DYLAN CARLSON: Conquistador

Künstler haben sich schon mit Diktatoren verglichen, um für ihren z.T. gewaltvollen Drang, eigene Welten zu schaffen, ein Bild zu finden. Eine andere Figur, die den Antrieb und die oft obsessive Getriebenheit künstlerischen Suchens spiegelt, ist der Entdecker und Eroberer, der mit Einsatz seiner Lebenskräfte und oft ohne Rücksicht auf sich und andere neue Länder entdeckte – auf der Suche nach neuen Horizonten, aber auch nach Ruhm, dem sagenhaften Goldland oder der Quelle ewiger Jugend. Weiterlesen

V.A.: Don’t Look Now: Aural Apparitions from the Geographic North

Bald ist die Zeit, in der man wieder das „October Country“ (Ray Bradbury) durchschreiten kann, die Luft von was auch immer für Wesen heimgesucht wird und es vielleicht heißt: „Guide them, holy lantern, through darkness and disaster. “ (Thomas Ligotti). Das in Decatur, Georgia, ansässige Label Geographic North veröffentlicht diese Compilation – die vielleicht auf Daphne du Mauriers Kurzgeschichte gleichen Namens oder Nicolas Roegs Verfilmung, deren deutscher Titel die Gondeln der Lagunenstadt im Namen trägt, verweist – , die als “frightening foray into Halloween-inspired sounds” bezeichnet wird. Weiterlesen

MIKE COOPER: Tropical Gothic

Der in Italien lebende Gitarrist und Klangkünstler Mike Cooper ist einer der originellsten Exotisten der letzten Jahrzehnte, denn er versteht es, die Motive, die im Kontext westlicher Populärkultur – in sleazigen Musik- und Filmgenres, im Tikki- und Kannibalenkult – exotische Projektionen markieren, zu abstrahieren und auf ihre wesentlichen Elemente zurückzuführen. Meist resultiert das in kaum songorientierten, “experimentellen” Soundscapes, doch die stecken meist derart voll mit Kolorit, dass man sich um den Unterhaltungswert keine Sorgen machen muss. Weiterlesen

FABRIZIO MODONESE PALUMBO: The Insincere Sympathy Of The Faraway Stars

Ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang Joseph Losey und Tennessee Williams die Formulierung “The Insincere Sympathy Of The Faraway Stars” verwendet haben, aber man könnte sich darunter etwas nur diffus wahrnehmbares vorstellen, dem aus menschlicher Perspektive zugleich ein Eindruck von Ewigkeit anhaftet. Das würde zumindest gut zu der gleichnamigen Komposition passen, mit der Fabrizio Modonese Palumbo sein jüngstes Soloalbum füllt, denn die Abfolge der subtil verwobenen Sounds entpuppt sich als zirkulär und könnte sich auf diese Art endlos forsetzen. Weiterlesen

ORGANUM: Raven

Vielleicht ist diese Einschätzung nur der Rückschau geschuldet, aber eventuell ließe sich sagen, dass selbst in der dissonanten Frühphase in der ersten Hälfte der 80er das Werk David Jackmans als Organum – bei der unter seinem eigenen Namen veröffentlichten Musik sieht es ähnlich aus -  einen fast meditativen Charakter hatte, dass den aus schabenden und kratzenden metallischen Klängen, die zu zirkulierenden Noisesymphonien verdichtetet wurden, Weiterlesen

SHARRON KRAUS: Joy’s Reflection is Sorrow

Unter den Folksängerinnen der letzten Jahrzehnte gilt Sharron Kraus immer als die Spröde, deren Songs – v.a. wegen ihres ungeglätteten Gesangs – kaum zum Studentenfolk des letzten Jahrzehnts passten und auch denjenigen nicht wirklich entgegen kommen, die es bieder und altbacken mögen. Ihr neuster Longplayer ist gewiss nicht deshalb geworden, was er ist, weil sie ein für allemal beweisen wollte, dass sie auch ein veritables Popalbum auf die Beine bringen kann, und ein solches wäre “Joy’s Reflection is Sorrow” auch nur bei Weiterlesen

OISEAUX-TEMPÊTE: Tarab

Wenn man das hintergründige Piano und die leise summenden Geigen hört, mit denen die Ouvertüre beginnt, ahnt man noch nicht, wie gut sich der Titel „Tarab“ für das erste Live-Album der transmediterranen Formation Oiseaux-Tempete eignet. Im Arabischen bezeichnet das Wort nämlich einen Zustand der Ekstase, des außer sich Seins, der sich bei der Darbietung der Stücke mehrfach einstellt. Das Material auf der CD wurde bei Konzerten Weiterlesen

HOLOTROP: Deconstruction Mentale

Das in Berlin ansässige Projekt Holotrop tauchte vor einigen Jahren im Terrain zwischen ritueller Musik, Ambient und dunkler, psychedelischer Elektronik auf und machte sich durch Konzerte im In- und Ausland und eine rege Folge von Releases einen Namen. Der Name des Projektes bezeichnet die Eigenschaft einer Atemtechnik, die ekstatische Zustände hervorzurufen vermag und auf die Forschungen des Psychiaters Stanislav Grof, einem Pionier der Transpersonalen Psychologie zurückgeht. Weiterlesen