DJ MARCELLE / ANOTHER NICE MESS: The Musical

Wenn nicht nur The Wire, der Resident Advisor und und der obskure niederländische Dekmantel, sondern sogar Größen wie Julie Andrews, Lisa Minelli und Andrew Lloyd Webber posthum vor Begeisterung sprühen (Zwinkersmiley), dann kann unsere Wenigkeit nur in das gleiche Horn blasen und das erste Musical, in dem die niederländische Producerin DJ Marcelle als Komponisten und Hauptfigur zugleich fungiert, jedem Freund gepflegter Weiterlesen

DIAMANDA GALÁS: Broken Gargoyles

In den letzten Jahren war es still um Diamanda Galás geworden: Zum einen pflegte sie ihre kranke Mutter, zum anderen versuchte sie, die Rechte an ihren alten Alben wiederzuerlangen – was ihr schließlich auch gelang. Auf ihrem eigenen Label Intravenal Sound Operations veröffentlichte sie dann Livealben wie auch Neuauflagen von „The Litanies Of Satan“, „Diamanda Galás“ und zuletzt noch „The Divine Punishment“, dem ersten Teil ihrer Weiterlesen

RUBIN HENKEL: Restless

Rubin Henkels Musik drehte sich immer in der einen oder anderen Weise um Erinnerung. Auf seinem Debüt “Ruhe” aus dem Jahr 2018 verknüpfe der als Pianist und Soundtrackkomponist bekannte Musiker einige der ersten Melodien, die er als Kind mit einfachem Gerät aufnahm, zu einem anrührenden Mosaik aus kunstliedhaften Details. Auf seinem neuen Album “Restless” arbeitet er erstmals im größeren Stil mit den Erinnerungen einer anderen Person. Weiterlesen

TERESA RIEMANN: Trébuchement Persistant

Teresa Riemanns Tape “Trébuchement persistant” beginnt mit der Wucht der Entschlossenheit. Schon das eröffnende Stück “All we could bury” enthält im kleinen eine Vielfalt an Stimmungsnuancen, die für ein kleines Album gereicht hätte. Wie bei einer Tür, die man zufällig öffnet und die zu einer schon voll im Gange befindlichen Party führt, fällt man wie zufällig in diesen Song in dem alles – Barpiano, perkussives Hantieren, heftiges Gedresche, das nie nur Lärm ist, und einen Hauch von Jazz und Kabarett – wie Weiterlesen

COIL: Constant Shallowness Leads To Evil

Dais Records versuchen seit einigen Jahren mit einer Reihe von Veröffentlichungen etwas Ordnung in das – vorsichtig formuliert – Veröffentlichungschaos Coils, das durch die ungeklärte Rechtesituation nach Balances und Sleazys Tod enstanden ist – eine wahre „chaostrophy“ – zu bringen. Weiterlesen

SARAH MAISON: Soleils

“Devant mes yeux joie et tristesse mélangent” – “vor meinen Augen vermischen sich Freude und Traurigkeit” – heißt es in einem der Songs auf Sarah Maisons aktueller EP “Soleils”, und der Satz könnte fast so etwas wie ein Motto ihrer Musik im Allgemeinen, besonders aber der fünf Songs auf diesem vor einigen Monaten erschienenen Mini-Album sein, das die Wehmut der Erinnerung, die bunten Bilder, den Himmel und immer wieder Weiterlesen

LEILA ABDUL-RAUF: Phantasiai

Unter dem Begriff Phantasiai, das offensichtlich mit dem gebräuchlichen Wort Fantasie verwandt, aber nicht bedeutungsgleich ist, verstanden die Denker der hellenistischen Zeit alljene durch sinnliche Wahrnehmung gewonnenen Informationen, die nicht oder noch nicht in bewusste Gedanken übersetzt sind. Manche zählten zu diesen Informationen auch den Inhalt von Träumen, Halluzinationen und imaginierten Bildern. Weiterlesen

GAMMELSÆTER / MARHAUG: Higgs Boson

Lasse Marhaug hat in den letzten Jahrzehnten ein quantitativ wie qualitativ beeindruckendes Werk veröffentlicht, das irgendwo zwischen Noise, Metal, Jazz und (weitaus) mehr anzusiedeln ist, Gammelsæter sang als 17-Jährige beim kurzlebigen Projekt Thorr’s Hammer (mit Greg Anderson und Stephen O’ Malley), später bei Khlyst mit James Plotkin, Weiterlesen

RISARIPA: Sync

Pulsierende Takte im schleppenden Downtemp, geheimnisvoll in den Hintergrund gemischte Stimmen, melodische Spannung, Hochtöner fast wie ein schreiender Säugling, aufgelöst in einem hellen Lichtstrahl. Dann echte Schreie, gebrochen, aufgelöst in dichtem Rauschen. Risa Egawa alias Risaripa eröffnet ihr Album “Sync” mit einer Dystopie en miniature, bei der alle Sounddetails in einer körnigen Rauchwolke verschwinden, während der Takt Weiterlesen

FRANÇOIS ROBIN / MATHIAS DELPLANQUE: L’Ombre de la Bête

Viele bringen Instrumente aus der Familie der Sackpfeifen v.a. mit den schottischen Bagpipes, hierzulande Dudelsäcke genannt, in Verbindung. Tatsächlich existieren auch in den keltisch geprägten Regionen des kontinentalen Europa bis nach Galizien verschiedene Formen der Sackpfeifen, eine davon ist die in Nantes und der gesamten südlichen Bretagne verbreitete Veuze. Weiterlesen

LILI REFRAIN: Mana

Mit feierlich elektrisierendem Orgelpathos und einer zum Chor multiplizierten Stimme beginnt Lili Refrains aktuelles Album “Mana”, dessen ethnorituelles Pulsieren zusammen mit den hallunterlegten Gesangspassagen so große Gesten entstehen lässt, dass man ganz vergessen könnte, wie kompakt die meisten der neun Songs eigentlich sind. Weiterlesen

TEKLA PETERSON: Heart Press

Taralie Peterson ist eine Hälfte des auf diesen Seiten schon häufig rezensierten Duos Spires That In The Sunset Rise, das seit Jahren eine zutiefst originelle, ursprünglich aus dem Weird Folk kommende Musik spielt, die in den letzten Jahren einen stärkeren Jazz- und Improveinfluss bekommen hat. Neben ihrer Arbeit mit Ka Baird auf zahlreichen Spires-Alben hat Peterson unter dem Namen Tar Pet Alben mit dunkel-dräuenden Folkminiaturen veröffentlicht, Weiterlesen

NIHIL COMMUNICATION: Live

Als vor über anderthalb Jahrzehnten der heute v.a. als Jazz-Drummer bekannte Kalifornier André Custodio mit seinem experimentell ausgerichteten Soloprojekt Nihil Communication auf der Bildfläche erschien, hätte man jemanden erwarten können, der gekommen war um zu bleiben, zumindest seit dem Album “We are Violent” (Edgetone Records 2006), das mit zahlreichen Gästen eine intensive Düsternis aus fast introvertiert wirkender Dröhnung und einem Rauschen erzeugte, das bei genauerem Hören eine versteckte lärmende Gewalt transportiert. Allerdings entpuppte sich das Projekt als eines, das nur in größeren Abständen von sich reden machte. Weiterlesen

ANGELINA YERSHOWA / YNAKTERA: Time for Change

Es ist immer großartig, wenn ein Wandel von etwas Schönem eingeleitet wird. Das Album von Angelina Yershowa und dem italienischen Klangkünstler Ynaktera, das den Titel “Time for Change” trägt, beginnt fast wie ein fernes Vogelkonzert. Kommt die Musik erst in Fahrt, erlebt man einen animierten Flug im Zeitraffer über weites Land, bei dem man nicht zwangsläufig an die zentralasiatischen Weiterlesen

DAVID E. WILLIAMS: Get me a Ladder… Get me a Ladder!

Man sollte sparsam umgehen mit Begriffen wie Opus magnum im Zusammenhang mit Neuerscheinungen altgedienter Musiker, denn man kann nie wissen, was die Zukunft noch an Überraschungen bereithält. Im Falle von David E. Williams’ “Get me a Ladder… Get me a Ladder!” ist die Versuchung allerdings groß, denn es handelt sich bei diesem Album – so viel vorweg – um einen ganz großen Wurf. Weiterlesen

SEAN ADDICOTT: Destroyertones

Der in Bristol ansässige Sean Addicott veröffentlicht „Destroyertones“ auf dem Tapelabel Outsider Art, auf dem gerne auch rabiater Noise und Power Electronics veröffentlicht werden, „Destroyertones“ hebt sich davon allerdings ab, lässt sich viel eher an der Schnittstelle von Ambient, Shoegaze und Drone verorten. Etwas weniger profan heißt es von Labelseite: „Destroyertones is a bodywork of which explores catharsis through ritual isolation, loneliness, and the importance of growth and change.“ Weiterlesen

ALEX CUNNINGHAM: The Heavens May Cease To Be

Der in St. Louis ansässige Cunningham ist ein Geiger, der sich musikalisch im Drone und in der Improvisation verorten lässt. Er hat spielt u.a. als Hess/Cunningham Duo und Vernacular String Trio, der selbstbetitelten „Missouri free improvisation group“. Er ist auch als visueller Künstler tätig, dessen Kollagen eine Reihe von (eigenen und fremden) Veröffentlichungen zieren. Etwas erinnert er dabei an Ester Kärkkäinen; weniger vom Sujet als von der Herangehensweise. Weiterlesen

MARTIN WEINREICH: Points Of Entry (1989-1995)

Auch wenn (Auto-)Biographien oft den Eindruck vermitteln (wollen), die Vergangenheit ließe sich aus der Distanz problemlos wiederherstellen, ganz so, als könne man eine diffus-amorphe Masse von scheinbaren Erinnerungen in eine klar abgrenzbare Chronologie bringen, so handelt es sich dabei doch eher um eine dem Wunsch nach besserer Lesbarkeit und Kontrolle geschuldete Re-Konstruktion. Weiterlesen