BLACK MOUNTAIN TRANSMITTER: Black Goat of the Woods

Wenn H.P. Lovecraft noch leben würde und sähe, wie irgendwelche Okkultisten magische Systeme auf seinem nur bedingt kohärenten Götterpantheon aufbauen, würde „der Einsiedler von Providence”, der ein radikaler Materialist war, wahrscheinlich gequält lächeln – extremere Reaktionen hätten sich für einen Gentleman, als den er sich sah, wahrscheinlich nicht geziemt.

Anders dürfte es sich bei literarischen/musikalischen Verweisen verhalten haben, schließlich ermutigte Lovecraft den sich lose um ihn gruppierten (Brief-) Zirkel sich seiner Geschöpfe zu bedienen – ebenso wie er manch einen Namen von anderen Autoren übernahm (z.B. von Clark Ashton Smith). Für ihn war das einfach ein literarisches Spiel und wenn J.R. Moore, der Mann hinter Black Mountain Transmitter, der nicht wie so viele andere Musiker auf den Oktopoden Cthulhu, sondern auf Shub Niggurath, die Ziege mit den tausend Jungen –  die von allen Kreaturen aus Lovecrafts Kosmos noch am ehesten auf traditionelle Fertilitätsgottheiten hinweist – verweist und schreibt, dass es ihm um eine Art Soundtrack für einen Low-Budget-Horrorfilm gehe, dann weiß man, dass auch er das alles mit einem gewissen Augenzwinkern sagt und bestimmt nicht nachts in einsamen Wäldern, gekleidet in Roben wie Stephen O’ Malley und Greg Anderson „Iä! Shub Niggurath“ intoniert und glaubt, dass das sein Sexualleben beleben werde. Der 45-minütige aus mehreren Teilen bestehende Track ist eine intensive Hörerfahrung, die durchweg Spaß macht: Man hört Orgeldrones, in weiter Ferne repetetive Perkussion, die klingt, als sei sie im Wald aufgenommen, knirschende, mysteriöse, kaum zu lokalisierende  Geräusche, Vogelzwitschern, Drones, Brummen, entfernte Melodien, gegen Ende gar sakrale Chöre. Trotz einer ziemlichen Variation und fortwährenden Progression ist das durchgängig stimmig, atmosphärisch unglaublich dicht ist es sowieso und gleichzeitig ist es bar der Klischees, die Musik, die versucht, eine unheimliche Atmosphäre zu erzeugen, sonst oft innewohnt.

(M.G.)

Label: Aurora Borealis