SPIRES THAT IN THE SUNSET RISE: Psychic Oscillations

Spires That In The Sunset Rise, sicher eine der interessantesten Bands, die aus einem Weird Folk-Kosmos hervorgegangen sind, haben sich fortwährend verändert und gerade in den letzten Jahren eine Entwicklung durchgemacht, bei der Improvisation eine stärkere Rolle zukam (wie z.B. bei ihren Aufnahmen mit Michael Zerang). Nach den zwei fast schon kammermusikalischen Teilen von „Ancient Patience Wills It Again“  wurde bei dem Nachfolger „Beasts In The Garden “ der Fokus stärker auf Blasinstrumente gelegt. Weiterlesen

NIELS GORDON: Land

Nostalgiker der frühen Synthiekünste, die Kraftwerk und all jene schätzten, die in den 70er und frühen 80er Jahren eine der nachhaltigsten musikalischen Revolutionen einleiteten, mussten über die Jahre sehr leiden: An der Schlagerkomponente, die nach dem Abebben des New Romantic schnell Einzug in die elektronische Popmusik hielt, an den zahlreichen Retrophänomenen, die sich aller Beteuerungen zum Trotz doch meist den Verhunzungen als den echten Grundlagen dieser Musik zuwandten, an den längeren Weiterlesen

LAGOSS: Imaginary Island Music Vol 1. Canary Islands

Das vor kurzem gegründete Trio Lagoss ist unmittelbar verknüpft mit den Kanarischen Inseln und v.a. Teneriffa, wo alle Mitglieder zuhause sind – Gonçalo F. Cardoso, der neben Acts wie Gonzo und Papillon das Label Discrepant betreibt, aus eigener Wahl, Mladen Kurajica und Dani Tupper, die außerdem die Band Tupperwear betreiben, qua Herkunft. Mit “Canary Islands” haben die drei gerade den ersten Teil einer “Imaginary Islands”-Reihe herausgebracht, und wer besonders Cardoso und sein Label kennt, ahnt wahrscheinlich, dass Weiterlesen

KALLE MOBERG: The Tokyo Sessions Volume 1 – Unheard-of

Dem jungen norwegischen Akkordeonisten Kalle Moberg ist etwas wiederfahren, wovon viele Musiker heimlich träumen – auf einer größern Tour mit seiner Band Large Unit, die ihn vor drei Jahren snach Tokyo führte, sprach ihn nach einem Festival-Auftritt ein älterer und äußerst renomierter Kollege an und drängte ihn geradezu, das aufgeführte Material oder zumindest ähnliches auf Platte herauszubringen. Weiterlesen

LUSTMORD: Trinity

Der Titel „Trinity“ verweist auf den Codenamen, unter dem der erste Atombombentest im Juli 1945 stattfand – einen Monat später verwüsteten „Little Man“ und „Fat Boy“ Hiroshima und Nagasaki. Unter diesem Titel entstand ursprünglich eine Zusammenarbeit von Biosphere und Lustmord für das Unsoundfestival im Jahre 2012, zu dem Marcel Weber ein Video konzipiert hatte.Jenssen und Williams führten das Projekt ein paar Mal live auf, später wurde das Matterial dann von Willimas für eine Soloveröffentlichung überarbeitet und 2018 fertiggestellt.

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SERGIO CALDERÓN / CÉLI LEE: The Eternal Dice

Sergio Calderón und Céli Lee, die beiden in London lebenden Künstler, die in der Vergangenheit häufig unter dem Projektnamen MU aufgetreten sind, knüpfen mit “The Eternal Dice” an ihr vor anderthalb Jahren erschienenes audiovisuelles Werk “A Journal of Transform” an. Neben dem stärkeren Fokus auf die musikalische Seite – dem Vorgänger lag ein Buch mit Zeichnungen Lees bei – ist “The Eternal Dice” aber auch sonst weit mehr als nur eine Fortführung früherer Arbeiten. Weiterlesen

Te/DIS: Transparent Subsistence

Das inzwischen dritte Album des deutschen Einmannprojekts, das 2013 mit der „Black Swan“ 7”  auf Galakthorrö debüttierte, bewegt sich wie alle anderen auf dem Label veröffentlichenden Künstler in einem analogen Universum, in dem die Maschinen surren und pulsieren. Worin sich Tempted Dissident von den Kolleginnen und Kollegen unterscheidet, ist der Gesang, der nicht wie jüngst noch bei Mode in Gliany somnambul klingt oder sich wie auf dem neuesten Haus Arafna-Album als brachiales Schreien manifestiert, sondern sich durchaus in einem Gothkosmos verorten lässt. Weiterlesen

MUMBLES: Heroine

Die in Berlin und Leipzig ansässigen Mumbles, ein launiges Quartett im Grenzland von Postpunk, Noiserock und augenzwinkerndem Pop, haben sich viel Zeit gelassen mit ihrem zweiten Album, denn die Nachfolgerin des vor sage und schreibe sieben Jahren veröffentlichten “Geese My Eyes” ist gerade im entstehen. Spruchreif ist bislang der Song “Heroine”, der bereits als digitale Single vorliegt. Für diese haben die vier dann gleich noch ein paarbesondere Hasen aus dem Hut gezaubert. Weiterlesen

RON GEESIN: Pot-Boilers (Ron Geesin Soundtracks To Stephen Dwoskin Films 1966-1970)

Ron Geesin, der ursprünglich vom Jazz kam, bereits Mitte der 60er die elektronische Avantgarde für sich entdeckte und einige Jahre später mit Pink Floyd arbeitete, ist nach Jahrzehnten nur mäßiger Publicity endlich wieder mehr im Gespräch. Inaktiv war er in der zurückliegenden Zeit allerdings nie, und so gibt es mittlerweile eine ganze Reihe an Aufnahmen, die ein größeres Publikum noch zu entdecken hätte. Dazu gehören auch die Weiterlesen

YAIR ETZIONY: We Were Here Before, And We Will Be Here After

Es wäre wahrscheinlich übertrieben, “We Were Here Before, And We Will Be Here After” als Yair Etzionys Hommage an seine Wahlheimat im Berlin-Neuköllner Schillerkiez zu bezeichnen. Und doch scheint die Umgebung, in die der israelische Klangkünstler vor einigen Jahren gezogen ist, eine große Rolle gespielt zu haben, als er in zwei verschiedenen Zeitabschnitten an den Tracks arbeitete. Zumindest erwähnt er dies in seinen Liner Notes, in denen er den beinahe dörflichen Charakter der Weiterlesen

LAGNO: Natural Language

Lagno ist das noch junge Soloprojekt der französischen Violinistin Elodie Le Neindre, die weit über ihr Stamminstrument hinaus surreale, elektroakustische Musik komponiert. Ihr Tape-Debüt “Natural Language” ist je nach Geschmack eine wahre Wunder- oder Rumpelkammer an durcheinander gewirbelten und ständig in einander zerfließenden Sounds und erinnert – wenn man so tief in die Theoriekiste greifen will – an die Idee einer Weiterlesen

MODE IN GLIANY: Kelc’h-lizher

Manchen Labeln gelingt es über die Jahre hinweg, so etwas wie eine schnell wiedererkennbare Ästhetik zu entwickeln (paradigmatisch etwa 4AD oder ECM, in den letzten Jahren etwa auch Sacred Bones), manchmal, aber nicht notwendigerweise immer damit einhergehend, auch so etwas wie einen Corporate Sound. Einen Klang(-Raum), der aber im Idelafall groß genug ist, um ein allzuenges Korsett zu vermeiden. Galakthorrö haben über die Jahrzehnte hinweg beides geschafft (Schwarzweißästhetik, analoge, teils transgressive elektronische Musik). Weiterlesen

KAVE: s/t

Kave ist ein neu gegründetes Quartett bestehend aus Stian Westerhus, Max Lodenbauer, Samuel Rohrer und Tobias Freund, zwei Improv-Jazzer und zwei Größen tanzbarer Elektronik, die in der einen oder anderen Konstellation schon zusammen aufgetreten sind. Auf ihrem Debüt entpuppen sie sich schon nach den ersten Minuten als weit mehr als die Summe ihrer Teile und lassen eine Musik entstehen, die zerbrechliche Momente hat und die Hörer mit auf die Suche durch ein Traumszenario nimmt. Weiterlesen

EVAPORI: Dia​-​Logos I • Dia​-​Logos II • Dia​-​Logos I​+​II Conclusion • Imitation

Auch wenn der Begriff Dialog eine Unterredung zweier oder mehrerer Sprecher bezeichnet, wird er doch häufig auch metaphorisch für die unterschiedlichsten Formen des Interagierens gebraucht. In der Musik kann man auch dann von einem Dialog sprechen, wenn verschiedene Komponenten der Notation, des Klangs oder auch der Stimmung nicht einfach kontrastierend aufeinandertreffen und aneinander vorbei “reden”, sondern sich immer Weiterlesen

INVENTIONS: Continous Portrait

Unter dem schlichten und irgendwie auch programmatischen Namen Inventions widmen sich Matthew Robert Cooper, der seine größten Meriten bislang mit der Band Eluvium erspielte, und Mark T. Smith (Mitglied bei den bekannten Explosions in the Sky) ihrem gemeinsamen Interesse an eigenwilligen und zugleich äußerst feinsinnigen musikalischen Irrgärten, die auf den doppelten Böden akustischer und elektronischer Klänge gebaut sind. Fünf Jahre nach Weiterlesen

CHARBEL HABER: The Delightful Sights And Sounds Of A Decaying Nation

Auch ohne das Cover, dass die Anfang August durch zwei Explosionen zerstörte Hafenanlange in Beiruts Bezirk Mar Mikhael zeigt, könnte man die jüngst erschienene Veröffentlichung von Charbel Haber kaum anders als im Kontext der verheerenden Ereignisse sehen. Gewidmet ist das knapp dreiviertelstündige One Track-Album der Hundertjahrfeier des Libanon am 1. September, den der in Beirut geborene Komponist und Musiker, der in seinen Titeln häufig Metaphern des Verfalls und der Dekompostierung verwendet, recht unverblümt als “decaying Nation” bezeichnet. Weiterlesen

HAUS ARAFNA: Asche

Seit das Duo 1993 mit der brachialen, von ultraverzerrten analogen Klängen und (wie es von Labelseite später hieß) “Schreigesang” durchzogenen „Sex U-Mas“-7” debütierte, wurde der brutale Sound auf Alben wie „Blut“ (später in leicht erweiterter Fassung wiederveröffentlicht) oder „Children Of God“ ausdifferenziert, entwickelte sich danach noch weiter weg von der brachialen Analogdisruption des Frühwerks hin zu melodischeren Stücken. Weiterlesen

V.A.: Too Much Future

Als die Punks der DDR den von den Sex Pistols popularisierten Schlachtruf “No Future” in ein vielleicht noch trotzig-nihilistischeres “Too Much Furture” ummümzten, ging es nicht um eine auf Rückwärtsgewandtheit basierende Irritation angesichts doch noch möglicher Progressivität. Was in den drei Wörtern eher anklang, war die Einsicht, dass keine Zukunft wohl noch besser sei als eine am Reisbrett entworfene Zukunft der Weiterlesen

PASCAL COMELADE / MARC HURTADO: Larme Secrete

Dass Pascal Comelade und Marc Hurtado in den letzten vierzig Jahren nie zusammen auf der Bühne oder im Studio gewesen sind, überrascht fast, denn die beiden Franzosen sind seit den späten 70ern in unterschiedlichen Konstellationen aktiv und interessanten Kollaborationen gegenüber keineswegs verschlossen. Hurtado, der mit seinem Duo Ètant Donnés im Grunde zu den Pionieren es experimentellen Industrial zählt und mit Leuten wie Weiterlesen