THE DOOMED BIRD OF PROVIDENCE: Meteoric Heralds of Danger

Marcus Clarkes 1874 erschienener Roman For the Term of His Natural Life erzählt vom Schicksal des zu Unrecht verurteilten Rufus Dawes, der als Sträfling nach Australien deportiert wird und dort Gewalt, Willkür und die unmenschlichen Bedingungen der britischen Strafkolonien erlebt. Das Meer und die australische Landschaft werden dabei zu ebenso bedrohlichen wie unberechenbaren Kräften. Ausgehend von Clarkes düsterem Abenteuerroman haben The Doomed Bird of Providence, die im Raum London ansässige Band des gebürtigen Australiers Mark Kluzek, nun ein Album geschaffen, das, wie sie selbst sagen, vor allem von den dort beschriebenen Seestürmen und der eigentümlichen Atmosphäre dieser Geschichte inspiriert ist.

“­Meteoric Heralds of Danger” ist ein fast ausschließlich instrumentales Werk, auf dem sich jeweils ein längeres Stück mit einem kurzen, wie ein Interludium wirkenden Abschnitt abwechselt. Die Musik ist aus grafischen Partituren, Improvisation und festgelegten kompositorischen Strukturen entstanden und verbindet pastoralen Folk mit kammermusikalischen und gelegentlich beinahe progartigen Momenten sowie Reminiszenzen an populäre Sea Shanry-Strukturen. Langjährige Leserinnen und Leser unserer Seiten erleben in dieser Stilmelange vielleicht dank Simons Finns kurzzeitig eingesetztem chorartigem Gesang und bei Joolie Woods Violinenspiel das eine oder andere Deja-vu.

Schon “Reflection of a Conflagration” führt mit angeregtem, spanisch anmutendem Gitarrenpicking, warmen Streichern und Akkordeon in eine zugleich aufgeweckte und wehmütige Atmosphäre. “Darkly Rolling Waves Flashed Fire” entwickelt daraus ein wunderbares, schunkelndes Shanty im Walzertakt, während “A Long Low Line on the Distant Horizon” mit Fingerschnippen, Becken, flirrenden Streichern und einer immer wieder leicht aus dem Takt geratenden Bewegung einen angenehm taumelnden Charakter erhält. Überhaupt lassen sich die Stücke Zeit, wiederholen Motive, verschieben Kleinigkeiten und lassen immer neue Details an die Oberfläche treten. Der Titeltrack lebt von Katie Englishs Flöte und einem federnden, beinahe jazzigen Auftakt, bevor sich die Musik zunehmend dramatischer verdichtet. “Towering Above the Wreck” schließlich führt die Erzählung zu ihrem emotionalen Höhepunkt: Ein tänzelnder Walzer, glühende Flöte und hohe Streicher treffen auf rauere Passagen und eine subtile, fast doomige Schwere.

So entsteht eine Musik, die trotz ihres literarischen und historischen Ausgangspunkts nie illustrativ wirkt. Ihre Spannung liegt vielmehr in den kleinen Verschiebungen, Brüchen und Entwicklungen innerhalb der Stücke, in denen sich Wehmut und Dramatik immer wieder mit etwas Verspieltem und eigentümlich Trunkenem verbinden. The Doomed Bird of Providence machen aus Clarkes düsterer Welt damit keine bloße Vertonung, sondern ein eigenständiges musikalisches Epos, in dem die Unberechenbarkeit des Meeres und das Schicksal seiner Figuren auf ganz eigene Weise weiterwirken. (A.Kaudaht)

Label: 10 to 1 Records