NATASCHA GANGL / RDEČA RAKETA: Mi Corazón

Natascha Gangl und das aus Maja Osojnik und Matija Schellander bestehende Duo Rdeča Raketa sind mittlerweile ein eingespieltes Trio mit einem umfangreichen ideellen Korpus an Material. Dieses existiert als stetig erweiterter und modifizierter hörspielartiger Soundcomic mit dem Titel “Wendy Pferd Tod Mexico” in einer imaginären Cloud, und gelegentlich werden Auszüge daraus aufgeführt, oder sie finden ihren Weg auf Vinyl. Weiterlesen

DAVID JACKMAN: Silence In That Time

Nach dem Organum-Album “Sorow” aus dem Jahr 2010 herrschte erst einmal Stille und David Jackman schien verstummt zu sein. Dann plötzlich erschien 2018 mit „Raven“ ein neues Album und 2019 mit „Herbstsonne“eine Veröffentlichung unter eigenem Namen. Vor ein paar Monaten brachten Siren Records mit dem lapidar betitelten „Electronics“ ein erstaunlich noisiges Organum-Album heraus, das aus den Alben der letzten Jahre herausstach. Weiterlesen

SQUADRA OMEGA: Antiterra

Seit zehn Jahren nun improvisieren die halbanonymen Squadra Omega ausladende psychedelische Klangwelten, die mit der Wucht eines Orkans in die herausforderndsten Irrgärten führen. Die Dynamik ihrer Aufnahmen verdankt sich einer vom Freejazz inspirierten Spontaneität, und obwohl vieles schwerer Rock ist, hat der Sound besonders in den tribal-perkussiven Momenten zugleich die abgehobene Leichtigkeit einer krautigen Weltmusik. Weiterlesen

CHRISTINE ABDELNOUR / MAGDA MAYAS: The Setting Sun is Beautiful Because of all it Makes us Lose

Die Saxophonistin Christine Abdelnour und die Pianistin Magda Mayas sind v.a. zu Beginn der Zehnerjahre häufig zusammen aufgetreten und haben mit “Teeming” und “Myriad” zwei Alben herausgebracht, die im Kontext ihrer beiden Instrumente, auch gerade was das Bearbeiten des Klavier-Inneren betrifft, neue Standards gesetzt haben. Trotz zahlreicher anderer Kollaborationen ist der Kontakt der beiden nie abgebrochen, und so kam es 2018 zu einem gemeinsamen Auftritt beim Osloer Ultima Festival. Nach wie vor Weiterlesen

SIMON GRAB: Posthuman Species

Wäre der Begriff Konzeptalbum nicht so verbraucht, könnte man ihn auch für “Posthuman Species” verwenden, das der Schweizer Produzent Simon Grab mit Mischpult, Verstärker und diversen analogen Effekten auf produziert hat – zumindest implizieren die Titel der je nach Version elf oder dreizehn Tracks ein recht klares Narrativ. Angedeutet wird die Entstehung einer neuen Spezies, ihr durch vielfältige Transformationen vollzogene physiologische Entwicklung, die Herausforderung, die all das für den Weiterlesen

KUUNATIC: Kuurandia

Über das farbenfroh kostümierte Trio Kuunatic sind seit einiger Zeit Gerüchte im Umlauf. Bisweilen hört man, die drei Musikerinnen, die neben Schlagzeug, Mikro, Bass und Keyboard noch ein paar traditionelle Instrumente beherrschen, seien in Tokyo zuhause und haben neben japanischer Musik eine Menge über lateinamerikanische Rhythmen, die Strukturen des Progrock und die Studioarbeit von Dub und Rootsmusik studiert und zu einem eigenwilligen Mix kombiniert. Angeblich soll sogar Weiterlesen

AKOUSTIK TIMBRE FREKUENCY / TEMPLE MUSIC: Split Frequencies Vol. II

Vor ein paar Wochen ging die rituell-experimentell ausgerichtete “Split Frequenzies”-Reihe von Sombre Soniks in die zweite Folge, diesmal steuern zwei der bekanntesten Acts des Labels je einen halbstündigen, latent episodisch aufgebauten Track bei. Nach dem im vorigen Herbst erschienenen Auftakt mit Embers Below Zero und Grist sind diemal Akoustik Timbre Frekuency um den Betreiber des Labels sowie Tempel Music um den seit Jahren vielseitig aktiven Alan Trench vertreten. Weiterlesen

MIRCO MAGNANI / LUKASZ TRZCINSKI: Lumiraum

Vielleicht gelingen Versuche, den gemeinsamen Kern verschiedener Schöpfungsmythen auszuloten, am besten dann, wenn sie in einem künstlerischen Medium wie der Musik erfolgen und dabei eine gewisse Abstraktion wahren. Die beiden Sound Artists Mirco Magnani und Lukasz Trzcinski haben ihre gemeinsame EP “Lumiraum” genannt, wobei laut Liner Notes sowohl Raum als auch AUM als Suffix verstanden werden können – das Licht oder Lumen als zündende, schöpferische Idee, die sich Weiterlesen

AGVIRRE: Silence

Wer sich vor der zunehmenden Verhipsterung des Black Metals sorgt, der sollte einfach bedenken, dass es für jede (Post-)Black Metal-Band, die auf Corpse Paint, satanische Texte und nicht entzifferbare Logos verzichtet, wahrscheinlich zwanzig “true” Undergroundkapellen gibt, die ihre verrauschten Demos auf Kleinstlabeln veröffentlichen, insofern sollte auch den nach der ersten Zusammenarbeit Werner Herzogs mit Klaus Kinski benannten und aus Manchester stammenden Agvirre, die den Zorn damit zumindest indirekt im Namen tragen, ein Ohr geliehen werden, denn ihre Debüt-EP ist eine starke Veröffentlichung. Weiterlesen

LOS PIRAÑAS: Historia Natural

In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, die hierzulande für viele sicher ein unentdeckter Ort ist, scheint es eine lebhafte Musikszene zu geben, in der passionierte Nerds mit großer Virtuosität und geringem Respekt vor Kultur- und Genregrenzen so ziemlich alles channeln, das nicht bei drei auf den Bäumen ist: die Verwegenheit des klassischen Rock’n'Roll, Rhythmen und Instrumente aus südamerikanischer Populärmusik, die Radikalität von Hardcore und Metal, cartoonhafte Pulp Fiction Weiterlesen

LOUISE BOCK: Sketch For Winter VII – Abyss: For Cello

Spires That In The Sunset Rise gehören wahrscheinlich zu den originellsten Vertreterinnen einer Form von Folk, die das Attribut „weird“ wirklich verdient. Zwischenzeitlich zu einem Quartett angewachsen, ist die Band seit einigen Jahren zu einem Duo, bestehend aus Ka Baird und Taralie Peterson, geschrumpft. Zuletzt erschien das recht jazzige “House Ecstatic (Cover Your Blood)” Weiterlesen

DESERTA: Black Aura My Sun

Wenn die Musik Desertas zunächst ungreifbar erscheint, dann liegt das sicher an einer wie hypnotisierten, traumwandlerischen Aura, die sich durch alle Songs des Debütalbums “Black Aura My Sun” zieht. Zugleich mag das aber auch von dem nebelverhangenen Imrpessionismus her rühren, der die verwaschenen Gitarrenakkorde und die wavigen Synthiebeats umhüllt und an die Grenze zur Auflösung bringt. Zusammen mit dem androgynen Gesang Matthew Dotys, der meist demonstrativ Weiterlesen

EMBERS BELOW ZERO / GRIST: Split Frequencies Vol. I

Die vorliegende Gemeinsaftsveröffentlichung des polnischen Ambient-Projektes Embers Below Zero mit der australischen Ritual-Formation Grist ist der erste Teil einer geplanten Reihe an Split-Alben auf dem englischen Label Sombre Sonics. Zwei lange, auslandende Kompositionen, die bestenfalls mittels leichter Korrespondenzen aufeinander bezogen sind, sollen sich auf den jeweiligen Releases gegenüberstehen. Für den ersten Teil liefern die beiden Weiterlesen