KRENG: Selfed

Manche Formen instrumentaler Musik, (Dark) Ambient oder gewisse Spielarten des Drones etwa, lassen sich wegen der vorhandenen Leerstellen (auch immer) als Soundtrack für imaginäre/imaginierte Filme verstehen und deuten. Der Belgier Pepijn Caudron hat unter seinem Projektnamen Kreng in den vergangenen Jahren Klänge nicht nur fürs Kopfkino komponiert, sondern für insgesamt 50 Theater- und Tanzproduktionen die Musik geschrieben, sehr häufig für eine Theatergruppe mit dem bezeichnenden Namen „Abbatoir Fermé“. Weiterlesen

FUTEISHA: Alegria y Duelos de mi Alma

Mit diesem Tape, benannt nach dem Freuden und Kämpfen seiner Seele, zieht uns Juan Scassa in das amusikaliche Inferno von Futheisha – verfremdete Schreie, klirrendes Material, zermalmendes und zermalendes, schepperndes und schabendes: Scassa, der sich mit La Piramide di Sangue, den großen Orientalisten des italienischen Psych Rock, einer Ästhetik des Schönen verschrieben hat, macht ernst mit seinem eigenen Projekt Futeisha, das man beim Debüt „Dannato” noch für eine einmalige Hommage an eine okkulte apokalyptische Folklore halten konnte. Weiterlesen

HOLGER CZUKAY: Movie!

Mit CAN komponierte Holger Czukay einiges an Filmmusik, deren Höhepunkte bereits 1970 auf der Compilation „Soundtracks“ erschienen sind. Als er ein Jahr nach dem Ende der Band in Eigenregie das Album „Movies“ herausbrachte, spielte der Titel wohl primär auf Czukays Faible für das Medium Film an, und auch wenn es dazu keine genaueren Erklärungen gibt, fallen doch einige Bezüge auf – der szenische und bisweilen episodische Charakter der Stücke, der zusammen mit etlichen Reminiszenzen an damals zeitgenössische Filmmusik zwangsläufig bewegte Weiterlesen

UNICAZÜRN: Omegapavilion

In musikalischer Hinsicht mag UnicaZürn, die Band, die David Knight und Stephen Thrower nach der Dichterin und Zeichnerin benannt haben, deren künstlerisches Charisma sie so beeindruckte, nicht ganz so weit entfernt sein von anderen Projekten der beiden wie Arkkon oder Cyclobe, zumindest insofern, dass in all den genannten Fällen dröhnende, „kosmische“ Klangflächen in feinsinniger Gestaltung vorkommen. Dass UnicaZürn oft noch um einiges freier und unvorhersehbarer klingt, hängt mit dem Unterschied zusammen, dass die beiden hier meist wesentlich spontaner und im besten Sinne planloser vorgehen und die Stücke in ergebnisoffenen Weiterlesen

ANOHNI: Hopelessnes

Viele sind traurig, dass es Antony And The Johnsons nun nicht mehr gibt, ebenso wie den Sänger Antony Hegarty. Kann man es ihnen verdenken? Sicher nicht, denn die Band hat im Laufe ihres Bestehens mehrfach Außergewöhnliches in die Welt gesetzt, und Leser von Seiten wie dieser kennen ihre Musik in der Regel noch ein paar Jahre länger als all die Indiehanseln da draußen, die von einer zehnjährigen Bandgeschichte faseln und „I am a Bird Now“ für das Debüt halten. Weiterlesen

MAREK X. MARCHOFF: Funeral Musik for You and Me

Auf den ersten Eindruck könnte man denken, der Titel „Funeral Musik for You and Me“ sei ironsich gemeint, nicht nur wegend es Mix aus deutschen und englischen Wörtern, denn weder die Musik, noch die Titel der einzelnen Abschnitte dieses Werks einer eher abstrakten Klangkunst zeigen einen offenkundigen Bezug zu Themen wie Tod und Trauer. Wie der Untertitel des Release allerdings impliziert, bedinden wir uns „Within a Triangle of Esoteric Sound“, was naheliet, dass es bei Marek X. Marchoff, bekannt durch die Projekte Different State und 23 Threads, ohnehin wenig konkret zugeht. „Funeral Musik for You and Me“ folg allerdings auf das Weiterlesen

COH: Music Vol.

Unter denjenigen, die computerbasierte Musik machen, gibt es wenige, die das so ernsthaft betreiben wie Ivan Pavlov, der seit Jahren als COH in verschiedensten Genres elektronischer Musik agiert. Dabei können innerhalb einer Veröffentlichung Stimmungen und musikalische Ausrichtung wechseln, wie auf der vor etlichen Jahren veröffentlichten hervorragenden „Love Uncut EP“. Weiterlesen

JO QUAIL: Five Incantations

Jo Quail hat wie viele Musiker, die mit traditionellen Instrumenten etwas mehr oder weniger Experimentelles machen, eine klassische Musikausbildung genossen und ist dann später – durch die Begegnung mit etwas schägeren Subkulturen – “auf Abwege” gekommen. Auf diesen Abwegen hinterlässt sie nun seit einigen Jahren interessante Spuren, ihre Signatur dabei ist ein erdiger, bisweilen bodenständiger und doch immer auch eine gewisse Weite implizierender Sound auf dem E-Cello. Weiterlesen

BLACK SUN PRODUCTIONS: Toilet Chant

Vor rund vier Jahren gab die Schweizer Musik und Performance-Gruppe Black Sun Productions ihre Auflösung bekannt, um fortan in anderen Projekten aktiv zu sein, jüngst erfuhr man, dass die Mitglieder Massimo und Pierce wieder ihren alten Namen Anarcocks benutzen. Rückblickend muss man sagen, dass sie ein ungewöhnliches und bemerkenswertes Phänomen waren, denn ihre Nähe zu Coil war mit keinem anderen mir bekannten Fantum vergleichbar: Ihnen fehlte das Verdruckste, gewollt eigenständige, das Bemühen, jemand anderes zu sin und zugleich unter den Teppich zu kehren, dass es diesen anderen schon Weiterlesen

OREN AMBARCHI / MASSIMO PUPILLO / STEFANO PILIA: Aithein

Es gibt in der etwas abstrakteren Musik ein paar Motive, die nie langweilig werden, vorausgesetzt sie gelingen. Eines davon ist die mit vielen kleinen Spannungsmomenten in der genau richtigen Unbestimmtheit gehaltene Steigerung von Intensität und Klangfülle, die sich – ausgehend von einem eher zaghaften Bündeln von Energie – an einem eruptiven Höhepunkt entlädt und ein ungewisses Nachspiel einleitet. Da denken manche an Aristoteles und die klassische Tragödie, fröhlichere Zeitgenossen vielleicht an Sex, wieder andere an Weiterlesen

NIEDOWIERZANIE: Atalante

In den letzten Jahren ist Leo Maury mit Niedowierzanie und diversen Zusammenarbeiten äußeres produktiv gewesen, und man kann sich den introvertierten Kauz gut in einem abgedunkelten Appartement vorstellen, wo er zwischen Weltschmerz und Hyperaktivität ständig an neuer Musik bastelt. Was dabei herauskommt erreicht immer wieder den Umfang und die Stimmigkeit eines Albums, anderes dagegen bleibt Einzelphänomen und landet vielleicht auf seiner Soundcloud. Die Aufnahmen, die vor kurzem unter dem Titel „Atalante“ auf Bandcamp erschienen sind, entstanden vor Weiterlesen