CONTROLLED DEATH: Music For The Ritual Desecration Of Corpses

Nachdem Maso Yamazaki über Jahrzehnte als Masonna manisch-eruptiven Noise spielte und absurd kurze Auftritte absolvierte, macht er seit einigen Jahren eine Musik, die den Fokus eher auf die Depression legt:  Als Controlled Death hat er sich auf kurzen wie auch expansiven Veröffentlichungen am Tod abgearbeitet und wüste LoFi-Aufnahmen von düsterdräuenden Synthesizern, entmenschlichten Vokals und leiernden Orgelpassagen veröffentlicht.

Der seit langem in Japan lebende Rudolf Eb.er hat in den letzten Jahren „schamanistische Rituale [aufgenommen], die durch reinigende psycho-physische Grenzerfahrungen die am meisten einengende psychische Zwangsjacke – das Ego – entkräften und im Idealfall überwinden sollen.“ Auch auf seiner Om Kult-Trilogie, die den Untertitel „Ritual Practice of Conscious Dying“ trägt, hat er sich am Tod abgearbeitet.  Yamazaki und Eb.er kennen sich schon lange, kamen vor einiger Zeit noch zusammen auf einem Splitalbum auf Cold Spring, bevor sie dann gemeinsam das Tape „Serenita Per I Morti Viventi” aufnahmen. Seit einiger Zeit ist Eb.er im Livelineup von Controlled Death und nun erscheinen auf seinem Label Om Kult Studioaufnahmen, die auf den gemeinsamen, sogenannten „live rituals“ basieren.

„Ritual Desecration Of Corpses, Act 1“ ist eine Melange aus Rauschen, Brummen und dann der vielleicht zu Recht im Fokus stehenden Stimmen, die den Menschen in seiner ganzen Kreatürlichkeit zeigt. Der zweite Teil ist musikalisch ähnlich: eine dunkel-dräuende Soundmasse, in die Stimmen und Stöhnen einbrechen. Zum Schluss hat man den Eindruck, dass das Stück weniger ausklingt als (ver-)endet. Das Interludium „Intermission: Feast On Corpses“ rückt eine flächige Orgel ins Zentrum des Klangbilds. “Act 3″ präsentiert wieder unmenschlichste und deswegen ganz menschliche Stimmen, bei denen man kurzzeitig meint, man könne einzelne Worte verstehen. Auf “Act 4″ kommt eine Orgel hinzu, die zwischendurch leiert und an die auch auf anderen Aufnahmen Controlled Death’  zu hörenden Auflösungsprozesse erinnert.

Im Innern der CD findet sich ein Bildensemble, das aussieht, als habe Hermann Nitsch Clive Barkers Zenobiten gebeten, ihn bei seinem Orgien-Mysterien-Theater zu unterstützen. Auf der Bandcamp-Seite findet sich dann auch der Hinweis „The interior artwork of the full-color 6-panel digipak is intended only for viewers who wish to engage with it consciously.”

Der „literarische Schwarzarbeiter“ Ulrich Horstmann verwendet in Texten und Interviews gerne das Verb „krepieren“, um das zu bezeichnen, das weniger Klarsichtige mit dem verdrängenden Euphemismus „von uns gehen“ nennen; wie man die auf “Music For The Desecration Of Corpses” zu findende Musik einschätzt, sollte klar sein. (MG)

Label: Om Kult