It doesn‘t need to be fancy, it just needs to be real. Interview mit Torba

Torba, das Projekt des italienischen Klangbastlers Mauro Diciocia, existiert mittlerweile seit fast zehn Jahren und hat im Laufe der Zeit einige Wandlungen durchgemacht – was Ende des letzten Jahrzehnts mit schweren, rauen Gitarrendrones begann, führte recht bald in die extremsten Gefilde des Harsh Noise, um auf den jüngeren Releases einer vielschichtigen Musik auf der Basis von Feldaufnahmen Platz zu machen, bei der sich Feinsinn und Groteske die Waage halten. Was sich wie ein Weiterlesen

It’s very difficult to come up with just two or three words that describe an act that crosses multiple genres: Interview mit Lost Harbours

Seit gut 10 Jahren existiert das aus Richard Thompson und Emma Reed bestehende Duo Lost Harbours. Auf inzwischen drei Alben und zahlreichen kleineren Veröffentlichungen spielen sie eine Musik, die sie selbst als „exprimental folk“ bezeichnen – und diese teils transzendentale Musik transzendiert auch tatsächlich (allzu) einfache Kategorisierungen und Genrebegrenzungen – „Hymns & Ghosts“ heißt fast schon programmatisch ein Album von Lost Harbours. Ursprünglich aus Southend-on-Sea stammend, lebt Thompson inzwischen in Lettland.  Weiterlesen

I don’t feel comfortable with the restrictions and rules of a tribe. Interview mit Simon Balestrazzi

Wenn man ein bisschen mit dem Werk Simon Balestrazzis vertraut ist und seine Arbeit verfolgt, kann man sich kaum vorstellen, dass er mal einen Tag lang nicht auf der Suche nach Sounds ist, sie im Studio bearbeitet und kollagiert, an seinen zum Teil eigens konzipierten Instrumenten bastelt oder mit Kollegen wahrscheinlich ganze Nächte hindurch jammt. Seit einigen Jahren ist es nicht ungewöhnlich, dass drei bis fünf seiner Longplayer pro Jahr herauskommen, seltener solo, häufiger von seinen zahlreichen Kollaborationen: Dream Weapon Ritual, DAIMON, A Sphere of Simple Green, Hidden Reverse und noch einige mehr. Weiterlesen

There’s always been hints of apocalypse in our work: Ein Interview mit Nonconnah

Das nach einem Ort in Tennessee benannte aus Zachary Corsa und Denny Wilkerson Corsa bestehende Duo Nonconnah spielt “Damaged hymns from the broken Mid-South”. Vorher hatten die beiden zahlreiche Tonträger unter dem Namen Lost Trail veröffentlicht, einem selbst so bezeichneten “ambient/drone/shoegaze project”. Musikalisch knüpft Nonconnah an das Vorgängerprojekt an: Feldaufnahmen, Samples, Giatarre und Drones werden zu einer Musik verdichtet, auf der das Dunkle und Mysteriöse, das sich im Klangbild, Artwork und in Tracktiteln widerspiegelt, (auch immer) ein Moment des Trostes enthält. Weiterlesen

My instruments are a means to tell my stories. Interview mit der koreanischen Musikerin und Komponistin Park Jiha

Park Jiha spielt verschiedene Blas- und Perkussions-Instrumente der traditionellen koreanischen Musik, auf ihrem Debüt Communion verbindet sie dies mit Saxophon, Schlagzeug und anderen modernen Klangquellen. Ihre Musik enthält, wie sie im Interview sagen wird, einiges an typisch koreanischen Empfindsamkeiten, doch auch ohne Einblick in diese fremde Tradition kann man jenseits exotisch-romantischer Projektionen manch Vertrautes in ihrer Musik finden. So sehr die verschiedenen Einflüsse ihre Kompositionen und ihre Spielweise automatisch prägen mögen, ist ihr Ansatz doch ein spontaner, und die wichtigsten Antriebe findet sie in ihrer eigenen, individuellen Biografie. Über diese und manch anderes sprachen wir im kürzlich geführten Interview. Weiterlesen

We Simply Lend our Energies to the Chaos of Creation. Interview mit Hermetic Brotherhood of Lux-Or

Die im Sardinischen Macomer beheimatete Hermetic Brotherhood of Lux-Or existiert, ähnlich wie das ihr nahestehende Label-Kollektiv Trasponsonic, schon seit den späten 90ern, doch es dauerte eine Zeitlang, bis das mysteriöse Ritual-Projekt sich auch außerhalb der italienischen Musikszene einen Namen machte. Der vor einigen Jahren durch die Medien geisternde Begriff der Italian Occult Psychedelia scheint wie für sie geschaffen, ist jedoch gleichsam eine nur bedingt passende Kategorie, da gerade der zweite Begriff für die Sardinier um MSMiroslaw weit mehr als Kolorit bedeutet. Hermetic Brotherhood, die ihren Namen einem Weiterlesen

A passage into an altered state: Interview mit Ka Baird

Ka Baird hat mit den vor einigen Jahren zum Duo geschrumpften Spires That In The Sunset Rise eine ganze Reihe von Alben veröffentlicht, die in ihrer Originalität, Experimentierfreude und Wucht in der zeitgenössischen Folkmusik ihresgleichen suchen und man könnte vielleicht so weit gehen, die nach einer Zeile aus einem Gedicht von Baudelaire benannte Band als legitime Erben von Comus zu bezeichnen. Gleichzeitig hat Weiterlesen

Armageddon has already happened. Interview mit Juan Scassa von Futeisha und La Piramide Di Sangue

Mit seinem derzeit wichtigsten Steckenpferd Futeisha spielt der in Turin lebende Argentinier Juan Scassa eine sperrig-schöne Mischung aus sanften, mediterranen Folkklängen, unberechenbarem psychedelischen Lärm und hörspielartigen Sequenzen. Was diese Musik vom gängigem Dark Folk unterscheidet, ist das Fehlen aller betulicher Biederkeit, und mit ihren bissig nihilistischen Untertönen ist sie ein idealer Vertreter einer Richtung, für die David Tibets Begriff “Cartoon Apocalypse” recht gut passen würde. Im folgenden Interview Weiterlesen

We try to catch lust for life underneath the chaos. Interview mit Oiseaux-Tempête

Oiseaux-Tempête bestehen im Kern aus Frédéric D. Oberland und Stéphane Pigneul, zwei Multiinstrumentalisten, die vor einigen Jahren, als beide noch in zahlreichen anderen Formationen spielten, zu jammen begannen und ihren typischen Stil zwischen schleppenden Rhythmen, dröhnenden Gitarrenriffs, verspielten Saxophonparts und allerlei elektronischen und folkloristischen Beigaben entwickelten. Wenn die beiden ihre Band als ein offenes Projekt begreifen, bezieht sich das aber nicht nur auf die zahlreichen Weiterlesen

We see our era as an apocalyptic one: Interview mit Winter Family

Seit einer Reihe von Jahren veröffentlicht das aus Ruth Rosenthal und Xavier Klaine bestehende französisch-israelische Duo unter dem Namen Winter Family eine dronegeschwängerte, düstere Musik. Untermalt von Harmonium oder Klavier spricht und singt Rosenthal ihre Texte. Auf ihrem aktuellen Album “South From Here” gibt es eine kleine musikalische Änderung – eher eine Ergänzung als einen Kurswechsel – , finden sich doch auf einigen Stücken partiell rhythmische und ruppigere Elemente. Der etwas augenzwinkernd betitelte Weiterlesen

My own quest is a transmission of energy. Interview mit Marc O’Callaghan von Coàgul

Wahrscheinlich ist es die enorme Energiegeladenheit, die einem als erstes ins Auge springt, wenn man zum ersten mal Marc O’Callaghan bei einer Show seines Projektes Coàgul auf der Bühne sieht. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass die druckvolle elektronische Musik des Katalanen, die immer wieder – etwas vorschnell? – mit klassischer ritueller Elektronik wie TG oder frühen Coil verglichen wird, ganz spontan entstanden ist – improvisiert, aus der Stimmung heraus oder einer inneren Notwendigkeit folgend entstanden. Das gleiche gilt für die Weiterlesen

We make music with our anger. Interview mit group A

Auf den ersten Blick wirken Tommi und Sayaka, die seit einigen Jahren unter dem Namen group A analoge elektronische Musik zwischen Noise und Minimal Wave spielen, wie die perfekte futuristische Version einer exotischen Fantasie: zwei nur spärlich bekleidete Japanerinnen mit body painting und den in Ostasien bekannten Reisbauernhüten, die allerdings aus Aluminium sind und so auch ein bisschen an die Kopfbedeckung diverser Chemtrail-Paranoiker erinnern. Doch auch wenn group A das Spiel mit Klischees mögen, haben ihre Musik und ihre Performances weit Weiterlesen

Das Opium der Schönheit. Interview mit Demian von Ô Paradis

Es gibt Attribute, mit denen man sparsam umgehen sollte, wenn man über Musik spricht, und eines davon ist sicher das Wort einzigartig. Man sollte aber nicht allzu erschrocken sein, wenn es einem im Bezug auf Ô Paradis ab und an herausrutscht, denn für einen solchen Fauxpas gäbe es Anlässe genung: Die Kunst, mit gesampleten Sounds originelle Kollagen zu zaubern, die gekrönt mit einer Weiterlesen

If you’re writing music, you write what’s inside of you. Interview mit der Musikerin und Kuratorin R. Loftiss

Als im vergangenen Jahrzehnt grade Folkmusik in aller Munde war, gerieten neben den großen Hypes und dem obligatorischen Mittelmaß auch ein paar obskure Gewächse in den Fokus, denen aufgrund ihrer Sperrigkeit und ihrer Unscheinbarkeit die Aufmerksamkeit großer Magazine versagt blieb. Zu diesen Gewächsen zählte auch das Projekt mit dem mysteriösen Namen The Gray Field Recordings, dessen Musik nur schwer einzuordnen war: Neben filigranen Melodien auf der Weiterlesen

So if you don’t like it there must be something good about it. Interview mit John Murphy

John Murphy ist einer der wenigen Pioniere des Industrial, die der Musik, die sie miterfunden haben, über die Jahrzehnte hinweg treu geblieben sind. Und das muss bei Murphy schon deshalb hervorgehoben werden, weil er ein ausgesprochen vielseitiger Musiker ist, der meist mehreren Arbeiten parallel nachgeht und so manche Wandlungen und Entwicklungen vollzogen hat. John ist seit den 70ern ein renommierter Drummer, spätestens seit seiner Zeit bei SPK ist die elektronische Bearbeitung von Sounds sein zweites Standbein, und vielleicht sind seit jeher gerade die Projekte am interessantesten, bei denen er beide Fähigkeiten zusammenbringt. Weiterlesen

We still need to document our future through song. Interview mit Trappist Afterland

Oftmals hat man den Eindruck, dass aufregende, erregende Musik  von denen gemacht wird, deren Einflüsse breit und nicht auf ein Genre begrenzt sind. Trappist Afterland, das Projekt des Australiers Adam Cole, bestätigt das. Auf der Facebookseite der Band werden die Einflüsse offengelegt, und die lesen sich wie ein Gang durch die Geschichte psychedelisch(st)er (nicht nur Folk) Musik. Auf den bisherigen Alben, von denen das jüngst erschienene „Afterlander“ das erste ist, das auf Vinyl gepresst wurde, wurde aber auch immer wieder deutlich, dass Cole Interesse an außereuropäischer Musik hat – im folgenden Interview berichtet er Weiterlesen

Vieles, was wir als Fortschritt bezeichnen, ist einseitig. Interview mit Dave Phillips

Dave Phillips ist seit den 80ern aus der lärmenden Musikwelt nicht wegzudenken, legte mit seiner Band Fear of God einen Grundstein für Noise- und Grindcore und wurde später solo zum berüchtigten post-industriellen Soundaktivisten – ein Begriff, den Phillips nur unter Vorbehalt akzeptiert, so wie ihm die begriffliche, rationale Sprache ohnehin einseitig und als ein Quell ideologischer Verstrickungen erscheint. Viel mehr vertraut er – im Leben, im Studio und auf der Bühne – auf den Klang als Träger von Emotionen und Inhalten. Viel zu sagen gibt es über den weitgereisten Multimediakünstler aus Zürich dennoch, und eines seiner Weiterlesen

I do not tolerate bitterness in my music. Interview mit Nick Grey

Falls es im Werk des Sängers und Gitarristen Nick Grey so etwas wie einen gemeinsamen Nenner gibt, dann dass nahezu alle wichtigen Bestandteile seiner Musik schwer zu greifen und doch seltsam vertraut sind. Da ist zum einen die mit seinem Random Orchestra eingespielte Musik, die er nicht zuletzt auch darum „Oblique Pop“ nennt, weil sie alle Genremuster sprengt – würde man sie auf den einfachen Gegensatz zwischen songhafter Akustik und experimentierfreundiger Elektronik reduzieren, so könnte man sie vielleicht irgendwo in dem weiten Feld zwischen Weiterlesen

Searching for Subterranean Sounds. Interview mit Silvia und Andrea von Yerevan Tapes

Abgesehen von der ursprünglichen Bedeutung als Ettikett rangiert die Semantik des Begriffs “Label” zwischen Plattenfirma und Marke, und auch in weniger kommerziellen Nischen kann man viele Labels dahingehend unterscheiden, welche der beiden Bedeutungen ihnen eher entspricht. Zum einen gibt es die Labels, die innerhalb eines nicht allzu eng gefassten Spektrums eine gute Bandbreite an Acts verlegen, ohne dass es eine klar erkennbare Hausphilosophie und eine deutliche ästhetische Linie gäbe. Auf der anderen Seite Weiterlesen