tochter Frances Bean zählt. Weiterlesen
TREMBLING BELLS: Abandoned Love
Alex Neilson ist ein Drummer vom Kaliber eines Emil Amos, und Lesern des Black ist er wahrscheinlich noch am ehesten vom jüngeren CURRENT 93-Lineup her bekannt. Neben seinen zahlreichen Beiträgen zu anderen renommierten Künstlern (zu nennen wären außerdem BABY DEE, JANDEK, THE RED KRAYOLA und das menschliche Theremin JOSEPHINE FOSTER) hat Neilson eigene Gruppen ins Leben gerufen. Nach dem Glasgower Folkkollektiv SCATTER ist dies vor allem das weniger experimentelle Songprojekt TREMBLING BELLS, welches im vorigen Jahr mit dem Album “Carbeth” debütierte. Weiterlesen
SIEBEN: Star Wood Brick Firmament
Es gibt diese Platten, die man kaum greifen kann – greifen in dem Sinne, dass man sich ihnen begrifflich annähern und eventuell das, was man für das Wesentliche daran hält, klar umreißen und definieren könnte. Nicht selten handelt es sich gerade dabei um Musik, die einen besonders gefangen nimmt, die verführerisch, einschmeichelnd und dennoch auf Langzeit herausfordernd ist. Der Name des Violinisten Matt Howden steht für eine Art von Musik, die immer wieder eine solche Wirkung erzielen kann. Dies gilt besonders für sein recht eigenwilliges Hauptprojekt SIEBEN. Weiterlesen
CARTA: An Index Of Birds
Kyle Monday scheint es nicht sehr eilig zu haben, mit seiner in der Besetzung häufig wechselnden Band CARTA eine umfangreiche Diskografie vorweisen zu können. Schon kurz nach der Jahrtausendwende in der kalifornischen Bay Area gegründet, dauerte es ein halbes Jahrzehnt, bis der erste Longplayer „The Glass Bottom Boat“ das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Es war die Zeit, als Begriffe wie Postrock (noch immer) und Shoegaze (erneut) in aller Munde waren, weshalb sie jenseits des großen Wassers auch mit Handkuss von Kritikern und Publikum empfangen wurden. Vielleicht ist die Tatsache, dass im deutschsprachigen Popdiskurs seit Jahren ein Abgrund zwischen Subkultur und progressivem „Indie“-Mainstream konstruiert wird, ein Grund, dass CARTA in unseren Breiten bislang der Empfang mit Pauken und Trompeten verwehrt blieb. Weiterlesen
LITTLE ANNIE & PAUL WALLFISCH: Genderful
Little Annie, vormals Annie Anxiety, zählt zu denjenigen Künstlerinnen, bei denen man eine seitenlange Biografie voranschicken könnte. Man könnte zahlreiche Medien und Genres benennen, in denen die Wahl-New Yorkerin in den letzten dreißig Jahren tätig war, unzählige Kollegen aufzählen, mit denen sie neben MARC ALMOND, COIL und CRASS noch gearbeitet hat und – potentielle Neu-Fans damit hoffnungslos verschrecken. Annie Bandez verfügt über eine großartige Soulstimme in Alt, und hat in Paul Wallfisch, bekannt von den Gruppen BOTANICA und FIREWATER, einen virtuosen Pianisten gefunden, dessen Spielweise bestens mit ihrem Gesang fusioniert – zur nicht unwesentlichen Bereicherung jenes musikalischen Feldes, das der gängige Jargon gerne Torch-Song nennt. Weiterlesen
WALTON FORD: Pancha Tandra
Der aus Neu-England stammende Künstler Walton Ford ist einer der wenigen gegenwärtigen Tiermaler, die den Sprung aus den Naturkundemuseen in die “Welt der Kunst” geschafft haben – wobei man gleich zu Beginn auf die Unsinnigkeit dieser Gegenüberstellung verweisen muss, denn Kunst mit den Gewohnheiten des Feuilletons und dem gängigen kunsthistorischen Lehrprogramm gleichzusetzen, kann nur auf einfallslosen Vorstellungen beruhen. Weiterlesen
VLOR: Six Winged
Im Unterschied zu einem festen und aufeinander eingeschworenen Bandgefüge gibt es in der Musikwelt immer wieder Konstellationen, die geradezu angelegt sind auf überraschende Wirkungen. Das Remixen zählt natürlich dazu, ebenso spontane Jams eigentlich unbekannter Kollegen, und nicht zuletzt auch die sogenannten All Star-Bands, die meist aus dem Umfeld eines bestimmten Labels oder Freundeskreises stammen, und sich durch den Zusammenfluss unterschiedlichster Qualitäten auf die Probe der Kompatibilität stellen. Weiterlesen
THE GREAT PARK: The Cellar
Bereits vor einigen Wochen stellten wir den zwischen England, Irland und dem deutschsprachigen Raum pendelnden Sänger Stephen Burch und sein Folkprojekt THE GREAT PARK in einem Interview vor. Wie seine ausgiebigen Konzerttourneen sind auch seine Tonträger, die alle auf seinem eigenen Label Woodland Recordings erscheinen, von einem sympathischen Do it Yourself-Esprit durchzogen. So erschien sein aktuelles Album „Cellar“ auch wie die vorausgegangenen Arbeiten in einfacher aber stilvoll-handgemachter Verpackung und limitiert auf hundert Exemplare. Weiterlesen
AARKTICA: In Sea Remixes
Ein Remixalbum zu besprechen ohne das Original zu kennen ist immer eine etwas heikle Sache, und im Falle von AARKTICAS „In Sea Remixes“ landete der Tonträger auch eher zufällig auf meinem Tisch. Dass ich das Thema dennoch nicht unter selbigen fallen lassen möchte ist, soviel vorweg, der Qualität der Arbeiten geschuldet, und immerhin wurde die Band des Amerikaners Jon DeRosa im deutschsprachigen Blätterwald bislang auch sträflichst vernachlässigt. Grund genug, das Werk etwas provisorisch wie ein Phänomen zwischen Album und Compilation zu betrachten und dennoch unter die Lupe zu nehmen. Weiterlesen
KAL CAHOONE: Built The Fire
In dem vor einigen Monaten geführten Interview mit Kal Cahoone konnte man sich bereits ein Bild davon machen, wie umtriebig die aus Denver stammende Sängerin schon seit Jahren ist. Das Debütalbum ihrer derzeit auf Eis gelegten Band TARANTELLA kann man als ihren bisher größten Erfolg ansehen, zugleich auch als ein Werk, dass ihren Hauptmotiven den adäquatesten Ausdruck verleiht. Spanische und englische Vocals, Emotionalität und Coolness, Country und Worldmusic, Temperament und Melancholie – all diese Dinge reichen sich die Klinken in die Hand, Kal und ihr Kollege John Rumley scheinen wirklich am ehesten zwischen all diesen Orten zuhause zu sein. Vor kurzem ist Kals Solo-Debüt in Form einer fünf Songs umfassenden EP erschienen. Weiterlesen
XIU XIU: Dear God, I Hate Myself
Um es ganz klischeehaft zu sagen: Dunkle, melancholische Popsongs sind seit Jahren wieder in. Etwas differenzierter kann man festhalten, dass vor einiger Zeit in gewissen Independent-Kreisen das Potenzial waveinspirierter Klänge mit 80er-Jahre-Referenz wiederentdeckt wurde und nun eine neue Würdigung erfährt. Wenn dabei so Unterschiedliches wie EDITORS, ZOLA JESUS, BLESSURE GRAVE oder A PLACE TO BURY STRANGERS herauskommt, ist das eine dankenswerte Bereicherung, ganz zu schweigen von dem Kontrapunkt, den so etwas darstellt gegenüber all den nach Jahrzehnten kaum noch zu ertragenden DEPECHE MODE-Partys und anderen Seniorentreffs, die mehr mit Festgefahrenheit als mit Rückbesinnung zu tun haben. Weiterlesen
SLIM CESSNA’S AUTO CLUB: Buried Behind The Barn
Das Schöne am sogenannten „Denver Sound“ ist, dass die gut zwei handvoll Exponenten, die man unter diesem Sammelbegriff zu fassen sucht, alle sehr unterschiedlich klingen. Wenn man neben der lokalen noch die musikalische Komponente mit einbringen will, dann klingen weit gefasste Genrekonstruktionen wie „Dark Alternative Hillbilly Gothic“ und dergleichen derart nach Begriffsungetüm, dass man sich schon gar nicht mehr vor der Klischeefalle zu fürchten braucht. Weiterlesen
CTEPHIN: Duad 7″
Knapp 100 Singles oder auch „Drone-Bombs for your Dream-Mind“ sind bisher bei dem kleinen Label aus Bremen erschienen. Singles, die mit liebevollen und humorvollen Gattungsbeschreibungen versehen wurden, und die trotz unterschiedlicher musikalischer Ausrichtung(en) immer ins Konzept, ins weite Feld des Drones pass(t)en. Ctephin – ein Duo aus Oklahoma City, das dem „Umbrella Noize Collective“ angehört – zitieren im Inlay Frater Perdurabo (vulgo: Mr Crowley) und scheinen sich, was Titel, Zitat („For I am divided for love’s sake, for the chance of union.“) und Artwork nahe legen, mit dem Verhältnis von Trennung und (Ver-)Einigung zu beschäftigen. Weiterlesen