CURRENT 93: Hallucinate, Children

Bei „Hallucinate, Children“ handelt es sich nicht um den Nachfolger des letzten songorientierten Current 93-Albums „If a City is Set Upon a Hill“ aus dem Jahre 2022, vielmehr knüpft es an die experimentelleren Arbeiten der letzten Jahre an, etwa an die 12” „If A Star Turns Into Ashes“ oder aber die Soloalben David Tibets „Ferelith“ und „Fontelautis“.

Der Anlass der Veröffentlichung erinnert an das „Invocations Of Almost“-Album, wurde dieses doch anlässlich einer Ausstellung von David Tibets Gemälden in Kalifornien herausgebracht und fungierte als Musik, die in den Räumen während deren Dauer lief.  „Hallucinate, Children“ enthält Musik, die während der in Prag stattfindenden gleichnamigen umfangreichen („The exhibition Hallucinate, Children is being developed in collaboration with the artist and will present visual works spanning the full arc of Tibet’s career.“ ) Ausstellung zwischen dem 23. Oktober 2026 und 4. Apil 2027 zu hören sein wird.

Dabei enthält das aus zwei längeren Tracks bestehende Vinyl lediglich Teile, Auszüge der Musik, eine vollständige(re) Version wird als 6CD-Box auf Dirter herauskommen, eine kürzere Kassettenversion  auf LarkSpur Songs. Der Hinweis „HALLUCINATE, CHILDREN is some Snatches of the C93 soundtrack to the various rooms at Dox Gallery which will be showing David’s work, as well as an overview of his work as and with Current 93 over the last 93,000 years.“ weist schon im zweiten Teil der Beschreibung auf die Konzeption und Komposition des Albums hin; auf dem weitgehend instrumentalen Album entdeckt man immer wieder Teile, Fragmente anderer Current 93-Aufnahmen: Da sind etwa die Harmoniumdrones und die Worte „What drives us on“, die Frage, mit der „Immortal Bird“ vom Album „Sleep Has His House“ beginnt. Es taucht die Stimme Bungalow Bills von „I Have a Special Plan For This World“, einer von Current 93s Zusammenarbeiten mit Thomas Ligotti, auf. Oder man hört den am Ende von “Lucifer Over London” zu hörende  Ausruf „The Tower of Moab. My God, it does reach to heaven.“ aus L. A. Lewis’ Kurzgeschichte, die den Track inspirierte, Die beiden Stücke des Albums sind durchweg von einer somnambulen Stimmung durchzogen. Aus einem seltsamen auralen Zwischenreich taucht  Bekanntes auf, verschwindet, dem Unberechenbaren einer Traumlogik folgend. Es wurde auf unseren Seiten schon häufiger darauf hingewiesen, welche Rolle Träumen im Werk Tibets zukommt. Wenn man auf das Frühwerk verweisen will, dann ist „In Mnestrual Night“ zu nennen, im Vorwort zu seiner Textsammlung „Sing Omega“ spricht Tibet von Current 93 als „dream channel“.

Auf der Webseite der Gallerie ist zu lesen: „[The drawings and paintings] function as independent records of dream, revelation, disquiet, and ecstatic image-making. Their symbolic language is populated by recurring figures and signs: children, stars, birds, animals, angels, sacred names, apparitions, and apocalyptic landscapes. Together, these motifs form a world poised between innocence and terror, fragility and prophecy, nursery rhyme, and Last Judgment. […] [A]n urgent, unsettling, and strangely tender testimony to a world perpetually on the threshold of revelation.” Das ist sicher eine Beschreibung, die auch für die Musik der letzten “93, 000″ Jahre nicht ganz unpassend ist. (MG)

Label: Cashen’s Gap